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"Was für ein Konzept braucht das Land jetzt?"

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"Was für ein Konzept braucht das Land jetzt?"
16.05.2010 | 20:37 | Patrizia Reidl (Wirtschaftsblatt)
WirtschaftsBlatt: Was braucht Griechenland jetzt aus Sicht eines Experten für Internationales
Marketing?
Adamantios Diamantopoulos: Es braucht Zeit, um die ganze Sache zu verdauen. Das wird nicht leicht.
70 Prozent des griechischen BIP kommen vom Inlandskonsum, die Griechen importieren mehr als sie
exportieren. Bis vor der Krise war es leicht, Kredite zu bekommen. Mit den Sparmaßnahmen wird der
Abbau der Schulden schwierig.
Ist Griechenland schwer zu vermarkten?
Griechenland war nie gut dabei, sich selber zu vermarkten. Außerdem, punkto Tourismus: Man hat
sich auf Billig-Tourismus konzentriert. Für eine gehobene Zielgruppe fehlen Infrastruktur und Service.
Das Qualitätsniveau entspricht nicht den Erwartungen, der Euro macht das Land nicht billig. Daraus
resultieren negative Erfahrungen, die hängen bleiben, was aus Marketingsicht negativ ist. Aber
Griechenland ist mehr als Sonne und Sirtaki.
Nämlich?
Ein ziemlich entwickeltes Land. Geht man durch Athener Straßen, merkt man nichts von den
Problemen. Wie etwa die Bürokratie, die schlecht für Investitionen aus dem Ausland ist.
Hat sich Griechenland abgekapselt?
Das ist schwer zu sagen und historisch bedingt. Bei elf Millionen Einwohner haben wir 700.000
Beamte. Was heißt das für die Produktivität des Landes? Alle wollen in den öffentlichen Dienst. Die
Beamtenmentalität ist ausgeprägt. Jetzt versucht man, das zu ändern. Das kommt spät und ist
radikal. Der Vorteil: Es wird ein Short Shock. Der Nachteil: Die Menschen machen sich Sorgen ums
Überleben. Manche sprechen vom Auswandern. So ein Ausmaß an Reduktion gab es bisher nicht. Es
gibt die Gefahr einer Depression. Dann entsteht ein Teufelskreis.
Wie sieht der KMU-Sektor aus?
Es gibt sehr viele KMU. Die "Ich bin mein eigener Chef"-Mentalität ist ausgeprägt. Der Arbeitsmarkt
ist sehr reguliert, die Gewerkschaften stark. Es gibt erfolgreiche KMU, aber ein sehr großer Sektor ist
abhängig vom Staat. Alles in allem kein gutes Umfeld für KMU.
Wird sich die Steuermoral ändern?
Man bekommt nicht sehr viel für seine Steuern; dabei sind die Steuern nicht niedrig. Gleichzeitig gibt
es Korruption. Leute, die viel verdient und geschmiert haben, wurden bis jetzt von der Justiz nicht
belangt. Die Schattenwirtschaft ist mit 25 bis 30 Prozent des BIP sehr hoch. Bei den Unternehmen ist
die Steuermoral auch eine Frage der Kontrolle.
© Wirtschaftsblatt.at
http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/421231/print.do
18.05.2010
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