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Da braut sich was zusammen – Christine Weger und die Brause

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Da braut sich was zusammen –
Christine Weger und die Brause
Ostheim v.d. Rhön – Bier wird von Männern gebraut. Das ist nicht nur eine weit verbreitete
Vorstellung aufgrund der Geschichte des Bieres. Diese wird häufig mit Klosterbrauereien
verbunden, in denen ein Abt am Kessel steht. Auch die aktuellen Zahlen sprechen für das Bild
einer Männerdomäne: Von gut 7.000 Vertretern der Zunft waren im Jahr 2009 gerade einmal
5,5 Prozent weiblich1. Eine Frau scheint in die Brauer-Welt nicht zu passen – außer als die
nette Dame, die ein frisch Gezapftes in der Kneipe serviert. Diese Vermutung wird ebenfalls
durch Zahlen untermauert: In Deutschland sind im Schnitt 69 Prozent der Bedienungen
weiblich2. Wen es um die Braukunst geht, bleiben die Männer aktuell also meist unter sich.
Meist. Wenn nicht gerade Christine Weger dabei ist. Die junge Frau ist die einzige weibliche
Auszubildende im Sudhaus bei BIONADE, wo sie lernt, sowohl Bier als auch das gleichnamige
Erfrischungsgetränk zu brauen. Und sie ist eine von nur 37 Azubinen der Branche
Deutschlandweit. Damit tummelten sich im Jahr 2009 unter den 609 Brauer-Auszubildenden
nur etwa sechs Prozent Frauen3. Und die haben es nicht immer leicht.
Öffentliche
Stellen
achten
auf
Gleichberechtigung
Im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit
ist zu lesen, dass „Brauer/in und Mälzer/in
i[…] ein anerkannter Ausbildungsberuf nach
dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der
Handwerksordnung (HwO) [ist].“ Öffentliche
Stellen formulieren die Berufsbezeichnung
in männlicher und weiblicher Form. In WebForen
zum
Brauen,
auf
Sites
von
Interessengruppen zur Branche oder bei
Fachvertretungen ist das weit seltener der
Fall – ebenso wird das Berufsbild selten mit
Frauen bebildert. Die Zunft scheint sich
nachwievor
als
Männervereinigung
zu
verstehen. Diese Erfahrung hat auch Christine Weger bei dem Versuch gemacht, nach einem
1
2
3
Quelle: Statistisches Bundesamt , Jahrbuch für Statistik 2009
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Quelle: www.dihk.de
Praktikum in einer Klosterbrauerei eine Ausbildungsstelle zu finden. Bundesweit hat sie nach
einer Stelle gesucht – ihr Zuhause hätte sie für ihren Traumberuf verlassen, aber keine
Anstellung war in Aussicht. An die 100 Bewerbungen hat sie geschrieben. „Natürlich sagt
einem keiner ins Gesicht: Wir nehmen dich nicht, weil du ein Mädchen bist. Aber…“, sie zuckt
mit den Schultern und zieht die Augenbrauen hoch. Ein einziges Bewerbungsgespräch hat
stattgefunden, die Stelle hat sie nicht bekommen. Eher durch Zufall ist Christine bei BIONADE
gelandet und mehr als glücklich darüber. Hier fühlt sie sich respektiert. Sie weiß, dass sie ihren
Job gut macht und glaubt nachwievor daran, dass Männer und Frauen gleichsam fähig sind,
Getränke zu brauen. Die Aufgaben eines Brauers/einer Brauerin machen dies zumindest nicht
unmöglich. Brauer/innen gewinnen meist aus Gerste Malz, das klassischer Weise anschließend
mit Wasser, Hopfen und Hefe zu Bier gebraut wird. Viele der Arbeitsschritte passieren heute
vollautomatisiert – vom Befüllen der Kessel bis hin zur Steuerung der Abfüllanlage. Schon
deshalb sind Männer nicht die besseren Brauer als Frauen oder umgekehrt. Auch der
körperliche Einsatz bringt eine Brauerin nicht an ihre Grenzen, selbst in einem handwerklich
arbeitenden Unternehmen wie BIONADE: „Ich stehe gerne im Kessel und schrubbe ihn“, freut
sich die zierliche Frau, die es genießt, wenn es etwas anzupacken gilt. Die Kesselbefüllung
passiert bei BIONADE noch manuell und Christine gibt zu: „Dieser Arbeitsschritt ist wirklich
anstrengend. Da muss ich genauso ran wie die anderen, einen ‚Mädchenbonus‘ gibt bei uns
nicht – ich würde aber auch nicht wollen, dass da auf mich Rücksicht genommen wird, weil ich
eine Frau bin“, unterstreicht sie. Das mag Stephan Kowalsky, Geschäftsführer Technik und
Logistik bei BIONADE, an Christine: Ihren Einsatz, ihre Leidenschaft für das Brauen. Er ist
überzeugt: „Eine bunt gemischte Belegschaft bereichert uns – egal ob jung oder alt, Mann oder
Frau…es geht um die Vielfalt, um neue Ideen. Und da passt Christine mit ihren 19 Jahren super
zu uns“, freut sich der Stiefsohn des BIONADE-Erfinders Dieter Leipold über seine Azubine.
Ergebnisse dieser Personalpolitik sind: Im Unternehmen arbeiten etwa 50 Prozent Männer und
50 Prozent Frauen – selbst auf der Führungsebene sind etwa 33 Prozent Frauen vertreten.
Damit liegt das Unternehmen über dem Durchschnitt – meist sind circa 25 Prozent der
Führungskräfte eines Unternehmens weiblich – dennoch bleiben Frauen in der Brauzunft eine
Seltenheit.
Bei BIONADE steht auch eine Frau am Kessel
Christine Weger hat es also per se in der Branche als Frau nicht leicht. Nun kommt noch dazu,
dass sie nicht nur Bier braut – das kann sie auch, tut es jedoch eher selten. Sie beschäftigt
sich täglich mit
BIONADE, einem alkoholfreien Erfrischungsgetränk. Bei diesem ganz
speziellen Brauprozess wird der Malzzucker nicht durch Hefe in Alkohol umgewandelt, sondern
Gluconsäurebakterien verwandeln den Zucker ganz ohne die Entstehung von Alkohol.
Stattessen entwickelt sich Gluconsäure, die dem Getränk u.a. den typisch herb-säuerlichen
Geschmack verleiht. Im Grunde macht Christine Weger also zwei Ausbildungen: die klassische,
um Bier brauen zu können, und die spezielle, um dieses einmalige Erfrischungsgetränk zu
brauen – wobei letztere auf der Berufsschule keine Rolle spielt. Dort ist Christine Weger viel
wichtiger, dass sie in ihrer Klasse nicht die einzige Frau ist: „Ich bin schon glücklich, dass ich in
meiner Berufsschulklasse tatsächlich eine Mitstreiterin habe“, gibt die Pionierin zu. Was ihr im
Unternehmen das Wissen um eine Seniorchefin an Rückhalt gibt, bedeutet ihr die Mitschülerin
auf der Berufsschule – zumal die Auszubildende auf ein Brau-Internat geht und hier im
Blockunterricht gleich für zwei bis drei Wochen dem Unternehmen fern bleibt und dort für
insgesamt zehn Wochen im Jahr in die Männerdomäne abtaucht. Nicht nur die Auszubildenden
sind größtenteils männlich, in diesem Jahr gibt es auch keine einzige Lehrerin. Vorbilder, denen
die jungen Brauerinnen nacheifern können, sind rar. Welche Zukunft haben so mutige Frauen
wie Christine? Es gibt hier und da motivierende Beispiele: Eine Brauerei in Ostwestfalen wird
von drei Frauen – Mutter und zwei Töchter – geführt, in Nürnberg übernimmt einer junge
Brauerin mit nur 32 Jahren bereits den Familienbetrieb. Insgesamt stagniert die Zahl der
Brauerinnen in Deutschland seit zehn Jahren bei etwa 6 Prozent – wenn sich durch solch
positive Beispiele in Zukunft mehr Frauen für dieses Handwerk entscheiden, wird es sicher
auch zahlreiche Braumeisterinnen geben, wie in früheren Zeiten.
Einst war das Brauen Frauensache
Was heute fast ausschließlich Männern zugestanden wird, war vor langer, langer Zeit den
Frauen vorbehalten. Schon bei den Germanen war das Brauen Frauensache und gehörte zu
den häuslichen Aufgaben. Im frühen Mittelalter standen überwiegend Frauen in den
Brauhäusern an den Kesseln und es war auch kein männliches Klostermitglied, das sich zuerst
schriftlich
mit
dem
Bier
befasste.
Es
war
eine
Benediktinerin,
die
um
die
erste
Jahrtausendwende lebte und vielen Menschen wenigstens vom Namen bekannt ist: Hildegard
von Bingen. Sie erkundete sich als Naturforscherin und Ärztin unter anderem das Brauen und
die Wirkung von Bier. Mitte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich die Geschlechterverteilung, da
neue Brauverfahren das Getränk länger haltbar machen konnten und das kontinuierliche
Brauen im eigenen Haushalt nicht mehr von Nöten war – bis heute hat sich daran nicht viel
geändert. Doch die Geschichte des Brauens hat Christine Weger nicht abgehalten – eigentlich
hat sie sie noch angespornt: „Ja, manchmal muss ich mir wegen meiner Berufswahl blöde
Sprüche anhören. Aber das ist mir egal, denn ich mache meinen Traumjob in einem super
Unternehmen. Was will ich mehr?“. Auch diese Frage kann sie im Grunde schon beantworten:
Noch lange bei BIONADE arbeiten.
Kontakt:
Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit BIONADE GmbH
T +49 9777 9 10 19 99
M +49 176 16 10 10 10
F +49 9777 9 10 19 98
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