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MEDIATION Einleitung Was ist Mediation? Die - Kramer & Kramer

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MEDIATION
Scheidung und Trennung
________________
Vorwort
Das neue Schweizerische Scheidungsrecht ermöglicht es den Parteien mit einem
geringeren Konfliktpotential als bei den früheren Scheidungsverfahren unter dem alten
Recht, die Trennung oder Scheidung durchzuführen. Damit wuchs auch das Interesse
an der Mediation. Es sind heute auch in der Schweiz Bestrebungen im Gange, die
Mediation übersichtlich und professionell zu organisieren, doch wird das vorläufig auf
privater Basis zu verwirklichen sein und es bleibt offen, ob in einem späteren
Zeitpunkt
eine
gesetzliche
Regelung
Platz
greifen
wird.
Vereinigungen
der
Mediationsbranche (Familien-, Wirtschafts- und Allgemeine Mediation, wie SDM,
SKWM usw.) haben Qualitätsstandards und ethische Richtlinien aufgestellt, die
weitgehend
auf
die auch
im
Ausland
(z.B. Eurostandards)
geltenden
Regeln
abgestimmt sind.
Die ab 1.1.2011 geltende Eidgenössische Zivilprozessordnung enthält
Einstiegshilfen in die Mediation, sodass vor wie während dem Prozess eine
Mediation für Teil- und Volllösungen angewendet werden kann.
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
I
Einleitung
II.
Was ist Mediation?
MEDIATION IST KEINE EHEBERATUNG ODER -THERAPIE.
MEDIATION IST KEINE UMGEHUNG DES GESETZES ODER DES RECHTSWEGES.
III
Die Durchführung der Mediation
DIE ROLLE DES MEDIATORS
Der Einstieg
Definition der Probleme
Suchen von Möglichkeiten
Die Wahl
Niederschrift der Lösung
Rechtsberatung
DIE AUFGABE DES ANWALTES
FREIWILLIGKEIT DER MEDIATION
VERTRAULICHKEIT
IV
Ist Mediation eine gute Sache für uns?
Die Vorteile der Mediation
MEDIATION NACH EINER SCHEIDUNG
V
Emotionen
VI
Kinder
VII
Ihr Beitrag zum Gelingen der Mediation
Eigene Vorbereitungen für die Mediation
VIII
Wie findet man zur Mediation?
I
Einleitung
Am 1. Januar 2000 ist das neue Scheidungsrecht (Art. 111 ff. ZGB) in Kraft getreten.
Drei Wege führen nun zur Scheidung:
-
Ein gemeinsames Scheidungsbegehren
-
Ein Ehegatte verlangt nach (nachgewiesener) Trennungszeit von 2 Jahren
die Scheidung
-
Ein Ehegatte verlangt die sofortige Scheidung und weist nach, dass ein
weiteres Verbleiben in der Ehe unzumutbar sei (hohe Anforderungen
vonseiten der Gerichtspraxis!).
Voraussetzung für einen Urteilsspruch ist die Regelung der Nebenfolgen. Dazu gehören
die Regelung der Elternrechte, der Unterhaltsfragen, der Wohnungszuweisung und der
güterrechtlichen Auseinandersetzung (Vermögens-Abrechnung).
Sind sich die Parteien sowohl über die Scheidung (oder Trennung) einig, gelangen sie
direkt an den Richter und werden nach einer Bedenkfrist (2 Monate) geschieden. Sind
sie sich einig über die Scheidung, nicht aber über die Regelung der Nebenfolgen,
werden letztere nötigenfalls in einem strittigen Verfahren am Gericht bereinigt
(Art.112 ZGB).
In den Fällen des einseitigen Scheidungsbegehrens kommt es ohnehin zur strittigen
Auseinandersetzung über die Nebenfolgen.
Bewirkt der Richter eine Einigung oder entscheidet er aufgrund der Vorbringen der
Parteien (und nach einem allfälligen Beweisverfahren) haben die Parteien eine Lösung
zu akzeptieren, die grundsätzlich von dritter Seite empfohlen oder angeordnet wird
und die eigenen Wünsche und Vorstellungen ganz, teilweise oder gar nicht
berücksichtigt. Da das Umgekehrte für die Gegenpartei zutreffen wird, bleibt es den
Parteien und deren Umgang mit den Gefühlen überlassen, wie sie das Resultat
akzeptieren. Sind gemeinsame Kinder da, bleiben die Parteien über sie noch viele
Jahre - vielleicht bis ans Lebensende miteinander verbunden.
Unter diesem Aspekt kann eine Vereinbarung über die Nebenfolgen, die von den
Parteien in Eigenverantwortung erarbeitet wurde, äusserst hilfreich sein. Die Mediation
bietet Paaren, die ihre Nebenfolgen ganz oder teilweise zwar selbst erarbeiten
möchten, aber im Dialog scheitern, einen gangbaren Weg an. Durch das neue
Scheidungsrecht gewinnt die Mediation stark an Bedeutung und immer mehr
professionelle Mediationsstellen bieten ihre Dienste an. In geeigneten Fällen kann dem
Gericht die Sistierung des Prozesses zugunsten einer Mediation über einzelne oder alle
noch offenen Fragen beantragt werden.
Wenngleich sich die Mediation nicht in jedem Fall eignet, wird sie doch in den meisten
Fällen ein effektives und wirkungsvolles Mittel sein, eine Vereinbarung erstellen zu
können, die sowohl Ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigt, als auch diejenigen des
Ehegatten und der Kinder.
Ist Ihre Ehe gescheitert und der Entschluss zur Ehescheidung (oder -trennung) erst
gefasst, empfiehlt es sich für beide Ehegatten, eine Mediation zu erwägen. Das neue
Scheidungsrecht hat ferner dazu geführt, dass die Eheschutz-Verfahren an (vorab
taktischer)
Bedeutung
gewonnen
haben.
Die
Mediation
eignet
sich
für
die
Eheschutzverfahren in gleicher Weise, wie für Scheidungen. Nicht zu unterschätzen ist
die Möglichkeit, die Regeln für die Trennungszeit ganz ohne Richter und nur im
Rahmen einer Mediation zu erarbeiten. Diese Broschüre soll einige grundlegende
Informationen zum Verständnis der Mediation geben.
II
1
Was ist Mediation?
„Als wir uns schliesslich entschieden, uns scheiden zu lassen, dachte ich, damit wäre es
getan. Aber dem war nicht so. Wenn zwei Menschen während längerer Zeit ein
gemeinsames Leben führten, ist es schwierig, auf einmal wieder je ein eigenes Leben zu
leben - Geld, Schulden, Möbel, Töpfe und Pfannen. Wo soll man anfangen? Und wie kann
man sich über alles arrangieren, wenn man nur noch darüber streiten kann?“
MEDIATION IST KEINE EHEBERATUNG ODER -THERAPIE.
Eheberatung und -Therapie können helfen, einen Weg zu finden, um die Ehe wieder
funktionstüchtig zu machen oder aber innerlich zu akzeptieren, dass sie gescheitert
ist.
Mediation
hingegen
ist
mehr
darauf
ausgerichtet,
eine
praktikable
Teilungsvereinbarung zu erreichen, als die emotionalen Probleme zu lösen. Obwohl
Mediatoren immer auf die Gefühle ihrer Klienten eingehen und auch die Möglichkeit
einer Versöhnung in Betracht ziehen, ist doch das Hauptziel der Mediation nicht darauf
ausgerichtet, die Partien wieder zusammenzubringen, sondern generell ihnen zu
helfen, den Weg in die Zukunft zu regeln.
Wenn eine Ehe zu Ende geht oder ein Paar sich trennt, bleiben viele Fragen zu regeln.
Wer wird die Rechnungen bezahlen? Wer wird in der gemeinsamen Wohnung bleiben?
Wie wird alles aufgeteilt? Wem gehören die Bankkonten? Soll der eine Ehegatte den
andern auch nach Beendigung der Ehe unterstützen ("nachehelicher Unterhalt"; ZGB
Art. 125)? Wenn ja, wie lang und in welchem Umfang?
Haben die Parteien Kinder, stellt sich darüber hinaus die Frage der Obhut und Sorge.
Mit welchem Elternteil sollen sie zusammenleben? Wer wird die täglichen Entscheide
fällen? Wie kann das Besuchsrecht gestaltet werden? Wie viel Geld werden die
Parteien für den Unterhalt der Kinder aufzuwenden haben?
Die Mediation ist ein Weg für Sie und Ihren Ehegatten, diese Fragen gemeinsam zu
beantworten. In der Mediation kommt es zu einer Diskussion zwischen den Ehegatten.
Mit der Unterstützung eines neutralen Mediators können die eigenen Standpunkte
dargelegt werden. Die Mediatorin oder der Mediator hilft Ihnen, die Vorstellungen zu
ordnen und unterstützt Ihre Verhandlungen zu einem beidseits akzeptierbaren
Resultat zuzuführen.
Die Mediation ist nicht der einzige Weg, um die Fragen zu bereinigen, die bei einer
Trennung oder Scheidung auftauchen. Zahlreiche Vergleiche wurden mit Hilfe der
Anwälte ausgearbeitet. In diesen Fällen wurde zwischen den Parteien und/oder
Parteianwälten ein Vergleich ausgehandelt, der aber im Gegensatz zur Mediation
überwiegend auf die einkalkulierten Prozesschancen basiert.
Wenn aber die Verhandlungen stecken bleiben, kommt es zur strittigen Scheidung
(zumindest über die Nebenfolgen). Das bedeutet, dass die Sache vor Gericht
ausgetragen wird. Nachdem beide Seiten zu Wort gekommen und eventuell auch ein
Beweisverfahren durchgeführt wurde, wird der Richter entscheiden.
Die Mediaton unterscheidet sich grundlegend von diesen aufgezeichneten Wegen. In
der Mediation arbeiten Sie und Ihr Ehepartner jedes Detail der Vereinbarung selbst
aus.
MEDIATION
IST
KEINE
UMGEHUNG
DES
GESETZES
ODER
DES
RECHTSWEGES.
Die Mediation ist vielmehr eine weitere Alternative, um die Nebenfolgen einer
Trennung oder Scheidung zu erreichen.
Das Zivilgesetzbuch umschreibt einige Grundsätze, die bei der Trennung oder
Scheidung zum Tragen kommen. Diese Grundsätze müssen auch beachtet werden,
wenn eine Vereinbarung ausgehandelt wird.
Zunächst einmal kann nur das Gericht eine Scheidung aussprechen. Sodann ist eine
Vereinbarung über die Nebenfolgen nur dann gültig und rechtskräftig, wenn sie vom
Gericht genehmigt wurde - unabhängig davon, ob sie von Ihnen selbst, Anwälten oder
im Rahmen einer Mediation erarbeitet wurde. Es gibt sodann Regeln, wie das Gericht
sich zu vergewissern hat, ob die Scheidung (oder Trennung) ausgesprochen werden
kann und ob die Regelung der Nebenfolgen rechtskonform und fair erscheint.
Besonderes Gewicht wird auf die Prüfung der Wahrung der Kindesinteressen gelegt.
III
Die Durchführung der Mediation
„Die erste Sitzung... Das war vielleicht eine harte Auseinandersetzung! Rückblickend sieht
es für mich aus, als seien wir damals nur darauf ausgegangen zu streiten und uns
gegenseitig für dies und alles die Schuld zuzuweisen... Der Mediator machte uns aber von
Anfang an klar, dass er auf keinen Fall für irgendwen Partei ergreifen oder darüber
diskutieren werde, wessen Schuld das Scheitern der Ehe sei. Er sagte: Wir sind hier, um
die Zukunft zu planen und nicht um uns um die Vergangenheit zu streiten. Er hielt uns stets
auf dieser Linie.“
DIE ROLLE DES MEDIATORS
Mediatorinnen und Mediatoren kommen aus den verschiedensten Berufsgattungen am häufigsten aus der Psychologie, dem Recht oder Sozialarbeit. Welches immer der
berufliche Hintergrund ist, sie haben als Mediatoren eine Hauptaufgabe: sie sind
unparteiische Helfer, die Sie und Ihren Partner oder Ihre Partnerin dabei unterstützen,
konkrete Lösungen zu spezifischen Problemen zu finden. Die Mediatoren helfen Ihnen
dabei, die Möglichkeiten heraus zu kristallisieren und eine geeignete Auswahl zu
treffen. Der Mediator oder die Mediatorin achtet darauf, die Mediation auf die aktuelle
Arbeit auszurichten und stets auf eine Lösung hinzuarbeiten.
Die Mediatorin oder der Mediator wird nicht...
-
eine Schuldzuweisung vornehmen oder den Grund für den Kollaps der
Beziehung suchen;
-
Rechtsauskunft erteilen im Rahmen einer Mediation, selbst wenn sie oder er
Anwalt oder Anwältin ist;
-
die Konsultation von Anwälten, Steuerberatern usw. überflüssig machen;
-
für Sie die Wahl treffen: Mediatoren helfen Ihnen und Ihrem Partner oder
Ihrer Partnerin die Grundlagen zu erarbeiten, um die Wahl selbst treffen zu
können, wobei einzig die beidseitigen Bedürfnisse und natürlich die
Bedürfnisse der Kinder wegleitend sind.
Die Mediation umfasst im Allgemeinen etwa 2 bis 8 Sitzungen, je nach dem
Regelungsbedarf. Die Sitzungen werden wenn möglich einmal pro Woche abgehalten,
können aber auch in verschieden Intervallen stattfinden, insbesondere wenn weitere
Informationen beschafft oder Grundsatzfragen überdacht werden müssen. Wie viel
Zeit und wie viele Sitzungen erforderlich sind, hängt von Art und Umfang der
ungeklärten
Situation
ab,
aber
auch
von
der
Art
der
Dienstleistung
der
Mediationsstelle, die Sie aufsuchen.
DER EINSTIEG
Meistens wird man sich anlässlich der ersten Sitzung mit der Mediatorin oder dem
Mediator
vertraut
machen
und
Näheres
über
die
Mediation
selbst
und
die
anzuwendenden Techniken erfahren. In der Regel legt Ihnen der Mediator einen
Vertrag zur Unterzeichnung vor, in welchem die Grundregeln zusammengefasst sind.
In diesem Rahmen werden ebenfalls die Grundregeln für die künftigen Besprechungen
und das Vorgehen festgelegt. Klären Sie unbedingt offene Fragen mit Ihrem Mediator.
Falls Sie nicht bereits eigene Anwälte aufgesucht haben, wird Ihr Mediator erläutern,
wann und weshalb sich der Beizug von Anwälten empfiehlt.
DEFINITION DER PROBLEME
Als nächstes werden Sie zusammen mit dem Mediator festlegen, welche Problemkreise
zu diskutieren und auf dem Weg der Mediation zu lösen sind. Welche Vorkehren sind
zu treffen? Haben Sie sich bereits entschieden, wer die Wohnung übernehmen wird?
Wer wird welche Rechnungen bezahlen? In wie weit haben Sie sich bereits über die
Aufteilung des ehelichen Vermögens geeinigt?
Wenn Sie Kinder haben, wird ein besonderes Augenmerk auf die Fragen um Obhut und
elterliche Sorge gerichtet. Wie werden Sie sich in die Unterhaltskosten für die Kinder
teilen? Wer wird die Kinder betreuen? Wie soll das Besuchsrecht geregelt werden?
Welche besonderen Vorkehren sollten getroffen werden, um den individuellen
Bedürfnissen der Kinder Rechnung zu tragen?
Die Mediatorin oder der Mediator wird Ihnen allenfalls „Hausaufgaben“ geben. Zum
Beispiel
müssen
Sie
Abklärungen
treffen
über
künftige
Wohnkosten,
Ersatzanschaffungen von Mobiliar oder über Versicherungen. Sie müssen die täglichen
Bedürfnisse Ihrer Kinder zusammenstellen oder eine Liste des gemeinsamen ehelichen
Vermögens erstellen. Wo nötig, wird Sie der Mediator dazu anhalten, fachliche
Auskunft
einzuholen,
so
zum
Beispiel
beim
Anwalt,
beim
Buchhalter
oder
Steuerberater. Es ist von besonderer Wichtigkeit, im Rahmen der Mediation seine
Bereitschaft zu zeigen, offen über die finanziellen Angelegenheiten zu reden.
SUCHEN VON MÖGLICHKEITEN
Sind
die
Wünsche
und
Bedürfnisse
definiert,
kann
damit
begonnen
werden,
gemeinsam nach verschiedenen Lösungen zu suchen. Sind zum Beispiel Sie und Ihr
Ehegatte nicht einig über die Unterhaltszahlungen, finden sich dank der Unterstützung
durch den Mediator zur Lösung von Differenzen oft Mittel und Wege, an die die
Parteien zuvor gar nicht gedacht haben.
DIE WAHL
Im nächsten Schritt können die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert und verhandelt
werden und die Partner gelangen zu gemeinsamen Entscheiden, wie die Lösung
herbeigeführt werden soll. In diesem Stadium der Mediation wird eine hohe
Bereitschaft verlangt und erwartet, dass am Finden einer Lösung mitgewirkt wird.
NIEDERSCHRIFT DER LÖSUNG
Haben Sie und Ihr Partner/Ihre Partnerin die Entscheide getroffen, werden Sie mit
Hilfe der Mediatorin oder des Mediators zu Papier gebracht. Das Ausformulieren für
das Gericht kann auch durch Ihren Anwalt geschehen. Die Niederschrift wird die
spezifischen und detaillierten Informationen enthalten, wie jedes einzelne Problem
gelöst werden soll. Zum Beispiel wird im Detail geregelt, mit welchem Elternteil die
Kinder wann ihre Zeit verbringen sollen.
RECHTSBERATUNG
Bevor die Vereinbarung dem Gericht eingereicht wird, soll sie von den Parteianwälten
auf jeden Fall durchgesehen werden, wenn der Mediator oder die Mediatorin keine
praktizierende Anwältin oder Anwalt ist und bei komplexen Abkommen wird Ihnen der
Mediator
grundsätzlich
empfehlen,
zur
Verifizierung
der
Interessenlage
die
Vereinbarung durch Ihren Anwalt prüfen zu lassen (sogenannte „Fairnesskontrolle“).
Stellen die Parteianwälte fest, dass etwas fehlt oder unklar ist, werden entweder die
Parteianwälte die Differenz bereinigen oder die Parteien zur Mediation zurückschicken
um die Lücke zu füllen oder den entsprechenden Punkt der Vereinbarung zu
überarbeiten.
Fand die Mediation vor Prozesseinleitung statt, wird die Vereinbarung zusammen mit
dem Scheidungsbegehren dem Gericht eingereicht.
Wurde eine Teileinigung eingereicht (z.B. nur das Scheidungsbegehren) wird am
Schluss der Mediation die Vereinbarung dem Gericht zur Genehmigung nachgereicht.
Empfehlen
das
Gericht
oder
die
Anwälte
im
Verlaufe
einer
strittigen
Auseinandersetzung vor Gericht, gewisse Punkte mit Hilfe der Mediation zu bereinigen,
werden die Parteianwälte die niedergeschriebene Einigung ans Gericht weiterleiten.
Auf jedem dieser Wege kann in aller Regel der Prozess erheblich vereinfacht und
zeitlich verkürzt werden.
DIE AUFGABE DES ANWALTES
Ihr Anwalt klärt Sie über Ihre gesetzlichen Rechte und Pflichten auf, kann für Sie
Prozesschancen abwägen und die Vereinbarung sichten bevor Sie unterzeichnen, um
sicherzustellen, dass die Rechtsvorschriften eingehalten sind und die Vereinbarung
tatsächlich
die
Rechtswirkung
hat,
die
Sie
von
ihr
erwarten.
Werden
die
Vereinbarungen von nicht praktizierenden Anwälten im Rahmen einer Mediation
erstellt,
empfiehlt
Konvention
es sich, die Formulierung
aufgrund
der
Angaben
und
der dem
Ausführungen
Gericht
des
vorzulegenden
Mediators
den
Parteianwälten zu überlassen.
Bei
komplexeren
Vereinbarungen
rechtfertigt
sich
der
Beizug
eines
eigenen
Parteianwaltes selbst bei einem rechtskundigen Mediator, da dieser zwar die
Einhaltung der obligatorischen gesetzlichen Vorschriften einfliessen lassen kann,
aufgrund seiner neutralen Rolle aber den Parteien zustehende Rechte und Pflichten
nicht empfehlen oder suggerieren darf.
FREIWILLIGKEIT DER MEDIATION
Mediation kann nur stattfinden, wenn beide Parteien zustimmen und kann nur solange
andauern, als beide Parteien die Mediation wünschen. Es steht Ihnen somit jeder Zeit
frei, die Mediation abzubrechen, wenn Sie die Überzeugung gewinnen, dass das
Verfahren aussichtslos sei (solche Bedenken aber unbedingt in die Mediation
einbringen).
VERTRAULICHKEIT
Die Gespräche zwischen Ihnen und Ihrer Ehegattin/Ihrem Ehegatten mit dem Mediator
sind vertraulich. Praktizierende Anwälte als Mediatoren sind grundsätzlich von Berufs
wegen
an
das
Anwaltsgeheimnis
gebunden.
Die
Mediatoren
aus
anderen
Berufsgattungen werden in der Regel von den Parteien einen Verzicht auf ihre
Anrufung
als
Zeugen
unterzeichnen
lassen
und
grundsätzlich
aufgrund
ihrer
Berufsethik die Mediationsgespräche vertraulich behandeln.
IV
Ist Mediation eine gute Sache für uns?
„Die Anwältin meiner Frau hat eine Mediation vorgeschlagen. Sie dachte, wir sollten
versuchen, unsere Probleme selbst zu bereinigen. Als mein Anwalt mir diese Idee
weiterleitete, war sehr unsicher. In der Theorie mochte die Mediation ja gut scheinen, aber
ich war besorgt, ich würde nicht fähig sein, meine eigenen Ansprüche zu formulieren.“
Mediation kann für viele Paare ein guter Weg sein, um eine auch in weiterer Zukunft
funktionierende Scheidungsvereinbarung zu erreichen. Dennoch wird sie nicht immer
und für jedermann geeignet sein.

Wo Gewalttätigkeiten die Ehe belasten, kann die Mediation funktionieren - sie
kann aber auch nicht. Besondere Verhandlungstechniken sind erforderlich. Wenn
die Angst vor Gewalt Sie dennoch daran hindert, Ihre Bedürfnisse offen und
freimütig zu diskutieren, ist Mediation nicht empfehlenswert.

Mediation funktioniert auch nicht, wenn Sie oder Ihr Ehegatte nicht ein
Mindestmass an Motivation mitbringen, um ein Ziel zu erreichen.
In den übrigen Fällen kann die Mediation bestens funktionieren. Bedenken Sie aber,
dass es kein Allerweltsheilmittel oder gar der Weg des geringsten Widerstandes ist. Es
braucht Zeit und Anstrengungen, um die Zukunftsgestaltung mit Ihrem Ehepartner
herauszuarbeiten und Sie müssen auch bereit sein, Lösungen zu akzeptieren.
DIE VORTEILE DER MEDIATION

Eine durch Mediation zustande gekommene Vereinbarung ist Ihre Vereinbarung,
eine, die Sie gemeinsam ausgearbeitet haben. So können Sie Beide sich leichter
damit abfinden und das Abkommen beachten.

Eine durch Mediation zustande gekommene Konvention kann die besonderen
Bedürfnisse Ihrer Familie am besten einbeziehen.

Die Mediation kann Spannungen und Konflikte vermeiden helfen, die unweigerlich
aufkommen, wenn Ehegatten als Gegner vor Gericht treten und der Richter die
Nebenfolgen
ihrer
Scheidung
an
ihrer
Stelle
zu
entscheiden
hat
(„Drittbestimmung“).

Eine erfolgreiche Mediation kann für Sie Zeit und Geld sparen. Eine nicht streitige
Scheidung (oder ein Eheschutzverfahren), in welcher Sie und Ihr Ehegatte eine
gemeinsame Regelung der Nebenfolgen gefunden haben, kostet regelmässig
weniger als eine Kampfscheidung. Muss sogar der Richter entscheiden, dauert ein
Prozess Monate, mitunter Jahre - eine lange Zeit, die den respektvollen Umgang
mit dem Partner immer mehr in eine feindselige Haltung übergehen lässt.

Mit der Mediation kann sogar ein zeitlich beschränktes Arrangement ausgearbeitet
und ausprobiert werden, bevor der Fall dem Gericht vorgetragen und durch den
Richter endgültig bestätigt wird. Was funktioniert, wird Teil der Konvention. Was
nicht funktioniert kann Grundlage sein, um eine bessere Lösung zu erarbeiten.

Die Mediation kann Rahmenbedingungen schaffen, unter denen Sie künftig
denkbare
Differenzen
Kommunikations-Kultur
selbst
und
bereinigen
können,
Verhandlungserfahrung
weil
es
eine
gewisse
leichter
machen,
miteinander umzugehen.
MEDIATION NACH EINER SCHEIDUNG
Die Mediation eignet sich auch zur Problemlösung nach der Scheidung. Oft verändern
sich die äusseren Umstände gegenüber damals, als die Vereinbarung abgeschlossen
wurde - die Kinder wachsen heran, eine Partei wechselt den Wohnsitz, vielleicht
verliert eine Partei die Anstellung, neue Beziehungen werden eingegangen. Manchmal
zeigt es sich, dass Obhut und Besuchsrecht ganz einfach nicht funktionieren.
Sind
Sie
und
Ihr
Ex-Gatte
oder
Ex-Gattin
nicht
mehr
zufrieden
mit
den
ausgehandelten Positionen anlässlich der Scheidung oder Trennung, kann eine
Mediation
helfen,
eine
neue
Vereinbarung
auszuarbeiten.
Eine
solche
neue
Vereinbarung kann durch Ihren Anwalt wie zuvor erwähnt durchgesehen und allenfalls
gerichtskonform aufgearbeitet und dem Gericht oder der Vormundschaftsbehörde zur
Genehmigung eingereicht werden.
Unterhalts- und Kinderbetreuungsfragen können ohne weiteres auf diesem Weg neu
gestaltet werden. Die güterrechtlichen Auseinandersetzungen gelten allerdings in der
Regel als endgültig entschieden, sofern sich nicht herausstellt, dass aufgrund
veränderter Umstände eine vorgesehene Lösung nicht durchführbar ist.
V
Emotionen
„Ich dachte, wir könnten keine 5 Minuten im selben Raum zusammen verbringen. Als wir
auseinander gingen, konnten wir kein Wort miteinander sprechen, ohne gemein oder
sarkastisch zu sein. Wir hassten uns.“
Wenig im Leben ist so emotional geladen, wie eine Scheidung oder eine Trennung,
besonders wenn Kinder involviert sind. Sind Sie derart aufgewühlt, mag es Ihnen
schwierig erscheinen, sich vorzustellen, dass eine Mediation überhaupt funktionieren
könnte.
Aber Sie kann es trotz schmerzlicher Gefühle, die eben im Rahmen einer Scheidung
völlig natürlich sind. Tatsächlich wäre eine Mediation nicht einmal nötig, wenn nicht
eben solche Gefühle hochkommen würden. Wären die Ehegatten noch fähig, ruhig und
sachlich miteinander zu reden, könnten sie ja Ihre Probleme auch ohne Hilfe regeln.
Die Aufgabe des Mediators oder der Mediatorin ist es, eben gerade trotz solch
hochgehender
Gefühle
eine
Mediation
zum
Erfolg
zu
bringen.
Die
Mediation
funktioniert eben auch, wenn Sie und Ihr Ehegatte Ihre Emotionen nicht unterdrücken
- diese haben Sie ja schon zum Wunsch gebracht, sich zu trennen oder scheiden zu
lassen. Dennoch müssen Sie wenigstens bereit sein, in der beschriebenen Weise
gemeinsam
nach
Lösungen
zu
suchen,
Kompromisse
einzugehen
und
zusammenzuarbeiten - trotz starken Emotionen.
Mediation ist keine Therapie. Sie und Ihr Ehegatte werden versuchen müssen, jenseits
Ihrer
seelischen
Verletzungen
die
künftigen
Bedürfnisse
jedes
einzelnen
Familienmitglieds im Auge zu behalten.
VI
Kinder
„Wir hatten eine komplett unterschiedliche Betrachtungsweise. Die Kinder weinen, wenn
ich sie abhole. Ich dachte, meine Frau würde sie gegen mich aufhetzen. Sie andererseits
dachte, sie möchten mich nicht sehen. Aber wir lagen beide falsch“
Kinder fühlen sich bedroht, verletzt und durcheinandergebracht, wenn die Ehe ihrer
Eltern zerbricht. Egal was ihre Eltern durchmachen, brauchen die Kinder ein Gefühl
von Geborgenheit und die Möglichkeit ihre Eltern zu lieben und von ihnen geliebt zu
werden.
Wenn Sie Kinder haben, kann Ihnen die Mediation helfen, deren Unwohlsein und
Unsicherheit während der Scheidung zu verringern. Erklären Sie Ihren Kindern die
Mediation und den Fortschritt, fühlen sie sich zunehmend sicherer und realisieren,
dass ihre Eltern sich bemühen, das Beste für Alle zu erarbeiten. Sie fühlen sich auch
ruhiger, weil ihre Eltern wieder mehr Selbstkontrolle haben.
Solche
Gespräche
mit
den
Kindern
sind
während
einer
strittigen
Scheidung
kontraproduktiv, da die Kinder regelmässig in einen Loyalitätskonflikt kommen.
Vereinbarungen, die im Rahmen einer Mediation getroffen werden, können in der
Regel viel detaillierter und spezifischer auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten
werden. Braucht Ihre Tochter eine Fahrgelegenheit zum Schlittschuhunterricht am
Sonntag? Wie kommen die Söhne zum Hockeytraining? Wie berücksichtigt man, dass
Ihr Sohn im Sommer jeweils eine Woche mit Freunden in deren Ferienhaus verbringt?
Wie kann das alles nach der Scheidung arrangiert werden? Solche und andere
spezifischen Arrangements für Ihre Kinder lassen sich im Rahmen einer Mediation
ohne Weiteres ausarbeiten. Solche Vereinbarungen lassen somit weniger ungelöste
Probleme offen, die später das Wohlbefinden Ihrer Kinder beeinträchtigen könnten.
Einige Mediatoren möchten auch mit Ihren Kindern sprechen. Die Kinder haben dann
die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen vorzubringen. Es können Gefühle zum
Vorschein kommen, die übersehen wurden und die so in die Vereinbarung einbezogen
werden können.
Ist eine Mediation erfolgreich, ist sie es, weil sie auf die Planung der Zukunft der
Kinder ausgerichtet ist und nicht zur bloss rechtlichen Regelung der Konflikte und
Bedenken der Eltern.
VII
Ihr Beitrag zum Gelingen der Mediation
„Wir brauchten ungefähr 8 Wochen um die ganze Mediation zu durchgehen. Wir regelten
praktisch alles, was wir uns vorgenommen hatten. Das war grossartig. Aber die Vorteile
der Mediation selbst endigte nicht mit dem Ende der Sitzungen. Nur weil Sie geschieden
werden, heisst das noch lange nicht, dass Sie nie wieder miteinander werden sprechen
müssen. Die Umstände verändern sich, die Kinder werden grösser und haben immer
wieder neue Probleme, die gelöst werden müssen.“
Haben Sie sich einmal für die Mediation entschieden, gibt es ein paar Möglichkeiten,
sich für die erste Sitzung vorzubereiten.
1
Überlegen Sie sich, welche Streitpunkte am wichtigsten sind für Sie und die
Kinder und was im Rahmen der Mediation diskutiert werden sollte.
2
Bereiten
Sie
die
einzelnen
Gesprächspunkte
vor.
Machen
Sie
Zusammenstellungen mit Belegen über Einkommen, Schulden, regelmässige
und unregelmässige Aufwendungen, persönliche Ausgaben und das eheliche
Vermögen und was Sie davon schon in die Ehe eingebracht oder während der
Ehe geerbt haben.
3
Überdenken Sie die Bedürfnisse der Kinder, die von den Ihren abweichen. Zum
Beispiel haben die Kinder im Gegensatz zu Ihrem Trennungsbedürfnis den
Wunsch, die Beziehungen zu beiden Elternteilen aufrecht zu erhalten.
4
Seien
Sie bereit
zuzuhören, Fragen
zu
beantworten
und
Kompromisse
einzugehen. Seien Sie auch bereit, Ihre Ziel auf anderen Wegen zu erreichen,
als Sie sie sich vorgestellt haben.
Während der Mediation:
1
Fühlen Sie sich nie in eine Vereinbarung gedrängt oder schliessen Sie keine
Einigung über Punkte, von denen Sie nicht sicher sind, dass Sie damit werden
leben können. Vielleicht möchten Sie auch während einer gewissen Zeit
ausprobieren, ob der Vereinbarungsvorschlag funktioniert, bevor Sie ihn durch
das Gericht abschliessend bestätigen lassen.
2
Sprechen Sie mit Fachleuten, Ihrem eigenen Anwalt, Bank-, Versicherungsoder Steuerfachleuten, um bestens informiert zu sein über die zur Sprache
gebrachten Themen.
3
Lassen Sie die Vereinbarung durch Ihren Anwalt prüfen, bevor sie dem Gericht
eingereicht
1
wird.
In dieser Brochüre wird das Wort „Ehegatten“ für Eheleute (also Mann und Frau) verwendet. Die
Mediation kann aber für Konkubinatspartner ebenso hilfreich sein, sei es für die Regelung des Konkubinates,
als auch einer Auseinandersetzung im Falle einer Trennung.
- 14 -
VIII Wie findet man zur Mediation?
NACHSCHLAGEN IN VERZEICHNISSEN (s. LINKS)
Mediatoren sind unter den verschiedensten Bezeichnungen in Verzeichnissen und
Registern zu finden. Hier ein paar Rubrik-Bezeichnungen:

Mediation

Scheidungsmediation/Scheidungsberatung

Familienmediation/Familienberatung

Ehe- und Familienberatung

usw.

oder direkt die Verzeichnisse der Mediationsvereine konsultieren
Die kantonalen Anwaltsverbände verfügen über Listen, welche Anwältinnen und
Anwälte Mediation anbieten.
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