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Dienstag, 13.07.2004
Du siehst, was du siehst
AUSGESTELLT / Jörg W. Schirmer bei Klose, Nils Klinger bei Ockhardt
und Rainer Splitt beim Kunstverein Ruhr.
B eim Aktzeichnen an der Düsseldorfer Kunstakademie hatte Jörg W.
Schirmer immer Probleme mit der Standfestigkeit der Modelle.
Irgendwie drohten sie optisch auf dem Papier umzukippen. Also
verpasste der Essener Künstler den Frauen riesige Füße. Der
Notbehelf entwickelte sich zum Markenzeichen: Schirmer setzt
Proportionen außer Kraft und extreme Perspektiven dagegen.
Überzeugender als in seinen Malereien zeigt er dies in den Skulpturen.
Die Froschperspektive wird zur Überperspektive. In der Galerie Klose,
Rüttenscheider Straße, versucht der 38-jährige Maler und Bildhauer,
aus den großen Fußstapfen seiner eigenen Werke zu treten.So
experimentiert Schirmer mit neuen Ausdrucksformen. Für die Suche
nach mehr Bedeutungsebenen in seinem Werk steht schon der
Ausstellungstitel "Fundamentales", grafisch in der Einladungskarte
unterteilt als "Fun", "damen" und "tales". Auch Schirmer selbst erscheint
mehrfach: Mit Turban und Bart gibt er vom Kopf her den TalibanKämpfer, vom Hals abwärts erweist er mit Fliege und Nadelstreifen der
Dandy-Mode seines Meisters Markus Lüpertz Referenz.Die politische
Symbolik reicht bis ins Werk herein. So verweist nun eine mit "Stars &
Stripes" bemalte Figur auf die USA. Während dieser Ansatz etwas
bemüht wirkt, erscheint die Erweiterung seines Oeuvre auf das Medium
des Reliefs als ausdrucksstarke Variation seines Hauptthemas.
Insgesamt lässt sich bis zum 11. September an der Rüttenscheider
Straße 56 ein Künstler am Scheideweg sehen - was die Ausstellung
recht spannend macht.
B eim Schlafen verstellt sich der Mensch nicht. Wer einen Schlafenden
beobachtet, dringt in seine intimste Sphäre vor. Es bedarf einiges an
Fingerspitzengefühl, bei der Darstellung einer solchen Situation nicht
ins Voyeuristische abzugleiten. Dies ist Nils Klinger gelungen. In der
Galerie Ockhardt Temporary, Rüttenscheider Straße 128, verdichtet der
1976 geborene Fotograf die Schlafbewegungen in sensiblen Bildern.
Klinger hat Freunde und Freundinnen beim Schlafen fotografiert. Dazu
wurde ein Zimmer schwarz ausgekleidet und ein Bett schwarz
überzogen. Nur eine Kerze beleuchtete die nackten Schlafenden.
Mehrfach belichtete der Künstler den Film. Die ständigen Bewegungen
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des Körpers sorgten für einen sanften Schleier auf den großformatigen
Fotografien, die Zeit und Raum festzuhalten scheinen. Der Träger des
Kasseler Kunstpreises 2003 versteht es dabei, mit seinen Bildern eine
auratische Atmosphäre zu entfalten - bis zum 15. August.
W as du siehst, ist was du siehst", lautet das Motto der Minimal Art.
Nicht mehr, nicht weniger. Bei Rainer Splitt sieht man eine rote
Farbfläche, die im Raum verläuft. Das war´s. Das war´s? Mit seinen
Ausstellungen etablierte der Kunstverein Ruhr am Kopstadtplatz eine
Konzeptkunst, die durch Reduktion eine spektakuläre Wirkung erzielt.
Waren es in der Vergangenheit hingeworfene Neonröhren oder rote
Linien an den Wänden, so ändern nun sieben ausgeschüttete
Farbeimer à 30 Kilo die Wahrnehmung.Splitt schuf einen festen roten
Farbsee, in dem sich der Raum im "Forum Kunst und Architektur"
spiegelt und der auf die Wände rot abstrahlt. Anhand der Farbverläufe
kann nachvollzogen werden, wie das Werk entstand: In einer Ecke
beginnend, schüttete der 1963 in Celle geborene Künstler im Gehen
einen Eimer nach dem anderen aus. Was lapidar klingt, ist immanent
für das Werk des Berliners: Kalkül und Präzision, die Zähflüssigkeit der
Farbe und einige nicht ganz zu kalkulierende Faktoren bestimmen den
"Malprozess". Dies verdeutlicht Splitt auch mit zwei an der Wand
aufgehängten Kästen, in denen die Spuren von grüner und blauer
ausgeschütteter Farbe haften blieben. "Mein mobiler
Ausstellungsraum", lacht Splitt. Die rote Farbe kann bis 12. September
besichtigt werden.
13.07.2004
TANKRED STACHELHAUS
Copyright: Neue Ruhr/Rhein Zeitung NRZ
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