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1 Jesaja 43,1-7 7.7.2013 Was ein Leben wertvoll macht Letzte

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Jesaja 43,1-7
7.7.2013
Was ein Leben wertvoll macht
Letzte Woche ist mir in Facebook eine interessante Frage begegnet: „Wenn du dir selbst begegnen würdest, würdest du dich mögen?“ Würde ich mich mögen, wenn ich mir begegnen würde? Würdest du dich
mögen, wenn du dir begegnen würdest? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich bin mir einerseits
so nahe wie niemand anders, ich kenne mich wie ich wirklich bin. Obwohl, kenne ich mich wirklich? Oder
meine ich, mich zu kennen und mache mir nur etwas vor? Ich versuche mir das konkret vorzustellen. Ich
begegne mir selbst. Heute nach dem Gottesdienst im Foyer. Ich stehe da so rum. Würde ich auf mich zu
gehen? „Hallo, ich sehe sie hier zum ersten Mal. Schön, dass sie da sind.“ - Heuchler! - Wir kommen ins
Gespräch. Bin ich mir sympathisch? Oder suche ich nach einer Möglichkeit, möglichst schnell aus diesem
Gespräch rauszukommen? Interessiere ich mich für mich? Oder bin ich mir uninteressant? Was habe ich mir
zu sagen? - Ich könnte es ja mal am Spiegel probieren und mir morgen früh im Bad begegnen. Oder besser
nicht. Ich schau lieber mal später am Vormittag bei mir vorbei. Für manche fällt bereits am Spiegel die Entscheidung. Mag ich nicht! Andere finden sich, was die Optik angeht, durchaus mögenswert. Aber wie ist das
mit der Art, wie ich bin, mit meinem Charakter? Manchmal geben mir Typen, die ähnlich wie ich getacktet
sind, ziemlich auf die Nerven. Die Frage, die mir da in Facebook gestellt wurde ist gut. Nur, sie ist nicht so
einfach zu beantworten „Wenn du dir selbst begegnen würdest, würdest du dich mögen?“ Würdest du dich
mögen? Vielleicht sagst du voller Überzeugung: Ja, klar! Oder geht es dir wie mir: „Ich bin mir nicht so sicher.“ Oder du sagst: „Auf keinen Fall, ich kann diesen Menschen nicht ausstehen!“
Wer entscheidet, ob ich mögenswert oder vielleicht sogar liebenswert bin? Ich selbst? Oder lasse ich andere darüber entscheiden? Wen? Wer darf entscheiden? Auf wessen Urteil verlasse ich mich? Letztlich geht
es um die Frage nach meinem Selbstwert. Wer definiert meinen Selbstwert? Mache ich meinen Selbstwert
daran fest, wie andere mir begegnen, ob sie mich mögen oder nicht. Oder bin ich von mir so überzeugt,
dass mir das Urteil der anderen gleichgültig ist? Aber was ist, wenn ich mir plötzlich selbst begegne? - Ich
drehe mich mit meinen Gedanken im Kreis. Ich brauche eine andere Perspektive auf mich? Wie sieht mich
Gott? Diese Perspektive ist wirklich objektiv. Ich will mich von dieser Sicht aus betrachten. Wie sieht mich
Gott? Denn diesem Urteil werde ich mich ohnehin einmal am Ende meines Lebens stellen müssen. Also
warum nicht gleich fragen: Gott, wie siehst du mich? Der Predigttext für diesen Sonntag hat mich auf diese
Sichtweise gebracht. Wie sieht mich Gott? Es ist das sehr bekannte Wort aus Jesaja 43,1-7.
1 Aber jetzt, so spricht der HERR, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte
dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
2 Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten.
Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen.
3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, ich, der Heilige Israels, dein Retter. Ich gebe Ägypten als Lösegeld für
dich, Kusch und Seba an deiner Stelle.
4 Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen hin
an deiner Stelle und Völkerschaften anstelle deines Lebens.
5 Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Vom Sonnenaufgang her werde ich deine Nachkommen bringen, und vom Sonnenuntergang her werde ich dich sammeln.
6 Ich werde zum Norden sagen: Gib her!, und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring meine Söhne von fern
her und meine Töchter vom Ende der Erde,
7 jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet, ja,
gemacht habe!
Das klingt doch gut! In Gottes Augen bin ich wertvoll. Gott liebt mich. Aber Vorsicht. Wer ist hier angesprochen? Gott meint mich doch gar nicht. Gott spricht hier zu seinem Volk. Gott spricht zu Israel. Wie komme
ich dazu, das auf mich zu beziehen? Wir müssen die biblischen Texte schon ernst nehmen und so lesen, wie
sie gemeint sind. Und hier bin ich nicht gemeint. Und überhaupt, ich glaube, wir lesen die Bibel selektiv. Wir
1
lesen das, was uns gefällt und gut tut. Warum suche ich mir solche Zusagen und lese sie wie selbstverständlich für mich? Vielleicht sieht mich Gott eher so?
Wie wagst du denn zu sagen: Ich bin nicht unrein, (ich bin in Ordnung.) Sieh doch, wie du es treibst im
Tal, und bedenke, was du getan hast! Du läufst umher wie eine Kamelstute in der Brunst, wie eine Wildeselin in der Wüste, wenn sie vor großer Brunst lechzt und läuft, dass niemand sie aufhalten kann. Wer
sie haben will, muss nicht weit laufen; er trifft sie bald in dieser Zeit.
Das ist ein krasses Bild, das Gott hier seinem Volk entgegen hält. Wie eine brünstige Kamelstute laufen sie
den Göttern hinterher und bietet sich ihnen an. Heute würde Gott sagen, du läufst dem Konsum hinterher
wie eine brünstige Kamelstute und dem Zeitgeist, dem was man heute so macht, wie eine Wildeselin in der
Brunst.
Komisch, so ein Wort wie in Jeremia 2 würde ich mir nie aussuchen. Da suche ich mir lieber die schönen
fettgedruckten Stellen, wie z.B. Jesaja 43. Die Frage war ja, woher nehme ich ein verlässliches Urteil für
mich? Ich selbst kann es mir nicht geben. Das Urteil anderer ist nicht objektiv. Also wende ich mich an Gott
und frage in seinem Wort. Aber hier lauert die Gefahr, dass ich mir die Worte raussuche, die mich bestätigen, die mir gut tun. Dagegen hilft, wenn wir auf das Ganze schauen, wenn wir uns nicht auf ein paar wenige Bibelstellen berufen, sondern fragen: Wie geht Gott mit seinem Volk um? Wir müssen Texte in ihrem
Kontext betrachten und das ergibt ein sehr interessantes Bild.
Wir fragen also, wie sieht Gott sein Volk? Der kleine Auszug aus Jeremia 2 gibt da einen sehr krassen Eindruck von dem, wie Gott sein Volk sieht. Hier spricht ein enttäuschter, ein gedemütigter Gott. Gott schildert
in Jeremia 2, was er seinem Volk Gutes getan hat. Aber sie waren undankbar, störrisch. Sie hielten sich an
Dingen fest, die ihnen nichts nützen. Aber den lebendigen Gott haben sie links liegen lassen. Andere Götter
waren für sie interessanter. Sie sind schuldig geworden. Die Schuld klebt an ihnen wie Schmutz. Unmittelbar vor unserem Text, in Jesaja 42 urteilt Gott:
18 Hört, ihr Tauben! Und ihr Blinden, schaut her, um zu sehen!
19 Wer ist blind, wenn nicht mein Knecht, und taub, wenn nicht mein Bote, den ich sende?
20 Er hat vieles gesehen, aber es nicht beachtet, hat offene Ohren, aber hört nicht.
Das kommt mir sehr bekannt vor. Das kenne ich auch. Ich habe viel gesehen in Gottes Wort. Ich weiß viel.
Ich weiß, was nach Gottes Wort zu tun ist. Ich weiß, was richtig ist. Aber ich beachte es nicht. Ich richte
mich nicht danach. Wir hören viel. Wir können jeden Sonntag eine Predigt hören. Wir hören im Hauskreis
und im Bibelgesprächskreis. Wir haben offene Ohren, aber hören wir wirklich? Was davon leben wir? Tun
wir das, was wir hören? Ich entdecke mich in dieser Beobachtung Gottes. So sieht Gott sein Volk. Und Gott
sieht die Folgen:
22 Doch ist es jetzt noch ein beraubtes und ausgeplündertes Volk. Sie sind allesamt in Löchern gefesselt,
und in Kerkern werden sie versteckt gehalten. Sie sind zur Beute geworden, und da ist kein Erretter, zur
Plünderung, und niemand sagt: Gib wieder her!
Gott hat sich von seinem Volk zurückgezogen. Er hat es sich selbst überlassen. Und dann sind die anderen
Mächte über das Volk hergefallen. Sie haben Jerusalem zerstört und die Einwohner des Landes nach Babylon verschleppt. Dort in Babylon als es zu spät war, fragen sie:
24 Wer hat Jakob der Plünderung preisgegeben und Israel den Räubern? Nicht der HERR, gegen den wir
gesündigt haben? Und sie wollten nicht auf seinen Wegen gehen und hörten nicht auf sein Gesetz.
25 Da hat er die Glut seines Zornes und die Gewalt des Krieges über es ausgegossen. Und er hat es ringsum versengt, aber es kommt nicht zur Erkenntnis, und er hat es in Brand gesteckt, aber es nimmt es nicht
zu Herzen. Jesaja 45,18-25
Die letzten Sätze stellen ein vernichtendes Urteil aus. Gott hat sein Volk durch das Feuer des Gerichts ringsum versengt, aber es kommt nicht zur Erkenntnis. Er hat es in Brand gesteckt, aber es nimmt es nicht zu
Herzen. So sieht Gott sei Volk. Wie geht nun Gott mit seinem Volk mit solchen unverbesserlichen Sündern
um? Was macht Gott mit notorischen Sündern, die sich einfach nicht ändern? Er spricht ein Machtwort. So
kann es nicht weitergehen! In Kapitel 43 spricht Gott sein Machtwort, wir haben es schon gehört. Aber auf
diesem Hintergrund von Kapitel 42 hört es sich etwas anders an:
2
Aber jetzt, so spricht der HERR, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich
nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
Aber jetzt … aber jetzt ist Schluss! Das wäre die normale angemessene Reaktion. Jetzt ist Schluss! Irgendwann ist Schluss. Das ist die menschliche Reaktion. Gut, dass Gott kein Mensch ist. Gott reagiert ganz anders. Gott spricht ein Machtwort, aber ein ganz anderes. Hier geht es um Neuschöpfung. Gott schafft sein
Volk neu. In Babylon war das Israel faktisch tot. Es hatte aufgehört zu existieren. Aber Gott ruft den Namen
dieses Volkes, und es erwacht zu einem neuen Leben. Etwas Ähnliches hatte Jesus am Grab von Lazarus
gemacht. Lazarus war vier Tage tot, richtig tot. (Joh 11) Und Jesus rief Lazarus bei seinem Namen: Lazarus,
komm heraus! Und Lazarus kam heraus. So erweckt Gott sein Volk zu neuem Leben. Mehr noch, er erschafft es neu. Anders geht es nicht. Gott schafft sich also hier sein Volk neu. So ist Erlösung. Erlösung bedeutet Neuschöpfung.
Diese Sätze in Jesaja 43 sind Worte an Israel. Wir dürfen diese Worte nicht einfach auf uns beziehen. Gott
spricht hier zu seinem Volk, zu seinem Volk in Babylon. Und die Verheißungen gelten seinem Volk, Israel.
Wir dürfen das also nicht vorschnell auf uns beziehen. Aber wir können hier sehr schön beobachten, wie
Gott mit seinem Volk umgeht. Wir können hier sehen, wie Gott mit unverbesserlichen Sündern umgeht.
Das Gericht und die Strafe haben letztlich nicht viel bewirkt. Es kommt nicht zur Erkenntnis, es nimmt sich
nichts zu Herzen, so lautet das Fazit in Kapitel 42. So bleibt Gott nur noch eine Möglichkeit: Neuschöpfung.
Im Prinzip gilt das auch für uns. Ich denke an Jesus, der zu Nikodemus sagte: Joh 3,3 Wenn jemand nicht
von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Menschliches kann nie zu Gott. Menschliches passt nicht zu Gott. Gott muss uns durch seinen Geist neu machen. Die Geschichte Gottes mit seinem
Volk ist das Vorbild dafür. Er hat sein Volk aus Babylon gerufen. Es wurde wieder zu einem Volk.
Aber bis dieses Volk endgültig erlöst und neu geschaffen ist, ist noch ein langer Weg. Auf diesem Weg wird
Gott sein Volk bewahren: 2 Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden
dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird
dich nicht verbrennen. 3 Denn ich bin der HERR, dein Gott,ich, der Heilige Israels, dein Retter. Israel ist
durch die Jahrhunderte hindurch bis heute ein bedrohtes Volk. Zu allen Zeiten gab es feindliche Völker, die
Israel vernichten wollten. Israel ging durch das Feuer des Holocaust. Millionen Juden starben. Als Ganzes,
als Volk jedoch wurde es nicht vernichtet. Gott steht zu seinen Zusagen. Auch das können wir hier beobachten. Gott achtet auf sein Eigentum. Das bedeutet nicht, dass er es vor Gefahren bewahrt. Bis heute ist Israel
gefährdet. Aber es wird nicht vernichtet werden. Kein Volk dieser Welt, keine Macht, wird dieses kleine
Volk auslöschen können. Denn der Herr, der Retter Israels achtet auf sein Volk. Israel ist für uns ein lebendiges Beispiel dafür, wie Gott auf sein Eigentum achtet. Es wird nicht aus der Gefahr herausgenommen,
Wasser und Feuer stehen für existenzielle Gefahren, aber es wird in der Gefahr bewahrt. Es wird nicht untergehen, es wird nicht verbrennen. Denn Israel hat einen Retter.
Hier steht im Hebräischen eine Andeutung auf den Namen Jesus. Der Herr, dein Retter heißt: Jehoschua.
Die Kurzfassung lautet: Jesus. Jesus ist der Retter. Und spätestens hier wird deutlich, dass wir es bei diesem
Text mit einer Typologie auf Jesus Christus zu tun haben. So wie Gott damals mit seinem Volk in Babylon
umgegangen ist, so hat er es mit Jesus Christus für die ganze Welt getan. Ich gebe Ägypten als Lösegeld für
dich, Kusch und Seba an deiner Stelle. 4 Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich
dich lieb habe, so gebe ich Menschen hin an deiner Stelle und Völkerschaften anstelle deines Lebens.
Damals war es so, dass der neue Herrscher, der persische König Kyrus, Israel freigelassen hat. Dafür hat er
sich Ägypten, Kusch und Seba einverleibt. Das war nicht Politik – hier hat Gott gehandelt. Denn was bewegt
einen Machthaber dazu, ein kleines unbedeutendes Volk in die Freiheit zu entlassen und sich dafür andere
Nationen zu erobern? Gott hat sozusagen sein Volk freigekauft. Er hat mit anderen Völkern bezahlt. Bei
Jesus war es im Prinzip nicht anders. Nur dass nicht Menschen geopfert wurden, sondern er sich selbst geopfert hat. In Markus 10,45 hören wir Jesus sagen: Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um anderen zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele Menschen hinzugeben.
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Warum macht Gott das? Warum kaufte Gott damals sein Volk frei? Sie hatten ihn ignoriert. Sie waren taub
für seine Worte. Sie waren blind. Sie haben nicht gesehen, was er für sie Gutes getan hat. Stattdessen sind
sie anderen Göttern nachgelaufen. Und wie schon vorhin erwähnt, können wir uns hier auch wiederfinden.
Wir sind blind für das, was Gott uns geben möchten. Dafür suchen wir woanders nach Erfüllung. Wir sind
taub für seine Worte und leben doch so, wie es uns gefällt. Wir sind wie Israel unverbesserliche Sünder.
Was macht Gott mit unverbesserlichen Sündern? Er erlöst sie. Er opfert seinen Sohn, damit sie leben können. Warum macht er das? Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich lieb habe.
Dieses widerspenstige Volk ist in Gottes Augen wertvoll. So sieht Gott sein Volk. Obwohl es so ist, wie es ist,
in seinen Augen ist es wertvoll. Logisch ist das nicht. Ich kann mir das nur erklären, wie bei einem Sammler.
Ich sammle z.B. alte Landkarten. Wenn jemand seinen Dachboden aufräumt und dabei auf eine alte AralStraßenkarte aus den 50er Jahren stößt, dann wird er sie in Papiertonne werfen. „Altes Zeug! Was will ich
damit?“ Nutzlos! Für mich als Sammler ist diese alte Straßenkarte wertvoll, ein Liebhaberstück. So stelle ich
mir Gott vor. In seinen Augen sind wir wertvoll. So wertvoll, dass er für uns mit Leben seines Sohnes bezahlt
hat. Ich würde für so eine alte Landkarte kein Geld ausgeben. Für eine aus dem 19. Jahrhundert und älter
schon. Aber wir sind für Gott so wertvoll, dass er seinen Sohn für uns gegeben hat.
Logisch ist das nicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass an Israel nichts Liebenswertes ist. Sie sind taub
und blind, störrisch, undankbar. Sie sündigen. Und trotzdem liebt Gott dieses Volk. Es liegt also nicht am
Volk, weshalb Gott so mit ihnen umgeht. Es ist einfach nur Liebe. Hier hören alle Versuche auf, das zu erklären. Hier kommt die Theologie an ihre Grenzen. Gott liebt sein Volk. Und in Vers 7 wird diese Liebe ausgeweitet auf alle, die nach seinem Namen genannt sind. Jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den
ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet, ja, gemacht habe! Jeder, der durch Gottes Geist neu geschaffen wurde, der darf sich sicher sein, dass Gott ihn liebt, bedingungslos.
Wo nehme ich meinen Wert her? Wenn ich mich mit eigenen Augen sehe, könnte ich an mir zweifeln. Ich
weiß nicht, ob ich mich mögen würde, wenn ich mir begegnen würde. Aber in den Augen Gottes bin ich
wertvoll und geliebt. Nicht, weil ich so toll bin oder weil ich in mir einen Wert habe, der für Gott wertvoll
sein könnte. Nein, ich habe für Gott zunächst keinen Nutzen. Er liebt mich nicht, weil ich ihm irgendwie
nützlich sein könnte. Gott liebt mich, einfach so. Und sie auch.
Amen.
Reinhard Reitenspieß
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