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Ferkel und Sauen bei der Geburt unterstützen, was - ProteinMarkt

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Ferkel und Sauen bei der Geburt unterstützen,
was hilft?
Dr. Eckhard Meyer, LFULG, Lehr und Versuchsgut Köllitsch
Noch immer zu niedrige Ferkelpreise und teures Futter machen
betreuen, so dass man nach praktischer Erfahrung eine norma­
eine wirtschaftliche Ferkelerzeugung noch schwieriger als die
le Abferklung (eingeleitete + spontane Geburten) so organisie­
Schweinemast. Deshalb gilt es, die Kosten weiter zu senken
ren kann, dass nur 20 % der Sauen zwischen 22:00 und 6:00
und auch den Einsatz von Standardverfahren oder Produkten
Uhr und etwa 50 % zwischen 14:00 und 22:00 Uhr abferkeln.
auf den Prüfstand zu stellen. Gleichzeitig geht kein Weg an
So kann mit einer Spätschicht neben der Tagbetreuung schon
einer maximalen Anzahl aufgezogener Ferkel vorbei. Untersu­
viel erreicht werden. Überschreitet die Zeitdauer zwischen den
chungen aus Thüringen zeigen, dass viele Betriebe ab einer
geborenen Ferkeln mehr als das doppelte spontaner Geburten
­Anzahl von mehr als 28 aufgezogenen Ferkeln je Sau und Jahr
(2*16 Minuten), sollte mit Eingriffen nicht gezögert werden.
den damit verbundenen Aufwand übertreiben. Für viele Betrie­
Aktuelle Auswertungen aus Köllitsch bestätigen die Erfahrun­
be ist es sinnvoller, nicht alles auf die Karte ‚lebend geborene
gen von Betrieben, die alles auf die Karte zügige Geburten (im
Ferkel‘ zu setzen. Eine Senkung der Ferkelverluste kann nach­
Mittel < 3h) setzen. Um Verlustraten unter 10% zu erreichen, ist
haltiger sein.
die Geburtsgeschwindigkeit ein wesentlicher Faktor. Das Risiko
von Gebärmutterinfektionen ist bei sachgemäß durchgeführ­
Die Geburt ist das Fundament
und der Schüssel zugleich
ten Eingriffen zu vertreten. Sie helfen Ferkel zu retten und die
Geburten für die Sauen zu verkürzen.
In der Praxis steigt mit der Anzahl der lebend geborenen Ferkel
vor allem die Rate der tot geborenen Ferkel. Während früher 0,5
Power Pasten für die Ferkel?
bis 0,7 tot geborene Ferkel je Wurf normal waren werden heute
Die von den Sauen gebildete Kolostralmilchmenge schwankt
bei mittlerem Fruchtbarkeitsniveau deutlich mehr als 1,0 Fer­
zwischen 1,9 kg und 5,3 kg. Zwanzig Prozent der Sauen pro­
kel, bei hochfruchtbaren Herkünften auch mehr als zwei Ferkel
duzieren zu wenig Kolostralmilch zumal die einzelnen Zitzen­
je Wurf dokumentiert. Diese Entwicklung zeigt zunächst nur,
plätze unterschiedlich ergiebig sind (SCHULZE und WESTERRATH
dass größere Würfe länger brauchen um geboren zu werden.
2009). Um optimal immunisiert zu werden, sind aber etwa
Dazu fehlt vor allem den älteren Sauen zum Ende der Geburt
300 g Kolostralmilch je Ferkel erforderlich. So kann die fortlau­
oft die Kraft, die Früchte zügig auszutreiben. Wird geeignete
fende Steigerung der Wurfgrößen zu einem Defizit führen und
Biotechnik fachgerecht eingesetzt, dann dient das nicht nur der
die Qualität der Ferkel in Ferkelaufzucht und Schweinemast
Arbeitswirtschaft, sondern hilft die Geburten besser betreuen
zu können und zu verkürzen. Der zügige Ablauf der Geburten
wird auch zunehmend wichtig, weil er bei kurzen Säugezei­
ten allen Ferkeln eine ausreichende Säugezeit sichert. Aber
hier sind dringend die doch mittlerweile unterschiedlichen
Tragezeiten der Herkünfte (115 bis 118 Tage) zu beachten und
unter Berücksichtigung der Besamungszeitpunkte richtig zu be­
rechnen. Viele vorliegende Versuche zeigen, dass die Geburts­
gewichte der Ferkel der wichtigste Vitalitätsfaktor sind und zu
früh eingeleitete Geburten (vor dem 114. bzw. vor dem 115.
Trächtigkeitstag) verringern die Gewichte der ohnehin zu leich­
ten Ferkel. Eingeleitete Geburten lassen sich jedoch viel besser
1/4
Gut ernährte Ferkel wagen auch einmal einen Blick über den Zaun
nach unseren Erfahrungen nachweislich etwas verschlechtern.
Eine optimale und frühzeitige Immunisierung ist wichtig, weil
der Magen-Darm-Trakt der Ferkel beginnend im Geburtskanal
(KRÜGER 2006) und später auch mit Fäkalkeimen der Abferkel­
bucht ‚quasi geflutet’ wird. Um hier gegen zu halten, werden
industriell hergestellte Ergänzungsfuttermittel angeboten, die
mithilfe unterschiedlicher Komponenten (Vitamine, Pro- und
Präbiotika usw.) den Ferkeln oral appliziert werden und damit
den zunehmend schwierigen Start der Saugferkel unterstützen
sollen. Die möglichen Effekte von 5 handelsüblichen Produk­
ten unterschiedlicher Hersteller, die mit Präbiotika, Vitaminen,
Probiotika angereichert waren, wurden in Köllitsch anhand von
6 Versuchsdurchgängen mit 855 neugeborenen Saugferkeln in­
tensiv (d.h. alle Produkte in jedem Wurf) geprüft. Dazu wurden
die vom Hersteller vorgesehenen in der Regel 2 ml oral in Form
Frühe Kollostrumaufnahme sichert große und ausgeglichene Würfe
von Pasten oder Flüssigkeiten eingegeben und bei einer Hälfte
der Probanden mit einer 2 ml intramuskulären Terramycingabe
ergänzen, Verdauungsvorgänge wieder in Gang bringen und
kombiniert.
mikrobiologische Entgleisungen verhindern. In einer Untersu­
chung sollte der Effekt des Einsatzes eines solchen Spezialfut­
Ergebnis: Weder die Antibiotikagabe noch die eingesetzten
termittels im Hinblick auf die Geburt, die Säugeleistung sowie
Produkte waren von Vorteil für die Ferkel, was nahe legt, dass
die Überlebensrate der Ferkel geprüft werden. Dazu wurden 60
nicht nur Spezial- sondern auch Standardmaßnahmen einzel­
Würfe in vier aufeinander folgenden Abferkeldurchgängen von
betrieblich überprüft werden sollten. Antibiotikagaben, die
Kreuzungssauen der Rassen Large White (LW) und Deutscher
nicht notwendig sind, stellen eine mögliche Belastung über
Landrasse (DL) untersucht. Mit der Umstallung in den Abfer­
eine zusätzliche Einstichstelle am Tier dar. Die anschließende
kelbereich wurden die Sauen von Trage- auf Laktationsfutter
Überprüfung des von den Herstellern vorgesehenen Einga­
umgestellt. Am 114. Trächtigkeitstag (mittwochs) wurden die
bezeitpunktes für die Pasten ergab, dass vermutlich die sehr
Geburten mit 0,5 ml PGF (Veyx forte, Injektion in die Scham)
frühe Eingabe dieser im Wirkstoffgehalt hoch konzentrierten
eingeleitet. Die Geburten stellen sich dann erfahrungsgemäß
Produkte zu einer Störung der Kolostralmilchaufnahme führt.
schwerpunktmäßig am folgenden Tag (Donnerstag) nachmit­
2-4 ml sind für neugeborene Ferkel eine große Menge, die es zu
tags ein. Ab dem 7. Tag vor dem errechneten Abferkeltermin bis
verstoffwechseln gilt und die ‚Platz’ im Magen für die Kolost­
3 Tage nach dem Abferkeln bekamen die Sauen der Versuchs­
ralmilch verdrängen. Bei einem kleinen Teil der Würfe wurden
gruppe auf das Standardlaktationsfutter ‚on top’ täglich 150
eine Eingabe der Produkte später als 12 h p.p. dokumentiert.
g eines Spezialergänzungsfuttermittels (Schauma Omni S)
In diesen Würfen wurden tendenziell bessere Säugezunahmen
zugelegt. Die Kontrollgruppe bekam keine Zulage. Nach Firmen­
(236 vs. 225 g/T/T) gegenüber den Zeitgefährten erreicht, die
angaben enthält das eingesetzte Produkt aufgeschlossenen
die Produkte innerhalb der ersten 12 Lebensstunden bekamen.
Weizen, Lachsöl, ‚funktionelle Lignocellulose’ sowie organische
Der im Versuch betriebene Aufwand konnte trotzdem nicht
Säuren und Antioxidantien zur Stabilisierung des Produktes.
gerechtfertigt werden.
Als Inhaltstoffe werden folgende Werte deklariert.
Ergänzung für die Sauen?
Tab. 1: Inhaltsstoffe des eingesetzten Ergänzungsfuttermittels
Ein weiterer Ansatz die Geburt zu unterstützen stellt der Ein­
Rohprotein %
5,5
satz von Spezialfuttermitteln für die Sauen dar. Diese sollen
Rohfaser %
12,5
bei der um die Zeit der Geburt herum zum Erliegen kommen­
Rohfett %
30,0
den Verdauung physiologische Defizite vor allem energetisch
Energie MJ ME
17,0
2/4
Das Ergänzungsfuttermittel ist also fett- sowie energiereich und
Der Einsatz des Ergänzungsfuttermittels führt also dazu, dass
enthält gleichzeitig relativ viel Rohfaser. Die Omega-3-Fettsäuren
die Geburten auf den Tag bezogen eher begannen. Auch
aus dem Lachsöl sollen die Bildung von Gewebshormonen und
der Geburtsverlauf vor allem die Zeitdauer und der zeitliche
Nervenzellen unterstützen, entzündungshemmend wirken und
Abstand zwischen den einzelnen Ferkeln waren günstiger.
die Vitalität der Ferkel erhöhen. Fraglich bleibt, ob die sogenann­
Während die Kontrollsauen ohne Futtermittelergänzung durch­
te funktionelle Lignocellulose in den relativ geringen Einsatzmen­
schnittlich 17 Minuten für jedes geborene Ferkel brauchten,
gen wirksam werden kann, um z.B. die Dickdarmpassage des
waren es in der Versuchsgruppe statistisch gesichert nur 12 Mi­
Futters zu erhöhen oder pathogene Keime zu binden.
nuten. Das wirkte sich auf die Dauer der gesamten Geburt aus.
Die Ferkel der Versuchsgruppen waren durchschnittlich nach
Kein Einfluss auf die Leistung, aber auf die Geburt
2:48 h auf der Welt, die Geburten der Kontrollgruppen dauerten
durchschnittlich 3:33 h.
Mögliche positive Effekte auf die Leistung von Ferkeln und Sau­
en waren statistisch nicht nachweisbar. Die Anzahl (+0,7) abge­
setzter Ferkel sowie die Verlustrate (-1%) war tendenziell etwas
günstiger. Die Gesamtverlustrate der Ferkel der Versuchsgruppe
mit 16% kam durch eine deutlich geringere Rate an erdrückten
Ferkeln (5,6% vs. 9,6%) und eine nicht ganz umgekehrt gerich­
tete Rate an gemerzten Ferkeln zustande. An dieser Stelle kann
evtl. eine etwas bessere Vitalität der Ferkel, die beim Flüchten
unter der Sau zum Tragen kommt, vermutet werden. Erdrückt
werden häufig weniger vitale Ferkel, die sonst gemerzt werden
Ermelken von Kollostralmilch für lebensschwache Ferkel
müssen.
Die Auswertung der Geburtsprotokolle führt aber zu einem
deutlich positiveren Bild. Beurteilt werden können allerdings
Tab. 2: Zeitlicher Abstand zwischen der Geburt einzelner Ferkel
Wurfnummer
nur die Geburten, die von morgens um 6 Uhr bis abends um
22:00 Uhr betreut wurden. Das waren mehr als 85% aller Ge­
burten. Eine Nachtwache wurde nicht eingesetzt. Die Geburten
Mittelwert
Standardfehler
Sauen
<5
Sauen
>=5
dauerten durchschnittlich 3h und 6 Minuten. 77% der betreu­
Versuch
12
1,5
10
11
ten Geburten fanden in der Versuchsgruppe von morgens um
Kontrolle
17
2,0
12
21
6 Uhr bis nachmittags um 15 Uhr statt, in der Kontrollgruppe
waren es nur 46%.
Abb.1: Verteilung der Geburten von 6 bis 21 Uhr
Eine Aufteilung der vorliegenden Daten nach dem Alter der Sau­
en zeigt erwartungsgemäß den deutlichsten Effekt bei den älte­
ren Sauen mit mindesten 4 vorangegangenen Würfen. Je nach
Alter der Sauenherde würde es also reichen, nur den älteren
Sauen das diskutierte Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung
der Geburt anzubieten. Die durchschnittliche Gesamtdauer der
Geburt wird vor allem durch den Anteil sehr zügiger Geburten
unter 2 Stunden Dauer erhöht. Die Verteilung der Geburten auf
die einzelnen Zeitklassen war statistisch gesichert (Chi-Quad­
rat-Test) voneinander verschieden.
Die schneller ablaufenden Geburten wirkten sich auch auf die
Notwendigkeit von Eingriffen während der Geburt aus, in den
Versuchsgruppen mussten 5% der Ferkel geholt werden in der
3/4
Kontrollgruppe waren es 10’%. Der Unterschied ist allerdings
zu kombinieren sind, muss immer genau und einzelbetrieblich
nicht oder nur schwach signifikant (p= 0,079).
festgestellt werden. Auch der mögliche Effekt von trocknenden
Tab. 3: Verteilung der Geburtsdauer in zeitliche Klassen
und/oder desinfizierenden Pudern für Ferkel und Ferkelnester
wird zurzeit noch geprüft, er hat vermutlich vor allem mit der
Versuch
Kontrolle
Stall-(Fußbodentemperatur) zu tun. Die Versuche mit den so
1-2 h
35
13
genannten ‚Energiepasten’ (Energie+ Probiotika und Vitami­
2-4 h
41
66
ne) haben gezeigt, dass Ferkel vor allem auf die Kolostralmilch
4-6 h
24
10
6-8 h
0
11
eingestellt sind und sonst nichts. Spitzenbetriebe setzen ganz
auf die Wirkung der Biestmilch und melken diese ab. Ein Spritzer
Kolostralmilch untergewichtigen Ferkeln eingegeben hilft deren
Leben zu retten oder auch nur die Vitalität zu verbessern. Dieser
Effekt ist so offensichtlich, dass auch das Ziel aller Maßnahmen
sein sollte, die Kolostralmilchaufnahme zu unterstützen. Die ein­
fachste Maßnahme mit diesem Zeil kann es auch sein, die Ferkel
am ersten Lebenstag möglichst in Ruhe zu lassen.
Dagegen zeigen Versuche, dass es sinnvoll sein, kann die Sauen
zu unterstützen. Wie belastet der Stoffwechsel der Tiere rund um
die Geburt ist zeigt die Tatsache, dass Sauenverluste überwie­
Wärmelampen und Geburtsmatten hinter der Sau verhindern die
Abkühlung der Neugeborenen.
gend kurz vor oder nach der Geburt zu beklagen sind. Produkte,
die den Stoffwechsel insbesondere von älteren Sauen unterstüt­
zen, können eher empfohlen werden als solche Produkte für die
Ausblick
Ferkel. Eine sachgerechte Geburtsbetreuung kann jedoch kein
Gerade die in der Schweinehaltung mit großer Routine durchge­
Produkt der Welt ersetzen. Die Geburt bildet das Fundament für
führten Maßnahmen sollten immer wieder überdacht und auf
die Gesundheit von Sauen und Ferkeln, danach muss vor allem
den Prüfstand gestellt werden. Wichtig ist deshalb zunächst die
die Futteraufnahme der Sauen entwickelt werden. Nur so wird
Absicherung einer ausreichend langen Trage- und Säugezeit für
die ‚Lebensversicherung‘ der Saugferkel in ausreichender Menge
Sau und Ferkel. Der Schlüssel für eine ausreichende Überlebens­
und Qualität gebildet. Sauenfutter müssen nicht kompliziert auf­
fähigkeit der Ferkel liegt vor allem bei optimal vorbereiteten und
gebaut sein, um in hohen Mengen aufgenommen zu werden. Die
betreuten Geburten sowie der Milchbildung der Sauen. Das Ziel
Futteraufnahmemenge ist entscheidend für die Leistungen von
aller Managementmaßnahmen sollte zunächst sein, möglichst
Sauen Ferkeln und Mastschweinen.
allen und besonders den leichteren Ferkeln die Aufnahme von
Kolostrum in hoher Qualität zu sichern. Auf der anderen Seite
zeigen exakte Versuche, dass auch Antibiosen, die zum Standard
DER DIREKTE DRAHT
gehören, manchmal nur Kosten verursachen und sogar negativ
Dr. Eckhard Meyer, LfULG Köllitsch
sein können, weil sie möglicherweise nur Stress und eine zusätz­
Tel: 034222/462208
liche Einstichstelle am Tier bedeuten. Welche Maßnahmen ins­
E-Mail: Eckhard.Meyer@smul.sachsen.de
besondere in Kombination mit Impfmaßnahmen wirklich sinnvoll
Stand: Oktober 2012
Redaktion Proteinmarkt
c/o AGRO-KONTAKT
Hermannshof, 52388 Nörvenich
Tel.: (0 24 26) 90 36 14
Fax: (0 24 26) 90 36 29
eMail: info@proteinmarkt.de
4/4
proteinmarkt.de ist ein Infoangebot vom Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie
in Deutschland e. V. (OVID) in Zusammenarbeit mit der Union zur Förderung von Oelund Proteinpflanzen e. V. (UFOP).
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