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"Tue, was du sagst, sage, was du tust" - Othmar Karas

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Format
issue
17/08/2012
page
Science36
nterview
"Tue, was du sagst, sage, was du tust"
Politikverständnis der Jugendlichen und den Reformbedarf in der Politik.
ÖVP, hat bei der
letzten EU-Wahl 113.000Vorzugsstimmen erhalten.
Heute ist er Vizepräsident des Europäischen Parlaments und Delegationsleiter der VP-Abgeordneten.
DIREKTMANDAT. Othmar Karas,
FORMAT: Occupy-Bewegung, Jugendproteste
in
Spanien und Griechenland
wird Europas Jugend
wieder politisch aktiver?
Othmar Karas: Ich bin
froh, dass es in Europa
wieder mehr Bewegungen
gibt, die sich am politischen Prozess beteiligen.
Ich finde es auch sehr gut,
dass die meisten davon
nicht von politischen Parteien ausgehen, sondern direkt von den meist jungen
Bürgerinnen und Bürgern.
Wir brauchen dringend eine
Politisierung der Politik.
Die ist viel zu stark von
Parteieninteressen und persönlichen Unterstellungen
dominiert. Es geht zu oft
primär nicht mehr um
Sachfragen und nachhaltige
Lösungen, sondern meistens leider um Tagessiege.
Diese Politik provoziert bei
jungen Menschen nur Wahlenthaltungen oder extreme
Proteste und führt dazu,
dass sich die Jugendlichen
politisch jenseits der Parteien sammeln.
Die etablierte Politik hat anscheinend
übersehen, dass die modernen Kommunikationstechnologien ganz andere Arten der politischen Kommunikation ermöglichen, welche die Jugend direkt
ansprechen. Laut aktuellen Studien ist
das Interesse der Jugendlichen an Politik in den letzten zehn Jahren wieder
deutlich gestiegen, und es wächst weiter.
FORMAT: Gleichzeitig ist die Politik,
sei es in Österreich oder in der EU, in
einer dramatischen Imagekrise. Was
läuft hier falsch?
Karas: Es herrscht leider sehr viel Unaufrichtigkeit in der Politik, in der Eigennutz vielfach vor Verantwortung geht. Ich
bin daher für eine Personalisierung des
Wahlrechts, denn ein direktes Mandat
verpflichtet Politiker zum Dialog mit den
Bürgerinnen und Bürgern und sorgt so für
mehr Transparenz. Europa steht vor Pro-
men noch jede Menge bewusst geschürte
Vorurteile. Daher ist es mir ein besonderes Anliegen, die EU vor allem für Schülerinnen und Schüler erlebbar zu machen.
Deshalb gehen auch alle Mitarbeiter der
EU-Parlamentarier und die Parlamentarier selbst regelmäßig in Schulen ihrer
Heimatländer, um die Jugendlichen in
direkten Gesprächen über die Arbeit des
EU-Parlaments zu informieren. Unser
Ziel ist es, in jeder Schule Europas einen
EU-Koordinator zu haben, mit dem das
EU-Parlament laufend in Kommunikation treten kann. Dazu kommt, dass wir
gerade sämtliche digitalen Kommunikationskanäle zwischen Bürgern und dem
EU-Parlament neu aufsetzen. Wir haben
schon heute ein interaktives Parlament
im Netz, in dem jeder direkt mit den Abgeordneten kommunizieren kann.
FORMAT: Diese Transparenz und Bürgernähefehlt aber bei anderen EU-Einrichtungen, etwa der Kommission
Karas: Leider erleben wir derzeit eine
Renaissance des Packeins hinter verschlossenen Polstertüren. In der Offenheit des Diskurses mit den Bürgerinnen
und Bürgern war Europa schon einmal
viel weiter. Das liegt auch daran, dass
derzeit das Europa der Regierungen von
diesen gegenüberjenem der Parlamente
gestärkt wird. Junge Menschen wollen
Politik offen, schnell, erlebbar und
spannend kommuniziert bekommen und an
beteiligt sein.
Infor- ihrFORMAT:
Werden da
Bürgerbewegungen für
Änderungen sorgen ?
Karas: Ich sehe Bürgerbewegungen positiv, jedoch können
sie Politiker nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Als Politiker habe ich
Stellung zu beziehen und zu meinen
Entscheidungen zu stehen, nur dann bin
ich glaubwürdig. Darum bemühe ich
mich.
...
blemen, die für seine Bürger nur mit sozialer Verantwortung zufriedenstellend
gelöst werden können. Dazu gehört auch
seitens der Politik, die Ängste und Sorgen
der Menschen emst zu nehmen und nicht
nur an die Schlagzeile der Zeitung des
kommenden Tages zu denken. Politiker
sind gut beraten, wieder
nach dem Motto "Tue,
was du sagst, und sage,
was du tust" Politik zu
machen. Gerade für junge Menschen ist Ehrden
lichkeit ein ganz hohes
Gut, nicht nur in der Politik.
hat
"Das EU-Parlament
eine
enropavyeit
mationsinitiative an
Schulen gestartet."
FORMAT: Ist nicht gerade die europä-
ische politische Bühne eine, der die Jugendlichen mangels Wissens besonders
negativ gegenüberstehen?
Karas: Es gibt sehr viel Unsicherheit
und mangelndes Wissen über die Institutionen der EU in Österreich, dazu kom-
INTERVIEW: CHRISTIAN NEUHOLD
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Bildung
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