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Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja! - Evangelisch

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ORGAN FÜR DIE EVANGELISCH-ALTREFORMIERTE KIRCHE IN NIEDERSACHSEN
Nr. 8, 120. Jahrgang
Sonntag, 25. April 2010
3788. Folge.
Alles, was Odem hat,
lobe den Herrn! Halleluja!
Psalm 150, 6
Ich kann mir den
Nicht nur FreuPsalmsänger gut
de und Dankbarvorstellen,
den
keit finden AusVorbeter: »Halledruck in diesen
luja, lobet Gott!«
Gebeten. Ebenso
Verzweiflung und
Die ganze GeAngst, Trauer und
meinde fordert er
Schmerz.
auf zum Gotteslob.
Gott zu loben
Die ganze Geheißt, das Leben
meinde lädt er
mit ihm zu teilen.
ein,
einzustimIhm mitzuteilen,
men mit Psalter,
was bedrückt und
Harfen, mit Paukrank macht. Ihm
ken und Reigen.
vorzuwerfen,
was
Mit freundlichem
erfreut
und
beGesicht steht er
glückt.
da, mit einladenDas ist Gottesder Geste sieht er
lob:
Zu erkennen
in die Runde: AlBläsergruppe im Fernsehgottesdienst zur Eröffnung des Calvinjahres 2009
und zu bekennen,
les, was Odem hat,
dass wir hilflos
lobe den Herrn!
Halleluja! Ist diese Einladung auch 3000 Jahre alt, und schwach sind und ohne Gott nicht einen
Schritt tun können. Ihm haben wir unser Leben zu
so klingt es uns lebendig in den Ohren: Halleluja!
Aber immer kann der Mensch nicht singen. verdanken. Er trägt uns mit unseren Lasten durch
Manch eine Situation in unserem Leben lässt uns die schweren Zeiten des Lebens.
Auch wenn wir besingen, wie schrecklich alles
verstummen, verschlägt uns die Stimme, macht
uns sprachlos und ohnmächtig. Ich denke an die ist, wenn wir leise und zaghaft ein Klagelied anvielen Menschen in unseren Gemeinden, die vor stimmen, dann ist das auch ein Lobpreis Gottes.
Sorge um die finanziellen Nöte ihrer Familie Denn wir erkennen damit an, dass wir Gottes Hilfe
nachts aus dem Schlaf aufschrecken. An die vielen, brauchen zum Leben und im Angesicht des Todes.
die vor Trauer über den Verlust eines lieben Men- Auch mit einem Klagelied singen wir Gott ein Lobschen gar nicht in den Schlaf hineinfinden. An die lied.
vielen, die am liebsten nur noch schlafen würden,
Wo ich lobend Gott mit hineinnehme in mein
um die Tage nicht ertragen zu müssen. An Singen Leben, da verliert meine Angst ihre Übermacht.
ist bei ihnen nicht zu denken.
Wo ich lobend Gott mit hineinnehme in mein LeHat der Psalmbeter das vergessen, dass es Men- ben, da bekommt die Hoffnung neue Nahrung.
schen gibt, die im Angesicht von Verzweiflung Und so kann ich mich in den 3000 Jahre alten
und Tod einfach nicht singen können? Kennt er Psalm mit hineinnehmen lassen und auch heute
keinen Kummer, keinen Schmerz? Kann man denn mitrufen: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!
immer Gott loben?
Bis heute sind die Worte der Psalmen den MenJann Schmidt
Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche
schen eine Hilfe, eine Sprachhilfe in sprachloser Zeit.
I M
S TR OM
DE R
Z EI T
Zukunft der theologischen
Ausbildungsstätten in den Niederlanden
Die Grenzbotenredaktion erhielt gleich zwei Beiträge zu den Umzugsplänen der
Protestantischen Theologischen Universität mit den bisherigen Standorten Kampen,
Utrecht und Leiden. Der Beitrag, der uns zuerst erreichte, wurde von Frederik Ziel
verfasst und bietet die sachliche Information. Der zweite Beitrag, geschrieben von
Prof. Dr. Heinrich Baarlink, geht schwerpunktmäßig auf die historische Bedeutung
der beiden theologischen Fakultäten in Kampen und Amsterdam für unsere Ev.-altreformierte Kirche ein.
Um inhaltliche Überschneidungen zu reduzieren, waren ein paar redaktionelle
Eingriffe in Form von Kürzungen erforderlich.
hlg
Die Theologische Universität zieht um
Die Protestantische Theologische Universität (PThU) in den Niederlanden hat Anfang April ihre Umzugspläne bekannt ge-
Theologische Universität – Koornmarkt
geben. Demnach möchte sie ab September 2012 als eigenständige Einrichtung
unter dem Dach der Freien Universität
Foto: Frederik Ziel
Amsterdam (VU) und der Reichsuniversität
Groningen (RUG) arbeiten. Die bisherigen
Niederlassungen in Kampen, Utrecht und
Leiden sollen allesamt geschlossen werden.
Das Leitungsgremium begründete die
schwierige Entscheidung mit den niedrigen Studentenzahlen und der veränderten Studiensituation. Die tiefgreifende
Neuordnung sei notwendig, damit eine
solide theologische Bildung auch auf
lange Sicht gewährleistet werden könne.
Eine Zusammenarbeit mit den Fachbereichen in Amsterdam und Groningen
biete der PThU die bestmöglichen Voraussetzungen, Forschung und Lehre
auf hohem Niveau effizient fortzusetzen. Die Zentrale der Universität wird
sich künftig in der Hauptstadt befinden,
was jedoch nicht zu Lasten des Groninger Standorts gehen soll. Das Verhältnis
zur Kirche (PKN) bleibt unverändert. Die
Generalsynode muss den Plänen allerdings noch zustimmen. Sie wird in ihrer
folgenden Sitzung im April über das Vorhaben näher informiert, sodass voraussichtlich in der Novemberversammlung
der endgültige Beschluss gefasst werden
kann. Für die Studierenden hat der Umzug zunächst nur geringe Konsequenzen, da ein einmal begonnenes Bachelor- oder Masterstudium am jetzigen
Ort abgeschlossen werden darf. Was
mit dem Predigerseminar in Doorn geschehen soll, ist weiterhin offen. Hier
hat die PKN als Eigentümerin des Anwesens die Weichen zu stellen. Die Zukunft
der theologischen Universität als Reflexionsort der Kirche sei der Fürbitte herzlich empfohlen.
Frederik Ziel, Kampen (NL)
»Kampen« wird nach Amsterdam umziehen
Kampen – diese Hansestadt an der IJssel
ist für die Altreformierte Kirche seit Jahrzehnten ein Begriff. Seit dem Jahre 1854
steht dort die Theologische Schule, später
Hochschule und noch später Universität,
der unsere Kirche viel zu verdanken hat.
Sie hat sich seit den Anfängen liberalen
Strömungen in Theologie und Kirche entgegengestellt und ist nach bescheidenen
Anfängen immer mehr zu einer beachtlichen und beachteten wissenschaftlichen
Institution geworden. Seit den dreißiger
Jahren des vorigen Jahrhunderts haben
viele spätere Pastoren der Altreformierten
Kirche dort studiert. In den vierzehn Jahren, in denen ich dort das Fach Neues
Testament vertreten habe, studierten dort
auch immer wieder für einige Semester
Studenten aus reformierten und anderen
Kirchen Deutschlands. Einige schlossen ihr
Studium dort mit einer Promotion ab.
Kampen hat sich auch darüber hinaus
international verdient gemacht. ZahlreiSeite 60
che Theologen aus Ungarn, Südafrika,
Indonesien, Korea, China und anderen
Ländern haben dort studiert und promoviert und wirk(t)en seitdem an verschiedenen Universitäten und Hochschulen ihrer
Länder. Unvergesslich bleibt mir, dass ich
einmal einen Brief aus Peking erhielt. Eine
mir damals unbekannte junge Theologin
bat mich, ihr zu helfen; sie möchte gern
an der Universität, an der ich lehrte, ihr
Studium fortsetzen. Ich konnte über Kampen ein Stipendium für sie erreichen. Sie
hat dann erst einige Jahre dort studiert
und kam ein paar Jahre später zurück,
um ihr Studium dort mit einer Promotion
abzuschließen.
Erste Überlegungen zur Übersiedlung
von Kampen nach Amsterdam gab es bereits um 1990. Beide Fakultäten galten
als Ausbildungsstätten der Gereformeerde
Kerken und auch unserer Kirche. Vor allem in den fünfziger Jahren des letzten
Jahrhunderts haben viele Studenten aus
der Altreformierten Kirche an der Freien
Universität in Amsterdam studiert. Mir
fallen Namen wie Wanink, Zegger, Brink,
Averes, Möller, Klaassen und Alsmeier ein.
Zur Erinnerung: Die Freie Universität
war im Jahre 1880 von Abraham Kuyper
gegründet worden; erst in der Hoffnung,
mit dieser christlichen Universität ein konfessionelles Gegengewicht gegen modernistische Strömungen in der Hervormde
Kerk schaffen zu können, dann, seit dem
Jahre 1886, nach dem Bruch mit der
Mutterkirche, als vielseitige Ausbildungsstätte für den konfessionell reformierten
Volksteil der Niederlande. Bei der Vereinigung der Gereformeerde und der Hervormde Kerk zur Protestantse Kerk ist
Kampen als kirchliche Universität ausdrücklich festgeschrieben worden, aber
mit einem wesentlichen Zusatz. Die Hervormde Kerk hatte nämlich an den öffentlichen Universitäten Hollands jeweils mindestens zwei kirchliche Lehrstühle einge-
richtet. Diese wurden bei der Vereinigung
an zwei Orten, in Utrecht und Leiden, beibehalten und mit Kampen verbunden.
Nun ist der frühere Plan einer Zusammenlegung unter anderen Vorzeichen wieder
aufgenommen. Die Generalsynode muss
zwar noch ihre Zustimmung geben; aber
daran ist wohl nicht zu zweifeln. Noch
zwei Jahre, dann ist es so weit.
Dieser Beschluss hat durchaus auch eine positive Seite, wie sehr es für alle, die
dort studiert und gelehrt haben, begreiflicherweise auch schmerzhaft ist. Kampen
und die Freie Universität sind, zuweilen
gewürzt mit ein wenig Konkurrenz, jahrzehntelang gute Weggenossen gewesen.
Als Hausgenossen können sie dann ihre
Reise und ihren Dienst fortsetzen. Gott
gebe dazu seinen Segen!
Dr. Heinrich Baarlink, Nordhorn
Theologische Universität Kampen – Oudestraat
DIAKONIE
Ein Zufluchtsort für junge Mütter
Jedes Jahr neu beschließt die Synode unserer Ev.-altreformierten Kirche
ein sogenanntes Jahresprojekt. Mit dem Jahresprojekt 2010 soll unsere
Aufmerksamkeit auf die Errichtung eines Wohnheimes für ledige Mütter
und ihre Kinder in der Karpato-Ukraine gerichtet werden. In einer früheren Ausgabe des Grenzboten wurde darüber bereits berichtet.
Der hier folgende Bericht des Vorsitzenden des Diakonischen Werkes der
Ev.-ref. Kirche, Pastor Dietmar Arends, möge dazu beitragen, dass in unseren Gemeinden dieses Projekt eine größere Aufmerksamkeit bekommt.
Kollekten sowie Sammlungen – bei welchen Anlässen auch immer – sind
herzlich willkommen. Überweisungen werden erbeten auf das von Diedrich Kolthoff geführte synodale Konto bei der Stadtsparkasse Leer-Wittmund, BLZ 285 500 00, Kontonummer 205 05 73. Verwendungszweck:
Wohnheim für ledige Mütter (und Nennung des Einzahlenden).
hlg
Mit Unterstützung des Diakonischen
Werkes der Evangelisch-reformierten
Kirche soll in Beregszás in der Ukraine ein Haus für ledige Mütter entstehen. Zwei Mitarbeitende des Eylarduswerkes
(Gildehaus),
Susanne
Mohr und Heinz Elmer, waren jetzt
Das zukünftige Haus für ledige Mütter
gemeinsam mit dem Vorsitzenden
des Diakonischen Werkes, Dietmar
Arends, in der Karpato-Ukraine, um
die Partner vor Ort bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.
Aufgabe der kleinen Delegation, die
auch von einem Mitarbeiter des ungarischen Hilfswerkes begleitet wurde, war es vor allen Dingen, das Diakoniebüro in Beregszász bei den Vorüberlegungen zum Bau und Betrieb
zu beraten. Das Gebäude wurde bereits zum Teil – auch mit Unterstützung des Diakonischen Werkes – errichtet. In vielen Gesprächen wurde
nun vor allen Dingen versucht, mit
der maßgeblichen Unterstützung der
Fachleute aus dem Eylarduswerk ein
Konzept für den Betrieb des Hauses
zu entwickeln. Die jungen Frauen sollen in dem Haus einmal Zuflucht finden, Hilfe bei der Betreuung ihrer
Kinder und Beratung in allen wichtigen Fragen. So soll ihnen wieder eine
Perspektive eröffnet werden für ihre
Kinder und sich selbst.
Bei dem Besuch in Beregszász in der
Ukraine wurde deutlich, wie katastro-
Foto: Frederik Ziel
phal die Situation vieler junger Mütter und ihrer neugeborenen Kinder in
der Region jenseits der ungarischen
Grenze oft ist. Die dortige reformierte Kirche und ihr Diakoniebüro, seit
vielen Jahren Partner des Diakonischen Werkes der Ev.-reformierten
Kirche, möchte sich diesem Problem
stellen und sich der Mütter und ihrer
Kinder annehmen.
Beratungsgespräch mit Susanne Mohr,
Heinz Elmer, einer Mitarbeiterin des
Diakoniebüros und einem Mitarbeiter
des ungarischen Hilfswerkes
Ein Besuch der Kinderstation des
örtlichen Krankenhauses unterstrich
noch einmal die dringende Notwendigkeit, etwas zu tun gegen die Not
der jungen Frauen und ihrer Kinder.
Viele Kinder verbleiben nach der Geburt auf unbestimmte Zeit auf der
Station, da es das soziale Umfeld
nicht zulässt, dass die Kinder mit ihren Müttern nach Hause kommen.
Manche Mütter lassen ihr Kind auch
einfach auf der Station, weil sie keine
Perspektive für sich und ihr Kind sehen.
Der Beratungsprozess, der jetzt begonnen wurde, soll im Sommer mit einem Besuch entsprechender EinrichSeite 61
tungen in Ungarn und mit einem Besuch der Verantwortlichen aus der
Karpato-Ukraine im Eylarduswerk fortgesetzt werden. Ziel des Prozesses ist
die Erstellung eines Gesamtkonzepts,
mit dessen Hilfe dann hoffentlich
auch Geldgeber für dieses Projekt gefunden werden und das Haus seinen
Betrieb aufnehmen kann.
Bereits zu Beginn des Beratungsprozesses konnte gemeinsam durch
das Diakonische Werk der Evange-
lisch-reformierten Kirche, die Evangelisch-altreformierte Kirche und
das Gustav-Adolf-Werk eine Investitionshilfe in Höhe von insgesamt
14 500,00 € gegeben werden.
Dietmar Arends, Leer
»Mr. Zehn-Prozent« war wieder erfolgreich
Knapp 187 000 Euro Spenden zum 41. Jubiläum der Aktion
Das evangelische Hilfswerk »Brot für
die Welt« gratuliert der Aktion »Mr.
Zehn-Prozent« zum erfolgreichen Abschluss der 41. Aktion. Wieder einmal
wurde das gesteckte Ziel des »großen
Unbekannten« erreicht. Die Spendenaktion konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Angaben des Evangelischen Dekanats in Wiesbaden beteiligten sich 441 Spender mit der
stolzen Summe von 186 923 Euro.
»Brot für die Welt« unterstützt mit
den Spenden in diesem Jahr das Behindertenprojekt Jairos Jiri Association in Simbabwe. Hinter der ZehnProzent-Aktion steht der Zehnte, wie
ihn die Bibel erwähnt. Die Spielregeln
der jüngsten Aktion: Wenn sich bis
zum 31. März 441 Spenderinnen und
Spender finden, steuert ein Unbekannter – »Mr. Zehn-Prozent« – 40 000
Euro bei. Das entspricht einem Zehnten seines Einkommens. Dieses Ziel
wurde erreicht. »Brot für die Welt«
hatte in den vergangenen Wochen zur
Teilnahme an der Aktion aufgerufen.
Sie fand zum 41. Mal statt.
Dabei bestimmen die Mitstreiter die
Höhe der Spende selbst. Sie schätzen
selbst ein, was der Zehnte für sie bedeutet: Es kann der zehnte Teil vom
Gehalt, von der Rente, vom Taschengeld oder vom Haushaltsgeld sein.
Die Organisatoren machen weiter:
Die 42. Aktion begann am 1. April
und läuft wieder ein Jahr. Diesmal
werden mindestens 400 Spender gesucht. Wenn alle bis zum 31. März
2011 mitmachen und »ihren Zehnten« geben, dann spendet der unbekannte »Mr. Zehn-Prozent« 40 000
Euro für die gute Sache.
Ökumene
Einigkeit im Geist
durch das Band des Friedens
Grand Rapids (USA) ist Gastgeber der Vereinigenden
Generalversammlung des Reformierten Weltbundes
und des Reformierten Ökumenischen Rates im Juni 2010
An einem kalten Februartag im Jahr 2006 veränderten acht glaubensstarke Menschen die Richtung der ökumenischen Bewegung. Damals trafen
sich Vertreter von zwei reformierten Weltorganisationen in Grand Rapids,
USA, um eine engere Verbindung zu erörtern. Sie sprachen für ihre jeweilige Organisation, für den Reformierten Weltbund (RWB) und für den Reformierten Ökumenischen Rat (RÖR). Was sich allerdings entwickelte,
war nicht eine intensivere Kooperation zweier Organisationen, sondern
der Vorschlag für eine neue Ökumenische Weltorganisation: die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK).
Die im Jahre 2006 dabei waren, sagen, dass eine Macht größer als ihre
Kreativität, damals am Werke war. »Es
war der Heilige Geist, der diese Bewegung in Grand Rapids auf den Weg
gebracht hat«, formuliert es Clifton
Kirkpatrick, der Präsident des Reformierten Weltbundes.
Seite 62
Und so passt es, als wäre es ein Ergebnis der Vorsehung, dass Grand Rapids jetzt auch der Schauplatz für das
erste Treffen der Weltgemeinschaft
Reformierter Kirchen ist. Die Vereinigende Generalversammlung wird hier
vom 18. bis zum 28. Juni 2010 zusammenkommen. Und etwa eintau-
»Brot für die Welt« und die »Mr
Zehn-Prozent-Aktion« verbindet eine
lange gemeinsame Geschichte. Als
der erste »Mr. Zehn-Prozent« 1968 beschloss, nicht länger untätig dem
Hunger und Elend in den armen Ländern dieser Welt zuzusehen, startete
er seine Zehn-Prozent-Aktion zugunsten des evangelischen Hilfswerks. Damals stellte er den zehnten Teil seines
Einkommens für Bedürftige unter der
Bedingung zur Verfügung, dass noch
zehn weitere Menschen es ihm gleich
tun würden.
Spendenkonto der Aktion
»Mr. Zehn-Prozent«:
Evangelische Kreditgenossenschaft
EKK, BLZ 520 604 10, Konto-Nr.
404 4444
Pressemitteilung »Brot für die Welt«
send Delegierte, Gäste und Freiwillige
werden die historische Vereinigung
feiern.
Die Weltgemeinschaft Reformierter
Kirchen steht dann für etwa 80 Millionen Mitglieder aus 230 Kirchen in
107 Ländern und vereint Reformierte,
Kongregationalistische, Presbyterianische und Vereinigte Kirchen. Leitende
Verantwortliche sagen, dass diese Vereinigung sowohl aus theologischen
wie aus praktischen Gründen sinnvoll
sei. »Das ist schon lange unsere Hoffnung und unser Traum gewesen, dass
wir als eine reformierte Gemeinschaft
zusammenkommen könnten«, sagt
Kirkpatrick, und weiter: »Die reformierte Weltfamilie hatte ja dieses
Image, dass sie eine Familie mit vielen
Trennungen war.« Und Setri Nyomi,
der Generalsekretär des RWB ergänzt,
die neue Weltgemeinschaft solle Einheit über ihre Grenzen hinaus anregen. »Eine solche Annäherung ist ein
starkes christliches Zeichen in einer
Welt, die durch Zersplitterung und
selbstbezogenen Individualismus gekennzeichnet ist und sie deckt den
Skandal der Trennungen auf«, so Setri
in seinem Genfer Büro.
Beschlossen 2006 den Vorschlag für eine neue reformierte Weltgemeinschaft: Antoine
Schluchter (RÖR), Kobus Gerber (RÖR), Clifton Kirkpatrick (RWB), Elizabeth Delgado
Ciézar (RWB), Douwe Visser (RÖR), Richard van Houten (RÖR), Setri Nyomi (RWB)
und Charles Jansz (RWB)
Die Vereinigung, so der Präsident
des Reformierten Ökumenischen Rates, Peter Borgdorff, wird finanziell effektiver sein und größeren Einfluss
weltweit haben. Eine vereinte Stimme
der Kirche werde in einer Welt der
Konflikte und der Ungerechtigkeit
mehr denn je gebraucht. »Auch größere Zahlen sprechen, und unsere
Stimmen werden gestärkt werden«,
sagt Borgdorff. »Es wird deshalb zunehmend wichtig für die Stimme der
reformierten Kirchen sein, dass sie
mit der Stimme anderer christlicher
Kirchen zusammen klingt, die für andere Traditionen der christlichen
Weltfamilie stehen.«
Er findet Zustimmung bei Henriette
Hutabarat Lebang, einer Vizepräsidentin des RWB. »Wir neigen dazu,
zu vergessen, dass Jesus mitten in der
Finsternis und der Zerbrochenheit
der Welt im Gebet seinen Vater anfleht, ›dass sie alle eins sein sollen‹«,
ergänzt sie.
Die neue Weltgemeinschaft vereinigt den RWB, eine größere und ältere Weltorganisation von 214 Kirchen,
mit dem RÖR und seinen 41 Kirchen
unter einem organisatorischen Dach.
Historisch konservativer und separatistischer, hat der RÖR in der letzten
Zeit zunehmend mit dem RWB auch
in sozialen Fragestellungen zusammengearbeitet. Ungefähr dreiviertel
der RÖR-Mitgliedskirchen sind auch
Mitglied im RWB. »In den zurückliegenden Jahren haben sich viele gefragt: ›Warum gibt es dann überhaupt
zwei reformierte Weltorganisationen?‹«, sagt Richard van Houten, der
Generalsekretär des RÖR.
Verantwortliche der beiden Organisationen haben schon vor mehr als
zehn Jahren begonnen, über eine grö-
ßere Zusammenarbeit miteinander zu
reden. Im Jahr 2005 schlug der RÖR
vor, ein eigenes Rechtsgebilde innerhalb des RWB zu werden, aber die eigene Gruppenidentität beizubehalten. Später im selben Jahr befürwortete das Exekutivkomitee des RWB auf
seiner Tagung in Frankreich weitere
Gespräche über Kooperationsmöglichkeiten einschließlich gemeinsa-
Gerechtigkeit nur dann effektiv sein
konnte, »wenn wir die Stärke unseres
Evangeliums und unserer reformierten Herkunft zurückgewinnen würden«, erinnert sich Kirkpatrick, und
er sagt: »Das war der Moment, als wir
wussten, dass unsere Stärken einander ergänzen und dass wir eins sein
müssten.«
Die Exekutivkomitees von RWB wie
RÖR sahen das genauso, und so wird
die Weltgemeinschaft Reformierter
Kirchen von den Stärken beider Organisationen profitieren. Die historische
Gewichtung der Pflege der Gemeinschaft im RÖR passt sehr gut zum Einsatz für Gerechtigkeit im RWB, sagt
van Houten. »Jeder von uns bringt etwas in die neue Organisation ein, das
so nicht in der jeweils anderen vorhanden war. Die Kombination von
beidem macht uns stärker.« Und die
weiten ökumenischen Beziehungen
des RWB passen gut zur kleineren
»Glaubensfamilie« Reformierter Ökumenischer Rat, urteilt Nyomi. »Obgleich wir größer werden, wird uns
der ›Stallgeruch‹ in der RÖR- Familie
weiter darauf aufmerksam machen,
wie wir aufeinander achten und uns
füreinander einsetzen in der neuen
Blick auf Down Town Grand Rapids
mer Projekte und Personal. Komitees
beider Organisationen trafen sich
dann im Jahr 2006 zu dem bedeutenden Treffen in Grand Rapids. Sie entdeckten, was die jeweilige Stärke der
einen Organisation für die jeweils andere bedeutete, erinnert sich Kirkpatrick, der RWB-Präsident. Mitglieder
des RÖR begriffen, dass die große Anzahl der reformierten Kirchen in der
südlichen Hemisphäre eine stärkere
Verpflichtung für Gerechtigkeit erforderte. Und die RWB-Mitglieder ihrerseits erkannten, dass ihr Einsatz für
Gemeinschaft.« Kirkpatrick resümiert
die Vereinigung kurz und bündig:
»Gott will, dass wir eins sind.«
West-Michigan mit der Stadt Grand
Rapids ist gewissermaßen der logische
Tagungsort für die Vereinigende Generalversammlung, sagen die Organisatoren. Die Christlich-reformierte
Kirche, die hier ihr Zentrum hat, ist
die einzige Kirche in Nordamerika,
die in beiden Organisationen, im
RWB wie im RÖR, Mitglied ist. »Ich
kann mir«, sagt Clifton Kirkpatrick,
der Präsident des RWB, »in NordameSeite 63
rika keinen besseren Ort vorstellen als
Grand Rapids.« Die Delegierten werden auf eine Stadt treffen, die kulturell wie wirtschaftlich voller Leben
ist, trotz der rückläufigen Ökonomie.
Das Calvin College, das Tagungszentrum der Vereinigenden Vollversammlung, hat starke religiöse Wurzeln in der Reformierten Kirche in
Amerika und gute Verbindungen zu
gesellschaftlich aktiven Gemeinden
aus der Presbyterianischen Kirche
und der Vereinigten Kirche Christi.
Zu diesem Ereignis sind auch Leitende aus dem Vatikan, dem Ökumenischen Weltrat der Kirchen und anderen ökumenischen Organisationen
eingeladen, ebenso Offizielle aus dem
Bundesstaat wie aus der US-Administration. Aber die Vereinigende Generalversammlung wird ihre Aufmerksamkeit im Besonderen auf Arme und
Enteignete legen. Ein Haupttagesordnungspunkt wird die Accra-Erklärung
sein, eine Erklärung zur weltweiten
Gerechtigkeit des RWB, die sich dage-
Gleichnisse Jesu
Den Ärger über Gottes
Großzügigkeit überwinden
Auf ihrem Weg in das gelobte Land
werden die Israeliten aufgefordert, die
Rechte und Gesetze Gottes zu befolgen. Sie sollen dem HERRN, ihrem
Gott, in Ehrfurcht begegnen. Dann
wird es ihnen gut ergehen und sie werden leben in »dem Land, in dem Milch
und Honig fließt« (5. Mose 6, 3). Dieses Land ist ein paradiesisches Land,
in dem alles im Überfluss vorhanden
ist. Doch ist es kein Traumland, kein
Schlaraffenland, in dem die Tiere vorgegart und mundfertig auf dem Teller
landen und Nichtstun die größte Tugend der Bewohner ist. Von Arbeit und
Anstrengung ist im Schlaraffenland
nicht die Rede, Jesus hingegen erwähnt sie oft in seiner Verkündigung
des Reiches Gottes. Er hat nicht dazu
aufgerufen, den Himmel auf Erden
herzustellen. Ihm kam es auf die Erfüllung der Gebote und des Willens Gottes an. Für die im Horizont des Reiches
Gottes existierende Kirche ist diese
Botschaft eine Herausforderung, die
sowohl das Denken und Handeln des
Einzelnen als auch die Gestaltung des
Zusammenlebens und die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse
betrifft. Jesus zieht nicht durchs Land,
um zu sagen, dass Arbeit sich lohnen
muss. Die Botschaft vom Reich Gottes
handelt von einer Gerechtigkeit, die
über das hinausgeht, was das Recht
verlangt. Es kommt darauf an, den
grimmigen Blick zu überwinden und
anderen Gutes zu gönnen.
Gleichnis »Von den
Arbeitern im Weinberg«
Das Gleichnis gehört zum Sondergut
im Matthäusevangelium (Mt. 20,
Seite 64
1–15). Es schließt sich an eine Warnung Jesu vor der Gefahr des Reichtums an (»Ein Reicher wird schwer ins
Himmelreich kommen«, Mt. 19, 23).
Die Jünger nehmen diese Warnung
zum Anlass, Jesus zu fragen, wer denn
überhaupt ins Reich Gottes kommen
könne. Ihr Interesse gilt dem Lohn der
Nachfolge. Darauf antwortet Jesus mit
dem Wort: »Viele, die heute wichtig erscheinen, werden dann die Geringsten
sein, und die, die hier ganz unbedeutend sind, werden dort die Größten
sein« (Mt. 19, 30). Diese Aussage wird
am Ende des Gleichnisses »Von den
Arbeitern im Weinberg« aufgenommen (Mt. 20, 16). Vielleicht antwortet
Matthäus damit auch auf Fragen der
ersten Adressaten des Evangeliums; sie
waren keine Augen- und Ohrenzeugen
und haben möglicherweise nach der
Qualität ihrer Nachfolge gefragt: Ist die
Dauer der Nachfolge bestimmend für
die Qualität der Beziehung?
Von diesem Textzusammenhang
her gesehen ist die Überschrift »Von
den Arbeitern im Weinberg« passend
und treffend. Matthäus berichtet in
dem Abschnitt (Kap. 18, 1 bis 20, 16)
von Gesprächen Jesu mit seinen Jüngern, deren Thema die Nachfolge, das
Leben und Handeln der Gemeinde
ist. Vom Inhalt des Gleichnisses her
gesehen, wäre die Überschrift »Vom
gütigen Arbeitsherrn« vorzuziehen.
So gesehen gehört auch dieses Gleichnis zu den Gleichnissen, mit denen
Jesus sein Auftreten gegenüber seinen
Kritikern rechtfertigt.
Geschildert wird ein außergewöhnliches Verhalten, ein besonderes Beispiel. Die Geschichte »Von den Arbei-
gen wendet, »dass Profit vor Menschen geht«. Und die Anwesenheit einer großen Gruppe amerikanischer
Indianer wird ständig an die historische Rolle der Kirchen bei der Marginalisierung der Indianischen Kultur
erinnern, sagt Peters. »In diesen zehn
Tagen geht es um Heilung und Versöhnung. Ich bin zutiefst davon überzeugt, das wird ein Gottesmoment.«
Charles Honey
Auszugsweise übernommen aus:
»die reformierten. upd@te10.1«
tern im Weinberg« oder »Von dem gütigen Arbeitsherrn« ist eine Parabel.
Der springende Punkt ist – wie so oft
in Gleichnissen Jesu – in dem letzten
Satz enthalten, nämlich in der Frage
des Weinbergbesitzers: »Bist du neidisch, weil ich so gütig bin?« (V. 15).
Der letzte Satz im Gleichnis ist allerdings – hier wie auch sonst manchmal – nicht der letzte Satz des ganzen
Abschnitts. Oft folgen interpretierende Schlussworte oder Deuteworte, wie
in Mt. 20, 16 die Aussage, dass die
Letzten die Ersten und die Ersten die
Letzten sein werden (siehe oben). Dieses Jesus-Wort ist an verschiedenen
Stellen zu finden (vgl. Mt. 19, 30, Mk.
10, 31, auch Mk. 9, 35). Es wurde frei
überliefert und hat auf diesem Weg
seinen Platz an dieser Stelle bekommen; das Gleichnis endet mit Vers 15.
Vom gütigen Arbeitsherrn
Ein Gutsherr geht auf den Markt, um
Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen: Tagelöhner, die auf Beschäftigung
warten. Wer sie für Faulenzer hält, tut
ihnen Unrecht. Dass sie auf dem Markt
stehen, zeigt, dass sie Arbeit suchen.
Manchmal leider vergeblich.
Die Arbeit im Weinberg drängt und
duldet keinen Aufschub. Der Bedarf
an Arbeitskräften ist groß. Der Lohn
wird gleich bei der Anwerbung vereinbart; Tageslohn ist ein Silberstück,
von dem eine Familie einen Tag ernährt werden kann.
Die zuerst Angeworbenen arbeiten
12 Stunden, vom Morgen bis zum
Abend. Andere kommen später hinzu, um 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr und
noch später. Die zuletzt Eingestellten
arbeiten nicht länger als eine Stunde.
Der Lohn wird nicht jeweils neu verhandelt. Der Gutsherr sichert allen
zu, dass sie bekommen, was recht ist.
Lohnauszahlung
Die Lohnauszahlung erfolgt gleich
am Abend des Arbeitstages. Die Letz-
ten erhalten ihren Lohn zuerst.
Schon diese Reihenfolge ist ungewöhnlich, doch folgt eine noch größere Überraschung: Die Kurzarbeiter
erhalten den vollen Lohn. Der Arbeitgeber handelt sehr großzügig.
Als die Ersten an die Reihe kommen, rechnen sie damit, einen entsprechend höheren Lohn zu bekommen. Es ist normal, dass Leistung und
Lohn entsprechend verrechnet werden. Doch es kommt anders: Die
Ganztagsarbeiter erhalten den vereinbarten Tageslohn, nicht mehr und
nicht weniger.
Was für eine Provokation! Das Verhalten des Gutsherrn kommt den
Langzeitarbeitern wie ein Betrug vor.
Sie haben den ganzen Tag gearbeitet,
nun werden die Letzten ihnen gleichgestellt! Die Langzeitarbeiter sind wütend – auf den Arbeitsherrn: Es muss
doch Regeln geben, auf die man sich
die übliche Gerechtigkeitsvorstellung.
Die Gesetze und Systeme dieser Welt
werden durch das Kommen des Reiches
Gottes aus den Angeln gehoben.
»Siehst du scheel drein, weil ich so
gütig bin?«, fragt der Weinbergbesitzer im Gleichnis. Die Frage bleibt offen; eine Antwort wird nicht erwähnt.
Die Antwort geben alle, die das
Gleichnis hören. Als Hörerinnen und
Hörer sind wir Teil des Geschehens.
Das Gleichnis ist eine Provokation
zum Umdenken: Es handelt von einer
Gerechtigkeit, die über das hinausgeht, was recht und billig ist. Es ist ein
verlockender und umstürzlerischer
Gedanken, dass Verhältnisse zustande
kommen, in denen Kleinen und
Schwachen viel Gutes gegönnt wird.
Es sind Verhältnisse wie bei Kain und
Abel, nur umgekehrt, von Solidarität
geprägt, mit der Wirkung, dass alle
bekommen, was sie brauchen.
Gott ist wie ein Weinbergbesitzer,
der allen Arbeitern gibt, was sie zum Leben brauchen.
verlassen kann! Eine Abstufung des
Lohnes nach der geleisteten Arbeit wäre gerecht! Was der Gutsherr tut, ist
nicht gut, sondern ungerecht! Die Frage und den Ärger der Langzeitarbeiter
verstehen wir. Auch nach unserem Gerechtigkeitsverständnis muss gelten:
Jeder bekommt, was er verdient. Lohn
nach Leistung, nicht mehr und nicht
weniger. Der Gedanke, ungerecht behandelt zu werden – auch von Gott,
ist weit verbreitet. Er stellt sich ein,
wenn Dinge geschehen, die eigentlich
nicht geschehen dürften. Es passt
nicht ins Schema, wenn guten Menschen Böses widerfährt, Übeltäter aber
ein sorgloses Leben führen können.
Wider den scheelen Blick
Der Gutsherr zeigt ohne Probleme die
Rechtmäßigkeit seines Handelns auf:
Die Ersten haben bekommen, was vereinbart war. Die großzügige Behandlung der anderen gereicht ihnen nicht
zum Nachteil. Was nicht mehr passt, ist
Gerechtigkeit, die über das
Recht hinausgeht
»Habe ich nicht die Macht, mit dem,
was mein ist, zu tun, was ich will«,
fragt der Gutsherr. Es ist für uns zugleich die Frage: Wer bin ich vor
Gott? Entweder werden wir es immer
als ärgerliche Ungerechtigkeit ansehen, dass anderen unverdienterweise
soviel Gutes zuteil wird, oder als
schönste Gerechtigkeit, die man sich
denken kann, weil sie von Genugtuung erfüllt ist und allen das zukommen lässt, was sie nötig haben.
Was Jesus von Gottes Gerechtigkeit
erzählt, durchkreuzt jede natürliche
Gottesvorstellung. Nach unserer Gottes- und Gerechtigkeitsvorstellung
gilt und muss gelten: Wer Gottes Forderung erfüllt, der empfängt den entsprechenden Lohn. Wer sie nicht erfüllt, wird bestraft. Es ist ein fatales
Schema, das Menschen, denen es an
Gutem mangelt, schlussfolgern lässt,
nicht von Gott geliebt, sondern unter
Strafe gestellt zu sein. Jesus verkündet, dass Gott gern und großzügig
gibt und nicht nach den Regeln handelt, die wir für selbstverständlich
und notwendig halten. »Er lässt die
Sonne für Böse und Gute aufgehen
und sendet Regen für die Gerechten
wie für die Ungerechten.« (Mt. 5, 45)
Gott gibt, was wir brauchen. Und er
befreit von dem »scheelen Blick«, der
schon Kains Herz verdarb und seinen
Blick verfinsterte.
Ohne Bedeutung für unser
Wirtschaftsleben?
Oft wird gesagt, die Bibel könne kein
Maßstab für unsere Wirtschafts- und
Arbeitswelt sein. Hier handle es sich
um Bereiche mit eigenen Gesetzen.
Kann es auch umgekehrt sein: dass
nur Verhältnisse und Verhaltensweisen, die der Botschaft Jesu und der
besseren Gerechtigkeit des Reiches
Gottes entsprechen, unsere Welt zu
einer menschlichen und sozialen
Welt machen?
»Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«,
sagt man. Und: »Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!« ... »Jedem das
Seine« ... »Jeder ist sich selbst der
Nächste!« Wo man nichts Besseres als
diese Regeln und Leitlinien kennt, ist
die Welt hart und kalt. Das ist kein
schöner Platz für Kinder, die gern
spielen. Auch nicht für Alte, deren
Kräfte nachlassen. Für Kleine und
Schwache ist die Luft sehr dünn.
Jesus schildert Verhältnisse und Verhaltensweisen, die auch unserer Wirtschafts- und Arbeitswelt guttun können. Stell dir vor, überall würde wirksam, was Jesus schildert. Das Leben sähe anders aus. Das Gerede, dass Arbeit
sich lohnen muss, würde verstummen. Fair handeln, die Gerechtigkeit
suchen, die über das harte Recht hinausgeht, den Kleinen und Schwachen
Gutes gönnen und Vorrang gönnen ...
Es wäre eine andere Welt: Notlagen
werden nicht ausgenutzt, auch die,
die auf dem Markt nicht richtig Fuß
fassen können, kriegen Arbeit.
Wer möchte, dass etwas vom Heil
Gottes in unserer Welt aufleuchtet,
muss den scheelen Blick loswerden,
der immer nur sieht, dass andere bevorzugt werden. Die Letzten werden
die Ersten und die Ersten die Letzten
sein, sagte Jesus. Die Kirche, die an
das Reich Gottes erinnert, predigt
nicht, dass Arbeit sich wieder lohnen
muss, sondern Gottes höhere Gerechtigkeit und Genugtuung für alle – mit
einer Mindestlohnregelung, die allen
zuteil werden lässt, was nötig ist.
Jan Alberts, Nordhorn
Seite 65
Kurz notiert
Greifswald. Das Greifswalder Oberverwaltungsgericht
(OVG) hat die sogenannte Bäderregelung des Landes
Mecklenburg-Vorpommern gekippt. In seiner Urteilsverkündigung erklärte das Gericht die Regelung für unzulässig, wonach in 149 Orten und Ortsteilen an bis zu 44
Sonntagen im Jahr zwischen 11.30 und 18.30 Uhr die Läden geöffnet werden könnten. Das Verfahren beruht auf
einer Klage der beiden evangelischen Landeskirchen sowie der katholischen Erzbistümer Berlin und Hamburg.
In ihrer Urteilsbegründung wies die Vorsitzende Richterin Hannelore Kohl darauf hin, dass die seit April vergangenen Jahres geltende »Bäderregelung« nicht den erforderlichen »Charakter einer Ausnahmeregelung« erkennen
lasse. Vielmehr verstießen deren Vorschriften gegen das
für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen vom Grundgesetz
festgelegte Regel-Ausnahme-Verhältnis. Die »Bäderregelung« ermögliche nämlich fast ganzjährig den gewerblichen Verkauf an Sonntagen. Davon ausgenommen sei
lediglich der Verkauf in Baumärkten sowie Möbel- und
Autohäusern.
Die anwesenden Kirchenvertreter begrüßten das Urteil.
Die Richter hätten mit ihrer Entscheidung den Sonntag
als Tag der Erholung gestärkt, sagte der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit. Damit sei anerkannt worden, dass der Sonntagsschutz »weit über die religiöse Bedeutung hinausgeht« und ein kommerzielles Interesse allein für derartige Verordnungen nicht reiche.
Der Sonntag sei generell der Tag, der den Menschen
und der Gesellschaft die nötige Besinnung bringe, sagte
der mecklenburgische Landesbischof Andreas von Maltzahn. »Der Sonntag als arbeitsfreier Tag wehrt der Tendenz der Ökonomisierung aller Lebensbereiche.«
Nordhorn. Diakonin aus Südafrika: Esther Pfeiffer wird
für zwei Jahre als Diakonin beim reformierten Synodalverband Grafschaft Bentheim arbeiten. Die 33-jährige gebürtige Südafrikanerin, hatte schon im Rahmen ihres Diakoniestudiums in Hamburg Gemeindepraktika in Schüttorf, Bad Bentheim, Holthusen und Greetsiel absolviert.
Am 1. März hat sie ihre Arbeit in der Grafschaft aufgenommen und soll nach Angaben von Präses Heinz-Hermann Nordholt besonders die Gemeindepartnerschaften
nach Südafrika stärken. Die Stelle von Pfeiffer wird kofinanziert vom Evangelischen Entwicklungsdienst (eed).
Emlichheim. Am 29. Mai soll im Gemeindezentrum der
ev.-altreformierten Gemeinde Emlichheim ein ökumenischer Kinderbibeltag unter dem Motto »Du hast Talent!«
stattfinden. Einladende sind die Kindergottesdienstteams
der drei evangelischen Kirchengemeinden Emlichheims
und der Herrnhuter Brüdergemeine Neugnadenfeld.
Veldhausen. Im Veldhauser Gemeindebrief wird auf die
Möglichkeit von häuslichen Abendmahlsfeiern hingewiesen. Sie kann von »Gemeindegliedern, die länger nicht
mehr am Abendmahl teilnehmen konnten«, erbeten werden. Das »Sakrament des Tisches« sei an keinen Ort gebunden, wohl aber an die Anwesenheit von Gemeinde,
wobei das Wort Jesu gelte: »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen« (Mt. 18, 20).
Veldhausen. Mit einer Bildausstellung und einer Festschrift wird in der Veldhauser Gemeinde an die über 100Seite 66
jährige Geschichte des Jünglings- bzw. Jugendvereins erinnert. 1908 gaben die jungen Männer ihrem Vereinsleben eine Struktur. Die Anwesenheit war Pflicht! Wer unentschuldigt fehlte, musste einen doppelten Monatsbeitrag zahlen. Im Herbst 1970 fusionierten der Jünglingsund Jungmädchenverein. Zuvor – seit den 60er Jahren –
trafen sich beide Vereine bereits einmal monatlich zu einem gemeinsamen Vereinsabend. So ist dann folgerichtig
im damaligen Themenplan des Jünglingsvereins vermerkt: »Schönes Geschlecht anwesend!«.
Wilsum. Der Chor der ev.-altreformierten Gemeinde Wilsum besteht seit 25 Jahren. Aus diesem Anlass wurde die
neue CD »Augenblick mal« herausgegeben, eine »Mutmach-CD der Psalmen«. Sie ist zum Preis von 9,50 Euro
beim Vorstand des Chores oder in der Buchhandlung Mine in Uelsen erhältlich. Für Sonntag, den 13. Juni ist im
Zusammenhang mit dem Chorjubiläum vormittags ein
»musikalischer Gottesdienst« geplant.
hlg
Hinweis der Redaktion
In den Monaten Mai und Juni zeichnet Pastor Dieter Bouws,
Eschweg 1, 49843 Uelsen, für den Grenzboten verantwortlich.
Texte und Bildmaterial nach Möglichkeit per E-Mail senden an
Dieter.Bouws@t-online.de.
Missionsausschuss lädt
zu einem Informationsabend ein
Nach dem Besuch einer Delegation aus Sumba im letzten Jahr
hat die Synode unserer Kirche beschlossen, möglichst für 2011
eine Frauendelegation mit ca. fünf Personen nach Sumba zu
entsenden.
Wir laden interessierte Frauen zu einem Informationsabend
am Donnerstag, 6. Mai 2010, um 20.00 Uhr in das ev.-altref. Gemeindezentrum nach Uelsen ein.
Frau Renate Heikens, Wilsum, wird die Leitung der Delegation
übernehmen. Neben der Zusammenstellung der Delegation
soll an diesem Abend nachgedacht werden über inhaltliche
Schwerpunkte des Besuchs und mögliche Einbindungen der örtlichen Missionskreise. Daher sind auch Vertreter daraus herzlich zu diesem Termin eingeladen.
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Ev.-altreformierte Gemeinde Wilsum, Eichenallee 2
Interessierte melden sich bitte unter Telefon 0 59 45 / 222
Der Grenzbote Erscheint vierzehntägig, in den Sommerferien einmal in drei Wochen.
Herausgeber: Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen
Redaktion: Pastor Hermann Teunis, Ihrener Straße 12, 26810 Westoverledingen
Schriftleitung: März und April 2010: Pastor Heinrich Lüchtenborg, Burgunderstraße 41 c,
42285 Wuppertal, Telefon: 02 02 / 44 60 61, E-Mail: luechtenborg.h@gmx.de
Mai und Juni 2010: Pastor Dieter Bouws, Eschweg 1, 49843 Uelsen, Telefon: 0 59 42 / 419,
Fax: 0 59 42 / 98 89 59, E-Mail: dieter.bouws@t-online.de
Redaktionsschluss: Am Dienstag nach dem Erscheinen der vorigen Ausgabe; namentlich
gekennzeichnete Artikel werden von den Autoren selbst verantwortet.
Druck: A. Hellendoorn KG, Stettiner Straße 1, 48455 Bad Bentheim
Bestellmöglichkeiten: Bei den Kirchenräten für den Bezug über die Kirchengemeinde;
für den Postbezug bei Gesine Wortelen, Buchenstraße 32, 48465 Schüttorf,
E-Mail: Gesine.Wortelen@gmx.de
Bezugsgebühren: EURO 25,– bei Bezug über Kirchengemeinden, EURO 40,– bei Postzustellung
Anzeigen: EURO 0,50 je Millimeterzeile bei halbseitiger Breite
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