close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Handout zum Referat: "Was benötigen homosexuelle - SLEP

EinbettenHerunterladen
Handout zum Referat: "Was benötigen homosexuelle Erzieherinnen und PädagogInnen, um im Beruf authentisch zu sein?"
1. Wissen und Fachkompetenz aus der Entwicklungspsychologie
1.1 Allgemeines Wissen
Im Alter zwischen zwischen 7 und 11 Jahren tendieren die Kinder zur Segregation der Geschlechter und sie lehnen Kinder ab, welche sich geschlechtsabweichend verhalten (vgl.
Trautner 2008, 638). Etwas später (ab ca. 12 Jahren) dann beginnt der Aufbau der sexuellen
Orientierung. In der Altersphase 13-16 müssen sich Heranwachsende mit der gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechtsrolle auseinander setzen, was viel Druck erzeugt (vgl. Trautner 2008, 639).
1.2 Empirisches Wissen
Studie über das Verliebtsein von Kindern (vgl. Leidinger 2003)
Aufgrund ihrer Forschungen geht Leidinger davon aus, dass "Kinder in ihren ersten 'Liebesbeziehungen' das ganze Spektrum der Gefühle über Sehnsucht bis zu Eifersucht und Enttäuschung erleben" (Leidinger 2003, 8). Mädchen und Knaben lassen demzufolge ihr Geschlecht nicht vor der Schultüre, wie Millhofer sagt (vgl. Milhoffer 2000, 21)! Die Stichprobe
von Leidinger umfasst 97 Kinder (53 w, 44 m) im Alter zwischen 6 und 12 Jahren.
Ausgewählte Hauptergebnisse
• Nicht für alle Kinder ist das Thema Liebe interessant.
• Der Diskurs über das Verliebtsein ist aber kulturell dominant (vgl. Leidinger 2003,
280).
• Sechs Typen von Kindern: zum Beispiel enthaltsame, interessierte, abgeneigte, verliebte Kinder.
Studie über das Risiko zum Suizidalverhalten (vgl. Leu 2008)
Leu hat diese Studie im Auftrag der Fachgruppe Bildung von PINK Cross, LOS und fels erstellt. Es handelt sich um eine Bestandesaufnahme (u.a. Metaanalysen) von Studien, welche
die Zusammenhänge zwischen Homo- oder Bisexualität und einer erhöhten Suizidalität bei
Adoleszenten untersuchen (vgl. Leu 2008, 14).
Ausgewählte Hauptergebnisse
•
•
"Alle bisherigen Berichte für die Schweiz zeigen […] unmissverständlich, dass homound bisexuelle Männer über ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten verfügen"
(Leu 2008, 17). Für Frauen liegen aktuell keine Zahlen vor.
Schüler und Schülerinnen, die lesbisch, schwul oder bisexuell sind, ist die Viktimi-
sierung überproportional hoch. Homo- und bisexuelle Jugendliche, "die unter
einer starken Viktimisierung leiden" (Bontempo, D'Augelli 2002, 371-373 in Leu
2008, 38), weisen "ein stärkeres Risikoverhalten (Schulschwänzen, ZigarettenkonPH FHNW, Institut Primarstufe
Professur Entwicklungspsychologie und Pädagogik des Kindesalters
Prof. Dr. Marlise Küng
Seite 1 von 3
Erstelldatum 19.11.2010 09:58:00
•
sum, Drogenkonsum, sexuelles Risikoverhalten und Suizidversuche)" auf, "als ihre
heterosexuelle Peergroup" (Leu 2008, 31).
Ist die Schule aber ein Ort, in welchem, Schüler und Schülerinnen betreut werden
und sich wohlfühlen, dann erleben homo- und bisexuelle Heranwachsende weniger
Viktimisierung (Bedrohungen, Diebstahl, Schlägereien, homophobe Äusserungen).
Studie über die Einstellung von Lehrpersonen (vgl. Klein 2009)
Die dritte Studie setzt sich mit dem Wissen und den Einstellungen angehender und amtierender Lehrpersonen zu Homo- und Bisexualität auseinander. Klein, die Autorin untersuchte
schweizerische Lehrpersonen und wertete die Daten von über 800 schweizerischen Lehrpersonen aus (vgl. Klein 2009, 49).
Ausgewählte Hauptergebnisse
• Ungefähr 60 % der amtierenden und angehenden Lehrpersonen haben ein spezifisches Wissen über die Risiken und Problematiken von homo- oder bisexuellen Jugendlichen haben (vgl. Klein 2009, 49)
• Gleichzeitig sagen etwa 30 % der Lehrpersonen, dass sie über die besondere Problematik von lesbischen, schwulen und bisexuellen Jugendlichen nichts wissen.
Studie über die Situation von Kindern und Jugendlichen in Regenbogenfamilien (vgl. Rupp,
Bergold 2009)
Eine deutsche und beachtlich grosse Studie hat 95 Kinder und Jugendliche (52 w, 43 m) im
Alter zwischen 10 und 18 Jahren aus eingetragenen Partnerschaften befragt. Das Ziel der
Studie ist es, herauszufinden, ob sich Kinder und Jugendliche, die in einer Lebenspartnerschaft aufwachsen, in ihrer Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus andern Familienformen unterscheiden.
Ausgewählte Hauptergebnisse
•
•
•
Kinder und Jugendliche aus eingetragenen Partnerschaften unterscheiden sich signifikant von Kindern und Jugendlichen aus andern Familienformen: Kinder und Jugendliche aus eingetragenen Partnerschaften haben ein höheres Selbstwertgefühl und
verfügen über mehr Autonomie in der Beziehung zu beiden Elternteilen (vgl. Rupp,
Bergold 2009, 305).
Die Beziehungsqualität innerhalb der Familie ist ein sehr bedeutsamer Faktor, welcher die kindliche Entwicklung beeinflusst. "Der Zusammenhang zwischen Vertrauen
und Nähe in der Eltern-Kind-Beziehung und einer gelungenen Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen fand sich über alle Familientypen hinweg gleichermassen" (Rupp, Bergold 2009, 306).
Für Kinder und Jugendliche aus Regenbogen-Familien sind Diskriminierungserfahrungen durch Gleichaltrige, sofern diese häufig auftreten (vgl. Rupp, Bergold 2009,
309), ein Entwicklungsrisiko. Aber auch diese können von Kindern und Jugendlichen
aus Regenbogen-Familien teilweise oder ganz bewältigt werden. Und zwar dann,
wenn die Eltern-Kind-Beziehung von Vertrauen und Nähe geprägt ist (vgl. Rupp, Bergold 2009, 306).
PH FHNW, Institut Primarstufe
Professur Entwicklungspsychologie und Pädagogik des Kindesalters
Prof. Dr. Marlise Küng
Seite 2 von 3
Erstelldatum 19.11.2010 09:58:00
1.3 Überfachliche Kompetenzen
Lehrpersonen befinden sich in einer Schlüsselposition. "Einerseits sind sie in ihrer Funktion
für das Wohl des Kindes, für seine Integration im schulischen Kontext verantwortlich. Andererseits verfügen sie über die - wenngleich eingeschränkte - Möglichkeit, zukünftiges Denken
und Handeln ihrer Schüler und Schülerinnen in Richtung vermehrter sozialer Gerechtigkeit
zu lenken" (Klein 2009, 32).
•
•
•
•
Fähigkeit zur Selbstreflexion
Fähigkeit zur Beobachtung
Fähigkeit zur Zusammenarbeit
Fähigkeit zum Handeln
Literatur zum Referat
Berk, Laura E. (2005). Entwicklungspsychologie. München: Pearson Studium.
Duden (2002). Das Bedeutungswörterbuch. Mannheim: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus.
Giesinger, Johannes (2007). Autonomie und Verletzlichkeit. Der moralische Status von Kindern und
die Rechtfertigung von Erziehung. Bielefeld: transcript Verlag.
Klein, Esther (2009). Homo? Hetero? Bi? Bestandesaufnahme zu Wissen und Einstellungen angehender und amtierender Lehrpersonen zu Homo- und Bisexualität. Masterarbeit.
Leidinger, Birgit (2003). Freundschaft und Liebe bei Mädchen und Jungen im Grundschulalter. Marburg: Tectum Verlag.
Leu, Christian (2008). Sexuelle Orientierung und Suizidalität: Eine Untersuchung der internationalen
und nationalen Forschungsergebnisse der Risiko- und Schutzfaktoren für adoleszente Homo- und
Bisexuelle. Herausgegeben durch die gemeinsame Fachgruppe Bildung von PINK CROSS, LOS und
fels. Anzahl Seiten 50.
Milhoffer, Petra (2000). Wie sie sich fühlen, was sie sich wünschen. Eine empirische Studie über Mädchen und Jungen auf dem Weg in die Pubertät. Weinheim: Juventa Verlag.
Rupp, Martina; Bergold, Pia (2009). Zusammenfassung. In Rupp, Martina (Hg.): Die Lebenssituation
von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Köln: Bundesanzeiger Verlag, 281-311.
Schmauch, Ulrike (2008). Gleichgeschlechtliche Orientierung von Mädchen und Jungen - Eine Herausforderung für die Pädagogik. In Rendtorff, Barbara; Prengel, Annedore (Hg.): Jahrbuch Frauenund Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Kinder und ihr Geschlecht, Band 4/2008.
Opladen: Verlag Barbara Budrich, 73-88.
Timmermanns, Stefan (2008). Sexuelle Orientierung. In Schmidt, Renate-Berenike; Sielert, Uwe (Hg.):
Handbuch Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. Weinheim: Juventa Verlag, 261-270.
Trautner, Hanns Martin (2008). Entwicklung der Geschlechtsidentität. In Oerter, Rolf; Montada, Leo
(Hg.): Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz Verlag, 625 - 651.
Wanzeck-Sielert, Christa (2009). Sexuelle Bildung und Sexualerziehung in der Grundschule. In: Forum Sexualaufklärung und Familienplanung, 3, 22-25.
Stand: 19. November 2010 | Marlise Küng
PH FHNW, Institut Primarstufe
Professur Entwicklungspsychologie und Pädagogik des Kindesalters
Prof. Dr. Marlise Küng
Seite 3 von 3
Erstelldatum 19.11.2010 09:58:00
Document
Kategorie
Kunst und Fotos
Seitenansichten
16
Dateigröße
30 KB
Tags
1/--Seiten
melden