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Heute wissen, was morgen ist. - F.A.Z.-Institut

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was
morgen
ist.
Heute wissen,
ausgabe 3/2014
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von der
ferenz
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Zukunftsko
„Mehr Smart Industry“
Zukunft erleben
Technologien und Visionen begeistern – und
wecken die Neugier auf das Leben 2030 Seite 23
Wirtschaftsminister Al-Wazir spricht über
wichtige Zukunftstechnologien Seite 8
„Zufällig erfolgreich“
Kabarettist Vince Ebert erklärt, warum die
Zukunft nicht berechenbar sein sollte Seite 11
Zukunftsmanager n Editorial
Ausgabe 3/2014
Liebe Zukunftsdenker,
stellen wir uns vor, wir sitzen am Samstagabend in einem Restaurant. Der Blick fällt auf die
Smart-Watch am Handgelenk, die uns die neueste E-Mail anzeigt. Parallel lesen wir das letzte
Sitzungsprotokoll auf dem Tablet. Über das Smartphone erhalten wir die Tageskarte des Restaurants und zahlen am Ende mit dem Gerät unsere Rechnung. Zwischendurch fahren wir mit
dem Telefon unsere Rollläden zu Hause runter oder starten die Waschmaschine.
In der digitalen Vernetzung sieht Tarek Al-Wazir die Zukunft – und zwar für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland. Im „Zukunftsmanager“ erklärt der hessische Wirtschaftsminister,
dass die vernetzte Produktion, sprich „Smart Industry“, in Zukunft den Erfolg unserer Volkswirtschaft ausmache (siehe Interview auf Seite 8). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Rolf Najork.
Der Geschäftsführer des Technologiekonzerns Heraeus findet, dass die Vernetzung von Produkten und Prozessen ein geeigneter Zeitpunkt sei, um auch im eigenen Unternehmen neue
Innovationsnetzwerke zu etablieren (siehe Seite 15). Doch Al-Wazir und Najork haben nicht nur
ihre Wertschätzung für Digitalisierung und Vernetzung gemein. Sie waren beide auch Referenten auf dem Zukunftskongress „Leben 3.0 – Treffpunkt Zukunft“, der zum 3. Mal in „The
Squaire“ am Frankfurter Flughafen stattfand. Rund 450 Teilnehmer diskutierten im Rahmen der
„Leben“ mit Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die neuesten Zukunftstrends und die Frage, wie der Standort Deutschland davon profitieren kann.
Während der Workshops, Coachings und Gespräche sammelte das Redaktionsteam des „Zukunftsmanagers“ die unterschiedlichsten Statements, Ideen und Perspektiven ein und hat sie
zu der vorliegenden Ausgabe zusammengefasst. Das Ergebnis belegt die Themenvielfalt und
-tiefe der Veranstaltung – und zeigt, auf welche Megatrends wir uns einrichten sollten.
Lassen Sie sich inspirieren von Meinungen und Ideen, von Projekten und Produkten,
also von dem „Leben 3.0“!
Markus Garn
Daniel Schleidt
Leiter Innovationsprojekte
Leiter Redaktion Innovationsprojekte
F.A.Z.-InstitutF.A.Z.-Institut
2
Zukunftsmanager n Inhaltsverzeichnis
3
Ausgabe 3/2014
Titel: Zukunft erleben
Seite 4
Lebenswelt:
Mobilität, Stadt & Raum
Connected Reality
Seite 26
Die nächste Welle der digitalen
Transformation rollt heran
„Fortschritt braucht Infrastruktur“
Seite 8
HOLM-Geschäftsführer Oliver Kraft spricht
über die Logistikzentrale Deutschland
„Deutschland braucht mehr Smart Industry“
Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir spricht
über wichtige Zukunftstechnologien
Seite 28
Breaking Views: Mobilität, Stadt & Raum
Lebenswelt:
Arbeit & Bildung
Kabarettist Vince Ebert braucht keinen
Masterplan, um erfolgreich zu sein
Seite 15
„Innovation profitiert von Vernetzung“
Heraeus-Geschäftsführer Rolf Najork setzt
auf Innovationsnetzwerke für die Zukunft
Seite 20
„Innovation ist ein großer Wettbewerb“
Rick Wielens, CEO von Nine Sigma,
schwärmt für Open Innovation
Seiten 23, 45
Breaking Views: zu Besuch in der Welt
von morgen
Gastronomieexperte Tim Plasse beschreibt
sein Lieblingsrestaurant von morgen
Lebenswelt:
Gesundheit & Ernährung
Seite 40
SAP-Gesundheitsexperte Langkafel verrät sein
Rezept für Gesundheits bis ins hohe Alter
Seite 30
„Künftig gestaltet der Mensch die Arbeit“
Wissenschaftler Ralph Bruder freut sich
auf flexiblere Arbeitszeitmodelle
Seite 32
Breaking Views: Arbeit & Bildung
Seite 42
Breaking Views: Gesundheit & Ernährung
Seite 43
„Digitale Akten sind kein Datenlager“
sagt Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung
& Entwicklung von Sanofi
Kurz notiert
Lebenswelt:
Wohnen & Freizeit
Seite 35
„Wir wollen in Zukunft viele Dinge
gleichzeitg haben“
Fraunhofer-Wissenschaftler Alexander Rieck
über Freizeitkonzepte der Zukunft
Seite 37
Breaking Views: Wohnen & Freizeit
„Ehrlich und authentisch“
„Gesundheit braucht mehr als neue
Technologien“
Seite 11
Zufällig erfolgreich
Seite 38
News
Seiten 47, 48, 49
Bücher
Seiten 47, 48, 49
Veranstaltungen
Seiten 47, 48
Fragen an
Seite 51
Impressum
Seite 53
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Ausgabe 3/2014
4
„Connected Reality“ – die
nächste Welle der digitalen
Transformation
Von Klaus Burmeister und Andreas Neef
Alles ist vernetzt, selbst einzelne Maschinenbauteile kommunizieren bald
miteinander und planen, wie der Fertigungsprozess am effizientesten zu
© Thinkstock
handhaben ist. Hat die digitale Revolution ihr Ziel erreicht? Mitnichten, denn
die nächste Welle der digitalen Transformation rollt gerade heran – und verändert die Realitätswahrnehmung jedes Einzelnen.
>
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Es ist noch gar nicht lange her, da beugten die
Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln ihren Kopf noch über faltbare Zeitungen,
und privat drohte nicht unmittelbar die soziale Isolation, wenn der aktuelle Freundschaftsstatus für zwei Tage ungeprüft blieb. Damals
gab es das Internet zwar auch schon, diese
technologische Revolution begann bereits
1989. Doch die entsprechenden mobilen Endgeräte, die das Internet erst massentauglich
machten, waren noch nicht auf dem Markt.
Mittlerweile ist das anders. Allein im Jahr 2013
wurde über 1 Milliarde Smartphones verkauft,
und mit ihnen nahm die mobile Revolution ihren Lauf. E-Commerce, Social Media und mobiles Internet verändern die Bedingungen des
Alltags, der Arbeits- und Geschäftswelt. Heute
verwundert es deshalb niemanden mehr,
wenn die Köpfe in den Straßenbahnen an mobilen Endgeräten hängen. Alles ist vernetzt,
und die letzten analogen Enklaven der Erde
dürften auch bald digitalisiert sein.
Das Internet erfindet sich neu
Ziel erreicht, möchte man meinen. Die Erfolgsgeschichte der Digitalisierung ist beendet, und die Historiker könnten mit den Abhandlungen über den Aufstieg des digitalen
Zeitalters beginnen. Doch sind die zentralen
Entwicklungslinien des Internetzeitalters
wirklich schon abgesteckt? Kommt ab jetzt
nur noch „mehr vom Selben“?
Das Gegenteil ist der Fall.
Vieles spricht dafür,
dass die nächste
Ausgabe 3/2014
Welle der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft bereits heranrollt.
Kern der Entwicklung ist eine radikale Veränderung dessen, was wir als „Realität“ kennen.
Das Nebeneinander der physischen, anfassbaren Wirklichkeit und des Cyberspace, also
des virtuellen Raums, den wir über unsere
Bildschirme von außen betrachten, verschwindet. Denn die digitale Datenwelt
fließt mit rasantem Tempo in die sogenannte
„Offlinewelt“, erfasst dort Alltagsgegenstände und schafft in Form von meterdicken Datenschichten eine neue Realität. Die bislang
bekannte Realität erweitert sich aber nicht
nur. Die sich abzeichnende informationstechnische Superkonvergenz führt vor allem zu
einer Neudefinition dessen, was wir von unserer Umwelt erwarten. In einigen Jahren haben wir uns daran gewöhnt, dass wir mit Hilfe unserer Wearables jederzeit Zugang zu
Unmengen an Informationen über Menschen, Situationen und Objekten in unserer
Umgebung haben. Wir erwarten ganz selbstverständlich, dass intelligente Produkte, Häuser oder Fahrzeuge „erkennen“, wer wir sind,
und auf unsere Bedürfnisse vorausschauend
und miteinander koordiniert reagieren. Eine
Welt, der diese magischen Eigenschaften fehlen, würde uns fremd vorkommen.
Willkommen in der Connected Reality
Dieser Connected Reality liegt eine Hypervernetzung zugrunde, die nicht nur den Alltag
drastisch verändert, sondern auch neue Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Wert-
5
schöpfungsprozesse schafft. Denn die zentrale Botschaft der hypervernetzten Wirtschaft heißt: Grenzen neu definieren – Komplexität akzeptieren. Die Grenzen werden
dabei nicht mehr von der Technik gezogen.
Die Herausforderung bilden vielmehr organisatorische, rechtliche und soziale Grenzen.
Was bedeutet das für Akteure, Wettbewerbsgeschehen, Märkte und Innovation?
Zunächst verliert das einzelne Unternehmen
an Gestaltungsmacht. Denn die Hypervernetzung von digitaler und analoger Welt
greift immer tiefer in die Wertschöpfung ein.
Künftig müssen Unternehmen daher stärker
in vernetzten Wertschöpfungsprozessen
denken: in sogenannten Business-Ökosystemen. Außerdem verschieben sich in hypervernetzten Märkten die Machtverhältnisse.
Die Unternehmensgröße spielt nicht mehr
die entscheidende Rolle im Wettbewerb. Es
wird vielmehr um die Fähigkeit gehen, Wertschöpfungsprozesse und Akteure intelligent
zu verknüpfen. Denn nur so können Unternehmen ihren Kunden individuelle und flexible Produkt- und Servicepakete mit höchstmöglichem Mehrwert bieten. Darüber hinaus können Unternehmen die Lösungen für
ihre Kunden nicht mehr an klassischen Branchen- oder Segmentgrenzen ausrichten.
Zahlreiche Querschnittsmärkte werden entstehen, die in der Connected Reality stark an
Bedeutung gewinnen. Ein Beispiel für solche
Marktveränderungen ist die Ernährungsbranche. Sie beschäftigt sich in vielfäl- >
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
tiger Weise mit den Bereichen Gesundheit,
Medizin und Kosmetik – und eben nicht nur
damit, Nahrungsmittel zu produzieren. Denn
hätten sich die großen Nahrungsmittelkonzerne nur darauf konzentriert, ihre Produkte
zu optimieren, und nicht etwa darauf, die
Produkte in neuen Märkten zu positionieren,
hätten sie enorme Geschäftspotentiale verspielt. Ein weiteres Merkmal, das die Connected Reality auszeichnet: Geschäftspotentiale und neue Märkte nicht nur durch bessere Produkte zu erschließen, sondern auch
durch einen ganz neuen Innovationsansatz.
Systeminnovationen lautet das Zauberwort
und bedeutet, komplett neue Lösungen für
die gesellschaftlichen Bedürfnisse auf
Grundlage der Hypervernetzung zu schaffen.
Alles ist verändert
Studie „Connected
Reality 2025“
ÆÆDie Z-Punkt-Studie „Connected
Reality 2025“ steht hier zum
Download bereit.
Die Umsetzung der neuen ökonomischen
Rahmenbedingungen der Connected Reality
wird auf der Ebene des einzelnen Unternehmens zwangsläufig zu einem Umsteuern
führen. Aus heutiger Sicht werden in den
nächsten Jahren dabei folgende Transformationsfelder im Vordergrund stehen:
Datenbasierte und kooperative
Wertschöpfungslogik
Daten sind die Weltwährung in der Connected Reality. Daten in hoher Qualität zu gewinnen und zu analysieren, aus ihnen die
richtigen Schlüsse zu ziehen und diese Er-
Ausgabe 3/2014
kenntnisse im Wertschöpfungsprozess in
Echtzeit umzusetzen wird branchenübergreifend zu einer Kernkompetenz.
Antizipative Echtzeitinteraktion
Die Entwicklungsbemühungen um Big-DataAnalytics verfolgen im Kern das Ziel, den Zustand von Maschinen und das Verhalten von
Menschen vorherzusehen, um Probleme zu
lösen oder Bedürfnisse zu befriedigen, noch
bevor diese Probleme tatsächlich auftreten
oder diese Bedürfnisse explizit geäußert
werden.
Hybridisierung von Produkten
und Dienstleistungen
Mit dem Internet der Dinge wird die Verschmelzung materieller Produkte und immaterieller Dienstleistungen auf eine höhere Ebene gebracht, da die Dienste tatsächlich auch technologisch ins Produkt „eingebettet“ sind. Der Service wird dadurch kein
Leistungsadditiv, sondern elementarer Bestandteil des Produkts selbst.
Smarte Automatisierung
Wenn Softwaresysteme und Maschinen autonom agieren, könnte der Einsatz über die
smarte Fabrik hinaus möglich sein. Zu denken ist an den Einsatz von digitalen Agenten
an der Kundenschnittstelle, von Robotern
und Drohnen in der Logistik, aber auch an
die Automatisierung von Managementfunk-
6
tionen und Entscheidungsprozessen durch
Big-Data-Analysen.
In der Connected Reality liegt also eine enorme Transformationskraft. Die bevorstehenden Veränderungen bergen sicherlich hohe
Risiken für etablierte Anbieter, aber auch enorme Wachstumspotentiale: Neue Sektoren,
Märkte und Berufsbilder entstehen, deren
konkrete Ausgestaltung nur erahnt werden
kann. Schon zum gegenwärtigen Zeitpunkt
ist jedoch deutlich, wo Connected Reality als
Thema auf der strategischen Agenda von Unternehmen anzusiedeln ist: ganz weit oben. <
Klaus Burmeister
ist Gründer und Geschäftsführer von Z-Punkt The
Foresight Company.
burmeister@z-punkt.de
Andreas Neef
ist geschäftsführender
Gesellschafter von Z-Punkt.
neef@z-punkt.de
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 7
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inno
Jahrbuch 2014
vation
Innovationstreiber für Wirtschaft,
Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
Das Nachschlagewerk
zum Thema Innovation
Mit Beiträgen von u.a. Bildungsministerin
Prof. Dr. Johanna Wanka, BDI-Präsident Ulrich
Grillo, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft
Rubrik
Innovationsstandort Deutschland und Europa
Prof. Reimund Neugebauer, Dr. Kai Engel,
Berater
Made in Germany 2.0:
Klimaschutz für das 21. Jahrhundert
Partner der A.T. Kearney GmbH, Prof. Dr.
Thorsten Posselt, Leiter des Fraunhofer Zent-
Der Klimawandel schreitet voran. Teile der Wirtschaft machen sich schon auf einen klimafreundlichen Weg. Dennoch gelingt es der Politik bisher nicht, eine schlüssige Antwort auf die Frage zu
geben, wie Wachstum und Klimaschutz künftig Hand in Hand gehen können.
Kontaktdaten
Die Verbindung einzelner Innovationen und Kompetenzen im Netzwerk
ergibt ein starkes und komplexes
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kein Gegeneinander.
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Vor kurzem hat der Weltklimarat (IPCC) seinen
neuen Sachstandsbericht zum Klimawandel
vorgelegt. Die Methoden der Wissenschaftler
sind feiner geworden, ihre Szenarien komplexer
und ihre Erkenntnisse dichter. Doch unter dem
Strich hat sich ihre Einschätzung nicht verändert: Unser Verhalten steht in drastischem Gegensatz zum Ausmaß der Bedrohung durch den
Klimawandel. Zwar ist die Überzeugung, handeln zu müssen, inzwischen recht fest in der
Bevölkerung verankert. Vor dem Hintergrund
anhaltender Finanz- und Wirtschaftskrisen
schwindet jedoch zunehmend die Bereitschaft
zum Handeln.
Zu den Kernaufgaben von Innovationsnetzwerken gehören oft auch die branchenübergreifende
Vernetzung von kleinen und mittleren Unternehmen mit wissenschaftlichen und Forschungseinrichtungen oder mit Politik und Verwaltung.
Auch der Transfer von Wissen und das Setzen
von Impulsen ist ein wichtiger Aspekt, der für
Netzwerke spricht. Die Innovationsaktivitäten
sind somit nicht mehr auf den einzelnen Unternehmer beschränkt, sondern mit jenen anderer
Netzwerkteilnehmer vernetzt. Der wesentliche
Vorteil eines informellen Beziehungsgeflechtes
im Gegensatz zur Entwicklung von Innovationen im Alleingang besteht darin, dass durch die
Interaktion permanente Veränderungs-, Suchund Lernprozesse angestoßen werden.
Andreas Keil
ist Geschäftsführer von InnoZent OWL e.V., das Innovations-
Insbesondere fehlt es in der Politik an entschiedener Führung und an klaren Perspektiven für
einen wirksamen Klimaschutz – in Deutschland,
Europa und weltweit. Die Energiewende wird in
Deutschland zwischen Länderinteressen sowie
Zentrum für Internettechnologie
und Multimediakompetenz,
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Innovationsnetzwerke bieten ihren Mitgliedern
einen strukturierten Zugang zu einem Pool von
Kompetenzen, welcher gemeinsame Aktivitäten
fördert und so nicht nur die Mitglieder, sondern
auch den regionalen Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig hält. So entstehen Innovationskeimzellen für den Mittelstand. Nicht selten
führen Aktivitäten, Kooperationen und Dienstleistungen dieser Netzwerke zu Innovationen
auf Weltniveau.
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Aus Kooperationsprojekten können innovative
Produkt- und Verfahrensinnovationen entstehen, die sich erfolgreich auf den Märkten behaupten. Ein Beispiel ist das Netzwerk InnoZent
OWL. Dort haben in zahlreichen Kooperationsprojekten vor allem kleine und mittlere Unternehmen und Forschungseinrichtungen durch
interdisziplinäre Herangehensweisen viele innovative und erfolgreiche Entwicklungen hervorgebracht die unter anderem mehrfach überregional ausgezeichnet wurden. Beispiele sind eine
Deichbaumaschine, eine intelligente Hightechprothese, eine innovative Automatisierungslösung für unternehmensinterne Logistik sowie die
Entwicklung von Mischbrennstoffgranulaten aus
Schredderrückständen des Automobilrecyclings.
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Kunden stehen, stets ganzheitlich aus drei übergeordneten Perspektiven.
f Strategische Überlegenheit: Eine zukunftsorientierte Ausrichtung des Unternehmens verlangt nach einer Konfiguration des
Geschäftsmodells, nutzt die Führungsorganisation als Strategieverstärker und Vehikel für Veränderung, fixiert Wachstumsquellen und legt die Geschäftsfelder von morgen fest.
f Operative Exzellenz: Zielsetzung ist die nachhaltige „Entstehung von Profitabilität“ durch Optimierungsmaßnahmen zur
Produktivitätssteigerung, Senkung der Kapitalbindung und
Verbesserung der Leistungsfähigkeit über alle Wertschöpfungsstufen hinweg.
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Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Inhaber des Stiftungsfonds Deutsche Bank Lehrstuhls für
Innovationsmanagement und Entrepreneurship
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München, Düsseldorf, Hamburg
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f Gestaltende Restrukturierung: Zur Bewältigung von Verlustsituationen und Performancedefiziten sind die Ursachen
nachhaltig zu beseitigen, Wertvernichter zu eliminieren.
Management, Prof. Dr. Ellen Enkel, Leiterin des
f Zukunftsmanagement: Die explizite Beschäftigung mit der
Zukunft, insbesondere auch jenseits des bestehenden Kerngeschäftes, umfasst das klassische Innovationsmanagement, den
Aufbau neuer Geschäfte sowie Lizenzmanagement und Akquisition von Venture-Kapital.
Dr. Manfred Bischoff Institut für Innovationsmanagement der Airbus Group, Dr. Bernd
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Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Deutschland nicht mehr konkurrieren,
erklärt Tarek Al-Wazir, hessischer
Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, im Gespräch mit dem Zukunftsmanager.
net den Zukunftskongress „Leben 3.0“.
8
„Deutschland braucht
mehr Smart Industry“
Als reine Werkbank kann ein Land wie
Tarek Al-Wazir eröff-
Ausgabe 3/2014
Herr Al-Wazir, wie lassen sich die gesellschaftlichen Vorstellungen von Ökologie und Ökonomie in Zukunft besser vereinen?
Es gibt durchaus Bereiche, in denen Ökologie
und Ökonomie Hand in Hand gehen und ökologischer Fortschritt auch ökonomischen Erfolg beinhaltet. Und es gibt Bereiche, in denen die unterschiedlichen Interessen im
Kompromisswege besser austariert werden
als früher. Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass langfristiger Erfolg
nachhaltiges Wirtschaften verlangt. Ressourceneffizienz nutzt eben nicht nur der Umwelt, sondern senkt gleichzeitig auch die Ko-
sten. Umwelt- und Klimaschutz sind deshalb
heute gesellschaftlicher Konsens. Aber es
wird auch immer Bereiche geben, wo Interessenkonflikte vorhanden sind und man sich
für das eine oder das andere entscheiden
muss.
Wo sehen Sie den Wirtschaftsstandort Hessen
im Jahr 2030?
Das hängt von vielen Faktoren ab. Große Herausforderungen sind die Verschiebungen im
globalen Wirtschaftsgefüge und der demographische Wandel bei uns zu Hause. Das
Wachstum der asiatischen und südamerikanischen Volkswirtschaften bietet uns einerseits Exportchancen, bringt uns andererseits
aber auch neue Konkurrenz, gegen die wir
unsere Wettbewerbsfähigkeit behaupten
müssen. Gleichzeitig macht es die Bevölkerungsentwicklung immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Wir werden deshalb auf Zuwanderer angewiesen sein, und
die müssen wir gut integrieren. Ich bin aber
sehr zuversichtlich, dass Hessen auch 2030
ein wirtschaftsstarkes Bundesland mit vielen
innovativen Firmen sein wird.
Welche Zukunftsmärkte sehen Sie für Hessen?
Die Zukunftsmärkte liegen glücklicherweise
da, wo die hessische Wirtschaft heute schon
sehr stark ist: in den Branchen Pharma und
Medizintechnik, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Chemie und der Materialtechnologie, der Umwelt- und Energietechnik, der
IT- und Kommunikationsindustrie sowie dem
Fahrzeugbau und der Mobilität. Unsere Voraussetzungen sind also sehr gut. Natürlich
ruhen wir uns darauf nicht aus. Unsere Zukunftsstrategie, die wir gemeinsam mit der
Industrieplatzinitiative und den Unternehmen verfolgen, ist die „Smart Industry“ – der
enge Verbund von Industrie und Dienstleistungen, gepaart mit einem hohen Innovationsgrad. Denn als reine Werkbank kann ein
Land wie Deutschland nicht mehr konkurrieren, dafür sind wir zu teuer. Nachgefragt und
gut bezahlt werden dagegen immer mehr
Systemlösungen.
>
Tarek Al-Wazir,
geboren 1971 in Offenbach am Main,
ist seit 1995 Mitglied des hessischen
Landtags. Von Mai 2000 bis Januar
2014 war er Vorsitzender der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die
Grünen. Seit dem 18. Januar 2014
ist er stellvertretender hessischer
Ministerpräsident und Minister für
Wirtschaft, Energie, Verkehr und
Landesentwicklung.
Rohstoffarm und Industrienation: Was muss
passieren, damit wir künftig weiter am Standort produzieren können?
Unsere produzierenden Unternehmen sind
erstens stark abhängig vom Zugang zu knappen und in der Tendenz teurer werdenden
Rohstoffen und Materialien und zweitens
von einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. Material- und Energiekosten
sind in der heutigen und künftigen industriellen Produktion ganz wesentliche Kostenfaktoren. Ressourceneffizienz in der Produktion wird damit zum Schlüsselfaktor. Materialeinsparungen und Materialrecycling machen unabhängiger von den Rohstofflieferanten. Jedes Kilowatt Strom, das gar nicht
erst verbraucht wird, muss nicht produziert,
nicht durch Netze verteilt und natürlich nicht
bezahlt werden. Neue Werkstoffe, innovative
Sensorik und intelligente Steuerung werden
den Material- und Energieverbrauch vieler
Produkte senken. Gleichzeitig müssen wir
Materialkreisläufe schließen und damit
wertvolle Materialien wieder in die Produktion von Gütern zurückführen. Das klappt bei
vielen Materialien bereits sehr gut, aber bei
anderen noch gar nicht, weil es weder Recyclingketten gibt noch die Produkte überhaupt für ein Recycling konstruiert sind. In
Handys beispielsweise sind millionenfach
seltene Metalle verbaut, die heute nicht wiedergewonnen werden. Das werden wir uns
künftig nicht mehr leisten können. Wir müssen am Industriestandort Deutschland dazu
kommen: „Gebrauchen statt verbrauchen“.
Ausgabe 3/2014
Welche Investitionen muss das Land in Sachen
Infrastruktur „auf die Straße“ bringen, um in
Zukunft wettbewerbsfähig zu sein?
Deutschland hat nicht zu wenige Straßen,
sondern zu viele Straßenschäden. Schon
jetzt haben wir erhebliche Kapazitätseinbußen, weil zahlreiche Autobahnbrücken nicht
mehr voll tragfähig sind. Bei der Straße
müssen wir uns deshalb vor allem auf den
Erhalt konzentrieren. Bei der Schiene sieht
die Sache anders aus: Da brauchen wir den
Neubau von Strecken, etwa die ICE-Trasse
Frankfurt–Mannheim und den Neu- bzw.
Ausbau der Strecke Hanau–Würzburg/Fulda
– um mal die Vorhaben zu nennen, deren
Bedeutung über Hessen hinausreicht. Auch
im regionalen Schienenverkehr haben wir
Lücken.
Das neue Terminal des Frankfurter Flughafens
soll im Jahr 2021 fertiggestellt sein. In dieser
Zeit baut China ganze Städte. Kann die Infrastrukturentwicklung des Standorts international überhaupt noch mithalten?
Die Landesregierung hat sich beim Terminal
3 für eine Bedarfsprüfung ausgesprochen.
Aber was das Bauen von ganzen Städten in
wenigen Jahren angeht: Ich glaube nicht,
dass wir uns mit irgendjemandem einen
Wettbewerb im Schnellbetonieren liefern
sollten. China erkennt selbst, dass sein
Wirtschaftsmodell nicht auf Nachhaltigkeit
ausgerichtet ist. Nicht umsonst ist man
dort sehr an deutscher Umwelttechnik interessiert.
9
Technologien und
Visionen, die begeistern.
Werden große Infrastrukturprojekte wie Brücken, Straßen oder eben Flughäfen in Zukunft
mehr Akzeptanz erfahren – oder scheitert der
Standort an der heutigen „not in my own
backyard“-Kultur?
Ich warne davor, kritische Einwände engagierter Bürgerinnen und Bürger als bloße private Besitzstandswahrung abzutun. Wer so
denkt, wird niemanden vom Sinn eines Vorhabens überzeugen können. Das kann man
nur mit stichhaltigen Argumenten und ehrlichem Dialog. Und ich glaube, mit diesem
ehrlichen Dialog werden wir große Projekte
auch schneller realisieren können als bisher.
Aber es ist auch klar, dass man es nicht jedem
rechtmachen kann. Transparenz im Verfahren ist trotzdem hilfreich.<
Die Fragen stellte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
© Dirk Beichert, Business Photo
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 10
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Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Ausgabe 3/2014
11
Zufällig erfolgreich
Die Welt ist komplex,
fragil und unberechen-
bar. Masterpläne helfen
Von Vince Ebert
da auch nicht, sagt Vince
Ebert.
Wissenschaftskabarettist Vince Ebert
sagt: Lasst die Masterpläne doch in
der Schublade. Er schlägt vor, stattdessen Vielfalt und Flexibilität zu
© Frank Eidel
fördern.
„Ich bin nicht zufällig berühmt geworden“,
hat die Sängerin Lady Gaga kürzlich in einem
großen Interview gesagt. Darin erklärt sie
sehr ausführlich, dass sie schon seit ihrer
Kindheit hart und geplant an ihrer Karriere
gearbeitet habe. Auch in Buchhandlungen
finden Sie unzählige Bücher zum Thema „Wie
werde ich erfolgreich?“ Meistens wird darin
ein erfolgreicher Macher vorgestellt, der bestimmte Eigenschaften hat: Mut, Risikobereitschaft, Fleiß. Daraus wird dann gefolgert:
Wenn auch Sie diese Eigenschaft haben –
läuft’s mit der Karriere! Klassischer Statistikfehler. Wir wissen nämlich nicht, wie viele
Menschen ebenfalls Mut, Risikobereitschaft
und Fleiß hatten – und gescheitert sind. Und
zwar aus einem einzigen Grund: Erfolglose
Menschen schreiben keine Erfolgs-Bücher. Ich
habe nachgeguckt: Sie finden auf Amazon
keinen einzigen Buchtitel „Warum ich’s nicht
geschafft habe“, „In 12 Schritten zum Loser“,
„Trotz Einser-Abi in der Gosse“. No way!
Der Ruf des Zufalls
Tatsächlich gibt es unzählige Erfolgsgeschichten, die auf purem Zufall basieren. Porzellan
wurde erfunden, weil die Alchemisten eigentlich Gold herstellen wollten. Tesafilm sollte ursprünglich Heftpflaster werden. Viagra wurde
entdeckt, weil männliche Versuchspersonen
ein Herzmedikament in der Testphase partout
nicht mehr absetzen wollten. Im Englischen
gibt es ein schönes Wort dafür: Serendipity. Es
beschreibt die zufällige Beobachtung von etwas Nützlichem, nach dem man nie gesucht
hatte. Teflon, Röntgenstrahlung, der Klettverschluss oder auch die Entdeckung Amerikas.
Leider hat im Businessleben der Zufall keinen
besonders guten Ruf. Die Job-Description von
Managern ist eng verbunden mit der Fähigkeit, komplexe Systeme knallhart kontrollieren und steuern zu können. Dabei zeigte der
Zusammenbruch der Finanzmärkte 2008 auf
dramatische Weise, wie fragil und unbere- >
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
chenbar die Welt des 21. Jahrhunderts ist. Und
auch heute noch neigen viele Führungskräfte
dazu, ihr Wissen zu überschätzen und unterschätzen dabei die Ungewissheit. Kein Wunder, denn sämtliche Modelle und Gleichungen
der Mikro- und Makroökonomie basieren nach
wie vor auf einem mechanistischen, berechenbaren Weltbild, das den Zufall ausblendet.
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Corporate
Responsibility
Unternehmen und Verantwortung –
Trends in Corporate Responsibility
2014
Ohne Kontrolle
Vince Ebert
wurde 1968 in Amorbach im Odenwald geboren und studierte Physik
an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nach dem Studium
arbeitete er zunächst in einer Unternehmensberatung und in der
Marktforschung, bevor er 1998 seine
Karriere als Kabarettist begann.
Sein Anliegen: die Vermittlung wissenschaftlicher Zusammenhänge
mit den Gesetzen des Humors. Seit
September 2013 ist er mit seinem
neuen Bühnenprogramm „EVOLUTION“ durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz auf Tour, in
der ARD moderiert er regelmäßig
die Sendung „Wissen vor acht –
Werkstatt“. Im Herbst 2013 erschien
sein drittes Buch „Bleiben Sie
neugierig!“.
ÆÆMehr über den Autor unter
www.vince-ebert.de und auf
facebook.com/Vince.Ebert
Ein Schulfreund von mir ist erfolgreicher Controller und auch privat ein totaler Kontrollfreak: Firewalls, Antivirusprogramme, Alarmanlage, versichert bis unter die Hutschnur. Irgendwann war seine Wohnung ausgeräumt
und die Konten geplündert. Von der eigenen
Frau. Je mehr wir ein komplexes System kontrollieren wollen, um so planmäßiger trifft
uns der Zufall. Großprojekte wie die Energiewende zeigen sehr klar, wie sich Tausende
von Menschen, Expertengremien, ganze Planungsstäbe in ihren Vorrausagen komplett
ver- und überschätzt haben. Wenn der Berliner Senat vor 13,8 Milliarden Jahren mit der
Durchführung des Urknalls beauftragt worden wäre, dann würden die heute noch über
die Brandschutzverordnung diskutieren.
Der Nobelpreisträger Friedrich von Hayek
sagte einst über sein Fach: „Ökonomie besteht darin, dem Menschen vor Augen zu
führen, wie wenig er wirklich über das weiß,
was er planen zu können glaubt.“ Das ist mit
das Intelligenteste, was jemals über Ökonomie gesagt wurde.
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Wissensch erhältlich ab Juni 20
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Bestellanschrift:
F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen GmbH
Frankenallee 68 - 72 ½ 60327 Frankfurt am Main ½ Tel.: (0 69) 75 91-12 52 ½ Fax: (0 69) 75 91-80 12 52
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Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Vor einigen Jahren hat der Shell-Konzern eine
Untersuchung durchgeführt, was besonders
langlebige, robuste Unternehmen ausmacht.
Ergebnis: Die stabilsten Unternehmen sind
interessanterweise nicht die effizientesten,
sondern die, die besonders aufgeschlossen
für Neues sind, die kontinuierlich lernen. Die
die Bereitschaft haben, sich auf unberechenbare Ereignisse einzustellen. Der Haken an
der Sache: Diese Flexibilität geht praktisch
immer auf Kosten von Effizienz. Sie können
Ihr Unternehmen hochrüsten und an der Effi-
zienzschraube drehen bis zum Geht-nichtmehr. Und das wird vielleicht auch eine Zeitlang funktionieren. Aber je effizienter ein
System ist, umso unflexibler kann es auf unvorhergesehene, zufällige Ereignisse reagieren. Der Tyrannosaurus Rex war hochgerüstet ohne Ende. Die effizienteste Tötungsmaschine seiner Zeit. Ausgestorben ist er trotzdem. Weil er unflexibel war. Das gilt im Wirtschaftsleben genauso. Wenn Sie in Ihrem
Unternehmen eine Monokultur von 40-jährigen,
heterosexuellen,
golfspielenden
BWLern herangezüchtet haben, werden die
nicht besonders flexibel auf Marktveränderungen reagieren können. Deswegen mein
Appell: Fördern Sie die Vielfalt und Flexibilität. Frischen Sie ihren unternehmerischen
Genpool mit neuen, unorthodoxen Ideen und
Talenten auf. Das Rad, der Rollkoffer oder der
Fischerdübel wurden nicht von Gewinnmaximierern und Effizienzgläubigen erfunden.
Komplexe Systeme haben keinen Masterplan. Wir sehen das oft als Nachteil. Doch in
Wirklichkeit ist das toll. Denn wenn alles linear, mechanistisch und vorausberechenbar
Selbst die effizientesten
Tiere starben aus – aus
Mangel an Flexibilität.
© Frank Eidel
Bleibt flexibel
Ausgabe 3/2014
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wäre, würde das ja bedeuten, dass die Zukunft feststünde. Wenn aber die Zukunft
feststeht, wo ist dann die Freiheit? Wo ist
dann der Raum für Phantasie? Fortschritt
und Innovation gibt es nur um den Preis der
Unberechenbarkeit. Und deswegen brauchen wir die Bereitschaft, Zufälle, Unplanbarkeit und damit auch Niederlagen ertragen zu
können. Denn ohne sie werden wir nie Erfolg
haben. Vertrauen Sie deswegen auf Ihre
Phantasie, und geben Sie dem Zufall eine
Chance. Seien Sie mutig, aber überschätzen
Sie sich nicht. Planen Sie, aber seien Sie sich
bewusst, dass viele Entwicklungen dem Zufall unterworfen sind. Verfolgen Sie konsequent ihre Ziele, aber steigen Sie vom Pferd
ab, wenn es tot ist. Und unterwerfen Sie
nicht alles der Effizienz. Seiner Frau ohne
Grund Blumen mitzubringen, ist aus Controllinggesichtspunkten nicht sehr effizient.
Aber es ist hocheffektiv. Tun Sie lieber ab und
an mal etwas Ungeplantes, etwas Verrücktes.
Lassen Sie den Freak in sich heraus! Schenken
Sie einem Gewerkschafter einen FDP-Kugelschreiber. Putzen Sie ihre Zähne morgens mit
Elmex und abends mit Aronal. Schlafen Sie
mit Ihrer eigenen Frau. Einfach was Verrücktes tun. Denn das Einzige, über das der
Zufall keine Kontrolle hat, ist Ihr Verhalten.
Viel Glück dabei!<
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 14
Initiatoren und Veranstalter
Förderer
Kofinanziert durch
Veranstaltungspartner
Hauptmedienpartner
Goldpartner
14. Mai 2014
THE SQUAIRE
Partner
Flughafen Frankfurt/Main
Treffpunkt Zukunft
VIELEN DANK
an alle Partner und Mitwirkenden!
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Lebe nen
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www.lebendreipunktnull.net
© Dirk Beichert
Netzwerkpartner
Medienpartner
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
„Innovation profitiert
von Vernetzung“
Ausgabe 3/2014
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Rolf Najork ist guter Dinge: Produkte
und Prozesse vernetzten sich zu-
sehends, für den Heraeus-Geschäfts-
führer ein geeigneter Zeitpunkt, neue
Innovationsnetzwerke in seinem
Unternehmen zu etablieren. Denn
nur mit einer entsprechenden Inno-
vationskultur könne es Unternehmen
gelingen, auch in Zukunft wettbe-
© Thinkstock
werbsfähig zu sein.
Herr Najork, welche Kommunikationsmittel
nutzen Sie? Wird Kommunikation im Jahr
2030 noch genauso ablaufen?
Ich benutze die heute üblichen Mittel wie
Smartphone und Tablets – alle modernen Errungenschaften, die die Consumer Electronic
auch dank innovativer Materialien von Heraeus zu bieten hat. Der Markt der Consumer
Electronics wächst und wandelt sich in rasantem Tempo, die Produkte werden immer
leistungsfähiger. Der weltweite Trend hin zu
immer kleineren, leistungsstarken und in- >
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
ternetfähigen Geräten hält an. Ein Blick in die
Kommunikation des Jahres 2030 ist daher
sehr spekulativ. Möglicherweise kommunizieren wir durch spezielle Technologien bald per
Gedankenübertragung. Ich fände es auch
klasse, wenn wir in naher Zukunft beispielsweise faltbare Displays entwickelten, die man
sich in die Hosentasche stecken und jederzeit
durch Sonnenlicht schnell aufladen und nutzen kann.
Welche Rolle spielt Vernetzung in Zukunft für
den Innovationsstandort Deutschland?
Globalität und Vernetzung genießen einen
hohen Stellenwert und bieten eine Riesenchance. Das zeigt auch der Blick zurück, da
hat Deutschland bereits von der Globalisierung profitiert. Allerdings hat der Standort
die Vernetzung von globalen Märkten noch
nicht ausreichend vorangetrieben. Dieser
Schritt steht als Nächstes auf der Agenda der
Unternehmen. Das gilt sowohl für interne
Prozesse, indem die Mitarbeiter länder-, abteilungs- und projektübergreifend vernetzt
werden sollen, aber auch für Produkte, die
durch die Globalisierung entstehen. Aus Sicht
von Unternehmen hilft die Vernetzung, um
beispielweise aus vielen kleinen Forschungsund Entwicklungsstandorten eine schlagkräftige, innovative Organisation zu formen.
Zudem gilt es heute mehr denn je, über verschiedene Standorte hinweg Innovationen
voranzutreiben. Die Menschen bewegen sich
in der Zukunft in offenen Netzwerken statt in
klassischen Organisationshierarchien.
>
Ausgabe 3/2014
16
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Mehr Informationen
Rolf Najork im spricht über
„Innovation & Globalisierung“
ÆÆIm Internet
Wie wird Innovation in Zukunft betrieben –
werden alle an einem Tisch sitzen, oder handelt es sich um viele kleine und exklusive
Innovationsbereiche?
Ich möchte projektbezogen Netzwerke schaffen, in denen die Mitarbeiter auf Augenhöhe
arbeiten und nach dem Projekt wieder auseinandergehen, um in neuen Verbünden zu
arbeiten. Natürlich muss das zentral gesteuert werden, damit wir nicht alles zwei- oder
dreimal machen. Eine echte Innovationskultur muss einen technischen Anspruch haben
und benötigt entsprechende Kompetenzen.
Aber neben der inhaltlichen Kompetenz und
neben Produkt- und Prozesswissen braucht
es auch eine Kultur, in der es gelingt, die Kreativität und Fähigkeit der Organisation in der
Breite zu aktivieren und alte Organisationsstereotypen zu überwinden. Bei Heraeus haben wir beispielsweise Clusterentwicklungsteams für die Zukunftsmärkte Erneuerbare
Energie, Display & Consumer Electronics,
Sensorik und Additive Manufacturing ins Leben gerufen. Mit diesen offenen Entwicklungsplattformen werden konzernübergreifend, global vernetzt und auf Zukunftsmärkte und Technologien fokussiert Innovationen
für den Endkunden geschaffen.
Welchen Trends muss sich der Industriestandort Deutschland in den kommenden zehn Jahren stellen?
Ein Trend, den ich ausmache, ist ein massiv
anziehendes Innovationstempo. Viele unserer Märkte verändern sich rasant, vor allem
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Treffpunkt Zukunft: Rolf Najork im Gespräch (mit Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir
und Klaus Burmeister, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Z-Punkt).
getrieben durch neue Technologien. Wir müssen uns diesem Tempo anpassen und können, wenn wir diese Herausforderung annehmen, neue Erfolge am Markt generieren. Wir
müssen uns aber auch bewusst machen, dass
Märkte sich thematisch und regional verändern. Produkt- und Innovationszyklen werden immer kürzer, auch seit Jahren erfolgreiche Produkte kannibalisieren oder substituieren sich, da die weltweite Konkurrenz
immer mehr zunimmt. Wir sollten diese permanente Veränderung also als Teil unseres
Geschäftsmodells akzeptieren und schneller
und flexibler werden. Eine weitere Herausfor-
derung: Technologietrends frühzeitig erkennen und mit den Kunden langfristige, zukunftsorientierte Technology-Roadmaps erstellen. Die weitere Internationalisierung der
F&E-Vorhaben ist in vollem Gange und stellt
einen Trend dar, dem wir uns ebenfalls nicht
entziehen können. Die Produktion folgt dem
Kunden und die Entwicklung der Produktion.
Deshalb müssen wir aus unserer Spitzenposition Trends früher antizipieren als andere. Also gilt es, sich mit Leuten zu umgeben und
sie in das Unternehmen zu integrieren, die
ihre Antennen entlang des Lebensgefühls
dieser Märkte ausstrecken. Das zwingt >
© Dirk Beichert, Business Photo
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
uns
und andere
deutsche
Unternehmen geradezu zur Internationalisierung. Ob wir mit all
den technischen Veränderungen, die kommen werden, Schritt halten werden, hängt
zudem von geeigneten und gut ausgebildeten Nachwuchskräften ab. Der „War for Talents“ wird in den kommenden Jahren sicherlich noch an Härte zunehmen. Wenn wir die
Talente aus den Märkten dieser Welt gewinnen wollen, brauchen wir neue Ansätze, ohne
Überstellung und Unterstellung, ohne Zentralisierung oder Dezentralisierung.
Ralf Najork
ist seit dem 1. April 2013 Mitglied der
Geschäftsführung der Heraeus Holding GmbH. Bevor der Maschinenbauingenieur zum Hanauer Technologiekonzern kam, arbeitete er als
Mitglied der Geschäftsführung für
den Maschinenbaukonzern Schaeffler. Dort war er für die Geschäftsfelder E-Mobility, Mechatronics sowie R&D Transmissions verantwortlich. Zuvor übernahm er verschiedene leitende Positionen bei der Getrag Group und der Ford Werke AG.
Was muss der Industriestandort Deutschland
tun, um für die Zukunft gewappnet zu sein?
Deutschland ist sicherlich einer der Topstandorte für Innovation. Das betrifft vor allen Dingen tiefgehende, qualitativ hochwertige und komplexe Systementwicklungen.
Hier ist unsere Wirtschaft führend, weil uns
Ernsthaftigkeit und Organisationstalent in
diesem Punkt zugutekommen. Aber reicht
das aus, um die Branchen der Zukunft zu erschließen? Schließlich sind dazu marktangepasste Entwicklungen gefragt, die experimenteller sind und dem Kunden in den relevanten Märkten mehr Gehör schenken.
Wenn wir das schaffen, können wir anspruchsvolle Systeme genauso wie begeisternde Innovationen entwickeln – und dann
wird Deutschland ein Topstandort für Innovation bleiben. Doch um dieses Ziel zu errei-
Ausgabe 3/2014
chen, müssen wir viel experimenteller werden, weniger lange diskutieren und Fehler
akzeptieren. Natürlich dürfen die Fehler nicht
beim Endkunden ankommen. Deshalb ist auf
dem Weg zum finalen Produkt eine professionelle Fehlerkultur enorm wichtig. Denn die
Bereitschaft zum Experimentieren erhöht die
Bandbreite der Lösungen und damit die
Wahrscheinlichkeit, dass eine gute und neue
Lösung darunter ist.
Sie sind Maschinenbauer: Wie sieht die Produktionshalle der Zukunft aus?
Ich habe eine klare Vorstellung: Die Produktionshalle der Zukunft ist hochautomatisiert,
zeichnet sich durch geringste Lagerbestände
und eine automatisierte Logistik aus, es findet
wenig oder gar kein Staplerverkehr statt, Maschinen kommunizieren untereinander. Gleichzeitig sind Manufacturing-Standards in der
Fertigung und im Management von Fertigungsprozessen eingeführt, die bereits weltweit in unterschiedlichen Branchen Anwendung finden und über entsprechende Transparenz mit großem Erfolg eingesetzt werden – also alle Methoden für eine schlanke Produktion.
Mit welchen Materialien können wir rechnen?
Was zeichnet das Material der Zukunft aus?
Das eine Material der Zukunft gibt es nicht.
Weitaus wichtiger sind maßgeschneiderte
Materialien oder verbesserte Werkstoffe, die
völlig neue Funktionen und Anwendungen ermöglichen. Beispielsweise beim Additive Manufacturing, wo völlig neue Materialien für
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den 3-D-Druck für Hochtechnologieanwendungen in der Industrie benötigt werden.
Durch die rasche Weiterentwicklung des 3-DDruckverfahrens von Polymeren zu Metalllegierungen entsteht ein hoher Bedarf an neuen metallischen Werkstoffen zur Herstellung
von struktur- und hochtemperaturfesten Bauteilen mit neuen Produktdesign- und Konstruktionsmöglichkeiten. Hier geht es um die
Entwicklung von hochschmelzenden, amorphen Metallpulvern aus Edelmetall- und Sondermetalllegierungen mit herausragenden
Eigenschaften sowie die Herstellung von
komplexen, filigranen Komponenten durch individualisierten 3-D-Druck. Und natürlich
müssen wir uns neuen Produktgruppen und
Materialien zuwenden. Auch hier ein aktuelles Beispiel aus unserem Haus: Porocarb®
heißt eine völlig neue Produktfamilie von porösen leitfähigen Kohlenstoffpulvern, die unser Geschäftsbereich Quarzglas mit Fokus auf
elektrochemische Anwendungen auf den
Markt bringt. Die Innovation schlägt eine Brücke zwischen Hochenergie- und Hochleistungszellen. Interessante Anwendungen sind
der Einsatz als leistungssteigernder Zusatz in
Lithiumbatterien für Smartphones oder als
poröses oberflächenaktives Trägermaterial für
Brennstoffzellenkatalysatoren. Somit erweitern unsere Quarzglasexperten automatisch
ihr Produktportfolio und Know-how mit neuen Materialien.<
Die Fragen stellte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 19
FASzInAtIon 3D-Druck
Hype oder Realität
5. Juni 2014, Fraunhofer IGD, Darmstadt
Von nützlich bis überflüssig, der 3D-Drucker produziert es. 3D-Drucker
stehen zukünftig in jedem Bastelkeller und bald wird jeder von der heimischen Werkbank aus Unikate oder Kleinserien drucken – so die Theorie.
Bereits in den achtziger Jahren gab es erste Geräte, die Stücke aus Kunststoff drucken konnten. Sie wurden vornehmlich verwendet, um Modelle für
den Flugzeug- oder Automobilbau herzustellen. Heute ist die Technologie
wesentlich weiter: In Ingenieur- und Architekturbüros, bei Designern und
Konstrukteuren sowie in vielen Sparten der Industrie nehmen 3D-Drucker,
einen immer wichtigeren Platz ein.
Im Rahmen der Kompass-Reihe lädt Sie das F.A.Z.-Institut gemeinsam mit
dem House of IT am 5. Juni 2014 herzlich nach Darmstadt in das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung ein. Tauchen Sie mit
Experten des Fraunhofer IGD, der TU Darmstadt sowie der Festo AG &
Co KG ein in die Faszination 3D-Druck und erleben Sie einen 3D-Drucker
bei der Live-Produktion.
Anmeldung und weitere Informationen zu der kostenfreien Veranstaltung
erhalten Sie unter:
www.kompass-projekt.de
Mitwirkende
Eine Initiative von:
Kofinanziert durch:
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Ausgabe 3/2014
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Innovation ist ein
großer Wettbewerb
Von Rick Wielens
an der Entwicklung, Open Innovation
genannt, kommt bei Unternehmen
immer mehr in Mode. Mit geringem
finanziellem Risiko hilft Open Inno-
vation bei der Produktentwicklung –
oft mit Erfolg. Eine Möglichkeit, das
Wissen der Massen anzuzapfen: öffentlichkeitswirksame Innovationswettbewerbe.
Das Tauziehen um die
besten Ideen: Open-In-
novation-Modelle helfen
bei der Ideenfindung.
Der bekannte Harvard-Professor Clay
Christensen unterscheidet zwischen drei Arten von Innovationen: linearen Innovationen,
disruptiven Wachstumsinnovationen und
disruptiven Effizienzinnovationen. Lineare
Innovationen stehen für bessere Produkte
und höhere Gewinne – es geht also nicht um
die Entwicklung neuer Produkt-Markt-Kombinationen, sondern um schrittweise Verbes-
serungen an bestehenden Produkten. Die Innovationsportfolios der meisten Unternehmen enthalten jedoch zu viele lineare Innovationen und kaum disruptive Wachstumsoder Effizienzinnovationen. Dabei bergen
disruptive neue Open-Innovation-Ansätze
die Chance, den Weg für die Kommerzialisierung bahnbrechender Technologien zu ebnen. Eine Möglichkeit: die „Grand Challenge“
(Deutsch: „Große Herausforderung“). Denn
in den vergangenen zehn Jahren haben sich
Grand Challenges zum globalen Schrittmacher der Innovation entwickelt.
Große Durchbrüche
Eine Grand Challenge ist ein öffentlichkeitswirksames strategisches Programm, das Vordenker aus aller Welt zusammenbringt, die
ihr technisches und wissenschaftliches
Know-how bündeln, um Lösungen für eine
globale Herausforderung zu entwickeln.
Große und kleine Unternehmen nutzen diese
gut geplanten und durchgeführten Wettbewerbe, um außerhalb ihrer vier Wände >
© Thinkstock
Die Beteiligung externer Ideengeber
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
nach Ideen und Lösungen zu suchen, mit denen sie wegweisende Produkte und Dienstleistungen entwickeln können.
© Thinkstock
Rick Wielens
schwärmt für Offenheit, gerade
dann, wenn es um kreative Lösungen geht. Der Europa-CEO von Nine
Sigma beschäftigt sich mit Open
Innovation, also mit Innovationskonzepten, die möglichst viele Menschen am Ideenfindungsprozess
beteiligen. Das Beratungsunternehmen Nine Sigma unterstützt ‚
Organisationen dabei, ihre Innovationsprozesse zu öffnen. Unternehmen wie Siemens, Kraft Foods,
Philips, L´Oreal, Unilever, Denso und
Suntory nehmen die Open-Innovation-Dienstleistungen in Anspruch,
um beispielsweise ihre Produktlinien zu erweitern, neues Wissen in
das Unternehmen zu integrieren,
Entwicklungslücken zu schließen
und so die wirtschaftliche Leistung
zu verbessern.
Attraktiv ist das Wertversprechen der Grand
Challenges für die produzierende Industrie.
Mit Hilfe dieser Wettbewerbe kann sich dieser häufig als wenig technologieaffin, einfallslos und massenmarktabhängig verschriene Wirtschaftszweig neu erfinden und
neue, innovationsgetriebene Marktnischen
erschließen. Produzierende Unternehmen,
die sich als Partner – und nicht als Lieferanten
– ihrer Kunden verstehen, können helfen, ihre
eigenen Innovationsziele zu erreichen, indem
sie an Grand Challenges teilnehmen. Im Rahmen dieser Wettbewerbe können sie ihre
Ressourcen und Expertise optimal einsetzen,
um neue Fertigungsprobleme zu lösen, die
branchenübergreifende Zusammenarbeit zu
stärken und ehemals Unmögliches möglich
und profitabel zu machen – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Denn plötzlich
geht es nicht mehr darum, wer einen Auftrag
am schnellsten und günstigsten abwickeln
kann, sondern darum, wer maßgeschnei-
Ausgabe 3/2014
21
derte Fertigungsprozesse aufsetzen kann,
damit die vordem visionären Produkte der
Kunden ihre ungeduldig wartende Zielgruppe möglichst schnell erreichen.
Dabei ist die Höhe des Preisgelds, mit dem
Innovatoren gewonnen werden sollen, oft an
den potentiellen Marktwert der kommerzialisierten Lösung gekoppelt.
Große Herausforderung
Das eigentliche Problem – das sich nicht auf
die produzierende Industrie beschränkt – besteht darin, dass es häufig schwerfällt, sich
von bewährten Vorgehensweisen zu lösen
und neue Wege zu gehen, um eine Herausforderung zu meistern. Die gute Nachricht
für die produzierende Industrie: Grand Challenges bieten Innovatoren eine einzigartige
Chance, etwas Reales und Greifbares zu
schaffen. Schließlich reichen diese nicht nur
eine Formel oder einen Algorithmus ein, sondern eine Lösung, die letztlich in einem herstellbaren Produkt mündet. Grand Challen-
Neben der Positionierung des Sponsors als Innovationstreiber können Grand Challenges
auch das Image der produzierenden Industrie,
ein innovationsgetriebener Wirtschaftszweig
zu sein, auffrischen. Daher ist die Öffentlichkeitsarbeit ein unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgreichen Grand-ChallengeStrategie. Nicht nur, um potentielle Innovatoren in aller Welt zu erreichen, sondern auch,
weil die Initiative per se eine tolle Story ist.
Jede Phase – von der ersten Ausschreibung
über die Bewertung bis zur Bekanntgabe der
Sieger – bietet eine Chance, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die produzie-
ges im Produktionsbereich locken Innovatoren mit attraktiven Anreizen. Das Preisgeld
kann von mehreren Tausend bis zu mehreren
Hunderttausend US-Dollar reichen. Häufig
sucht der Kunde zudem einen langfristigen
Partner für die Herstellung seiner Lösung,
was zu unbegrenzten Aufträgen führen kann.
rende Industrie und den Industriesponsor zu
lenken. Zudem stärken die Medienberichterstattung über die Grand Challenge und die
Verbreitung von Fortschrittsberichten die Beziehung zwischen Sponsor und Innovatorengemeinschaft und fördern die Entwicklung
der gesamten Branche.<
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 22
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Das Alter spielt keine Rolle, zumindest nicht für
den „Age Explorer“. Denn der Altersanzug macht
die typischen Einschränkungen älterer Menschen
für alle erlebbar. „Wer in den Simulationsanzug
schlüpft, spürt zum Beispiel plötzlich eine starke
Bewegungsunsicherheit. Und versteht so die Verhaltensweisen älterer Menschen besser. Deswegen eignet sich der Anzug hervorragend für die
Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, aber
auch für die Entwicklung seniorengerechter Produkte“, erklärt
© Alle Bilder: Dirk Beichert, Business Photo
Dr. Gundolf Meyer-Hentschel, Wissenschaftler und Gründer
des Meyer-Hentschel-Instituts.
Die Zukunft steht in den Sternen, doch wie das Universum entstanden ist, bei der Erklärung kann ein Teilchenbeschleuniger helfen.
„Mit dem Teilchenbeschleuniger können wir das Szenario nach dem
Urknall darstellen und so auch erforschen“, erklärt
Dr. Gunnar Gräf von der Helmholtz Graduate School for Hadron and Ion
Research (HGS-HIRe).
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Wem die passende Schraube
für den Küchenschrank fehlt,
druckt sie künftig einfach
selbst. „3-D-Drucker werden
auch für Privathaushalte immer wichtiger. Einfache Ersatzteile wie Regler für
Waschmaschinen können
rasch gedruckt und Repera-
turen so selbst durchgeführt
werden“, erklärt
Miodrag Slepcevic, Mitarbeiter des
Technologieberaters RTC.
Superheldenanzüge, alltagstaugliche Roboter und ultragesunde Mikroalgen: alles Zukunftstechnologien, die das Leben besser machen sollen. Doch
was steckt drin, wenn Zukunft
drauf steht? Das Redaktionsteam des Zukunftsmanagers hat
auf der „Leben 3.0“ ganz genau
hingeschaut. Mit an Bord: Sven
Doppelreiter, Student der Provadis Hochschule in Frankfurt
Höchst und Zukunftstester mit
einem Händchen für spannende
Technologien.
Breaking Views: zu Besuch in der Welt von morgen
>
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Ausgabe 3/2014
24
Die Morgenstadt hat es in sich, das zeigt das Modell der Fraunhofer-Wissenschaftler. Was wäre
beispielsweise, wenn alle Häuserfassaden mit
Photovoltaik ausgestattet sind? „Hier sehen Sie
einen Ausschnitt von Stuttgart. Mit einer Augmented-Reality-App können verschiedene Zu-
kunftsszenarien, wie die Ausstattung aller Häuser mit Solarzellen, auf das Modell übertragen
werden. Und wir können uns genau anschauen,
wie die Stadt von morgen aussieht“, erklärt
Carlos-Ruben Stadler, vom Fraunhofer IAO.
Klein aber fein: „Mikroalgen sind
zwar winzig, doch sie enthalten alle
für den Menschen wichtige Aminosäuren. Künftig könnten sie also
wunderbar als Nahrungsmittelergänzung vor Mangelerscheinungen
schützen oder gar Impfungen ersetzen“, sagt
Moritz Göttmann von der Technischen Universität Darmstadt.
Per Pedlec: Das Mentorbike, auch
Pedlec genannt, wird mit Muskelkraft
und Elektromotor betrieben. Smart-
phone und viele Sensoren verbinden
das Bike mit dem Körper des Fahrers
und erfassen so dessen exakten Gesundheitsstatus. „Das Mentorbike
kann wunderbar im Reha-Bereich
eingesetzt werden“, erklärt
Andreas Emrich, Mitarbeiter des
deutschen Forschungszentrums für
künstliche Intelligenz.
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 25
www.best-excellence.de
GRÜNDUNG TRIFFT INNOVATION
Aktuelle Termine:
27. Mai 2014
Sonderforum
„Wie Start-ups Wirtschaft und
Gesellschaft ändern“
Ort: Frankfurt am Main – Beginn: 17.45 Uhr
5. Juni 2014
Sonderforum
„Ins Netz gegangen – Wie Sie Ihr junges
Unternehmen digital richtig positionieren“
Ort: Frankfurt am Main – Beginn: 17.30 Uhr
Veranstaltungspartner:
Informationen und Anmeldung unter: www.best-excellence.de
initiatoren:
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Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Mobilität, Stadt & Raum +++
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„Fortschritt kann nur mit der
entsprechenden Infrastruktur gelingen“
Oliver Kraft kennt sich aus in Sachen Mobilität und Logistik. Er ist Geschäftsführer des House of Logistics and Mobility (HOLM) in Frankfurt am
Main. Und erklärt dem Zukunftsmanager, warum das Auto bald Tipps für die nächstmögliche Busfahrt bereithat.
Welche Mobilitätskonzepte werden in Zukunft
dominieren?
Ich gehe nicht davon aus, dass es nur einige
wenige Mobilitätskonzepte geben wird. Uns
wird eine Vielzahl an unterschiedlichen Reise- und Fortbewegungsmöglichkeiten zur
Verfügung stehen. Genau das wird das Mobilitätskonzept der Zukunft auch auszeichnen:
Es kombiniert und integriert alle Angebote
im Mobilitätssektor, ob es sich nun um das
Auto, das Fahrrad, den Zug oder das Flugzeug
handelt. Und gewährleistet uns eine Mobilität ohne Hindernisse.
© Fraport AG
Was zeichnet das Mobilitätskonzept der Zukunft genau aus?
Mobilität wird weitaus komfortabler und
einfacher werden, außerdem kostenoptimaler: Das Smartphone wird zur Kontrollzentrale unserer Mobilität – und wird so noch weit-
aus stärker, als das bereits heute der Fall ist,
zu unserem täglichen Begleiter. Wir erhalten
in Echtzeit Verkehrsinformationen und Empfehlungen für Routen und Verkehrsmittel,
buchen ein Mietauto oder -fahrrad und lösen unsere Tickets problemlos online. Diverse Applikationen werden am Ende des
Abrechnungszeitraums die für uns günstigsten Preise kalkulieren und entsprechend abbuchen.
Spielt das Auto in Zukunft dann überhaupt
noch eine Rolle?
Sicherlich, das Auto wird uns im Alltag auch
weiterhin begleiten. Allein aus emotionalen
Gründen, denn das Auto ist und bleibt das
Symbol für Freiheit und Spaß an Mobilität –
selbst dann, wenn sich die jüngere Generation nicht mehr ganz so selbstverständlich für
ein Auto entscheidet. Außerdem dürfte die
Attraktivität der Automobilfahrzeuge wieder
stark zunehmen, sobald automatisch fahrende Autos zum Straßenbild zählen – zumindest in den Zentren der großen Metropolen.
Außerhalb der Zentren bleibt uns das aktive
Fahren erhalten, weil wir dort das Steuer
wieder selbst übernehmen und mit Energie
aus erneuerbaren Ressourcen und gutem Gewissen fahren. Das Auto der Zukunft wird
nämlich deutlich umweltverträglicher sein.
Der Hybridantrieb wird mittelfristig durch
den reinen Elektromotor ersetzt, versorgt
von hochleistungsfähigen Lithiumbatterien
oder von Brennstoffzellen. Mit 500 bis 1.000
Kilometern dürfte dann nicht nur die Reichweite fast keine Grenzen mehr haben.
Wie muss die Stadt der Zukunft gestaltet sein,
um den steigenden Mobilitätsansprüchen gerecht zu werden?
Sie sollte gewissermaßen den Spagat zwischen unterschiedlichsten Ansprüchen meistern können – nicht umsonst wird sie auch
Smart City genannt. Zunächst sollte sie flexibel genug aufgestellt sein, um eine wachsende Zahl von Menschen aufnehmen zu können. Darüber hinaus sollte sie dazu in der Lage sein, den höheren Ansprüchen der Menschen an ihre Lebensqualität und an die Verfügbarkeit unterschiedlichster Angebote gerecht zu werden. Hinzu kommt, dass sie
ebenfalls die Mobilität des Einzelnen und die
Versorgung mit Waren und Gütern sicherstellen muss. Eine Lösung dafür sind integrierte und kombinierte Mobilitätsangebote,
die die Innenstädte entlasten können. Verleihsysteme für Autos und Fahrräder, Carsharing und Fußverkehr werden deshalb auch
eine weitaus bedeutendere Rolle spielen als
heute. Ob dann jedes Auto zu jeder Zeit >
>
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Mobilität, Stadt & Raum +++
an jeden Ort in der Innenstadt fahren kann,
ist fraglich. Das hängt natürlich auch von gesellschaftspolitischen Entscheidungen ab,
die vermutlich von Stadt zu Stadt variieren
werden.
© Fraport AG
Logistikzentrale Europas: Verfügt Deutschland
heute über die entsprechende Infrastruktur,
um auch morgen international wettbewerbsfähig zu sein?
Die entsprechenden Zeugnisse sind uns ja
kürzlich wieder ausgestellt worden: Die
Weltbank hat Deutschland vor wenigen Wochen zum Logistikweltmeister gekürt, und
die WTO listet uns bzgl. des Werts der Exporte weltweit auf Platz 3 – praktisch gleichauf mit den USA. Das ist eine bemerkenswerte Leistung. Diese Ergebnisse konnten
wir nur deshalb erzielen, weil wir eine hervorragende Infrastruktur haben. Vielleicht
sollte ich mich an dieser Stelle präziser ausdrücken: „noch … haben“. Denn seit Jahren
investieren wir zu wenig: Das fängt bei den
Schleusen an großen Flüssen an und hört bei
Autobahnbrücken oder -straßen noch lange
nicht auf. Wir brauchen dringend höhere Investitionen in unsere Infrastruktur, um auch
Ausgabe 3/2014
künftig zum Logistikweltmeister gekürt und
als Topexporteur gelistet zu werden.
Zukunftsstandort Hessen: Welche Rolle spielt
Technologieakzeptanz und damit auch Akzeptanz von großen Infrastrukturprojekten für
die Zukunft des Logistikstandorts?
Wir müssen deutlicher machen, dass wir eine
umweltverträgliche Mobilität nur durch Innovation, technologischen Fortschritt, den
Erhalt und den Ausbau bestimmter Infrastrukturen ermöglichen können. Akzeptanz
für Technologie in Politik und Gesellschaft ist
dafür eine wichtige Voraussetzung. Das gilt
nicht weniger für große Infrastrukturprojekte. Hessen – und gerade Südhessen – ist
seit jeher eine Drehscheibe für den Personenverkehr, für Güter- und Informationsaus-
tausch, weshalb diese Akzeptanz hier besonders wichtig ist. Akzeptanz erreichen wir
aber nur, wenn wir die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über die Projekte informieren.
Und wenn wir noch deutlicher machen, welche Rolle Logistik und Mobilität für die Zukunft eines Standorts spielen, an dem jeder
vierte Arbeitsplatz abhängig ist vom Export.
Sofern uns das gelingt, bange ich nicht um
Deutschland und den Zukunftsstandort Hessen. Denn dann werden wir uns unsere Spitzenpositionen und die damit verbundene
Wohlfahrt für viele Menschen auch in Zukunft erhalten können. <
Die Fragen stellte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Oliver Kraft
Logistik und Mobilität
beschäftigen den
Wirtschaftsinformatiker
Oliver Kraft schon lange.
Von Anfang 2010 bis
April 2013 leitete er als
Vorstandsvorsitzender die
DB Netz AG und plante
den Schienenverkehr.
Seit Mai 2013 ist Kraft
Geschäftsführer der Infrastrukturplattform HOLM.
Das HOLM arbeitet als
neutrale Plattform für
Wirtschaft, Wissenschaft,
Politik und Gesellschaft,
das Ziel: interdisziplinär
und branchenübergreifend Antworten auf die
Mobilitäts- und Logistikherausforderungen des 21.
Jahrhunderts zu geben.
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© Fraport AG
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Mobilität, Stadt & Raum +++
Ausgabe 3/2014
Reisen in (die) Zukunft
Vielfalt der Bewegung
„In Zukunft wird das autonome
„Fortbewegung bedeutet in Zukunft
Fahrzeug eine große Rolle spielen.
Gerade große Städte können von
diesem Trend profitieren: weniger
Raum für Parkplätze, außerdem
herrscht eine höhere Verkehrs-
sicherheit und Parkuhren oder Ampeln dürften überflüssig sein.“
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vor allem Vielfalt. Einerseits wird das
elektrische Fahrrad eine große Rolle
spielen. Doch Räder und autonome
Fahrzeuge sind keine Massentransportmittel. Deswegen ist auch eine
stärkere Vernetzung von Verkehrsträgern gefragt, ganz im Sinne der integrierten Mobilität.“
Michael Dinter, Partner,
AS&P - Albert Speer & Partner GmbH
Saubere Sache
„Elektrofahrzeuge sind prädestiniert für den Einsatz im
Kurzstreckenverkehr auf dem Flughafenvorfeld. Gerade für
unsere Spezialfahrzeuge zur Flugzeugabfertigung ist diese
Antriebstechnik eine interessante Option, da diese Fahr-
zeuge einen hohen Anteil an den CO2-Emissionen unserer
Fahrzeugflotte haben.“
Andreas Eibensteiner, Unternehmensentwicklung bei Frankfurt Airport
Services Worldwide, Fraport AG
Dr. Peter Sturm, Geschäftsführer, Zentrum für
integrierte Verkehrssysteme
Auf dem Boden der Tatsachen
„Die Bemühungen und Investitionen, das Fliegen
umweltfreundlich zu gestalten, sind vielfältig und
zeigen Wirkung. Elektrisches Fliegen liegt zwar noch
in weiter Ferne, aber am Boden findet diese Techno-
logie immer mehr Anwendungsmöglichkeiten. Dazu
gehören auch die Entwicklung und der Einsatz elektrischer Antriebstechniken für Flugzeuge am Boden.“
Jutta Ziemen-Graves, Manager Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Entwicklung bei der Deutsche Lufthansa AG
Auto, Fahrrad, Bahn und
Flugzeug – oder gibt es in
Zukunft keines dieser Fortbewegungsmittel und wir
bewegen uns per Teleportation? Die Expertenmeinungen
gehen auseinander, doch
„Beamen“ steht noch nicht
zur Debatte.
Zusammengestellt
von Lisa König
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 29
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14.04.2014 16:53:34
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Arbeit & Bildung +++
Ausgabe 3/2014
30
„In Zukunft gestaltet der Mensch
die Arbeit – nicht umgekehrt“
Ralph Bruder leitet das Institut für Arbeitswissenschaften (IAD) an der Technischen Universität
Darmstadt. Arbeit macht Spaß, findet er, doch weitaus besser funktionieren würde das Konzept, wenn es etwas
flexibler gestaltet wäre. Wie genau das geht, erklärt er dem Zukunftsmanager.
© Thinkstock
Herr Bruder, wie möchten Sie in Zukunft arbeiten?
Ich fände es klasse, wenn sich Arbeit mehr
nach dem individuellen Zeit- und Energiemanagement richten würde. Wer mittags müde
ist, dafür aber abends erst richtig aufdreht,
könnte mit einem individuell zugeschnittenen Leistungsmanagement womöglich auch
bessere Ergebnisse erzielen – und würde sich
im Arbeitsalltag sicherlich besser aufgehoben fühlen. Doch so schön die Vision auch
klingen mag, im heutigen Berufsalltag stoßen solche Konzepte noch auf zu viele Hindernisse. Bislang herrscht eine starre Vorstellungen von Arbeitszeit und Arbeitsplanung.
Wer die Abendstunden für eine Telefonkon-
ferenz bevorzugt, dürfte von so einigen Kollegen schräg angeschaut werden.
Welche Trends werden die (noch starren) Arbeitskonzepte verändern?
Zunächst einmal spielt die umfassende Vernetzung eine große Rolle. Im Zuge der Digitalisierung wird der Arbeitsplatz an sich deshalb ganz anders aussehen. Und der Berufsalltag ebenfalls. Diese Veränderung betrifft
dann nicht nur einzelne Branchen, sondern
schlägt sich in der vollen Breite auf alle Berufszweige nieder. Vom Arzt bis zum Ziegenhirten – im Jahr 2030 ist alles vernetzt. Hinzu
kommt der Megatrend der Individualisierung. Nicht nur Produkte und Dienstleis-
tungen für Kunden fallen darunter, sondern
eben auch die Berufs- und Arbeitskonzepte.
Die kommende Generation ist es gewohnt,
dass Angebote individuell auf sie zugeschnitten sind, das betrifft auch das Jobangebot.
Gibt es Merkmale der heutigen Arbeitswelt,
die im Jahr 2030 ausgestorben sein werden?
Nichts ist analog, und alles ist vernetzt. Im
Jahr 2030 wird es deshalb auch keine Arbeitsplätze geben, die ohne Bezug zum restlichen Arbeitsumfeld auskommen. Menschen müssen sich mit den passenden Technologien für die Vernetzung auskennen –
und in den jeweiligen Netzwerken. Das bedeutet natürlich auch, dass Arbeit weit- >
>
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Arbeit & Bildung +++
aus dynamischer wird. Ebenfalls sollten die
Qualifikationsebenen in der Aus- und Weiterbildung angepasst wer7den. Weder starre Arbeitszeiten noch standardisierte Bildungskonzepte werden sich künftig als sinnvoll erweisen.
Wodurch zeichnen sich die Arbeitskonzepte
der Zukunft aus?
Auf den Punkt gebracht: Vertrauen. Denn gerade dann, wenn alles flexibel ist, werden bestehende Regelwerke zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer aufgelöst. Für alle Beteiligten gilt: Passives Verhalten macht keinen
Sinn, Forderungen sollten selbstbewusst
kommuniziert werden. Das schafft eine neue
Kultur und ebenfalls ein neues Regelwerk.
© Thinkstock
Digitale Produkte werden eine zentrale Rolle
spielen. Werden wir durch große Datenmengen und komplex vernetzte Informationsströme klüger – oder wehren sich die Menschen in
Ausgabe 3/2014
Zukunft gegen digitale Technologieentwicklungen, da sie mit „Ausspähen“ oder „menschenleeren Fabrikhallen“ gleichgesetzt werden?
Angesichts der zahlreichen Spionageskandale und Cyberangriffe könnte man durchaus
annehmen, dass die Akzeptanz neuer Technologien sinken könnte. Aber das ist ein Trugschluss. Wir schätzen die Annehmlichkeiten
doch zu sehr. Darüber hinaus sind digitale
Technologien und Produkte bereits zu tief in
unseren Prozessen verankert, das System ist
nicht mehr umzustellen. Allerdings sollten
wir weitaus mehr in Sicherheit investieren.
31
Im Prinzip lässt sich die Situation auch mit
der Nutzung des Autos vergleichen. Es gab
früher deutlich mehr Verkehrstote durch Autounfälle, dennoch lag die Lösung eben nicht
darin, kein Auto mehr zu fahren. Sondern es
wurde eben mehr in Sicherheitstechnologien
und dementsprechende Innovationen investiert. Und was die Arbeitsplatzsicherheit angeht, da lohnt der Blick in die Geschichte, der
sollte beruhigen. Denn wo etwas wegfällt,
entsteht auch immer etwas Neues. <
Das Gespräch führte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Prof. Dr. Ralph Bruder
leitet das Institut für
Arbeitswissenschaften
(IAD) und ist zudem Vizepräsident der Technischen
Universität Darmstadt.
In sein Ressort fallen Studium, Lehre und wissen-
schaftlicher Nachwuchs
sowie die Zuständigkeit
für die Lehrerbildung und
das Hochschulrechenzentrum. Bruder setzt sich
dafür ein, die Kultur der
„guten Lehre“ weiter zu
fördern. Dazu gehört für
ihn unbedingt, offensiv
neue Formen des digitalen Lernens und Lehrens
zu erkunden und in den
Hochschulalltag zu integrieren.
>
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Arbeit & Bildung +++
Ausgabe 3/2014
32
© Thinkstock
My office is my castle –
das Büro der Zukunft
inspiriert
„Am Menschen orientierte Büro-
Zukunftstechnologien
machen MINT-Berufe attraktiv
konzepte, gutes Design und per-
Wir spielen uns in
die Zukunft
Weg, um Unternehmen aus ih-
„Vor allem im naturwissenschaftlich-tech-
rem Korsett zu befreien. So kön-
„Für die Entwicklung von Pro-
nischen Umfeld fällt es Schulen schwer,
nen neue Chancen Raum zur Ent-
Berufsperspektiven in Zukunftsfeldern an-
faltung bekommen: mit Hilfe von
werden Emotionalisierung
schaulich und motivierend aufzuzeigen.
Räumen, in denen Energie wieder
Die Initiative „Schule 3.0 – Zukunftstech-
ungehindert fließen kann.“
nologien in den Unterricht“ widmet sich in
Robert Mokosch-Wabnitz,
einem Schulnetzwerk dieser Herausforde-
rung. Experten aus Schule, Wirtschaft und
Hochschule verknüpfen schulisches Basis-
fekte Funktionalität sind ein
Leiter Consulting & Planung
Deutschland Süd beim Büroausstatter
Bene GmbH
Zentrum für Chemie e.V.
Rolle spielen. Ob Prozessoptimierung oder Mitarbeiter-
motivation, die Ansätze aus
Videospielen können auf alles
Mögliche übertragen werden.
Und Spieleentwickler kennen
schen dazu motiviert werden,
eröffnen damit Schülerinnen und Schülern
Thomas Schneidermeier, Vorstand,
und Entertainment eine große
sich gut damit aus, wie Men-
wissen mit Zukunftstechnologien und
ungeahnte Berufsperspektiven.“
dukten und Dienstleistungen
Flexibles Arbeiten jenseits
des Büros, Wissen ist alles
und vor allem international:
Die Arbeitswelt wandelt sich
rapide - und stellt die Beschäftigten vor neue Herausforderungen. Ein Überblick
über Zukunftstrends in der
Arbeitswelt.
Zusammengestellt
von Lisa König
ein Produkt spannend zu finden.“
Florian Stadlbauer, Geschäftsführer
beim Spieleentwickler , DECK 13 Interactive GmbH
>
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Arbeit & Bildung +++
33
© Thinkstock
Ausgabe 3/2014
Systeminnovation – Ansätze für
ein neues Wachstumsmodell
„Systeminnovationen sind unternehmerische
Antworten auf gesellschaftliche Herausforde-
rungen. Sie können radikal sein und komplette
Systeme ablösen oder verändern. Da sie nur im
Zusammenspiel aller beteiligten Akteure mög-
lich sind, haben sie eine gute Aussicht auf nachhaltigen und langfristigen Erfolg.“
Christoph Auch, Fachreferent, Provadis Hochschule
Immer am Ball bleiben – Open
Innovation macht’s möglich
„Ohne den Glauben an Wertschöpfung
durch Zusammenarbeit, an Vernetzung
und an das Denken ohne Grenzen würde
es Open Innovation nicht geben. Vor
dem Hintergrund der Globalisierung und
der kontinuierlichen Beschleunigung
des technologischen Fortschritts werden
diese Aspekte eine ganz entscheidende
Rolle für die Bildung und Arbeit der
Zukunft spielen.“
Rick Wielens, Geschäftsführer, NineSigma Europe
Nicht verzetteln!
„Die Informationsflut hat es in sich. Aber
Konzentration auf das Wesentliche war schon
immer wichtig. Das gilt auch für die Zukunft.
Ich kann doch auch heute nicht alle Bücher
einer Bibliothek lesen, sondern selektiere.
Genau so ist es in der digitalen Welt.
Prof. Dr. Eva Schwinghammer, Präsidentin, Provadis
School of International Management & Technology AG
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 34
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Zukunft
Chemie
Perspektiven auf die Welt von morgen
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256 Seiten
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I
Medikamente
und Therapien
Illustr atIon
orI a na fen w Ick
Die Chemie
braucht den
kontroversen
Dialog mit der
Gesellschaft
Dr. rola nD mohr
Dr. roland mohr ist Geschäftsführer von Infraserv
höchst.
20
8
Das Buch beleuchtet aus unterschiedlichen Blickwinkeln die zehn wichtigsten,
internationalen Herausforderungen der
Chemiebranche: Von der Zukunft der
Medikamente und Therapien, über die
Trinkwasserqualität und landwirtschaftliche Produktivität bis hin zur Kern- und
Solarenergie. Unter den Autoren finden
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Meinungsführer, unter anderem Prof.
Dr. Dr. Andreas Barner, Marijn Dekkers,
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Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Wohnen & Freizeit +++
Ausgabe 3/2014
35
„Wir wollen in Zukunft viele
Dinge gleichzeitig haben“
Der Zukunftsmanager im Gespräch: Alexander Rieck, Head of Corporate Projects beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), spricht über Wohnen und Freizeit in der Stadt der Zukunft.
Herr Rieck, erlauben Sie mir zu Beginn eine
sehr allgemeine Frage. Wo möchten Sie im
Jahr 2030 leben?
An verschiedenen Plätzen, Vielfalt ist mir
wichtig. Der Palmenstrand wird doch nach
acht Wochen langweilig, das Chaos in New
York überfordert womöglich noch schneller.
Deshalb brauche ich unterschiedliche Orte,
die mich inspirieren und an denen ich mich
wohlfühle. So kann doch erst das Gefühl entstehen, etwas zu bewegen.
© Thinkstock
Welche Trends beeinflussen unsere Wohn- und
Lebenskonzepte der Zukunft am stärksten?
Ich denke, dass es gerade der Anspruch der
Vielfältigkeit ist. Die Menschen wollen doch
schon heute viele Dinge gleichzeitig haben.
Deshalb zieht es die meisten ja auch in die
Städte. Hier lassen sich die unterschiedlichsten Lebenskonzepte vereinbaren: kulturelle
Inspiration – und wenn man frische Luft
schnappen will, liegt der Stadtwald vor der
Tür. Gerade die ökologische Komponente ist
übrigens ein weiterer Trend der Zukunft,
Menschen wollen Verantwortung übernehmen, gegenüber ihrer Umwelt und ihren Kindern.
Inwiefern werden sich die klassischen Lebenskonzepte verändern?
Lange Zeit wurden die klassischen Lebenskonzepte stark von den Arbeitszeiten und
dem Arbeitsplatz geprägt. Der Mensch
lebte dort, wo er arbeitete, Freizeit passierte nach 17 Uhr, am Wochenende oder eben
im Jahresurlaub. Und dann kommt ab
einem bestimmten Zeitpunkt die Rente. In
der neuen Welt hat sich das schon längst
aufgehoben. Denn durch die elektronischen
Medien sind wir überall vernetzt, jederzeit
erreichbar, man arbeitet von überall aus zu
jeder Zeit. In anderen Ländern dieser Erde
sind die Wochenenden anders getaktet, die
Feiertage und die Ferienzeiten – diese internationalen Komponenten verändern die
Sichtweise auf das Leben und auf die Arbeit. Und plötzlich stellt man fest, man lebt
in anderen Zeiten, und die alte Wahrnehmung verschwindet. Was man noch nicht
geschafft hat: Freizeit dann zu leben, wann
man will. Ich verlasse vormittags das Büro,
um Tennis zu spielen, und setze mich danach wieder an die Mails. Oder gehe zwischendrin laufen. Die Metropolen dieser
Welt sind da bereits einen Schritt weiter.
Dort sitzen die Menschen im Kaffee und arbeiten, chatten und schauen zwischendurch einen Film. Viele gesellschaftliche
Systeme sind jedoch noch nicht auf diese
Umwälzungen vorbereitet.
>
>
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Wohnen & Freizeit +++
© Thinkstock
Vielerorts wird von Smog berichtet, die Immobilienpreise steigen, immer mehr Menschen
strömen in die Städte. Wird das Leben dort in
Zukunft nicht furchtbar eng und stickig – oder
haben Sie eine bessere Prognose für die Stadt
der Zukunft?
Kein Platz und schlechte Luft in den Städten
– darüber wurde doch schon seit jeher geklagt. Dabei kann die Luftqualität künftig
durch ein verändertes Bewusstsein und durch
neue Technologien sauberer und sicherer
werden als je zuvor. Außerdem bieten Städte
doch auch spannende Gegensätze. Eine enge
soziale Gemeinschaft auf der einen und auf
der anderen Seite der Freiraum, am See spazierenzugehen oder in der Wüste – wo immer
sich die Stadt eben befindet. Diese Ambivalenz – also die Verbindung zwischen Stadtleben und Naturverbundenheit – liegt im Menschen. Sofern es uns gelingt, die beiden Konzepte zu verbinden, können wir uns auf eine
lebenswerte Stadt der Zukunft freuen. Und je
Ausgabe 3/2014
besser wir die unterschiedlichen Konzepte
miteinander in Einklang bringen, desto menschengerechter wird das Stadtkonzept.
36
tet? Wie müssten Straßen und Verkehrswege
konzipiert sein? Bislang liegen die passenden
Konzepte noch nicht vor, die Technologie ist
einfach zu neu. Was wir uns jedoch auch klarmachen müssen ist, dass unsere Infrastrukturvorhaben lange Zeit brauchen, bis sie umgesetzt sind. Bahnhof Stuttgart, Flughafen
Berlin, bei diesen Vorhaben geht es um lange
Innovationszyklen, in 20 Jahren könnte der
Bahnhof nicht mehr nötig sein und der Flughafen viel zu klein.<
Welche Rolle spielen digitale Produkte und
vernetzte Lebenswelten für Wohn- und Freizeitkonzepte der Zukunft?
Die heutige Welt ist digital, die Stadt der Zukunft ebenfalls. Darin liegt ja auch die Herausforderung für all diejenigen, die Städte
der Zukunft planen: die zahlreichen Technologien der digitalen Welt sinnvoll miteinander zu kombinieren. Ein Beispiel: Autonomes Das Gespräch führte Eva Roßner.
Fahren. Bald werden die ersten selbstfah- e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
renden Fahrzeuge
marktfähig und auf Dr. Alexander Rieck
unseren Straßen unbeschäftigt sich mit dem
stadt“ – einem Projekt, das
Thema „Wohnen und
unterschiedliche Technoterwegs sein. Wie
Freizeit in der Stadt der
logie- und Wohnkonzepte
könnte denn eine InZukunft“. Gemeinsam mit für die Stadt der Zukunft
frastruktur ausseseinen Kollegen des Fraun- testet.
hofer IAO arbeitet er am
hen, die sich an dieVersuchsballon „Morgensem Trend ausrich-
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Wohnen & Freizeit +++
Alles ist vernetzt und flexibel.
Ob es dann noch feste Wohnsitze oder gar Freizeitmodelle
gibt, steht in den Sternen.
Aber praktische Technologien
für den Alltag dürften immer
gefragt sein.
Zusammengestellt
von Lisa König
Ausgabe 3/2014
37
Warum Roboter in Zukunft
unsere Freunde sind
„Wir wollen einen interaktiven und
Smarte Technologien
zu Hause – soll ich
oder soll ich nicht?
„Mittels Hausautomation werden
Smart-Home-Lösungen zu wohnbe-
gleitenden Dienstleistungen. Sicherheit oder Energiemanagement wer-
emotionalen Roboter schaffen. So wird
NAO ein fester Bestandteil unserer Familie und unseres täglichen Lebens sein.
Dieser Roboter wird unseren Umgang
mit Technologie positiv beeinflussen –
und ganz sicher die nächste technologische Revolution einläuten.“
Andrea Mestre-Hamel, EMEA Academic and
Research Sales, Aldebran Robotics
den bis ins hohe Alter hinein ein komfortables und sozial eingebundenes
Leben auf einem bezahlbaren Niveau
ermöglichen. Für den Erfolg der
dem technisch Machbaren vor allem
die Nutzerakzeptanz von ausschlaggebender Bedeutung.“
Uwe Asbach, Leiter Geschäftsfeld Wohnungswirtschaft, Kieback&Peter GmbH
NAO soll MINT-
Fächer attraktiv machen. Der programmierbare Roboter
kann Sachthemen
wie z.B. Programmieren und Regeltechnik
© Thinkstock
vermitteln und soll
gleichzeitig Kreati-
vität und Problem-
lösungsfähigkeiten
fördern.
© robocupgermanopen.de,
Foto: Andreas Lander
Smart-Home-Lösungen ist neben
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Wohnen & Freizeit +++
Ausgabe 3/2014
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„Ich brauche ein authentisches und ehrliches
Umfeld – auch im Restaurant der Zukunft“
... sagt Gastronomieexperte Tim Plasse im Gespräch mit dem Zukunftsmanager.
© Thinkstock
Herr Plasse, erlauben Sie mir eine persönliche
Frage. Wo werden Sie im Jahr 2030 leben?
Die Frage, wo ich dann leben werde, stellt
sich für mich nicht. Es kann hier in Frankfurt
am Main sein, aber auch irgendwo anders.
Das kommt ganz darauf an, wohin es mich
beruflich und privat verschlägt. Ich wage
dennoch einen Blick in die Glaskugel: Frankfurt am Main wird meine geschäftliche Basis,
Berlin meine Inspirationsquelle, und in München bin ich dann gern mal zu Besuch – einfach aus Tradition.
Und wohin geht ein Gastronomieexperte wie
Sie dann mit Freunden essen?
Ich halte es mit meinem Lieblingsrestaurant
wie mit meinem Wohnort: Ich fühle mich dort
zu Hause, wo ich das Gefühl habe, mein Umfeld sei ehrlich und authentisch – unabhängig
von der Küchenrichtung, dem Preis oder der
Lage. Ich muss ohnehin zugeben, dass es zusehends die schlichten Restaurants sind, die
mich begeistern. Sie sind für den Alltag gemacht – ich trete ein und kann einfach nur
gut essen. Außerdem fühle ich mich dort
wohl, wo ich willkommen bin und erkannt
werde. Da dürfte ich aber keine Ausnahme
darstellen. Zu guter Letzt macht der „Mensch“
den Unterschied, das geht sicherlich jedem so.
Das ist doch auch die große Herausforderung
für gute Gastronomiekonzepte – und nicht so
sehr, alles kompliziert und teuer zu gestalten.
Was bedeutet Freizeit in der Stadt der Zukunft?
Ich bin selbständig. Die Grenzen zwischen Freizeit und der „nicht freien Zeit“ meines Berufsalltags verschwimmen schon heute. Das dürfte
in Zukunft noch weiter zunehmen. Ich glaube
aber, dass Menschen in der Stadt der Zukunft
Freizeit anders definieren werden. Freizeit dürfte dann nicht so sehr von der Frage bestimmt
sein, wie viel davon vorhanden ist, sondern davon, ob Menschen dort eine Aufgabe haben. Es
wird um die Suche nach Zugehörigkeit, Bestätigung und Erfüllung gehen – ob es sich nun um
Arbeitszeit oder Freizeit handelt.
Alle sagen Stadt der Zukunft – oder fahren wir
im Jahr 2030 etwa aufs Land, um dort mit
Freunden essen zu gehen?
Die Zukunft gehört den Städten, da bin ich
mir sicher. Allerdings könnte ich mir auch eine „Mischform“ gut vorstellen. Denn der
Gastronomietrend „Farm to Table“ wird vielleicht in Zukunft auf dem Land oder in einem
stadtnahen Konzept am konsequentesten
realisierbar sein. Kurze Wege, eigener kontrollierter Anbau von Lebensmitteln und direkter Verkauf: Das sind die Grundlagen der
Spitzengastronomie. Vielleicht wird ein tolles
Erlebnis auf einem Bauernhof dann auch zu
einem schönen Restaurantbesuch? Wer weiß,
womöglich halten wir uns in Zukunft auch
kleine Wohnobjekte auf dem Lande, weil wir
uns Wohnraum in den Städten nicht mehr
leisten können. Oder einfach deshalb, weil
gute, schadstofffreie Lebensmittel und Gemüse aus dem Eigenanbau nur in den ländlichen Regionen zu finden sind.
Werden wir auch in Zukunft von ähnlichen Attributen angezogen, wenn es um die Auswahl
des „Lieblingsitalieners“ geht?
Die emotionale Bindung an das Lieblingsrestaurant – sprich den „Lieblingsitaliener“ –
wird immer Bestand haben. Das wird sich
auch im Jahr 2030 nicht ändern. Was aber
wichtiger sein dürfte: die Beantwortung der
Frage, woher die Produkte kommen. Der Gast
von morgen erwartet Transparenz und will
vertrauen können. Dabei geht es womöglich
gar nicht um ein Biosiegel, sondern einfach
um die Nachvollziehbarkeit in der Herstellungskette – und somit um das Vertrauen in
die Lebensmittel und in die Zutaten. <
Die Fragen stellte Eva Roßner.
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Tim Plasse
mag gutes Essen und vor
allem gute Gastronomiekonzepte. Damit kennt er
sich aus, denn seit 2010
ist er Geschäftsführer
des Gastronomieberaters
Butterbutter. Zuvor hat
er die Gastronomieszene
der Region inspiziert: Er
war u.a. Geschäftsführer
des King Kamehameha
Clubs, einer bekannten
Diskothek in Frankfurt am
Main, hat die Konzeption
vom „Vaivai“ maßgeblich
erschaffen und hat mit
Tim Melzer und Patrick
Rüther das Restaurant
„Hausmann‘s“ am Flughafen Frankfurt am Main
eröffnet. Während des
Gesprächs machte er sich
Gedanken zur Stadt der
Zukunft und der Frage, ob
sein Freizeitkonzept bald
für weitaus mehr Menschen gelten könnte.
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 39
8. INNOVATION–UNTERNEHMERGIPFEL
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und Medien, Energie und
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Dr. Kai Engel,
Leiter Operation
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globales Kompetenzteam
Innovationsmanagement,
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Prof. Dr.
Wolfgang M. Heckl,
Generaldirektor,
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Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Gesundheit & Ernährung +++
Ausgabe 3/2014
40
„Um in Zukunft gesünder zu sein,
braucht es mehr als neue Technologien“
Der Zukunftsmanager im Gespräch: Peter Langkafel, General Manager Public Sector/Healthcare MEE (Middle and Easter Europe) bei der SAP AG.
Langkafel verrät sein Patentrezept fürs hohe Alter, berichtet von neuen Gesundheitskonzepten und alten Hindernissen.
Herr Langkafel, erlauben Sie mir zu Beginn eine etwas persönliche Frage. Werden Sie sich in
Zukunft ausschließlich gesund ernähren und
immer genug Sport treiben?
Schwierige Prognose, da möchte ich mich
nicht festlegen. Ich kenne aber ein anderes,
durchaus faszinierendes Patentrezept, um
100 Jahre alt zu werden: Man muss nur 100
Jahre lang Tee trinken. Das sagte zumindest
mein Großvater. Er trank jeden Tag Tee. Er
wurde alt, aber nicht ganz 100 Jahre. Mal sehen, ob ich mich an seine Strategie halte.
© Thinkstock
Welche Produkte und Dienstleistungen zeichnen die Gesundheitskonzepte der Zukunft aus?
Lassen Sie mich an dieser Stelle eine womöglich etwas philosophische Frage voranstellen. Wissen wir denn überhaupt, wann
der Zustand „gesund“ wirklich erreicht ist?
Werfen wir einen Blick auf die Utopie der
Weltgesundheitsorganisation. Laut ihr ist
Gesundheit „ein Zustand des vollständigen
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens.“ Handelt es sich hierbei nun tatsächlich um eine Wunschvorstellung für die
Zukunft? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es
sich in Sachen Gesundheit mittlerweile
nicht sogar eher um eine Ideologie oder eine
neue, säkulare Religion handelt. Aber lassen
wir die philosophischen Einschübe erst ein-
mal beiseite. Im Moment beobachte ich in
jeden Fall einen starker Trend in Richtung Individualisierung von Gesundheitsmanagement. Wir messen und „tracken“ immer
mehr Parameter unserer körperlichen Befindlichkeiten, in der Hoffnung, dadurch „gesünder“ zu werden. Offen bleibt, um was es
bei der personalisierten Medizin geht – um
technologische Spitzfindigkeiten – oder
steht tatsächlich die Gesundheit der Person
an vorderster Stelle?
„Personalisierte Medizin“ und „Tracking“ gesundheitlicher Parameter: Werden Menschen
in Zukunft deshalb gesünder sein?
Damit Menschen in Zukunft wirklich gesünder werden, braucht es mehr als neue Technologien. Es müsste eine andere Vorstellung
von Gesundheitsprävention her. Das Gesundheitsmanagement von heute ist doch
stark darauf ausgerichtet, akute Krankheiten
zu bekämpfen. Um Prävention geht es kaum,
zumindest nicht im Klinikalltag. Wenn überhaupt, findet Prävention im Privaten statt, in
der Bioabteilung des Supermarkts oder beim
Dauerlauf in der Mittagspause. Ein gutes
Beispiel ist Berlin. Dort wohne ich, und ein
sicheres Netz von Radwegen wäre womöglich die beste Investition in die Gesundheit
der Bevölkerung. Aber dafür fehlt das >
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Gesundheit & Ernährung +++
Verständnis. Bewegungsmangel ist vielleicht
die größte Volkskrankheit – mit allen gesundheitlichen Konsequenzen. Doch flächendeckende Radwege werden noch lange
nicht in Erwägung gezogen. Solche Grenzen
kann unser System im Moment noch nicht
überwinden.
© Thinkstock
Die Welt ist digital, der Arzt der Zukunft ebenfalls. Werden digitale Patientenakten zu mehr
Effizienz im Klinikalltag und besseren Heilungserfolgen führen – oder aber den gläsernen Patienten zur Folge haben?
Um Effizienz messen und dann möglicherweise auch beeinflussen zu können, brauchen wir Messinstrumente, die Prozesse
schnell und transparent darstellen. Die digitale Patientenakte ist eine Möglichkeit, das
digitale Gesundheitskonto eine weitere. Daten zu schützen, sie gar zu verschließen oder
aber, sie offenzulegen und Transparenz herzustellen: Beide Vorgehensweisen bergen Ri-
Ausgabe 3/2014
siken, die abgewogen werden müssen. Bildlich gesprochen: Elektrische Ströme können
wärmen, Licht geben und die Waschmaschine betreiben. Aber man kann sich daran auch
verbrennen – denn ein Blitzschlag kann nicht
nur einen Baum fällen.
41
onslinien zu hinterfragen. Der Bereich der
ambulanten Medizin ist ein gutes Beispiel.
Ich habe heute keine Möglichkeit zu wissen,
ob der niedergelassene Kollege vernünftige,
evidenzbasierte Medizin betreibt oder nicht
– obwohl die Daten vorliegen und aufbereitet werden könnten.<
Wie begegnen Sie Sorgen um Datensicherheit
oder gar fehlender Technologieakzeptanz bei Die Fragen stellte Eva Roßner.
E-Health-Produkten?
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Datensicherheit ist ein Muss. Aber es lohnt
sich immer, genauer hinzuschauen: Ist fehlende Technologieakzeptanz nur ein
Dr. med. Peter Langkafel
Deckmäntelchen für
sieht einen medizinischen Neben dem medizinischen
die Angst vor mögund ökonomischen MehrStaatsexamen und einem
licher Transparenz,
wert durch Daten, vor
Abschluss in „Healthcareallem wenn es um Health- Management“ erhielt er
die eben auch mecare geht. Er berät beim
das Zertifikat „Medizinidizinisch-qualitativ
Softwarehersteller SAP
sche Informatik“ der deutausfallen kann? Hier
nationale und internatioschen Fachgesellschaft
nale
Kunden
bei
Ihrer
straGMDS e.V.
lohnt es sich immer,
tegischen IT-Ausrichtung.
die
Argumentati-
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Gesundheit & Ernährung +++
Über das Potential von
Mikroalgen
„Neue Erkenntnisse der Ernäh-
rungswissenschaften zeigen: Unterversorgung mit Mikronähr-
stoffen und Vitaminen stellen das
weltweit größte Ernährungspro© Thinkstock
blem dar, weniger ein Kalorien-
mangel. Mikroalgen können einen
wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung von weltweit auftretendem
Hunger und Mangelernährung leisten. Sie enthalten Mineralien, Vi-
Mensch und Technologie
verschmelzen – das ist keine
Zukunftsmusik
„Unsere Gesellschaft ist schon lange eine tiefe Symbiose mit Technologieentwicklungen eingegangen.
Wir sind doch längst eine Cyborg-Gesellschaft. Auf
Implantation kommt es nicht an, denn: Bereits ein
Smartphone kann uns zum Cyborg machen.“
Enno Park, Vorsitzender des Cyborgs e.V.
tamine, sind reich an ungesät-
Ausgabe 3/2014
Literarische Spekulationen über die
„Cyborgisierung“ des Menschen
„Um für uns Menschen ein längeres Leben zu errei-
chen, können wir entweder auf biologischem Wege
Krankheiten besiegen, oder wir sind bereit, uns auf
mechanische Körperersatzteile einzulassen. Wer
würde schon künstliche Augen ablehnen, die wieder
eine volle Sehfähigkeit schenken? Oder mecha-
nische Hände oder neue Beine? Doch wären wir in
letzter Konsequenz bereit, uns einen kompletten
Roboterkörper anpassen zu lassen, in dem nur noch
unser Gehirn organisch ist?“
Thomas Le Blanc, Autor und Gründer der Phantastischen
Bibliothek Wetzlar
tigten Fettsäuren und bestehen zu
mehr als 50 Prozent aus Protein.
Dieses enthält alle für den Men-
schen essentiellen Aminosäuren.
Qualitativ hochwertige Mikroal-
gen sind eine besonders geeignete
Nahrungsquelle für den Menschen.“
Dr. Kaldenhoff, Professor an der
Technischen Universität Darmstadt
42
Bald werden gebrochene Oberschenkelknochen nicht mehr
gegipst, sondern direkt durch entsprechende Implantate ersetzt.
Das geht nicht nur schneller, der
Patient kann danach auch 55 Meter
weit springen. Zugeben, die Experteneinschätzungen gehen in
eine andere Richtung.
Zusammengestellt
von Lisa König
Zukunftsmanager n +++ Lebenswelt: Gesundheit & Ernährung +++
Ausgabe 3/2014
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„Digitale Patientenakten dürfen
kein Datenlager sein“
Gesundheit und Ernährung der Zukunft: Mit E-Health zum ewigen Leben? Der Zukunftsmanager sprach zu diesem Thema mit Jochen Maas,
Geschäftsführer Forschung & Entwicklung von Sanofi in Deutschland.
Herr Maas, nutzen Sie E-Health-Produkte?
Wenn ja, welchen Einfluss hat das auf Ihr persönliches Gesundheitsmanagement?
Ich nutze (noch) keine E-Health-Produkte.
Zum einen, weil ich sie aus medizinischen
Gründen nicht benötige, zum anderen, weil
mich zumindest die „Präventionsprodukte“
wie Schrittzähler, Distanzmesser oder Kalorienzähler noch nicht vollständig überzeugt
haben. Mit anderen Worten: Ich selbst brauche keinen Schrittzähler, um täglich mehrfach in den 8. Stock zu laufen, das mache ich
auch ohne die anschließende Bestätigung
am Handgelenk.
© Thinkstock
Welche Megatrends beeinflussen die heutigen
Konzepte von Gesundheit und Gesundheitsmanagement?
E-Health ist mit Sicherheit einer davon. Er
wird die heutigen Konzepte von Gesundheit
und Gesundheitsmanagement jedoch nur
dann verändern und beeinflussen, wenn eine
noch höhere Akzeptanz und Verbreitung der
Verfahren erzielt werden kann. Heute ist die
Akzeptanz vor allem bei älteren Patienten
noch recht gering – einfach deswegen, weil
diese Generation nicht mit E-Tools und Internet groß geworden ist. Das wird sich aber
drastisch ändern, wenn die Babyboomergeneration das entsprechende Alter erreicht.
Aufgewachsen und sozialisiert mit Internet
und Computer, werden diese Patienten EHealth zum Durchbruch verhelfen.
Welche Produkte und Dienstleistungen zeichnen die Gesundheitskonzepte der Zukunft
aus? Inwiefern werden Menschen in Zukunft
dadurch gesünder sein?
Die Gesundheitskonzepte zielen immer mehr
auf integrierte Ansätze ab: Prävention, Diagnose, Behandlung, zur Behandlung notwendige
Medizinprodukte und Nachsorge: alles möglichst aus einer Hand. Die größtmöglichen Fortschritte sehe ich im Bereich der Diagnose. Wir
werden uns immer weiter davon wegbewegen,
im „one size fits all“-Konzept zu denken.
Durch solche Systeme kann der individuelle
Behandlungserfolg steigen, und dann wird
auch die Akzeptanz der – zugegeben etwas
gläsernen – Patienten nicht das Problem
sein. Aber nur, wenn der Behandlungserfolg
tatsächlich besser wird. Digitale Patientenakten als reine Informations- und Datenlager
ohne sinnvolle und rasche Anwendungsmöglichkeit wären diesbezüglich kontraproduktiv. <
Die Welt ist digital, der Arzt der Zukunft ebenfalls. Werden beispielsweise digitale Patientenakten zu mehr Effizienz in Klinikalltag und
besseren Heilungserfolgen führen – oder aber
den gläsernen Patienten und Vertrauensverluste zur Folge haben?
Ich halte digitale Patientenakten für sehr effizient, um noch bessere Behandlungen zu
erzielen – vorausgesetzt, sie sind richtig an- Die Fragen stellte Eva Roßner.
gelegt, leicht lesbar und verständlich. Der e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Arzt muss die für ihn notwendigen Informationen ad hoc finden, bewerten und Prof. Dr. Jochen Maas
anwenden können,
ist seit Oktober 2010 Geneuen Technologien, dem
schäftsführer Forschung
Megatrend Gesundheit
was auch bedeutet,
& Entwicklung der Sanofi- und gesunden Menschen.
dass er im Umgang
Aventis Deutschland
mit digitalen PatienGmbH. Maas ist Biologe
und Veterinärmediziner
tenakten gut ausgeund beschäftigt sich mit
bildet sein muss.
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Zukunftsmanager n Ausgabe 3/2014 44
TRANSFER FORUM
TOP Transfer Forum: Industrie 4.0 meets Lean
JE
ANM TZT
ELD
EN!
25. JUNI 2014
Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, Regensburg
THEMEN IM FOKUS
EXPERTEN AUS DER PRAXIS U. A. VON
Mensch, Maschine und IT im intelligenten
Zusammenspiel
Agfa-Gevaert HealthCare GmbH Deutsches Forschungszentrum für
Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) Fraunhofer-Institut für Sichere
Informationstechnologie (SIT) Maschinenfabrik Reinhausen GmbH
SEW-EURODRIVE GmbH & Co. KG Siemens AG TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG Volkswagen Sachsen GmbH
Industrie 4.0 erfolgreich in die künftige Lean Welt
integrieren
Programm und Anmeldung unter:
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Initiatoren
Mitveranstalter
Goldpartner
Medienpartner
Innovative Lösungen für Konstrukteure und Entwickler
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Bronzepartner
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Wertschöpfungssteigerung oder Kostenexplosion
mit Industrie 4.0
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Ausgabe 3/2014
45
Im Gespräch über
Mikroalgen und
© Alle Bilder: Dirk Beichert, Business Photo
Zukunftsvisionen.
Ein Tag zu Besuch in der
Zukunft: Plenum, Workshop, Coaching Café – die
Teilnehmer des Zukunftskongress Leben 3.0 konnten am 14. Mai 2014 viele
Eindrücke sammeln.
Die Teilnehmer im Work-
shop: Rick Wielens, NineSigma-CEO, berichtet
von Open-InnovationModellen.
Breaking Views: zu Besuch in der Welt von morgen
>
Zukunftsmanager n +++ Titel: Zukunft erleben +++
Ausgabe 3/2014
46
Wirtschaftsminister
Tarek Al-Wazir in der
Elektromobilität zum an-
„Morgenstadt“.
fassen und ausprobieren.
Im Zukunftsdialog
(v.l.n.r.): Sascha Hingst,
Tarek Al-Wazir, Rolf
Najork und Klaus
Burmeister
Die „Leben 3.0“ bietet
Raum für Visionen.
Treffpunkt Zukunft:
Die Teilnehmer im Austausch.
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Ausgabe 3/2014
News
Im Alltag unermüdliche Helfer, in
der Forschung spannende Untersuchungsobjekte: Roboter. Doch was
werden sie in der Zukunft können
und was nicht? Das Buch untersucht, wie sich das Leben mit Robotern ändern wird.
Christian Weymayr: Roboter. Was unsere
Helfer von morgen heute schon können.
Berlin Verlag 2010.
ISBN-13: 978-3827053602
Die Physik des
Bewusstseins
Über die Zukunft des
Geistes
Dank modernster Technik und Physik
können bereits heute Querschnittsgelähmte Gliedmaßen wieder bewegen und E-Mails per Gedankensteuerung geschrieben werden. Der Physiker Michio Kaku trifft im Buch eine
wissenschaftliche Vorhersage darüber, wie sich unser Bewusstsein in
Zukunft verändern wird.
Michio Kaku: Die Physik des Bewusstseins:
Über die Zukunft des Geistes. Rowohlt
E-Book 2014.
Veranstaltungen
Tomaten aus dem All
Rund, rot und groß – die Tomate von heute ist
weitaus mehr. Mal kommt sie gelb und winzig wie eine Beere daher, ein andermal dattelförmig und kirschsüß. In Zukunft soll die Tomate um ein Attribut reicher sein, dann ist sie
gewissermaßen auch Astronaut. Denn bald
wachsen Tomaten nicht mehr in den großen
Gewächshäusern Europas, sondern im Weltall. So lautet zumindest der Plan der Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luftund Raumfahrt (DLR). Bereits 2016 sollen zwei
Gewächshäuser mit Tomaten auf einem Satelliten ins Weltall starten. „Wir wollen zeigen, dass die Nutzung von Abfallprodukten,
in diesem Fall zur Tomatenzucht, auch bei reduzierter Schwerkraft auf Mars und Mond
und bei Langzeitmissionen möglich ist“ , erklärt Dr. Jens Hauslage vom DLR-Institut für
Luft- und Raumfahrtmedizin. Dafür fließt in
das System der Gewächshäuser in regelmäßigen Abständen künstlicher Urin. Dieser
läuft über einen Rieselfilter, in dem unzählige
Bakterien das giftige Ammoniak zunächst in
Nitrit und anschließend in Nitrat umwandeln. Nitrat ist wiederum ein wichtiges Düngemittel für die Tomatenpflanze. Der Satellit,
auf dem sich die Gewächshäuser befinden,
sorgt für authentische All-Bedingungen.
Während des Flugs in 600 Kilometern Höhe
rotiert er um seine Längsachse. Dadurch
herrschen verschiedene Anziehungskräfte,
10. Juli 2014
Management Circle Roadshow:
innovative product development
Stuttgart
Die Teilnehmer der Roadshow können sich
über neue Trends und Entwicklungen in der
Produktentwicklung informieren und die
Plattform zu Erfahrungsaustausch und Networking nutzen.
ÆÆIm Internet
© DLR (CC-BY 3.0).
Roboter
Was unsere Helfer
von morgen heute
schon können
47
die je nach Rotationsgeschwindigkeit vergleichbar sind mit denen auf dem Mond oder
auf dem Mars. „Die Experimente an Bord werden wichtige Ergebnisse liefern, um ein Überleben der Menschheit in lebensfeindlichen
Räumen zu ermöglichen – sei es im Weltraum
oder auf der Erde“ , so Dr. Hauslage.
8. Juli 2014
Management-Circle-Trendkonferenz:
„Gigatrends, die Ihr Business revolutionieren“
Köln
Drohnen, 3-D-Drucker und Wearables sind in
aller Munde. Doch lohnt sich ihr Einsatz im
Unternehmen tatsächlich? Auf der Trendkonferenz sollen diese Fragen diskutiert werden.
Außerdem kann man die technischen Neuheiten direkt vor Ort testen.
ÆÆIm Internet
23.–24. Juni 2014
Smart Variant.CON 2014
Berlin
Im Rahmen der interaktiven Konferenz für Varianten- und Komplexitätsmanagement stellen
Fachexperten aus der produzierenden Industrie Variantenmanagement und Produktkomplexität anhand von Fallbeispielen vor.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Ausgabe 3/2014
News
Veranstaltungen
Das Imperium der
Steine
Wie Lego den Kampf
ums Kinderzimmer
gewann
25. Juni 2014
TOP Transfer Forum
„Industrie 4.0 meets Lean“
Maschinenfabrik Reinhausen GmbH
Regensburg
Die Veranstaltung zeigt, dass mit der 4. industriellen Revolution das Thema Lean Management einen neuen Auftrieb erfährt.
Beim Sieger des Industrie-4.0-Awards, der
Maschinenfabrik Reinhausen, können die
Teilnehmer erleben, wie sich Industrie 4.0
und Lean ideal ergänzen.
Das digitale Zeitalter brachte dem
Spielzeughersteller Lego vor ein
paar Jahren beinahe den Ruin.
Einem neuen Führungsteam gelang
ein rasanter Umbau des Traditionsunternehmens. Ein Buch für Branchen, die im Umbruch sind.
David Robertson, Bill Breen: Das Imperium
der Steine. Wie Lego den Kampf ums Kinderzimmer gewann. Campus Verlag 2014.
ISBN 978-3-593-50010-2
Frankensteins Katze
Wie Biotechnologien
die Tiere der Zukunft
schaffen
Fluoreszierende Fische, Delfine mit
künstlichen Flossen, Roboterkäfer.
Die Wirtschaftsjournalistin Emily
Anthes wirft einen Blick in die Hightechwelt der nahen Zukunft. Und
stellt kritische Fragen.
Emily Anthes: Frankensteins Katze. Wie
Biotechnologien die Tiere der Zukunft
schaffen. Springer Spektrum 2014.
ISBN 978-3-642-41862-4
48
© Thinkstock
ÆÆIm Internet
Future-Recycling
Das Recycling von morgen geht weit über unsere heutige Mülltrennung hinaus. Forscher
des Fraunhofer-Instituts entwickeln im Projekt „Molecular Sorting“ speziell Techniken,
um die verschiedenen Stoffe bereits auf der
ersten Ebene zu trennen, das bedeutet auf
der Ebene von Molekülen oder sogar Atomen.
Diese Trennverfahren sollen Deutschland unabhängiger von teuren Rohstoffimporten
machen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Sie können beim Recycling unterschiedlichster Rohstoffe zum Einsatz kommen, beispielsweise bei der Wiederverwertung von
altem Flachglas in Photovoltaikanlagen oder
Displays. Für die Produktion in diesen Bereichen ist farbstofffreies Glas mit maximaler
Lichtdurchlässigkeit gefragt. Flachglas besitzt
allerdings einen hohen Eisenanteil, der das
Glas trübt. Die Wissenschaftler entwickeln
deswegen ein spezielles Trennverfahren, das
die trübenden Eisenatome aus altem Flachglas entfernt. Das so gewonnene farbstofffreie Glas kann für Photovoltaikanlagen oder
Displays verwendet werden. Ähnliche Recyclingtechniken entwickeln die Forscher auch
für weitere Rohstoffe wie Altholz oder Beton.
17. September 2014
Innovation-Unternehmergipfel 2014
Deutsches Museum
München
Der Innovationsgipfel bietet eine Plattform,
um Einblicke in die und Erfahrungen aus der
Praxis von führenden Spitzenunternehmen
und Experten zu gewinnen und in nachhaltigen Erfolg umzusetzen.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Ausgabe 3/2014
49
News
Jedem ist klar: Menschen und Organisationen sind nachweislich viel gesünder und erfolgreicher, wenn sie
nicht das schnelle Wohlgefühl und
den kurzfristigen Gewinn, sondern
das langfristige Wohl zum Maßstab
ihrer Entscheidungen machen. Doch
genau dafür ist der Mensch nicht
gemacht. Unser Gehirn ist gebaut
für ein Leben im Hier und Jetzt.
Pero Mićić: Wie wir uns täglich die Zukunft
versauen. Econ, 2014.
ISBN 978-343020-1605
New Business Order
Wie Start-ups Wirtschaft und Gesellschaft verändern
Kleine Start-up-Unternehmen mischen die etablierte Businesswelt
auf: mit neuen Produkten, Ideen und
Prozessen. Das Buch zeigt anhand
von Fallbeispielen, wie man die
Wirtschaftswelt der Zukunft für sich
nutzen kann.
Christoph Giesa, Lena Schiller Clausen:
New Business Order: Wie Start-ups Wirtschaft und Gesellschaft verändern. Carl
Hanser Verlag 2014.
ISBN: 978-3-446-43874-3
Mehr Sicherheit für das Internet der Dinge
Ungefähr 10 Milliarden internetfähige Endgeräte gibt es derzeit weltweit. Auf diese
Zahl kam kürzlich das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen Cisco Systems. Bis zum Jahr 2020 sollen es den Prognosen zufolge bereits 50 Milliarden sein.
Doch nicht nur Tablets, Smartphones und
Computer werden dann im Internet unterwegs sein. Vom Auto über medizinische Monitore bis hin zum Haushaltsgerät – praktisch alle Instrumente, die den Menschen
umgeben und das Leben erleichtern, werden
dann mit dem Internet und untereinander
verbunden sein. Diese rasante Entwicklung
verlangt nach einer erhöhten Aufmerksamkeit und nach neuen Methoden zur Absicherung der Privatsphäre und zum Schutz vor
Cyberangriffen. Cisco Systems und Nine Sigma, ein Beratungsunternehmen für OpenInnovation-Dienstleistungen, suchen nach
Innovationen zur Abwehr sogenannter Malware und von Schadprogrammen, zur Sicherung des Security Credential Managements
und der Privatsphäreeinstellungen. Auswahlkriterien sind vor allem Umsetzbarkeit, Skalierbarkeit und Bedienkomfort. Von Bedeutung ist ebenfalls, dass die Lösung vielfältig
einsetzbar ist. In einer zweiten Phase der
Grand Challenge werden bis zu sechs Lösungsanbieter ausgesucht, die jeweils ein
Preisgeld von 50.000 bis 75.000 US-Dollar
© Thinkstock
Wie wir uns täglich
die Zukunft versauen.
erhalten, um ihre Idee in die Tat umzusetzen.
„Die Risiken, die mit dem Internet der Dinge
einhergehen, sind so weitreichend und komplex, dass nur mit vereinten Kräften Lösungen gefunden werden können. Wir wer-
den unser weltweites Netzwerk innovativer
Köpfe abtasten, um neue und bessere Lösungen im Kampf gegen Cyberattacken zu
finden“, sagt Rick Wielens, Europa-CEO von
Nine Sigma.
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Der Deutsche AnwaltSpiegel ist eine Gemeinschaftspublikation von F.A.Z.-Institut und German Law Publishers.
Kontakt: F.A.Z.-Institut, Karin Gangl, Telefon: +49 (0) 69-75 91-22 17, k.gangl@faz-institut.de
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Zukunftsmanager n Fragen an
Ausgabe 3/2014
51
Fragen an
Christian Jaeger, Geschäftsführer von The Kaikai Company
Wie möchten Sie im Jahr 2030 leben?
Zufrieden und Neugierig. Zufriedenheit ist die
Essenz vieler Erfahrungen und Erfahrungen
wiederum sind die Essenz aus Neugier.
Wo möchten Sie 2030 leben?
Zu Hause auf der Erde, außerdem ein Ferienhaus außerhalb des Sonnensystems und eine
Finka auf Kepler 186f. So weit sollten wir bis
dahin gekommen sein.
Worauf möchten Sie 2030 verzichten können?
Auf Emails, Laptops und Tablets. Der Geist
setzt die Grenzen, nicht der Arbeitsspeicher.
Worauf möchten Sie nie verzichten müssen?
Auf Herausforderungen! Seien sie sportlich,
beruflich oder auch sozial. Herausforderungen halten Körper und Geist wach.
Welche Erfindung würde Sie überraschen?
Ein neues Kommunikationsinterface. Die Anordnung der Bedienelemente unserer so
hochentwickelten Touchscreens und Interfaces basiert immer noch auf einem Layout
der Schreibmaschine aus dem Jahr 1868.
Welcher Zukunftstrend ist Ihnen schon heute
ein Dorn im Auge?
Die Schnelligkeit der Kommunikation. Die
Möglichkeiten, die sich durch immer neue
Kommunikationswege ergeben, sind durchaus spannend und schaffen Vorteile. Dennoch entwertet die Fülle der Möglichkeiten
die Qualität unserer Kommunikation. Sollten
wir uns weiterhin Ganztags auf unser Smartphone konzentrieren, wird die Evolution uns
wieder eine leicht gebückte Haltung spendieren um uns Rückenleiden zu ersparen. Es
wäre ein Schritt zurück.
Welcher Trend bestimmt 2030 die Welt?
Die Suche nach Identität. Sowohl Firmen als
auch Individuen werden sich vermehrt darum bemühen, Werte zu definieren und zu
leben. Denn Werte sind die wahren Grundpfeiler unserer Zivilisation, ob mit oder ohne
Warpantrieb.
Welcher Trend der kommenden zehn Jahre
wird in 30 Jahren schon wieder überholt sein?
Die digitale Revolution mit all ihren „Geschwüren“. 2030 sollte sie in der gebundenen
Ausgabe des „Quarterly Century“ direkt nach
der Wirtschaftskrise und vor der Kommunikationsrevolution stehen. Ich hoffe es, denn dabei handelt es sich zunehmend um Prozesse,
die nur sehr schwer verständlich sind und
noch schwerer kontrollierbar sein werden.
Wer Zukunft erleben will, muss nach Oben
schauen und nicht auf einen Bildschirm.
Welche Reform wird 2030 von zentraler Bedeutung sein?
Die Kommunikationsreform. Die Bedeutung
der menschlichen Kommunikation in eine gesunde Balance mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen zu bringen, das wird eine hochkomplexe Aufgabe, die sich nicht mit Rechenleistung lösen lassen wird. Die intelligente
Automatisierung der Welt ist 2030 hoffentlich erfolgreich gescheitert.
Der Held im Jahr 2030: Was kennzeichnet ihn?
Sein Unternehmen. Die Wayne Kooperation,
Stark Industries oder auch viele reale Unternehmen wie Virgin schaffen schon heute Veränderung. Es gibt fast nichts, was neu erfunden werden muss, es braucht nur die Macher,
um die Dinge zu realisieren. Das wird auch
2030 so sein.
Christian Jaeger,
geboren 1982, begann 2000 sein
Produktdesignstudium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Nach seinem Abschluss 2007
zog es ihn in die USA, nach Kanada,
Litauen, Österreich und die Schweiz.
2010 gründete er dann gemeinsam
mit Tim Wichmann die Kaikai Company, ein Unternehmen für Produktdesign im Herzen von München. Kai
Kai beschäftigt sich mit Industriedesign, Produktdesign, Visualisierungen und Action Sports.
Die nächste Ausgabe
erscheint am 10. Juli 2014
Zukunftsmanager n Corporate Partners | Expertenbeirat
Die Partner des Zukunftsmanagers
Werden auch Sie Partner: info@zukunftsmanager-magazin.de
Corporate Partners
Expertenbeirat
Herausgegeben von
Ausgabe 3/2014
52
Zukunftsmanager n Impressum | Kontakte
Ausgabe 3/2014
53
Impressum
Herausgegeben von:
F.A.Z.-Institut für Management-,
Markt- und Medieninformationen GmbH,
Innovationsprojekte
Markus Garn, Mitglied der Geschäftsleitung
Leiterin Center Innovationspublikationen:
Saskia Feiber | s.feiber@faz-institut.de
Leiter Redaktion Innovationsprojekte:
Daniel Schleidt | d.schleidt@faz-institut.de
Onlinemagazin Zukunftsmanager
Projektkoordinatorin, Anzeigen und Vertrieb:
Jennifer Maurer | j.maurer@faz-institut.de
Redaktion:
Eva Roßner | e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Grafische Konzeption | Layout:
Verlag:
F.A.Z.-Institut für Management-,
Markt- und Medieninformationen GmbH,
Frankenallee 68–72, 60327 Frankfurt am Main
Geschäftsführer: Volker Sach
Mitglied der Geschäftsleitung: Markus Garn
Abonnement:
Bezug kostenlos | Erscheinungsweise: 6-mal pro Jahr
Titelfoto: © robocupgermanopen.de, Foto: Andreas Lander
Haftungsausschluss:
Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert und zusammengestellt.
Für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts des „Zukunfts­
managers“ übernehmen Verlag und Redaktion keine Gewähr.
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Kontakt:
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Telefon: 0 69 - 75 91 32 05
Expertenbeirat
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Klaus Burmeister
Anna-Schneider-Steig 2
50678 Köln
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Dr. Alexander Fink
Klingenderstraße 10–14
33100 Paderborn
RWTH Aachen University
VDI-Professur für
Zukunftsforschung
Univ.-Prof. Dr. rer. pol. habil.
Daniel Barben
Mies-van-der-Rohe-Straße 10
52074 Aachen
Freie Universität Berlin
Arbeitsbereich Erziehungs­wissenschaftliche
Zukunftsforschung –
Institut Futur
Prof. Dr. Gerhard de Haan
Arnimallee 9
14195 Berlin
Hessen Trade & Invest GmbH
Konradinerallee 9
65189 Wiesbaden
Bayer MaterialScience AG
Eckard Foltin
Kaiser-Wilhelm-Allee
51368 Leverkusen
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Kaistraße 16a
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