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Melktechnik: Es ist nicht alles Gold, was glänzt - Swissmilk

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Melken
Melktechnik: Es ist nicht
alles Gold, was glänzt
Über 50 % der neu installierten Melkanlagen weisen Mängel auf. Das haben Michael Kerger
und Christian Natrop, Milcherzeuger-Beratungsdienst der Landwirtschaftskammer NRW, festgestellt. Die Schwachpunkte sind zum Teil gravierend.
Häufigste Mängel: Undichte Vakuumleitungen und fehlendes Gefalle
der Melkleitung machen fast die H älfte der gefundenen Fehler an neuen
Melkanlagen aus. Darüber hinaus
werden viele Anlagen mit zu geringen
Leitungsquerschnitten installiert.
Die Fehlerliste geht weiter mit
fehlerhafter Pulsation, ungenauem
Vakuummeter, defekten oder verschmutzten Regelventilen sowie
einem zu hohen Staudruck in der
Abluftleitung der Vakuumpumpe.
Auch fehlerhafte Entwässerungsventile waren zu finden . Einige Anlagen
waren außerdem n.icht geerdet.
Viele kleinere Mängel konnten
direkt vor Ort mit dem Kundendienst
behoben werden. Somit stand sofort
eine voll funktionsfahige Melkanlage
zur Verfügung. Manche Mängel (z. B.
zu kleine Leitungsquersch nitte)
erforderten jedoch einen erheblichen
Aufwand bis sie beseitigt waren.
Zu hoher Staudruck: Häufig fehlt der
vorgeschriebene Messp unkt zur
Ermittlung des Staudrucks in der
Abluftleitung der Vakuumpumpe.
Verschmutzungen im Schalldämpfer
und in der Abluftleitung führen zu
erhöhtem Verschleiß der Pumpe.
R 34 top agrar 2/2012
Vakuum nicht genau genug: Bei der Messung der Genauigkeit des
Vakuummeters an der Anlage stellen wir sehr häufig Abweichungen von
über ] kPa fest. Hier muss nachjustiert werden. Die Höhe des eingestellten
Vakuums ist Anlagen -spezifisch. Die DIN ISO-Norm macht zwar keine
Vorgaben bezüglich des eingestellten Vakuums, aber der Hersteller.
Es ist sinnvoll, das Vakuummeter an einer Stelle der Anlage einzubauen,
an der der Melker während des Melkens die Vakuumhöhe überwachen
kann, ohne den Melkstand verlassen zu müssen.
Verschmutzte Regelventile:
Regelventile sind dazu da, das
eingestellte Betriebsvakuum
stabil zu halten - auch bei
plötzlichen Lufteinbrüchen.
Neben dem "normalen"
Verschleiß, verschmutzen
Regelventile im Laufe der Zeit.
Werden in neue Melkanlagen
"gebrauchte" Ventile eingebaut, führt dies regelmäßig zu
Fehlfunktionen. Sie müssen
deshalb gewartet werden. Hier
das demontierte Regelventil.
Vakuum nicht stabil: Luftleitungen
sind oft falsch dimensioniert oder
undicht. Das fü hrt zu instabilen
Vakuumverhältnissen und geHihrdet
deshalb die Eutergesundheit der Tiere.
Die Messungen dazu werden am
Milchabscheider oder an der Vakuumpumpe mit einem Luftdurchtluss-Messgerät durchgeführt. Über Messblenden
strömt eine definierte Luftmenge in die
Anlage, um sie "zu belasten". Durch eine zweite Messung an definierten Messpunkten sind Aussagen zu Strömungswiderstand, Dimensionierung der Luftleitung und Leckagen möglich.
Mangelhafte Erdung: Bemängelt
wurde häufig ein fehlender
Potenzialausgleich (Erdung) an
der Milchleitung und am Standgerüst. Eine fachgerechte Erdung ist
allerdings nicht Sache der
Melkanlagenhersteller, sondern
muss mit dem Elektroinstallateur
abgestimmt werden. Ist der
Melkstand nicht geerdet, kommt
es zu Kriechströmen in der
Anlage. Darauf reagieren Kühe
sehr empfindlich. Sie betreten nur
widerwillig den Melkstand, sind
unruhig und schlagen die Melkzeuge häufiger ab.
top agrar 2/2012 R 35
Melken
Kein ausreichendes Gefälle: In
mehreren Anlagen war das Gefalle der
Milchleitung zum Milchabscheider
nicht ausreichend. Sie muss ein gleichmäßiges Gefalle zum Milchabscheider von etwa 1 % und mehr haben, um
einen zügigen und gleichmäßigen Milchtransport zu gewährleisten.
Wenn das nicht der Fall ist, kommt es
zu einem Rückstau der Milch bis zur
Zitze. Folge: Ein Zitzenwaschen,
verbunden mit einem erhöhten Infektionsclruck und gleichzeitig langen
Melkzeiten.
Anschlüsse undicht/Gefälle fehlt:
Puls- und Luft leitung müssen mit
ausreichend Gefalle in Richtung eines Entwässerungsventils verlegt
sein. Sonst sammelt sich Wasser in
der Anlage. Oft schließen die Entwässerungsventile schlecht. Folge:
Luft tritt ungewollt ein, die Vakuumund Luftverh ältnisse verschlechtern
sich, so dass die Eutergesundheit
leidet. Gleiches gilt für schlecht verklebte Rohrleitungen und Vakuumanschlüsse an den Rohrleitungen.
Fehlerhafte Pulsatoren: Pulszahl und
Pulsverhältnis weichen häufig von den
Vorgaben der Hersteller und von den
Toleranzwerten der DIN-Normen ab.
Fehlerhafte Pulsatoren haben gravierende Auswirkungen auf die Eutergesundheit! Daher müssen Pulsatoren regelmäßig geprüft werden.
Generell werden immer alle
Pulsatoren einer Melkanlage gemessen.
Dazu wird das elektronische Messgerät zwischen dem kurzen Milchschlauch und dem Anschluss der
Melkbecherhülse eingebaut.
Wer prüft was?
Düse verstopft: Die Lufteinlassdüsen am Melkzeug sind häufig verstopft. Das führt
dazu, dass die Milch nicht schnell genug abgeführt wird. Es kommt zum so genannten Zitzenwaschen mit der Gefahr eines erhöhten Infektionsdrucks auf die Zitzen.
Außerdem kann sich im Sammelstück bei verstopften Düsen ein erhöhtes Vakuum
aufbauen und damit das Zitzengewebe überstrapazieren. Damit verbunden sind
sichtbare Zitzenhaut-Verfarbungen und einhergehende Euterentzündungen.
Die Leckluft bzw. der Lufteintritt am Melkzeug wird mittels eines Schwebekörper-Messgerätes gemessen. Über eine Differenzmessung kann der Lufteintritt
über die Lufteinlassdüse ermittelt werden.
R 36 top agrar 2/2012
In Nordrhein-Westfalen hat die
Landwirtschaftskammer mit den
meisten Melktechnik-Herstellern
eine Vereinbarung, so dass Neuanlagen generell von Fachberatern
des Milcherzeuger-Beratungsdienstes überprüft werden .
Dabei wird die Anlage "trocken",
also nicht unter Melkbedingungen,
überprüft. Die Hersteller tragen für
diese Prüfung die entstehenden
Kosten. Die Melkanlagen-Prüfung beeinhaltet Vakuum- und
Luftdurchflussmessungen, sowie
die Prüfung von Pulsation und
Anlagenbauteilen. Der Check
erfolgt nach bestimmten DIN-Normen (DIN ISO 6690). Angeboten
wird eine unabhängige Prüfung in
jedem Bundesland und zwar entweder vom Landeskontrollverband
oder von Tiergesundheitsdiensten
bzw. Eutergesundheitsdiensten. Der
zeitliche Aufwand beträgt je nach
Größe der Melkanlage zwischen
zwei und sechs Stunden .
Eine jährliche Überprüfung der
Melkanlage so llte genauso selbstverständlich sein wie die jährliche
Inspektion des Schleppers.
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Kategorie
Technik
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