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Eine Runde Feedback, bitte! - Der Deutsche Knigge-Rat

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Tipps & Trends
DARUM GEHT ES: Wie oft erleben Sie, dass Menschen zuerst Süßholz raspeln und
erst hinter Ihrem Rücken offenbaren, was sie wirklich über Sie
denken? Die ehrliche Meinung anderer ist offenbar schwer zu bekommen, sie ist
allerdings wichtig, um die Qualität unserer Beziehungen zu verbessern. Doch wie
erfahren Sie das, was Ihre Mitmenschen über Sie denken, aber nicht sagen? Wie
bekommen Sie die ehrliche Meinung anderer über Sie zu hören, und zwar so, dass
Sie damit etwas anfangen können? Wie das gehen kann, lesen Sie in diesem Beitrag.
Suchwortverzeichnis
Eine Runde Feedback, bitte!
So finden Sie heutzutage heraus,
was andere wirklich über Sie denken
A
B
C
D
E
F
Die Themen:
Klares Feedback – ein seltenes Vergnügen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Welchen Nutzen Feedback für Sie hat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Schauen Sie durch das Johari-Fenster in Ihr Selbst . . . . . . . . . . . 6
Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Bitten Sie aktiv um Rückmeldungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Nehmen Sie Feedback als wichtige Information an . . . . . . . . . 19
Ziehen Sie Konsequenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
Ihr Experten-Team:
Agnes Anna Jarosch und Markus Junger
Agnes Anna Jarosch ist Chefredakteurin von „Der
große Knigge“, Leiterin des „Deutschen KniggeRats“ und zertifizierter Coach. Im Experteninterview
(Seite F16/11): Markus Junger, Leiter des Instituts
für professionelle Gesprächsführung in Tübingen.
(www.professionelle-gespraechsfuehrung.com)
S
T
U
V
W
X
Y
www.stil.de
Z
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Feedback einfordern
Klares Feedback – ein seltenes
Vergnügen
… das erlebe ich immer wieder, sogar bei anscheinend
ganz einfachen Themen: Vergangene Woche war ich beispielsweise in einem asiatischen Restaurant essen. Während ich noch auf meine Vorspeise wartete, kam nebenan
der Kellner bereits zum Abräumen und fragte höflich:
„Hat es Ihnen geschmeckt?“ Das Paar am Nebentisch sah
sich an, dann antwortete der Mann: „Also, wenn ich ehrlich bin, war es diesmal nicht so gut wie sonst.“ Der Kellner wirkte überrascht. „Warum denn nicht?“ – „Ich weiß
nicht, aber es war irgendwie nicht so gut.“ Der Kellner
insistierte: „Wissen Sie, wir haben einen neuen Koch, da
wäre es schon wichtig, zu wissen, was genau Ihnen nicht
gefallen hat.“ – „Ja, ich kann das jetzt nicht so genau sagen, aber es war eben nicht so gut …“
Am Ende gingen beide Seiten sichtlich frustriert ihrer Wege. Das Paar sah sich außerstande, seine Kritik zu konkretisieren, und fühlte sich von den Nachfragen des Kellners
bedrängt. Dieser wollte der Kritik auf den Grund gehen,
konnte es aber nicht, weil sie so vage war. Ich habe dann
übrigens trotzdem dort gegessen. Die Ente war kross, das
Gemüse knackig und die Würzmischung delikat. Mich
fragte der Kellner aber nicht mehr danach, wie es mir geschmeckt hätte …
Feedback einzuholen kann riskant sein –
welches zu geben aber auch
Ja, es ist nicht ohne Risiko, jemanden nach seiner Meinung zu fragen, denn die Antworten könnten äußerst unbefriedigend ausfallen. Umgekehrt ist es auch nicht einfach, jemandem ehrlich die eigene Meinung zu sagen. Der
andere könnte verärgert, verletzt oder beleidigt reagieren.
Bevor man so eine negative Reaktion einholt, sagt man
lieber nichts oder gibt eine unverbindliche und deswegen
wenig ehrliche Antwort. Wenn das schon bei so harmlowww.stil.de
Feedback einfordern
sen Themen wie dem Geschmack des Essens geschieht,
dann noch viel mehr bei wirklich heiklen Themen – beispielsweise, wenn es um das eigene Aussehen, die Wirkung auf andere, die Qualität der eigenen Arbeit oder
Kommunikation geht.
Was der Kellner zu hören erwartete und sicher auch hören
wollte, war ein Lob: „Danke, das Essen hat prima geschmeckt.“ Die Beurteilung „nicht so gut wie sonst“ kam
für ihn unerwartet und rief einen gewissen inneren Widerstand hervor. Damit ist der Mann kein Einzelfall.
Lob und Anerkennung – positives Feedback – hören wir
schließlich alle gern und bekommen nie genug davon.
Kritische Rückmeldungen dagegen empfinden wir als unerfreulich, selbst wenn wir ihren Nutzen durchaus anerkennen. Wer ehrlich ist, wird zugeben, dass er nicht gern
kritisiert wird. Die negativen Gefühle, die mit Kritik verbunden sind, übertragen sich oft auf die Person, die sie
vordergründig auslöst, eben auf den Kritiker.
Das kennen Sie sicher aus Ihrer eigenen Erfahrung: Sie
geben in bester Absicht eine Rückmeldung, bekommen
aber eine negative Reaktion, weil der andere
sich verletzt fühlt,
Sie als wenig wohlwollend, vielleicht sogar als Angreifer erlebt oder
Ihnen schlicht unterstellt, Sie seien neidisch oder besonders krittelig.
Und, Hand aufs Herz: Manchmal haben Sie auf Kritik
durch andere, selbst durch Menschen, die Ihnen ganz bestimmt wohlwollend gegenüberstehen, schon genauso reagiert.
Warum Feedback trotzdem wichtig ist
Wenn Feedback so heikel ist, warum wollen und sollten
Sie dann eigentlich welches bekommen? Ganz einfach:
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Heikle Themen
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Feedback einfordern
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Weil Sie sonst nicht erfahren werden, was andere von Ihnen halten. Und das ist keineswegs gleichgültig für Sie.
Im Eingangsbeispiel ist es wichtig, weil ein Restaurant,
in dem es den Kunden nicht schmeckt, nicht lange existieren kann.
Im Falle Ihrer Arbeit ist es wichtig, weil die Meinung, die
Ihr Chef von Ihnen hat, über Ihr berufliches Fortkommen
und die Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes (mit-)entscheidet.
Weil das, was die Kollegen über Sie denken, mit darüber
bestimmt, wie sie mit Ihnen umgehen und wie sich als
Folge davon das Betriebsklima entwickelt.
Auch für Ihr Privatleben gilt: Ihre Beziehungen werden
umso besser und stabiler sein, je besser Sie einschätzen
können, wie Ihr Verhalten auf Ihre Familie und Ihre
Freunde wirkt und von diesen interpretiert wird.
Welchen Nutzen Feedback für Sie hat
Als „Selbstbild“ bezeichnet man in der Psychologie die
Vorstellung, die ein Mensch von sich selbst hat. Jeder
Mensch nimmt sich selbst wahr und hat ein Bild davon, wer
und wie er ist. Dieses Bild ist geprägt vom eigenen Selbstwertgefühl, von den persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, von den individuellen Begabungen und Talenten
und auch von dem, wie andere Menschen einem begegnen.
Selbstbild und
Wunschbild
Jeder Mensch hat neben seinem Selbstbild auch ein
Wunschbild von sich, also eine Vorstellung davon, wie er
gern wäre oder gern wahrgenommen würde. Dieses
Wunschbild dient der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit. Wo das Selbstbild sehr stark vom Wunschbild
abweicht, kann das für den Betreffenden sehr unangenehm sein.
Aber nicht nur Sie selbst machen sich eine Vorstellung davon, wer und wie Sie sind. Ihre Mitmenschen machen sich
ebenfalls ein Bild von Ihnen. Das ist das Fremdbild. Jeder
Mensch tut das durch seine persönliche „Brille“, aus seinem
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Feedback einfordern
individuellen Selbst und seinen Erfahrungen heraus, weswegen es nicht ein einziges, übereinstimmendes Fremdbild
von Ihnen gibt, sondern viele verschiedene.
Genau hier liegt der Sinn des Feedbacks: Es dient dazu,
das Bild, das andere sich von Ihnen machen, mit dem Bild
abzugleichen, das Sie selbst von sich haben. Wenn sich
zwischen diesen beiden Bildern Abweichungen ergeben –
und das ist unvermeidbar –, können Sie daraus etwas über
sich selbst lernen und es zur Weiterentwicklung Ihrer Persönlichkeit in die Richtung Ihres Wunschbildes nutzen.
Und nicht nur das: Sie lernen gleichzeitig etwas über die
jeweilige Person, die Ihnen Feedback gibt. Die Rückmeldung dazu, wie jemand anders Sie erlebt, sagt nämlich
über ihn, seine Wahrnehmung und Interpretation genauso
viel aus wie über Sie.
Feedback ist aber in vielerlei Hinsicht erhellend. Es kann,
beispielsweise im beruflichen Umfeld, gewissermaßen
überlebenswichtig werden, und zwar umso mehr, je mehr
Ihr Selbstbild vom Fremdbild – dem Bild, das andere von
Ihnen haben – abweicht.
beispiel 1: Selbstbild positiver als Fremdbild
Peter Wieberg ist Deutschlehrer. Er liebt sein Fachgebiet
und ist sicher, dass er seinen Schülern einen interessanten
und lehrreichen Unterricht bietet. Manchmal stören zwar
bestimmte Schüler den Unterricht, aber mit denen wird er
schon fertig. Umso erstaunter ist er, als er an einem Elternabend zu hören bekommt, die Kinder würden zu wenig lernen und sich außerdem darüber beschweren, dass
der Unterricht durch eine Gruppe von Schülern massiv
gestört würde. Er lasse sich von diesen Schülern alles gefallen und sei außerstande, Disziplin herzustellen.
beispiel 2: Selbstbild negativer als Fremdbild
Klara Weigel ist Mutter von drei Kindern und arbeitet in
Teilzeit als Buchhalterin. Sie fühlt sich oft sehr gestresst
und ist unzufrieden mit sich: „Ich müsste mehr Fach- t
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Viele Fremdbilder
Bilderabgleich
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literatur lesen und endlich eine Computerfortbildung machen, mein Haushalt ist ein einziges Chaos, ich unterstütze die Kinder nicht genug beim Lernen für die Schule, und
meine Gewichtsprobleme bekomme ich auch nicht in den
Griff.“ Als sie abends mit einer Bekannten im Fitnessstudio schwitzt, sagt diese zu ihr: „Also, ich bin total beeindruckt, wie du das alles machst! Einen anspruchsvollen
Job und einen Haushalt mit drei Kindern zu managen ist
ja kein Pappenstiel. Und trotzdem machst du noch Sport,
siehst immer gepflegt aus und hast meistens gute Laune.
Wie schaffst du das nur?“
Einer leidet
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Wer sich selbst deutlich positiver oder negativer einschätzt, als seine Mitmenschen es tun, befindet sich
schnell in einer problematischen Situation: Entweder andere leiden unter der verschobenen Wahrnehmung (beispiel 1) oder der Betroffene leidet selbst (beispiel 2).
Besser wäre es also, größere Übereinstimmung zwischen
Ihrem Selbstbild und den Fremdbildern, die andere sich
von Ihnen machen, zu erzielen. Denn dadurch erfahren
Sie mehr über sich selbst, können Ihr Verhalten steuern
und die Beziehungen zu anderen gezielt verbessern. Dadurch kommen Sie auch Ihrem Wunsch-Selbst wieder ein
Stück näher. Besonders hilfreich ist es, wenn Sie durch
Feedback Ihren „blinden Fleck“ erhellen bzw. verkleinern können.
Schauen Sie durch das Johari-Fenster
in Ihr Selbst
Das „Johari Fenster ist nach den Psychologen Joseph Luft
und Harry Ingham benannt und gibt Aufschluss über die
Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Autofahrer kennen den sogenannten toten Winkel: Trotz aller Spiegel können Sie nicht sehen, ob sich z. B. ein Radfahrer fast neben Ihnen befindet. In der Fahrschule lernen die
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Schüler daher, wie wichtig der Schulterblick ist. Den toten
Winkel gibt es aber nicht nur beim Autofahren. Auch in Bezug auf die eigene Persönlichkeit und das eigene Verhalten
gibt es vieles, das wir nicht sehen. In der Psychologie nennt
man das den „blinden Fleck“. In Ihrem blinden Fleck finden
sich Verhaltensweisen, die Ihnen selbst nicht bewusst sind,
die andere jedoch an Ihnen wahrnehmen.
Die US-Psychologen Joe Luft und Harry Ingham haben
zur Verdeutlichung dieser Vorstellung ein Modell entwickelt – das „Johari-Fenster“.
Das Johari-Fenster
bekannt
unbekannt
bekannt
A
öffentlicher
Bereich
C
blinder
Fleck
unbekannt
anderen …
mir selbst ...
B
privater
Bereich
D
unbekannter
Bereich
Das Fenster zum Selbst ist also in vier Teilfensterchen
(Quadranten) aufgeteilt:
Was die vier Quadrate bedeuten
A. Öffentlicher Bereich
Er umfasst Verhaltensweisen, persönliche Merkmale und
Fakten, die Ihnen und Ihren Mitmenschen bekannt sind,
beispielsweise:
Sie sind 1,70 Meter groß, haben kurze blonde Haare
und blaue Augen.
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A
C
B
D
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Sie haben die Angewohnheit, sich ans Kinn zu fassen,
wenn Sie nachdenken oder wenn Sie nervös sind.
Sie besitzen komödiantisches Talent und können mit Ihren Erzählungen auch in größeren Runden wahre Lachsalven auslösen.
All diese Verhaltensweisen sind für Sie selbst und für andere offen ersichtlich. Feedback ist in diesem Bereich also
weniger wegen der Wahrnehmung Ihnen bislang unbekannter Tatsachen für Sie interessant, sondern eher wegen
der Ihnen bislang vielleicht unbekannten Interpretation
dieser Fakten.
Ihr komödiantisches Talent wird von den einen vielleicht
als äußerst liebenswerte Fähigkeit empfunden, derentwegen man Sie gern einlädt. Andere interpretieren sie möglicherweise als Oberflächlichkeit oder Geltungsdrang. In so
einem Fall lernen Sie durch das Feedback vor allem etwas
über den Feedback-Geber und seine Sicht der Welt.
A
B
C
D
B. Privater Bereich
Dieser Bereich ist nur Ihnen selbst bekannt und bewusst,
anderen aber nicht. Er enthält Gefühle, Ideen und Verhaltensweisen, die Sie Ihren Mitmenschen aus diversen
Gründen nicht zeigen möchten. beispiele:
Manchmal könnten Sie Ihren Chef vor Zorn erwürgen,
trauen sich aber nicht, ihm laut zu widersprechen. Lieber machen Sie Yoga-Übungen um sich zu beruhigen.
Sie haben vor jeder Präsentation schreckliches Lampenfieber, möchten das aber nicht zeigen, um nicht unprofessionell zu wirken. Deshalb überspielen Sie Ihre
Nervosität durch betonte Lockerheit und Witzchen.
Sie halten sich für unattraktiv und glauben, dass Sie
beim anderen Geschlecht keine Chancen haben. Das
versuchen Sie zu verbergen, indem Sie häufig betonen,
wie sehr Sie Ihr Single-Dasein genießen.
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Feedback einfordern
Über Ihre Schwächen, Empfindlichkeiten und heimlichen
Träume wollen Sie keine Rückmeldung von anderen haben. Sie sollen geheim bleiben, um Sie nicht angreifbar zu
machen. Deswegen werden Sie dazu kein Feedback erbitten – und es als umso übler vermerken, wenn Sie ungebeten eines bekommen.
Andererseits könnte gerade hier ein Interpretations-Feedback hilfreich sein. Nehmen wir das Yoga-Beispiel. Vielleicht wünscht sich Ihr Chef ja schon lange, dass Sie endlich aktiv mit ihm diskutieren, und das, was Sie als
Provokation wahrnehmen, ist nur ein Versuch, Sie aus der
Reserve zu locken?
D. Unbekannter Bereich
A
C
B
D
C. Blinder Fleck
A
C
Der blinde Fleck ist der Part, der Ihnen selbst zwar nicht
bewusst ist, den andere aber sehr wohl an Ihnen wahrnehmen. Typische beispiele sind:
B
D
Manches an Ihrem Wesen ist sogar noch geheimer als der
private Bereich B: Manche Ihrer Handlungen, Einstellungen und Fähigkeiten sind nicht nur für andere unsichtbar,
sondern auch Ihnen selbst nicht bewusst. Das könnte beispielsweise sein:
ein bestimmter Gesichtsausdruck, wenn Sie allein sind,
Talente und Begabungen, die Sie bisher noch nie gebraucht haben und von denen Sie daher gar nichts wissen,
Ihnen nicht bewusste Ängste oder Vorlieben, die sich in
Ihrer frühen Kindheit eingeprägt haben.
Der unbekannte Bereich ist der einzige, in dem Feedback
nicht hilfreich ist – was andere nicht wahrnehmen, können
sie Ihnen auch nicht mitteilen.
Ganz anders sieht es im vierten Quadrat Ihres Fensters
zum Selbst aus:
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Sie verwenden bestimmte Wörter auffällig oft.
Sie fahren sich oft mit den Händen durch das Gesicht
oder kratzen sich an der Nase, ohne es zu merken.
Wenn Sie nervös oder angespannt sind, zuckt Ihr Augenlid oder ein Mundwinkel.
Bei den genannten Beispielen handelt es sich um vergleichsweise unwichtige Kleinigkeiten. Aber selbst Kleinigkeiten können im zwischenmenschlichen Bereich eine
große Bedeutung haben – denken Sie nur an all die Paarstreitigkeiten wegen nicht zugedrehter Zahnpastatuben
oder herumliegender Socken.
Manchmal betrifft die Selbstblindheit auch wichtige Dinge, etwa wenn eine Führungskraft sehr dominant auftritt,
ein Verkäufer seine Kunden langweilt oder eine Mutter ihr
Kind entmutigt, ohne es zu merken.
Wahrnehmung und
Selbsterkenntnis
Hier ist Feedback sehr nützlich: Gegen Dinge, die Sie
nicht wahrnehmen, können Sie nichts tun. Wenn jemand
anders Ihnen seine Wahrnehmung mitteilt, trägt das zur
Selbsterkenntnis bei und verkleinert Ihren blinden Fleck.
Das mag nicht immer angenehm sein und wird oft große
psychische Anstrengungen erfordern.
Trotzdem sollten Sie dem Feedback-Geber dankbar sein –
selbst wenn er nicht so taktvoll vorgegangen ist, wie Sie
es sich gewünscht hätten. Er ermöglicht Ihnen, sich aus
einer anderen Perspektive zu sehen, Ihr Selbstbild zu erweitern und Ihre Beziehungen zu anderen Menschen zu
verbessern.
Das aber ist kein Automatismus. Letztlich entscheiden Sie
selbst, ob Sie Feedback einholen, annehmen und Ihr Verhalten darauf abstimmen möchten. „So erfahren Sie, was
andere wirklich über Sie denken“ ist ein sehr großes Versprechen. Damit es eingehalten werden kann, sind einige
Voraussetzungen nötig:
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1. Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung für sich selbst wie für
indirektes Feedback.
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2. Bitten Sie aktiv um Rückmeldungen.
3. Nehmen Sie Feedback als wichtige Information an.
4. Überdenken Sie das Feedback und die Konsequenzen,
die Sie daraus ziehen möchten.
Interview mit Markus Junger
Markus Junger ist Leiter des Instituts für professionelle
Gesprächsführung in Tübingen.
Im Beruf sind Feedback-Gespräche üblich und beispielsweise in Jahresgesprächen formalisiert. Ist das genug
des Guten?
Nein, wir sind immer wieder darauf angewiesen, zu hören, was andere von uns denken, und zwar beruflich wie
privat. Wer kein Feedback einholt, verbaut sich Chancen
auf gemeinsame Beziehungsgestaltung im Privatbereich,
aber auch auf beruflichen Erfolg.
Feedback kann ja auch unangenehm sein, etwa wenn ich
herausfinde, dass der andere mich bei Weitem nicht so
positiv sieht wie ich mich selbst.
Manche Menschen wissen genau, dass andere sich an ihrem Verhalten stören. Aber sie verfahren nach dem Motto:
„Solange niemand etwas sagt, brauche ich nichts zu ändern.“ Anderen geht es tatsächlich so, wie von Ihnen beschrieben: Sie haben keine Ahnung davon, wie sie auf andere wirken, und fallen aus allen Wolken, wenn sie
plötzlich mit Kritik konfrontiert werden. Da gibt es dann
oft eine große Krise, gerade in privaten Beziehungen, und
den Vorwurf: „Warum hast du das denn nicht schon früher gesagt?“
Ungefragt Feedback zu geben ist aber auch nicht einfach.
Das Problem ist, dass viele Menschen, wenn sie Feedback
geben, von zwei Grundannahmen ausgehen. Erstens denken
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sie, dass der andere daran interessiert ist, Feedback von ihnen zu bekommen. Zweitens erwarten sie, dass der andere
ihnen gefallen will und sein Verhalten infolge des Feedbacks ändern wird. Beide Annahmen sind falsch. Deswegen
sollte man zuerst einmal sicherstellen, dass der Gesprächspartner überhaupt eine Rückmeldung haben möchte.
Trennen Sie
Wahrnehmung und
Interpretation
Außerdem sollte man beim Feedback-Geben strikt zwischen Wahrnehmung und Interpretation trennen. Wahrnehmungen ergeben eher objektive Aussagen wie: „Ich
beobachte häufig, dass du ablehnend reagierst, wenn die
Kinder mit dir spielen wollen.“ Die Interpretation dazu
kann sehr subjektiv und damit unterschiedlich ausfallen:
„Die Kinder sind dir eben nicht wichtig.“ Oder: „Du bist
bestimmt sehr gestresst.“
Was sollte jemand tun, der Feedback haben möchte?
Er sollte erst genau überlegen, wozu er aus welchem
Grund und in welcher Weise Feedback haben möchte, und
das auch sagen. Nur dann bekommt man ein differenziertes und ehrliches Feedback.
Und wie geht das genau?
Keine allgemeinen
Fragen
Wer unpräzise fragt, bekommt unbefriedigende Antworten. Dazu ein Beispiel aus dem beruflichen Bereich: Eine
Führungskraft, die das Gefühl hat, ein Mitarbeiter sei unzufrieden, fragt: „Wie empfinden Sie denn meinen Führungsstil?“ Darauf kommen naturgemäß nur schwammige
Aussagen, denn diese Frage ist zu allgemein formuliert.
Besser wäre eine konkrete Frage: „Unser gemeinsamer
Besuch beim Kunden X gestern war schwierig. Wie haben
Sie denn mein Verhalten in dieser Situation erlebt?“
Nun bekomme ich ein ehrliches Feedback. Vielleicht
sagt jemand mir, was ihn an mir stört. Wie reagiere ich
dann richtig?
Auf jeden Fall hat der andere für seine Ehrlichkeit einen
Dank verdient. Das heißt aber nicht, dass Sie deswegen dazu
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verpflichtet sind, sofort Ihr Verhalten in der gewünschten
Weise zu verändern. Letztlich geht es beim Feedback um einen Austausch von Wahrnehmungen, der Feedback-Geber
sagt genauso viel über sich wie über Sie aus.
Am besten sagen Sie einfach: „Danke, dass du mir das
gesagt hast! Darüber muss ich erst einmal nachdenken.“
Vielleicht entscheiden Sie nach reiflicher Überlegung,
nichts zu ändern. Dann müssen Sie aber mit der Verärgerung und Enttäuschung des anderen leben – oder ihm Ihre
Entscheidung sehr plausibel begründen können.
Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung
Eigenschaften oder Handlungen, die zu Gewohnheiten
geworden sind, laufen oft unbewusst ab. Versuchen Sie
doch einmal, ganz normale Alltagstätigkeiten, Routinen
und Abläufe sowie Ihre Gefühle dabei bewusst wahrzunehmen. Betrachten Sie Ihr Alltagsleben ab und zu aus einer anderen Perspektive als sonst. Das können Sie ruhig
im wörtlichen Sinne tun: Wenn Sie immer mit dem Auto
fahren, setzten Sie sich einmal aufs Rad und beobachten
Sie den Verkehr aus der neuen Perspektive des Radfahrers. Nehmen Sie einen anderen Weg als sonst zur UBahn, setzen Sie sich an einen anderen Platz am Tisch,
kochen Sie etwas, das Sie noch nie gegessen haben. Alles,
was neu ist, schärft Ihre Wahrnehmung.
Oder buchen Sie ein Rhetorik- oder Präsentationsseminar
mit Videoanalyse. Es mag Ihnen am Anfang merkwürdig
vorkommen, sich selbst am Bildschirm zu betrachten,
aber es wird Ihnen die Augen für vieles öffnen, das Sie
sonst nie bemerkt hätten.
Wie Sie indirektes Feedback erkennen
Beobachten Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihre
Mitmenschen: Viele tun sich schwer damit, Feedback in
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offene Worte zu fassen. Aber ihr Körper „spricht“ ebenfalls, beispielsweise durch seine Haltung, Gestik, Mimik,
Wortwahl und den Tonfall. Schärfen Sie Ihre Aufmerksamkeit für diese nonverbalen Feedback-Signale, beispielsweise:
Der Körper
lügt nicht
Lehnt Ihr Gesprächspartner sich zurück und lässt seinen Blick aus dem Fenster schweifen? Dann scheint
das, was Sie sagen, ihn nicht (mehr) besonders zu fesseln. Kann es daran liegen, dass Sie schon zu lange reden oder dass das Thema ihn gar nicht interessiert?
Ihr Gegenüber unterbricht Sie mehrmals, fällt Ihnen ins
Wort oder stellt Fragen nach dem Ergebnis Ihrer Erzählung, etwa: „Und was ist denn jetzt dabei herausgekommen?“ Das kann daran liegen, dass Sie es mit einem sehr ungeduldigen Zeitgenossen zu tun haben.
Vielleicht könnte es aber auch sein, dass Sie ein wenig
zu ausschweifend und langatmig erzählen und Ihr Gegenüber das Gefühl hat, Sie würden einfach nicht auf
den Punkt kommen.
Sie betreten einen Raum und grüßen freundlich in die
Runde. Die Anwesenden schauen auf und springen hastig auf, um Sie zu begrüßen. Vielleicht sind sie sehr höflich. Oder haben sie großen Respekt, etwa gar Angst vor
Ihnen?
Sie sehen schon an diesen Beispielen: Indirektes Feedback lässt einen relativ großen Interpretationsspielraum
zu.
Sie sollten nicht überinterpretieren
Interpretationen können Fehleinschätzungen widerspiegeln. Das sollte Ihnen bewusst sein. Es gibt beispielsweise
Menschen, die hinter jeder Kleinigkeit eine Missachtung
oder Kränkung ihrer Person sehen. Wenn man einmal tief
in Gedanken versunken an ihnen vorübergeht und sie
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nicht grüßt, fühlen sie sich „geschnitten“, wenn man einmal nicht ausgiebig nach ihrer Gesundheit fragt, verstehen
sie das als Desinteresse, und wenn man ihre Arbeit nicht
überschwänglich lobt, deuten sie das als Missachtung oder
Kritik.
extra
Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse!
Vielleicht kennen Sie diese Geschichte von Paul Watzlawick („Anleitung zum Unglücklichsein“):
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er,
nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also
beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen.
Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon
grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und
er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm
nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es
ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem
Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben.
Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s
mir wirklich. –
Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet,
doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit unser
Mann ihn an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“
fazit: Achten Sie auf Ihre Gedanken, und fragen Sie
nach, ob Ihre Annahmen überhaupt richtig sind. Verurteilen Sie niemanden, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, Unstimmigkeiten aufzuklären.
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So machen Sie es besser:
Fragen Sie bei indirektem Feedback nach
Nachzufragen wird nicht immer nötig sein. Sie kennen
manche Menschen so gut, dass Sie auch kleine indirekte
Botschaften genau richtig verstehen:
den indignierten Blick Ihrer Mutter, wenn Ihr Hund
von draußen auf den weißen Berberteppich galoppiert,
das Augenverdrehen Ihrer Liebsten, wenn Sie wieder
einmal Ihren Lieblingswitz erzählen,
oder das entnervte „Mensch, Papa!“, das ihr Sohn ausstößt, wenn Sie vor seiner Freundin klarstellen, dass er
um Mitternacht zu Hause zu sein hat.
In anderen Fällen und bei anderen Personen sind Sie sich
Ihrer Interpretation vermutlich nicht so sicher. Dann sprechen Sie das offen an und bitten Sie statt des indirekten
um ein direktes Feedback.
Beispielsweise so:
„Sie haben schon ein paar Mal auf die Uhr geschaut.
Ist Ihnen meine Präsentation zu weitschweifig oder
sind Sie in Zeitdruck?“
„Ihre Augenbrauen sind gerade ziemlich in die Höhe
gewandert. Darf ich daraus schließen, dass meine Behauptung Sie erstaunt?“
„Also wenn ich deinen Gesichtsausdruck richtig interpretiere, findest du dieses Kleid nicht gerade umwerfend?“
Trauen Sie sich, nachzufragen, denn mit solchen Fragen
zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie aufmerksam
sind. Er fühlt sich ernst genommen. Selbst wenn Sie etwas
Falsches gesagt oder sich ungeschickt verhalten haben,
wird er seine negative Stimmung Ihnen gegenüber schnell
vergessen, denn er merkt: Sie sind feinfühlig und suchen
den Konsens.
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expertinnen
Spielend mehr erfahren
Es gibt zahlreiche Gesellschaftsspiele (z. B. „Activity“,
„Privacy“, „Therapy“, „Personality“, „Faces“), die sich
mit der Persönlichkeit, der Selbst- und Fremdwahrnehmung und dem ersten Eindruck der Mitspieler befassen.
Alle Spiele haben ein ähnliches Prinzip: Wer seine Mitspieler am besten einschätzen kann, gewinnt. Auch das
ist eine gute Möglichkeit, um seine Außenwirkung – auf
spielerische Art und Weise – besser zu beurteilen und
Neues über sich zu erfahren.
Bitten Sie aktiv um Rückmeldungen
Allgemein gilt in unserer Gesellschaft: Lob wird gern angenommen, differenzierte oder kritische Äußerungen
nicht immer. „Ratschläge sind auch Schläge“ heißt es.
Menschen halten sich zurück, da sie nicht wissen, ob und
in welcher Form Feedback erwünscht ist. Sie wollen nicht
als Besserwisser gelten.
Statt im Unklaren zu bleiben und bestenfalls zu mutmaßen, was Kollegen, Vorgesetzte, Nachbarn oder Freunde
über Sie denken, ist es besser, eine Offensive zu starten:
Holen Sie Ihr Feedback aktiv ein.
Suchen Sie Ihre Feedback-Geber sorgfältig aus
Feedback zu geben ist eine verantwortungsvolle Aufgabe,
die nicht jeder übernehmen kann und will. Überlegen Sie
also zunächst, welchem Menschen Sie diese Aufgabe
überhaupt zumuten wollen und auf wessen Meinung Sie
besonderen Wert legen.
Es sollte ein Mensch sein, der Sie gut genug kennt, um ein
Feedback geben zu können, das über einen ersten Eindruck hinausgeht. Und es sollte jemand sein, der Ihr Verwww.stil.de
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trauen nicht missbrauchen wird und dessen Beziehung zu
Ihnen so tragfähig ist, dass sie ein ehrliches Feedback vertragen kann.
Im beruflichen Umfeld ist Feedback für Sie besonders
wichtig. Trotzdem können Sie sich keineswegs darauf verlassen, dass Sie automatisch eines bekommen, sondern
müssen es ganz besonders aktiv einfordern. Bitten Sie Ihren
Chef um einen Gesprächstermin und kündigen Sie genau
an, worum es Ihnen geht, damit er sich vorbereiten kann.
Fragen Sie so konkret wie möglich
In beruflichen und privaten Situationen gilt gleichermaßen: Die Qualität der Antworten, die Sie bekommen werden, hängt maßgeblich von der Qualität Ihrer Fragen ab –
also davon, wie konkret und detailliert Sie sagen, wozu
Sie eine Rückmeldung möchten.
Statt: „Wie findest du meinen Kleidungsstil?“, fragen
Sie besser: „Ich bin mir manchmal etwas unsicher, ob
ich durch meine Kleidung nicht ein bisschen sehr laut
und auffällig wirke. Wie hat denn das rote Kostüm auf
dich gewirkt, das ich gestern getragen habe?“
Statt: „Wie hat Ihnen meine Präsentation gefallen?“,
fragen Sie besser: „Fanden Sie meine Argumentation
nachvollziehbar?“ Oder: „Waren die Folien Ihrer Meinung nach übersichtlich genug?“
Statt: „Wie sind Sie denn so mit meiner Arbeit zufrieden?“, fragen Sie besser: „Ich merke, dass mir der
Kundenkontakt sehr viel Freude macht, und glaube,
dass ich bei den Kunden gut ankomme. Ist das auch Ihr
Eindruck, oder wo kann ich mich verbessern?“
wichtig: Wählen Sie positiv statt negativ besetzte Begriffe. Fragen Sie z. B. nicht „Wo liegen meine Fehler?“,
denn dann gibt es nur zwei Möglichkeiten:
1. Ihr Ansprechpartner sagt gar nichts, um Sie nicht zu
verletzen.
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2. Ihr Ansprechpartner nutzt die Chance, um Sie kleinzumachen, und zählt Ihnen auf, was Sie noch alles lernen
müssen.
Nehmen Sie Feedback als wichtige
Information an
Feedback zu bekommen ist nicht immer angenehm.
Manchmal ist es enttäuschend, wie neulich, als ich einen
guten Freund fragte: „Schau mal, mein neuer Blazer, ist er
nicht schön?“, und als Antwort bekam: „Hm, sieht aus
wie ein Sofabezug.“
Es kann auch extrem kränkend sein, wie das Feedback,
das eine Freundin von mir auf ihren Vorschlag hin erhielt, mit ihrem Produkt aggressive Kunden von der
Konkurrenz abzuwerben. Ihre Chefin erwiderte brüsk:
„Um denen Kunden abzujagen, müssten Sie schon früher aufstehen. Die sind nämlich richtig gut, im Gegensatz zu Ihnen!“
Wie auch immer das Feedback ausfällt, das Sie erhalten:
Sie sollten versuchen, es möglichst gelassen anzunehmen.
Diese Fehler sollten Sie bei der Reaktion
auf Feedback vermeiden
Nicht ausreden lassen
Auch wenn Sie die Meinung Ihres Gegenübers nicht
teilen: Versuchen Sie bis zum letzten Wort aktiv zuzuhören. Stellen Sie Ihre eigenen Gedanken erst einmal
zurück, statt andere zu unterbrechen.
Einen Pauschalvorwurf stehen lassen
Fragen Sie eventuell nach, ob Sie Ihr Gegenüber richtig
verstanden haben: „Sie finden also, mein Produkt sei dem
der Konkurrenz unterlegen? In welcher Hinsicht denn?
Wo sehen Sie konkrete Ansätze zur Verbesserung?“
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F 16/20
Feedback einfordern
Sich rechtfertigen
Gehen Sie auf gar keinen Fall in die Defensive! Verzichten Sie auf Erklärungen und Rechtfertigungen. Hören
Sie stattdessen aufmerksam zu und zeigen Sie im Anschluss, dass Sie selbst darüber entscheiden, wie Sie das
Feedback verwerten, z. B.: „Das war eine wichtige Information für mich. Ich werde darüber nachdenken.“
Beleidigt sein
Sie wollten Feedback haben – Sie haben es bekommen.
Der Gesprächspartner hat Ihnen seine Meinung über
ein bestimmtes Verhalten gesagt. Das ist in Ordnung
und kein Grund, beleidigt zu sein, nicht einmal dann,
wenn Sie dem Inhalt überhaupt nicht zustimmen können oder die Form indiskutabel finden. Achten Sie
nicht auf die Form, sondern lassen Sie den Inhalt einige
Tage sacken. Vielleicht entdecken Sie doch einen Funken Wahrheit darin. Und wenn nicht, dann schreiben
Sie die Informationen eben als irrelevant ab.
Wie Sie auf eine Rückmeldung souverän
reagieren
Konzentrieren Sie
sich auf den Inhalt,
nicht auf die Form
Es gibt etwas, das schlimmer ist, als negatives Feedback
zu bekommen: nämlich gar keines zu erhalten. Viele Menschen reagieren auf Kritik extrem abwehrend. Dann brauchen sie sich auch nicht zu wundern, wenn andere kein
Feedback mehr geben, sondern sich aus Angst, Mitleid
oder falschem Respekt zurückhalten. Aber was hätten Sie
davon? Die anderen haben ja immer noch dieselbe ungünstige Meinung von Ihnen – aber Sie hätten keine
Chance, diese zu erfahren und darauf zu reagieren.
Also: Ärgern Sie sich nicht darüber, wenn Rückmeldungen barsch oder verletzend sind, denn langfristig sind sie
besser verträglich als Heucheleien. Stören Sie sich jedoch
auch nicht am Geschwätz. Es gibt Leute, die immer etwas
zu meckern haben, selbst wenn es den Himmel auf Erden
gäbe.
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Feedback einfordern
Sortieren Sie die Rückmeldungen aus, die für Sie keinen
Wert haben. Im Zweifelsfall fragen Sie einfach eine weitere Person Ihres Vertrauens. Als Patient konsultieren Sie
schließlich auch einen weiteren Arzt, wenn Ihnen die erste
Diagnose suspekt erscheint.
wichtig: Wer Ihnen Feedback gibt, hat auf jeden Fall einen Dank verdient. Er hat eine unangenehme Aufgabe
übernommen, damit Sie etwas über sich lernen können.
Nun können Sie dafür sorgen, dass es wenigstens keine
undankbare Aufgabe ist: „Danke, dass du mir das gesagt
hast. Es war mir wichtig, deine Meinung zu hören.“
Ziehen Sie Konsequenzen
Markus Junger hat es im Interview schon gesagt: Wer Ihnen Feedback gibt, hat keinen Anspruch darauf, dass Sie
Ihr Verhalten entsprechend ändern. Es ist Ihr Feedback. Es
ist Ihre Sache, was Sie daraus machen.
Bitte nicht überbewerten
Trotz aller Tipps und Empfehlungen: Bauen Sie nicht nur
auf die Meinung anderer. Allen recht machen können Sie
es sowieso nicht. Wie schon der streitbare Politiker FranzJosef Strauß in deutlichen Worten feststellte: „Everybody’s darling is everybody’s Depp!“
Meinungen sind oft sehr kurzlebig und subjektiv. Meinungen werden gemacht. Wer z. B. Mobbing am eigenen Leib
oder als Beobachter erlebt hat, weiß, dass Ansichten und
Verhalten mancher Mitmenschen beinahe beliebig manipuliert werden können.
Machen Sie Ihr Selbstwertgefühl daher niemals von Massenmeinungen abhängig. Wählen Sie mit Bedacht aus,
wem Sie vertrauen. Und: Vertrauen Sie im Zweifelsfall
auch sich selbst und Ihrer eigenen Einschätzung.
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Sagen Sie
„Danke!“
F 16/21
F 16/22
Feedback einfordern
Selbsteinschätzung contra Fehleinschätzung
Was andere über Sie denken, ist nur eine Seite der Medaille – die zweite Seite ist Ihre Selbsteinschätzung. Es ist wie
in der Schule: Selbst wenn man bemerkt, dass der Nachbar bei der Rechenaufgabe ein anderes Ergebnis hat, sollte
man im Zweifel seiner eigenen Intelligenz, seinem Wissen und seinem eigenen Lösungsweg vertrauen.
Oft genügt daher eine knappe Reaktion: „Danke für das
Feedback. Darüber werde ich nachdenken.“
Bitten Sie um Unterstützung
Sie wollen Ihr Verhalten ändern? Bitten Sie Ihr Gegenüber, Sie bei der Verwirklichung Ihrer guten Absichten zu
unterstützen.
beispiel: „Du hast mir gesagt, dass du dich häufig von
mir nicht ernst genommen fühlst, weil ich dich oft unterbreche. Das tut mir leid und ich will mich bessern! Sollte
mein Temperament wieder mit mir durchgehen, erinnere
mich doch bitte daran!“
Wenn Sie entscheiden, nichts zu ändern, sollten Sie das
zumindest erklären.
beispiel: „Ich weiß, dass ich dir in dem neuen weißen
Hemd besonders gut gefalle. Darin fühle ich mich aber
einfach nicht so wohl, weil es etwas enger geschnitten ist.“
Berücksichtigen Sie die Konsequenzen
Ihrer Entscheidung
Wie auch immer Sie reagieren: Sie sollten bereit sein, die
Konsequenzen Ihrer Entscheidung zu tragen. Akzeptieren
Sie die Sichtweise des anderen, auch wenn Sie Ihr Verhalten nicht ändern.
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