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Editorial - Was uns am Herzen liegt AKTUELL - Theater am Rand

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AKTUELL
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Editorial
Randnotizen
Baugeschehen
Editorial - Was uns am Herzen liegt
Liebe Theaterbesucher,
Schlamm und Modder, vermischt mit Schneeregen und Eis, Holz,
Erde, Bauschutt, der lehmige, schwere Oderbruchboden hat unser Theatergelände in den letzten Wochen in einem wüsten Bild
erscheinen lassen – eine nahezu unbegehbare Landschaft.
Unsere Permagärtnerin Ute Boekholt legt nun emsig neue Beete
an und schafft geeignete Plätze für die Gestaltung des Theatergeländes. Ich bin immer überrascht, mit welcher Kraft die Natur
dann wieder alles verwandelt, uns beim großen Aufräumen hilft
und neues Lebensgrün hervorzaubert. Wir halten das für ganz
selbstverständlich. Wie lange eigentlich hält eine solche kühne
Erwartung, da wir uns doch offenbar in kriegsähnlichem Zustand gegenüber der Natur befinden... Fakt ist, dass die moderne
agroindustrielle Landwirtschaft unsere Böden nach wie vor malträtiert, Land wird zunehmend als Geldanlage oder Spekulationsobjekt gekauft, nahezu jede Woche wird in Brandenburg ein
Massentierhaltungsbetrieb beantragt, genehmigt oder erweitert.
Sie haben sicher Ihre Vorbereitungen im Garten oder auf dem
Balkon getroffen, damit Sie in Zukunft Ihre Selbstversorgung
mit Lebensmitteln verbessern können. Für alle Städter hier eine
Empfehlung zu urbanen Gärtnern in Berlin: www.prinzessinnengarten.net.
Bei uns wird es auch wieder Kräuter- und Gemüsekisten geben.
Durch meine Bemühungen ist es gelungen, im Nachbardorf einen Bauernhof mit genügend Ackerland zu erwerben. Ein befreundetes junges Paar wird sich nun dieser Hofstelle annehmen
und eine ökologische Landwirtschaft aufbauen. Vielleicht können schon im Sommer die ersten Produkte im Theater verwendet werden.
So sind in den letzten 15 Jahren, die unser Theater nun schon
besteht, von uns auch viele Anregungen und Impulse ausgegangen, die weit über unsere künstlerische Arbeit hinaus gehen und
in soziale, regionale, politische und ökologische Bereiche hinein
strahlen. Die Visionen für einen kulturellen Ort inmitten der
Natur sind für uns immer viel wichtiger gewesen als die geschäftlichen, unternehmerischen Ziele.
Im Rahmen unserer Randthemen wird am Donnerstag, dem 6.
Juni um 19.00 Uhr Johannes Heimrath (Herausgeber der OYAZeitschrift) zu uns kommen und sein neues Buch vorstellen,
welches die Fortsetzung des von ihm zuletzt erschienenen Buches „Die Post-Kollaps-Gesellschaft: Wie wir mit viel weniger
viel besser leben – und wie wir uns schon heute darauf vorbereiten können“ vorstellen. Meine ausdrückliche Empfehlung –
für mich ist Johannes Heimrath einer der interessantesten und
wichtigsten Visionäre unserer Zeit.
Seit November vorigen Jahres bauen wir am neuen Bühnenhaus,
wie immer langsam, Stück für Stück. Der Bau wird uns noch
das ganze Jahr beschäftigen. Es muss also geschickt so geplant
und organisiert werden, dass der Bau und der laufende Vorstellungsbetrieb sich nicht gegenseitig behindern. Viele Dinge sind
komplex und wir verwenden für unsere Verhältnisse viele neue
Materialien. Es wird einen schönen neuen Eichenbühnenboden
geben und für die guten Energien haben wir den Beton unter der
Bühne mit EM (Effektive Mikroorganismen) und Keramikpulver
in homöopathischen Dosen versetzt. Ich hoffe, dass bis zum Juli
der Solarturm und die Kuppel im Wesentlichen fertig sind und
uns zu unserem kleinen Jubiläumsfest am 19./20. Juli ein eindrucksvolles Bühnenbild für die „Gletschertheater-Inszenierung“
erlauben.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten unser Theater mit der Pferdekutsche erreichen, in dem Tempo, das dem Menschen eigentlich entspricht... Wie stellen wir uns Verkehr überhaupt in der
Zukunft vor? Einer, der darüber nach gedacht hat, ist Thomas
Winkelkotte. Mit dem Projekt MObiL wird er interessante Möglichkeiten für unsere Region aufzeigen. Er stellt es am 06.07. um
15 Uhr vor.
Zu guter Letzt: „Orden und Bomben treffen meist die Falschen“
- sagt ein altes Sprichwort. Im 15. Jahr unseres Bestehens ist unserem Theater der Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft
verliehen worden. Er versteht sich als Auszeichnung für innovative Formate der Kulturarbeit. Geehrt werden damit Initiativen,
die abseits des subventionierten Kulturbetriebs und außerhalb
der gewohnten Kulturorte neue Wege der Kulturvermittlung gehen. Wir freuen uns darüber und haben den Preis angenommen.
In eigner Sache: Wir bitten Sie nachdrücklich, uns rechtzeitig
abzusagen, wenn Sie eine Reservierung nicht wahrnehmen können. Oftmals gibt es eine Warteliste, also Menschen, die gern
Ihre Plätze übernehmen – wenn Sie uns rechtzeitig informieren! Es ist für uns außerdem ein erheblicher finanzieller Verlust,
wenn ohne Ihre Absage Plätze frei bleiben.
Meine Empfehlungen für den Sommer:
• Der Gewandhauschor und L‘art de passage mit Volksliedern
von Friedrich Silcher – ein außergewöhnliches Projekt mit
ca. 45 Akteuren auf der Bühne, das wird spannend und eng
am 15. und 16.06.
• Ich konnte im letzten Jahr eine Vorstellung vom Ton und
Kirschen Theater sehen. Das war wunderbares Theater in
tollen Bildern. Versäumen Sie nicht „Hans im Glück“ am
24.08.
• Eine wahrhafte Weltgröße auf seinem Instrument, der Quena, ist José Miguel Márquez, den Sie bei uns am 25.08. erleben können.
• Walfriede Schmitt, Ihnen vielleicht schon aus unserer Stück
„Das Wunder von Ballybradawn“ bestens bekannt, stellt
sich als Autorin vor. „Gott ist zu langsam“ hat am 20.09.
Premiere.
• Sie kennen unsere Trockentrenntoiletten. Seit kurzem gibt
es für die Terra preta - Herstellung ein wunderbares Anleitungsbuch, die Autoren sebst werden es am 15.08. präsentieren.
Besuchen Sie das sommerliche Oderbruch
Ihr Tobias Morgenstern
Auszug aus unserer aktuellen Spielplanbroschüre Sommer 2013
Randnotizen
Ohne die Gastspiele unserer Freunde und Kollegen wäre das Theater am Rand undenkbar.
Zweimal war schon Barbara Bachmann bei uns, die Protagonistin Christoph Schroths im Schweriner und später auch im
Cottbuser Staatstheater. Es passiert selten, dass in einem Theater nach einer Vorstellung Totenstille herrscht. Das wohl beredteste Schweigen im Theater am Rand waren die gefühlten
10 Minuten Fassungslosigkeit am Ende von „Oskar und die
Dame in Rosa“. Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Barbara
Bachmann hatte uns für zwei Stunden mit hinein genommen
in die Geschichte um den zehnjährigen Oscar, der an Leukämie
erkrankt ist und am Ende tot sein wird. In seinen letzten zwölf
Lebenstagen durchlebt er ein ganzes Menschenleben - und wir
unseres mit. Großartig, unsentimal, handwerklich brillant gespielt. Danke Barbara Bachmann.
Umgehauen hat mich auch ein Gastspiel des Absolventenjahr-
gangs der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Der Studienjahresbeauftragte Rudolf Koloc – Regisseur von „Oscar oder
die Dame in Rosa“ – hatte die Studenten gefragt, ob sie einen
Ausschnitt aus ihrem Intendantenvorspiel im Theater am Rand
aufführen wollten. Sie wollten. Und zeigten zwei Stunden lang
Stückeschnipsel aus der gesamten Welttheaterliteratur. Alle
fünfzehn Minuten Grundfragen des Menschseins in exemplarischen Szenen. Unterschiedlichste Genre, jeder Student in zwei,
drei extrem verschiedenen Rollen, aufgefädelt wie auf einer Perlenschnur. Junge Leute in Hochform. Jens-Uwe Bogadtke, wie
ich Absolvent der Buschschule 1982, saß neben mir, begeistert,
hingerissen. Er flüsterte mir zu: „Wenn wir damals so gut waren
wie die heute Abend, dann waren wir gut.“ Die Studentenproduktionen gehören inzwischen zum festen Bestandteil unseres
Spielplans.
Thomas Rühmann
Auszug aus unserer aktuellen Spielplanbroschüre Sommer 2013
Wir bauen!
Die seit Jahren geplante Bühnenkuppel wird nun entstehen. Als Ersatz für das bisherige flach geneigte provisorische Bühnendach
bietet die neue Bühnenüberdachung neue bühnentechnische Möglichkeiten und wichtige Funktionen im energetischen inne. Das
Tragwerk der Bühnenkuppel wird eine Stahl-Holz-Konstruktion ein. in Bühnengang oberhalb der Bühne bietet erstmals Installations - und Bewegungsraum für eine erweiterte Bühnentechnik. Ein auf der Bühne nkuppel stehender Solarturm ist gleichzeitig als
Hängeboden für Kulissen und Requisiten geplant. Die in den Solarturm integrierten Luftkollektoren sollen vor allem in Herbst und
Frühjahr einen Beitrag leisten, den Bühnenraum für die Tagesproben zu temperieren. Dieses geschieht über einen geschlossenen
Kreislauf: Luft wird an sonnigen Tagen in den Kollektoren erwärmt und mit Hilfe eines Ventilators durch ein hochwertig gedämmtes ein Fallrohr in ein Hypokaustum1 unter der Bühne geführt, um dort die solare Wärme an den Bühnenboden abzugeben. Die Wärme wird wie bei einer Fußbodenheizung an den Bühnenraum abgestrahlt. Die abgekühlte Luft wird in einem Steigrohr wieder dem
Kollektor zugeführt, womit der Kreislauf erneut beginnt. An bedeckten Tagen und während Kälteperioden im Winter können die
Solarkollektoren allein nicht die erforderliche Leistung erbringen.In dieser Zeit helfen die Luftkollektoren, den Bühnenraum frostfrei
zu halten. Außerdem kann Warmluft aus der vorhandenen Holzheizung (8-zylindriger Bullerjan) durch das Hypokaustum geleitet
werden. Im Sommer fördern der Bühnenturm und die Luftkollektoren die Wärmeabfuhr als Solarkamin (solar chimney2), wobei die
unerwünschte Warmluft über die am Turmkopf eingebauten Entlüftungsklappen abströmt und kühlere Außenluft über verschattete, bodennahe Öffnungen nachströmt. Eine skulptural geschwungene Scheibe eine Art „Meidinger Scheibe3“ oberhalb des Turmdaches unterstützt die Entlüftung durch ihre aerodynamische Form. Diese Bauvorhaben mit integriertem Solarsystem soll als Anschauungsobjekt für den Einsatz einfacher regenerativer Energiesysteme stehen und interessierten Besuchern eine umweltbewusste
Umgehensweise mit unseren Ressourcen zeigen. Die Bauarbeiten werden uns das ganze Jahr begleiten, trotzdem werden wir dafür
sorgen, einen ungestörten Spielbetrieb zu ermöglichen. Sie können also von Monat zu Monat unseren Baufortschritt verfolgen.
Über Unterstützung vor allem in finanzieller Hinsicht freuen wir uns sehr. Für konkrete Anfragen wenden Sie sich bitte an mich.
1)Hypokaustum griech. »von unten beheizt«] kam als römische Warmluftbeheizung von Fußböden und Wänden schon im Altertum zum Einsatz. Der Bühnenboden des Theaters am Rand wird als Luft durchströmter Hohlboden ausgebildet und ähnelt dem Aufbau eins römischen Hypokaustums.
2)Solar chimney, auch “thermal chimney” genannt - ist ein passiv-solares Bauteil zur Unterstützung oder zum Antrieb natürlicher Lüftungssysteme in Gebäuden.
3)Die Meidinger Scheibe wurde als Kaminabdeckung entwickelt und dient dem Schutz von offenen Schornsteinöffnungen und unterstützt bei aerodynamischer Ausbildung den Abzug
von Rauchgasen aus Kaminen durch Unterdruck - wirkt also ähnlich wie der Tragflächeneffekt.
Bauherr:
Theater am Rand
Entwurf:
Tobias Morgenstern / Dr. - Ing. Günther Ludewig
Planung:
sol • id • ar , Dr. - Ing. Günther Ludewig, Berlin
Dipl. - Ing. Angelika Brückner, Chorin
Statik:
Prof. Dipl. - Ing. P. Bartram & Dipl. - Ing. U. Wahlers, Fischerhude
Beteiligte Firmen:
MMS GmbH Bad Freienwalde (Stahlbau)
Altreetzer Baugesellschaft Zimmerei- u. Dacharbeiten
Marco Reimann Lüftungsbau Wriezen
Bauservice Reinier Scheers Großbarnim
u.a
.
geplantes Bauvolumen : 170.000,00 Euro
finanziert durch das Theater am Rand
mit Unterstützung der GLS Gemeinschaftsbank e. G.
und gefördert durch ILE und LEADER 2012 /13
Wir danken allen Unterstützern dieses Vorhabens.
Tobias Morgenstern
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Seele and Geist
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