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FTD-Artikel ich weiß, was Du gestern genommen - Agentur WOK

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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
Industrie // Dienstleistungen
DIENSTAG, 8. FEBRUAR 2011
Ich weiß, was du gestern genommen hast
Danaher wagt
Milliardenzukauf
Der US-Mischkonzern Danaher
will den amerikanischen Diagnostikspezialisten Beckman Coulter
kaufen und damit seinen Geschäftsbereich Medizintechnik
ausbauen. Das Gesamtvolumen
der Transaktion inklusive übernommener Verbindlichkeiten liege bei rund 6,8 Mrd. Dollar, teilten beide Unternehmen gestern
mit. Das Geschäft werde voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen. Der Preis von
83,50 Dollar pro Aktie bedeutet
einen Aufschlag von elf Prozent
auf den Beckman-Schlusskurs
vom Freitag. Beckman zufolge
entspricht das einem etwa
45-prozentigen Plus zum Kurs
vom Dezember, bevor sich erste
Übernahmegerüchte verbreiteten.
Rund ein Viertel der Finanzierung
werde durch Barmittel bestritten,
15 Prozent durch Aktien und
60 Prozent durch neue Schulden,
teilte Danaher mit. Beckman
wachse in China um 25 Prozent
pro Jahr. Eine alternde Bevölkerung, eine stärkere Konzentration
auf präventive medizinische Versorgung und das generelle
Wachstum der Medizintechnik
machten die Diagnostik zu einem
attraktiven, 25 Mrd. Dollar
schweren Markt, sagte Konzernchef Larry Culp. REUTERS, FTD
Kassen, Ärzte und Industrie könnten chronisch Kranke besser versorgen – misstrauen sich aber zu sehr
Zu Risiken und Nebenwirkungen befragt man – zumindest laut Werbung –
seinen Arzt oder Apotheker. Allerdings könnte der bald zurückfragen,
ob man denn sein Insulin schon brav
gespritzt hat. Jedenfalls wenn es nach
Fritz Oesterle geht: Der Chef des Pharmagroßhändlers und Apothekenbetreibers Celesio baut gerade mit seinem Joint-Venture-Partner Medco aus
den USA ein Servicecenter in Berlin
auf. Dort werden spezialisierte Apotheker ab März Patienten mit Asthma,
Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kontaktieren, die zuvor als
Therapiemuffel identifiziert wurden.
„Studien zeigen, dass chronisch
Kranke häufig nicht ausreichend ihre
Therapie befolgen. Das führt zu Folgeerkrankung und allein in Deutschland
zu Folgekosten in Höhe von 10 bis
20 Mrd. Euro jährlich“, sagt Oesterle.
Wenn die Patienten einverstanden
sind, gibt ihre Krankenkasse Big Direkt deshalb künftig die Abrechnungsdaten von Ärzten, Apotheken
und Krankenhäusern an Celesio weiter. Auch ihr Arzt wird Hinweise aus
dem Center bekommen – und den Patient künftig entsprechend beraten, so
die Hoffnung.
Unter Schlagworten wie Managed
Care oder Integrierte Versorgung versuchen Kassen, Ärztenetze und Gesundheitsdienstleister schon seit einigen Jahren, enger zusammenarbeiten
und so effizienter zu werden. Seit 2011
dürfen dabei dank einer Gesetzesänderung auch Pharmakonzerne als direkte Vertragspartner auftreten.
Wie weit die Verbündeten der Zukunft heute aber noch voneinander
entfernt sind, zeigt eine neue Studie
der Managementberatung B-Lue:
Alle Befragten – Ärzte, Kassen, Pharmaindustrie – sehen Berührungsängste und Imagesorgen als eines der
größten Hindernisse. Nur die Ärzte
treibt eines noch mehr um: fehlende
Anreize. Mehr Geld für gesündere Patienten kriegen sie nicht, Einzelverträge mit Krankenkassen erhöhen oft
nur ihren Verwaltungsaufwand.
„Im Moment investieren wir in das
Joint Venture“, sagt Oesterle – ohne
zu sagen, wann der Durchbruch kommen könnte. Sein Geschäftsmodell
beruht darauf, von den Kassen für den
Sparerfolge entlohnt zu werden. Doch
obwohl gerade die eigentlich das
größte Sparinteresse hätten, dächten
sie häufig noch in ihren Kostenarten
und wenig daran, was medizinisch
sinnvoll sei, sagt Günther Illert von
B-Lue. „Hinzu kommt, dass die Kassen
Wenig Durchhaltevermögen
Anteil der Therapie-Abbrecher in %*
Asthma
53
44
Hyperlipidämie
35
Diabetes (Insulin)
30
Depression
30
Bluthochdruck
25
Diabetes (Oral)
Aids
Teamwork am Patienten
könnte so schön sein und
Milliarden sparen – kommt
allerdings viel zu selten vor
17
* laut Studien aus den Jahren 1998 - 2005
FTD/ws; Quelle: Celesio
Angst haben, von der Pharmaindustrie über den Tisch gezogen zu werden, wenn sie ihnen Daten zur Verfügung stellen.“
Ärzte wiederum fürchten um ihre
Therapiehoheit, wenn die Hersteller
plötzlich nicht mehr nur als Arzneilieferanten auftreten, sondern auch als
Dienstleister. Für die ist das neue Gebiet schon deshalb interessant, weil
ihnen hohe Umsätze entgehen, wenn
chronisch Kranke ihre teuren Medikamente nicht einnehmen. „Natürlich
hoffen Pharmakonzerne auch, dass in
den Leitlinien von Programmen festgelegt wird, die eigenen Produkte zu
bevorzugen. Das kann sinnvoll sein.
Man kann dann auch noch über einen
Rabatt verhandeln“, so Illert.
Diesen Weg wollte der Arzneimittelhersteller Janssen-Cilag aber nicht
gehen – und hat I3G gegründet, eine
unabhängige Tochterfirma. Die Managementgesellschaft hat im Oktober
die Versorgung der Schizophreniepatienten der AOK Niedersachsen und
das volle finanzielle Risiko für sie
übernommen. Von der AOK bekommt
sie dafür einen Festsatz pro Kopf.
„Wir wollen auf keinen Fall irgendwelche Präparate von Janssen-Cilag
einbinden“, beteuert I3G-Geschäftsführerin Marlis Richter. Stattdessen
bringt das Unternehmen mithilfe eines regionalen Dienstleisters Ärzte
und Kliniken zusammen, die nach den
Leitlinien psychiatrischer Fachgesellschaften behandeln und miteinander
kooperieren. Zum Angebot gehören
dabei auch Angehörigenbetreuung
und Soziotherapie. Doppeluntersuchungen sollen auf diese Weise vermieden, die ambulante Versorgung
gestärkt werden. Ärzte dokumentieren ihre Behandlungen und werden
auch nach Leistung entlohnt.
Warum die Qualität steigen soll,
obwohl die Kosten sinken: „Nur 40 bis
50 Prozent der Patienten in der Regelversorgung werden sachgerecht the-
Russische Aktionäre
segnen Kali-Fusion ab
rapiert“, sagt Richter. Dies sei ein
Grund dafür, dass viele irgendwann
stationär betreut werden müssten.
„Dabei kann ein Schizophreniepatient, wenn er richtig behandelt wird,
ein relativ normales Leben führen.“
Was ganz einfach klingt, ist es aber
nicht. Gegen den Vertrag zwischen der
Kasse und I3G und die Gefahr kommerzieller Interessen ganz allgemein
wetterte schon die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie
und Nervenheilkunde. Von einer
„Misstrauenskultur auf allen Ebenen“,
spricht Claudia Schrewe, die ein Versorgungsmanagementprojekt bei der
Vereinigten IKK mit entwickelt. „Es
gibt Ressentiments, die es unmöglich
machen, vorurteilsfrei aufeinander zuzugehen“, so Schrewe. Die Kassen hätten das Gefühl, Ärzte und Pharmaindustrie wollten nur Geld verdienen.
Die Industrie wiederum fühle sich von
den Ärzten abgezockt. Trotzdem ist
Berater Illert überzeugt: „In diesem
Jahr werden wir sehen, dass Krankenkassen mit Pharmaunternehmen nicht
mehr nur über Rabatte sprechen.“
FTD-Konferenz
Neue Ideen der Branche werden am 11.
und 12. April in Berlin auf der Konferenz
Gesundheitswirtschaft der FTD
diskutiert. Mehr Informationen unter:
www.ftd-gesundheitswirtschaft.de
FTD-Grafik/Klaas Neumann
Ruth Fend, Hamburg
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5
Die russischen Kaliproduzenten
Uralkali und Silvinit sind bei ihrem geplanten Zusammenschluss
zum Weltmarktzweiten fast am
Ziel. Die Aktionäre Silvinits
stimmten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung mit
90,9 Prozent für die Fusion, wie
Uralkali gestern mitteilte. Erwartet wird, dass der Zusammenschluss noch im Mai unter Dach
und Fach gebracht werden kann.
Kali ist neben Stickstoff und
Phosphat einer der Hauptbestandteile von Düngemitteln. Mit der
Schaffung eines neuen Kaliriesen
erwächst dem Kasseler Konzern
K+S und dem kanadischen Branchenprimus Potash Corporation of
Saskatchewan ein schlagkräftiger
Konkurrent. Architekt der Kalifusion in Russland ist der Milliardär Suleiman Kerimow. Er hatte
2010 zusammen mit Investoren
Kontrollmehrheiten an beiden
Firmen erworben und damit die
Allianz angeschoben. Ministerpräsident Wladimir Putin war
über das Vorhaben informiert.
Ohne Zustimmung des Regierungschefs kommen in Russland
im Rohstoffsektor keine Großfusionen zustande. REUTERS
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