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Das Welterbe als neue Form des Kulturellen Gedächnisses

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Aleida Assmann
Das Welterbe als neue Form des Kulturellen Gedächtnisses
Was ist ein Weltkulturerbe?
Was ist ein Weltkulturerbe? Wer sich diese Frage stellt, sollte auch wissen, was es
nicht ist. Mit Sicherheit ist die chinesische Mauer ein Weltkulturerbe (1987). Aber
die Berliner Mauer, die 2 Jahre später fiel? Gewiss handelt es sich auch hier um
einen herausgehobenen Erinnerungsort, aber nicht jeder Erinnerungsort (lieu de
mémoire) ist zugleich auch schon ein passender Anwärter auf den Status des
Welterbes. Welche Merkmale sind in diesen Begriff eingegangen, worüber reden
wir eigentlich, und was ist die Geschichte dieses Begriffs?
Die Geschichte des Welterbes ist erst 40 Jahre alt, in Österreich ist sie erst halb so
alt. Doch eines steht fest: hier ist tatsächlich etwas Neues in die Welt gekommen.
Mit der UNESCO befinden wir uns in einer globalen Geschichte, in der sich nicht
nur Firmen, Konzerne und Staaten als ’global players’ betätigen, sondern die
Weltgesellschaft selbst in die Rolle eines globalen Akteurs eingetreten ist. Deshalb
lohnt es, sich über die Geschichte dieser Institution noch einmal Gedanken zu
machen. In Gegenrichtung zu den alltäglichen bürokratischen Problemen und
Fragen des Managements möchte ich heute die Gelegenheit ergreifen,
grundsätzlicher nach der Entwicklung des Konzepts Welterbe zu fragen und nach
den unterschiedlichen Impulsen und Spannungen, die darin eingegangen sind.
Die Erweiterung unseres Zukunftsbegriffs
Ich beginne mit der Beobachtung, dass sich unser Zukunftsbegriff in den letzten 50
Jahren dramatisch gewandelt hat. Er hat eine Erweiterung erfahren, die ich hier
kurz in drei Schritten rekapitulieren möchte.
1
Bis in die 70er Jahre hinein war die Grundbedeutung von Zukunft das Unerwartete
und Unverhoffte, das im positiven oder negativen Sinne auf uns zu kommt. Im
Rahmen des Fortschrittsdenkens wurde Zukunft mit Begriffen wie Vision, Utopie,
Imagination und vor allem Innovation und Entwicklung verbunden. In dieser
Bedeutung wurde Zukunft zum Motor der Modernisierung. In ihrer radikalen
Ausprägung manifestierte sich Modernisierung in ‚kreativer Zerstörung’. Die
Devise dazu lautete: ‚Vorwärts immer, rückwärts nimmer!’ Man ging
erwartungsvoll in die Zukunft und ließ die Vergangenheit als vergangen und
erledigt hinter sich.
Die Einsicht in die Grenzen des Wachstums und die Endlichkeit unserer
Ressourcen war erst eine Entdeckung der 1970er Jahre, die unser Weltverhältnis
grundsätzlich verändert hat. Seither wissen wir, dass wir auf der Erde sorgsamer,
umsichtiger und vor allem: gemeinsam haushalten müssen. Mit der Vorstellung
unserer Welt als Oikos, als Haushalt hat sich auch unser Verhältnis zur Zeit
grundsätzlich verändert. Die Vision von der Zukunft als einer unerschöpflichen
Quelle der Veränderung und Erneuerung hat sich verbraucht; sie ist nicht mehr das
Eldorado unseres Wünschens und Hoffens, sondern ist selbst zu einem Gegenstand
der Sorge und Vorsorge um Nachhaltigkeit geworden.
Es gibt noch eine weitere Bedeutung von Zukunft, die sie unabhängig von der
Frage der unbeschränkten oder endlichen Ressourcen her definiert.
In dieser
Bedeutung erscheint Zukunft als Verlängerung von Gegenwärtigem und
Vergangenem, das wir bereits haben, besitzen oder kennen, und von dem wir
hoffen, dass es weiterlebt oder weiterexistiert. Im Umkreis dieser Bedeutung
verwenden wir ganz andere Zukunftskonzepte als Utopie oder das Neue; sie lauten:
2
Gedächtnis, Unsterblichkeit, Erbe oder Nachleben. Entscheidend an dieser dritten
Bedeutung von Zukunft ist, dass sie keinen Bruch zwischen Gegenwart und
Vergangenheit voraussetzt. An die Stelle des permanenten Abstoßens von
Vergangenheit tritt eine affektive Bindung an Bestehendes und Vergangenes, das
man nicht ignorieren, vernachlässigen, verlieren oder gar zerstören und deshalb in
besondere
Obhut
Identitätsbezug.
nehmen
möchte.
Diese
Bindung
verweist
auf
einen
Da sie Aufmerksamkeit und Pflege erfordert, ist sie ist
voraussetzungsreich und besteht deshalb immer nur zu ausgewählten kulturellen
Objekten und Praktiken. Auf diese Weise ist neben der ökologischen auch eine
kulturelle Form der Nachhaltigkeit entstanden.
Zukunft liegt also nicht einfach naturgegeben vor uns, sondern wird überhaupt erst
durch kulturelle Handlungen erzeugt: die Naturwissenschaften und Technik
erzeugen Zukunft durch Akte und Produkte der Innovationen, das kulturelle
Gedächtnis erzeugt Zukunft durch Erhaltung und Weitergabe.
In die Idee des Welterbes ist die grundsätzliche Spannung zwischen Natur und
Kultur eingebaut. Man hat hier auch von einer „zweigeteilten Rationalität“
gesprochen, die ganz unterschiedliche Begriffe von ’Erbe’ und ’Gedächtnis’
zusammenführt.
Während der Schutz des Weltnaturerbes auf Bio-Diversität ausgerichtet ist und
deren Bewahrung in einem wissenschaftlichen Gedächtnisspeicher aller Arten des
Lebens auf der Erde anstrebt, arbeitet man beim Schutz des Weltkulturerbes mit
einem ganz anderen Erbebegriff, der nichts mit Genen und DNA zu tun hat. Ich
brauche dafür nur an die berühmte Definition der Kultursemiotiker Jurij Lotman
3
und Boris Uspenskij zu erinnern, die Kultur als das „nicht vererbbare Gedächtnis
des Kollektivs“ definieren.1
Mit anderen Worten: Gesellschaften können ihre kulturelle Ausstattung von
Generation zu Generation nicht über die Gene weitergeben. Paradox formuliert:
Weil Kultur nicht genetisch vererbbar ist, muss sie vererbt und geerbt werden.
Die Frage nach symbolischen und materiellen Formen der Weitergabe bildet
deshalb den Kern jeder Theorie des kulturellen Gedächtnisses. Das Prinzip der
Weitergabe ist zugleich das Scharnier zwischen kulturellem Gedächtnis, Welterbe
und Nachhaltigkeit. 2 Wie diese Elemente ineinandergreifen, möchte ich im
Folgenden noch aus einer historischen Perspektive zeigen.
Drei historische Wurzeln: Krieg, Modernisierung, Identitätsbezug
Die noch kurze Geschichte des Konzepts des Welterbes lässt sich aus drei
historischen Wurzeln ableiten. Eine Wurzel reicht in die 50er des letzten
Jahrhunderts zurück. Die beispiellose Gewalt-Erfahrung des 2. Weltkrieg hat nicht
nur die Ratifizierung der Menschenrechte (1948) hervorgebracht, sondern 1954
auch die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut in bewaffneten Konflikten,
womit ältere Vereinbarungen der Genfer Konvention erneuert und aktualisiert
wurden. Die Idee des kulturellen Erbes geht in diesem Fall aus einer
transnationalen Perspektive der Verantwortung hervor und beruht auf der wichtigen
Einsicht in die Vulnerabilität aller kultureller Überlieferung.
Die Vulnerabilität der Kultur, das war eine zweite historische Wurzel des
Welterbekonzepts, rührt aber nicht nur von Krieg, sondern auch von friedlichen
1
Jurij M Lotman, Boris A. Uspenskij, The Semiotics of Culture, Ann Arbor 1984, 3.
Nachhaltigkeit kann sowohl Weiterleben als auch Nachleben bedeuten: Weiterleben steht für die Zukunft einer
Gegenwart, Nachleben für die Zukunft einer als bedeutsam anerkannten Vergangenheit.
2
4
Projekten her. Den unmittelbaren Anstoß für die Entstehung der UNESCO bildeten
in den 1960er Jahren umwälzende globale Veränderungen im Zuge forcierter
Modernisierung. Die Geburtsstunde eines neuen globalisierten Kulturbewusstseins
war die Verpflanzung des Tempels von Abu Simbel in der oberägyptischen Wüste,
einem historischen Ort, der seither in einem gigantischen Stausee mit einem
entsprechenden Kraftwerk verschwunden ist. Die Entwicklung des WelterbeKonzepts ist somit selbst Teil der Modernisierung, die einen dialektischen Prozess
von Zerstören und Bewahren in Gang gesetzt hat: Angesichts des im Weltmaßstab
beschleunigten Wandels schafft sich die Weltgesellschaft Reservate ökologischer
und kultureller Nachhaltigkeit. Der Kompensationstheoretiker Odo Marquard hat
den dialektischen Prozess der Modernisierung auf eine einfache Formel gebracht,
als er schrieb, dass parallel zu den ‚Zerstörungsdeponien’ kompensatorische
‚Bewahrens-Deponien’ geschaffen werden.
Ein dritter Weg zum Konzept des kulturelles Erbes führt zu einem neu erwachten
Interesse am Themenfeld des kulturellen Gedächtnisses. Unter dem Stichwort
‚Gedächtnis’ öffneten sich seit den 1990er Jahren neue Zugänge zur
Vergangenheit,
die
wichtige
Ergänzungen
zu
den
Fragen
der
Geschichtswissenschaft aufzeigten. Im Zentrum stand dabei die Einsicht, dass die
Vergangenheit nicht einfach vergangen ist, sondern eine zentrale Ressource für die
Konstruktion individueller und kollektiver Identität darstellt. Ein Erbe ist eine Gabe
der Vorfahren, die uns über den Tod hinweg mit ihnen verbindet. In dem Moment,
wo wir etwas als kulturelles Erbe bezeichnen, haben wir es angenommen und
dieses Erbe angetreten. Die affirmative Annahme eines Erbes eröffnet eine
historische Langzeitperspektive, die von der Vergangenheit über die Gegenwart in
eine unbegrenzte Zukunft reicht. Die Begriffe ‚Erbe’, ‚heritage’ und ‚patrimoine’
stehen für diese neue Verbindung von Vergangenheit, Gedächtnis und Identität.
5
Viele Historiker reagierten darauf alarmiert; sie sahen in der Konjunktur des
‚heritage’-Diskurses eine bedrohliche Konkurrenz und einen Gegenbegriff zu
‚history’. Inzwischen blüht neben der Geschichtswissenschaft eine Heritage
Industrie, die den Identitäts-, Tourismus-, und Unterhaltungswert von historischen
Relikten und kulturellen Überlieferungen erfolgreich vermarktet. Im Zentrum
dieses Konzepts von Kulturellem Erbe steht meist eine Nation, eine Stadt oder eine
Region, die ihre Eigenart im Rahmen eines neuen globalen HisTourismus
publikumswirksam zur Schau stellt. Auch hier verschränken sich somit lokale,
nationale und transnationale Perspektiven.
Drei Dimensionen des Erbes
Seit 1972 konkurrieren Nationen im Wettbewerb um einen Platz auf der
Welterbeliste der UNESCO, auf der inzwischen annähernd 1000 Denkmäler
aufgeführt sind. Diese Hitliste der Superlative, die an die legendären sieben
Weltwunder anschließt, mobilisiert Lokalstolz, ist aber zugleich mit einer
universalistischen Perspektive verbunden, die alle Stätten als das Eigentum einer
einzigen Menschheitsfamilie registriert. Das lokale und nationale kulturelle Erbe ist
in einem umfassenden Menschheitsgedächtnis aufgehoben, dessen Fortbestand – so
die Selbstverpflichtung – für eine unbestimmte Zukunft zu sichern und
weiterzugeben ist. Damit ist erstmalig ein Außenhorizont geschaffen worden, der
die partikularen Perspektiven und Interessen der Nationen, Regionen und Städte
überwölbt und für die Stätten des Welterbes einen gemeinsamen institutionellen
Rahmen globaler Wertschätzung und Verantwortung aufbaut.
Wenn wir über Fragen des kulturellen Erbes sprechen, haben wir es immer schon
mit drei Komplexen zu tun, die hier ineinander spielen.
6
Erstens geht es um Fragen der Bestandssicherung und des Denkmalschutzes. Das
kulturelle Erbe ist ein Schatz, für den ein besonderer Schutz aufgeboten wird.
Dieser Schutz schließt besondere Maßnahmen der Pflege und Bewahrung, aber u.
U. auch des Verzichts auf Erneuerung und Entwicklung ein. Der Akt der
Kanonisierung als Welterbe schafft einen zeitlichen Ausnahmezustand gegenüber
allen anderen Bauten. Da das, was unter diesen Schutz gestellt wird, oft noch in
Gebrauch und Teil einer sich notwendig verändernden Lebenswelt ist, sind
Interessenkonflikte zwischen Denkmalschützern und Architekten, zwischen
Bewahrern und Erneuerern vorprogrammiert. Man denke nur an die hitzigen
Diskussionen, die über das Einfrieren des baulichen Ensembles der Wiener
Innenstadt geführt worden sind oder an die Entwicklungen in Dresden, wo mit dem
Bau der Waldschlösschenbrücke der Status des Weltkulturerbes wieder aberkannt
wurde.
Zweitens geht es um Fragen der nationalen Aneignung und Identitätspolitik. Zu
den Begriffen Schatz und Schutz müssen wir noch den Begriff Stolz hinzufügen.
Keine Frage, die Kostbarkeit des kulturellen Erbes verbindet sich mit Prestige und
Selbstbewusstsein. Das Erbe, das angetreten wird, stiftet einen identifikatorischen
Bezug durch eine affektive Bindung zur eigenen Geschichte und Region. Es wird
dabei zum wichtigen Bestandteil einer kollektiven Biographie und stützt die
Identität
der
Region
Familiengeschichte.
oder
Dieser
Nation
Effekt
wie
wird
ein
noch
Stammbaum
oder
eine
verstärkt
durch
den
Wettbewerbscharakter, der in die Welterbeliste eingebaut ist, denn hier handelt es
sich ja nicht nur um ein wissenschaftliches Archiv mit einem Inventar, sondern um
ein identifikatorisches Menschheitsgedächtnis mit einer Hitliste. Der Vergleich
treibt
den
Ehrgeiz
an,
die
globale
Aufmerksamkeit
stimuliert
das
Selbstbewusstsein. Angesichts dieser Tendenzen stimmt es zuversichtlich, dass
7
heute Fragen der Identitätspolitik und Konkurrenz zunehmend durch Formen
transregionaler und transnationaler Kooperationen unterlaufen werden.
Drittens spielen bei der Auswahl der Welterbeliste auch Fragen der Vermarktung
nationaler, regionaler, lokaler Geschichte und Kultur eine nicht unbedeutende
Rolle. Das beweist z.B. ein Englisches Touristik-Unternehmen, das sich auf
Welterbe-Stätten spezialisiert hat und eine exklusive UNESCO-Tour anbietet.
Diese Tour ist „die derzeit kostspieligste Reise der Welt: sie kostet 900.000 Pfund
für zwei Personen, umgerechnet sind das mehr als eine Million Euro.“3
Neuere Entwicklungen des Konzepts des Welterbes
Wie bereits betont ist das Welterbe-Konzept der UNESCO ein absolutes Novum in
der Geschichte. Es setzt sich aus vier verschiedenen Dimensionen zusammen:
Bestandssicherung, Wissens-speicher, Identitätspolitik und Vermarktung, die für
Spannungen sorgen und immer wieder in ein neues Gleichgewicht zu bringen sind.
Gleichzeitig ist auch zu bemerken, dass dieses Konzept, das zeitlose Dauer
verleihen soll, selbst in einem dauerhaften Wandel begriffen ist.
Eine wichtige Erweiterung erfuhr der Kulturbegriff von Anfang an durch die
Einbeziehung von negativen Erinnerungsorten. Die universale Anerkennung und
Weltgeltung wird inzwischen durch drei Kriterien bestimmt:
- Meisterwerke der Architektur
- einzigartiges Zeugnis einer noch lebendigen oder schon verschwundenen
Zivilisation, sowie:
- Ereignisse oder Ideen von außerordentlicher universaler Bedeutung.
3
Kira Hanser, „Hier wird kein Welterbe ausgelassen“, Welt am Sonntag, 23./24. März 2013.
8
Aufgrund des dritten Merkmals wurden auch traumatische Orte wie Hiroshima
(1996) oder Auschwitz (1979/2007) in die Liste aufgenommen.4 Es geht also nicht
nur um einen rein affirmativen, sondern auch um einen kritischen Kulturbegriff, der
auch die ‚Barbarei’ in der Kultur mit einschließt.5
Eine zweite Bedeutungserweiterung erhielt der Begriff des Weltkulturerbes im Jahr
2003. Dieses Jahr markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Welterbes,
denn seither gibt es kulturelles Erbe im globalen Menschheitsgedächtnis nicht nur
in materieller sondern auch in immaterieller Form. Der Begriff ’Intangible cultural
heritage’ wurde eigens geschaffen, um kulturelle Chancengleichheit für jenen Teil
der Welt herzustellen, in dem es keine ägyptischen Pyramiden und andere
zeitresistente Hinterlassenschaften gibt. Seither sind kulturelle Praktiken und
Performanzen wie Tanz, Theater, Musik, mündliche Poesie, aber auch
Handwerkstraditionen
in
der
Weltliste
des
Kulturerbes
den
materiellen
Hinterlassenschaften gleichgestellt.
Eine dritte wichtige Entwicklung ist die Bewusstseinswende vom nationalen Besitz
hin zu aktiven Formen grenzüberschreitender Initiativen und transnationaler
Kooperation.
Letzte Frage: Ist die Berliner Mauer nun ein passender Kandidat für ein
Weltkulturerbe? Dieses Beispiel ist paradox, weil in diesem Fall der Erinnerungsort
ja gerade nicht erhalten und geschützt, sondern im Gegenteil umgehend abgetragen
4
Der Lagerkomplex Auschwitz, wo die sterblichen Überreste von über 4 Millionen Opfern aus 24 Ländern liegen,
wurde bereits 1947 durch ein Gesetz der polnischen Republik zum nationalen Denkmal für das Leid und den Kampf
des polnischen Volkes und anderer Völker erhoben. Der neue Antrag auf Aufnahme in die Welterbeliste ging
ebenfalls von Polen aus. Die UNESCO hat 2007 beschlossen, den Komplex des Nationalmuseums als "Ehemaliges
deutsches Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz" in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen.
Gleichzeitig gibt es im heutigen Polen eine Reihe von ehemaligen nationalsozialistischen Todeslagern, die nicht
markiert, geschweige denn als kulturelles Erbe ausgewiesen sind. Hier stellt sich ein grundsätzliches GedächtnisProblem von Erinnern oder Vergessen, weil die kanonisierende Auswahl immer gleichzeitig öffentliche
Aufmerksamkeit und finanzielle Ressourcen von anderen Orten abzieht.
5
Vgl. dazu Bauhaus und Brasilia, Auschwitz und Hiroshima - Weltkulturerbe des 20. Jh.: Modernität und Barbarei.
Edition Bauhaus Band 12, Hgg. Walter Prigge et al.
9
wurde. Die Reste jedoch, die zunächst nicht rasch genug beseitigt werden konnten,
werden heute akribisch bewahrt. Also: was noch nicht ist, kann ja noch werden.
Die abgerissene Berliner Mauer hat es immerhin schon auf die WeltkulturerbeTentativ- oder Warteliste geschafft, wo sie derzeit allerdings noch hinter den
Relikten einer anderen historischen Mauer rangiert, die die Römer in Europa
errichtet haben: die Kulturlandschaft
des
Donau-Limes,
ein vorbildlich
multinationales Projekt, das von Österreich mit auf den Weg gebracht wurde, und
dem ich gutes Gelingen wünsche!
10
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