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lernerfolg die menschen lernen das, was sie tun - UpdateNet

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Nr.4, Juni 2009
WENIGER AUFWAND - MEHR LERNERFOLG
INHALT
BEZIEHUNG
Lehrpersonen definieren sich häufig über ihr Fach und über ihr
Fachwissen. Ausschlaggebend für
den Lernerfolg ist aber etwas ganz
anderes: die Lehrer-Schüler-Beziehung.
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FEHLER
Fehler sind der Stoff, aus dem
Selektionen gemacht werden.
Also: vermeiden oder vertuschen?
Nein! Fehler sind Nützlinge
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ORIENTIERUNG
Wer eigenständig lernen will,
braucht Orientierung. Wer weiss,
wo er steht, wohin er will, wie er
dahin kommt und wer das noch
verbalisieren kann hat schon halb
gewonnen.
Vilfredo Pareto (*1848), italienischer Ökonom und Soziolo-ge, hat seinerzeit
herausgefunden, dass zwanzig Prozent der itaienischen Bevölkerung über
achzig Prozent des
Vermögens verfügen.
Diese 20/80-Regel –
das so genannte Pareto-Prinzip – gilt auch
für ganz andere
Lebensbereiche. Als
eine Art Universalregel
besagt sie, dass mit
wenig Aufwand viel
erreicht werden kann – vorausgesetzt natürlich, man setzt die Gewichte richtig,
man dreht an den richtigen Stellschrauben. Und es ist durchaus verlockend,
sich die Frage zu stellen, ob das Pareto-Prinzip auch für organisiertes Lernen
gilt. Lässt sich auch in der Schule mit weniger Aufwand deutlich mehr erreichen? Und was wären denn die wictigsten Dinge, die zu beachten wären, die
Stellschrauben eben. Die mo-derne Lernforschung liefert zahlreiche Hinweise
darauf. John Hattie beispielsweise von der University of Auckland zeigt in
seinen aktuellen,
gross
angelegten
Metastudien,
dass es
durchaus
Bereiche gibt,
die es sich
speziell anzuschauen lohnt.
Das eigene
Lernen gestalt-bar machen gehört ebenso dazu wie das Aktivieren von Vorwissen, die Feedbacks, die man erhält oder die Lehrer-Schüler-Beziehung. Das
Pareto-Prinzip schulischen Lernens umfasst mithin sechs Bereiche, die einen
zentralen Einfluss auf den Lernerfolg haben.
Seite 2
Seite 4
DIE MENSCHEN LERNEN DAS, WAS SIE TUN
STÄRKEN
Kein Kind steht am Morgen auf
und sagt: „Heute bin ich ein
schlechter Schüler.“ Eigentlich
möchten alle „gut“ sein, ihre Stärken kennen und ausbauen
Seite 3
Wer gegen den Schlaf kämpt,
lernt gegen den Schlaf zu
kämpfen. Oder anders gesagt:
Wir lernen, was wir tun. Und
was tun Lernende in der Schule
(meistens)? Sitzen. Und zuhören. Oder mindestens so tun
als ob. Das heisst: Nachhaltiges Lernen ist an Aktivitäten
geknüpft. Verstehen ist ein
Transformationsprozess. Wer
verstehen will, muss den Dingen eine Form geben, muss aus etwas Fremdem
etwas Eigenes machen. Das setzt Aktivitäten voraus – bei den Lernenden wohlverstanden.
Seite 2
DAS PARETO-PRINZIP
LERNEN IST TUN
Lernen ist ... konstruktiv und kreativ mit Schwierigkeiten und Widerständen umzugehen. Das heisst:
Es geht nicht darum, etwas zu
„behandeln“. Es geht darum, sich
– durchaus auch lustbetont –
damit auseinander zu setzen. Es
geht nicht darum, Antworten zu
geben. Es geht zuerst und vor
allem darum, Fragen zu stellen.
Daran – am Umgang mit Widerständen – müssen Lernende
Freude entwickeln. Das erfordert
entsprechende Arrangements.
Fragen nachzugehen heisst einer
Spur folgen. Das – eben einer
Spur folgen – entspricht ja auch
der etymologischen Bedeutung
des Wortes „lernen“. Wer neugierig ist, wer Fragen stellt – sich oder
anderen – will etwas wissen und
verstehen. Mit anderen Worten: Es
entsteht eine Art inneres Auftragsverhältnis. Der Auftrag nämlich,
etwas einer Klärung zuzuführen.
Und es sich und anderen erklären
zu können
Lernen ist komplexes Geschehen. Unzählige Faktoren wirken sich in unterschiedlicher Weise auf das schulische Lernen aus. Die Frage stellt sich deshalb: Was kann man als Lehrperson tun? Und die zweite Frage: Wo lohnt es
sich, etwas zu unternehmen? Die Antworten sind einfach:
Dort, wo man selber etwas tun kann. Und: dort, wo es sich lohnt. Und es gibt
tatsächlich ein paar Faktoren, von denen man weiss, dass sie grossen Einfluss
auf den Lernerfolg haben. Oder anders gesagt: Es gibt so eine Art ParetoPrinzip für das schulische Lernen. Stellschrauben, an denen es sich zu drehen
lohnt.
Lernen ist – ein
bisschen holzschnittartig ausgedrückt –
etwas Neues zu zu
verbinden mit etwas, was schon da ist.
Deshalb ist natürlich das aktivierte Vorwissen ein erfolgsrelevanter Faktor für
erfolgreiches Lernen. Wer hat, dem wird gegeben.
Der Lernerfolg entwickelt sich in Abhängigkeit zum Gefühl, der Sache gewachsen zu sein. Die einzelnen Schritte müssen den individuellen Passungen entsprechen.
Und sie müssen immer wieder die Bestätigung liefern, auf dem richtigen Weg
zu sein. Machbarkeit heisst: Subjektiv wahrgenommene Anforderungen müssen
mit Fähigkeiten korrespondieren. Zwei Stichworte dazu: Selbsterklärung. Und
individuelle Ziele.
Ein wichtiger Prädiktor für den schulischen Lernerfolg: Impulskontrolle. Das heisst: Lernende müssen mit konkurrenzierenden Impulsen konstruktiv umgehen können. Das beste Mittel
dafür: im Tun sein.Handeln. Eigene Aktivitäten lenken den Fokus auf sich selber. Und damit weg von anderem.
Ergebnisse sind nur ein Anfang. Ein Lernen, das auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, will nicht Erledigungs-, sondern
Lernnachweise. Das geht einher mit der Fähigkeit, das
eigene Lernen zu reflektieren, zu gestalten. Und: den Blick auf das zu richten,
was gelungen ist. Es gibt keine Alternative zum Erfolg.
Eine förderorientierte Interaktion fragt nicht nach Problemen, sondern sucht konsequent nach Lösungen. Sie verläuft entlang der Logik des Gelingens. Fragen statt sagen
heisst das Prinzip, das Lernenden hilft, die Lösungen in sich
selber zu entdecken. Und sie verbalisieren zu können.
Was den Lernerfolg in der Schule in hohem Masse beeinflusst, ist die Lehrer-Schüler-Beziehung. Die Fähigkeit zur
Beziehungsgestaltung gehört mithin zu den
Schlüsselkompetenzen für Lehrpersonen. Das hat viel zu
tun mit dem Interesse am einzelnen Lernenden. Und es hat
zu tun mit individueller statt kollektiver Verbindlichkeit. Mit Vertrauen. Und mit
dem glaubwürdigen Modell, das die Lehrpersonen darstellen.
FEHLER ALS
NÜTZLING
Ob grosse oder kleine, ob Rechenoder Grammatik-, ob moralische
oder orthographische - in erster
Linie und prinzipiell sind Fehler
unbeliebt. Zwar werden sie - für
Noten - gerne gezählt. Doch noch
lieber werden sie ausgemerzt,
verbessert, totgeschwiegen oder
übergangen. Wie in jener Situation, die jeder aus der Schule kennt.
Die Lehrerin stellt eine Frage:
«Wie berechnet man den Umfang
eines Rechtecks?» Der erste
aufgerufene Schüler antwortet:
«Länge mal Breite». Wortlos, leicht
ungeduldig wendet sich die Lehrerin an den nächsten Schüler, der
sich meldet, und erhält die Anwort:
«Länge plus Breite mal zwei».
Richtig. Alles atmet auf, der Unterricht kann weitergehen. «Das
Bermudadreieck» nennt Fritz Oser
diese typische und scheinbar
harmlose Fehlersituation. Denn mit
dem wortlosen Übergehen der
falschen Antwort wird nicht nur der
Schüler, der sie gab, sozusagen
zum Verschwinden gebracht. Es
verschwindet vor allem auch der
Nutzen, die Erhellung, die seine
falsche Antwort hätte bieten können: In diesem Falle der wesentliche Unterschied zwischen einer
Fläche und einer Strecke, zwischen einer Multiplikation und
einer Addition. Oder wie Oser
formuliert: «Das Lernpotenzial
dieser Situation verschwindet wie
ein Flugzeug im Bermudadreieck.»
(NZZ 24.03.02)
FÖRDERUNG VON STÄRKEN
Die amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Mihaly Csikszentmihalyi (2000) kritisieren, dass man sich in der Psychologie hauptsächlich mit
der Erforschung pathologischer Aspekte beschäftigt hat. Als ein Beispiel dazu
weist etwa Myers (2000) darauf hin, dass in den letzten 30 Jahren in der psychologischen Literatur 46.000 Artikel über Depressionen und gerade einmal 400
über Freude zu finden sind. Seligman und Csikszentmihalyi rufen dazu auf, sich
in der Forschung und in der Praxis verstärkt mit positiven Eigenschaften von
Menschen zu beschäftigen. Die Positive Psychologie wird dabei als ein Oberbegriff für Theorien und Studien zu den Eigenschaften und Bedingungen gebraucht, die das Leben am meisten lebenswert machen. Man geht davon aus,
dass das Verständnis und die Förderung menschlicher Stärken (siehe unten)
einen Beitrag dazu leisten können, einzelne Individuen aber auch die Gesellschaft als Ganzes voranzubringen.
Die Positive Psychologie stützt sich auf die Überzeugung, dass Menschen ein
sinnvolles und erfüllendes Leben führen möchten, ihre eigenen Stärken kennen
lernen und weiter ausbauen möchten und, dass sie sich auf vielen verschiedenen Ebenen, wie Liebe, Arbeit oder im Spiel, weiter entwickeln möchten.
Charakterstärken
LERNUMGEBUNG
Lernen ist viel mehr als dasitzen
und zuhören. Nachhaltiges Lernen
ist gekoppelt an eigenes Tun. Je
aktiver wir uns mit den Dingen
auseinander setzen, desto besser
lernen wir. Dabei spielen natürlich
die Lernorte eine nicht zu unterschätzende Rolle. In Räumen, die
mehr oder weniger dazu zwingen,
sich sitzend nach vorne zu orientieren, ist der Aktivitätsschwerpunkt dann eben auch dort zu
finden: vorne. Doch Lernen als
aktive und handelnde Tätigkeit
erfordert entsprechend anregende
und inspirierende Lernorte, die
durchaus nicht immer von Wänden
begrenzt sein müssen.
WISSEN, WOHIN DIE REISE GEHT
LINKS
Die neue Homepage der Learning Factory:
www.learningfactory.ch
Positive Psychologie und
Charakterstärken:
http://www.uzh.ch/news/articles/20
07/2492.html
Der Newsletter des Transferzentrums für Neurowissenschaften
http://www.znlulm.de/html/newsletter.html
IMPRESSUM
Newsletter 4 / 2009
Redaktion: Andreas Müller,
Das Ziel ist eigentlich klar: Die Schule soll die Jugendlichen in die Lage versetzen, ihr Lernen (und ihr Leben) erfolgreich gestalten zu können. Das heisst:
Schulisches Lernen soll von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit führen.
Dazu brauchen die Lernenden Orientierung. Sie müssen wissen, wo sie stehen.
Und wo sie hinwollen. Und was sie dafür brauchen.
Deshalb steht während der Schnupperwoche eine Standortbestimmung auf
dem Programm. Dazu gehören Konzentrations- und Leistungstests. Sie dienen
dazu, Stärken und Potenziale zu erkennen – und zu nutzen.
Im Verlaufe des Einstiegs ins Institut Beatenberg zeigen die Jugendlichen dann
auch noch, wo sie fachlich stehen. Die Resultate dieses Assessments finden
sich auf den Kompetenzrastern – sie beschreiben das, was man können könnte
– als eine Art Startlinie. Dieses differenzierte Profil liefert die nötigen Anhaltspunkte für das individuelle Programm.
Die Kompetenzraster bilden dann auch die Grundlage für das Sichtbarmachen
der Ziele und Wegmarken. Lernende sollen erkennen können, wohin die Reise
geht und was es dazu braucht. Denn wer in die falsche Richtung geht, dem
nützt auch rennen nichts.
VONEINANDER UND MITEINANDER LERNEN
Lernende generieren sie Wissen. Und sie machen Erfahrungen. Sie machen
unter anderem die Erfahrung, was sie in einer bestimmten Sache weiterbringt.
Oder was sie behindert. All dieses Wissen und diese Erfahrungen bilden ein
unschätzbares Reservoir an Ressourcen. Voneinander lernen heisst deshalb
die Devise. Das verlangt, sich über Wissen und Fertigkeiten ebenso auszutauschen wie über Erfahrungen im Umgang mit Schwierigkeiten oder über die
guten Gefühle des Gelingens. Die Schule wird auf diese Weise zum Ort des
Austauschs unter Experten. Voneinander lernen braucht die Interaktion als
selbstverständlichen Teil der Lernkultur. Denn so verlagern sich die Aktivitätsschwerpunkte weg vom Lehrer, hin zu den Lernenden.
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