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Gut essen dem Klima zuliebe - was heißt - Frankfurt am Main

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Gut essen für das Klima? Frankfurt/M 26052009
Gut essen dem Klima zuliebe – Was heißt klimabewusste
Ernährung im Alltag?
Irmgard Schultz, Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt/M
Gut Essen – was sind die Vorstellungen und Leitbilder dazu?
Leitbilder über das gute Essen [1] sind individuell und kulturell verschieden. Sie sind durch
kollektive Kindheitserfahrungen geprägt und durch individuelle Erfahrungen. Sie sind mit
Wohlbefinden und einem angenehmen Geschmackserlebnis verbunden und können mit
symbolischen Bedeutungen aufgeladen sein: Essen kann mit Heimat verbunden sein, kann
Männlichkeit ausdrücken, Status, Weltläufigkeit, die Zugehörigkeit zu einem bestimmten
Lebensstil.
Für mich sind Bilder des guten Essens mit Erfahrungen in Mexiko und Spanien verbunden,
wo ich in den achtziger Jahren eine Zeit gelebt habe. Es erstaunte mich, wie dort über das
Essen immer wieder, ausgiebig und mit großer Lust gesprochen wird: Woher das Wasser
kommt, das in großen Kruken für das Abendessen besorgt wird, ob der Schinken auch
wirklich von frei laufenden Schweinen aus den Eichenhainen stammt und wo die besten
Oliven zu finden sind. Das Essen habe ich dort als das wichtigste Ereignis am Tag erlebt.
Das Kochen gehörte untrennbar zum Essen dazu und das Ganze dauert noch heute bei
meiner Freundin und ihrer Familie in Madrid täglich etwa 1 ½ bis 2 Stunden.
In Deutschland, so hat eine repräsentative Befragung unseres Instituts zur Ernährung im
Alltag ergeben, wird an Werktagen im Durchschnitt etwa 35 Minuten lang gekocht [2]. Das ist
ungefähr die Hälfte im Vergleich zu den sechziger Jahren. Sonntags wird sich dann mehr
Zeit zum Kochen genommen, oder die Küche bleibt kalt. Die Deutschen, so hat Renate
Künast unser Verhältnis zum Essen treffend in ein Bild gefasst – die Deutschen haben die
teuerste Küchenausrüstung in Europa, geben aber am wenigsten für Lebensmittel aus.
Gutes Essen ist häufig auf ein Bild von „happ und hm“ reduziert: happ - hinein in den Mund –
ein Geschmack auf der Zunge – hm - und weg. Da spielt die Zubereitung, die Herkunft des
Essens, die Verarbeitung, der Umgang mit Resten keine große Rolle. Essen kochen ist für
einige Befragte, die in einer repräsentativen Studie unseres Instituts über Ernährungsstile in
Deutschland [3] als die „Gestressten Alltagsmanagerinnen“ (16%) identifiziert wurden, vor
allem ein Stressfaktor. Aber auch die Desinteresierten Fast Fooder (12 %), die Billig- und
Fleisch-Esser (13%), die Freudlosen Gewohnheitsköche (17 %) und die Konventionellen
Gesundheitsorientierten (20%) wollen erst für das Thema gut Essen gewonnen werden. Und
ob die Fitnessorientierten Ambitionierten und die Ernährungsbewussten Anspruchsvollen, zu
denen Sie sicher gehören, das Thema Klima in ihrem Ernährungsalltag berücksichtigen
können, das wissen Sie besser am Ende des heutigen Abends.
2
Was hat das gute Essen mit dem Klimawandel zu tun?
Der Klimawandel gilt mittlerweile als anerkannter Sachverhalt. Zunehmend kommt dabei
auch in den Blick, dass der Klimawandel durch Ernährung und Landwirtschaft mit verursacht
ist. Daten und Fakten, belegen dies. Ich möchte nur drei davon aufgreifen:
•
Etwa ein Fünftel des Gesamtausstoßes an Treibhausgasen der Industrieländer wird
durch das Handlungsfeld Ernährung verursacht [4, 5].
•
Haushaltsbezogene Berechnungen zeigen für Deutschland dass die Ernährung 16%
der klimarelevanten Emissionen eines deutschen Durchschnittshaushalts ausmacht.
Das ist in ungefähr genauso viel wie Haushalte durch ihr Verkehrs- und
Mobilitätsverhalten verursachen [6].
•
Von den klimarelevanten Emissionen der Ernährung stammen mehr als die Hälfte
aus der Landwirtschaft [7], wobei ein hoher Anteil davon auf die Viehhaltung
zurückgeht [8].
Diese Zahlen veranschaulichen die Relevanz ernährungsbedingter Klimabelastungen und
zeigen an, dass Ernährung ein wichtiges Handlungsfeld des Klimaschutzes darstellt, für die
Politik, für die Unternehmen, aber auch für die Konsumenten und Konsumentinnen.
Die Rolle der Konsumentinnen und Konsumenten:
In der Fachdiskussion gelten Konsumentinnen und Konsumenten sogar als Schlüsselakteure,
ohne deren Beitrag zum Klimaschutz beispielsweise die klimapolitischen Reduktionsziele der
Stadt Frankfurt, alle 5 Jahre die CO2-Emission um 10% zu senken, nicht erreicht werden.
Was können nun die Konsumentinnen und Konsumenten für eine klimafreundliche
Ernährung tun?
Drei Bereiche stehen zur Diskussion:
1. Erstens gibt es CO2 Einsparmöglichkeiten beim direkten Verbrauch von Energie, das
heißt vor allem bei Haushaltsgroßgeräten.
•
Energieeffiziente Herde, Spülmaschinen, Kühlschränke sowie Gefriertruhen in einer
dem Haushaltsbedarf angepassten Größe zu kaufen trägt zur CO2-Minderung bei,
ebenso der Verzicht auf „überflüssige Geräte“ wie z.B. den dauerbetriebenen ZweitKühlschrank im Hobbykeller oder die große Tiefkühltruhe im Keller, die sich zumeist
als rechte Lebensmittelsärge erweist.
Aber das reicht nicht. Technische Neuerungen allein werden die notwendigen
Reduktionspotentiale nicht erbringen. Klimabewusste Veränderungen von Ernährungsweisen
und Alltagspraktiken sind unumgänglich.
Damit kommen zweitens die alltäglichen Handlungsmuster rund um das Zubereiten und
Kochen der Ernährung in den Blick
2
3
2. Klimafreundlich kochen und kühlen – welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?
•
Neben der Anschaffung energieeffizienter Geräte und der optimalen Aufstellung des
Geräts (bspw. Gefriergeräte nicht neben Wärmequellen wie Herd oder Heizung
stellen) ist ein
•
veränderter Umgang mit den Geräten klimarelevant, bspw. eine dem Bedarf
angepasste Temperatureinstellung des Kühlschranks, eine optimale Beladung und
„richtige“ Programmwahl der Spülmaschine und ein Verzicht auf das Vorheizen des
Backofens.
•
Daneben können energiesparende Handlungsweisen bei der Essenszubereitung und
-aufbewahrung die Klimagase reduzieren helfen: Dazu gehört bspw. keine warmen
Speisen in den Kühlschrank zu stellen, Töpfe und Pfannen entsprechend der
Plattengröße des Elektroherds auszuwählen und diesen frühzeitig abzuschalten, um
die Restwärme zu nutzen [9].
Das klingt einfach und ist eigentlich auch bekannt. Warum werden diese einfachen
Möglichkeiten zum Klimaschutz im Alltag häufig nicht genutzt?
Darüber sind schon eine ganze Reihe von Studien angefertigt worden. Sie zeigen, dass die
Umsetzung des Klimaschutzes im Alltag nicht nur vom Kennen der richtigen Tipps abhängig
ist, sondern auch von den Handlungsspielräumen der Einzelnen: vom Geldbeutel, den
Gegebenheiten der Wohnung und den zeitlichen Ressourcen. So fehlen in manchen
Haushalten schlicht die finanziellen Mittel für den Geräteaustausch oder es fehlt die Zeit und
Energie, um ein klimaschonenderes Gerät in die Einbauküche einzubauen. Ob
Empfehlungen umgesetzt werden, hängt wesentlich von drei Faktoren ab
•
•
•
Die Empfehlungen müssen erstens mit Bedürfnissen und Wünschen, Routinen und
Gewohnheiten im Alltag vereinbar sein.
Zweitens zeigen Untersuchungen, dass es für viele Menschen wichtig ist zu wissen,
was die Verhaltensänderung wirklich bringt.
Und drittens ist bekannt, dass das Gefühl, als einzige/r etwas für die Umwelt und das
Klima zu tun, abschreckend wirkt. Wichtig ist die Erfahrung, dass die anderen auch
mitmachen („I will if you will“).
Denn bei der alltäglichen, oft beiläufigen Gerätenutzung stehen ja nicht Energiesparen oder
Klimaschutz im Vordergrund, sondern das Essen. Zudem: Es gibt unendlich viele Tipps zum
Essen.
Daher empfiehlt die Alltagsforschung zum Klimaverhalten, sich auf die ‚wichtigen Punkte’ zu
konzentrieren, die Handlungsweise, die eine vergleichsweise große Auswirkung auf das
Klima haben, herauszustellen. Was sind nun solche ‚key points’ [10]?
Bisher habe ich zwei Bereiche des klimarelevanten Ernährungshandelns im Alltag erwähnt,
erstens die Energieeffizienz der Koch- und Kühlgeräte und zweitens Verhaltensänderungen
rund ums Kochen und Kühlen. Aber noch mehr Belastungs- oder Entlastungswirkungen für
das Klima im Sinne von ‚key points’ können durch die Wahl der Lebensmittel und eine
klimafreundliche Ernährungsweise erreicht werden. Das ist der dritte und wirkungsvollste
Bereich für das klimarelevante Alltagshandeln: die Wahl von Nahrungsmitteln und die
Umstellung der Ernährung.
3
4
3. Klimafreundliche Ernährungsweise
Dafür gibt es unterschiedliche Berechnungsmethoden. Vorherrschend sind Methoden der
Ökobilanzierung „vom Acker bis zum Teller“, die den Energieverbrauch pro Etappe des
Lebenswegs eines Produkts analysieren und die damit verbundene Menge an CO2
errechnen sowie ferner die in CO2-Äquivalente umgerechneten Mengen anderer bei der
Erzeugung und Herstellung freigesetzten Gase, vor allem Methan und Lachgas. Die CO2Belastung pro Produkt kann dann als ökologischer Rucksack sichtbar gemacht werden.
Solche Analysen zeigen im Einzelnen:
•
dass bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel mehr Treibhausgase freigesetzt
werden als bei pflanzlichen Lebensmitteln: Von der Futtermittelproduktion über die
Aufzucht der Tiere bis zum fertigen Produkt werden hohe Mengen Energie als so
genannte Veredelungsverluste benötigt. Eine Studie des IÖW im Auftrag von Food
Watch hat errechnet, dass eine pflanzliche Ernährung etwa nur ein Zehntel der
Menge an klimaschädlichen Gase erzeugt, die bei der Erzeugung entsprechender
Mengen von tierischen Produkten anfallen würden [11] .
•
Bei der Haltung von Wiederkäuern (Rinder, Schafe und Ziegen) werden Methan und
Lachgas freigesetzt, die 21 Mal bzw. bis zu 310-mal klimaschädlicher als CO2 wirken.
Ein ‚key point’ ist also die Menge des Fleischverzehrs im Alltagsverhalten [12].
•
Auch gibt es Unterschiede zwischen Fleischsorten: Die Produktion von Rindfleisch ist
bspw. mit mehr klimarelevanten Emissionen verbunden als die von Schweinefleisch.
Sollen wir also kein Rindfleisch mehr essen? Ich möchte diese Frage hier erst einmal
offen lassen.
•
Die hohe Klimarelevanz der Rinderhaltung schlägt sich auch bei Milchprodukten
nieder, was – aufgrund der hohen Verzehrsmengen – für die Klimabilanz eines
Haushalts nicht unerheblich ist. Dabei sind fettarme Milchprodukte weniger
klimabelastend als fette. Sollen wir aus Klimagründen auch auf Milch und Käse
verzichten? Auch diesen Punkt möchte ich hier noch offen lassen.
Die Klimabilanzen von Produkten zeigen ferner, dass die Verarbeitungsweise der
Lebensmittel eine Rolle spielt:
•
so ist tiefgekühltes Fleisch „klimaschädlicher“ als frisches, da für die Verarbeitung und
vor allem für die Kühlung bei Transport und Lagerung große Mengen Energie
benötigt werden. So ist es auch bei pflanzlichen Lebensmitteln: Beispielsweise sind
die Treibhausgasemissionen bei Tiefkühl-Pommes Frites um ein Zwei- bis Dreifaches
höher als bei frischen Kartoffeln.
Eine wichtige Folgerung daraus ist: Ein wirklicher Beitrag zum Klimaschutz ist die Umstellung
der Ernährung auf frische, industriell nicht verarbeitete Produkte [12, 13].
Einfluss auf die Klimaauswirkungen haben ferner Anbau- und Produktionsweisen und der
Transport: Hier geht es vor allem um Qualitäten wie saisonal, bio und regional:
•
•
4
Der saisonale Freiland-Anbau von Obst und Gemüse ist klimaschonender als der
Anbau in beheizten Treibhäusern. Ebenso sind ökologisch erzeugte Lebensmittel
klimaschonender als konventionell hergestellte. Ein Grund hierfür ist u.a. der Einsatz
von mineralischem Stickstoffdünger in der konventionellen Landwirtschaft, dessen
Herstellung sehr energieaufwändig ist.
Die beim Gütertransport verbrauchte Energie und das freigesetzte CO2 hängen von
Transportmittel und -strecke ab. Als Faustregel gilt, dass Bahn-, LKW- und
Schiffstransporte weniger klimabelastend sind als Transporte mit dem Flugzeug.
5
Ob regionale Lebensmittel, die über kurze Strecken transportiert wurden, tatsächlich weniger
klimaschädlich sind als über große Entfernungen beförderte Lebensmittel hängt jedoch auch
von der Art, Energieeffizienz und Auslastung der Transportmittel ab. So können die
transportbedingten Treibhausgasemissionen pro Kilogramm transportiertem Gut bei einem
Schiffstransport aus Mittelamerika aufgrund großer Tonnagen unter Umständen gering, bei
regionalen Lebensmitteln beim Transport mit Fahrzeugen mit geringem Transportvolumen
verhältnismäßig hoch sein.
Unterschätzt und in Bezug auf seine Klimarelevanz häufig vergessen wird die Wahl des
Verkehrsmittels für Einkaufsfahrten und für Restaurantbesuche [14], die bei Nutzung des
Autos nicht unerheblich ist. Und schließlich soll noch die Verpackung von Lebensmitteln und
Getränken erwähnt werden. Sie schlägt sich auch in Bezug auf die Klimarelevanz zu Buche.
Sind damit die relevanten Kernpunkte – die ‚Key points’ – identifiziert und wir können
ohne Umschweife vom Wissen zum Handeln kommen?
Schon die wenigen dargestellten Daten und Fakten verdeutlichen, dass die Klimabilanz
eines Produkts ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren ist. Für die Auswahl von
Lebensmitteln ist eine Differenzierung entlang eines einzelnen Faktors (verpackt versus
unverpackt, öko versus konventionell, gering verarbeitet versus hoch verarbeitet, regional
versus überregional) nicht immer ausreichend. Zudem ist die Klimarelevanz ja nicht der
einzige Gesichtspunkt, den die Ernährungsbewussten Anspruchsvollen berücksichtigen
wollen. Weitere Umweltfaktoren wie der Flächenverbrauch und der Erhalt der Biodiversität,
Gesichtspunkte der Fairness bei Herstellung und Handel sowie Gesundheitsaspekte und
nicht zuletzt der Geschmack spielen bei der Wahl der Lebensmittel ja auch eine Rolle. Und
hier gibt es durchaus Zielkonflikte zwischen bspw. fairem Handel und der Orientierung an
regionalen Produkten.
Zielkonflikte werden letztlich durch Abwägungsprozesse und Bewertungen gelöst. Diese
Bewertung – das ist die Botschaft meines Beitrags - sollten wir nicht den Fachexperten allein
überlassen. Zeigen möchte ich dies am Beispiel der Bewertung und der Folgerungen aus
der Information, dass die Reduktion des Konsums von Rindfleisch und Milchprodukten eine
ganz zentrale und wirkungsvolle CO2-Einsparmöglichkeit im Handlungsfeld Ernährung
darstellt. Damit möchte ich die oben offen gelassenen Fragen noch einmal aufnehmen:
•
Und welche Schlüsse ziehen wir aus dieser Information?
•
Sollen wir also auf Käse und Milchprodukte ganz verzichten?
•
Sollen wir kein Rindfleisch mehr essen?
Tatsächlich gehen die Schlussfolgerungen zu diesem Thema auch unter den Expertinnen
und Experten auseinander.
Zunächst sind sich die meisten darin einig, dass eine Umstellung der KonsumentInnen auf
klimabewusste Ernährung auch mit Veränderungen der Herstellungsprozesse und einer
klimafreundlichen (Agrar-)Politik und (Land-)Wirtschaft einhergehen muss. In welche
Richtung aber? Sollen Rindfleisch und Milchprodukte aus der Lebensmittelpalette und
Nahrungsmittelherstellung ganz verschwinden? Eine Folge wäre, dass auch die Kühe als
Bestandteil unseres Landschaftsbildes verschwinden. Wollen wir das?
Oder sollen technische Verfahren, wie beispielsweise die bereits mögliche Laborzüchtung
von pflanzlichen und tierischen Zellklumpen anstelle von ausgewachsenen Organismen in
Zukunft unseren Nahrungsbedarf decken? Dann bräuchten wir keine Landwirtschaft mehr,
keine Rinder, die Lachgas von sich geben und könnten die Nahrungsmittelherstellung bei
entsprechender Massenproduktion vielleicht sogar energiearm und CO2-optimiert gestalten.
Wollen wir das? Das wäre noch zu diskutieren.
5
6
Dazu möchte ich – bevor wir diskutieren – noch einen letzten Punkt zu bedenken geben:
•
•
Ein wirklich klimarelevanter Punkt, der zumeist bei den Handlungsalternativen rund
ums Kochen und Kühlen vergessen wird, ist der Nutzungsgrad der gekauften
Lebensmittel. So hat eine österreichische Untersuchung ermittelt, dass 10 Prozent
der eingekauften Lebensmittel in Wiener Haushalten weggeworfen werden, obwohl
sie noch essbar waren.
Eine englische Studie hat ermittelt, dass in England rund ein Drittel der eingekauften
Lebensmittel in den Abfall wandert. Deshalb läuft aktuell eine große Kampagne in
England unter dem Slogan „Love food – hate waste“.
Warum ich das erwähne? Ich hatte eingangs darauf hingewiesen, dass die Ernährung
kulturell unterschiedlich wertgeschätzt wird, dass Lebensmittel und Nahrung mehr sind als
ein Mittel zur Sättigung. Gut essen für das Klima stelle ich mir eingebettet vor in eine höhere
Wertschätzung der Ernährung bei uns Deutschland, in ein Sprechen darüber, wo die
Nahrungsmittel herkommen und wie sie hergestellt werden. Für mich - das ist vielleicht
altersbedingt,- gehören die Kühe zum Landschaftsbild, nicht aber die industrielle
Massentierhaltung in riesigen Rinderfabriken in Niedersachsen. Es geht tatsächlich darum,
den Fleischkonsum zu senken, das ist ein Key Point bei der Ernährung aus Klima- und
Umweltsicht. Aber müssen dafür gleich alle Kühe und Rinder aus dem Landschaftsbild
verschwinden? Können wir uns nicht eine Regel: „Nur ein Mal in der Woche Fleisch“ als
Norm für alle vorstellen?
Denn schließlich - in eine Auseinandersetzung darüber, welche Ernährungsweise auch in
Zukunft möglich sein soll – gehören für mich durchaus auch lokale Traditionen wie die Grüne
Soße dazu, das heißt ab und zu auch Milchprodukte.
6
7
Literatur
1. Hayn, Doris und Claudia Empacher (Hg.) (2004): Ernährung anders gestalten. Leitbilder
für eine Ernährungswende. München: oekom Verlag
2. Stieß, Immanuel und Doris Hayn (2005): Ernährungsstile im Alltag. Ergebnisse einer
repräsentativen Untersuchung / unter Mitarbeit von Konrad Götz, Steffi Schubert, Gudrun
Seltmann und Barbara Birzle-Harder . Ernährungswende-Diskussionspapier, Nr. 5. Institut
für sozial-ökologische Forschung ISOE. Frankfurt am Main: S. 56f.
3. Hayn, Doris, Ulrike Eberle, Immanuel Stieß und Katja Hünecke (2006): Ernährung im
Alltag. In: Eberle, U., D. Hayn, R. Rehaag und U. Simshäuser (Hg.) Ernährungswende. Eine
Herausforderung für Politik, Unternehmen und Gesellschaft. Müchen: oekom Verlag, Seite
73 - 84
4. Jungbluth N. Umweltfolgen des Nahrungsmittelkonsums. Beurteilung von
Produktmerkmalen auf Grundlage einer modularen Ökobilanz. dissertation.de, Berlin (2000)
5. Bund für Umwelt und Naturschutz, Misereor (Hg.). Zukunftsfähiges Deutschland. Ein
Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung. Studie des Wuppertal Instituts für Klima,
Umwelt, Energie. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin (1996)
6. Wiegmann K, Eberle U, Fritsche R U, Hünecke K. Umweltauswirkungen von Ernährung –
Stoffstromanalysen und Szenarien. Ernährungswende-Diskussionspapier Nr. 7. (2005). URL:
http://www.ernaehrungswende.de/pdf/DP7_Szenarien_2005_final.pdf. Zugriff 28.7.08
7. Taylor C. Ökologische Bewertung von Ernährungsweisen anhand ausgewählter
Indikatoren. Dissertation Universität Gießen. (2007) URL: http://geb.unigiessen.de/geb/volltexte/2000/273. Zugriff 28.7.08
8. Food and Agriculture Organization of the United Nations (Hg.). Livestock’s Long Shadow.
Environmental Issues and Options. (2006). URL:
ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/010/a0701e/a0701e.pdf. Zugriff 28.7.08
9. Griesshammer, R. Der Klima-Knigge. Energie sparen, Kosten senken, Klima schützen.
Booklett Brodersen & Company, Berlin (2007)
10. Bilharz, M. (2008): ‚Key Points’ nachhaltigen Konsums. Marburg: Metropolis Verlag
11. Foodwatch. Klimaretter Bio? Der foodwatch-Report über den Treibhauseffekt von
konventioneller und ökologischer Landwirtschaft in Deutschland (2008) ULR:
http://www.foodwatch.de/foodwatch/content/e10/e17197/e17201/e17219/foodwatchReport_Klimaretter-Bio_20080825_ger.pdf Zugriff 4.9.2008
12. Eberle U, Hayn D, Wiegmann K (2006) Ansatzpunkte für einen Ernährungswende. In:
Eberle U, Hayn D, Rehaag R, Simshäuser U (Hg.). Ernährungswende. Eine Herausforderung
für Politik, Unternehmen und Gesellschaft. ökom Verlag, München: 99–111
13. Hayn D (2008) Ernährungshandeln im Alltag. Ernährungsumschau. 55. Jg., 6/08: 346–
351
14. Fritsche U R, Eberle U. Treibhausgasemissionen durch Erzeugung und Verarbeitung von
Lebensmitteln – Arbeitspapier. Unter Mitarbeit von Wiegmann K, Schmidt K. (2007) URL:
http://www.oeko.de/oekodoc/328/2007-011-de.pdf. Zugriff 28.7.2008
7
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