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CT/MRT-Diagnostik bei leichte n Traumen der - IMB-Fachverband

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ORIGINALBEITRÄG E
N. Lummel, H. Brückmann
Zusammenfassun g
CT/MRT-Diagnostik bei leichte n
Traumen der Halswirbelsäul e
- was sieht man nicht ?
Einleitun g
Als Schleudertrauma werden klinisch e
Symptome (Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel, Sprachstörungen, Gangunsicherheit, uva .) bezeichnet, die auftreten infolge einer definitionsgemäß
„brüsken, passiven, aufgezwungenen ,
typischerweise unerwartet einwirken den Beschleunigungskraft (typischer weise Heckaufprall), die ausreicht, um
eine relevante Translations- oder Retroflexionsbewegung der Halswirbelsäul e
(HWS) — ohne direkte Schädigung vo n
Schädel, Gehirn, Rückenmark und HWS
— hervorzurufen” (Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie) .
Es ist eine der am häufigsten diagnostizierten Verletzungen bei Autounfällen und eine gefürchtete Ursache chronischer Behinderung . In den meisten Fällen klingen die Beschwerden nach eine m
Schleudertrauma innerhalb von Tagen
bis Wochen ohne Therapie ab. In etw a
10 % oder mehr der Fälle [2] entwickelt sich allerdings eine chronisch e
Schleudertrauma-Krankheit . Um diese chronische „Schleudertrauma-Krankheit” (WAD, whiplash associated disorder) hat sich eine Kontroverse gebildet ,
da die Inzidenz dieses Problems in de n
letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat [5] und die genaue Ätiologie de r
Beschwerden sowie der Grund für di e
Chronifizierung unbekannt und umstritten sind [1, 9] .
Anschrift für die Verfasser
Dr. Nina Lumme l
Abteilung für Neuroradiologie
Ludwig-Maximilian-Universität
München, Klinikum Grosshader n
Marchioninistrasse 1 5
81377 München
MED SACH 107 1/2011
Vor diesem Hintergrund liegt e s
nahe, dass hohe Erwartungen an di e
radiologische Diagnostik gestellt wer den, um die subjektiv stark empfundenen Beschwerden mit einem objektivierbaren Bildbefund zu untermauer n
oder zu zerstreuen .
Selbst bei schweren HWS-Traumen
stehen Weichteilverletzungen im Zervikalbereich deutlich im Vordergrund un d
knöcherne Verletzungen spielen nur ein e
untergeordnete Rolle, so dass die konventionelle Röntgendiagnostik oder di e
Computertomographie selten pathologische Veränderungen zeigen . Dahe r
ist die Untersuchung der ligamentäre n
Strukturen am kraniozervikalen Übergang mittels Magnetresonanztomographie (MRT) bei der komplexen klinischen Symptomatik des Schleudertraumas die wegweisende Untersuchun g
geworden . Insbesondere die Ligamenta alaria und deren Signalverhalten i m
MRT spielen bei der Begutachtung vo n
Schleudertauma-Patienten eine bedeutende Rolle .
Daher geben wir im Folgenden eine n
Überblick über die Anatomie, Biomechanik sowie MRT-Diagnostik beim Schleudertrauma mit Fokus auf die Ligamenta
alaria.
Anatomi e
Die Ligamenta alaria ziehen von de r
dorsolateralen Fläche der Spitze de s
Dens axis zum ventromedialen Ran d
der Okzipitalkondylen und verbinden
damit die Schädelbasis mit dem zweiten Halswirbel (Axis) . Sie haben vor
allem Brems- und Haltefunktion . Si e
verhindern die seitliche Verschiebun g
des Kopfes bei Rotation gegenüber de n
beiden Atlantookzipitalgelenken . Si e
begrenzen zudem Beugung und Achsenrotation des Schädels gegenüber der
Halswirbelsäule .
Leichte Traumen der Halswirbelsäul e
sind häufig Gegenstand medizinischer
Gutachten verschiedener Fachgebiet e
und verursachen bei Kfz-Haftpflichtversicherungen ernorme Kosten . Al s
Ursache chronischer Beschwerden nac h
einem Schleudertrauma werden häufig
Auffälligkeiten der Morphologie oder I
Signalintensität der Ligamenta alaria in
der Magnetresonanztomographie an gesehen . Die Studienergebnisse belegen
einheitlich, dass die Ligamenta alari a
mittels der Magnetresonanztomographi e
sehr gut darstellbar sind und eine hoh e
Variabilität bezüglich der Morphologi e
aufweisen . Problematisch ist jedoch di e
Interpretation von Signalveränderunge n
der Ligamenta alaria . Auf der Basis der
aktuellen Studienlage ist davor zu warnen, Signalsteigerungen der Ligament a
alaria bei Patienten mit leichtem Traum a
der Halswirbelsäule als pathologische s
Korrelat für die klinische Symptomati k
zu interpretieren .
Schlüsselwörter
Schleudertrauma
—leichtes Trauma der Halswirbelsäul e
— Ligamenta alaria, Magnetresonanztomographie
Biomechani k
Um den genauen biomechanischen Ablau f
und die Prädilektionsstellen für Verletzun gen beim Schleudertrauma zu überprüfen ,
wurden in den 90er-Jahren experimentelle Arbeiten mit frischen, humanen HWSPräparaten im Schlittenmodell durchgeführt . Panjabi et al . [20] fanden eine bipha sische Antwort im Bewegungsverhalte n
der HWS, wobei in den ersten 50—75 m s
eine S-förmige Verkrümmung mit Flexio n
in den oberen und Extension in den unteren Segmenten stattfindet . In der 2 . Phase ,
zwischen 100 und 125 ms nach dem Aufprall, geht die gesamte HWS in eine Exten sionsbewegung über. Verletzungen treten
vor allem im Rahmen der frühen S-förmigen Verkrümmung auf und sind bevorzugt in den unteren Segmenten lokalisiert .
Es folgten weitere biomechanische Studien mit ähnlichem Untersuchungsaufbau, i n
denen der kraniozervikale Übergang eben falls nicht als Prädilektionsstelle für Verletzungen bei einem Beschleunigungstraum a
nachgewiesen wurde [6, 11, 17] .
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