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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war - Projekt Debbi

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Prof. Dr. Heiner Keupp
Alter ist auch nicht mehr das, was
es einmal war!
Riskante Chancen des Alters
Vortrag bei der debbi-Tagung am
31. Januar 2013 in München
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Meine Perspektive
Die jeweils vorherrschenden und für die Subjekte
identitätsrelevanten Vorstellungen vom Alter
korrespondieren gesellschaftlichen, ökonomischen
und politischen Imperativen. Das lässt sich auch
von den wissenschaftlich generierten Alterskonzepten behaupten.
Affirmativ wirksam können deshalb sowohl Disengagement-, Stigma-, Befreiungs- oder Aktivierungsvorstellungen vom Alter werden.
So bleibt die Frage zu beantworten, wie überhaupt
eine selbstbestimmte Altersidentität entstehen
könnte.
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Alter: Ein Panoptikum an Bildern ….
Riskante Chancen des Alters
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Der demografische Wandel in
Baummetaphern
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Der Ordnungsrahmen der Normalbiografie
In einer traditional geordneten Welt, aber auch noch in der Ersten Moderne bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Lebensübergänge klar markiert, es gab normalbiographische Abläufe,
die eine normative Erwartung von Übergängen erlaubte, man
konnte sich auf sie einstellen und wir nennen das „antizipatorische
Sozialisation“. Für bestimmte Übergänge im Sinne von Statuspassagen, z.B. der Eintritt in den Kindergarten, vom Kindergarten in die
Schule, von Kindheit in das Jugendalter, zum Abschluss der Lehre
oder den Start in die nachberufliche Phase etc. gab es organisierte
„Übergangsriten“. In Vorstellungen von „Normalbiografie“ und
„Karriere“ ließen sich die unterschiedlichen Lebensübergänge als ein
kohärentes und vorhersehbares Muster begreifen.
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Der Ordnungsrahmen der
Normalbiografie
Auch die klassische Identitätstheorie
von Erikson unterstellt den Ordnungsrahmen der Normalbiografie.
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Das epigenetische Schema von Erik Erikson
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Dekonstruktion von Erwerbsbiografien
In der Zweiten Moderne verliert das normalbiografische Ordnungsschema
zunehmend seine Orientierungsfunktion, auch und gerade für Erwerbsbiografien:
„’Karriere' zum Beispiel bedeutete ursprünglich eine Straße für Kutschen,
und als das Wort schließlich auf die Arbeit angewandt wurde, meinte es
eine lebenslange Kanalisierung für die ökonomischen Anstrengungen
des einzelnen. Der flexible Kapitalismus hat die gerade Straße der
Karriere verlegt, er verschiebt Angestellte immer wieder abrupt von
einem Arbeitsbereich in einen anderen. (...) Mit dem Angriff auf starre
Bürokratien und mit der Betonung des Risikos beansprucht der flexible
Kapitalismus, den Menschen, die kurzfristige Arbeitsverhältnisse eingehen, statt der geraden Linie einer Laufbahn im alten Sinne zu folgen,
mehr Freiheit zu geben, ihr Leben zu gestalten" (S. 10f.).
Quelle: Sennett, R. (1998). Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus.
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
These 1
In den letzten Jahrzehnten haben die Diskurse zum Alter
einen mehrfachen Bedeutungswandel erfahren. Lange
Zeit wurde „Alter als Problem“ thematisiert. Mit dem
Diskurs zum „Ende der Arbeitsgesellschaft“ wurde „Alter
als Befreiung“ gefeiert und wurde dann abgelöst vom
aktuellen „Alter als Ressource“. Mit dieser letzten Entwicklung entsteht ein höchst ambivalentes Altersbild:
Einerseits sehen wir die „jungen Alten“, die als Konsumenten, bürgerschaftlich Engagierte und als berufserfahrene
Arbeitnehmer eine hohe Wertschätzung erfahren und
andererseits die Menschen im „vierten Lebensalter“, die
Gesundheits- und Pflegekosten in hohem Maße verursachen. Hier wird erneut „Alter als Problem“ konstruiert.
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Alter als Disengagement
Die Disengagementtheorie von Cumming
und Henry (1961) geht von einem unvermeidlichen, durch biomedizinische
Prozesse des Abbaus und Verfalls bedingten Rückzug älterer Menschen aus
den Rollenfigurationen der Erwerbsphase aus.
Diese strukturfunktionalistisch inspirierte
Theorie (Talcott Parsons schrieb das
Vorwort) beschreibt diesen Rückzug als
funktional für das Subjekt und die
Gesellschaft
Cumming, E. & Henry, W.E. (1961).
Growing Old: Process of Disengagement.
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Alter als Stigma
Die Stigmatheorie des Alters untersucht stereotype
Vorstellungen von alten Menschen, die Altenrolle und den Umgang von Institutionen mit
alten Menschen. Im Stil einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung würden sich diesem Ansatz
zufolge älter werdende Menschen an die gesellschaftlichen Zuschreibungen von Hilfsbedürftigkeit und Gebrechlichkeit anpassen. Ein Fremdbild wird zum Selbstbild und zur Alterspraxis.
Das Subjekt wird als hilfloses Opfer gesellschaftlicher Einstellungen und ihrer Transformation in
institutionelle Praxen konstruiert.
Hohmeier, J. & Pohl, H.-J. (1978).
Alter als Stigma oder Wie man
alt gemacht wird.
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Alter als Befreiung
Mit dem Diskurs vom „Ende der Arbeitsgesellschaft“ wurde „Alter als
Befreiung“ von den „maschinenförmigen“ Zwängen der modernen
Arbeitswelten gefeiert. Sie wurden
in ihrer Entfremdungsqualität beschrieben, die man so schnell und
so gründlich hinter sich lassen sollte,
um die „späten Freiheiten“ eines
„eigensinnigen“ Lebens genießen
zu können.
Schachtner, C. (1988). Störfall Alter.
Für ein Recht auf Eigen-Sinn.
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Der demografische Wandel ist ein besonderer Motor,
zukunftsfähige Altersbilder zu erzeugen und das
Alter entwertende oder stigmatisierende Bedeutungsakzente möglichst zu entsorgen. Und so werden wir seit einiger Zeit von der Weltgesundheitsorganisation, der Europäischen Union und vom
zuständigen Bundesministerium mit Bild- und
Textmaterial versorgt, das dem Alter jeden
Schrecken nimmt.
Eine aktivierende Bilderflut ….
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Die Bertelsmänner und –
frauen geben mal wieder
die Perspektive vor und
denken das Alter neu
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
"Zähl Taten, nicht Falten" Informationskampagne der
Initiative "Alter schafft Neues"
gestartet (2009)
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Eine neue Kultur des
Alterns
Altersbilder der
Gesellschaft
2010
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Eine neue Kultur des
Alterns
Altersbilder der
Gesellschaft
2010
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Eine neue Kultur des
Alterns
Altersbilder der
Gesellschaft
2010
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Eine neue Kultur des
Alterns
Altersbilder der
Gesellschaft
2010
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Eine neue Kultur des
Alterns
Altersbilder der
Gesellschaft
2010
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
World Health Day 2012 Good health adds life to years
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Empfehlungen: Sechster Bericht zur Lage der älteren
Generationen (2010)

Den demografischen Wandel als Gestaltungsaufgabe verstehen

Eine neue Kultur des Alters entwickeln

Lebenslauforientierung stärken
- vielfältige Formen des Alters
- keine eindeutig negativen Altersbilder
- demografischer Wandel betrifft nicht nur Ältere
- Stärken und Gestaltungsspielräume des Alters
- Altern als individuelle Gestaltungsaufgabe
- Altern als gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Quelle: Statistisches Bundesamt (2009). Bevölkerung Deutschlands bis 2060 –
12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Die Kampagnen, die
ältere Menschen
aktivieren sollen,
zeigen Wirkung.
Hohe Fortbildungs- und Lernbereitschaft der Älteren
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Beteiligung an Weiterbildung und Alter
60
19-34 J.
35-49 J.
50-64 J.
50
40
30
20
10
0
1979
1982
1985
1988
1991
1994
1997
2000
2003
Datenquelle: Adult Education Survey 2007
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Teilnahme an Weiterbildung nach Erwerbsstatus
60%
50%
55
55
55
51
40%
44
40
30%
32
28
20%
25
22
10%
Erwerbstätige
Nichterwerbstätige
14
12
0%
19-24 Jahre
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55-64 Jahre
65-80 Jahre
Quelle: Berichtssystem Weiterbildung IX (2005)
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Die Kampagnen, die
ältere Menschen
aktivieren sollen,
zeigen Wirkung.
Besondere Zuwächse beim bürgerschaftlichen Engagement der Älteren
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Wer engagiert
sich?
Vergleich Freiwilligensurvey 1999 – 2004 - 2009
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Erwartungen an das Engagement
Zeitvergleich Freiwilligensurvey 1999 – 2004 -2009
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Engagementbereiche
der Generation 65 plus
Zeitvergleich Freiwilligensurvey
1999 – 2004 -2009
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
These 2
In einem politisch und ökonomisch vorangetriebenen Aktivierungsregime wird mit dem Konstrukt der „jungen Alten“ ein
energetisch aufgeladenes Bild gesunder, gebildeter, innovativer handlungsfähiger und –bereiter Subjekte konstruiert,
denen ein hoher Stellenwert bei der gesellschaftlichen Wertschöpfung zugeschrieben wird. Diese „produktivistische Mobilmachung“ ist der Lösungsversuch für eine demographisch
gewandelte Gesellschaft.
In der attraktiven Sozialfigur der „jungen Alten“ steckt die
gerontologische Aneignung des „unternehmerischen Selbst“.
Dieses fasziniert durch seinen Zuwachs an Selbstbestimmung,
die aber nicht bedingungslos ist. Sie muss gesellschaftlich
nützlich sein. Konstruiert wird der „Alterskraftunternehmer“.
40
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
These 3
Das zentrale gesundheitswissenschaftliche Konzept der „Selbstwirksamkeit“ erfüllt durchaus Erwartungen des Aktivierungsregimes geht aber in ihnen nicht auf, sondern beinhaltet die
Idee des „Eigensinns“, auch das Wissen um „Widerstandsressourcen“, die die Bedingung der Möglichkeit bilden, sich einer
gesellschaftlichen Instrumentalisierung zu verweigern.
Auch im Alter ist Identitätsarbeit vor allem Passungsarbeit und
nicht Affirmation. Es gilt das „Innere des Alterns“ zu respektieren. Die alternden „Wutbürger“, die ermüdeten Alten, die ein
belastendes Arbeitsleben hinter sich haben und sich nicht
mehr engagieren wollen oder können und die Alten, die sich
ihre ganz eigenen späten Freiheiten nehmen, leben ihren
Eigensinn. Das mag auch gesellschaftlichen Nutzen erzeugen,
aber damit genügen sie nicht normativen Vorgaben.
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Selbstwirksamkeit
Unter Selbstwirksamkeit versteht man das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit
(Selbstvertrauen) und die Überzeugung einer
Aufgabe und Herausforderung gewachsen zu
sein. Dazu gehört auch die Fähigkeit der
Verweigerung und des Widerstandes. Auch die
Einsicht, bestimmte Projekte nicht mehr
bewältigen zu können.
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Albert Bandura
geboren 1925
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Seniorinnen und Senioren
als Wutbürger
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Seniorinnen und Senioren
als Wutbürger
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Auch das ist Altersrealität:
Demenz – Altsarmut Pflege
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
These 4
Identitätsarbeit ist ein lebenslanger Prozess, der gerade auch
in der Altersphase noch einmal zur Herausforderung wird. Er
hat als Bedingung und als Ziel die Schaffung von Lebenskohärenz. In früheren gesellschaftlichen Epochen war die Bereitschaft zur Übernahme vorgefertigter Identitätspakete das
zentrale Kriterium für Lebensbewältigung. Heute kommt es
auf die individuelle Passungs- und Identitätsarbeit an, also
auf die Fähigkeit zur Selbstorganisation, zum "Selbsttätigwerden" oder zur „Selbsteinbettung“. Das Gelingen dieser Identitätsarbeit bemisst sich für das Subjekt von Innen an dem Kriterium der Authentizität und von Außen am Kriterium der
Anerkennung.
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Identitätsarbeit: Die Balance der inneren und der äußeren Welt
Zugehörigkeit
Passung:
Identitätsbalance
Kohärenz
Innere Welt
Äußere Welt
Anerkennung
Authentizität
Vertrauen
Selbstvertrauen
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Identitätsarbeit
Biographische
Kernnarrationen
Metaidentität
Teilidentitäten
z.B.
Dominierende
Teilidentitäten
Wertorientierungen
Identitätsgefühl
Authentizitäts- und
Kohärenzgefühl
Handeln
Geschlecht
Unterhaltung/
Freizeit
Beruf/Arbeit
Politik
Konsum
(Lebens)Alter
Situative Selbstthematisierungen
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Identitätsprojekte
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Erfahrungen in der
Familie
Identitätsnarrationen
der Medien
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Erfahrungen im Beruf
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Leibliche
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Erfahrungen
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Erfahrungen im
Engagement
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Verwirklichungschancen für ein eigensinniges Alter
In der Reflexiven Moderne wird das Alter zu einem individuellen Projekt, das in eine politisch-gesellschaftliche Situation
eingebettet ist, die zwar Optionsspielräume eröffnet, aber
auch Grenzen setzt. Diese Grenzen sind weniger durch normierte Vorstellungen gezogen, was altersgemäß ist, sondern
sie werden durch Ressourcen bestimmt, auf die eine Person
zurückgreifen kann. Es ist legitim nach der gesellschaftlichen
Nützlichkeit dieser Ressourcen zu fragen, aber sie sind vor
allem als Optionen zu begreifen und zu fördern, die den
Subjekten eigensinnige Selbstwirksamkeit eröffnen sollen.
50
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Ressourcen der Lebensbewältigung
in der „Reflexiven Moderne“







Herstellung eines kohärenten Sinnzusammenhangs.
Die Fähigkeit zur identitären Grenzziehung
Sie brauchen „einbettende Kulturen“.
Sie benötigen eine materielle Basissicherung.
Sie benötigen die Erfahrung der Zugehörigkeit.
Sie brauchen einen Kontext der Anerkennung.
Sie brauchen zivilgesellschaftliche Basiskompetenzen.
51
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Was ist Salutogenese?
 Das Konzept stammt von Aaron Antonovsky.
 Sein "salutogenetisches" Denkmodell (abgeleitet vom lateinischen Begriff
Salus für Gesundheit) formuliert eine Alternative zu Pathogenese, also zur
Entstehung von Krankheiten.
 Gesundheit und Krankheit sind keine sich ausschließenden diskreten
Zustände, sondern bilden ein Kontinuum.
 Gefragt ist nicht, was macht krank, sondern wie schaffen es Menschen,
gesund zu bleiben, trotz unterschiedlicher gesundheitlicher Belastungen.
 Von besonderer gesundheitsförderlicher Bedeutung sind die
Widerstandsressourcen einer Person.
 Von besonderer Relevanz ist der "Kohärenzsinn", die Fähigkeit, in seinem
Leben Sinn zu entdecken oder zu stiften.
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Kohärenz ist das Gefühl, dass es Zusammenhang und Sinn im
Leben gibt, dass das Leben nicht einem unbeeinflussbaren
Schicksal unterworfen ist.
Der Kohärenzsinn beschreibt eine geistige Haltung:
Meine Welt erscheint mir verständlich, stimmig, geordnet; auch Probleme
und Belastungen, die ich erlebe, kann ich in einem größeren
Zusammenhang sehen (Verstehbarkeit).
Das Leben stellt mir Aufgaben, die ich lösen kann. Ich verfüge über
Ressourcen, die ich zur Meisterung meines Lebens, meiner aktuellen
Probleme mobilisieren kann (Handhabbarkeit).
Für meine Lebensführung ist jede Anstrengung sinnvoll. Es gibt Ziele und
Projekte, für die es sich zu engagieren lohnt (Bedeutsamkeit).
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Generalisierte Widerstandsressourcen
Im Individuum: organisch-konstitutionelle Widerstandsressourcen, Intelligenz, Bildung, Bewältigungsstrategien und Ich-Stärke, die eine der
zentralen emotionalen Widerstandressourcen darstellt, als emotionale Sicherheit, als Selbstvertrauen und positives Selbstgefühl in Bezug auf die eigene Person.
Im sozialen Nahraum: Zu den Widerstandsressourcen zählen aber auch
wesentlich die sozialen Beziehungen zu anderen Menschen. Diese
beinhalten das Gefühl, sich zugehörig und „verortet“ zu fühlen, Vertrauen und Anerken-nung durch für einen selbst bedeutsame Andere zu erfahren und durch die Beteiligung an zivilgesellschaftlichem
Engagement sich als selbstwirksam erleben zu können. Hinzu kommt
die Möglichkeit, sich Unterstützung und Hilfe von anderen Menschen
zu holen und sich auf diese zu verlassen.
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
Generalisierte Widerstandsressourcen
Auf gesellschaftlicher Ebene: Widerstandsressourcen entstehen
durch die Erfahrung von Anerkennung über die Teilhabe an
sinnvollen Formen von Tätigkeiten und ein bestimmtes Maß
an Sicherheit, mit diesen seinen Lebensunterhalt bestreiten
zu können (Verfügbarkeit über Geld, Arbeit, Wohnung….).
Auf der kulturellen Ebene: Widerstandsressourcen vermitteln
auch der Zugang zu kulturellem Kapital im Sinne tragfähiger Wertorientierungen (bezogen aus philosophischen, politischen, religiösen oder ästhetischen Quellen).
Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
„Empowerment kann ein entscheidender Impuls zur Verbesserung der
Lebensqualität älterer Menschen sein - und zwar unabhängig vom
Ausmaß der Beeinträchtigungen. Natürlich: alten Menschen ist, auf
weitest möglich Weise, die Chance der Regie über all die Entscheidungen zu erhalten bzw. zurückzugeben, die ihr tägliches Leben
betreffen. Ebenso sind die Chancen alter Menschen zu vergrößern,
die Gesellschaft mit ihren Fähigkeiten und Erfahrungen bereichern
zu können. Dies alles aber bedingt, dass diejenigen, die professionell
mit alten Menschen arbeiten, ihre eigenen Einstellungen, Haltungen und ihre Praxis sorgfältig reflektieren. Entscheidend ist, dass
konkrete Verfahren gefunden werden, die alte Menschen ermutigen und befähigen, an Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein.“
Quelle: Europäischen Kommission: „Empowerment älterer Menschen“
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Professor Heiner Keupp » Reflexive Sozialpsychologie «
Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
„Möglicherweise ist zu erwarten, dass der stärkste
Widerstand gegen die politischen und ökonomischen
Kalküle, die die heutige ‚Aktivgesellschaft‘ beherrschen, eher von älteren als von jüngeren Menschen
ausgehen wird, denn sie sind es, die das professionelle, praktische und ethische System erfahren und
kritisch reflektieren, das den gesellschaftlichen Erfolg
heute an Aktivität knüpft.“
Quelle: Stephen Katz (2009). Geschäftige Körper:
Aktivität, Altern und das Management des Alltagslebens
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Alter ist auch nicht mehr das, was es einmal war!
"Altern ist auf jeden Fall ungesund" –
also schaffen wir es ab!
Aubrey David Nicholas Jasper de Grey
(* 20. April 1963 in London) ist ein in
Cambridge lebender Bioinformatiker
und theoretischer Biogerontologe. Er ist
wissenschaftlicher Leiter der von ihm
mitgegründeten SENS Foundation. Er ist
Stifter des Methusalem-Maus-Preises
„Altern (ist) mit Abstand die häufigste Todesursache, zumindest in der entwickelten Welt.
Gelingt es uns, diese Bedrohung auszuschalten, werden die Menschen im Schnitt 1000
Jahre alt. Mindestens.“
Süddeutsche Zeitung vom 20. Mai 2010
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Seele and Geist
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