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Die Schule als Teil des Gemeinwesens – Was kann die Kommune

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Landesverband Schleswig-Holstein
Inklusionsbüro
Die Schule als Teil des Gemeinwesens –
Was kann die Kommune für Inklusion tun?
Workshop im Rahmen des Fachtages „Inklusive Bildung“ des
Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein
am 25.09.2010
Der Workshop und dieses zugehörige Hand-Out versuchen einen Bogen über drei
Themenbereiche zu spannen: Den Aufbau inklusiver Schulen, die Vernetzung von
Schulen im Stadtteil oder der Region und die Frage, was Kommunen dazu beitragen
können, beides zu fördern.
Ferner möchten wir hier eine Vision vorstellen: Von einer Schule im Stadtteil, die offen ist für alle Menschen.
1 Die inklusive Schule
Eine inklusive Schule ist eine Schule für alle Kinder eines Stadtteils, unabhängig von
deren Herkunft, Sprache, Leistungsniveaus sowie körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. Sie ist nicht spezialisiert auf bestimmte Gruppen von Kindern.
Die inklusive Schule hat ein Curriculum für alle Schülerinnen und Schüler und gewollt
heterogene Lerngruppen, bietet aber einen nach individuellen Zielen differenzierten
Unterricht.
Die inklusive Schule ist barrierefrei gestaltet und verfügt über ein interdisziplinäres
Kollegium. Bei Bedarf erfolgt eine heil- oder sonderpädagogische Unterstützung.
Die Schule ist wohnortnah, schnell erreichbar und eng vernetzt mit dem sozialen Umfeld.
2 Vernetzung der Schule im Stadtteil
Hinter der Vernetzung von Schulen mit außerschulischen Partnern im Stadtteil steht
die Idee einer guten Nachbarschaft von Schule und Stadtteil, in der man einander
kennt und sich gegenseitig hilft und voneinander profitiert.
Eine systematische Vernetzung von Schule und Stadtteil bedeutet:
 Öffnung der Schule für andere Lernorte,
 Einbeziehung außerschulischer Experten,
 Nutzung außerschulischer Kompetenz,
-1-
Die inklusive Schule als Teil des Gemeinwesens


Bewusstsein für Realitätsnähe und Anwendungsbezug des Lernens,
Weiterentwicklung der Lernformen innerhalb der Schule (offener Unterricht, Projektlernen),
Ferner bedeutet es, dass die Schule ihre Räume und ihr Gelände für Begegnungen,
Veranstaltungen und für Kommunikation in ihrem Stadtteil zur Verfügung stellen.
Erfahrungen aus Hamburg zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler von der Öffnung der Schule zum Stadtteil profitieren. Sie leben und lernen in der Schule und im
Stadtteil, sie bereichern ihre Freizeit durch vernetzte Angebote, die Kooperation mit
Betrieben und städtischen Einrichtungen führt sie in die Berufswelt ein und auch die
demokratische Teilhabe am politischen und kulturellen Geschehen findet Orte und
erzeugt Effekte außerhalb des Unterrichts.
Ebenso profitieren die Schulen, sie werden von einem Lernort zu einem Lebensort
und bilden einen zentralen Punkt im sozialen Raum.
Und es profitiert der Stadtteil, er erhält neue Begegnungs- und Lebensräume und
erfährt durch die Identifikation aller Beteiligten mit den durchgeführten Projekten eine
Aufwertung.
3 Indikatoren für eine im Stadtteil vernetzte inklusive Schule
Bei der Betrachtung der oben dargestellten Merkmale inklusiver Schulen und im
Stadtteil vernetzter Schulen fällt auf, dass sich verschiedene Überschneidungen ergeben. Ein Merkmal inklusiver Schulen ist eine gute Vernetzung im Stadtteil oder der
Region. So enthält auch der Index für Inklusion verschiedene Indikatoren, die sich
auf die Vernetzung beziehen (Die Nummerierung der im Folgenden zitierten Indikatoren entspricht der Nummerierung im Index für Inklusion):
A.1.7. Alle lokalen Gruppierungen sind in die Arbeit der Schule einbezogen
Die Schule bezieht alle lokalen Gruppierungen gleichberechtigt in ihre Arbeit mit ein.
Sie ist an lokalen Gremien (z.B. Stadtteilkonferenzen) sowie an Aktivitäten der lokalen Gruppierungen beteiligt und stellt diesen Einrichtungen der Schule zur Verfügung.
B.1.2
Die Schule nimmt alle Schülerinnen und Schüler ihrer Umgebung auf
Alle Schülerinnen des Einzugsgebietes werden ermutigt, die Schule zu besuchen,
unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen, von ihren Leistungen
oder von persönlichen Beeinträchtigungen.
B.2.1
Alle Formen der Unterstützung werden koordiniert
Es gibt ein koordiniertes System von Unterstützungsleistungen bestehend aus eigenen Ressourcen und ambulanten Unterstützungsdiensten von Außen, welches darauf zielt, individuelle Unterstützungsbedarfe zu erfüllen und damit die Fähigkeit der
Schule verbessert, der Vielfalt zu entsprechen.
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Die inklusive Schule als Teil des Gemeinwesens
B.2.8
Hindernisse für die Anwesenheit werden reduziert
Es gibt eine koordinierte Strategie zwischen der Schule und den sozialen Diensten in
der Region.
C.1.11 Alle Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an Aktivitäten außerhalb
der Klasse
Alle Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, an Aktivitäten außerhalb der
Schule teilzunehmen. Alle haben die Möglichkeit an Aktivitäten teilzunehmen, die
lokalen Gemeinschaften nützen und diese unterstützen.
C.2.4
Die Ressourcen im Umfeld der Schule sind bekannt und werden
genutzt.
Es gibt eine regelmäßig aktualisierte Zusammenstellung der Ressourcen in der Umgebung, die den Unterricht und das Lernen unterstützen können.
Mitglieder lokaler Gruppierungen tragen etwas zum Unterricht bei. Eltern und andere
Menschen aus dem Umfeld der Schülerinnen und Schüler werden in den Unterricht
eingeladen. Deren spezielle Kompetenzen (z.B. Berufe, Ämter oder Hobbys) werden
als Ressourcen in den Unterricht einbezogen.
Menschen aus dem Umfeld agieren als Paten oder Mentoren, um Schülerinnen und
Schüler mit Schwierigkeiten zu unterstützen.
4 Wie kann eine Kommune eine vernetzte inklusive Schule fördern?
Zur Erarbeitung eines Schulprogramms, welches eine Vernetzung im Stadtteil vorsieht, stellen sich Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern folgende Fragen:
 Was braucht der Stadtteil?
 Welchen Beitrag können wir als Schule leisten?
 Wie können wir zu einer dauerhaften Kooperation im Stadtteil kommen?
Die Eingangsfrage zu den Entwicklungsbedürfnissen eines Stadtteils können sich
Schulen nicht selbst beantworten. Hierzu bedarf es einer Verständigung zwischen
Schulen und Gremien der Stadt- oder Ortsentwicklung.
Die Kommune kann dies fördern, indem sie die Schulen in die Stadt- oder Ortsentwicklung und in örtliche Gremien (z.B. Stadtteilkonferenzen) einbindet.
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Die inklusive Schule als Teil des Gemeinwesens
Für die Koordination von Unterstützungsleistungen ist die Schule auf eine gute Zusammenarbeit mit den Einrichtungen und Diensten in der Region angewiesen. Als
öffentlicher Träger der Sozialhilfe kann die Kommune darauf hinwirken, dass alle externen Erbringer von Unterstützungsleistungen im Sinne der Betroffenen mit der
Schule kooperieren.
Für eine Zusammenarbeit ist es notwendig, dass die Kooperationspartner einen
Mehrwert aus den gemeinsamen Aktivitäten ziehen. Die Kommune sollte darauf hinwirken, dass die Bewohner und die ansässigen Institutionen sich mit ihrem Stadtteil
identifizieren und eine Kultur des Gebens und Nehmens entwickeln.
Vernetzung macht Arbeit, diese muss mit personellen Ressourcen, z.B. für Schulsozialarbeiter oder mit besonderen Stundenkontingenten für Lehrer, hinterlegt werden.
Die Kommunen sind Träger eines großen Teils der Schulen. Als solcher können Sie
dazu beitragen, die Schulen mit notwendigen Ressourcen auszustatten.
Und natürlich sollte die Kommune sich selbst zu einer inklusiven Kommune entwickeln!
5 Was ist eine inklusive Kommune?
Inklusion bezogen auf die Kommune bedeutet, dass alle Institutionen und Organisationen innerhalb der Kommune alle Menschen, die mit ihnen Kontakt haben, freundlich empfangen und willkommen heißen. Inklusion soll als Leitidee für jegliche Institutionen gelten, die die Verschiedenheit von Menschen anerkennen und einbeziehen
wollen.
In einer inklusiven Kommune ist das öffentliche Leben so gestaltet, dass alle Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich und selbstbestimmt daran teilhaben können,
unabhängig von…
 ihrem Geschlecht
 ihrem Alter
 ihrer Herkunft und Sprache
 einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung
 …
Jedem Bürger wird mit Fairness, Solidarität, Offenheit und Respekt begegnet.
Barrieren und Diskriminierungen unterschiedlichster Art werden erkannt und aktiv
beseitigt.
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Die inklusive Schule als Teil des Gemeinwesens
Literatur
Schule und Stadtteil Teil 1, Konzepte zur Entwicklung von Schule und Stadtteil;
Herausgeber: Freie und Hansestadt Hamburg; Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung; Amt für Schule
Index für Inklusion – Lernen und Teilhabe in der Schule der Vielfalt entwickeln;
Herausgeber: Mark Vaughan, Centre for Studies on Inclusive Education (UK); deutsche Übersetzung und Bearbeitung: Ines Boban und Andreas Hinz, Martin-LutherUniversität Halle-Wittenbeg
Kommunaler Index für Inklusion; Herausgeber: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft; auf der Grundlage von: Aspiring to Inclusion – A handbook for councils an
other organisations; Vincent McDonald / Debbie Olley
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Bildung
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