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IQN Fortbildungsveranstaltung: Was tut man, wenn

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IQN Fortbildungsveranstaltung am 24. Oktober 2007
Was tut man, wenn...
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
Einführung
Dr. Dr. med. Klaus Enderer
Stellv. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Veranstaltung greift Forderung auf nach einer
„Kultur des offenen Umgangs mit Behandlungsfehlern“
(Jahresgutachten des Sachverständigenrats 2002)
„
Debatte ist eng verbunden mit:
„
„
Aktivitäten der Politik zur Stärkung der Patientenrechte
„
Wandel des Arzt-Patient-Verhältnisses
Wie gehen Ärztinnen und Ärzte mit dieser Frage um?
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 2
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
gesundheitspolitisches Umfeld seit den 1990er Jahren
„
Forderung nach mehr „Bürger- und Patientenorientierung
im Gesundheitswesen“ (zunächst von Rot-Grün, später vom
gesamten politischen Spektrum)
„
NRW als Schrittmacher: Entschließung der Landesgesundheitskonferenz 1998 zur Stärkung des Einflusses, der Beteiligungschancen und des Schutzes der Patienten
„
Heute: Der „mündige“ Patient hat sich als gesundheits- und
rechtspolitisches Leitbild durchgesetzt; Plädoyers für Patientensouveränität, Patientenbeteiligung, „Eigenverantwortung“
und Patientensicherheit sind allgegenwärtig
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 3
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Politik, Medien und Gesellschaft orientieren sich am attraktiven Bild des
souveränen und rationalen Konsumenten in einer auf Fitness und
Wellness ausgerichteten Anti-Aging-Gesellschaft
„
Der Patient mutiert zum „Kunden“, der Arzt zum „Techniker“
„
Forderung: Abbau von Hierarchie und Wissensgefälle;
„gleichberechtigtes“ Auftreten gegenüber dem ärztlichen „Dienstleister“;
„
Der Patient als leidendes, hilfebedürftiges Individuum gerät zunehmend
aus dem Blick
„
Aber: Patient ≠ Kunde. Er verfügt weder über vollständige Informationen
noch fragt er i.d.R. freiwillig Leistungen nach
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 4
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Befund: Verhalten und Rollenbild der Patienten unterliegen einem
gesellschaftlichen Wandel
„
Zunehmende Informiertheit und wachsende Kompetenz der Patienten
führen zu Veränderungen im Patient-Arzt-Verhältnis
Î „Partizipative Entscheidungsfindung“ als modernes Leitbild gegen
ärztlichen „Paternalismus“
„
Gleichwohl: Konstitutives Merkmal der ärztlichen Profession ist und
bleibt die unmittelbare, vertrauensvolle Begegnung mit dem Patienten
„
Und: hinter dem „mündigen Patienten“ steht keine homogene Gruppe;
Patienten haben unterschiedliche Präferenzen, Erwartungen und
Verhaltensmuster
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 5
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Weit mehr als sonst in sozialen Beziehungen fließt im ärztlichen
Berufsbereich das Ethische mit dem Rechtlichen zusammen
„
Ärzte und Pflegende stehen unter enormem Leistungsdruck, keine
Fehler machen zu dürfen
„
Paradoxe Folge des medizinischen Fortschritts: „Der Minimierung
des medizinischen Risikos für den Patienten steht eine Maximierung des juristisch-forensischen Risikos für den Arzt gegenüber“
(Ulsenheimer 2003)
„
Trotz allen Bemühens um die beste medizinische Versorgung:
Irrtümer und Behandlungsfehler gehören faktisch zu den
behandlungsimmanenten Risiken
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 6
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Häufige Wahrnehmung des Patienten nach einem Zwischenfall:
„
Ärzte schweigen aus Selbstschutz
„
Ursächlich für Zwischenfälle: zu wenig Zeit und fehlende
Empathie
Empirisch belegt:
„
Fühlen Patient sich verstanden, sinkt die Bereitschaft, sich zu
beschweren
„
Vice versa: Patienten ergreifen juristische Maßnahmen wegen
defizitärer Kommunikation und empfundener Ohnmacht
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 7
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Was erwarten Patienten?
„
„
„
„
„
Genaue Informationen
Empathie und Respekt
Nachvollziehbarkeit des Vorfalls
Hilfsangebote
erkennbare Lernbereitschaft der Ärztin/des Arztes
„
Ist dies gewährleistet, bleibt das Vertrauen meist erhalten
„
Dies spricht für die Notwendigkeit einer offenen Kommunikation über Zwischenfälle (dieser Zusammenhang wurde in Studien
u.a. der Uni Witten/Herdecke belegt)
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 8
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
„Hindernisse“ ärztlicherseits beim offenen Umgang mit
Zwischenfällen:
„
die Sorge, bereits der Ausdruck des Bedauerns bedeute ein
Anerkenntnis von „Schuld“ (haftungsrechtliche Folgen etc.)
„
die latente Angst vor zivil-, aufsichts- und/oder strafrechtlichen
Maßnahmen beim Eingeständnis (möglicher) Behandlungsfehler
„
die „Aussicht“ auf Vorverurteilung und öffentlicher Stigmatisierung
(z. B. durch aggressive Berichterstattung in den Medien)
„
die Sorge um die berufliche Existenz
Î Fazit: Kommunikation nach einem Behandlungszwischenfall stellt
eine große Herausforderung dar
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 9
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Was muss geschehen?
„
Abkehr von einer „Blame-Kultur“ hin zu einer „Sicherheitskultur“
„
„
„
konstruktiver Umgang mit Fehlern und Beinahe-Fehlern
rechtlich besser geschützte Räume für offene Fehlerdiskussionen
Lernen aus anderen Bereichen und Ländern
„
„
Pioniere der Entwicklung von Fehlervermeidungsstrategien:
Nuklear- und Luftfahrtindustrie
Erfahrungen in den USA: als Antwort auf eine defensive
Kommunikationspolitik entwickelte sich z.B. „Sorry Works“
(Bewegung initiiert durch Hillary Clinton)
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 10
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
Was geschieht in Deutschland?
„
Das Thema „Patientensicherheit“ wird seitens der Ärzteschaft seit
einigen Jahren offensiv(er) aufgegriffen
„
Pioniere: Gutachterkommissionen bei den Landesärztekammern
„
Mittlerweile: Vielzahl von Aktivitäten zur Fehlerprävention seitens der
Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
„
Beispiel: anonymes Fehlermeldesystem CIRS (Critical Incident
Reporting System)
„
Multiprofessionelles Engagement: Seit 2005 Aktionsbündnis
Patientensicherheit e.V. (Mitglieder aus allen Bereichen des
Gesundheitswesens)
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 11
„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„Es ist kein Fehler, einen Fehler einmal zu begehen,
aber es ist unärztlich, den eigenen Fehler nicht
einzugestehen oder erkennen zu wollen,
um daraus für später die notwendigen Konsequenzen
zu ziehen.“
Georg Ernst Stahl (1660-1734), Leibarzt von König Friedrich Wilhelm I.
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 12
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„Was tut man, wenn...“
Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall
„
Was erwartet Sie im Folgenden?
„
Orientierungshilfen für Ihr eigenes Handeln nach
Zwischenfällen
„
Ein Mix aus juristischen Perspektiven und
Erfahrungsberichten aus der ärztlichen Praxis
„
interessante Vorträge und eine – so hoffen wir –
anregende Diskussion...
© KV Nordrhein ƒ Dr. Klaus Enderer ƒ 24.10.2007 ƒ Folie 13
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