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Das Messie-Syndrom - Was kann helfen? - Angehörige von

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Das Messie-Syndrom - Was kann helfen?
Renate Pastenaci; Beitrag auf dem 11. Kongress Armut und Gesundheit am 18. und 19.
November 2005
1. Zu meiner Vorgeschichte: Ende des Jahres 1986 habe ich mich zum ersten Mal mit dem
Messie-Syndrom im Rahmen meiner Dissertation an der FU Berlin bei Prof. Greve
beschäftigt. Ich nannte es damals Vermüllungssyndrom. Die Promotion erhielt ich für die
Arbeit 1993. Im Jahr 2000 wurde ich dann gebeten, diese Dissertation als Buch zu
veröffentlichen, denn inzwischen gab es eine Bewegung von Menschen, die sich als
Betroffene erlebten und in Selbsthilfegruppen neue Wege der Selbsthilfe suchten. Ich selbst
hatte in dem gleichen Jahr meine Ausbildung als Psychoanalytikerin am Alfred-Adler-Institut
in Berlin abgeschlossen. Therapeutische Erfahrungen hatte ich nach Abschluss der Promotion
mit Messie-Patienten eher wenig.
Inzwischen bin ich im 5. Jahr nach meinem Abschluss als Psychoanalytikerin und kann sagen,
dass ich nun Erfahrungen als Therapeutin gesammelt habe und deswegen habe ich vor, mich
heute zum Gedankenaustausch über therapeutische Möglichkeiten für Betroffene des MessieSyndroms zur Verfügung zu stellen.
Mir fiel auf, dass die Betroffenen, die sich zu einer analytischen Psychotherapie entschlossen
haben, sich mit dem Thema Messie-Syndrom bereits schon seit längerem beschäftigt hatten.
Sie waren informiert über die Medien, fühlten sich angesprochen und erkannten, dass sie ohne
Hilfe nicht aus dem Zustand herauskommen. Eine Endstrecke war erreicht. Die Scham sich
vor einer fremden Person zu öffnen, mit der vor allem Messie-Patient zu kämpfen haben,
konnte mit der Äußerung eine psychotherapeutische Behandlung zu wollen, im ersten Ansatz
überwunden werden. Der erste Kontakt wirkt auf mich oft wie eine Befreiung der
Betroffenen. Es darf etwas ausgesprochen werden, was mit Mühe verborgen gehalten wird.
Die Öffentlichkeitsarbeit der Messie-Selbsthilfegruppen hat den Betroffenen Mut gemacht,
sich einen eigenen Weg zu suchen, um aus der Isolation herauszufinden. Im Rahmen meiner
Dissertation vor 15 Jahren fand ich keine zufrieden stellenden therapeutischen Behandlungen
für die Betroffenen. Die Selbsthilfegruppen schufen eine Erweiterung des therapeutischen
Spektrums. Die Erreichbarkeit für eine Behandlung schien mir aus damaliger Sicht äußerst
begrenzt mehr im Rahmen der Sozialpsychiatrie zu liegen.
2. Mit geradezu einer inneren Berührung konnte ich erleben, dass betroffene Patienten zu mir
den Weg finden und bereit sind sich auf einen längeren Behandlungsprozess einzulassen. Sie
kommen mit einem anderen Hauptanliegen als die meisten anderen Patienten, die zu mir
kommen. Das Thema „In meiner Wohnung komme ich nicht mehr zurecht. Da hat es sich
getürmt. Ich bin ein Messie“ werden zu Eingangssätzen. Auch in der psychoanalytischen
Behandlung ist mit schnellen Ergebnissen nicht zu rechnen. Die Betroffenen kommen zu mir
2-3-mal pro Woche zu festen Zeiten. Zu Beginn werden klare Vereinbahrungen getroffen.
Absagen sind nur wegen schwerer Erkrankung oder mit längerer Vorausplanung aus
wichtigem Grund möglich. Dies stellt für manch einen eine große Hürde dar, da gerade
Messie-Patienten mit einem großen Druck im Alltag zu tun haben. Wenn die Motivation für
eine Veränderung hoch ist, gelingt so ein therapeutisches Bündnis. Es ist mit einer
Behandlungsdauer von 2-3 Jahren zu rechnen, manchmal auch durchaus länger. Der Druck, „
warum dauert es so lange bis sich etwas bei mir ändert“, wird als Enttäuschung geäußert, die
sich dann auch gegen mich richtet. Mühsam wird nach der inneren Lebenshaltung zu sich
selbst geforscht. Man stellt fest, dass sich oftmals eine Erstarrung zu der Welt und zu sich
geradezu wie ein Dogma innerlich verfestigt hat. Ein Fragen nach dem „warum-ist-das-so“
wird zur therapeutischen Arbeit. Es wird nach dem verborgenen inneren Gefühl gesucht, dass
unter Bergen von Kummer, Enttäuschungen, Wut, Trauer, Anforderungen liegt. Die
Erstarrung dient als Schutzwall vor dem Gefühl der Angst bei einer Veränderung und als
Schutz vor dem Nicht-handeln-können, vor dem Versagen, der Auslieferung und vor der
erneuten Beschämung. Im therapeutischen Raum werden diese inneren Vorgänge vorsichtig
versucht bewusst werden zu lassen, um so ein Gespräch darüber zu ermöglichen und
irgendwann die Phantasie zu entwickeln, dass Veränderungen selbstbestimmt doch möglich
sein können. Der inneren Veränderung können äußere Veränderungen dann folgen. Die Enge
der vollen Wohnung wird auch im therapeutischen Raum gefühlt.
Wir (der Patient und ich) versuchen gemeinsam den Erinnerungen der Biographie
nachzugehen. Auslöser des Beginns der Annsammlung sind oft ein Verlusterleben. Ich habe
festgestellt, dass einschneidende Traumen oft in den Familienerfahrungen zu finden sind. Es
werden dann die Biographien der Eltern und auch Großeltern betrachtet. Nicht selten waren
schwere Traumata der Kriegsgeneration wie z.B. Vertreibung, familiäre Verluste durch den
Krieg, Vergewaltigung, Vernichtung von Angehörigen im Erfahrungshintergrund der Eltern,
die nie verarbeitet wurden, aber im Familiengeschehen im Umgang mit dem Kind (späteren
Pat.) als dunkle nicht fassbare Seite präsent war. Wenn dann noch zwei Elternteile mit jeweils
eigenem Schicksal zusammenkommen und ein Neuanfang nicht gelingt, steht das Kind in der
Mitte und spürt nur, dass von beiden Eltern eine große Bedürftigkeit ausgeht und ein
gegeneinander der Eltern untereinander. (Stimmt der letzte Satzteil inhaltlich?)
Das Aufarbeiten der eigenen Biographie und das Verstehen der Biographien der Eltern
fördern das Gefühl, dass es möglich wird, sich aus einer unüberwindbaren Enge
herauszubewegen. Im therapeutischen Setting kann ein einfühlbares Wiedererinnern
ermöglicht werden. Die Erfahrung, dass ein sich-Öffnen gelingt und ein Gegenüber Anteil
nimmt, ermöglicht dem Betroffenen eine neue Beziehungserfahrung. Je mehr sich im
therapeutischen Rahmen eine Nähe und Vertrauen entwickelt, desto näher wird auch die
Beziehungsarbeit zwischen mir und der Betroffenen. Es wird dann möglich, auch unmittelbar
zu äußern, dass man sich nicht verstanden fühlt oder verärgert ist. Der Betroffene erlebt, dass
Unmut ausgesprochen, besprochen und in eine Verständigung münden kann ohne, dass es zu
einem Bruch kommt. Das Gefühl des ständigen Drucks, mit dem die Betroffenen zu tun
haben, entwickelt sich dann irgendwann zu dem Gefühl, dass es eigene Konflikte gibt, über
die man nachdenken und besprechen kann. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag: „Ich kann
mich nicht entscheiden, ob ich die Zeitschriften brauche oder sie wegwerfen kann“. Es wird
die Schwierigkeit beschrieben, eine Entscheidung zu treffen. Ist der Zugang zu den inneren
Gefühlen gelungen, kann die Fülle der Ambivalenz erkannt und überlegt werden. Der Weg
geht dann in die Richtung Verantwortung tragen für sich selbst und das es sich gut und
stimmig anfühlt. (Stimmt der letzte Satzteil inhaltlich?)
Ich habe versucht, Ihnen einige Momente aus der therapeutischen Tätigkeit zu beschreiben.
Bei meiner Arbeit habe ich selbst große Neugier entwickelt, so dass ich auf meine Weise die
Entwicklung der Betroffenen zu fördern hoffe.
Die aktuelle Wohnungssituation bleibt in der Zeit der Behandlung in meinem und in dem
Augenwinkel des Betroffenen. Nach längerer Zeit der gemeinsamen therapeutischen Arbeit
wirkt es wie eine Belohung für uns beide, wenn ein vorsichtiges langsames Loslassen der
Ansammlungen scheinbar plötzlich möglich zu sein. Auch wenn am Ende einer Therapie der
Betroffene nicht vor einer aufgeräumten und geordneten Wohnung steht, so kann das
Ergebnis der Behandlung auch sein, dass Veränderungen zu einem mehr selbstbestimmten
und zufriedeneren Leben möglich werden.
Kontakt:
Renate Pastenaci
Praxisanschrift: Reifträgerweg 9k
14129 Berlin
Tel.:/Fax: (0309) 79 11 585
Selbsthilfe als sinnvolle Ergänzung institutionalisierter
Hilfe – Mittel und Wege zur Überwindung eigener
Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit
Marianne Bönigk-Schulz; Beitrag auf dem 11. Kongress Armut und Gesundheit am 18. und
19. November 2005
Zahlreiche Menschen, die sich selbst als „Messies“ bezeichnen, befinden sich in schwierigen
Wohnsituationen und damit in einer Art Selbstisolation. Bei diesen Personen macht sich vor
allem die Schwierigkeit, vom Planen zum Handeln zu gelangen, deutlich. Situationen, die ein
Handeln erfordern, schrecken ab und werden vermieden. Oft kommt es nur zu begrenzten,
zusammenhanglosen Handlungen, also ein Versuch, Handeln bei sich zu erzwingen. Das zieht
eine Konzentrationsstörung und irgendwann eine dauerhafte Handlungsunfähigkeit nach sich.
Im tragischen Endzustand wird jede Tätigkeit unmöglich. Unter dem „Messie-Syndrom“
verstehen wir heute eine Unfähigkeit, über Handlungsroutinen, vorwiegend in der eigenen
Wohnung, zu verfügen. Zur Unterscheidung von anderen psychischen Störungen wissen wir,
dass diese Menschen in anderen Wohnungen normale Handlungsabläufe besitzen. Die
grundsätzlichen organisatorischen Fähigkeiten sind bei diesen Menschen zwar vorhanden, sie
sind jedoch auf tragische Weise dort blockiert, wo es direkte Auswirkungen auf das eigene
Erleben hat – im eigenen Wohnumfeld. Wir wissen heute, dass diese Störungsart sich
chronisch ent-wickelt und bis zur Handlungslähmung führen kann – wohlgemerkt
überwiegend nur in der eigenen Wohnung.
Ziele der Selbsthilfegruppen für Betroffene
Unser Ziel in den Selbsthilfegruppen muss es sein, die Ursachen für diese Blockierung zu
erkennen, Reaktions- und Handlungsmuster einzugrenzen, diese bewusst zu machen und
damit die Voraussetzung für die zeitliche Einordnung der Reaktionen im hier und jetzt zu
schaffen, um so eine förderliche Entwicklung anzustoßen.
Wir müssen jedoch in den Selbsthilfegruppen für „Messies“ bei den Betroffenen damit
rechnen, dass sie aufgrund ihrer bisherigen Lebenserfahrung sehr misstrauisch, distanziert
oder gleichgültig sich selbst gegenüber (den ureigenen Interessen gegenüber) und mehr oder
weniger bindungslos zu anderen Menschen geworden sind.
Deswegen gilt es dann - und dies ist die immerwährende, gar nicht leichte Aufgabe einer
Selbsthilfegruppe -, neue Lebenserfahrung anzubieten, ein Gefühl der Verbundenheit mit
gleichzeitiger angemessener Autonomie zu schaffen. In den Selbsthilfegruppen müssen genügend Möglichkeiten zur Verfügung stehen, dass das innere und äußere Gleichgewicht
wiederhergestellt werden kann, z.B. durch Zuspruch und Beruhigung in Konfliktsituationen,
ohne dass die Autonomie des Menschen eingeschränkt wird - also ohne die Menschen zu
„Hilfesüchtigen“ werden zu lassen. Gleichzeitig ist es wichtig für die Betroffenen, dass eine
Befriedigung über die vorhandenen Anlagen und Fähigkeiten empfunden und erinnert wird.
Ganz konkret kann das bedeuten, dass die Gruppen bei ganz normalen Schwierigkeiten
Problemlösetechniken unterstützt, und zwar dadurch, dass:
1. die Einsicht geweckt wird, dass Probleme zum Leben gehören
2. anstehende Probleme möglichst genau artikuliert werden
3. Teilnehmer der SHG Handlungsalternativen aufzeigen können
4. Unterstützung beim Finden einer stimmigen Alternative gegeben werden kann
5. Emotionale Unterstützung durch die Gruppen bei der getroffenen Entscheidung möglich ist.
Menschen, die in einer Selbsthilfegruppe arbeiten, stärken sich durch ihre vertrauensvolle
Beziehung zu den anderen Gruppenmitgliedern. Sie festigen ihr Selbstwertgefühl und lernen,
ihre sozialen Beziehungen auch außerhalb der Gruppe zu verbessern. Selbsthilfegruppen
müssen darauf achten, dass sie die Teilnehmer nicht in einem Selbsthilfegetto einengen.
Selbsthilfegruppen sind meiner Meinung nach das ideale Übungsfeld für eine soziale
Entwicklung. Sie ermöglichen es den Einzelnen auch, miteinander und voneinander zu lernen.
Die Teilnehmer entwickeln aus ihrer gemeinsamen Betroffenheit Solidarität, Verständnis und
gegenseitige Hilfe. Mit der Gruppe schafft sich jeder Einzelne einen beschützenden Rahmen,
in dem er sich nicht verlassen den Anforderungen und Belastungen des Alltags ausgesetzt
fühlt. Das allein dient schon dem notwendigen Stress- und Angstabbau.
Die Gruppe sollte sich regelmäßig, etwa einmal wöchentlich, treffen. Wichtig ist vor allem
die regelmäßige Teilnahme (allerdings auf gar keinen Fall eine verpflichtende Teilnahme)
über einen längeren Zeitraum. Es erfordert Zeit, Vertrauen zu entwickeln, eine offene
Kommunikation einzuüben und Probleme zu bewältigen. Die meisten Gruppen treffen sich
mindestens ein Jahr lang einmal pro Woche für 2-3 Stunden. Es empfiehlt sich, die Anfangsund Endzeiten möglichst genau festzulegen und einzuhalten. Man muss sich aufeinander
verlassen können und deswegen gibt es einige wenige Regeln, die eingehalten werden
müssen, damit die Gruppe verlässlich bleibt. Die nachfolgenden Regeln dienen dazu:
„Blitzlicht” zu Beginn der Gruppe: Um einen Gruppenprozess in Gang zu setzen, ist es nötig,
dass alle in der Gruppe emotional „ankommen“. Dazu dient ein „Blitzlicht”, das darin besteht,
dass jedes Gruppenmitglied eine kurze Aussage über sein Befinden macht, ausgehend etwa
von folgenden Fragen: „Wie geht es mir im Moment?”, „Was bringe ich an Gefühlen mit in
die Gruppe?” und gegebenenfalls: „Wie kann ich störende Gefühle und Gedanken
loswerden?” (Es mag zeitaufwändig erscheinen, wenn jedes Gruppenmitglied zu Beginn einer
Sitzung alle diese Fragen beantwortet. Zeitaufwand allerdings ist der Preis jeder
Gruppenarbeit. Letzten Endes hilft dieses Vorgehen, Zeit zu sparen, denn der Gruppenprozess
bleibt transparenter und Konflikte können reduziert werden. Das Blitzlicht hilft, die
emotionale Bereitschaft für die nachfolgenden Aktivitäten zu sichern.)
Wichtig: das Blitzlicht darf nicht durch Fragen unterbrochen werden!
Positives Gruppenklima: Wesentlich für eine Messie-Selbsthilfegruppe ist ein Klima, in dem
man sich gegenseitig Rückmeldung geben kann. Dabei soll Gesagtes nicht bewertet sondern
lediglich rückgemeldet werden, wie man das Gesagte empfunden hat. Den größten Erfolg
haben erfahrungsgemäß Gruppen, die im freien Gespräch so offen wie möglich ihre Probleme
austauschen und zu bewältigen versuchen. Sowie man beginnt, mit „gut“ und „schlecht“ oder
„richtig“ und „falsch“ zu operieren, erdrückt man die Bereitschaft zur Offenheit. Um eine
Kultur der Rückmeldung aufzubauen, verwenden Sie grundsätzlich eine subjektive Sprache:
„Ich empfinde, dass”, „Ich habe das Gefühl, dass” usw., anstatt Urteile abzugeben.
Störungen müssen vorrangig behandelt werden: Man kann sich nicht konzentrieren oder
zuhören, wenn man sich über die Gruppe oder ein einzelnes Mitglied ärgert. Auch wenn man
irritiert ist oder sich verletzt fühlt, muss man zunächst darüber sprechen, ehe man fortfahren
kann. Die Gruppe kann Konflikte, die aus individuellen Problemen stammen, nicht lösen.
Doch vermag sich oft eine eigene Lösung einzustellen, wenn man seine Probleme verbal
ausdrücken kann. Die anderen Gruppenmitglieder können jedoch versuchen, ähnliche
auslösende Momente in ihrem Erleben zu erinnern und anzusprechen. Alle Gruppenmitglieder
sollten sich selbst dafür verantwortlich fühlen, Irritationen mit dem Gruppenverlauf sofort
anzusprechen, auch wenn ein anderer Prozess dadurch unterbrochen wird. Das fördert eine
vertrauensvolle Atmosphäre.
Wechselnde Leiter: Ab vier Personen sollte eine Gruppe einen Leiter oder eine Leiterin
haben. Am besten lässt man diese Funktion rotieren, wenn die Gruppe sich nicht auf Dauer
für eine Leitungsperson entscheidet. Aufgaben der Leitung:
1. Auf die Zeit achten. Das ist bei „Messies“ besonders wichtig, da sie im Prinzip jedes
Gespräch unendlich lange ausdehnen können.
2. Alle zu Wort kommen lassen. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Gruppe nicht von
Einzelnen dominiert wird, während andere nicht zum Zuge kommen.
3. Konflikte ansprechen und Raum zu ihrer Bearbeitung schaffen.
4. Die jeweiligen Texte (z. B. Meditationen) auswählen und kopieren.
“Blitzlicht” zum Ende der Gruppe: Um einen Gruppenprozess abzuschließen, ist es nötig,
dass alle in der Gruppe emotional „Abschied nehmen“. Dazu dient ein „Blitzlicht”, das darin
besteht, dass jedes Gruppenmitglied eine kurze Aussage über sein jetziges Befinden macht:
„Wie geht es mir im Moment?”, „Was nehme ich an Gefühlen mit nach Hause?”
Wichtig: das Blitzlicht darf nicht durch Fragen unterbrochen werden!
Die Messie-SHG sollten möglichst auf ein komplexes Regelwerk verzichten, denn allzu oft
verletzen Betroffene diese Regeln – wie viele Betroffene gegen soziale Normen und Regel
rebellieren müssen. Die Gruppe hat keine festen Gesprächsregeln und keine festgelegten
Therapiekonzepte. Die jeweilige Situation bewirkt immer ein spezielles Verhalten und damit
spezielle Selbsthilfeverläufe. Somit ist das scheinbare „Nicht-Konzept“ der Gruppe im
Grunde doch eine Konzeption, denn es wird sichtbar, dass durch ein freies Gespräch die
jeweiligen Gruppenbedürfnisse reguliert werden. Die Gesprächsthemen in den Gruppen sind
nicht vorgegeben, sondern sie entstehen spontan durch die Bedürfnisse der Teilnehmer. Denn
in den Konfliktthemen eines betroffenen Menschen kann sich jeder Teilnehmer wiederfinden,
was bedeutet, dass es neben der Personeneigenschaft immer auch symptomübergreifende
Aspekte existieren, z. B.: Ängste, Entschlussunfähigkeit, Ambivalenz, fehlende Abgrenzung,
Abwehr-verhalten, psychischer Stress usw.
Damit die Gruppen sich nicht zu schnell auf das offensichtliche Problem stürzen (nämlich die
Wohnung) und dadurch sich selbst beschränken, werden in den ersten 4 Gruppentreffen kurze
Übungen zur Bewusstwerdung der Verantwortlichkeit der erlebten Handlungsblockaden
gelesen. Dann folgen in den nächsten 10-15 Treffen Übungen, die gelesen werden und den
Abwehrmechanismen von Menschen gewidmet sind. Vermeidungshaltungen und
Abwehrmechanismen werden von Betroffenen oft als einziger Schutzmechanismus gebraucht.
Das bedeutet natürlich eine Einschränkung des flexiblen Verhaltensrepertoires. Nach dieser
Einstimmung auf grundlegende Probleme dieser Menschen ist es leichter, mit den häuslichen
Defiziten umgehen zu können. Das ermöglicht im Laufe der Zeit, durch eine offene Haltung
zu anderen Menschen das wichtige Verbundenheitsgefühl zu entwickeln.
Die Selbsthilfegruppen scheinen bis jetzt die einzige Möglichkeit der Akzeptanz und
Selbstannahme zu sein. Das Ziel von Messie-Selbsthilfegruppen ist es, die persönliche
Situation der Menschen zu verbessern, die sozialen Fähigkeiten zu stärken und ein
hilfsbereites Netzwerk für jeden einzelnen auch außerhalb einer SHG aufzubauen.
Selbsthilfegruppen für Angehörige
Ehepartner, Kinder, Eltern und auch Nachbarn, sie alle geraten mit in den Abwärtsstrudel der
Hoffnungslosigkeit. Manche erleben es so stark, dass sie am Ende selbst
behandlungsbedürftig sind. Das Messie-Erleben wirkt besonders im privaten Bereich, denn
diese Krankheit ist eine Beziehungskrankheit und sie wirkt immer auf das ganze soziale
Umfeld - und das mit ungeheuerer Vehemenz. Angehörige sind oft mehrfach belastet, ständig
überfordert und die widersprüchlichen Signale eines Menschen mit Messie-Syndrom setzen
sie letztendlich schachmatt. Doch oft wird die seelische Not der Angehörigen nicht gesehen.
Sie sind hinsichtlich psychischer und psychosomatischer Störungen doppelt so hoch belastet
wie die Durchschnittbevölkerung. In der Gesellschaft haben Angehörige in der Regel keinen
Ort außerhalb ihrer Familie, in dem sich die Leiden ihrer Situation aussprechen lassen. Die
Familie ist ohnehin von dem Umfang der räumlichen Situation mitbetroffen, was
Außenstehende gar nicht erfassen können. Kann man das überhaupt erklären, wie das ist, mit
einem Menschen zusammenzuleben, der immer wieder völlig überflüssige Dinge ins Haus
schleppt oder der einfach die Hausarbeit „vergisst“, der die Nacht zum Tag macht und den
Tag zur Nacht - der ständig in einer Art Spannungszustand und Gereiztheit lebt, sodass man
nie zur Ruhe kommt?
Die Probleme der Angehörigen sind in einigen Punkten zusammengefasst:
- Die großen Kränkung, Distanz und Defensive
- Bedrohung der Familienbindung
- Die Ungewissheit, wie es weitergeht
- Die Einengung der Autonomie von Angehörigen
- Die Isolation der gesamten Familie
Besonders die Eltern von erwachsenen Kindern, die Messie sind, beklagen häufig, dass sie
sich in ihrer Situation als Angehörige verlassen fühlen. Das gilt besonders dann, wenn das
betroffene Kind im gleichen Haus wohnt. Erst das Wissen, nicht allein mit den Problemen
dazustehen, hilft oftmals, aus dieser Isolation herauszukommen und ermöglicht, die
veränderte Kommunikation mit Betroffenen erkennen zu können.
Die Ziele dieser Zusammentreffen einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe sind:
dass Angehörige
- sich informieren über alle möglichen Verhaltensweisen und deren Auswirkungen auf die
Familie;
- durch Gespräche ihre Schuldgefühle abbauen können;
- ermutigt werden, den betroffenen „Messies“ Grenzen zu setzen;
- erleben, dass andere Menschen dieselben Probleme haben wie sie;
- lernen, ihre Beziehungsmuster zu erkennen: z. B.: einer hilflos - einer Helfer, und daran
etwas ändern zu können.
Wie komme ich zu einer Angehörigen-Gruppe?
Erkundigen Sie sich, ob in Ihrer Umgebung bereits eine Selbsthilfegruppe besteht. In einigen
Städten gibt es Selbsthilfegruppen-Kontaktstellen, bei denen Sie sich informieren können. Die
Kontaktstelle kann auch initiativ eine Gruppengründung anregen oder erleichtern.
Wie gründe ich selbst eine Gruppe?
Eine Anfrage bei der Lokalzeitung, ob ein Journalist(in) Interesse hat, über die
Gruppengründung zu berichten und dabei gleichzeitig Ort und Zeit des Gründungstreffens
bekannt zu ge-ben. Keine Angst, die meisten Journalisten helfen gern.
Wo soll sich die Gruppe treffen?
Möglichst in einem neutralen Raum. Die SHG - Kontaktstelle kann auch hier behilflich sein.
Wie oft und wie lange sollte sich die Gruppe treffen?
Wichtig ist vor allem die regelmäßige Teilnahme über einen längeren Zeitraum. Es erfordert
Zeit, Vertrauen zu entwickeln und Probleme zu bewältigen. Die meisten Gruppen treffen sich
mindestens ein Jahr lang einmal oder zweimal pro Monat für 2 Stunden. Es empfiehlt sich, die
Anfangs- und Endzeiten möglichst genau festzulegen und einzuhalten. Man muss sich
aufeinander verlassen können.
Wie groß sollte die Gruppe sein?
Eine gute Gruppengröße für Gesprächsgruppen ist 4-6 Personen. (Vorschlag: Es empfiehlt
sich eine Gruppe von 4-6 Personen). Anfangen sollte man jedoch mit einer größeren Anzahl
(etwa 8), da gerade in der Anfangsphase einige Interessierte abspringen. Eine länger bestehende, stabile Gruppe wird beim Ausscheiden von Mitgliedern selbst entscheiden, ob neue
Interessenten aufgenommen werden sollen.
Braucht die Gruppe eine Leitung?
Eine Selbsthilfegruppe hat keinen Leiter. Sie benutzt die Fähigkeit der Mitglieder, sich selbst
und anderen zu helfen. Diese Fähigkeiten sind die gleichen, mit denen wir unsere
Alltagsprobleme bewältigen. Manche Gruppen gestalten ihre ersten Treffen mit Hilfe von
Anleitungen - dies mindert die anfängliche Unsicherheit. Jede Gruppe wird ihren eigenen Stil
finden. Den größten Erfolg haben erfahrungsgemäß Gruppen, die im freien Gespräch so offen
wie möglich ihre Probleme austauschen und zu bewältigen versuchen.
Was tun bei Gruppenschwierigkeiten?
Es ist hilfreich und wichtig, sich mit anderen Selbsthilfegruppen von Angehörigen
auszutauschen. Diese haben oder hatten möglicherweise vergleichbare Probleme und können
von ihren Lösungsversuchen berichten, oder sie können dazu beitragen, die Bedeutung eines
Problems angemessen einzuschätzen.
Mit dem speziellen Wissen über diese Störungsart, die beschränkten Hilfsmöglichkeiten von
Angehörigen und therapeutischen Strategien in der Selbsthilfe wächst die Sicherheit und
Stärke der Angehörigen, den unter seinem Symptom leidenden Betroffenen zu begleiten und
zu unterstützen! Es ist jedoch wichtig, dass Mitbetroffene nicht vergessen, die eigenen
Interessen wahrzunehmen.
Unser Verein will versuchen, durch Arbeitstreffen Kontakte von Angehörigen untereinander
in den einzelnen Bundesländern zu fördern, damit:
- erfahren wird, dass die Probleme, gleich welcher Art sie sind, nicht einzigartig und allein auf
die Lebenssituation von Eltern beschränkt sind (meistens Familie- und Partnerprobleme),
- sich Mitbetroffene mit ihren Erfahrungen austauschen können und sich gegenseitig ermuntern und somit Selbstheilungskräfte nutzen,
- Mitbetroffene eventuell deutlicher spüren können, dass Angehörige durch die Helferrolle
mitgefangen sind,
- Mitbetroffene die Fähigkeiten einer anderen Kommunikation erwerben, die einen Zugang
zum betroffenen Menschen schaffen kann.
Arbeitstagungen für „Messies“ und für „Mitbetroffene“, ein Methodenseminar nicht allein nur
für die Selbsthilfegruppen, sondern auch für Betroffene, die in keiner SHG sind
Arbeitstagung in den Bundesländern. Diese Treffen erwachsen in der Regel aus einer
gelungenen Selbsthilfegruppenarbeit, weil es der Anwendung des Gruppenselbsthilfeprinzips
zwischen den Gruppen entspricht. Insofern ist es eine folgerichtige Ergänzung der
Gruppenselbstbehandlung und stimmt in jeder Hinsicht mit ihrem Konzept überein. Doch
bleiben auch hier Hindernisse nicht aus. Der Innensog der Selbsthilfegruppen, der im
wesentlichen aus der Konzentration auf die Konfliktarbeit und aus dem immer engeren
Zusammenwachsen der Gruppen entsteht, behindert vielleicht am stärksten den Weg in die
Gemeinschaft mit anderen Gruppen. Das ist zu respektieren, aber auch als Gefahr der
Selbstisolation mit den möglichen Folgen einer Schiefheilung zu beachten, deren Erfahrung
ein Mensch mit Messie-Syndrom in seinem Alltagserleben durchaus schon gemacht hat.
Die Arbeitstagung hat für Selbsthilfegruppen eine ähnliche Bedeutung wie die Gruppe für
ihre Teilnehmer. Mitglieder dieser Gesprächsrunde sind die Gruppen. Die Selbsthilfegruppen
einer Region können vor allem zum Erfahrungsaustausch aus den Arbeitstagungen ein regel-
mäßiges Gesamttreffen vereinbaren. Sie haben dann dort ihren Ort des gemeinsamen Reflektierens und Handelns.
Folgende Momente machen die kaum zu überschätzende Bedeutung des Gesamttreffens aus:
- die eigene Gruppe von einer außerhalb gelegenen Position sehen zu können;
- Steigerung der therapeutischen Erfahrung durch wechselseitigen Austausch und
Ideenentwicklung;
- gemeinsame Entscheidung für gemeinsames Handeln;
- wechselseitige Gruppensupervision;
- Erweiterung des Bewusstseins für die Bedeutung der Gruppenselbstbehandlung;
- Zentrum der Selbstorganisation und Basis für den überregionalen Zusammenschluss.
Für die meisten Selbsthilfegruppen ist das Gesamttreffen in dem jeweiligen Bundesland also
erst eine Chance des Austausches mit den Erfahrungen anderer Gruppen. Die Möglichkeiten
sind schier unerschöpflich. Schwierigkeiten gibt es natürlich genug, aber der Wert dieser
Treffen ist es, die besten inneren und äußeren Voraussetzungen zur Entfaltung der
Selbsthilfegruppe zu schaffen. Ein Hauptziel besteht darin, Betroffene an die Selbsthilfearbeit
heranzuführen.
Erfahrung ist für mich die höchste Autorität. Der Prüfstein für Gültigkeit ist meine eigene
Erfahrung. Keine Idee eines anderen und keine meiner eigenen Ideen ist so maßgeblich wie
meine Erfahrung. Ich muss immer wieder zur Erfahrung zurückkehren, um der Wahrheit, wie
sie sich in mir als Prozess des Werdens darstellt, ein Stück näher zu kommen.
Carl R. Rogers
Diese Arbeitstagungen für Messies haben folgende Themen:
1. Selbstheilungskräfte in den Selbsthilfegruppen
2. Umgang mit Konflikten (konfliktfähig werden)
3. Warum Probleme nicht einfach übergangen werden sollen
4. Lernen durch Erfahrung
5. Die Verringerung sozialer Angst
6. Warum ist die Kommunikation für uns wichtig?
Ein Textgerüst wird ausschließlich aus dem Buch „Anleitung zum sozialen Lernen für Paare,
Gruppen und Erzieher“ von Lutz Schwäbisch/Martin Siems themenspezifisch kopiert und an
jeden Teilnehmer verteilt. Dieses Gerüst verhindert in der Regel die „Ichbezogenheit“ und die
Neigung, dass sich Teilnehmer ausschließlich mit den häuslichen Problemen beschäftigen.
Ganz schnell erfassen Betroffene dieses Gerüst als Chance, an Erinnerungen heranzukommen,
die eigentlich mit Widerständen behaftet sind. Daraus ergibt sich, selbst in einer großen
Runde mit 50 Teilnehmern, eine besondere Art und Weise, mit anderen Menschen offen und
ohne Abwehr in Kontakt zu kommen. Gruppenteilnehmer erleben diese Art des Treffens als
entlastend und so entsteht bei vielen Betroffenen der Wunsch, Teilnehmer in einer Messie Selbsthilfegruppe zu werden oder sogar selbst so eine Gruppe gründen zu wollen.
Seit 2004 werden solche Treffen auch für Angehörige angeboten. Hierbei spielt allerdings das
eigene Erleben eine größere Rolle und Angehörige tauschen zur Kontaktaufnahme zuerst
Telefonnummern aus. Selbsthilfegruppen für Angehörige gibt es seltener, obwohl der Kontakt
mit anderen Angehörigen immens wichtig ist, denn der Druck und die Erwartungen von
Angehörigen verhindern in der Regel die Bewältigung der Messie-Probleme. Für Angehörige
ist die Erkenntnis wichtig, dass die „Defizite“ gerne zur eigenen Entlastung genutzt werden,
so^dass die Arbeitstagungen für Angehörige die speziellen Interaktionen mit Betroffenen begreifbar machen.
Die institutionalisierte Hilfe
Bislang wurden in Deutschland nur wenig hilfreiche Konzepte (in Therapie und
sozialpädagogischen Maßnahmen) mit dieser Personengruppe erarbeitet oder erforscht.
(Vorschlag: Bislang wurden in Deutschland nur wenig hilfreiche Konzepte (in Therapien und
sozialpädagogi-schen Maßnahmen) für diese Personengruppe erarbeitet bzw. die Problematik
wurde wenig erforscht). Immer wieder hören und erleben wir bei den Betroffenen das
Scheitern der Therapie und das Eskalieren der behördlichen Interventionen. Es werden keine
wirksame Hilfen gegeben, im Gegenteil, die Behördenvertreter (Jugendamt, Gesundheitsamt,
Ordnungsamt usw.) bieten keine Unterstützung für diese Menschen an, sondern Betroffene
werden diskriminierend und entwürdigend behandelt. (Vorschlag: Immer wieder erleben wir
und hören von den Betroffenen über das Scheitern der Therapie und das Eskalieren der
behördlichen Interventionen. Die Behördenvertreter (Jugendamt, Gesundheitsamt,
Ordnungsamt usw.) bieten diesen Menschen keine Unterstützung an, im Gegenteil Betroffene
werden diskriminierend und entwürdigend behandelt). Ausgebildete Sozialpädagogen
verhalten sich angesichts der Wohnverhältnisse mit unangemessener Autorität und verletzen
die Intimsphäre dieser Perso-nen. Es scheint, dass eine nicht den Normen entsprechende
Wohnung dieses allein rechtfertigt. Aus dieser Haltung heraus kommt es schnell zu
Behördenwillkür und zur Abwertung vorhandener Fähigkeiten, z. B. der Einfühlungsfähigkeit
gegenüber Kindern und Partnern, Freunden und anderen. Zu oft muss ich bei Kontakten aus
akuten Anlässen die Behördenmitarbeiter fragen, worum es wirklich geht - um eine
nachhaltige Bewältigung dieser Störung oder um das Ordnungssystem in der Wohnung. Diese
Frage stellt sich: Wem will man helfen, dem Menschen oder der Wohnung? Eine nicht
aufgeräumte und zugestellte Wohnung scheint auf die professionellen Helfern (meist mit
Hochschulausbildung) so dramatisch einzuwirken, dass selbst gelassen wirkende Menschen
einen Ansturm bedrohlicher Gefühle erleben. Ein Sozialpädagoge berichtet davon, dass er
sofort etwas am Zustand der Wohnung ändern muss, sonst würde er Hilflosigkeit erleben.
Dann jedoch erlebt der Betroffene Hilflosigkeit.
Literatur
Moeller, Michael Lukas (1978): Selbsthilfegruppen. Verlag: Rowohlt
Battegay, Raymond (1974): Der Mensch in der Gruppe. Verlag: Hans Huber
Rogers, Carl R. (1970): Encounter Gruppen – Das Erlebnis der menschlichen Begegnungverlegt bei Kindler.
Kontakt:
Marianne Bönigk-Schulz
Förderverein Zur Erforschung des Messie-Syndroms (FEM) e. V. mit der Bundesgeschäftsstelle der Messie - SHG und der Messie - Angehörigen SHG Deutschland
Tegerstr. 15
32825 Blomberg
Tel.: (05236) 88 87 95; Fax: (05236) 88 87 96
Mail: femmessies@t-online.de
http://www.femmessies.de, http://www.messie-selbsthilfe.de, http://shg-d.de
Unterstützung und Begleitung von Selbsthilfegruppen für
´Messies´ und der notwendige Perspektivwechsel des
öffentlichen Gesundheitsdienstes im Umgang mit ´Klienten
wider Willen`
Christina Grimm-Pretzsch; Beitrag auf dem 11. Kongress Armut und Gesundheit am 18. und
19. November 2005
Sehr verehrte Damen und Herren,
herzlichen Dank für ihre Einladung zu der heutigen Veranstaltung.
Ich möchte mich kurz vorstellen: Mein Name ist Christina Grimm-Pretzsch. Ich bin von Beruf
Dipl. Sozialpädagogin und arbeite seit 1990 im Sozialpsychiatrischen Dienst am Darmstädter
Gesundheitsamt.
Mein Hauptaufgabengebiet liegt in der Betreuung psychisch kranker Menschen. Außerdem,
und das ist sicherlich der für heute relevante Teil, haben meine Kollegin Ute Frensch-Böhnle
und ich vor etwa 3 Jahren mit dem Aufbau zweier Messie-Gruppen begonnen.
Auch wenn ich mich nun schon seit mehreren Jahren mit dem Messie-Thema beschäftige, ist
es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass ich mich nicht als Messie-Fachfrau verstehe. Ich
freue mich jedoch, Ihnen etwas von unserer Messiearbeit erzählen zu können.
Ich werde in meinem Bericht zwar immer wieder von DEN Messies sprechen. Trotzdem bitte
ich darauf zu achten, dass es unter den Messies große Unterschiede gibt, so dass nicht alles
was ich sagen werde und jedes Beispiel auf jeden Messie zutrifft.
Wie ist die Messiegruppe Darmstadt entstanden ?
Anlass waren die zunehmenden Meldungen über verwahrloste und vermüllte Wohnungen, die
wegen Seuchengefahr schließlich auch zwangsentrümpelt werden mussten. Wir erlebten dabei
die große Demütigung und das Trauma, das eine solche Aktion für die Betroffenen darstellte.
Außerdem stellten wir über die Jahre fest, dass dies offensichtlich nicht das Mittel der Wahl
war, denn nach einem Jahr sah es in so mancher Wohnung wieder genauso aus.
Das Drama begann von vorne!
Wir sahen uns als Pädagogen gefordert, nach einem anderen Konzept zu suchen, dass auch
Hilfe anbietet, und entdeckten dabei im Internet die Messie-Selbsthilfegruppen. Von den
Dachverbänden, über die die meisten Gruppen organisiert sind, bekamen wir unglaublich viel
Hilfe, das Konzept auf die Beine zu stellen. (Vorschlag: …viel Hilfe, um das Konzept zu
realisieren).
Insgesamt haben wir etwa 2 Jahre recherchiert. Das hat deshalb so lange gedauert, da es kaum
Fachliteratur für „Professionelle Mitarbeiter“ zur Messiearbeit gibt. Es schien sich kaum
jemand mit diesem Phänomen auszukennen.
Wir waren dann natürlich sehr gespannt, ob sich überhaupt jemand auf unsere erste zaghafte
Pressemitteilung meldet ... und wurden dann von fast einer Flut von Anmeldungen und
Anfragen überschwemmt. Und wenn man sich überlegt, dass es ja wiederum nur ein kleiner
Teil (also die Spitze des Eisbergs) ist, der sich überhaupt traut, das Problem zu benennen
UND sogar bereit wäre, sich damit in einer Gruppe zu outen, dann lässt sich erahnen, wie
groß (wie schon von Dr. Bergner angesprochen) die Dunkelziffer ist.
Es konnten also bei weitem nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden. Inzwischen haben
wir eine zweite Gruppe gegründet, die erfolgreich läuft. Eine dritte Gruppe sowie eine
Angehörigengruppe sind für nächstes Jahr geplant. Bis jetzt haben wir unsere Warteliste bei
weitem noch nicht abgearbeitet. D.h.: Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem Bedarf an
Hilfe und den tatsächlichen Angeboten.
Die Vorderseite unseres Flyers beginnt mit der Überschrift:
„Gefangen zwischen Chaos und Perfektion“.
Chaos ist sicherlich die gängige Assoziation, die man mit dem Begriff Messie verbindet.
Dank der Medien geht die Assoziation sogar noch weiter: Der typische Messie wird
dargestellt als ein inmitten von Müllbergen hausenden Mensch. Dies trifft jedoch nur auf
einen Teil der Messies zu und ist die extremste Form.
Messie und Chaos ist also völlig klar. Aber Perfektion? Wir haben festgestellt, dass es bei
Messies oft der unglaubliche Drang zur Perfektion ist, der das Chaos mitbegründet. Der
Perfektionismus steht für die Angst, Fehler zu machen. Die
Angst ist so groß, dass Entscheidungen aufgeschoben werden und viele Handlungen
schließlich gar nicht ausgeführt werden. Vieles wird nicht zu Ende gebracht, weil es immer
noch etwas zu verbessern gibt. Ein Beispiel: “Ich müsste dringend die ganzen Bilder in
Photoalben kleben. Aber solange ich nicht alle gefunden habe, macht es keinen Sinn, weil
sonst die Reihenfolge nicht stimmt“.
Wichtig für die Gruppe war uns in erster Linie der Leidensdruck der betr. Person und ganz
wichtig, nicht der Leidensdruck der Umgebung! (Vorschlag: Eine bedeutende Erkenntnis für
die Gruppe unserer Meinung nach ist der Leidensdruck der betroffenen Person und nicht der
der Umgebung!).
(Ganz kurz noch 3 Punkte zur Struktur der Gruppen:
1. Die Gruppen werden in den ersten 1 - 1 ½ Jahren von uns oder mit unserer Hilfe geleitet.
Danach gibt es eine etwa halbjährige Übergangphase. So dass nach etwa spätestens zwei
Jahren, die Gruppen eigenverantwortlich ohne uns weiter laufen.
2. Die Gruppen sind geschlossen, d.h.: die Teilnehmer sind von Anfang an festgelegt, es
kommen nicht dauernd neue dazu.
3. Die Teilnehmer können sich auf Wunsch auch anonym anmelden.)
Die Ziele der Gruppe
Wir beginnen unser erstes Gruppentreffen immer damit, dass wir NICHT unsere Ziele
deklarieren. Also nicht unsere Ziele sind: Aufräumtipps zu geben oder Aufräumprogramme
zu üben. Mit solchen Vorschlägen sind Messies dank ihrer Umgebung oft reich gesegnet. Wir
gehen davon aus, dass Messies eigentlich gut aufräumen können, nur bei sich selber eben
nicht!!!
Oft wird in der Gruppe erzählt: “ Also bei meinem Sohn sah es vielleicht aus! Ich konnte das
nicht mit ansehen. Ich hab’ da erst mal gründlich Ordnung gemacht!“. Wir schlissen daraus:
Das Aufräumen ist nicht das eigentliche Problem! Sondern es geht um die Frage, warum
umgibt sich ein Mensch überhaupt mit „soviel“ Chaos? Wir folgen also in den Gruppen der
These, dass Chaos kein Problem sondern ein Symptom ist. Ein Symptom dafür, dass die Seele
aus irgendwelchen Gründen aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Und daraus leiten sich die entsprechenden Gruppenziele ab:
Auflösung der Isolation
Viele Messies haben keine sozialen Kontakte mehr. Sie haben Angst vor Kontakt, weil sie
sonst ihr Chaos offenbaren müssten. Sie nehmen keine Einladungen an, weil sie keine
Gegeneinladungen aussprechen möchten.
Stärkung des Ich
Bei Messies findet man ein extrem schwaches Selbstwertgefühl.
Sie fühlen sich zu nichts nütze, klagen sich an dafür es nicht wie andere schaffen eine
Ordnung zu entwickeln.
Das Sammeln kann eine typische Auswirkung eines schwachen Selbstbewußtseins sein. Viele
sammeln in der Hoffnung, irgendwann könnte irgendjemand mal etwas brauchen und ICH
kann es ihm dann geben.
Das Problem ist, wenn wirklich mal jemand etwas braucht, findet man es natürlich nicht. Das
Ergebnis: Ich klage mich noch mehr an, beginne mich noch mehr zu hassen! Es entsteht ein
Teufelskreis!!
Messies kommen stark verletzt in die Gruppen:
Oft wurden sie von ihrer Umgebung für ihr Chaos beschimpft.
Ihnen dröhnen die Ohren von gut gemeinten Ratschlägen, wie:
„Passen Sie auf es ist ganz einfach: Als erstes räumen Sie die Küche auf, dann das
Wohnzimmer und danach Bad und Schlafzimmer. Sie werden sehen, es ist alles ganz
einfach!“( Das war übrigens der Ratschlag eines Psychologen!!!)
Sie sitzen permanent auf der Anklagebank, denn es gilt das ungeschriebene Gesetz:“ Wer
Unordnung hat ist im Unrecht“
Das spielt besonders bei Messies, die in familiären Zusammenhängen leben, eine große Rolle!
Kurz, sie fühlen sich überall mit dem Rücken an der Wand und können es ja selbst nicht
verstehen, warum es anderen so leicht fällt und ihnen so schwer...
Die Gruppe soll hier entlasten. Sie soll ein Ort des Angenommenseins sein.
In beiden Gruppen hat sich schon gleich zu Beginn etwas sehr schönes entwickelt: Die
Gruppenmitglieder können unglaublich herzlich miteinander lachen. Man erzählt sich
gegenseitig von den Putzmarathons, die alle kennen, wenn sich der Gasableser ankündigt,
lacht gemeinsam über die kleinen Tricks des Alltags, die man anwendet um das Chaos zu
überleben und genießt plötzlich die Gemeinsamkeit mit anderen, das so sehr ersehnte
Verstanden werden !
Zur Stärkung des Ichs gehört auch zu lernen die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Die Gruppe soll helfen, mehr zu hinterfragen, was will ICH, was brauche ICH, wer bin ICH.
Bewusstmachen der eigenen inneren Prozesse
Dazu zählt die Auseinandersetzung mit den eigenen Denkmustern.
Sandra Felton, die Begründerin der Messie-Selbsthilfebewegung hat dazu in einem ihrer
Bücher ein paar sehr eindrückliche Beispiele aufgeführt:
Zur Bewusstmachung der eigenen inneren Prozesse gehört auch die
Hinterfragung von Abwehrmechanismen
Wir haben Gruppenstunden damit verbracht zu überlegen:
Was passiert in mir, wenn ich eine unangenehme Tätigkeit verrichten muss...
Ich möchte Sie einladen, sich auch etwas zu überlegen, was sie eigentlich ungern tun.
Mir fallen sofort meine Aktennotizen ein.
Also, ich stelle mir vor, ich habe jetzt diese Tätigkeit auszuführen.
Was läuft dann in mir ab?
Als erstes macht sich ein großes Unlustgefühl in mir breit!
Das Telefon klingelt, ich nehme natürlich ab.
Ich lasse mich also ablenken.
Nachdem ich mir heute besonders viel Zeit genommen habe beim telefonieren, fällt mir ein,
ich sollte noch schnell für den einen Klienten einen Arzttermin vereinbaren...Danach setze ich
mich gleich dran!!!
Ich schiebe es weg, es muss nicht gleich sein !
Oje, jetzt ist es doch schon spät geworden und ich sehe gerade, ich hab in der Akte schon
länger nichts mehr eingetragen. Also den kompletten Bericht schaffe ich jetzt eh nicht mehr,
dann mache ich es lieber irgendwann, wenn ich mal mehr Zeit habe!
Kleine Schritte sind nicht groß genug, also lasse ich es lieber ganz
Dies also ein kleiner Ausschnitt aus den täglichen Vermeidungsstrategien, die jeder von uns
im Kleinen kennt.
Die bei Messies jedoch so ausgeprägt sind, dass sie zu einer kompletten Blockade führen
können.
Ganz kurz noch zu einem letzten wichtigem Gruppenziel:
Das ist der Informationspool
Wir laden Fachleute in die Gruppe ein, sprechen über Mietrecht etc.
Nachdem ich Ihnen die Gruppenziele vorgestellt habe, möchte ich Ihnen jetzt die einzelnen
Phasen unseres Gruppenablaufs vorstellen:
Wir haben in der Gruppe einen festgeregelten Ablauf, den sie sicher auch aus anderen
Selbsthilfegruppen kennen.
Ich glaube jedoch, dass gerade dieser geregelte Ablauf für Messies eine besondere
Herausforderung und Übung darstellt.
Warum, werde ich Ihnen im Einzelnen erklären.
Wir beginnen nach der Begrüßung mit dem Punkt Verschiedenes. Also Termine werden
besprochen, etc. Ich denke, darauf muss ich jetzt hier in dem Zusammenhang nicht näher
eingehen
.
Es folgt eine Blitzlichtrunde.
Jeder einzelne bekommt Zeit (die auf 3 Min. begrenzt ist), zu erzählen, wie es ihm zur Zeit
geht. Diese Phase halte ich für außerordentlich wichtig.
Bereits bei den ersten Sitzungen hat sich herausgestellt, wie schwer es Messies fällt, zu sagen,
wie es ihnen geht.
Die typische „Wie geht es mir“– Beschreibung vieler Messies handelt davon, wie es zuhause
aussieht und was man alles gemacht hat, vor allem aber auch was man alles nicht geschafft
hat, Gerne wird auch das Gefühlsleben einzelner Familienmitglieder beschrieben
Hier ist deutlich zu erkennen, wie wenig Zugang Messies zu ihren Gefühlen haben.
Man muss sich durch Berge von Dingen graben, bis man irgendwann (vielleicht) etwas über
die Befindlichkeit des Messies erfährt. Und auch da ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass
man etwas über das Gefühl von letzter Woche und nicht von Jetzt erfährt.
Messies verstecken sich hinter einem gigantischen Berg von Dingen Tätigkeiten, oder auch
Gefühlen anderer.
In der Gruppe soll es jedoch nicht um diesen Berg gehen, auch wenn er oft noch so
verlockend dargestellt wird und ich kann Ihnen sagen, darin sind Messies wahre Meister,
sondern um den Menschen, der sich dahinter versteckt.
.
Die nächste Phase im Ablauf ist die Themenfindung./ Thema
Nachdem jeder Einzelne berichtet hat, wie es ihm geht, bespricht die Gruppe welches Thema
behandelt werden soll.
Auch dies ist eine wichtige Übung für Messies.
Es fällt ihnen naturgemäß schwer sich für ein Thema zu entscheiden.
Hat ja auch etwas mit Aussortieren zu tun. Oft wird geäußert, ach lasst uns doch beides
machen.
Hier kann man oft deutlich erkennen, wie Messies auch aufgrund von Perfektionismus dazu
neigen sich zu übernehmen. Denn nur wenn man das Thema komplex behandelt, ist es richtig
z. Bsp. hatten wir das besagte Thema: Abwehrmechanismen. Tja, sollen wir jetzt über
Abwehrmechanismen gegenüber Menschen oder gegenüber best. Tätigkeiten reden?
Die Gruppe ist sich schnell einig. Natürlich über beides. Denn beides ist wichtig! Was folgt ist
ein heilloses Chaos. Der eine redet hiervon, der andere davon.
Der Vorschlag, sich einfach mal wie wir eben, eine bestimmte Situation vorzustellen und
zuüberlegen, was passiert in mir, stößt nicht auf große Gegenliebe. Man hätte das Thema
lieber komplexer, gerne auch unter psychoanalytischen Aspekten betrachtet.
In dieser Phase geht es also zum Einen ums Sortieren und zum Anderen auch darum kleine,
umgrenzte Schritte zu üben.
Es muss nicht gleich die ganze Küche sein, sondern es reicht heute mit dem Kühlschrank
anzufangen.
Es hat in beiden Gruppen lange gedauert hat, bis sie bereit waren, einen Zusammenhang zu
sehen, zwischen dem, was sie persönlich belastet und ihrem Wohnungsproblem.
Inzwischen stehen jedoch zunehmend Themen im Mittelpunkt, mit dem Inhalt: Was ist
eigentlich in meinem Leben in Unordnung geraten?
Und damit sind beide Gruppen finde ich auf einem guten Weg.
Ganz kurz noch, um den Gruppenverlauf abzuschließen zur letzten Phase.
Nach dem Thema gibt es wieder ein Abschlussblitzlicht.
Auch hier geht es wieder um die eigene Person. Jeder schildert in 1-2 Sätzen (wobei es immer
wieder erstaunlich ist, was man offenbar alles in 1-2 Sätze packen kann),
wie es ihm jetzt nach der Gruppenstunde geht.
Damit hoffe ich Ihnen einen Einblick in unsere Arbeit gegeben zu haben.
Ich wünsche mir, dass diese Veranstaltung dazu beiträgt, mehr über Hilfen für Messies
nachzudenken. Und ich wünsche mir,
daß wir uns weniger ablenken lassen, von dem Berg unter dem Messies sich vergraben,
sondern daß wir bereit sind, nach dem Menschen zu suchen, der sich darunter verbirgt.
Abschließen möchte ich gerne mit einem Gedicht von Sabine Nägeli, dass meiner Erfahrung
charakteristisch für das Lebensgefühl vieler Messies ist.
Eigentlich sollte ich aufbrechenAus der Enge verbrauchter Gewohnheiten
Eigentlich sollte ich aufhörenAtemlos durch die Tage zu rennen
Eigentlich sollte ich mich weigernFraglos zu funktionieren und mich zu verschweigen
Eigentlich sollte ich das Wort eigentlich streichenUm am Ende nicht sagen zu müssen:
Eigentlich hätte ich leben wollen.
Kontakt:
Christina Grimm-Pretzsch
Gesundheitsamt Darmstadt-Dieburg
Niersteiner Str. 3
64295 Darmstadt
Tel.: (06151) 330935
Mail: c.grimm@gesundheitsamt-dadi.de
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