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Da geht noch was

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Poetry Slam
Da geht noch was
Mut zum Weiter-„Slammen“ – Initiatorin Gerlinde
Hartmann zieht ein Fazit nach dem ersten SchulSlam-Wettbewerb
hlz: Die Premiere des 1. Hamburger Schul-Poetry-Slam-Wettbewerbs im Literaturhaus liegt
hinter dir. Haben sich die Mühen
der Vorbereitung gelohnt?
Ich bin persönlich sehr glücklich, dass dieser Traum von mir
endlich realisiert wurde:
Aus der eigenen Schule mit
den SlammerInnen rausgehen
und gegen andere SchülerInnen
antreten. „Lets slam“ heißt es in
der Kultur des Poetry Slams und
das haben wir im Literaturhaus
hervorragend gezeigt.
Die Vorbereitung mit dem
Frauen-Team des Vereins Sei-
Die Qualität der Beiträge – Inhalt der Texte und Vortragskunst
(Performance) –, die Moderation
durch Nico Spindler und auch
die einzigartige Atmosphäre im
Literaturhaus Hamburg haben
diese Premiere zu einem gelungenen Slam gemacht.
Die Freude am Spiel mit der
Sprache, am Schreiben, aber
auch am kreativen Vortragen war
allen TeilnehmerInnen anzumerken. Das Thema „Freundschaft“
forderte sie zu humorvollen, sehr
ernsthaften und überaschend
selbstkritischen Beiträgen heraus.
Fotos: Stefan Gierlich
Gerlinde Hartmann: Sowohl
das Hamburger Lesefest Seiteneinsteiger als auch unser Schulpoetryslam der Fachoberschule
an der Handelsschule 12 (Berufliche Schule für Wirtschaft und
Steuern) haben in diesem Jahr
bereits ihren 6. Geburtstag gefeiert. Nach sechs Jahren sind wir
nun zusammengekommen und
haben diese Premiere eines Poe-
try Slams der Hamburger Schulen 2010 organisiert. Der Poetry
Slam ist reif für die Schule !
teneinsteiger war übrigens keine
Mühe, sondern hat mir sehr viel
Freude gemacht. Die Seiteneinsteiger haben die Mühen des
Organisierens übernommen. Die
Schulen haben dann lediglich die
TeilnehmerInnen
mitgebracht
– ( und den Fotografen von der
HLZ).
Intensität auf beiden Seiten: Der vortragende Slammer Patrick (17) fasziniert sein Publikum beim 1. Hamburger
Schul-Poetry-Slam. 9 SchülerInnen von der Stadtteilschule Süderelbe und FOS-Ausschläger Weg(H12)
präsentierte das LITERATURKONTOR auf der Bühne des Literaturhauses.
hlz – Zeitschrift der GEW Hamburg 12/2010
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in LI und Schulbehörde?
Da ist noch viel möglich. Bisher halten sich viele noch sehr
zurück. Jetzt war eine FOS und
eine Stadtteilschule vertreten.
Ich glaube, dass es beispielsweise an den Gymnasien auch
Potential für kreatives Schreiben
gibt. Es bewegt sich aber etwas.
So habe ich von Poetry Slams an
der Irina Sendlerschule, der Gesamtschule Wilhelmsburg und
am Gymnasium Hochrad gehört.
Das freut mich natürlich.
Geile Nummer! Höchstpunktzahl
von der Jury.
hlz: Gibt es etwas, was sich
verbessern sollte und hast du
Vorstellungen, was dazu nötig
sein wird?
Es ist sehr schwierig DeutschkollegInnen an den Schulen zu
motivieren, den Poetry Slam im
Unterricht mal auszuprobieren.
Obwohl wir viel Werbung für
diese Veranstaltung gemacht
haben ( auch in der hlz ), haben sich nur zwei Schulen für
die aktive Teilnahme angemeldet. Es kamen dann noch andere
Schulen mit SchülerInnen hinzu,
um den Poetry Slam kennenzulernen. Sie hörten zu, wirkten in
der Jury mit und gingen teilweise begeistert mit. Sie werden die
Idee des Schulslams mit in ihre
Schulen nehmen. Vor allem aber
die KollegInnen müssen ihre Zurückhaltung überwinden und die
Chancen für den Unterricht und
die persönliche Entwicklung ihrer SchülerInnen erkennen. Ein
Anfang ist gemacht!
hlz: Fühlst du dich ausreichend unterstützt von KollegInnen anderer Schulen und den
entsprechenden Fachreferenten
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Doch viele kennen den Poetry
Slam einfach nicht und können
sich so eine Einbeziehung in den
Unterricht nicht vorstellen. Wer
einmal so einen Slam und die
Intensität der Vortragenden und
ZuhörerInnen erlebt hat, kann
die Chancen gerade für den Unterricht wahrnehmen. Vertrauen
setzen in das Potential der SchülerInnen. Die Begeisterung entsteht beim Machen.
Hamburg liegt da gegenüber
anderen Bundesländern etwas
zurück. Ich könnte mir vorstellen, dass der Poetry Slam gut in
die Wettbewerbskultur der Hamburger Schulbehörde passt und
dort verankert werden müsste.
Da gibt es noch einiges zu tun.
hlz: Der diesjährige Wettbewerb hatte das Thema „Freundschaft“. Gab es eine durchgängige Erfahrung, wie die
Jugendlichen dieses Thema bearbeiten?
Die SchülerInnen haben das
Thema Freundschaft sehr unterschiedlich bearbeitet. Es wurde
gereimt und gerappt. Lustige,
aber auch sehr ernsthafte , nachdenkliche Geschichten. Phantasievolle Erzählungen standen
neben ganz persönlichen Erfahrungen. Eine überraschend
großeVielfalt bei der Herangehensweise an das Thema. Es gab
keine Klischees, keine Wiederholungen. Freundschaft vor dem
historischen Hintergrund von
Antisemitismus und Rassismus,
Freundschaft auf dem Schulhof
oder in der Clique. Freunde zu
haben in den Zeiten von Internetplattformen wie Facebook
oder SchülerVZ hat einen hohen
Wert. Um so kritischer wurde die
oberflächliche Anhäufung von
solchen
Chat-Freundschaften
beleuchtet, gerade von den jüngeren TeilnehmerInnen.
Der Teamgeist der MitschülerInnen, die „ihren“ Slammer
hierher begleiteten und lautstark unterstützten, war dann
auch ein kleines Stück gelebte
Freundschaft. Ein Text wurde
nach Beratung in der Klasse im
Duett vorgetragen: Pia trägt vor
und Soresh produziert die passenden Backgroundgeräusche.
Die TeilnehmerInnen nutzten
eine erstaunliche Vielfalt im
Life-Vortrag.
hlz: Worin siehst du den besonderen Wert des Poetry-Slam
für deinen Unterricht?
SchülerInnen können das, was
in ihnen schlummert, was sie
fühlen und denken, aufschreiben. Da werden ganz persönliche
Erlebnisse verarbeitet, reflektiert
und in eine oft sehr aktuelle Form
gebracht. Ein Stück Jugendkultur findet in der Schule statt, von
dem wir als LehrerInnen oft wenig mitbekommen.
Der Poetry Slam wird genutzt,
etwas laut sagen zu können,
was man schon immer mal sagen wollte. Eine schmerzliche
oder freudige Erfahrung, eine
Hoffnung, aber auch Ängste und
Wut.
In der Klassengemeinschaft
werden häufig ganz persönliche
Dinge, auch autobiographische
Erlebnisse, vorgestellt.
Es bleibt zunächst alles innerhalb des vertrauten Klassenraums. Dabei liegt es an jedem
Einzelnen, inwieweit er oder
sie sich öffnen möchte. Bei den
Klassenslams habe ich schon oft
hlz – Zeitschrift der GEW Hamburg 12/2010
erlebt, dass die vorgetragenen
Geschichten die ZuhörerInnen
so berührt haben, dass allen Tränen in den Augen standen. Auch
ich habe schon so manche Träne
dabei vergossen.
Das erreicht die MitschülerInnen in der Regel ganz direkt
– auch dann, wenn es vielleicht
nicht perfekt formuliert ist. Selten sind SchülerInnen als ZuhörerInnen so achtsam und konzentriert.
Und dann kommt noch die
„Macht“ dazu, durch Applaus
oder durch die Punkte der Jury
die eigene Beurteilung zu veröffentlichen. Immer wieder ist
da auch plötzliche Bewunderung oder Erstaunen über eine/n
Mitschüler/in: So hab ich den
noch nie gesehen, das hab ich
von ihr nicht geahnt! Und mancher hat schon sich selbst überrascht: Ich wusste gar nicht, dass
ich schreiben kann!
Die Kunst, mit Sprache so umzugehen, dass es andere fasziniert
und die Juroren das auch honorieren, ist das Ziel jedes Slammers/ jeder Slammerin. Jeder
Klassenslam, jeder Schulslam,
den ich bisher organisiert habe,
war einzigartig. Da ist soviel kreatives Potential der SchülerInnen
öffentlich geworden.
Für die SchülerInnen ist es
eine sehr intensive Erfahrung,
wenn sie bemerken, dass sie mit
ihrem geschriebenen Text andere
Menschen berühren können. Ein
tiefes Gefühl von Empathie und
Zusammenhalt entsteht dabei.
Nicht nur der /die Einzelne wird
dadurch gestärkt, sondern auch
die Klassengemeinschaft gefestigt. Dieser positive Effekt ist
gerade bei einjährigen Klassen
wie unserer FOS so wichtig.
hlz: Stört so eine aufwendige Veranstaltung nicht den
zeitlichen Ablauf deines Unterrichtsprogramms?
Wir führen den Poetry Slam
gleich zu Beginn des Schuljahres
in der einjährigen Fachoberschule durch und haben gerade damit
durchweg positive Erfahrungen
gemacht – der Poetry Slam ist
Unterrichtskonzept. Denn er gibt
den SchülerInnen die Möglichkeit, sich mittels literarischer
Formen zu öffnen und näher zu
kommen.
Soll der Text dann einem größeren Publikum vorgestellt werden, wird erneut diskutiert, welcher Beitrag aus der Klasse sich
dafür gut eignet. Intensiv wird
an den Texten gefeilt, da sie ja
besonders gut ankommen sollen.
Die Präsentation wird geübt.
Natürlich erfordert es auch
viel Mut seinen eigenen Text
vor einem großen Publikum vorzustellen. Aber gerade das wird
auch honoriert.
Die Slams stellen wegen ihrer
Vielfalt und Intensität stets die
Sternstunden meines bisher über
30 Jahre andauernden Deutschlehrerinnendaseins dar.
hlz: Gibt es spezielle Gründe,
die gerade DeutschlehrerInnen
von der aktiven Teilnahme mit ihren SchülerInnen abschrecken?
Zunächst ist es wohl das Unbekannte, Fremde. Doch es ist
auch das Unberechenbare, das
nicht objektiv Bewertbare. Die
Jury der SchülerInnen (5-8 Personen) entscheidet und da ist
häufig Sympathie und auch An-
Jede/r Schreiber/in, jeder Text mit seiner Form der Präsentation. Witz und Groove des Sieger-Duos (Mitte) Pia
(24) und Soresh (19) überzeugten die Jury.
hlz – Zeitschrift der GEW Hamburg 12/2010
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tipathie im Spiel. Es gibt viele
unterschiedliche Vorstellungen
davon, was einen guten Text
ausmacht. Das muss vom Lehrer, von der Lehrerin akzeptiert
werden. Ich muss mich als Lehrerin darauf einlassen, dass die
SchülerInnen die Jury bilden und
entscheiden. Das kann auch zu
Konflikten führen. Aber das sind
die Spielregeln des Wettbewerbs
und das ist Poetry Slam. Allen
Beteiligten ist klar: The point is
not the points, the point is the poetry. (Allan Wolf)
hlz: Das Thema für den näch-
sten Wettbewerb steht schon
fest? – Was gab den Ausschlag
für dieses Thema?
ZIVILCOURAGE ist das gesetzte Thema. Eine Arbeitsgruppe einer meiner FOS Klassen
hat sich innerhalb einer Projektarbeit mit diesem Thema auseinandergesetzt und einen Film
darüber gedreht. Der kurze Film
hat große Anerkennung bei den
SchülerInnen gefunden. Denn
die Vorfälle auf Schulhöfen und
vor allem in Bussen und auf
Bahnhöfen sind allen im Gedächtnis. Was hilft gegen plötz-
liche Gewaltausbrüche? Bin ich
allein? Bin ich betroffen? Misch
ich mich ein? Auf wen kann ich
mich verlassen? Und wie finde
ich das heraus? Nur eine kleine Auswahl von Fragen, die im
Thema ZIVILCOURAGE stecken. Der Poetry Slam 2011 wird
zeigen, was die SchülerInnen an
Fragen und Antworten haben.
hlz: Wir wünschen Dir und allen Slammern dabei viel Freude
und Erfolg.
Die Fragen stellte
STEFAN GIERLICH
Lesetage
Vattenfall – hau ab!
hlz-Interview mit Hartmut Ring, GEW-Ausschuss für Friedenserziehung,
und Astrid Matthiae, Journalistin und Diplombiologin,
Initiative Moorburgtrasse-stoppen.de
Antragstext, verabschiedet auf der letzten LVV: "Die GEW-Hamburg empfiehlt ihren Mitgliedern
in allen Bildungseinrichtungen der Stadt, insbesondere in Schulen, Kitas und Stadtteilzentren, in
Zukunft vom Energiekonzern Vattenfall organisierte und gesponserte Veranstaltungen bzw. entsprechende Projekte nicht mehr zu unterstützen. Dies gilt u.a. für die alljährlich im April stattfindenden Vattenfall Lesetage sowie den Vattenfall Schulcup, ein Radsportwettbewerb an Hamburger
Schulen.
Darüber hinaus empfiehlt die LVV der GEW ihren Mitgliedern, sich an den Vorbereitungen für
Alternativ-Veranstaltungen zu den Vattenfall Lesetagen 2011 zu beteiligen. Der bisherige Arbeitstitel dafür lautet ´Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen´."
hlz: Wie ist es eigentlich zu
diesem Antrag gekommen?
Astrid Matthiae: Als Initiative „Moorburgtrasse stoppen“ haben wir bereits im vergangenen
April etwas zu den Vattenfall Lesetagen gemacht. Vattenfall veranstaltet seine Lesetage ja immer
im April, im Jahr 2011 vom 7. –
14.4. Im Frühjahr 2010, nach der
erfolgreichen Baumbesetzung,
hatten wir nur ganz wenige Wochen Zeit. Für etwas Eigenes war
es zu knapp; das hatten wir zwar
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erwogen aber mussten es dann
lassen; aber wir hatten trotzdem
unsern Spaß. Wir haben Flugblätter verteilt nach dem Motto:
„Schöne Veranstaltung, falscher
Veranstalter“, die kamen sehr
gut an. Und von unserm Auftritt
auf der offiziellen Eröffnungsveranstaltung der Vattenfall Lesetage gibt`s noch ein Filmchen
im Internet (einfach „Vattenfall
Lesetage Preisverleihung durch
Bürgerinitiative“ in die Suchmaschine eingeben oder „stop
greenwashing“). Für die kom-
menden Lesetage haben wir uns
auf die Suche nach Kooperationspartnern begeben und freuen
uns, dass die Hamburger GEW
auf ihrer LVV am 16. 11. den
obigen Beschluss gefasst hat.
hlz: Worin werden sich die
„Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen“ inhaltlich
von den Vattenfall Lesetagen unterscheiden?
Astrid Matthiae: Der Titel der
Aktion ist Programm, schon aus
hlz – Zeitschrift der GEW Hamburg 12/2010
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