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Abruffütterung in der Praxis - Schauer Agrotronic GmbH

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SCHWEIN
Abruffütterung in der Praxis
Was sind die Erfolgsfaktoren?
Von Roman GOLDBERGER, Rainbach
In 22 Monaten endet die Übergangsfrist und die Gruppenhaltung trächtiger
Sauen wird für alle Sauenhalter verpflichtend. Am Betrieb Kaiser wurde vor
drei Jahren auf Gruppenhaltung umgestellt.
Der Betrieb von Maria und Josef Kaiser liegt in Weitendorf, südlich und unweit von Graz. Im Jahr 2007 entschieden sich die beiden Ferkelerzeuger, gemeinsam mit Sohn Josef den Sauenbestand von 80 auf 150 Sauen zu erweitern und im Zuge dieser Baumaßnahme die Umstellung auf Gruppenhaltung durchzuführen. Das Gruppenhaltungssystem der Wahl war damals die
Abruffütterung in einer dynamischen
Gruppe. Bisher habe man diese Entscheidung in keinster Weise bereut, resümiert Sohn Josef die Erfahrungen der
letzten drei Jahre.
Der Betrieb
Maria und Josef Kaiser,
Weitendorf (Stmk.)
Tierhaltung:
150 produktive Sauen
ca. 700 Fekelaufzuchtplätze
300 Mastplätze
Ackerbau:
20 ha Körnermais
5 ha Ölkürbis
5 ha Winterweizen
5 ha Zuckerrübe
Sonstiges:
6 ha Wald
Arbeitskräfte:
Maria und Josef (im Vollerwerb)
Sohn Josef (im Nebenerwerb)
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Dynamische Gruppe
Tatsächlich scheint das System der
Gruppenhaltung am Betrieb Kaiser gut
durchdacht zu sein. Nach der Besamung und der gesetzlich erlaubten Haltung in den Kastenständen des Deckzentrums werden die Sauen in die dynamische Großgruppe eingegliedert. Je
nach Produktionszyklusstand – der Betrieb Kaiser arbeitet im 3-WochenRhythmus – befinden sich zwischen
60 und 70 Sauen in der dynamischen
Gruppe mit einer Abrufstation des Typs
Compitent VI von Schauer Agrotronic.
Erstlingssauen
bzw. rangniedrige ältere Sauen
werden in einer
zweiten, kleineren Gruppe mit
Anlernbucht ge-
f
Die in der Mitte und an der Fensterseite
angebrachten Liegekojen sowie die breiten Wege zwischen den Kojen sorgen
für genügend Ausweichmöglichkeiten. Ï
DER FORTSCHRITTLICHE LANDWIRT • www.landwirt.com
Heft 4 / 2011
SCHWEIN
halten. Nachdem die Abrufstation nicht
für das Anlernen von Jungsauen
blockiert werden muss und bei dieser
Station der Zeitverbrauch pro Durchgang relativ gering gehalten wird, ist
die Fütterung von 70 Sauen innerhalb
der empfohlenen 16 Stunden jedenfalls
möglich.
Buchtenstruktur
Damit die Sauen trotz der vielen
Konkurrentinnen und der laufend neu
zu schaffenden Rangordnung in Ruhe
fressen, sich bewegen und schlafen können, ist der Buchtenstruktur besondere Bedeutung beizumessen. So müssen
die Sauen nach dem Fressen in der Station einen langen Weg rund um die
mittig angebrachten Liegekojen gehen,
um wieder an den Eingang der Abrufstation zu gelangen. Daher sind am
Betrieb Kaiser auch wenig „Rangeleien“ vor dem Stationseingang zu beobachten. Zusätzlich sind auf diesem Weg
zwei füllstandsgeregelte Wassertränken
platziert, die für Ablenkung und eine
Unterbrechung des eingeschlagenen
Wegs direkt wieder zum Stationseingang sorgen. Die in der Mitte und an
der Fensterseite angebrachten Liegekojen sowie die breiten Wege zwischen
den Kojen sorgen zudem für genügend
Ausweichmöglichkeiten für rangniedrigere Sauen.
en in der Gruppe satt sind. Vor
allem die ersten 55 Tage nach der
Besamung nutzt Kaiser zur Konditionierung der Sauen, die während der Laktation an Gewicht
und Rückenspeck verloren haben. Drei Kilogramm Futter, das
entspricht etwa 36 MJ ME, bekommen niedertragende Sauen
täglich bis etwa drei Wochen vor
der Geburt. Dann wird auf 40 bis
Tränker zur
42 MJ ME erhöht. Dabei sei nicht
Ablenkung
nur die mechanische, sondern vor
allem die physiologische Sättigung wichtig, so Kaiser. Am Betrieb Kaiser werden daher in dieser konditionierte Saue aussehen soll: „SauPhase vor allem bakteriell fermentier- en brauchen einen runden Rücken“
bare, also verdauliche Rohfaserträger
(z.B. Trockenschnitzel) verwendet. LiJungsaueneingliederung
gnocellulose als kaum verdauliche RohEtwa 70 % der Edelschweinsauen am
faserquelle habe in diesem Bereich der
Betrieb Kaiser werden von der eigeSchweinefütterung keine Bedeutung.
nen Herde remontiert. Nur rund 30 %
der Jungsauen werden zugekauft. Was
ƒ
diese Zuchtläufer verbindet, ist die einAnlernstation
heitliche Eingliederung in die Sauenfür Jungsauen.
gruppe. Nach einer Quarantäne wird
die Jungsauengruppe etwa drei Wochen vor der Eingliederung in eine
Keine Kämpfe
Bucht direkt neben dem Eber gesperrt,
vor der Abrufdie sie nach einer Woche wieder verstation.
F
lässt. Gemeinsam mit der Eingliederungsgruppe, die vom Abferkelstall abgespänt wird, kommen die Jungsauen
zwei Wochen später wieder in die besagte Bucht neben dem Eber, wo sie
dann nach einigen Tagen in Rausche
kommen. Laut Kaiser werde dieses System der Eingliederung bereits seit Jahren mit gutem Erfolg praktiziert. Die
Jungsauen sollten zudem bei der Besamung keinesfalls jünger als 240 Tage
sein. Nach dem Deckzentrum kommen
dann die besamten und tragenden Jungsauen in eine kleine, dynamische Gruppe von Erstlingssauen oder rangniedrigen Sauen. Die Eingangstür der Anlernstation in dieser Gruppe steht immer zur Hälfte offen, sodass die Tiere
relativ schnell das System der Abrufstation erfassen.
Kein Einfluss durch
Gruppenhaltung
Fütterung
Besondere Bedeutung für den Erfolg
der Gruppenhaltung mit Abruffütterung misst Josef Kaiser der Fütterung
Zudem sei nach dem Absetzen ein
bei. Wichtig sei, so Kaiser, dass die Sau- niedriger Eiweißgehalt wichtig, erklärt
der Ferkelerzeuger. Das fördere die
Rückenspeckbildung. Daher weist das
Tab.: Biologische Leistungen 2010
Futter in der Niedertragendphase nur
Umrauscher
11,56 %
rund 13 % Rohprotein und 6 g Lysin
Würfe
2,378
auf. „Es ist wichtig, dass die Sauen
Lebend geborene Ferkel
12,57/Wurf
während der Trächtigkeit nicht zu flei29,89/Sau & Jahr
schig werden, da dies die RückenSaugferkelverluste
13,03 %
speckbildung hemmt“, gibt Kaiser zu
Abgesetzte Ferkel
26,6/Sau & Jahr
bedenken und skizziert, wie eine gut
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Die „Stimmigkeit“ des Systems spiegelt sich auch in den biologischen Leistungen der Sauenherde (Tab.) wider.
Insbesondere bei den Saugferkelverlusten sieht Kaiser noch Verbesserungspotenzial. Die Gruppenhaltung habe jedenfalls zu keiner Beeinträchtigung der
Fruchtbarkeit geführt, stellt der Ferkelerzeuger klar. Wichtig sei aber, dass
die genannten Maßnahmen im Management und der Buchtenstruktur umgesetzt worden sind.
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