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Die Story als PDF - Agentur am Wasser

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Dimitri Westermann
Der Macher zwischen Kunst und Kommerz
Die einen kennen ihn als treibende Kraft für das Revival des
legendären Landistuhls. Die anderen als kreativen Macher,
der künstlerischen Visionen zum Durchbruch verhilft.
Er selbst mag sich nicht festlegen, weil ihn immer gerade das
am meisten interessiert, was er nicht kann.
Text Ruedi Maeder Bild David Küenzi
Kunst oder Kommerz?
Spitzer keinen Tisch, der Bälle jong-
Die Frage stellt sich für Dimitri Wes-
liert. Pipilotti Rist hätte weder Blatt-
termann nicht. Der Wanderer
wurf- noch Rauchblasenmaschine und
zwischen den Welten denkt weder
Roman Signer keine Telefonkabine.
über das eine noch das andere
Das Bernsteinzimmer von Ingeborg
angestrengt nach, ihn interessieren
Lüscher und der Banknotenvernichter
Ideen, Probleme und Lösungen. Er
für die Expo 02? Beides Ideen ohne
macht das, was er nicht kann. Kann
Gestalt, hätte Westermann nicht über
er es, geht er weiter und sucht sich
die Umsetzung nachgedacht.
ein neues Problem. Dass Kunst nicht
ohne Kommerz auskommt und dass
Beschreibt sich Dimitri Westermann
Kommerz mit künstlerischen Attitü-
selbst schlicht als Macher, addieren
den erfolgreicher sein kann, findet er
sich in der Vielfalt seiner Projekte
logisch und deshalb keiner besonde-
und Herausforderungen zusätzliche
ren Abgrenzung wert.
Facetten und Spezialisierungen, ohne
die Output, Werke und Installationen
Westermanns Erfolgsausweis präsen-
nicht möglich wären: Kreateur, Ent-
tiert sich eindrücklich: Er hat als Pro-
wickler, Planer, Techniker, Logistiker,
duzent dem legendären Landistuhl
Architekt, Pyrotechniker, Ingenieur,
von Hans Coray zum Revival verhol-
Handwerker, Statiker, Künstler und
fen. Und er arbeitet für und mit
mehr. Schaffts einer, tausend Bega-
Künstlern von Weltruf, um deren Vi-
bungen und Talente in ein einziges
sionen fassbare und sichtbare Gestalt
schlichtes Wort zu fassen, bekommt
zu geben. Konkret: Westermann
dieser Mann Besuch: atmosphère
sucht, findet und entwickelt die Tech-
zu Gast bei Dimitri Westermann in
nik zur Idee. Ohne ihn hätte Serge
Zofingen.
«Ich mache das, was ich nicht kann.
Kann ichs, gehe ich weiter und suche
mir ein neues Problem.»
20
atmosphère 3/08
Westermann über Westermann
dass sich nicht neue Probleme finden.
mitgeholfen haben. Kunst und Kom-
ich wills verstehen, ich gehe gerne
für meine Projekte. Und Pläne: Ich
Ich bin ein Macher. Ich setze gerne
Es gibt ja auch immer neue Techno-
merz liegen also auch hier ganz nahe
damit um – und dann fühlen sich
möchte irgendwann für mich selbst
die Sachen um, die ich im Kopf habe.
logien, die eine Rolle spielen. Was
beieinander.
Menschen nicht nur verstanden, son-
viel Zeit haben. Zeit ist ein kostbares
Und ich mag Dinge, die mit einem
gestern noch so geklappt hat, läuft
dern eben auch als Partner wirklich
Gut.
sichtbaren Ergebnis enden. Zudem bin
heute vielleicht anders viel besser.
Westermann AG und Smokeball
ernst genommen. Das führt zu guten
ich neugierig, ich wills wissen, sehen,
GmbH – Dimitri Westermann führt
Ergebnissen.
machen können.
ein Doppelleben, richtig?
Westermann in 20 Jahren?
Gute Frage! Meine Ambition ist,
Ja, absolut. – Aber im Ernst: Wes-
Woher kommt die Affinität
nicht zu wachsen. Das ist nicht mein
termann AG ist Landistuhl und
zur Kunst?
Ding. Ich bin nicht der Chef mit hun-
Smokeball GmbH ist Kunst. Eine klare
Ich bin da reingerutscht und reinge-
dert Leuten. Ich plane nicht auf 20
Trennung, weils etwas anderes ist.
wachsen. Bei einer Werbefilm-
Jahre, 2 Jahre genügen mir schon.
Aber in meiner Person verschmilzt
produktion habe ich Pipilotti Rist
das gleich wieder. Geschäft und pri-
kennengelernt. Projekte habe ich
Also gut, Westermann in 2 Jahren?
vat, auch das kann ich nicht glasklar
damals schon gemacht und bin dann
Ich bin daran, mir eine Fabrik zu
trennen, ich bin einfach am Machen.
über diesen Kontakt noch stärker
suchen. Gerne mit mehr Leuten, die
Westermann und Smokeball, klar,
reingekommen. Wie gesagt: zum
sich gegenseitig befruchten. Ich hatte
zwei Firmen, und ich mittendrin.
richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
die Situation nie, ausgenommen
und den richtigen Leuten begegnen,
in Berlin oder in den USA, dass ich
das ist das Ding.
Leute gefunden habe, die ähnliche
Die Rezeptur für den Erfolg?
Dinge machen. Sowas hier zu finden,
Kommt darauf an, wie man Erfolg
das wäre schön.
definiert. Ich bin ein Perfektionist.
Und dann der Landistuhl, weshalb?
Ich habs im Kopf und so will ich es
Was sehr einfach scheint, ist unglaub-
umsetzen. Ich mache keine Kurz-
lich schwierig. Diese Herausforderung
Der kürzeste Weg auf die Palme?
geschichten für einen Tag, ich will
hat mich gereizt. Der Landistuhl ist in
Zum Teil ganz kleine Sachen. Zum
dahinterstehen können. Manchmal
der Produktion extrem anspruchsvoll,
Beispiel Serviceeinschränkungen der
bin ich zu perfekt, wahrscheinlich.
die Fertigung führt über zahlreiche
Post. Oder Callcenter, die keine Lust
Prozessschritte. Mit anderen Worten:
haben, ihren Job zu machen. Oder
Also immer voller Einsatz
Hans Corays Stuhl in Form, Design
Unoffenheit, ich mag keine Umwege,
ich habs gerne gerade.
Künstler oder Techniker?
Kunst oder Kommerz, was denn nun?
und das Beste?
und Materialien als Original zu be-
Mich interessiert das, was ich nicht
Kunst kann auch Kommerz sein. Es
Ich kann einfach nicht minimalistisch.
lassen, in der Fertigungsqualität aber
kann. Das treibt mich an, Lösungen
geht auch in der Kunst um Geld. Der
Ob ein Werk oder eine Installation
heutigen Normen und Vorschriften
Drei Wünsche von
zu finden. Mich reizen keine Wieder-
einsame Künstler mit Staffelei und
länger oder kürzer läuft, ich kann
anzupassen, war irrsinnig aufwendig.
der guten Fee – welche?
holungen, das Neue, das Schwierige
Pinsel ist rar geworden in der zeitge-
nicht gut oder schlecht oder ein biss-
Ich habe zwei Jahre lang entwickelt,
Geld wird es nicht sein. Schwierig, ich
hat Reiz. Ich experimentiere gerne,
nössischen Kunst. Projekte werden
chen. Es muss einfach hinhauen und
getüftelt und geforscht, bis alle
weiss gar nicht, ich begegne selten
so lange, bis es klappt.
oft vom Künstler erdacht, aber von
wirklich gut sein.
Nüsse geknackt waren. Jetzt haben
guten Feen – doch, einen Wunsch
wirs geschafft und heute läuft die
hab ich: Ich würde immer wieder mal
Produktion.
gerne die Welt anhalten. Alles um
anderen umgesetzt. Das hat mit Geld
Wann ist man ein Künstler im Leben?
zu tun. Kunst oder Kommerz ist für
Kooperation mit bekannten Namen
Keine Ahnung. Kreativ zu sein genügt
mich nicht die Frage, das eine hat mit
im Kunstbereich, wie kommts?
mir. Und Dinge zu machen, die ich nur
dem anderen zu tun, da gibts keine
Zufall und am richtigen Ort zur
Visionen und Pläne für die Zukunft?
meine Dinge und wenn ichs habe,
kann, weil ich neugierig bin und Wege
heilige Abgrenzung.
richtigen Zeit sein, gerade im Kunst-
Ich denke gar nicht so sehr über Visi-
dann lasse ich die Welt wieder wei-
finde. Klar, manchmal dann auch als
bereich. Mit Werbung läuft da gar
onen nach, ich entwickle sie einfach
terlaufen. Das wäre klasse.
Techniker. Oder Planer. Oder Logistiker. Und der Landistuhl?
nichts, man wird empfohlen oder
Oder irgendwas, was grad nötig ist.
Ja, der Stuhl, also das sogenannt
eben auch nicht. Vielleicht aber
Was ich bin – diese Frage stellt sich gar
«kommerzielle» Projekt: Bis der end-
wichtig: Ich kann gut mit Menschen.
nicht. Ich mache einfach das, was ich
lich Geld bringen kann, vergehen
Gerade den Umgang mit kompli-
nicht kann. Kann ichs, gehe ich wei-
noch über zehn Jahre, weil die
zierten Leuten, das kann ich. Wenn
ter und suche mir ein neues Problem.
Investitionen sehr hoch waren. Eine
ich einen persönlichen Kontakt auf-
Million, bevor überhaupt ein einziger
bauen kann, dann gehts gut. Mich
Und wenn der Rohstoff «Problem»
Stuhl produziert worden ist. Lustig
interessiert: Was machen die Leute
knapp wird?
dabei zum Thema: Den Stuhl habe
wirklich? Mich nimmt Wunder:
Die Kunstschiene mache ich jetzt
ich nur machen können, weil Leute
Warum ist es so? Bei Menschen und
zehn Jahre. Ich habe keine Sorgen,
aus der Kunst bei der Finanzierung
bei Dingen. Ich will dahintersehen,
22
atmosphère 3/08
mich rum bleibt stehen, ich mache
«Ich bin ein Perfektionist,
ich mache keine Kurzgeschichten
für einen Tag,
ich will dahinterstehen können.»
Kunst und Kommerz
Kommerz:
Der Designklassiker
Kunst:
Ideen und Projekte
setzen mag. Und zwischen den Polen,
Dimitri Westermann hat dem legen-
Dimitri Westermann liefert die Tech-
die eben keine sein müssen, auch
dären Landistuhl des Designers Hans
nik zur Idee. Oder das Konzept zur
keine akute Kollisionsgefahr wittert.
Coray zum Revival verholfen. Der
Vision. Oder die Umsetzung zur In-
Er verbindet leichtfüssig das eine
Designklassiker in Aluminium mit der
stallation. Einige Projekte, die er für
mit dem anderen – und aus dieser
charakteristischen Lochung war der
und mit zeitgenössischen Künstlern
Haltung entstehen ganz ausserge-
Star der Landi 1939 in Zürich. Und er
realisiert hat.
wöhnliche Schöpfungen. Ein Wande-
hat seinen festen Platz in allen be-
rer zwischen den Welten eben, der
deutenden Designmuseen der Welt.
So also denkt ein Macher, der Kunst
Glasklare Ansichten
und Kommerz nicht in Konkurrenz
Grosszügig dimensionierte Duschen sind Teil ausgereifter
Badkonzepte. Die neusten Modelle sorgen mit luftiger Optik
und augenfälligen Formen für eine einmalige Atmosphäre
im Badezimmer.
sich nicht mit Nebensächlichkeiten
aufhält, sondern auf das Wesentliche
konzentriert: das Machen.
Echtglasduschen für
glänzende Auftritte
Westermanns bisheriges Macher-
Das Teilrahmen-Echtglasprogramm
Portfolio, entstanden in nur elf
Alpino wirkt modern und frisch. Die
Jahren Selbstständigkeit, ist überzeu-
edlen Duschkabinen mit ihren hoch-
gend und gibt seiner Betrachtung
wertigen, technisch ausgereiften
Recht. Gut möglich, dass es Dimtiri
Scharnieren und vertikalen Wandpro-
Westermann gelingt, auch in Zukunft
filen garantieren eine lange Lebens-
ab und zu die Welt anzuhalten. Um
Ingeborg Lüscher, «Bernsteinzimmer»
Swarowski, Kristallwelten Wattens
eine Vision, ein Projekt, eine Idee
dauer und eine hohe Funktionssicherheit. Grosszügig dimensionierte
zusätzlich zu realisieren, die in einem
Der Neuauflage unter Westermanns
Schwenktüren bei den Rundkabinen
ganz normalen Jahr mit nur 365 Ta-
Ägide ging eine aufwendige Pla-
bieten zudem eine grösstmögliche
gen fast keinen Platz mehr hat. Wir
nungsphase voraus, die zwei Jahre
Ein- und Ausstiegsfreiheit. Ein Genuss
freuen uns darauf!
in Anspruch genommen hat. Um
für alle, die Bewegungsfreiheit im
aktuelle Normen und Vorschriften zu
Badezimmer zu schätzen wissen.
erfüllen und um Reissfestigkeit und
Topqualität zu garantieren, mussten
Rahmenlose Technik
für Puristen
völlig neue Vorgehens- und Produktionswege gefunden werden.
Alpino Plus, das neue rahmenlose
info
Westermann AG produziert aktuell
jährlich 1200 Landistühle. Die Rohteile werden in Küssaburg (D) gefer-
Steckbrief
Echtglasprogramm, steht für hohe
tigt, in der Schweiz gehärtet und ver-
Anpassungsfähigkeit und ausgereifte
Pipilotti Rist, «Nothing»
Biennale, Venedig
Programmvielfalt. Die Qualität dieser
info
Echtglasduschen offenbart sich bis
Dimitri Westermann
Jahrgang: 1975
Sternzeichen: Löwe
Ausbildung: Möbelschreiner
Aktueller Status: Unternehmer
und Macher
Treibstoff: Neugier
Besonderes Kennzeichen:
Skizzenblock und Bleistift
immer dabei
edelt und zum Finish nach Zofingen
ins Detail: die filigran ausgearbeitete
gebracht. In der Produktionshalle der
Scharniertechnik ermöglicht präzise
Westermann AG wird jeder Stuhl von
Feineinstellungen und erlaubt eine
• Die duka-Duschabtrennungen sind
Hand montiert und geprüft, bevor er
perfekte Ausrichtung der Schwenk-
auf Wunsch mit dem ESG-Oberflä-
an Kunden ausgeliefert wird.
türen. Als Standard- oder als Sonder-
chenschutz PROTECT erhältlich. Das
modell erhältlich, setzt Alpino Plus
erfreuliche Ergebnis: Wasser fliesst
neue Massstäbe im Badezimmer.
leichter ab und vermindert die Ab-
Unternehmen
Westermann AG
Zofingen
www.westermannag.ch
Coray. Und in gewisser Weise ist jedes
Smokeball GmbH
Zofingen
www.smokeball.ch
24
atmosphère 3/08
Der Landistuhl entspricht in Form,
Design und Material zu hundert
Reinigung schnell und einfach
lagerung hartnäckiger Kalkflecken.
Prozent dem Original von Hans
• Reinigung ohne hinderliche Kanten:
Exemplar ein Unikat: jeder Stuhl ist
die auf der Innenseite flächenbün-
nummeriert und wird damit zum
einzigartigen Teil einer Legende, die
1939 ihren Anfang genommen hat.
www.westermannag.ch
dig integrierten Scharniere ermögHarald Szeemann, «Banknotenvernichter»
Arteplage Biel, Expo 02
www.smokeball.ch
lichen ein müheloses Reinigen der
Glasflächen.
www.duka.ch
atmosphère 3/08
25
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