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MANAGEMENT Soziale Nachhaltigkeit
Was Hänschen nicht lernt,
lernt Hans nimmermehr?
Ältere Arbeitnehmer/innen haben seltener Zugang
zu arbeitsbezogenen Schulungen
ehr als ein Viertel aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer/innen
in Deutschland sind derzeit älter als
50 Jahre, das sind sieben Millionen Menschen.
Noch nie haben mehr Ältere gearbeitet.
Die jüngsten Zahlen des Statistischen
Bundesamtes bestätigen dies eindrucksvoll:
Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 65-Jährigen liegt aktuell bei 56 Prozent gegenüber
37 Prozent im Jahr 2000. In der Gruppe der
Menschen zwischen 60 bis 65 Jahren gehen
heute sogar doppelt so viele wie noch vor zehn
Jahren arbeiten, hier liegt die Quote jetzt bei
40 Prozent.
Der hauptsächliche Grund für diese Entwicklung liegt in der Abschaffung der verschiedenen staatlich geförderten Frühverrentungsmöglichkeiten wie etwa der Altersteilzeit
oder des vorgezogenen Rentenbezugs.
Das zunehmende Interesse der Älteren,
länger im Job zu bleiben, trifft sich gut. Die
abnehmenden Geburtenraten und die längere
Lebenserwartung werden in den kommenden
Jahren bekanntermaßen für einen Fachkräftemangel sorgen.
Nach einer Erhebung der BertelsmannStiftung sind es aber noch immer eher wenige
M
Unternehmen, die sich
gezielt darum bemühen, ältere Arbeitnehmer/innen länger zu
halten oder bei Neueinstellungen auf die
Altersgruppe
50plus
zurückzugreifen.
Doch gerade in den
Arbeitsbereichen,
in
denen der körperliche
Verschleiß keine so
große Rolle spielt, können die Älteren wesentliche Akzente setzen.
Ihre Stärken liegen im Inhaltlichen, weniger in
der Schnelligkeit.
Forschungen haben gezeigt, dass altersgemischte Teams am besten arbeiten. Die Jungen
liefern neue Ideen und importieren neueste
Entwicklungen, während die Erfahrenen diese
Ideen und Entwicklungen gewichten und auf
Umsetzbarkeit prüfen. Die Ellbogenmentalität schwindet mit zunehmendem Alter, Loyalität und emotionale Stabilität gewinnen an
Bedeutung.
Aber Erfahrung allein reicht für ein erfolgreiches, langes Berufsleben nicht aus. Was
wir verstärkt brauchen, sind begleitende Weiterbildungsangebote für ein ganzes Berufsleben und nicht nur eine Förderung der unter
40-Jährigen. Europäischen Statistiken zufolge
haben ältere Arbeitnehmer/innen seltener
Zugang zu arbeitsbezogenen Schulungen und
erhalten auch weniger Gelegenheiten, neue
Fähigkeiten für ihren Beruf zu erlernen.
Vielleicht ist es das Sprichwort „Was
Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, das immer noch in unseren Köpfen
verankert ist und unser Handeln beeinflusst.
Aber dieser Satz ist mit Nachdruck zurückzuweisen. Vielmehr gilt: „Man lernt nie aus“!
Gefördert durch
70
WESER-EMS MANAGER 06/12
Ältere Menschen können genauso effizient lernen wie jüngere, wenngleich sie in
manchen Bereichen anders lernen oder lernen
wollen. Versucht man, die vielfältigen Ergebnisse experimenteller Studien zur Lernfähigkeit im Alter zusammenzufassen, kann man
sagen:
Ältere lernen bei sinnlosen, beziehungsweise sinnlos erscheinenden Inhalten schlechter. Sie brauchen mehr als die Jungen einen
deutlichen Sinnzusammenhang zwischen
Weg und Ziel.
Zeitdruck behindert Ältere eher. Ohne
Zeitdruck lernen Ältere ähnlich gut wie die
Jungen.
Ältere brauchen übersichtlich gegliederte
Lehrinhalte.
Deutlichere Sichtbarkeit und Hörbarkeit
der Informationen, bewussteres Pausieren und das Einbauen der Lehrinhalte in
vorhandenes Vorwissen verbessern das
Ergebnis.
Sich selbst etwas aktiv zu erarbeiten, anstatt
mundgerecht vorgesetzte Botschaften zu
verinnerlichen, ist für Ältere von großer Bedeutung.
Ebenso wichtig ist aber auch, die Lernmotivation, die innere Bereitschaft, einen Stoff
anzunehmen.
Jedes Unternehmen ist auf Menschen angewiesen, die gut ausgebildet und motiviert
sind. Aus- und Fortbildung auf betrieblicher
Ebene steigern die Motivation und verringern die Fluktuation. Altersgemischte Teams
gewährleisten durch stetigen Wissenstransfer
Kontinuität in der Unternehmensentwicklung.
Für Führungskräfte wird es in Zukunft
immer relevanter werden, Demografie-Konzepte für ihr Unternehmen zu entwickeln. Dabei ist eine Unternehmenskultur, die älteren
Arbeitnehmern eine authentische Wertschätzung entgegenbringt, eine unverzichtbare
Grundlage und gleichzeitig ein ganz wesentlicher Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften
und damit zur Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.
AUTOR
Mike Beenders,
Geschäftsführer der
acadConsult GmbH, Oldenburg,
mike.beenders@acadConsult.de
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Bildung
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