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Es ist, was es ist, sagt die Liebe - und Lesegesellschaft im Toggenburg

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Lichtensteig
«Alttoggenburger» – Dienstag, 25. September 2012
13
Klarer Wahlerfolg für Mathias Müller
Nach einem harten Wahlkampf
unterliegt Stefan Rosenblum
(CVP) im Rennen um das Lichtensteiger Stadtpräsidium deutlich. Keine Überraschungen gab
es hingegen in den Räten.
Marco Dal Molin
Lichtensteig – Gross war der Jubel,
als der frisch gewählte Mathias Müller
am Abend nach der Wahl die Tore der
Kalberhalle durchschritt. Mit 517 gegen 292 Stimmen votierten die Lichtensteiger Stimmberechtigten an diesem
Wahlsonntag klar für den langjährigen
Gemeindeschreiber. Dass das Ergebnis
derart klar ausfällt, hätte im Vorfeld der
Wahlen wohl niemand gedacht – der
Wahlkampf schien über weite Strecken
ausgeglichen.
Überraschend klares Ergebnis
Mathias Müller zeigte sich an der
offiziellen Wahlfeier sodann um so erstaunter über die Deutlichkeit seiner
Wahl: «Mit so einem Resultat hätte ich
nie gerechnet.» Das Glanzresultat – wie
er es selbst nennt – sei für ihn im ersten Moment geradezu «erschlagend»
gewesen. Am Ende hätten wohl die
Erfahrenheit in der Verwaltung, in der
er seit acht Jahren arbeitet, und seine
Projektkenntnisse zum Erfolg geführt.
Auch deshalb will der 30-Jährige künftig nebst seinem 40 Prozent-Pensum
als Gemeindepräsident, einer weiteren
Tätigkeit in der Verwaltung nachgehen,
etwa im Bau- und Planungsbereich.
Auch sichtlich überrascht, aber gefasst
zeigte sich Stefan Rosenblum über die
Deutlichkeit seiner Niederlage: «Woran
es am Ende ganz genau gelegen hat, ist
Am Ende strahlten beide. Stefan Rosenblum (CVP) und der neu gewählte Stadtpräsident
Mathias Müller (parteilos), von links.
schwierig zu sagen.» Er sei Demokrat
genug, um das Ergebnis zu respektieren. Der Wahlkampf war für beide hart,
und Müller habe das irgendwie besser
nutzen können, erklärte Rosenblum.
Hart umkämpft
Auch der heftig geführte Wahlkampf
dürfte seinen Teil zum Endergebnis
beigetragen haben – oder zumindest
zur Diskussion im Städtli. Monatelang
wurde im Umfeld der Kandidaten mit
harten Bandagen gekämpft. Der abtretende Stadtpräsident Roger Hochreutener sprach bei seiner Ansprache gar von
einem «Verlust der politischen Kultur»,
was einer Demokratie unwürdig sei.
Die Kandidaten zeigten sich indessen versöhnlich. Überhaupt sei das
Klima zwischen den Kandidaten selbst
gar nie so frostig gewesen, betonten
beide. Stefan Rosenblum meinte weiter, dass es nun wichtig sei, einen guten
und versöhnlichen Abschluss zu finden
und nicht noch mehr «Öl ins Feuer»
zu giessen, aller Geschehnisse der Vergangenheit zum Trotz. Ähnlich tönte
es von Seiten Mathias Müllers. «Es ist
nun wichtig, diese Grabenkämpfe zu
beenden, auch um Lichtensteig weiterzubringen», so der gebürtige Mosnanger. Dies sei wichtig, um für laufende
Projekte und Herausforderungen, welche beispielsweise im Zuge der kantonalen Sparmassnahmen auf Lichtensteig warten, gewappnet zu sein. Ob es
ihm gelingt, die vom Wahlkampf stark
verhärteten Fronten in den Parteien
zu lösen und wieder zu konstruktiver
Zusammenarbeit zu führen, wird sich
zeigen. Dass er Teil der Diskussion war,
macht dies nicht einfacher.
Der neue Stadtpräsident zeigt sich
selbstbewusst. Lichtensteig hat, nebst
der finanziellen Situation, noch andere
Herausforderungen zu meistern, bei-
«Dieser Schlüssel ist kompliziert, genau wie das Amt» – Stadtpräsident Roger Hochreutener (rechts) übergibt seinem Nachfolger Mathias Müller (links) einen symbolischen Stadtschlüssel.
spielsweise verschiedene Infrastrukturprojekte. Als Beispiel nannte Müller etwa die Sanierung der Primarschule. Er
sei aber zuversichtlich, für seine Arbeit
breite Unterstützung zu finden. Über
500 Stimmen seien da schon eine gute
Basis.
hielt mit dem parteilosen Armin Brülisauer ein neuer Name Einsitz im Gremium. Daneben wurden alle Bisherigen,
Rolf Rechenberger (parteilos), Peter
Baumgartner (parteilos), Josef Bernet
(CVP) und Martin Kaltenrieder (FDP),
wiedergewählt.
Offene Mandate im Schulrat
Im Zuge der medial weitgehend
dominierenden Stadtpräsidentenwahl
sind die Erneuerungswahlen in den
verschiedenen anderen Gremien von
Gemeinde und Schule beinahe untergegangen. Im Gemeinderat wurde
ein vakanter Sitz mit dem parteilosen
Martin Fricker neu besetzt. Die bisherigen Gemeinderäte, Guido Ludescher
(parteilos), Susanne Weber-Gygax
(SP), Eugen Scherrer (parteilos) und
Andreas Nef (SVP) konnten sich erwartungsgemäss halten. Auch in der
Geschäftsprüfungskommission (GPK)
Für die bisherige Schulratspräsidentin Gertrud Meier (SP) dürfte die Herausforderung in der näheren Zukunft
wohl darin bestehen, Kandidaten für
die zwei immer noch offenen Sitze im
Schulrat auszumachen. Bis zum Ende
der Frist wurden neben René Kuster
(parteilos) und dem neu gewählten Michael Bösch (parteilos) keine weiteren
Kandidaten für die Ämter gefunden.
Bis bei einem weiteren Wahlgang neue
Kandidaten gefunden werden, muss
sich der Schulrat also vorläufig mit
noch halber Stärke begnügen.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe
In Kürze
Polizeieinsatz wegen
Nachtessen
«Du liebe Zeit», eine Lesung von
Jörg Meier mit Texten von Erich
Fried und musikalisch umrahmt
von Meinrad Rieser und Urs Krienbühl vom Freitag im «Chössi»Theater.
Martina Signer
Lichtensteig – «Da habe ich einen gehört wie er seufzte: Du liebe Zeit! Was
heisst da du liebe Zeit? Du unliebsame
Zeit muss es heissen. Du ungeliebte
Zeit! Von dieser Unzeit, in der wir leben müssen. Und doch, sie ist unsere
einzige Zeit. Unsere Lebenszeit. Und
wenn wir das Leben lieben, können wir
nicht ganz lieblos gegen diese unsere
Zeit sein. Wir müssen sie ja nicht genau
so lassen, wie sie uns traf.» Mit diesem
Gedicht von Erich Fried eröffnete Jörg
Meier seine Lesung und schon in den
ersten Zeilen war seine Hingabe zu den
Texten dieses Schriftstellers zu spüren.
Nach dem Einspiel des Saxophonisten
Urs Krienbühl am Piano und Meinrad Rieser am Saxophon unterstreichen das Gesagte mit perfekt abgestimmten Klängen.
Meinrad Rieser und des Pianisten Urs
Krienbühl war es ruhig geworden im
«Chössi» und die Stimme von Jörg Meier, die er genau im richtigen Moment
anschwellen, fragen, ruhiger werden,
vermuten liess, schlug die Zuhörer in
seinen Bann. Eine Produktion der Vortrags- und Lesegesellschaft Toggen-
Jörg Meier haucht den Worten von Erich Fried Leben ein. Seine Begeisterung für dessen
Texte ist ihm während der ganzen Lesung anzumerken.
burg, die die Leute am regnerischen
Freitagabend die Welt rings umher für
kurze Zeit vergessen liess.
Geschichte voller Zweifel
Jörg Meier las aber nicht nur Gedichte, welche die beiden Musiker perfekt
mit ihren Stücken unterstrichen, sondern ging auch auf die Geschichte des
jungen Erich Fried ein, welcher im Alter
von 17 Jahren von Wien ins Londoner
Exil flüchtete. Sein Vater war zu diesem
Zeitpunkt bereits Tod, den Foltern der
Nazis erlegen, und seine Mutter eingesperrt in einem Nazi-Gefängnis. Die
Zuhörer erfuhren, wie es dem jungen
Fried in London ergangen war, wie ihm
der Deutsche Herr Berg seinen ersten
literarischen Auftrag gegeben hatte.
Für 50 Pfund. «Ich wurde rot. Von 50
Pfund konnte ich damals ein halbes Jahr
überleben», liest Jörg Meier. Das einzige, was Fried dafür tun musste, war, die
Geschichte über seine Familie niederzuschreiben. Doch je mehr der junge
Schriftsteller schrieb, desto schneller
holte ihn das Geschehene ein. Er war
Q
sich plötzlich nicht mehr sicher, ob
der Untergang seiner Familie wirklich
an den «zerstörerischen, mordenden»
Nazis gelegen hat, oder ob seine Eltern
sich die Misere selbst zuzuschreiben
hatten in ihrem Bestreben, Geld ins
Ausland zu bringen. Eine tiefgründige
Geschichte voller Zweifel, welche Erich
Fried schliesslich dazu zwang, den Auftrag abzubrechen.
Musik und Liebesgedicht
Drei Gedichte zum Thema «Gedichte schreiben» später, las Jörg Meier
einige Texte zur Liebe, welche durch
die traurigen, perfekt gewählten Klänge des Saxophons und des Pianos noch
tiefer ins Herz trafen. «Was es ist: Es ist
Unsinn, sagt die Vernunft. Es ist, was es
ist, sagt die Liebe. Es ist Unglück, sagt die
Berechnung. Es ist nichts als Schmerz,
sagt die Angst. Es ist aussichtslos, sagt
die Einsicht. Es ist, was es ist, sagt die
Liebe. Es ist lächerlich, sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht. Es
ist unmöglich, sagt die Erfahrung. Es ist,
was es ist, sagt die Liebe.»
Q
Ennetbühl – Am Samstagabend ist
die Polizei in die Gruppenunterkunft
für Asylbewerber in Seeben aufgeboten worden, nachdem eine 18-jährige
Bewohnerin einen Hysterieanfall erlitten hatte.
Die junge Frau war offenbar mit
dem Nachtessen nicht einverstanden
und geriet in der Folge in Hysterie.
Als die ausgerückte Polizei mit der
18-Jährigen zum Arzt fahren wollte,
begann eine weitere Frau zu schreien
und liess sich nicht beruhigen. Aufgrund der Schwangerschaft dieser
zweiten Frau wurde sofort ein Rettungswagen beigezogen. In der Zwischenzeit behändigte der 33-jährige
Ehemann der Schwangeren einen
metallenen Gegenstand und begann,
im Parterre der Unterkunft verschiedene Fensterscheiben einzuschlagen.
Der Mann musste in der Folge in
Gewahrsam genommen werden. Die
schwangere Frau wurde in Spitalpflege gebracht. Der angerichtete Sachschaden beläuft sich auf mehrere
Hundert Franken.
(kp)
Marktbericht
Montag, 24. September
Auffuhr: 38 Tränker, 99 Bankkälber,
14 Kühe, 1 Rind, 1 Stier – total Auffuhr:
153 Stück.
Preise: Bankkälber: H Fr. 15.30,
T Fr. 14.30, A Fr. 12.80.
Preise Tränkkälber: Stiere: AA
Mastkreuzungen Fr. 10.–, A Stierkälber
Fr. 5.–, Kuhkälber: AA Mastkreuzungen
Fr. 7.50, B Kuhkälber Fr. 4.50.
Handel: Bankkälber lebhaft, Tränkkälber flüssig.
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Seele and Geist
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