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Energieeffizienz, Klima- und Ressourcenschutz: Was der - EOT

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06.06.14 15:29:25
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Sonntag
11. Mai 2014
Energieeffizienz, Klima- und Ressourcenschutz:
Was der Märkische Kreis alles zu bieten hat
Klimatour: „Wir konnten nicht sechs bis neun Monate auf Fördermittel warten“. Viele spannende Einblicke, aber nur eine unendliche Treppe
VON SUSANNE FISCHER-BOLZ
...................................................
Märkischer Kreis. Ohne Nahrung kann der Mensch drei
Wochen überleben, ohne
Flüssigkeit bis zu drei Tage,
Ohne Atemluft keine drei
Minuten. Aber von Lüftungsanlagen haben die
meisten
Leute
keinen
Schimmer. Und: Wir duschen, kochen, waschen,
reißen dann die Fenster auf
– und schicken nicht nur
die Feuchtigkeit, sondern
auch die Wärme ins Nirgendwo. „1992 haben wir
den Thermolüfter entwickelt – als erstes dezentrales
Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung“,
erzählt
Diplom-Ingenieur
Klaus
Grieb von LTM Lüftungstechnik. Heute, 22 Jahre
später, zählt die Meinerzhagener Firma zu den Marktführern in Deutschland,
kämpft mit bürokratischen
Hürden („Wenn wir tolle
Ideen haben, müssen die
erst durch das Genehmigungsverfahren und dann
dauert es zwei Jahre“) und
möchte auch gern in der Region
bekannt
werden.
Schließlich legt man bei
LTM mittlerweile auch ein
großes Augenmerk auf öffentliche Gebäude, Kindergärten und Schulen. Bei der
Sanierung von feuchten Gebäuden können bis zu 92
Prozent Wärmerückgewinnung erzielt werden. Interessant auch für den Märkischen Kreis? Zumindest war
der richtige Besuch im
Haus. Denn im Rahmen der
„Klimatour“ war das Interesse der Gäste an Informationen, an Innovation und
an Input riesengroß. Landrat Thomas Gemke, Kreisdirektorin Barbara DienstelKümper und die Klimaschutzbeauftragte
Petra
Schaller, die die Klimatour
organisiert hatte, waren mit
insgesamt 80 interessierten
Bürgern in dieser Woche
drei Tage unterwegs – und
zwar einmal quer durch den
Märkischen Kreis.
Das Anliegen der ersten
Klimatour: die Präsentation
der Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz, Klima- und Ressourcenschutz.
Und so besuchten die Gruppen Anlagen der erneuerba-
Wolfgang Roll, Geschäftsführer von EOT Korrosionsschutzsysteme (2.v.r.), führte die Klimatour-Gäste durch seine Firma.
Fotos: sanna
ren Energien (Wasserkraft,
Windenergie, Sonnenenergie und Biogas) und Firmen,
die bereits mit Umweltpreisen ausgezeichnet wurden
oder ihre Produktionsabläufe energieeffizient umgestellt haben, neue Ideen verwirklichen konnten oder
geschlossene Stoffkreisläufe
(Recycling) haben.
„Die Tour war ein großer
Erfolg“, resümiert Landrat
Thomas Gemke, der sich
sehr beeindruckt von den
vielen
unterschiedlichen
und gleichwohl spannenden
Projekten zeigte. „Die Klimatour war auch Neuland
für uns. Und es hat jetzt
schon die Anregung gegeben, so etwas zukünftig
vielleicht an einem Samstag
anzubieten. Die Frage ist ja,
ob sich Interessierte in der
Woche extra einen Urlaubstag nehmen“, so Gemke.
Erste Station war übrigens
die Firma EOT in Lüdenscheid, die auf Beschichtung
von
metallischen
Oberflächen spezialisiert ist.
Beim Firmenneubau an der
Golsberger Straße sind 1,8
Millionen Euro in eine innovative
Energiegewinnung
geflossen. Die benötigte
Energie der Firma wird über
zwei Blockheizkraftwerke
(BHKW) gewonnen. Nur zu
einem ganz geringen Anteil
wird noch Erdgas genutzt.
Das Besondere ist, dass in
die BHKW die lösemittelhaltige Abluft der Maschinen
als Energielieferant eingespeist wird. Das Prinzip ist
bisher einzigartig. Der so
entstehende Strom wird im
Produktionsprozess
verbraucht. Die entstehende
Wärme wird zur Gebäudeheizung genutzt. Fördermittel hätte es sicherlich für
die Innovation gegeben –
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„Wenn wir tolle
Ideen haben, müssen
die erst durch das
Genehmigungsverfahren und dann
dauert es zwei Jahre“
Klaus Grieb
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„aber darauf konnten wir
jetzt nicht sechs bis neun
Monate warten“, sagt Wolfgang Roll, Geschäftsführer
von EOT.
Ein bisschen matschig
wurde der Besuch in
Schalksmühle: 2002 wurde
die Windkraftanlage Wersbecke aufgebaut, damals
mit ihren 100 Metern Höhe
die größte Anlage im Märkischen Kreis, die rein rechnerisch Strom für 7000 Men-
schen liefert – und ab dem
kommenden Jahr ein großes Lüdenscheider Unternehmen quasi als Alleinversorgerin beliefern wird.
Durch ein ausgeklügeltes
System wird es möglich, die
gesamte regenerative Energie einzusetzen. „Zweimal
im Jahr wird die Anlage
komplett auf den Kopf gestellt und Einzelteile geröntgt“, so Robin Beckmann, Geschäftsführer der
Ruhrwind GmbH, der unterdessen sein Elektroauto an
der Windkraftanlage per
Stecker auflud und nicht
nur mit den Gästen über
E-Mobilität diskutierte, sondern auch Richtung Energieversorger RWE stichelte:
„Wenn ich die Reklame sehe: ‚Wir gehen voran‘, dann
frage ich mich: ‚Wohin
denn?‘“ Der Blick rein in die
Windkraftanlage war dagegen eher unspektakulär –
unzählige Sprossen an der
Wand gen Himmel – und jeder war sich einig, dort niemals hinauf zu wollen.
Hoch nach oben, zumindest, was die Energieeffizienz betrifft, will auch die
Firma Mayweg aus Halver.
Seit mehr als 50 Jahren fertigt Mayweg Kunststoffartikel, Kunststoffformteile und
Spritzgussteile. „Kunststoff
– alles andere ist Plastik“
lautet das Motto der Firma,
bei der sämtliche Artikel
frei von gesundheitsschädlichen Schwermetallen sind.
Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit der Produkte
spielen eine große Rolle.
Auch die Verpackungen
sind recycelbar. Ein Umwelt- und Energiemanagementsystem unterstützt alle
Produktionsprozesse. „Die
größte Herausforderung ist
es, alle Mitarbeiter mitzunehmen“, sagt Thomas
Stahl. Die Investition in moderne energieeffiziente Maschinen hat zu großen Einsparungen im Energiebereich geführt. Energiekosten sind für eine Firma in
dieser Branche ein enormer
Kostenfaktor. Geschäftsführer Bernd Jannack sprach allerdings auch Klartext: „Der
Stromkostennachteil ist für
uns eine Vollkatastrophe“ –
und bei aller Wichtigkeit
des Umweltthemas spiele
der Preis die Hauptrolle im
Geschäft.
Wenig zu schauen, aber
viel zu hören gab es beim
Stop am Schulkomplex in
Kierspe. Dort gibt es zwei
Schulen, eine große Sporthalle und ein Schwimmbad.
Das Schwimmbad hat keinen eigenen Netzanschluss,
sondern wird ausschließlich
über ein BHKW mit Strom
und Wärme versorgt. Ein
weiteres BHKW bedient die
anderen Gebäude. Auf fast
allen Dächern sind Photovoltaikanlagen
installiert.
Eine Ringleitung als Herzstück versorgt alle Gebäude
mit Wärme. Innovativ ist,
dass „Grün-Energie“ in diesem System immer Vorrang
hat. Die Fernüberwachung
geschieht im Rathaus. Hartwig Benne vom Gebäudemanagement der Stadt sieht
die Investitionen gut getätigt, die CO2-Einsparungen
liegen bei 1605 Tonnen.
Ebenfalls besucht wurden: die
Biogasanlage Bedehäsing in
Iserlohn, HJS Emission Technology in Menden, der Sauerlandpark Hemer, Sotec Solar in Herscheid, das Aqua Magis in Plettenberg, Georg Fischer Automotive Werdohl, Hagebaumarkt
Floraland Arens & Hilgert in
Neuenrade und Müller Transportmittel in Balve.
Windkraftfachmann Robin Beckmann (Mitte) im Gespräch.
Die nächste große Herausforderung unserer Gesellschaft sei
es, auf E-Mobilität umzurüsten.
Und so sieht die Windkraftanlage von innen aus.
Andreas Meyer (2.v.r.), Firma Mayweg.
Nach ihrer Sanierung dürfte die Wasserkraftanlage Schwarzenstein eine der leistungsfähigsten im Märkischen Kreis sein: Ihre Leistung betrage bei optimalem Wasserstand bis
zu 420 Kilowattstunden, erklärte Walter
Gäckler den Klimatour-Gästen. Seit die
Wehranlage an einen Privatmann verkauft
ist, kümmert er sich in dessen Auftrag darum, dass Wehr und Turbine bestens in
Schuss gehalten werden. Strom wird seit gut
100 Jahren erzeugt, zunächst zum Eigenverbrauch des Werkes. Inzwischen wird er ins
Foto: Bender Klaus Grieb erläuterte Details zu LTM.
Stromnetz eingespeist.
Auf zur Klimatour. Am Dienstag, Donnerstag und Freitag ging es einmal quer durch den Märkischen Kreis.
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Seele and Geist
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