close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Gleichgewicht verloren. Was nun? - Zahnheilkunde.de

EinbettenHerunterladen
4
6
8
10
EXISTENZ PRAXISSANIERUNG (TEIL 2 VON 3)
Birgit Tambaur im Gespräch mit RA Thomas Bischoff, Köln
12
14
16
18
20
22
24
26
28
30
32
Gleichgewicht verloren.
Was nun?
34
36
38
40
42
44
46
48
Was passiert, wenn eine Praxis – aus welchen Gründen auch immer – in eine
ernsthafte wirtschaftliche Krise gerät? Im Gespräch mit dem Dental Magazin
schildert Sanierungsexperte, Rechtsanwalt Thomas Bischoff aus Köln anhand
eines Musterfalls beispielhaft den Ablauf einer Sanierung. Im zweiten Teil
erfahren Sie, wie der Sanierungsplan erstellt wird.
50
52
54
56
58
60
62
64
66
68
70
72
74
76
78
80
82
84
86
88
90
92
94
96
98
100
102
104
106
108
110
112
114
116
118
120
Was bisher geschah:
Dr. X konnte die Rechnungen seiner Lieferanten in Höhe von 150.000
EUR nicht mehr begleichen. Einige Gläubiger
hatten Pfändungen in die
Auszahlungsansprüche
gegen die KZV und in das
Bankkonto bei seiner
Hausbank ausgesprochen. Der Vermieter hatte
Räumungsklage wegen
Mietrückständen erhoben und seine Bank war
zu einer Ausweitung seiner Kredite nicht bereit,
sondern wollte diese in
Höhe von 335.000 EUR
kündigen.
Seine Mutter war bereit,
Dr. X 37.500 EUR zu
Sanierungszwecken zur
Verfügung zu stellen.
Soweit die Situation nach dem Erstgespräch.
Welches Ziel wird mit einem Sanierungsplan verfolgt, Herr Bischoff?
Ein Sanierungsplan soll aufzeigen, welche Ziele und
Regelungsstrukturen verfolgt werden, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. In diesem Fall
besprachen wir bereits während der Planerstellung
das gesamte Vorhaben mit den Hauptgläubigern,
der Hausbank und dem Praxisvermieter.
Und mit welchem Ergebnis?
Die Hausbank von Dr. X zeigte sich bei einer Umfinanzierung auf eine neue Bank zu einem Verzicht
bereit. Und auch der Vermieter stimmte zu, bei Zahlung einer Quote seine Kündigung zurück zu nehmen.
Der Verzicht oder zumindest ein Teilverzicht der
Gläubiger soll demnach die Fortführung der Praxis ermöglichen?
Das ist grundsätzlich richtig. Der erste Teil des
Sanierungsplans legt hierfür Ziele und eine bestimmte Regelungsstruktur fest. Im Fall von Dr. X sollte
mit den Lieferanten und mit dem Vermieter ein Vergleich auf der Quote von 25 Prozent geschlossen
werden. Die Verbindlichkeiten von Dr. X in Höhe von
150.000 Euro gegenüber Dritten würden sich damit
auf 37.500 Euro im familiären Kreise reduzieren.
Unter der Voraussetzung, dass die Hausbank und die
Lieferanten diese Regelung akzeptieren würden, soll-
122
124
126
128
130
DENTAL MAGAZIN 4/2003
te dann die Mutter von Dr. X diesen Betrag zur Verfügung stellen. Hinsichtlich des Restkredites der
Bank in Höhe von 335.000 Euro planten wir, dass
die Bank gegen Einmalzahlung von 185.000 Euro
den Verzicht auf alle weitergehenden Ansprüche
erklären und alle Sicherheiten freigeben würde. Dieser Betrag zur Ablösung der Hausbank war von einer
neuen Bank – Zug um Zug gegen Übertragung der
bestehenden Sicherheiten – zu finanzieren. Außerdem sollte die Hausbank bis zur Umfinanzierung ihre
bisherige Kontokorrentkreditlinie aufrecht erhalten,
damit der Praxisbetrieb weitergeführt werden könnte. Dafür sollte es auch bei der Abtretung der KZVAnsprüche verbleiben. Mit dem Finanzamt sollte
eine Regelung getroffen werden, nach welcher die
angepassten Vorauszahlungen in Höhe von ca.
90.000 Euro über eine Dauer von 9 Monaten mit
10.000 Euro monatlich zu tilgen sein würden.
Kürzte Dr. X auch seine Entnahmen?
Auch das war Teil des Sanierungsplans. Die Privatentnahmen vor Steuern und Ärzteversorgung sollten zunächst auf 4.750 Euro und später auf 2.600
Euro reduziert werden.
Und wenn eine außergerichtliche Sanierung
gemäß solcher Vorgaben nicht gelingt?
Dann ist im folgenden gerichtlichen Insolvenzverfahren die so genannte Gruppenbildung von Bedeu-
3
EXISTENZ
5
Birgit Tambaur im Gespräch mit RA Thomas Bischoff, Köln
9
PRAXISSANIERUNG (TEIL 2 VON 3)
7
11
13
15
17
19
21
tung. Auf Grundlage eines solchen Sanierungsplans
kann die Schuldenregelung mit gerichtlicher Hilfe
durchgesetzt werden. Gemäß § 309 Insolvenzordnung (InsO) wird diese Zustimmung erreicht, wenn
die Mehrheit der Gläubiger der einzelnen Gruppen
nach Köpfen und mindestens 50 Prozent der
Summe, welche die Ansprüche der Gläubiger einer
Gruppe ausmachen, einem solchen Plan zustimmen.
Gegebenenfalls kann das Gericht diese Zustimmung
einer Gruppe sogar ersetzen.
Welche Gruppen ergaben sich bei Dr. X?
Zur ersten Gruppe gehörte die Hausbank. Besichert
war die Bank für ihre Forderung von 335.000 Euro
durch Abtretung der Ansprüche gegen die KZV,
deren Wert auf rund 25.000 Euro geschätzt wurde.
Die Praxiseinrichtung war seiner Zeit von der Bank
finanziert worden und wurde ihr vor Kreditauszahlung sicherungsübereignet. Wäre die Praxis zu diesem Zeitpunkt zwangsversteigert worden, wäre,
23
25
Rechtsanwalt Thomas
Bischoff
27
29
31
33
35
Jahrgang 1956, praktiziert als Rechtsanwalt in
Köln. Er ist Partner der Sozietät Bischoff & Partner GbR, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer mit Sitz in Köln und Chemnitz
sowie Mitgesellschafter verschiedener Steuerberatungsgesellschaften. Seit 1989 ist er Vorstand
der Prof. Dr. Bischoff Unternehmensberatung AG.
Seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit der Gründung
von Arzt- und Zahnarztpraxen, dem Abschluss
von Gemeinschaftspraxen und Kliniken sowie der
Sanierung von Zahnarzt- und Arztpraxen.
Kontakt: Bischoff & Partner GbR, Theodor-HeussRing 26, 50668 Köln, Tel. 02 21 - 91 28 40-0,
info@bischoffundpartner.de
37
39
41
43
45
47
49
51
53
55
57
59
61
63
65
67
69
71
73
75
77
79
81
83
85
87
89
91
93
95
97
99
101
103
105
107
109
111
113
115
117
119
121
123
125
127
DENTAL MAGAZIN 4/2003
129
4
6
8
10
EXISTENZ PRAXISSANIERUNG (TEIL 2 VON 3)
Birgit Tambaur im Gespräch mit RA Thomas Bischoff, Köln
12
14
16
18
20
22
24
26
28
30
32
34
36
38
40
42
44
46
unseres Erachtens, ein Kaufpreis von max. 110.000
Euro realisiert worden. Es verblieben also unbesicherte 200.000 Euro, auf die laut Sanierungskonzept, 25 Prozent gezahlt werden sollten.
Dann gab es noch zwei weitere Gruppen: den Vermieter, der wegen der Nichtmietzahlung die Kündigung
des Mietverhältnisses aussprechen konnte und die weiteren, so genannten Insolvenzgläubiger, wie das Dentallabor.Diese verfügten über Forderungen im Gesamtwert von 150.000 Euro, die unbesichert waren. Gegen
Zahlung von 25 Prozent sollte diese Gläubigergruppe
auf den Restbetrag ihrer Forderungen verzichten.
48
50
52
54
56
58
60
62
64
66
68
70
72
74
76
78
80
82
84
86
88
90
92
94
96
98
Stimmen Gläubiger denn so einer Vereinbarung
zu?
Auch wenn die Hausbank von Dr. X mit viel Aufwand einen Maximalbetrag aus den Sicherheiten
von 135.000 Euro hätte realisieren können, so musste sie doch im Insolvenzverfahren damit rechnen,
dass Sie sich mit dem Kreditengagement über Jahre
beschäftigen muss und dann möglicherweise auch
nicht mehr Geld bekommt, als das, was sie für die
Sicherheiten erhält. Wäre nicht kurzfristig ein Käufer gefunden worden, so hätte sich dieser Wert
auch noch drastisch reduziert. Nach unserem Vorschlag sollte Sie aber mehr als die Sicherheiten
erhalten und zwar 185.000 Euro.
Alle übrigen Gläubiger hätten sich zu diesem Zeitpunkt nur mit einer niedrigen Insolvenzquote auf
die unbesicherten Forderungen zufrieden geben
müssen, die im vorliegenden Fall nahe der Null-Prozent-Grenze gelegen hätte.
Unser Quotenvorschlag war also für alle Gläubiger
allemal besser als die Beantragung eines Insolvenzverfahrens. Dieses hätte nämlich wahrscheinlich zur
Folge gehabt, dass Dr. X seine berufliche Tätigkeit
hätte aufgeben müssen und eventuell zum Sozialhilfeempfänger geworden wäre.
100
102
104
106
108
110
112
114
116
118
120
Wie erfahren die Gläubiger denn, ob es sich
lohnt die Praxis weiterzuführen?
Dies ist ein wichtiger Punkt. Unter „Informationen
über die Praxis“ erfahren die Gläubiger aus dem
Sanierungsplan, wie es um die Sanierungsfähigkeit
und die Fortführung der Praxis steht. Dazu gehören
allgemeine Praxisdaten, Informationen zur Ertragsentwicklung, zum Cash-Flow und zur Geldverwendungsrechnung sowie zur aktuellen Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG und zur steuerlichen
122
124
126
128
130
DENTAL MAGAZIN 4/2003
Situation. Geht aus diesem Teil des Sanierungsplanes hervor, dass eine Sanierung nur mit Zustimmung der Gläubiger zum Plan möglich ist, erhöhen
sich natürlich die Chancen der Zustimmung der
Gläubiger zum Sanierungsplan. Dies galt um so
mehr für das Finanzamt, da dieses seine Forderung
aus der laufenden Liquidität der Praxis beglichen
bekommen sollte.
Wie hatten Sie die Zukunftsaussichten der Praxis
eingeschätzt?
Laut Planung gingen wir zunächst davon aus,
dass die Praxiseinnahmen noch im laufenden Jahr
(zur Erinnerung: Dr. X hatte viele seiner Patienten aufgrund von Baumaßnahmen in dem Hochhaus, in dem er seine Praxis hat, verloren) auf
dem niedrigen Niveau bleiben würden. Geplant
wurden deshalb für die 1. Phase durchschnittliche
Einnahmen von 37.500 Euro monatlich. Für das
nächste Jahr planten wir die vorsichtige Anhebung um 2.500 Euro und für das darauf folgende
Jahr eine Erhöhung um weitere 2.500 Euro pro
Monat. Dies schien plausibel, da die Baumaßnahmen dann beendet sein würden. Weiterhin planten wir die Verringerung der Praxisentnahmen, da
Dr. X in eine preiswertere Wohnung umziehen
wollte.
Wie erfolgte dann die Umsetzung des Sanierungsplans?
Zunächst wurde eine neue Bank und dann eine
endgültige Regelung mit dem Vermieter gefunden.
Mit Vorliegen einer Finanzierungszusage, die unter
der Bedingung stand, dass diese im Falle der
Zustimmung aller Gläubiger zum Plan wirksam
würde, wurden kurzfristig alle Gläubiger angeschrieben und Verzichtserklärungen eingeholt. Zentrale Voraussetzung hierfür war die Einhaltung der
von Dr. X zugesicherten Begrenzung seiner Privatentnahmen.
Wir empfahlen ihm darüber hinaus, seine Praxis
ggf. durch das Eingehen einer Gemeinschaftspraxis besser auszunutzen sowie ein Behandlungszimmer an seine Ehefrau zu vermieten, sobald
diese die Zulassungsvoraussetzungen als Ärztin
erfüllt.
Wie Bank und Gläubiger auf den Sanierungsplan reagierten, lesen Sie im nächsten
Dental Magazin.
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
3
Dateigröße
77 KB
Tags
1/--Seiten
melden