close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

1 Karola Brede 3. Januar 2014 Was ist - karolabrede.de

EinbettenHerunterladen
Karola Brede Was ist neu am Geist des Kapitalismus?1 3. Januar 2014 Von einem „Geist“ des Kapitalismus zu reden geht in erster Linie auf das Werk Max Webers zurück. (Vgl. Weber 1920) Für Max Weber bildete das Erlangen göttlicher Gnade in der diesseitigen Bewährung durch Askese, selbstlose Hingabe und zweckfreies Erwerbsstreben die religiöse Grundlage dessen, was er die motivierenden „psychologischen Antriebe“ (ebd., 117) nannte, durch die Arbeit in den Mittelpunkt protestantischer Lebensführung rückte. In der unabhängigen Herkunft dieser Antriebe aus religiösen Überzeugungen ist der Verdacht abgewiesen, der unternehmerische Betätigungsdrang stehe im Dienst einer eigeninteressierten, utilitaristischen Gesinnung oder gar der Gewinnsucht und der Geldgier. Weber scheint den Einfluß des Protestantismus aber auf die Frühzeit des Kapitalismus zu begrenzen. Mit dessen Konsolidierung sei der Einfluß des religiösen Geistes „aus dem stahlharten Gehäuse“ der ökonomischen Sphäre „gewichen“ und habe rationalisierter „Sorge um die äußeren Güter “ Platz gemacht. Er gehe nunmehr als „Gespenst“ um. (Ebd., 188) Luc Boltanski und Eve Chiapello aktualisierten 1999, 100 Jahre nach Max Weber dessen Auffassung vom in der protestantischen Ethik wurzelnden Geist des Kapitalismus. (Boltanski u. Chiapello 1999) Nach ihnen bringt der Kapitalismus unserer Zeit einen „neuen Geist“ hervor und prägt die Haltung der Beschäftigten zur Arbeit. Der „neue Geist des Kapitalismus“ importiert geistig-­‐kulturell aktuelle, je nachdem auch avangardistische, zu Kritik sich positiv verhaltende Lebensentwürfe und deutet sie 1 Beitrag zur Ersten Jahrestagung der Gesellschaft für psychoanalytische Sozialpsychologie am 13. Und 14. Dezember 2013 in Frankfurt am Main. 1 innerhalb jenes Weberschen Gehäuses nach ökonomischen Kriterien um. Die „psychologischen Antriebe“ der Beschäftigten seien von einem – wenn man es denn so bezeichnen will – Arbeitsethos moderner, auf Selbstvervollkommnung gerichteter Individualität angeregt. Das kapitalistische Unternehmen verheiße Freiheit, Autonomie, Authentizität als Perspektive, in der die Beschäftigten ihr berufliches Verhalten entwerfen. Das Versprechen sei, so B+C, in der Figur des dem Alltag entrückten, idealen Managers verkörpert. Das berufliche Handeln der Beschäftigten realisiert diesen Entwurf und das in ihm enthaltene Versprechen von Freiheit, Autonomie und Authentizität in den Grenzen derzeitiger ökonomischer Gegebenheiten. Was ich mit „ökonomischen Gegebenheiten“ andeuten will, läßt sich besser an der These von der Subjektivierung des Ökonomischen zeigen. Mit dieser These wird wie bei B+C auf die nachtayloristische Entwicklung der Arbeitsorganisation reagiert. Ich selbst verstehe darunter die Kommunikationsgebundenheit beruflicher Tätigkeiten (in der Produktion von Informationstechniken und Finanzwirtschaft, von Dienstleistungen aller Art und durch die Einbeziehung des Vertriebs und der Kundenkontakte in die Vermarktung von Waren und Dienstleistungen, u.a.m.). Freiheit ergibt sich der These von der Subjektivierung des Ökonomischen zufolge aus der Verlagerung von Anforderungen der Unternehmen an die Leistungsfähigkeit ihrer Beschäftigten in deren innere psychische Verfassung. Die psychische Verfassung hängt aber von der Individualität der Beschäftigten ab. Deshalb ist die Ausübung unternehmerischer Einflußnahme darauf angewiesen, daß die Beschäftigten von sich aus diesen Einfluß auf sich ausüben und ihre Person nach Unternehmenserwartungen zu modellieren suchen. Diese Entfaltung von Macht in den Beschäftigten-­‐Subjekten selbst führt dazu, daß die Arbeitenden – so Ulrich Bröckling – ein „unternehmerisches Selbst“ entwickeln. Das 2 Unternehmen entlasse die Beschäftigten in berufliche Freiheit, die gleichwohl erzwungen sei.2 Für Bröckling, der dem Gouvernementalitätsansatz von Foucault nahesteht, ergeben sich aus dieser erzwungenermaßen frei gewählten Selbstmodellierung Regime der Subjektivierung, in deren Richtung es die Beschäftigten zieht. Wenn man hiernach überhaupt von Anpassung sprechen wollte, dann vollzöge sie sich als Selbstbeeinflussung und Selbsterfindung in Richtung sich herausbildender ökonomischer Regime der Subjektivierung, d.h. des sich Leitenlassens von vorherrschenden Regeln. Was sich im Arbeitsprozeß dieser Argumentation von Bröckling zufolge nicht subjektivieren läßt und in Regimen nicht äußern darf, muß den Subjekten dann aber, so ist festzuhalten, verborgen, muß selbstverborgen bleiben und der Vergewisserung ihrer selbst entgehen. Zurück zur Frage nach dem Geist des Kapitalismus: Hat vielleicht das Leitbild des idealen Managers oder das des „unternehmerischen Selbst“ die arbeitsethisch motivierende Funktion des Weberschen Geistes abgelöst? Wurden durch Subjektivierung ökonomischer Macht Freiheitsspielräume geschaffen, so daß die Beschäftigten nur noch nach deren ständiger Erweiterung durch „permanente Selbstoptimierung“ (ebd., 17) zu trachten brauchen? Es ist kaum zu bestreiten, daß die Bedeutung psychischen Geschehens für die Nutzung der Arbeitskraft in der nachtayloristischen Arbeitsorganisation stark zugenommen hat. Immaterielle, psychische Selbstbehauptung stellt die Techniken der Sicherung materieller 2 „Die Frage lautet nicht, wie wirkmächtig das Postulat, unternehmerisch zu handeln, ist, sondern auf welche Weise es seine Wirkung entfaltet. Es geht um eine Grammatik des Regierens und Sich-­‐selbst-­‐Regierens ... Untersucht wird die Strömung, welche die Menschen in eine Richtung zieht ...“ Die „gegenwärtige Ökonomisierung des Sozialen (lässt) den Einzelnen keine andere Wahl ..., als fortwährend zu wählen, zwischen Alternativen freilich, die sie sich nicht ausgesucht haben: Sie sind dazu gezwungen, frei zu sein“. (Bröckling 2007, 10ff.) 3 Reproduktion in den Schatten. Aber nun Freiheit, Autonomie und Authentizität zu verheißen (wie Boltanski u. Chiapello) oder auch auf den empirischen Gehalt an beruflicher Freiheit zu pochen (wie Bröckling) entbindet nicht davon, sich mit der Selbstverborgenheit und schwierigen Eigengesetzlichkeit psychischen Geschehens auseinanderzusetzen. In kommunikationsgebundenen Unternehmen, in denen sich Akteure mit einem „unternehmerischen Selbst“ bewegen, bilden sich, was wohl auch nicht zu bestreiten ist, Identitäten auf der Grundlage von Selbstbildern heraus, mit denen sich die Beschäftigten in mehr oder weniger zutreffendem Umfang zu ihrem Selbst – als dem Sitz ihrer Lebens-­‐ und Selbsterfahrungen – ins Verhältnis setzen. Solche ‚Selbstverhältnisse’ gehen in – nicht selten ausgebuffte – Interaktionstechniken ein, die ökonomisch zweckhaft sind, aber auch der eigeninteressierten Selbstbehauptung dienen. Eine weitergehende, über Selbstreflexivität hinausreichende Selbstvergewisserung – das Vorstoßen der Subjekte zu psychodynamischen Grundlagen des Wissens von sich selbst – ist in den beiden Ansätzen, welche sich direkt oder indirekt mit dem Geist des Kapitalismus befassen, nicht vorgesehen. Es darf indessen nicht vernachlässigt oder unterschlagen werden, daß Handeln und Verhalten in den Unternehmen überwachten Standards folgen; daß Kommunikation euphemisierenden Sprachregelungen unterworfen ist und daß die Äußerung normativer Überzeugungen durch Verbote mit Sanktionspotenzial auf lizenzierte Varianten beschränkt ist. Dieser Gesichtspunkt äußerer Disziplinierung gibt erst den Blick auf die Kehrseite jenes kapitalistischen Geists frei. Die Kehrseite zeigt, daß es ein kurzschlüssiges, utilitaristisches Trugbild ist, mit dem die Behauptung spielt, in den 4 Grenzen ökonomischen Zwangs ließen sich durch Arbeit wesentliche Züge der Freiheit verwirklichen. Von welcher Art sind also Arbeitserfahrungen, die diesem Trugbild widersprechen können und ihm entgegenzuhalten sind? Und deren Perspektive in die Kritik der Subjektivierungsthese durch die ASpsy eingehen müßte, wenn die Frage nach dem Geist des Kapitalismus mit gesichertem Wissen beantwortet werden soll? Ich greife zwei Beobachtungen aus unserer Untersuchung über Angestellte heraus3: (1) Zum einen fällt auf, daß kulturell gültige Überzeugungen von den Beschäftigten flexibel gehandhabt werden. Mit „flexibel“ meine ich: Modelle wie das der Demokratie, der Gerechtigkeit und der kommunikativen Verständigung oder der Wahrheitsfindung und der Therapeutik werden von den Beschäftigten nicht moralisch zwingend verfochten, sondern situationsabhängig gehandhabt, routiniert gewendet. Wenn es vorteilhaft ist, werden einzelne der Bedeutungskomponenten solcher Modelle – wie das Opponieren im Demokratiemodell – aus dem beruflich-­‐kommunikativen Handeln ausgespart. Ein Bankfachmann bspw. beruft sich auf das Demokratiemodell, unterschlägt an ihm aber wissentlich, wie er konzedierte, die Komponente der Opposition, damit er sich Untergeordneten gegenüber durchzusetzen vermöge und weniger angreifbar sei. Die an unserer Untersuchung Beteiligten berichteten ohne Ausnahme von Situationen, in denen moralische Hemmungen für ihr Handeln nachrangige Bedeutung hatten, waren sich dessen aber selten bewußt. 3 Vgl. Karola Brede (2012), Angestellte – ein unverstandenes Lohnarbeitsverhältnis. Eine empirische Untersuchung, Frankfurt am Main: Brandes & Apsel. 5 (2) Zum anderen wird durch Subjektivierung Selbstverborgenheit der Subjekte geradezu erzwungen und konserviert. Individuelle Modi der Abwehr, die Teil der Eigenlogik unbewußter Konfliktdynamik sind, werden eher gefestigt, als daß wenigstens für die symptomatologische Ebene ihrer Äußerung sensibilisiert würde. An anderer Stelle bin ich auf die Bedeutung der Vergeltungsangst eingegangen. Vergeltungsangst bildet eine Variante der Projektion, mit der berufliche Akteure unter Bedingungen kommunikativer Egalität auf Unterordnung reagieren. Es ließ sich zeigen, wie auf Tätigkeitsfeldern Angestellter Verhalten, das für die beruflich-­‐soziale Selbstbehauptung anscheinend unerläßlich wird, mit Vergeltungsangst assoziiert ist. Spuren abgewehrter, verdrängter Aggression ließen sich bis in die Ebene der Subjektivierungsregime hinein verfolgen. Aus Arbeitsbedingungen, auf die diese und weitere Beobachtungen hindeuten, ist auf Psychopathologien geschlossen worden: auf psychosomatische Störungen, Depressionen (Alain Ehrenberg), Sucht, Suizidalität (Christoph Dejours). Allerdings wird meines Wissens selten das Handlungsfeld selbst berücksichtigt, auf dem sich die beruflichen Akteure im Unternehmen bewegen und das auf sie psychisch einwirkt. Auch die Vertreter der Subjektivierungsthese scheinen – von Bröcklings Ansatz abgesehen – nach dem Handlungsfeld, das Subjektivierung im Unternehmen mitgestaltet, nicht zu fragen. Wie, so ist zu fragen, sehen Beziehungen aus, die die Beschäftigten auf dem Handlungsfeld eines Unternehmens zueinander unterhalten, wenn diese Beziehungen von Subjektivierung geprägt sind, sie also in erster Linie im Dienst ökonomischer Zwecke aufgenommen und aufrechterhalten werden? 6 Aufgrund der mir aus methodischen Gründen allein zugänglichen Haltung beruflicher Akteure läßt sich verallgemeinernd sagen: Die im gesellschaftlich-­‐kulturellen System begründete Gültigkeit von Werten und Normen, welche der politischen Ökonomie Modell stehen, wird im Handlungsgefüge der Unternehmen geschwächt. Innerlich errichtete Hemmungen durch psychische Zensuren und Tabuierungen gegenüber Triebwünschen – die immer unbewußt präsent sind –, werden abgebaut. Der Abbau findet auch im Verhalten Ausdruck. Bröckling beschreibt das Handlungsgefüge der Unternehmen als „panoptisches System wechselseitiger Beobachtung und Beurteilung“ (Bröckling 2007, 17). Eva Illouz nimmt zur Kenntnis, daß paradoxe Anforderungen an berufliches Verhalten den Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung ansteigen läßt und die Stabilisierung emotionaler Selbstkontrolle herbeiführt. Aber auch alle nur erdenklichen sozialpathologischen Verletzungen, Überschreitungen, unsanktionierten Devianzen werden möglich, weil sie nicht als sozial-­‐normativ erwartbares Verhalten geahndet werden. Deshalb nimmt im Unternehmen äußere, teilweise intrusive Disziplinierung an Bedeutung zu. Sie scheint aber Entgleisungen wie dem Mobbing nichts wirksam entgegenzusetzen und fordert das Scapegoating herausgegriffener Einzelner durch die Unternehmensleitung geradezu heraus. Möglicherweise treibt äußere Disziplinierung einzelne, die nicht in der Lage sind, selbstdefensive Sozialtechniken zu entwickeln, in Erschöpfungszustände hinein, die als Burnout firmieren. Der Whistleblower scheint die Figur zu sein, die die hermetische Abgeschlossenheit des betrieblichen Binnenraums aufbricht. Im Überblick wird erkennbar, daß ein kaum zu unterschätzender, enger Zusammenhang besteht zwischen (1) der panoptischen, aber überwachten Sozialität der Unternehmen, (2) dem Einsatz von Werte-­‐vermittelten Modellen zur subjektivierten, relativierten 7 Handhabung von deren normativen Bedeutungen im beruflichen Handeln und (3) dem Abbau von Hemmungen gegenüber Triebwünschen, soweit dieser Abbau von der Subjektivierung ökonomischer Zwecke begünstigt wird. Weder der schleichende, weil zumeist selbstverborgene Bedeutungsverlust von moralisch-­‐normativen Überzeugungen und tabuierten Triebwünschen noch die disziplinarische Herstellung von sozialem Zusammenhalt, die dieser Bedeutungsverlust nach sich zieht, und ebenso wenig das zwangsläufig eigeninteressierte Ausloten von Handlungsspielräumen sind, so gesehen, geeignet, dem Kapitalismus einen Geist einzuhauchen, der Freiheit sichert oder auch nur verheißt, noch ist dieser Geist darin vorausgesetzt. In den Grenzen von Verallgemeinerungen, die unsere Forschungsergebnisse zulassen, ist zu vermuten, daß die Subjektivierung des Ökonomischen zu Arbeitserfahrungen beiträgt, die mit vielgestaltigem Zynismus gemacht werden und auf einen zerstörerischen Umgang mit Würde hindeuten. Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang, daß die Angestellten, die an unserer Untersuchung teilnahmen, auf die eigene Person bezogen Achtung und Selbstachtung vehement einforderten und an deren kulturell umfassender Bedeutung festhalten. Von diesem Interesse, in naher oder ferner Zukunft selbst als Person unbeschädigt zu bleiben, hätte die Politisierung abhängiger Beschäftigungsverhältnisse ihren Ausgang zu nehmen. Sie wäre Kritik an der
Ökonomisierung der ungeteilten Subjektivität und an der kommunikativ-strategischen
Einschränkung intersubjektiver Verständigung. Ich sehe den ersten Schritt zur Veränderung der Bedingungen nachtayloristischer Arbeitsorganisation in der Diskursivierung des Erfahrungswissens über die Handlungsdynamik im Unternehmen durch die beruflichen Akteure. Eine solche 8 Diskursivierung ist geeignet und ermöglicht, in die kommunikativ-­‐interaktive Dimension subjektivierter ökonomischer Handlungsrationalität die in Mitleidenschaft gezogene, ubw. Psychodynamik der Motivation beruflichen Handelns einzubeziehen. Bei dieser Diskursivierung kann es nicht vorrangig darum gehen, daß die Beschäftigten Sozialtechniken der beruflichen Selbstbehauptung einüben und daß diese Techniken gerechtfertigt werden. Das geschieht bereits auf wissenschaftlicher Basis. Mit dem Ziel der Veränderung von Bedingungen und Folgen der Fremdverfügung können Erfahrungen auf kommunikationsgebundenen Tätigkeitsfeldern nur fruchtbar gemacht
werden, wenn aus der Beschädigung und dem Hintertreiben des Anspruchs auf Würde,
Selbstbestimmtheit, Authentizität Konsequenzen für politisches Handeln gezogen werden. Mir schwebt ein Gegenentwurf zu Robert Castels Geschichte der Lohnarbeit vor, die sich auf die materielle Lage der Arbeiter beschränkt hatte. Statt ihrer ist die Geschichte des kapitalistischen Geistes als Geschichte der immateriellen, psychischen Formung und Entwicklung der Arbeitenden zu schreiben. Auf die aktuelle Beispielsebene bezogen, könnte man sagen: Gier ist nicht das „Strukturprinzip des Handelns“, das für die Investmentbanker reserviert wäre (vgl. Neckel 2011, 51), und die Dilemmata souveräner Individuen lösen die traditionelle Arbeitsmoral nicht ab (Alain Ehrenberg 1998, 18). Folgt man etwa Edward P. Thompsons sozialgeschichtlicher Studie über „Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse“ (Thompson 1963), dann liegt eher eine Hypothese nahe, wonach die Ergiebigkeit der Arbeit durch die Beeinflussung der Psyche bis in die Gegenwart hinein immer weiter vertieft wurde. Dies liegt näher, als daß sich die Subjekte der Arbeit der Dynamik innerseelischer Kräfteverhältnisse im Laufe der letzten 100 bis 150 Jahre hätten entziehen können. Die psa. Sozialpsychologie hat es in der Hand, die seit geraumer Zeit überragende psychologische Qualität der politischen 9 Ökonomie zu erschließen. Sie vermag dazu beizutragen, daß sich das Webersche Gespenst wieder in Geist verwandelt – nun den Geist von Überzeugungen selbstbestimmter, immaterieller Betätigung, die nicht materiell determiniert sind und eher zunehmend zu erkämpfen sind. Literatur Brede, Karola (2012), Angestellte – ein unverstandenes Lohnarbeitsverhältnis. Eine empirische Untersuchung, Frankfurt am Main: Brandes & Apsel. Bröckling, Ulrich (2007), Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform, Frankfurt am Main: Suhrkamp. Ehrenberg, Alain (1998), Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart, Suhrkamp, o.O. Illouz, Eva (2008), Die Errettung der modernen Seele. Therapien, Gefühle und die Kultur der modernen Selbsthilfe, Frankfurt am Main: Suhrkamp. Neckel, Sighard (2011), Der Gefühlskapitalismus der Banken: Vom Ende der Gier als „ruhiger Leidenschaft“, in: Leviathan 39, 39-­‐53. Thompson, Edward P. (1963), Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse, Bde 1 u.2, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1987. Weber, Max (1920), Die protestantische Ethik. Eine Aufsatzsammlung, München: Siebenstern, 1965. 10 
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
106 KB
Tags
1/--Seiten
melden