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Herbert Schui 5.1.2008 Brief aus Berlin Wer legt fest, was ein

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Herbert Schui
5.1.2008
Brief aus Berlin
Wer legt fest, was ein Manager wert ist?
Um die Managerbezüge zu begrenzen, hat die Die Linke im Bundestag zwei
Gesetzentwürfe eingebracht. Wir fordern: Ein einzelnes Vorstandsmitglied soll nicht
mehr als das Zwanzigfache eines sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der
untersten Lohngruppe verdienen. Die Vorstandsmitglieder sollen nicht mit
Aktienoptionen entlohnt werden. Beide Gesetzentwürfe sind am 16.11. 2007 von der
Mehrheit abgelehnt worden. Dennoch ist unsere Initiative nicht ohne Echo geblieben.
Selbst innerhalb der CDU/CSU wird nun über das Für und Wieder der Begrenzung
von Managerbezügen diskutiert.
Eine gesetzliche Regelung wird notwendig: 1980 war das Managergehalt im
Durchschnitt 40-mal so hoch wie der durchschnittliche Facharbeiterlohn. 2003 lagen
die Managerbezüge beim 400fachen! Ähnliches meldet DER SPIEGEL: Von 1997 bis
2003 sind die Bezüge der Vorstände der deutschen Aktiengesellschaften um 89
Prozent gestiegen, die Löhne und Gehälter dagegen um 1,8 Prozent.
Wie kommt es dazu? Für Wolfgang Wiegard, Mitglied des Sachverständigenrates
(die so genannten fünf Wirtschaftweisen), ist die Erklärung einfach: Für ihn sind die
Managerbezüge eine Sache von Angebot und Nachfrage. Ist der Bedarf an
Managern hoch und gibt es nur wenige kompetente, dann ist der Preis eben hoch.
Aber ist die Sache wirklich so einfach? Hat sich das Angebot an Vorständlern für
Aktiengesellschaften so sehr verknappt, dass ihr Preis sich in sechs Jahren von 1997
bis 2003 nahezu verdoppelt hat?
Was ist das Problem auf dem Manager-Markt? Solange, wie es persönliche
Eigentümer von Unternehmen gibt – zu erinnern ist an historische Figuren wie Krupp,
die Gebrüder Mannesmann oder Bosch – entscheidet der Eigentümer darüber, wie
viel sein Manager wert ist. Diese Rolle kann der Aktionär nicht übernehmen. Als
Kleinaktionär fehlt ihm die Macht, als Großaktionär oder als Bank, die das
Depotstimmrecht ausübt, gehört er zum Netzwerk, zum Milieu. Da begrenzt man sich
nicht gegenseitig die Bezüge, vielmehr unterstützt der Eine den Anderen nach
Kräften – beim Ausscheiden wegen Inkompetenz mit einer hohen Abfindung. Auch
die Entlohnung der Manager mit Aktienoptionen sind für pfiffige Aktionäre kein
Nachteil: Treiben die Manager die Kurse hoch, dann verdient der Aktionär mit. Wenn
der Kurs oben ist, muss er nur rechtzeitig verkaufen.
Kurz und gut: Beim Markt für Manager liegt Marktversagen vor. Die Anbieter und die
Nachfrager gehören zu sehr demselben Personenkreis an. Der Manager hat keinen
richtigen Chef, wenn es den klassischen Unternehmer-Eigentümer nicht mehr gibt.
Da helfen dann nur noch Gesetze und öffentliche Kontrolle.
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