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Predigt: Was ist ein Christ?
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,
Was, so fragte vor einigen Jahren ein Kollege , Schwabe wie ich, seine Konfis, „was isch a Chrischt“und sofort meldete sich Robby, einer aus der Gruppe, der bis dahin nie etwas freiwillig von sich
gegeben hatte. Seine Eltern hatten ein Gipsergeschäft.
Und Robby sagte dann wie aus der Pistole geschossen:
„A Grischt, des send 4 Stanga ond a Brett.“
Der Pfarrer war zunächst ziemlich verdutzt und im Unterrichtsraum brach schallendes Gelächter aus.
„O je, jetzt sagt der Robby einmal was und langt gleich so daneben.“
Doch Sekunden später waren es die anderen Konfis, die ziemlich vedutzt waren.
Da sagte dann nämlich der Pfarrer ganz ernst: „Super, Robby, du hast recht.“ 4 Stangen und ein Brett,
das ist ein super Bild, ein Symbol für einen Menschen der sich als Christ versteht.“
Wie das ?
Um das zu veranschaulichen und nicht als Vorschlag wie eine neue flexible Kanzel aussehen könnte,
steh ich hier auf diesem Gerüst.
Jetzt aber noch einmal die Frage, was hat dieses Gerüst mit einem Menschen zu tun, der sich Christ
nennt?
Zunächst ein paar Gedanken zu diesem Brett, auf dem ich jetzt sitze.
Das ist für mich ein Bild für jeden einzelnen Christen, nicht etwa, weil Christen ein Brett vor dem Kopf
haben und nicht blicken um was es wirklich geht im Leben,
nein, vielmehr, weil Christenmenschen sich dadurch auszeichnen, dass sie getragen werden in ihrem
Leben, dass es da ganz feste Stützen/Stangen gibt, auf die sie sich verlassen können.
Als ich noch jung war, nicht mehr ganz so jung wie ihr aber deutlich jünger als jetzt, hab ich
mal ein Jahr im Ausland, in Edinburgh studiert.
Ich kannte dort fast niemanden. Ganz viel was bis dahin wichtig war für mich, Freunde, Familie,
vertraute Sprache, vertraute Umgebung war nicht mehr.
Es ging mir da in den ersten Wochen nicht immer gut. Und doch: Ich hatte immer wieder das
Gefühl: Hey, du wirst getragen. Und weil das so ist, deshalb kann ich dann auch, so wie dieses Brett,
anderen Halt geben, weil das so ist kann ich ein Mensch sein, auf den sich andere verlassen können
und etwas dafür tun, damit, die die wackelig auf den Beinen sind, bei mir Halt finden.
„A Grischt - 4 Stanga ond a Brett“
Jetzt aber zu den 4 Stangen:
Die erste Stange will ich in Verbindung bringen mit dem Vertrauen in Gott.
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Ihr Konfis sagt heute Ja zu einem Gott , der zu euch steht, dem ihr wichtig seid. Wenn ihr euer Leben
wirklich heute und immer wieder auf diese tragende Stütze aufbaut, dann gilt für euch wirklich
und noch viel mehr als für alle Fussballfans: You never walk alone.
Und ich glaube, dass ihr das auch immer wieder brauchen werdet:
Kürzlich hat mir einer mit Tränen in den Augen erzählt: Wenn’s auch in der Schule nicht so läuft, bisher
dachte ich immer: im Sport, in der Leichtathletik da hab ich meinen Platz, da bin ich richtig gut drauf.
Und jetzt?
Jetzt hat mir der Trainer vor dem ersten Wettkampf in der neuen Saison gesagt: Du bist diesmal nicht
dabei, des was du im Training zeigsch reicht nicht.
Bitter, so was. Aber es kommt vor.
Aber das Entscheidende in solchen Situationen ist ja: Wie geh ich damit um?
Was kommt nach der Enttäuschung?
Reagier ich agressiv im sinne von der kann mich mal, no steck ich’s halt oder depressiv im
Sinne von Ich kann ja eh nix.
Oder meldet sich in mir grad in so einer Situation das Wissen You never walk alone. Und ich weiß
ich kann weitermachen, weil da einer ist der zu mir steht, ganz gleich wie meine Trainings- oder
sonstigen Leistungen sind.
Gott sagt: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen
gerufen, du bist mein
Ich komme zur zweiten Stange, zur zweiten Stütze, die uns Christen trägt: es sind andere
Menschen, mit denen wir als Christen in einer Gemeinde verbunden sind.
Ich erinnere mich noch an einen Mittwochnachmittag während des vergangenen Konfirmandenjahres.
Da war eine von euch, ziemlich fertig und hat geweint.
Aber und das fand ich toll: Sie stand nicht alleine da, es waren andere da, die haben sie getröstet.
Und das, genau das , bedeutet es eben auch als Christ/ Christin zu leben: Nicht alleine dastehen und
einen anderen nicht alleine dastehen lassen.
Wissen Sie, liebe Gemeinde, (und ich frag jetzt Sie nicht euch, weil ihr wisst’s eh), wissen Sie
was ein MOF ist?
…..
Ein MOF ist ein M ensch O hne F reunde.
Ja, das gibt’s und das ist ziemlich bitter.
Wozu das im ganz ganz extremen Fall führen kann, wenn man ein MOF ist, das haben wir vor
kurzem auf furchtbare Weise in Winnenden und Wendlingen erfahren.
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Wenn wir unser Christsein ernst nehmen, dann darfs unter uns eigentlich keine MOFs geben. Klar
gibt’s komische Typen, aber wenn wir als Christen versuchen, jeden Einzelnen mit den Augen der
Liebe anzuschauen, und in jedem das Gute, das Besondere zu sehen, was Gott ihm/ ihr mitgegeben
hat. Ich glaube dann sind wir unterwegs zu einer MOF freien oder man könnte auch sagen
besseren, liebevolleren Welt.
Und jetzt noch eins in diesem Zusammenhang: Wenn ich euch so anschaue, dann weiß ich bei einigen
von euch, dass eure Grosseltern (und auch eure Eltern) ganz regelmässig für euch beten, dass es da
Menschen gibt, die vor Gott an euch denken, auch das zählt zu der Stütze, durch die euch andere
Menschen tragen Und ich hoffe sehr und wünsche mir und euch, dass ihr einen Platz findet in der
Gemeinschaft, in der das Gesetz Christi gilt, das heißt: Ein jeder trage die Last des anderen.
Und da könnt ihr übrigens auch ganz direkt was dazu beitragen: z.B. wenn der, der nie in den
Urlaub kann, weil’s einfach nicht drin ist, mal mit darf mit jemand anderem oder, dass wir wenn wir
am 2.+3. Mai auf Abenteuerwochenende miteinander gehen, dass wir uns da gegenseitig sichern und
halten. z.B an der 10 m hohen Bungeeschaukel.
Ich komme zu der dritten Stange, die euch und sie und mich trägt:
Es ist die Kraft der Vergebung:
Dass ihr ( ob ihr sie jetzt gut findet oder nicht) mit Rihanna in einem ihrer neuesten Hits umfassend
bekennt: Good girl gone bad – also ein gutes Kind ist zu einem schlechten geworden glaub ich
nicht, und das ist auch nicht nötig.
Aber ich glaube es gibt auch in eurem Leben jetzt schon Menschen, zu denen habt ihr kein gutes
Verhältnis. Da wechselt ihr wenn’s noch rechtzeitig geht die Straßenseite wenn ihr die seht im
Städtle oder sonst wo.
Mir ging das in eurem Alter mit unserer damals noch ganz jungen Bio Lehrerein so. Zu der
waren wir gar nicht nett. Wir haben zwar nicht eulenähnliche Geräusche von uns gegeben wie’s
manchmal im Konfi der Fall war, aber wir haben, immer wenn sie sich umgedreht hat gekräht wie
ein ganzer Stall voll Gockel und Hennen (ich machs jetzt nicht vor!?)
Und die gute Frau Lebram hat das echt fertig gemacht. Ich glaub sie war zeitweise so weit, dass sie
ihren Job als Lehrerin am liebsten an den Nagel gehängt hätte.
Ich wusste das und immer wenn ich sie allein irgendwo gesehen hab, dann hatte ich ein
schlechtes Gewissen.
Irgendwann, ich glaub es war in der 12. Klasse - das Krähen hatte ich inzwischen eingestellt waren wir als Bio Grundkurs bei Frau Lebram eingeladen.
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Das was war, hab ich immer noch mit mir rumgetragen. Erst wollt ich gar nicht hingehn. Aber
dann bin ich doch gegangen. Und dann hab ich sogar gesagt, dass das damals nicht in Ordnung
war.
Und dann hat sie zu mir gesagt:
Wir müssen einander die Sachen doch nicht ewig nachtragen. Wir sind doch Christen.
Wir sind doch Christen.
Dass ihr das wisst und dass ihr einander die Sachen nicht ewig nachtragen müsst, sondern, dass ihr
erfahrt: da ist einer, der uns das was belastet abnimmt, da ist einer, der gibt mir die Kraft, auch Fehler
zuzugeben, und zu anderen auch mal zu sagen: Hey, das war nicht in Ordnung, was ich da gemacht
hab, das wünsch ich euch und das ist die dritte Stange auf die ihr euer Leben aufbauen könnt.
Ich komme jetzt zur letzten, zur 4. Stange, die dieses Brett trägt.
Es ist die Hoffnung, die weiter und viel mehr sieht, als das, was vor Augen ist.
Manche von euch kennen vielleicht das Bilderbuch die kleine Raupe Nimmersatt.
Und wenn das für euch auch Babykram ist, dann bitte ich euch doch nochmal wenigstens ganz kurz und
mir zu liebe , euch daran zu erinnern:
Da ist ja diese kleine, mehr oder weniger schöne Raupe, die sich durch alle möglichen Dinge
durchfrißt . und irgendwann als sie dann pappsatt und ziemlich fett geworden ist spinnt sie sich in einen
großen braunen, eher ziemlich hässlichen Kokon ein.
Aber, nach einiger Zeit schlüpft aus dem hässlichen Kokon etwas heraus, etwas, was man nie und
nimmer drin vermutet hätte :
Ein wunderschöner Schmetterling.
Und diese Geschichte, die beschreibt ziemlich genau unsere Situation als Christen:
Es läuft ja nicht immer alles super. Und gerade in eurem Alter frisst man sich ja durch so manches
durch, was einem nachher manchmal schwer im Magen liegt. Und auch vor dem Spiegel brecht ihr
zwar hoffentlich manchmal, aber eben nicht immer in Jubelarien aus.
Und dann gibt es sicher auch Zeiten, da schließt ihr euch in eurem Zimmer ein und wollt niemand mehr
sehen oder hören, so wie sich die kleine Raupe in ihr Kokon eingesponnen hat.
Aber und das ist das tolle , das, was soviel Hoffnung macht: in euch allen steckt ein wunderschöner
Schmetterling.
Und, das ist noch besser: Gott weiß um eure super-strahlenden Farben und um eure Sehnsucht, frei
herumzufliegen, selbst dann wenn ihr das Gefühl habt, in einem dunklen Loch festzusitzen. Und
irgendwann, das ist Gottes Versprechen, wird das so sein!
Und wißt ihr manchmal ist es einfach nötig zu warten, zu warten mit dem Wissen und dem Versprechen
Gottes: ja, wenn es jetzt auch gerade nicht so läuft, es kommt noch was.
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Hier auf dieser Erde und drüber hinaus.
Ich weiß, dass ich da jetzt von mindestens ¾ der hier versammelten Prügel krieg, aber ich sags
trotzdem.
Mir ist da der FC Bayern mit meinem seit 20 Jahren ganz persönl. Liebling Jürgen Klinsmann
eingefallen.
Da liefs ja in dieser Saison schon zweimal gar nicht.
Und dann kam aber doch noch was
Und vielleicht kommt ja sogar noch was Großes gegen Barca am 8. +14. April. Schau mer mal…
Jedenfalls ist es oft im Leben gut, wenn wir warten können und nicht gleich durchdrehen, wenn
was nicht so läuft. Auch weil wir wissen dürfen: da kommt noch was. Soviel also zur Kraft der
Hoffnung, zur 4. Stütze.
Was isch a Chrischt?
4 Stanga ond a Brett
oder anders ausgedrückt:
Ein Mensch, der festen Boden unter den Füßen hat, weil er von stabilen Stützen getragen wird.
Vom Vertrauen in Gott – you never walk alone
Von anderen Menschen, die mit uns auf dem Weg sind –MOF freie Zonen
von der Kraft der Vergebung, die uns nach vorne blicken lässt, auch wenn wir Schuld auf uns laden.
– „wir sind doch Christen“, sagte meine Lehrerin!
Und von der Hoffnung, die mehr sieht als das, was ist,
- nicht nur im FC-Bayern einen potentiellen Championsleague Sieger, sondern vor allem in uns
Menschen, die zu ihrer vollen Entfaltung kommen.
Getragen von diesen Stützen wünsche ich uns und besonders euch allen ein fröhliches und freies und
lebendiges Leben mit dem der euch dieses „Grischt“ gebaut hat, mit Jesus, eurem Herrn und
Bruder.
Amen.
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Seele and Geist
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