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18/2005/2 Der Mensch schuldet dem Kind das Beste, was er zu

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EDITORIAL
18/2005/2
2
D
er Mensch schuldet dem Kind das Beste, was er
zu geben hat«, so die UNO-Deklaration zum
Schutz des Kindes.
Durchschnittlich rund eineinhalb Stunden sehen Kinder
in Deutschland täglich fern – ein nicht zu unterschätzender Teil ihrer Freizeit. Insbesondere wenn sie selbst
wählen können, sehen sie das Programm, das speziell für
sie gemacht ist: Kinderfernsehen. Und genau hier – ohne
zu pathetisch werden zu wollen – schulden wir Kindern
das beste Programm, das wir ihnen anbieten können.
Denn wenn sie schon fernsehen, dann sollten wir ihnen
auch ein Programm zur Verfügung stellen, das ihre Themen und Fragen aufgreift, das sie begeistert und sie in
ihrer Lebensbewältigung positiv unterstützt. Mit anderen
Worten: Qualitätsprogramm. So weit lässt sich schnell
Konsens herstellen, doch was heißt das konkret?
Was ist Qualität im Kinderfernsehen?
Dieser Frage widmet sich diese Jubiläumsausgabe der
»TelevIZIon«, angesichts des Anlasses und der Komplexität des Themas in doppelter Länge.
Programmverantwortliche legen hierzu ihre Qualitätskriterien dar und verdeutlichen sie an konkreten Sendungen.
Ausgewählte ProduzentInnen berichten im Interview von
ihrem jeweiligen Qualitätsverständnis und dem, was sie
für besonders wichtig halten. Aus wissenschaftlicher
Sicht wird grundsätzlich über das Thema Qualität nachgedacht und die Kriterien von Machern und Kindern
werden untersucht. Schließlich kommt auch die Zielgruppe selber zu Wort – in Ausschnitten aus Diskussionen in
Kinderjurys.
Was dabei deutlich wird: Qualität wird immer aus einer
bestimmten Perspektive heraus definiert. Die Kriterien
sind weder allgemein gültig noch objektivierbar. Qualität
entsteht im Diskurs, in der Artikulation der eigenen Kriterien, in der Wahrnehmung anderer Sichtweisen und
nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit der Perspektive der Kinder.
Leiterin
Internationales Zentralinstitut für das
Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)
VORWORT
18/2005/2
3
Gerhard Fuchs
Qualität im Kinderfernsehen
D
ie Zeiten, in denen die
Die gesellschaftliche Erwartung an
Kinder sich zur Kinderein qualitätsvolles Kinderfernsehen
stunde am Nachmittag in
ist, Kindern Orientierung anzubieder guten Stube vor dem Fernseher
ten und sie darin zu unterstützen,
versammelten, sind schon lange
ein aktives, sozial engagiertes Mitpassé. Kinderfernsehen heute läuft
glied der Gesellschaft zu werden.
zu unterschiedlichen Zeiten in verEin Anspruch, der einlösbar ist,
schiedensten Programmen. Waren
denn Kinder suchen nach Orienes Anfang der 90er Jahre noch unter
tierung und beschäftigen sich in100 Stunden Kinderfernsehen pro
tensiv mit den Fragen von Gut und
Woche, vervielfachte sich das AnBöse – von Richtig und Falsch.
gebot ab Mitte der 90er Jahre auf
Unsere Aufgabe ist, ihnen hier anüber 300 Stunden Kinderprogemessene Orientierungsmuster angramm. Durch neue private Anbie- Prof. Dr. Gerhard Fuchs, Fernseh- zubieten.
ter erhöhte sich im Herbst 2005 das direktor des Bayerischen Rundfunks
Das, was Qualität im KinderfernAngebot auf nunmehr über 400
sehen hierfür ganz sicher braucht,
Stunden Kinderfernsehen pro Woche. Damit
sind gründliche Recherche der Themen und Gestehen den 3- bis 13-Jährigen so viel frei empschichten und insbesondere ein fundiertes Wissen
fangbare Kinderprogramme zur Verfügung wie
über die junge Zielgruppe.
noch nie.
Welche Kenntnisse über die Wirkung und NutQuantität ist jedoch nicht gleich Qualität! Was
zung der Medien liegen in der Wissenschaft vor?
aber kennzeichnet Qualität im Kinderfernsehen?
Wo finden sich Ansätze, wie Kinder und JugendLaut Lexikon ist Qualität die Übereinstimmung
liche gezielt gefördert werden können?
von Ist und Soll, die Erfüllung von ErfordernisFür diese Bereiche des öffentlich-rechtlichen
sen und Erwartungen. Im Fernsehen für Kinder
Grundauftrags steht das Internationale Zentralheißt dies zunächst, auf die Besonderheiten der
institut für das Jugend- und Bildungsfernsehen.
Zielgruppe einzugehen, ihnen Stoffe anzubieten,
In den 40 Jahren seines Bestehens hat es nicht
die sie in ihren Alltags- und Fantasiewelten abnur wertvolle Informationen für Redaktionen beholen, Inhalte, die sie nachvollziehen können, die
reitgestellt, sondern es ist den Verantwortlichen
sie fordern, aber nicht überfordern. Sicherlich ist
immer wieder gelungen, die Diskussion um QuaQualität dabei immer eine Frage der Perspektive.
lität voranzutreiben.
Im Kinderfernsehen gibt es aber klar definierIn einer Zeit, in der die Angebote an Kindersenbare Grundaspekte von Qualität: starke Gedungen nahezu unüberschaubar werden und die
schichten, die für Kinder verständlich und förKommerzialisierung einen großen Teil des Proderlich sind, Figuren, mit denen Kinder sich idengrammangebots bestimmt, ist es genau das, was
tifizieren können und die ihre Probleme ohne
wir brauchen: eine fundierte Reflexion darüber,
Gewaltverherrlichung lösen.
was Qualität ist.
INHALT
18/2005/2
4
Siegmund Grewenig
Qualität fürs Kinderfernsehen
Wir brauchen gutes Kinderprogramm.
Wer wollte dieser Aussage nicht zustimmen? Aber was gutes Kinderfernsehen ist,
darüber scheiden sich die Geister. Eine
Standortbestimmung aus öffentlichrechtlicher Sicht.
Barbara Biermann
ZDF – 40 Jahre Wissen mit Spaß
Das Kinderfernsehen des ZDF kann auf
eine erfolgreiche 40-jährige Geschichte
zurückblicken. Die Programm-Marke tivi
setzt dabei auf eine klare dramaturgische
Linie – mit Unterhaltung und Information
ohne Effekthascherei und Brutalität.
Frank Beckmann
KI.KA – Kinderfernsehen mit Mehrwert
Verantwortungsvolles Fernsehen für Kinder zu machen ist alles andere als leicht.
Der KI.KA stellt sich dieser Aufgabe, was
manchmal auch heißt, gegen die
Marktlogik zu handeln.
Claude Schmit
Super RTL – gutes Kinderfernsehen
macht Spaß
Um den hohen Qualitätsansprüchen von
Kindern, Eltern und Medienmachern
gerecht zu werden, ist ein beträchtlicher
finanzieller Aufwand nötig. Als Marktführer im Bereich Kinderfernsehen ist
Super RTL die Gratwanderung zwischen
Ökonomie und Qualität gelungen.
Markus Andorfer
NICK – die Welt mit Kinderaugen sehen!
Der Sender NICK ist zurück in Deutschland – mit Angeboten, die unterhalten und
fördern. Die These: Gut gemachtes Kinderprogramm nutzt die Stärken des Mediums Fernsehen und unterstützt beim
spielerischen Lernen.
Christophe Erbes
JETIX – dein Abenteuer beginnt
Qualitätssicherung bedeutet für JETIX,
immer wieder den Kontakt zur Zielgruppe
herzustellen, aber auch, aus einem
internationalen Programm »die Schokolade im Marmorkuchen« auszuwählen.
Andreas M. Reinhard
Nicht auf den Erfolgen ausruhen
Qualität im Kinderfernsehen als Teil des
Vollprogramms ist eine Herausforderung,
die sich allein mit gekauften Trickserien
nicht bewältigen lassen wird. Das Bayerische Fernsehen bietet stattdessen informative Realformate, die leichte, aber auch
komplexe Themengebiete beleuchten.
FEST
SCHRIFT 40 JAHRE IZI
FESTSCHRIFT
WAS IST QU
ALITÄ
QUALITÄ
ALITÄTT IM
KINDERFERNSEHEN?
PROGRAMM
Siegmund Grewenig
Qualität fürs Kinderfernsehen __ 6
Barbara Biermann
ZDF –40Jahre Wissen mit Spaß _ 10
Frank Beckmann
KI.KA – Kinderfernsehen mit
Mehrwert ___________________ 14
Claude Schmit
Super RTL – gutes
Kinderfernsehen macht Spaß __ 20
Markus Andorfer
NICK – die Welt mit Kinderaugen sehen! ________________ 24
Christophe Erbes
JETIX–dein Abenteuer beginnt _ 28
Andreas M. Reinhard
Nicht auf den Erfolgen ausruhen _ 32
Kalle Fürst
Der nordische Blick auf Qualität _ 36
David W. Kleeman
Das »goldene Zeitalter« des
Kinderfernsehens? ___________ 40
Shalom M. Fisch
Mehr als »Socken mit Augen« __ 46
FORSCHUNG
Christiane Hackl
Qualitätsverständnis von
ProduzentInnen im Kinderfernsehbereich _______________ 52
Astrid Plenk
Die Perspektive der Kinder auf
Qualität für Film und Fernsehen _ 60
Norbert Neuß
Ist gutes Fernsehen ein Ergebnis
des Produzenten oder des
Zuschauers? ________________ 66
Lothar Mikos
Qualität kommt nicht nur von
Können _____________________ 72
Kalle Fürst
Der nordische Blick auf Qualität
Im Bereich des Kinderfernsehens geht
Norwegen ganz eigene Wege: Es wird
Wert auf eigene Produktionen gelegt – um
die nationale Identität der Kinder zu stärken und um sie kulturell zu verwurzeln.
David W. Kleeman
Das »goldene Zeitalter« des
Kinderfernsehens?
Noch nie gab es so viele Fernsehsender in
den USA wie jetzt. Ob dies eine Chance
ist oder doch nur Kommerzialisierung,
dazu wurden ausgewiesene Experten und
Senderverantwortliche befragt.
Shalom M. Fisch
Mehr als »Socken mit Augen«
Sendungen mit Puppen gehören seit langem zum Repertoire der Produktionen für
Kinder. Doch warum sind solche Sendungen etwas Besonderes, welchen Mehrwert
bieten sie und welche Unterschiede gibt
es zu Serien mit »echten« Schauspielern?
US-Spezialisten geben Auskunft.
Christiane Hackl
Qualitätsverständnis von ProduzentInnen im Kinderfernsehbereich
Was verstehen ProduzentInnen bei ihrer
täglichen Arbeit im Kinderfernsehen unter
Qualität? Das Fazit: Inhalte, Themen und
Geschichten, die nah an den Kindern und
von hoher handwerklicher Qualität sind,
sind ihre zentralen Kriterien.
Astrid Plenk
Die Perspektive der Kinder auf Qualität
für Film und Fernsehen
Meist setzen sich Erwachsene mit dem
Thema Qualität im Kinderfernsehen
auseinander – anders in dieser Studie, in
der die Diskussion von Kindern über
Qualität ausgewertet wurde.
Norbert Neuß
Ist gutes Fernsehen ein Ergebnis des
Produzenten oder des Zuschauers?
Qualität entsteht im Kopf des Zuschauers.
Aus einer pädagogischen Perspektive gilt
es dabei, an die Entwicklungsthemen der
Kinder anzuknüpfen und kinderaffine
Formen der Erzählung zu finden.
Lothar Mikos
Qualität kommt nicht nur von Können
Die Qualität im Kinderfernsehen gibt es
nicht. Manche Sendungen erfüllen nur
wenige Qualitätskriterien und sind
trotzdem erfolgreich, vielleicht weil sie
gerade besonders gut auf die
Lebenssituation der Kinder passen.
18/2005/2
Ben Bachmair
Qualität des Kinderfernsehens in einer
von Alltagsästhetik bestimmten Kultur
Mit aktuellen gesamtgesellschaftlichen
Entwicklungen verändert sich auch das
Bewertungssystem für mediale Qualität.
Lebensstile und Milieus werden zum
Bezugsrahmen für stiltypische
Qualitätsmaßstäbe.
Kersten Reich/
Angelika Speck-Hamdan/Maya Götz
Qualitätskriterien für Lernsendungen
Lernsendungen für Kinder sollten durch
ihre Dramaturgie ganz gezielt Lernräume
öffnen. Qualität heißt hier, immer wieder
Einstiegspunkte in das Thema zu
schaffen, aber auch das »Lernen des
Lernens« einzubeziehen.
Manfred L. Pirner
Qualitätskriterien für
»Religionssendungen« für Kinder
Religiöse Kompetenz sollte das Ziel von
Religionssendungen für Kinder sein.
Neben informativen, diskursiven und
orientierenden Qualitäten sollten sie
Aspekte wie die Beheimatung in der
eigenen Kultur und die moralische
Erschließung der Welt ermöglichen.
Anita Lakothia
Politische Bildung im Kinderfernsehen
– ein indisch-deutscher Vergleich
Politische Bildung gehört in Deutschland
zum selbstverständlichen Teil des
Fernsehangebots für Kinder. Das ist nicht
überall so, wie der deutsch-indische
Vergleich zeigt.
KINDER DISKUTIEREN
QU
ALITÄ
ALITÄTT
QUALITÄ
Rockt das Brot ______________ 19
Willi wills wissen ____________ 35
Marvi Hämmer _____________ 45
Lauras Stern ________________ 59
Die Pfefferkörner ____________ 77
Die Sendung mit der Maus ____ 85
Wir testen die Besten _________ 92
Felix und die wilden Tiere _____ 93
logo! ______________________ 99
Die Blindgänger ____________ 122
Wer küsst schon einen Leguan? 123
INHALT
5
Ben Bachmair
Qualität des Kinderfernsehens
in einer von Alltagsästhetik
bestimmten Kultur ___________ 78
Kersten Reich/Angelika SpeckHamdan/Maya Götz
Qualitätskriterien für
Lernsendungen ______________ 86
Manfred L. Pirner
Qualitätskriterien für »Religionssendungen« für Kinder ________ 94
Anita Lakothia
Politische Bildung im
Kinderfernsehen – ein indischdeutscher Vergleich __________ 100
Ingrid Paus-Hasebrink/
Michelle Bichler
Kindheit im Wandel – Bleiben
sozial schwache Kinder auf der
Strecke? ___________________ 104
INSTITUTIONEN
Helga Theunert/Verena Weigand
Programmberatung für Eltern:
der FLIMMO ______________ 110
Wolf-Dieter Ring
Jugendschutz und
Programmqualität __________ 114
Klaus Schäfer
Der FilmFernsehFonds Bayern
und der Kinderfilm __________ 118
Impressum _________________ 116
Ingrid Paus-Hasebrink/Michelle Bichler
Kindheit im Wandel – Bleiben sozial
schwache Kinder auf der Strecke?
Kindheit ist heute Medien- und Konsumkindheit. Haushalte aus anregungsärmeren
Milieus haben dabei eine höhere Medienausstattung und intensivere Mediennutzung – was dies allerdings für die Kinder
und ihre Mediensozialisation im Einzelnen bedeutet, ist wenig erforscht.
Helga Theunert/Verena Weigand
Programmberatung für Eltern:
der FLIMMO
Qualitätsförderung bedeutet auch Beratung von Eltern für mehr Medien- und Erziehungskompetenz. Der FLIMMO berät
mit Programmbewertungen und gut lesbaren Artikeln, die zur Auseinandersetzung
mit dem Fernsehumgang von Kindern
auffordern.
Wolf-Dieter Ring
Jugendschutz und Programmqualität
Berührungspunkte zwischen Jugendschutz
und Programmqualität gibt es dort, wo
ausgestrahlte Medieninhalte Gefährdungspotenzial für Kinder und Jugendliche
haben.
Klaus Schäfer
Der FilmFernsehFonds Bayern und der
Kinderfilm – eine fruchtbare
Partnerschaft
Als Beispiel für einen wichtigen Förderer
qualitativ hochwertiger Kinderfilme muss
auch der FilmFernsehFonds Bayern
Qualitätskriterien ansetzen. Durch deren
Prüfung wird entschieden, ob ein Projekt
gefördert wird.
PRODUZENT
PRODUZENTii NNEN
ALITÄ
ALITÄTT
QUALITÄ
DISKUTIEREN QU
Armin Maiwald _______________ 9
Dorothee Herrmann ___________ 13
Tommy Krappweis ____________ 18
Thomas Greven ______________ 23
Susanne Schosser _____________ 26
Ralf Gerhardt ________________ 27
Michael Schaack _____________ 31
Petra Schäfer ________________ 34
Martin Hofmann _____________ 38
Dieter Joite-Wuttke ___________ 39
Gerhard Hahn _______________ 44
Gabriele M. Walther __________ 50
Ulrich Limmer _______________ 51
Thilo Graf Rothkirch _________ 58
Dagmar Ungureit ____________ 65
Albert Schäfer _______________ 70
Manuela Kalupke ____________ 71
Anja Jabs __________________ 76
Christoph Biemann ___________ 84
Verena Egbringhoff ___________ 98
Eva Radlicki _______________ 103
Uschi Reich ________________ 108
Ewa Karlström _____________ 109
Dominique Neudecker _______ 117
Ingelore König _____________ 121
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