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DER PATRON MUSS WISSEN, WAS ER WILL - obt

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Seite 12 17/08 – Das OBT Magazin | KMU Praxis
Keine Nachfolgeregelung ohne klare Eignerstrategie
Der Patron muss wissen, was er will
Kommt es im Rahmen der Nachfolgeregelung zum Verkauf eines Unternehmens, müssen die vielfältigen Ansprüche des Firmeninhabers und der Familienmitglieder befriedigt werden. Ohne langfristige Planung und Strategie kann das Finden guter Kompromisse jedoch sehr schwierig werden:
Eine fehlende Eignerstrategie kann durch rechtliche und finanzielle Stolpersteine den reibungslosen
Übergang zum Nachfolger erheblich behindern.
Christoph Brunner
Partner
Treuhand
St.Gallen
Was noch häufiger fehlt, ist eine Abstimmung der Nachfolgeregelung auf
die persönlichen Bedürfnisse des Firmeninhabers. Dies führt zu schmerzlichen, oft spät erkannten Folgen, etwa
bei der finanziellen Absicherung des Patrons im Alter, bei Steuerbelastungen
oder bei einer geplanten Unternehmensnachfolge. Um die eigene Zukunft
sicher gestalten zu können, sollten die
persönlichen Ziele und Vorstellungen in
einer Eignerstrategie zusammengetragen werden. Darin werden in schriftlicher Form die im Eignerkreis vereinbarten und durch alle Mitbesitzer
getragenen Ziele und Erwartungen festgehalten.
Ziel und Inhalt der Eignerstrategie
Eine Eignerstrategie ist ein wenige A4Seiten umfassendes Dokument, geht jedoch wesentlich weiter als eine Unternehmensstrategie und ist schon bei der
Gründergeneration eines Unternehmens
ein unentbehrliches strategisches Arbeitspapier. Mit zunehmender Anzahl
der Generationen wird die Eignerstrate-
Eine langfristige Eignerstrategie hätte folgende
Handicaps verhindern können:
■
Fehlendes privates Vermögen bzw. Altersvorsorge
■
Breite Aktienstreuung in der Familie über mehrere Generationen
■
Interessenkonflikt zwischen operativ tätigen und aussenstehenden Aktionären
■
Üppiges nichtbetriebsnotwendiges Vermögen in der Unternehmung
■
Quersubventionierung unrentabler Bereiche
■
Erhebliche latente Steuerlasten
■
Überalterung der Geschäftsleitung
■
Unternehmensfinanzierung abhängig vom Inhaber
■
Schwere Gesellschaften als Folge von Gewinnthesaurierungen
gie zu einer unverzichtbaren Notwendigkeit. Zur Eignerstrategie gehören unter
anderem das Nachfolgekonzept, das Familienleitbild, die finanziellen Zielsetzungen, die Risikopolitik und die
längerfristige Entwicklung des Familienvermögens.
Klar formulierte Strategie
Es geht überdies darum, ob und gegebenenfalls wie die Familie auch in Zukunft
im neu geregelten Unternehmen finanziert und engagiert sein möchte. Folgende zentrale Punkte sollten deshalb
im Rahmen einer klar formulierten Eignerstrategie beantwortet sein:
Die Übereinstimmung der persönlichen Zielsetzungen und Wertvorstellungen der Eigner.
■ Grundlagen und Richtlinien für die
Zukunftssicherung von Familie,
Vermögen und Unternehmen.
■ Rolle der Familienmitglieder im
Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung.
■ Ziele im Bezug auf das Ergebnis aus
der operativen Tätigkeit.
■ Was nimmt man aus dem Unternehmen?
■ W ie soll der Gewinn verwendet
werden?
■ Beteiligungskonzept, Besitzverhältnisse, Nachfolge- und Erbregelung
■ Regelung der Einflussnahme der
Eigner.
■ Kontinuitätssicherung im Management.
■ Finanzierungs-, Risiko- und Steuerpolitik.
■
Unternehmens- und Eignerstrategie: untrennbar verbunden
Von grundlegender Bedeutung ist die
Tatsache, dass alle Themen der Nachfolge – also auch die Finanzfrage – nur dann
sinnvoll diskutiert werden können, wenn
das Unternehmen selber gesund ist und
auf dem Markt eine Zukunft hat. Unternehmensstrategie und Eignerstrategie
sind daher untrennbar miteinander ver-
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bunden und bilden die Basis für jede
gute Nachfolgelösung. Auch eine sau­
bere Trennung von geschäftlichem und
privatem Vermögen ist eine Vorbedin­
gung für eine erfolgreiche Nachfolgepla­
nung. Dabei ist nach Möglichkeiten zu
suchen, die betriebliche Bilanz zu entlas­
ten. Doch bevor die Finanzierung struk­
turiert wird, bleibt der Umfang der Be­
sitzübertragung zu klären. Dabei gilt es
immer auch die Interessen der Familien­
mitglieder zu integrieren und Finanzie­
rungs-, Steuer- und Erbschaftsfragen zu
regeln. Dies erleichtert insbesondere die
Zuteilung der Vermögenswerte an Kin­
der, Geschwister und Verwandte. Falls
eine Eignerstrategie erarbeitet wurde,
besteht jetzt Klarheit bezüglich den Ver­
mögensteilen des Unternehmers, die
nicht zur Disposition stehen. Dies kön­
nen Tochterunternehmen sein, Beteili­
gungspakete, Immobilien oder Wert­
schriftenportfolios und weiteres mehr.
Mögliche weitere Fragen zur Finanzie­
rung in der Eignerstrategie können sein:
■
■
■
■
■
■
Altersvorsorge und Versicherungs­
deckung
Erb- und Schenkungsfragen
Auszahlung der Erben
Interne/externe Investmentpro­
bleme
Sorgen um die Vermögenserhaltung
Steuer- und Rechtsfragen
Ein Familienrat schafft Ruhe
und Ordnung
Diese zentralen Punkte sollten im Kreis
der Familie diskutiert werden. Die Bil­
dung eines Familienrates eignet sich für
Familiengesellschaften, um jene Famili­
enmitglieder zu berücksichtigen, die
nicht zum aktiven Kern des Unterneh­
mens gehören. Durch regelmässige Tref­
fen der Familie kann der Familienrat eine
wichtige Rolle im Austausch zwischen
Familie und Unternehmen spielen. Wich­
tig ist, dass bei den Treffen ein formaler
Rahmen gewahrt wird. Ebenso bedarf
es einer klar strukturierten Führung, die
es ermöglicht, dass sich alle in gleichbe­
rechtigter Form äussern können.
Fazit
Eine Studie zeigt, dass nur 65 % der
Familienunternehmen den Übergang in die zweite, 32 % in die 3.
und lediglich 16 % in die 4. Generation schaffen. Weitsichtige Unternehmer formulieren deshalb frühzeitig eine Eignerstrategie. Diese
ist wesentlich umfassender als die
Unternehmensstrategie, weil sie
die längerfristige Entwicklung des
Familienvermögens unter Berücksichtigung des Familienunternehmens festlegt. Dazu gehören ein
Familien-Leitbild, finanzielle Zielsetzungen, eine Risikopolitik sowie
eine wirkungsvolle Informationspolitik gegenüber allen Betroffenen, damit Unsicherheiten abgebaut und Unklarheiten ausgeräumt
werden. Die Praxis zeigt, dass Firmen mit einer gezielten (Eigner-)
Strategie erfolgreicher sind.
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Bildung
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