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(erzürnt). Ich will gar nicht wissen, in was für Armen du gewesen bist

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I, 5–6
15
(erzürnt). Ich will gar nicht wissen, in was für Armen
du gewesen bist. Elender, Treuloser! mit uns is es aus. (Schlägt
das Fenster zu.)
TREUHOLD (ihr nachrufend). In den Armen des Schlafes war ich!
– so hör doch! – (Schreyt.) Ich war in den Armen des Schlafes,
in gar keinen andern Armen bin ich gewesen! – Sie hört mich
nicht. – Nannett! Braut! Leben! Alles! – Du mußt mich
hören! – (Trostlos.) Das is schrecklich! man wird in meinen
Alter nicht leicht einen unschuldigern Kerl auftreiben können,
als ich bin; aber sie is halt eifersüchtig, sie glaubt mir’s nicht,
und was nutzt die Unschuld wenn eim’s kein Mensch glaubt.
Nannett! ich thu mir was an! aber was hilft das? hernach sieht
sie ihr Unrecht ein, aber ich hab dann nix davon, wenn ich
mir schon was angethan hab. Besser is es, ich thu mir nix an,
oder am Besten ist es, ich thu mir gar nix an. Mein Herr is
Schuld an den Unglück, der muß die Sach ausgleichen; er muß
ihr sagen, daß ich grad so brav bin, als er nix nutz is, daß mein
Herz eine Einsiedlerhütten is, während das seinige einem
Einkehrwirthshaus gleicht. – Aber daß sie mir jetzt einige
Stunden in Eifersucht grollt, das kann ich nicht ertragen, ich
bin ein gefühlvoller Kerl – Nannett! Nan[n]ett –! glaub mir
das Jahrhundert hat keinen Zweyten aufzuweisen! – Nannett!
(Desperat.) sie kommt nicht. – Nannett! ich bin nicht schön,
aber unendlich brav, wenn ich so schön wär, als ich brav bin,
sie hätten den Adonis schon lang hinausgschupft aus der
Götterlehr – Nannett! – es is umsonst, sie halt mich für
schlecht, mein guter Ruf ist verloren – o Gott wer giebt mir
meinen Ruf zurück!
(Geht trostlos lincks im Hintergrunde ab.)
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DER TREULOSE
VERWANDLUNG
NANNETT
5
5
(Die Bühne stellt einen Parck in Buchenstein vor; auf der Seite Rechts
etwas gegen den Hintergrund steht ein elegantes Wirthshaus, im Vordergrunde Rechts ein Paar grüne Tische mit Stühlen; lincks eine Rasenbanck.)
7te Scene
(DIENSTLEUTE, WIRTH und WIRTHINN.)
(Der Tag ist angebrochen.)
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(indem sie Verschiedenes ordnen).
’s Ist ein schöner Morgen heut,
Na da kommen wieder d’Leut
Schaarenweise aus der Stadt,
Daß man Platz genug nicht hat;
Nur gschwind Hendln abgestochen,
Sieden, braten, backen, kochen,
’s Werden heut in Buchenstein
Eine Unzahl Gäste seyn.
(DIE DIENSTLEUTE gehen theils jetzt, theils während den folgenden
Reden in das Haus ab.)
WIRTH. Wenn ’s Wetter so anhalt, so kriegen wier Nachmittag
Leut zum Erdrucken.
WIRTHINN. Ich fürcht nur unser ⋅Locale⋅ wird zu klein werden
für die Menge Gäst.
WIRTH. Ich werd’s schon recht schnüren, daß Platz haben.
WIRTHINN (in die Scene lincks sehend). Da kommen die zwey
Herrn, die so oft heraussen sind bey uns.
WIRTH.
Die werden fruhstucken da, gschwind schau um’n
Kaffee. (DIE WIRTHINN ins Haus ab.)
CHOR DER DIENSTLEUTE
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Reisen
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