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Biblischer-Leitfaden für Juli 2013 Was nützt mein Beten? Raummitte

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Biblischer-Leitfaden für Juli 2013
Was nützt mein Beten?
Raummitte: Tuch, Kerze, Blume, Textstreifen mit Äußerungen zum Thema
1. Lied:
2. Begrüßung und Einführung
Unser heutiges Treffen befasst sich mit dem Evangelium des 17. Sonntags im
Jahreskreis C, das für den 28. Juli vorgesehen ist. Die Textstreifen, die um die Mitte
angeordnet sind, grenzen das weite Feld des Betens ein auf die Frage: Was nützt
mein Beten? Inwiefern erhört Gott meine Gebete?
Für diese Fragestellung ist es günstiger, sich auf die Verse 5-13 im Kap. 11 bei
Lukas zu beschränken und das Vater unser auszusparen.
Wir sind eingeladen, nach dem Anhören des Bibeltextes zunächst das Gehörte 1
Minute lang auf uns wirken zu lassen.
Danach mögen Sie sich den Textstreifen zuwenden und ca. 3-4 Beispiele in Stille
lesen. Dann entscheiden Sie sich für einen bestimmten Text, der Sie am meisten
anspricht oder herausfordert. Dieses Blatt nehmen Sie an sich und gehen es in aller
Ruhe drei Minuten lang durch. In dieser Einzelbesinnung ist auch Gelegenheit,
andere Gedanken und Fragen diesem Thema zu sammeln, die Sie im Laufe des
Abends vorbringen möchten. Je nach der Zeit, die zur Verfügung steht, können zu
den Textstreifen oder statt der Textstreifen die erwähnten eigenen Gedanken und
Fragen zur Sprache kommen.
3. Gebet:
Unser Gott und Herr, wir sind zusammengekommen, um dein Wort in uns
aufzunehmen und uns davon stärken zu lassen. Du ermunterst uns zum
vertrauensvollen Beten, weil du uns dadurch viel mehr beschenken kannst. Sei uns
jetzt nahe und begleite unser Denken, Sprechen und Tun mit deinem Heiligen Geist.
Amen.
4. Bibeltext:
Lk 11:5-8 Das Gleichnis vom bittenden Freund
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn einer von euch einen Freund hat
und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen,
und ich habe ihm nichts anzubieten!,
wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Las mich in Ruhe,
die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir;
ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht
und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist,
so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen
und ihm geben, was er braucht.
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Lk 11,9-13 Vom Vertrauen beim Beten
Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben;
sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet;
und wer anklopft, dem wird geöffnet.
Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt,
wenn er um einen Fisch bittet,
oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist,
wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn
bitten.
5. Aussagen zum Bibeltext
(Jeder Abschnitt soll als eigenes Textblatt in der Raummitte in großen Buchstaben zu
lesen sein. Am besten verschiedenfarbige Blätter verwenden. Entscheiden Sie
selber, welche Auswahl Sie treffen.)
Ob Gott mich erhört, hängt damit zusammen, wieweit ich auf Gott höre.
Es ist ähnlich wie bei einem Telefongespräch. So ein Telefongespräch mit Gott darf
aber kein Selbstgespräch werden, wo nur ich unablässig rede.
Beten heißt nicht nur zu bitten, sondern auch auf Gott zu hören, sich täglich neu Gott
zu öffnen, sich auf Empfang einzustellen. Sonst gleichen wir einem Fernsehgerät,
das keine Antenne hat.
Wer betet, schafft Raum, dass Gottes Wort in sein Inneres immer mehr einsickern
und gleichsam in Fleisch und Blut übergehen kann.
Denn wer betet, muss damit rechnen, dass Gott nicht nur bei anderen etwas ändert.
Die Erhörung des Gebetes kann auch dahin zielen, dass Gott den Beter selber
stärken, ändern, bekehren und bessern will.
Ehrliches Beten hat viel mit dem Hl. Geist zu tun.
Wer in der Gesinnung Jesu betet, ist offen für bessere Einsichten von Gott her und
vergleicht sein Tun und Lassen mit dem Leben Jesu. Wer in der Gesinnung Jesu
betet; wünscht, dass Gott ihm den Kurs seinen Lebens immer genauer einstelle. In
solchen Menschen bekommt Gottes Geist Platz und beginnt zu wirken.
Ist es nicht klüger und weitsichtiger von Gott, wenn er mehr oder weniger oft unsere
Wünsche nicht so erfüllt, wie wir es im Augenblick gerne möchten?
Ich denke da an ein Kind. Plötzlich entdeckt es am Tisch ein Messer. Und schon gibt
es nichts Interessanteres mehr als das Messer. Gerade weil die Mutter ihr Kind lieb
hat, kann sie ihm einen solchen Wunsch nicht erfüllen. Das Kind hat noch nicht die
weite Lebenssicht eines Erwachsenen.
Ich frage mich: Haben wir schon den souveränen Weitblick über unser ganzes Leben
und das der anderen?
Jesus Christus versichert uns, dass unser Gebet allzeit erhört wird, wenn wir erstens
um „etwas", zweitens „den Vater", drittens in „seinem Namen", viertens „bitten"
werden. Das sind die Eigenschaften eines guten Gebetes.
(Sigismund von Storchenau , gestorben 1798)
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Worum bitten?
Jesus gebietet uns, zuerst nach dem Reich Gottes zu streben Er fügt an: „Alles
andere wird euch dazugegeben."
Die äußeren, die zeitlichen Güter wie Gesundheit, Reichtum, Ehren und Würden,
müssen sich mit den innerlichen Gütern der Seele vereinbaren lassen; sie müssen
auch zur Erhaltung und Vermehrung derselben etwas beitragen.
Beten lässt sich vergleichen mit Sport oder Musizieren.
Wenn Sie z.B. Tennis oder Geige spielen lernen, wird es nie genügen, einen Tag
eine Menge Zeit darauf zu verwenden und es am nächsten Tag zu vernachlässigen.
Es wird nie genügen, zu spielen, wenn man dazu Lust hat. Man muss regelmäßig
spielen, ob man dazu aufgelegt ist oder nicht, wenn Hände und Körper sich an den
Schläger oder das Musikinstrument gewöhnen sollen und man den sechsten Sinn
entwickeln will, der zum Virtuosem wacht. Wenn man nur sporadisch übt, braucht
man gar nicht zu versuchen, die Kunst zu meistern. Nur zu beten wenn man Lust hat,
ist genauso unwirksam wie Spielen, wenn es einen dazu drängt.
Ein Soldat schrieb während des amerikanischen Bürgerkrieges folgenden Brief:
"Ich bat Gott um Stärke, aber er machte mich schwach, damit ich Bescheidenheit
und Demut lernte. Ich erbat seine Hilfe, um große Taten zu vollbringen, aber er
machte mich kleinmütig, damit ich gute Taten vollbrächte. Ich bat um Reichtum, um
glücklich zu werden, er aber machte mich arm, damit ich weise würde.
Ich erhielt nichts von dem, um was ich gebetet hatte, aber ich erhielt alles, was für
mich gut war. Gegen mich selbst wurde mein Gebet erhört. Ich bin unter allen
Menschen ein froher und gesegneter Mensch geworden."
Es gibt auch viele scheinbar nicht erhörte Gebete. Als ich einmal mit einem Kollegen
über den heutigen Predigttext nachdachte, erzählte ich ihm von einem Mann, der seit
zwanzig Jahren täglich vergebens ein Anliegen vor Gott bringt. Und auf die
Rückfrage: „Wie geht der Mann damit um?" wusste ich nur zu berichten: „Er betet
weiter". Ist Gott für diesen Mann also nicht der helfende Freund? Hört Gott ihn nicht?
Ist sein Gebet vergebens? Ich denke nicht. Denn dieser Mann erfährt seit zwanzig
Jahren, wie ihm täglich im Gebet eine Last abgenommen wird. Er erfährt seit
zwanzig Jahren, dass er bei Gott anklopft und Kraft erhält, mit den Belastungen
seines Lebens zurechtzukommen.
In Krisen und auf Durststrecken ist dringend geraten, das Beten nicht aufzugeben.
Auch wenn sich im Augenblick nichts einstellt als Unlust, ist das Beten in dieser
Phase keine Zeitverschwendung. Es ist eine allmähliche Umstellung auf einen Trost
anderer Art: Man eignet sich in Sachen Gebet einen neuen Geschmack an. Im
Nachhinein stellt sich der kritische Punkt als Durchbruch und Fortschritt im Beten
heraus. Wenn man ein paarmal solche Situationen gemeister hat, lernt man zu
warten und weiß, dass nachher alles reicher ist.
Ignatius v. Loyola besteht darauf, nichts von der Gebetszeit zu kürzen, eher sogar
die Zeit ein wenig zu verlängern, um nicht solchen Neigungen nachzugeben.
Bist du recht trocken und bringst du gar nichts zusammen, so mach nicht
übergroße Anstrengungen zum Gebet, denn das wäre dann nur Blut und
Nerven, aber nicht Gebet; vielmehr demütige dich dann recht und sprich:
O Herr, erbarm dich meiner, sieh mich in meinem Elend an!
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Gott will nicht Gefühle und Andacht, aber demütige Herzen will er haben.
Zuviel mündliche Gebete ersticken das Herz, sind dem Fortschritt der Seele
hinderlich
Pater Stanggassinger
Am Ölberg hat Jesus in seiner Todesangst gebetet: „Vater, wenn es möglich ist, lass
den Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein Wille geschehe, sondern der deine.“
Ein Engel kam und stärkte ihn. Das war die ganze Erhörung. Gott ersparte ihm weder
Leiden noch Sterben. Es geschah kein Wunder. Gott schwieg. Ein langes Schweigen
Gottes, um dann erst eine Antwort zu geben, die weit über die vorher erwarteten
Antworten hinausgeht. Gott erweckte Jesus von den Toten.
6. Gedankenaustausch
Nachdem alle einen Text ausgewählt haben, befassen sie sich in Stille ca. 2-3 Min.
lang damit. Dann wird der Text laut vorgelesen und die betreffende Person fügt ihre
Gedanken an, die sich eingestellt haben. Alle anderen Teilnehmer und
Teilnehmerinnen sind eingeladen zu ergänzen. Je nach Größe der Gruppe ist ein
zweiter Durchgang möglich, wo auch andere Beispiele zur Sprache kommen können,
die nicht von den ausgelegten Blättern stammen.
7. Lied
8. Fürbitten in spontaner Form
9. Gebet:
O großer und wunderbarer Gott,
wie oft haben wir in unseren Litaneien zu Dir gerufen: "Erhöre uns, o Herr!",
ohne dass wir uns zuvor gefragt hätten, ob wir auf Dich gehört haben,
ob wir im Einklang gestanden sind mit Deinen Worten, mit Deinem Schweigen.
Wir wollen, dass Du unseren Bitten Dein Ohr leihst, ohne dass wir selbst uns
bemühen, unsere Taubheit und Herzenshärte zu überwinden.
Versteh es recht, himmlischer Vater, unser armseliges Gebet:
Jedes Mal, wenn Du uns rufen hörst: "Erhöre uns, o Herr!",
deute es gütigst, dass wir Dir sagen wollen:
Öffne unsere Ohren, damit wir Deine Stimme hören.
Öffne unsere Augen, damit wir Dich überall sehen.
Öffne unsere Lippen, damit wir Dein Lob verkünden.
Wie Salomo fühlen wir uns als Kinder vor Deinem Angesicht:
frühreif und manchmal schlimm,
hin und her geworfen von einer Seite zur anderen
und vom Herbstwind davongeweht wie dürre Blätter, ohne Ziel.
Gib uns ein hörendes Herz, Vater der Barmherzigkeit,
mit dem Sohn und dem Geist der Liebe:
Erhöre uns, o Gott, und verzeih uns!
(P. Bernhard Häring)
10. Vater unser
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11. Organisatorisches
12. Segen
Alternativen
Schafft die Nachtigall das Papageiendiplom?
Angenommen, ich fange eine Nachtigall. Ich setze sie in einen Vogelkäfig und dann
beginne ich, sie zu unterrichten. Ich unterwerfe sie einem Lehrgang für Papageien.
Wird die Nachtigall das Klassenziel erreichen?
Nein, ich mag noch so viel Mühe aufwenden; ich mag Stunde um Stunde
vorsprechen, was ich dann von meinem gefiederten Schüler wieder zu hören
wünsche - nein, es fruchtet nichts. Die Nachtigall bleibt stumm; sie wird sich, wenn es
nicht anders geht, dieser aberwitzigen Zumutung durch einen schnellen Tod
entziehen. Sollte sie (und ich!) aber das Glück haben zu entkommen - es kann sein,
dass ich schon in einer der nächsten Nächte aus einem Gebüsch in der Nähe einen
unsagbar schönen Gesang höre. Diese Klänge werden mich dann - hoffentlich! erschüttern. Ich werde mich selbst nicht mehr verstehen. Wie konnte ich ein
Lebewesen, das solche Melodien in sich hat, wie konnte ich diese begnadete
Künstlerin mit der sinnlosen Tortur meines Papageienunterrichtes belästigen!?
Dass Gott doch oft so ungehorsam sein muss!
So wie wir oft mit Gott umgehen - kein Wunder, dass er stumm bleibt. Wir bedienen
uns seiner, setzen ihn als Erfüllungsgehilfen unserer Wünsche ein - wie eine Art
Super-Butler soll er heranschaffen, wonach uns gerade der Sinn steht. Ja, es stimmt:
In unserem heutigen Evangelium ermutigt uns Jesus geradezu, in unserem Gebet
ganz beherzt, sogar zudringlich auf Gott zuzugehen. Aber ebenso deutlich ist doch:
wir sollen Gott um das bitten, wozu er gut ist. Wir sollen ihn um das bitten, was er
geben kann und geben will. Wir sollen uns dem Gottesgeist öffnen, damit wir seinen
Namen heiligen können; wir sollen sein Reich herbeisehnen, uns von unserer
Selbstsucht befreien lassen und seinem Willen Raum geben.
Wie schwer ist es, diese Umkehr zu vollziehen! Nicht mehr zu erwarten, dass Gott
papageienartig Ja und Amen sagt zu allem, was ich mir in den Kopf gesetzt habe. Ich
soll mich vielmehr abstimmen auf die Lebensbewegung, die aus ewiger Liebe
gespeist wird. (Herkunft unbekannt)
Der Krieg der Wünsche
„Zu der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat" - warum ‚half' es damals und hilft
uns heute nicht mehr?
Versuch einer Antwort:
Wir sind ungeteilter Wünsche nicht fähig. Wir wünschen zu viel und wir wünschen es
außerdem gleichzeitig. So gut wie immer ist unser Wünschen zerrissen und, ganz
verborgen, gegen uns selber gewandt. Was ein „Etwas in uns", und sei es noch so
leidenschaftlich, begehrt - z.B. schön zu sein, Macht oder viel Geld zu besitzen, kann
etwas anderes in uns unmöglich bejahen. Es kann sich diesem Wunsch nicht
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anschließen. (Die Kunst, reich zu sein, ohne arm zu werden; schön zu sein, ohne
hässlich zu werden; Macht zu haben, ohne die Herrschaft über sich selbst zu
verlieren ...)
Wer kann sich schon ungeteilt einen Lottogewinn wünschen? Der Einwand „Tut mir
das wirklich gut?" kommt dem Wunsch, wenn auch ganz unbewusst, in die Quere. Das
Beste in uns wünscht so unvernünftige Wünsche nicht mit. Es hat völlig andere
Wünsche für uns. Unsere Wünsche sind in sich geteilt, geschieden, weil auch wir
selber es sind: die einen kämpfen gegen die anderen.
Sogar der Wunsch nach Genesung von einer Krankheit, einem Leiden, wird oft
abgebremst, unbewusst blockiert: hat es nicht auch Vorteile, krank und hilfsbedürftig
zu sein? Wie viele Menschen leben in krankmachenden, destruktiven Beziehungen,
wünschen sich heraus. Und doch ist die Versuchung groß, nichts zu ändern nach
dem Motto: „Lieber das bekannte Unglück als ein unbekanntes Glück".
Ein noch stärkeres Beispiel ist die Liebe. Kann die innerste Vernunft etwas einwenden
gegen den Wunsch, den besten aller Menschen für sich zu gewinnen? In den Märchen
geht es ja genau darum. Der Königssohn begehrt, die schönste und beste Prinzessin
zu erringen, die Prinzessin will sich nur mit dem schönsten und besten Prinzen
verbinden. Viele versuchen es und scheitern, bestehen die Probe nicht, sind also
nicht würdig und folgerichtig verlieren sie ihren Kopf oder kommen in einer
Dornenhecke ums Leben.
Die Volksmärchen sind sehr beharrlich mit der Botschaft, dass der besten Braut nur
einer würdig ist: der Beste.
Dieser Satz gilt auch unabhängig vom Märchen. Er ist gesammelte Lebenserfahrung:
Wer sich seines eigenen Wertes nicht tief bewusst ist - also des „besten" Partners
würdig zu sein - kann ihn nicht begehren, ohne dass etwas in ihm dagegen
protestiert, als wäre es ein Betrug: dem / der Besten entgegenzutreten, als verdiene
er sie, obwohl der doch zutiefst überzeugt ist, ihrer „nicht wert" zu sein.
Eine Lösung wäre, den Zustand, der ihn der Liebe wert machen würde, im Ernst
erreichen zu wollen - doch oft hemmt ein starker innerer Widerstand gerade diesen
Entwicklungsschritt.
Mit diesen Gedanken hat sich schon ein bedeutender Schüler von Sokrates,
Aischines, beschäftigt. Er ging davon aus, dass jeder immer das Beste begehrt - also
jeder Mann möchte die beste Frau, jede Frau den besten Mann. Dass das stimmt,
wissen wir alle. Aber ohne inneren Einspruch und Widerspruch kann dieser Wunsch
sich im Herzen eines Menschen nur dann behaupten, wenn er sich bewusst ist, sich
selbst mit ganzer Kraft um das zu bemühen, was er am andern verehrt: nämlich so
gut zu werden wie dieser - dem Besten die Beste zu sein.
Einem gewöhnlichen Paar lässt Aischines sagen: „Wenn ihr dies nicht erreicht, dass
es auf Erden weder einen besseren Mann noch eine bessere Frau gibt als euch, dann
werdet ihr das, was ihr für das Beste haltet, immer vergeblich begehren." (Achtung,
hier geht es nicht um messbare Leistungen!!!)
Aischines führt weiter aus, der Mann wird des Nachbarn Frau begehren, wenn er denkt,
sie sei besser als seine, und die Frau aus denselben Gründen den Nachbarn; aber selbst
wenn der Wechsel zu einem vermeintlich besseren Partner immer wieder gelänge,
würde die Hoffnung auf Glück, die sich mit diesem Wechsel verbindet, doch immer
wieder enttäuscht. Offenbar liegt darin die letzte Erklärung für die Neigung der
Menschen zu ständigem Partnerwechsel und Ehebruch: „Jeder sucht immer den
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Besten, und obwohl er die halbe Welt danach abläuft, findet er nicht, was er sucht, weil
er selbst nicht der Beste ist und auch nichts weniger vorhat, als danach zu streben."
Wenn im Märchen der Held auf die schönste Prinzessin zugeht, dann ist deren
Schönheit ja ein Symbol für die Unzerrissenheit, die Harmonie ihres Wesens. Und
weil auch er selbst in voller Harmonie mit sich selbst ist, kann er mit der ganzen Kraft
seines Herzens, also ungeteilt, seinen Wunsch auf sie richten. Und eine solche, ganz
ungeteilte Wunschkraft ist unwiderstehlich. In manchen Märchen wird der Prinz, selbst
wenn er entstellt oder hässlich ist, geliebt und dadurch am Ende auch schön! (siehe:.
„Hans Dumm ", klein, schief und bucklig, auch einfältig, rafft sich zuletzt zu dem
Wunsch auf, ein junger und kluger Prinz zu werden und - sofort ist er's. !)
Im Evangelium wird an die zwanzigmal bezeugt, dass Gott den Menschen alles
gewährt, worum sie bitten: „Bittet, so wird euch gegeben." Klingt das nicht wie ein
Märchen? Wie ein naiver Wunscherfüllungsglaube? Doch an den meisten Stellen der
Evangelien wird dem festen und klaren Versprechen eine Bedingung beigefügt, die
man leicht überliest, aber auf die alles ankommt. „Alles, was ihr im Gebet erbittet,
werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt.“. (Mt. 21,22)
Auch hier wieder: Ihr werdet empfangen, falls ihr ohne Gegenmeinung und ohne
Gegenwunsch wünscht.
Ungeteilte Wünsche zu haben, ist unglaublich schwer. Es setzt voraus, eins mit sich
selbst zu sein; oder: Wünsche zu haben, die die Seele nicht innerlich spalten.
Letztlich ist das ein Ideal. Ein tiefer Riss geht durch die Welt und auch durch jeden
einzelnen Menschen, den wir letztlich nicht durch Anstrengung und Bemühungen
ausradieren können.
Jesus ist uns vorausgegangen. Er war ganz eins - mit sich, mit seinem Wollen, mit
Gott. Er konnte, was wir noch nicht können und in diesem Leben auch niemals ganz
erreichen werden. Von ihm können wir auch die Richtung lernen, in die Wünsche
gehen könnten, damit sie uns zum Segen werden:
Der Wille Jesu war es, ganz den Willen des Vaters zu tun.
Aus F. Vonessen, „Das kleine Welttheater" - Das Märchen und die Philosophie
(S.36)
Zusammengestellt von Pater Ludwig Götz, Landpastoral Schönenberg, Ellwangen
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Seele and Geist
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