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"Was verdient man da?" - Offenbach

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Frankfurter Rundschau - "Was verdient man da?"
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szmtag
Kreis Offenbach - 27 | 2 | 2012
RODGAU
"Was verdient man da?"
Von Anne Jäger
120 Unternehmen stellen sich auf der Bildungsmesse den Fragen der Schüler
Wenn Schüler an einem Samstag freiwillig die Schule besuchen, steckt entweder großer Ehrgeiz oder ein besonderes
Ereignis dahinter. Am vergangenen Samstag war Letzteres der Fall: An der Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden fand
eine Bildungsmesse statt.
Der 16-jährige Leon war einer der Jugendlichen, die sich dort umschauten. Er besucht die 10. Klasse einer Realschule
und das Ende seiner Schullaufbahn rückt in greifbare Nähe. Er sucht einen Ausbildungsplatz, etwas Handwerkliches, hat
sogar schon Bewerbungen geschrieben – nur abgeschickt hat er sie bislang noch nicht. „Ich wusste nicht wohin.“ Nach
einem Gespräch am Telekom-Stand weiß er, was zu tun ist. Er will sich nun bei dem Unternehmen um eine Ausbildung
zum Systemelektroniker bewerben. Tanja Steinheimer versuchte indessen, im Gedränge den Überblick zu bewahren.
Sie gehört zu dem drei Personen starken Team, das seit vergangenem Oktober die Bildungsmesse plante. Veranstalter
der Messe war die Stadt. In ihrer Hand hielt Steinheimer das obligatorische Walkie-Talkie. Seit 6.30 Uhr war sie wach,
teilte Stände zu, schloss Vortragsräume auf und koordinierte ihre Helfer, Jugendliche aus dem Rodgauer
Jugendberufsförderungsprogramm „16+“.
Für 120 Aussteller in dem Schulgebäude sowie der Sporthalle nebenan haben sie die Räumlichkeiten vorbereitet. Für
weitere Aussteller haben die Kapazitäten nicht ausgereicht, 15 standen auf der Warteliste. In den vergangenen Tagen
hätten noch viele weitere Interessenten angefragt, erzählte Steinheimer. „Die Schule hätten wir noch mal füllen können.“
Die Mehrzahl der Aussteller kam aus der Rhein-Main-Region, einige hatten jedoch auch eine weitere Anreise. So zum
Beispiel die Mitarbeiterinnen der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Annedore Kübel und ihre Kollegin Stephanie
Marzian vom Infomobil der Uni haben für die Bildungsmesse eine dreistündige Anfahrt aus Thüringen in Kauf
genommen.
In Rodgau wollten sie auf den Studienstandort Jena aufmerksam machen. „Viele Schüler wissen noch nicht, was sie
studieren wollen“, sagte Kübel, „manche haben aber schon ganz konkrete Vorstellungen und stellen gezielt Fragen.“
Ein paar Kugelschreiber hier, Tragetaschen und Schlüsselanhänger dort – die Aussteller buhlten mit kleinen
Geschenken um die Gunst der Schüler.
Vor Jana Fückel und Melanie Stork, die beide Aldi Süd vertraten, stand etwa ein Korb voller Naschereien. Einige
Jugendliche seien nur deshalb an den Stand gekommen, andere seien aber sehr an den Ausbildungsberufen
interessiert, berichtete Fückel. „Was verdient man da?“, sei die häufigste Frage gewesen, die sie am Samstag gestellt
bekommen habe.
Auch der 14-jährige Tim kämpfte sich durch das Gedränge in der Sporthalle. Er suchte die Darmstädter Firma Merck.
Für den Schüler der Adolf-Reichwein-Schule in Heusenstamm war die Veranstaltung Pflicht, aber er war an den
Angeboten auch interessiert. „Ich will mich nach Berufen erkundigen“, sagte er, „etwas mit Biologie, Chemie oder
Physik.“ Das sind die Lieblingsfächer des Jugendlichen.
„Ich habe schon ganz viele Zettel gekriegt“, sagte er und zeigte auf seine prall gefüllte Umhängetasche. „Ein bisschen
durcheinander ist hier alles, aber ich finde es ganz gut“, sagte er zufrieden und zog weiter.
24.01.2013 16:26
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