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Behandlungspflege – was ist das eigentlich? - Evangelische

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Ausgabe 9 • 2010
gepflegt
Häufig gestellte Fragen
Behandlungspflege – was ist das eigentlich?
Behandlung und Pflege sind völlig unterschiedliche Tätigkeitsbereiche: Die medizinische Behandlung ist Sache des Arztes, die Pflege
gehört dagegen in die Kompetenz der Krankenschwester oder anderer
Die Kosten für die ärztlich verordnete Behandlungspflege übernehmen
die Krankenkassen nach § 37 SGB V
dann, wenn die medizinische Behandlungspflege sicher dazu führt, dass die
ärztliche Behandlung ihr Ziel erreicht.
Im Klartext: Ein an Diabetes erkrankter Mensch benötigt zum Beispiel täglich vor dem Frühstück eine Dosis
IMPRESSUM
HERAUSGEBER
Insulin. Die lebensnotwendige Gabe
muss in die Bauchhaut oder in das
Unterhautfettgewebe des Armes oder
Beines gespritzt werden. Viele Menschen und vor allem ältere Diabetiker scheuen aber oft davor zurück,
sich selbst zu spritzen, auch weil sie
zuckerbedingt bereits schlecht sehen
oder feinmotorisch nicht mehr so
geschickt sind im Umgang mit Kanülen, Spritzen und Ampullen. In diesen
Fällen überträgt der Arzt die tägliche
Insulininjektion den Pflegefachkräften
der Sozialstation. Die Behandlungspflege dient seinem ärztlichen Ziel,
den Patienten zu heilen.
Die Verordnung des behandelnden Arztes enthält die medizinische
Begründung (Diagnose) und regelt
nicht nur die Art (Injektion, Verbandwechsel etc.), sondern auch die Häufigkeit und die Zeitdauer der Leistungen. Diese Verordnung händigt er
dem Patienten aus und dieser beauftragt die Sozialstation seiner Wahl mit
der Leistungsübernahme.
Und weil ambulante Behandlungspflege patientenfreundlich, alltagstauglich
und letztlich Kosten sparend ist, konnten in den vergangenen Jahren auch
etliche äußere Verbesserungen gegen-
Blutzucker messen, Medikamente verteilen, Augentropfen verabreichen,
Kompressionsstrümpfe anziehen (Fotos im Uhrzeigersinn) – das und vieles
mehr gehört zur medizinischen Behandlungspflege.
Lebenskunst Sterben
www.lebenskunst-sterben-freiburg.de
Eine Ausstellung in Freiburg mit
Vorträgen und Veranstaltungen
zum Thema Sterben und Leben
kurz vor dem Tod
Evangelische Sozialstation Freiburg im
Breisgau e.V. • Telefon 0761/27130-0
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Breisgau GmbH • Telefon 0761/8885250
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Die Kirchlichen Sozialstationen reichen die Verordnung zur häuslichen
Behandlungspflege bei der Krankenkasse ein, beantragen damit die
Kostenübernahme für die Leistungen und rechnen die Leistungen der
Behandlungspflege auch direkt mit der
Krankenkasse ab.
Foto: © LUMIERES_fotolia.com
S
pritzen setzen, Verbände wechseln, Medikamente verteilen,
Blasenkatheter anlegen, Darmspülungen vornehmen, Puls und Blutdruck messen, Infusionen überwachen, Kompressionsstrümpfe anziehen und vieles mehr – das gehört
zur medizinischen Behandlungspflege. Allen diesen Tätigkeiten gemeinsam ist: Es sind ärztliche Leistungen, die der Arzt aber delegieren
kann, und zwar ausschließlich an fachlich qualifiziertes Personal. Die Kirchlichen Sozialstationen in Freiburg
leisten die Behandlungspflege seit
jeher. Sie ist neben der Grundpflege
(Hilfe bei der Körperpflege) und der
hauswirtschaftlichen Versorgung die
größte Leistungssparte unserer Pflegedienste.
Als ambulantes Leistungsangebot
gewinnt die Behandlungspflege zunehmend an Bedeutung. Weil Krankenhausaufenthalte immer kürzer werden
müssen und viele Therapien aus dem
stationären in den häuslichen Bereich
verlagert werden, wird auch das Spektrum der Behandlungspflege immer
größer. So gehören seit einiger Zeit
auch Schmerztherapien durch Infusionen über spezielle Pumpen ebenso
dazu wie die so genannte Vakuum-Versorgung von Wunden.
Foto: © LUMIERES_fotolia.com
Foto: © Gina Sanders_fotolia.com
Foto: © Ramona Heim_fotolia.com
Gesundheitsfachberufe. Was aber ist dann Behandlungspflege?
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Veranstalter sind
u.a. die Evangelischen und Katholischen Kirchen in
Freiburg.
Unsere Pflegefachkräfte tauschen sich
mit dem jeweils behandelnden Arzt
regelmäßig aus, um den Erfolg der Therapie oder auch auftretende Komplikationen zu besprechen. Die Behandlungspflege kann für eine begrenzte Zeit verordnet werden, zum Beispiel bis ein „offenes Bein“ am Unterschenkel abgeheilt ist, oder aber auch
auf Dauer, wie in der oben erwähnten Therapie von Diabetikern. Wenn
es um die Verabreichung von Medikamenten geht, legen wir sehr viel Wert
darauf, dass der behandelnde Arzt die
Verordnung um einen Medikamentenoder Therapieplan ergänzt.
über den Kostenträgern durchgesetzt
werden: So kann Behandlungspflege
heute nicht nur im der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus, sondern
auch in Werkstätten für Behinderte, in
betreuten Wohnformen oder bei Kindern in Kindergärten und Schulen in
Anspruch genommen und geleistet
werden. ■
prechen Sie uns an, wenn Sie
S
zur Behandlungspflege noch
mehr wissen möchten.
Wir informieren Sie gerne.
Ausgabe 09 • 2010
gepflegt
Hauszeitung der Kirchlichen
Sozialstationen in Freiburg i. Br.
Pflegeexperten mit Wissen und Können
Es grüßt Sie herzlich
Rupert Niewiadomski
Geschäftsführer der Katholischen
Sozialstation Freiburg GmbH
ilfe und Beratung
ge , H
Pfle urch die Diakonie
d
Evangelische Sozialstation
Freiburg im Breisgau e.V.
Foto: © Gina Sanders_fotolia.com
Wir versorgen Ihre Wunden
Jeder kennt das: Eine kleine Schürfwunde, eine harmlose Stichverletzung oder ein aufgeschlagenes
Knie tun zwar im ersten Moment sehr weh, lassen sich aber einfach behandeln und sind bald auch
wieder vergessen. Aber es gibt es auch komplizierte und schlecht heilende Wunden. Sie müssen, um
Schlimmeres zu verhüten, durch speziell dafür ausgebildete Fachleute behandelt werden. Zu den
Wundexperten, die mit dem Haus- oder Facharzt Hand in Hand arbeiten, gehören auch spezielle
Pflegefachkräfte der Kirchlichen Sozialstationen in Freiburg.
W
er älter ist oder an einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Venenschwäche oder an Durchblutungsstörungen leidet, gehört zu den Risikopatienten, bei denen eine Hautverletzung zu einer chronischen Wunde führen kann. Bettlägerige Personen neigen
zum Wundliegen (Dekubitus). Wenn die Wundheilung
gestört ist, sollte man nicht lange selbst experimentieren,
sondern sich zügig an die Sozialstation oder den Hausarzt
wenden. Die Wundmanagerinnen der Sozialstation sorgen
für das erforderliche Wundheilungs- und Verbandmaterial
und führen die Wundtherapie nach den neuesten Erkenntnissen durch. Möglicherweise sind weitere Therapien wie
zum Beispiel Physiotherapie erforderlich. Auch darüber
kann man mit den Wundexperten der Kirchlichen Sozialstation sprechen, die gerne beraten.
Für die Patienten, die aus der Klinik entlassen werden und
zu Hause eine Wundversorgung benötigen, sorgen die
Evangelische Sozialstation Freiburg im Breisgau e.V. • Dreisamstraße 5 • 79098 Freiburg
Telefon 0761/27130-0 • Fax 0761/27130-135
Geschäftsführer: Johannes Sackmann • Pflegedienstleitung: Margit Lieser
sozialstation@evsozialstation-freiburg.de • www.evsozialstation-freiburg.de
Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau • Konto-Nr. 2001014 • BLZ 68050101
Katholische Sozialstation Freiburg im Breisgau GmbH • Kirchstraße 6 • 79100 Freiburg
Telefon Pflegedienstleitung 0761/88852522 • Fax 0761/88852525
Geschäftsführer: Egon Engler • Rupert Niewiadomski (Pflegedienstleiter)
info@ksst-freiburg.de • www.katholische-sozialstation-freiburg.de
Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau • Konto-Nr. 2053646 • BLZ 68050101
Das leistet ein Wundmanagement
in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt
E
inschätzung der Wunde und Wundheilungsphase
Wahl der geeigneten Wundauflage
Wahl der geeigneten Begleittherapie
Durchführung der Wundversorgung
Mitarbeitenden von PiA Pflege im Anschluss für einen
komplikationslosen Übergang von der klinischen in die
häusliche Versorgung: Die bisherige Wundversorgung der
Klinik kann so zu Hause nahtlos weitergeführt werden.
Die Versorgung einer Wunde wird zunächst von den
Wundexperten eingeleitet und dann von Pflegefachkräften
weitergeführt. Alle Maßnahmen, die zur Wundheilung
notwendig sind, und der Verlauf einer Heilung werden in
der Pflegedokumentation genau notiert und an den behandelnden Arzt weitergegeben. So sind unsere Patienten
durch das Wissen und Können der Kirchlichen Sozialstationen auch bei schwierigen Wunden bestens versorgt. ■
Siehe Rückseite
Ihre Adresse
Name
Kirchliche Sozialstation Tuniberg e.V.
1
Freiburg-Opfingen
Telefon 07664/3057 • Fax 07664/912000
Geschäftsführerin: Theresa Krötz • Pflegedienstleiter: Michael Geißer
info@sozialstation-tuniberg.de • www.sozialstation-tuniberg.de
Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau • Konto-Nr. 2392390 • BLZ 68050101
• Dürleberg
• 79112
Straße
Ort
Telefon
✃
lange vor unserer Zeit war der Barbier zugleich
auch der Chirurg. Wer darin geschickt war,
Bart- und Kopfhaaren zu Leibe zu rücken,
konnte seine Kunst ebenso bei allerlei Krankheiten anwenden, die das beherzte Vorgehen mit
einem scharfen Messer nötig machten. Die Zeiten
haben sich mächtig geändert und in der Medizin
setzen wir bereits seit Jahrzehnten alles daran,
immer bessere Ergebnisse durch immer präziseren
Einsatz von Mensch und Technik zu erzielen. Es
gibt Ärzte und Kliniken für spezielle Diagnosen
und spezielle Therapeuten für spezielle Behandlungen. Daran haben wir uns gewöhnt. Relativ
neu ist dieser Trend jedoch in der häuslichen
Krankenpflege. Die Kirchlichen Sozialstationen
in Freiburg lassen inzwischen pflegerische Fachkräfte zu Spezialisten für bestimmte Aufgaben
weiterbilden. Das Wundmanagement, das wir
gleich hier auf dieser Seite vorstellen, gehört dazu.
Mit unseren zu Spezialisten ausgebildeten Pflegekräften bieten wir so neuestes pflegerisches Knowhow, das vor allem dazu beiträgt, Krankenhausaufenthalte unserer Patienten zu verkürzen oder
sogar ganz zu vermeiden.
Lesen Sie außerdem in dieser Ausgabe von
GEPFLEGT ZU HAUSE: Lebensqualität und
Hilfen im Alltag für Menschen, die an Demenz
erkrankt sind. Und: Was ist das eigentlich –
Behandlungspflege?
Foto: © Andrzej Bardyszewski_fotolia.com
Liebe Leserin,
lieber Leser,
Ausgabe 9 • 2010
gepflegt
Demenz
Lebensqualität und Hilfen im Alltag
Rund zwei Drittel der Demenzkranken werden zu Hause in der eigenen Familie versorgt. Das vertraute Umfeld trägt
häufig dazu bei, dass die Kranken trotz der fortschreitenden Demenz weniger aufbrausend und wütend reagieren.
Foto: © Simone van den Berg_fotolia.com
Demenzkranke haben häufig einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Wenn immer möglich, sollten sie daher umherlaufen können –
in der Wohnung, im Haus, im Garten.
Ihr Absender: siehe Rückseite
Sage und Schreibe
Wie gefällt Ihnen Gepflegt zu Hause? Welche Informationen sind für Sie
besonders interessant? Was fehlt Ihnen in dieser Ausgabe? Ihre Meinung
ist für uns wichtig. Und: Nennen Sie uns Ihr Wunschthema für die nächste
Ausgabe. Durch Ihre Ideen und Anregungen werden wir noch besser.
Denken. In dem Moment, wo ihnen
eine Situation unverständlich erscheint
oder sie nicht zurechtkommen, fangen
sie an, ihre eigene Ordnung zu schaffen,
was sie aber nicht mehr mit dem Verstand steuern können. Was wir als „verwirrtes Verhalten“ empfinden, ist der
Versuch, Orientierung und Ordnung
zu schaffen und alles „richtig hinzukriegen“. Demenzkranke wollen oft möglichst alles selbst machen, empfinden
Hilfe schnell als Bevormundung und
Übergriff. Sie nutzen alle vorhandenen
Fähigkeiten, um sich und ihr Leben
(und das der Familie) zu ordnen.
Fachleute sehen in diesem Verhalten
eine, wie sie es nennen, „ausgeprägte Tendenz, sich selbst zu aktualisieren“. Neue
Untersuchungen bestätigen das und zeigen, dass Demenzkranke zunehmend
zufriedener werden, je mehr Freiraum
sie zur eigenen Gestaltung haben. Sie
sind ruhiger und weniger abweisend zu
Angehörigen oder anderen Menschen,
die zu ihnen ins Haus kommen. Auch Mimik
und Gestik
drücken Zufriedenheit
aus. Das
kann man
bei einem
Demenzkranken beobachten, der
vielleicht mehr als
eine Stunde konzentriert mit etwas beschäftigt ist, das ihm sinnvoll
erscheint. Zwei Beispiele: Ein 80-jähriger an Demenz erkrankter Mann reinigte in seinem Garten mit Hingabe
Blumentöpfe. Weil seine Frau die alten
und zum Teil kaputten Töpfe eigentlich
wegwerfen wollte, hatte sie ihn zunächst
lange daran gehindert, damit zu hantieren. Dabei verschaffte ihm diese
„Arbeit“ Freude und Genugtuung.
Eine 79-jährige demenzkranke Frau, die
eine eigene Wohnung im Haus ihrer
Tochter bewohnt, räumte regelmäßig
ihre Schränke komplett aus und ein
und brachte damit objektiv alles durcheinander. Die verzweifelte Tochter versuchte anfangs ständig, das Chaos zu
bändigen. Seit sie es eines Tages aufgab,
in die subjektive Ordnung der Mutter einzugreifen, ist Ruhe im Haus. Die
Tochter musste ihre eigene Vorstellung
von Ordnung verändern, seitdem ist
die Mutter deutlich zufriedener. Gegenstände, die die Tochter in der Wohnung
der Mutter braucht (zum Beispiel Putz-
Putzfimmel - von
wegen! Wer demenzkrank ist, hat unter
Umständen eine
ganz eigene Vorstellung davon,
was erledigt
oder in Ordnung
gebracht werden muss. Logisch
zu argumentieren hilft
nicht weiter.
Foto: © NuStock_istockphoto.com
Ordnungssinn: Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens Verhaltensweisen, die ihm helfen, das eigene
Leben zu gestalten, innere und äußere Ordnung zu schaffen und Wohlbefinden zu erreichen. Um sich im eige-
nen Leben „einzurichten“, muss man
vor allem selbstständig handeln können. Sobald wir spüren, dass uns das
in bestimmten Situationen nicht möglich ist (zum Beispiel wegen Krankheit, finanzieller Engpässe, Kontrolle,
Druck etc. im beruflichen oder privaten
Umfeld), mobilisieren wir normalerweise Energien, um unsere Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu erhalten.
Wir verteidigen „unsere Welt“. Diese an
sich völlig normale und durchaus gesunde Reaktion verstärkt sich oft im Alter
und wird dann – eigentlich zu Unrecht
– als „Altersstarrsinn“ bezeichnet.
Bei Demenzkranken fehlen jedoch
Regelmechanismen wie das logische
✃
A
ggressives Verhalten ist ja
etwas, womit man im Verlauf
der Krankheit sonst durchaus
rechnen muss. Allerdings kommt es
gerade in der häuslichen Pflege oftmals
dazu, dass der Kranke seine Wohnung,
das Haus oder den Garten als sein
„Reich“ ansieht und meint, es gegen
„Eindringlinge“ verteidigen zu müssen.
Wie kommt es dazu?
Ausgabe 9 • 2010
Foto: © Miss X_photocase.com
Essen to go: Der Bewegungsdrang
macht auch vor Hunger und Essen nicht
halt. Es bringt jedoch nichts, den Kranken zu drängen, sitzenzubleiben. Auch
hier gilt: umdenken! Was die Kunden der amerikanischen Schnell-Cafés
Ideal sind Speisen, die leicht aus der
Hand gegessen werden können.
schätzen, kann man auch zu Hause
bieten: Essen to go, Essen zum Mitnehmen. Eine Möglichkeit ist, einem
demenzkranken Menschen, der gerne
mit dem Essen wandert, ein kleines
Tablett mit hohem Rand in die Hand
zu geben, damit während des Laufens
nichts oder zumindest nicht so viel verloren geht. Da Demenzkranke nur Essund Trinkgefäße benutzen, die sie auch
als solche erkennen können, sind Schnabelbecher & Co. ungeeignet. Ideal sind
Speisen, die leicht aus der Hand geges-
Schlafstörungen: Demenzkranke leiden häufig unter Schlafstörungen,
sowohl beim Ein- als auch beim Durchschlafen. Da ein Demenzkranker die
Gründe dafür nicht nennen kann, muss
man sich als Angehöriger oder Betreuender auf die Ursachensuche machen.
Zu den äußeren Ursachen für Einschlafstörungen zählen Lärm, Licht, ein überhitzter oder zu kühler Schlafraum. Kalte
Füße sind oft ein Grund für Schlafstörungen, aber auch Hunger, Luftnot
oder Schmerzen, die der Kranke nicht
mehr äußern kann. Oft liegt es aber
auch einfach nur daran, dass der Kranke tagsüber kleine Nickerchen macht
und deshalb den Nachtschlaf nicht mehr
braucht. Hier gilt: Mehr als ein kurzes
Mittagsschläfchen ist unnötig.
Durchschlafstörungen sind häufig durch
Angstzustände bedingt.
Der Kranke kann Traum
und Realität nicht mehr
auseinander
halten.
Sind keine Ursachen
für die Schlafstörungen
erkennbar, sollte man
sie immer durch einen
Arzt klären lassen.
Das Einschlafen erleichtern besonders Einschlafrituale. Wer früher vor dem Schlafen
gerne noch etwas gelesen hat, sollte auch und
gerade jetzt in diesen
Genuss kommen, wo
er es selbst nicht mehr
kann. Man kann einem
Demenzkranken selbst
etwas vorlesen, aber
auch Hörbücher können
hier helfen. Auch wenn
der Kranke die Inhalte
Ein Kuscheltier ist
eine wunderbare
Einschlafhilfe.
Foto: © Thomas K._photocase.com
Bewegungsdrang: Viele Demenzkranke haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Sie werden unruhig und
zum Teil aggressiv, wenn sie ihm nicht
nachgeben können. Wenn immer möglich, sollten Demenzkranke daher laufen können – im Haus, im Garten.
Da es problematisch sein kann, wenn
der Kranke alleine die Wohnung verlässt, kann man solche Gegenstände
aus dem Blickfeld räumen, die dazu
anregen könnten, dass er sich auf den
Weg machen will (Mantel, Schirm, Straßenschuhe, Schlüssel etc.) Da bereits
der Anblick einer Wohnungstür einen
Demenzkranken auf die Idee bringen
kann, unbedingt nach draußen zu wollen, kann man probieren, die Tür mit
einem Vorhang zu verdecken. Fachleute warnen jedoch ausdrücklich davor,
einen an Demenz erkrankten Menschen einzusperren oder gar festzubinden. Das ist menschenrechtverletzend
und Freiheitsberaubung.
sen werden können, die aber nicht kleckern, kleben oder bröseln.
Die für Demenz typische Unruhe kann
zu einem erhöhten Kalorienbedarf führen. Dadurch und durch das veränderte und ungewöhnliche Essverhalten
besteht jedoch immer das Risiko, dass
der Kranke nicht ausreichend isst und
vor allem trinkt. Deshalb ist es sinnvoll,
Essen nicht nur zu den üblichen Mahlzeiten anzubieten, sondern Lieblingsspeisen und Getränke immer in Sicht –
und Reichweite des Kranken zu platzieren. So kann er etwas zu sich nehmen, wenn es ihm gerade in den Sinn
kommt.
Soll man also gänzlich auf einen gedeckten Tisch, Essensrituale, feste Mahlzeitenangebote usw. verzichten? Nein. Es
kommt eher darauf an, flexibel zu reagieren und Essen to go ergänzend anzubieten.
Foto: © Simone van den Berg_fotolia.com
oder Kochgeschirr), bringt sie inzwischen jeweils aus der eigenen Wohnung mit, weil alles Suchen keinen Sinn
macht. Sie weiß: Bloß nicht diskutieren,
weil die Mutter wegen ihrer Krankheit
noch so gute Argumente nicht mehr
versteht.
gepflegt
nicht mehr
versteht, weckt
die
Zuwendung
meist gute Erinnerungen. Auch Musik,
ein Kuscheltier, ja sogar ein lebendes
Haustier wie eine Katze oder ein Hund
sind wunderbare Einschlafhilfen. Bei
Haustieren gilt allerdings: Der Demenzkranke muss auch früher schon gerne
mit Tieren umgegangen sein.
Im Winter bewirken Wärmeflaschen
kleine Wunder. Schlafmittel sind aus
vielen Gründen am wenigsten geeignet
und sollten zudem nur nach ärztlicher
Verordnung verabreicht werden.
Schmerzen: Ein Mensch, der an Demenz
erkrankt ist, empfindet zwar Schmerzen, kann aber nicht mehr sagen, wie
weh es tut und wo genau. Demenzkranke sind also bei Schmerzen immer auf
die Einschätzung von außen angewiesen. So können bisher nicht beobachtete Verhaltensauffälligkeiten ein Hinweis auf Schmerzen sein. Weil Fachleute
inzwischen eine Reihe von Möglichkeiten haben, Schmerzen auch dann einzu-
Ratgeber für Angehörige
und für professionell
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Die Welt der Demenzkranken – Leben im Augenblick
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schätzen, wenn der Betroffene sich nicht
darüber äußern kann, ist es für Angehörige ratsam, bei Verdacht auf Schmerzen den Pflegedienst oder den Hausarzt
anzusprechen. n
Quelle: Siegfried Huhn, Krankenpfleger
und Gesundheitspädagoge, Berlin
Redaktion: GRIESHABER Redaktion + Medien, Bonn
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