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Darwin und Co. Nähren, was mich nährt Die Evolution - Kirchenbote

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9/2009
Kirchenbote
der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen
58. Jahrgang
www.kirchenbote-sg.ch
Darwin und Co.
Nähren, was mich nährt
«Du lässt Gras wachsen für das
Vieh; und Pflanzen für die Arbeit
der Menschen, …» Psalm 104, 14a
Die Evolution der Schöpfung
Über Darwin hinaus …
Im Anfang
Nähren,
was mich nährt
Leben mit Wissenschaft und Poesie
Als ich ein Kind war, staunte ich über
Käfer, Rosen, Maiwiesen, den Mond
und noch viel mehr. Später, in der Schule, gewöhnte man mir das Staunen ab.
Ich wurde, was man «kritisch» nennt:
Maiwiesen erkannte ich als Molekülanhäufungen, Rosenduft als biochemische
Verbindung, die, hochverdünnt, auf Rezeptoren in meiner Nasenschleimhaut
trifft. Das Sezieren und Analysieren begeisterte mich. Coolness war angesagt,
Poesie war out.
Ermüdet vom Streit
Noch heute liebe ich die Wissenschaft,
solange sie mir hilft, die Welt besser zu
verstehen. Und solange sie nicht behauptet, das Ganze zu erfassen.Was «Leben» eigentlich ist, haben nämlich auch
die klügsten Wissenschaftlerinnen noch
nicht herausgefunden. Zwar haben mir
Ältere erzählt, dass ich von einer bestimmten Mutter in die Welt gesetzt wurde, wie vermutlich alle anderen Menschen auch. Aber warum ich hier bin,
ausgerechnet hier in der Ostschweiz des
einundzwanzigsten Jahrhunderts, das
weiss ich so wenig wie mein muslimischer Nachbar oder die Professorin von
der ETH. Sicher: Man kann viel spekulieren und einiges beweisen. Wir können
trefflich streiten um Intelligent Design,
Vorsehung und natürliche Selektion.
Streiten macht Spass, manchmal, und
Streit kann Erkenntnis fördern. Aber
manchmal macht er auch müde.
Ermüdet vom Streit kehre ich zurück
zu Gedichten wie diesem:
Segne DIE EINE, du meine Lebenskraft!
DIE EINE, meine Gottheit – so gross bist
du! Majestät und Glanz kleiden dich.
Die sich in Licht hüllt wie in einen Umhang … Quellen schickst du in ihre Täler.
Zwischen den Bergen gehen sie dahin,
tränken alle Lebewesen der Wildnis ...
Über ihnen wohnen die Vögel des Himmels, aus dem Gebüsch lassen sie ihre
Zum Titelbild von Charles Darwin
«… ein Erdgeist fast, der für einige Jahrzehnte die
Gestalt eines stillen, zurückgezogenen, die Natur
unter einem neuen grossen Aspekt schauenden
Mannes namens Charles Darwin angenommen
hat.» – So kommentiert der populäre Naturwissenschaftler Albert Bettex 1965 dieses Bild Darwins.
Quelle: «Die Entdeckung der Natur», ex libris
Stimmen hören. Die Berge tränkst du
aus deiner hohen Wohnung, von der
Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh; und
Pflanzen für die Arbeit der Menschen,
um Brot aus der Erde hervorzubringen,
dazu Wein – er erfreut das menschliche
Herz ... (Ps 104, 1, 2a, 10–15a, Bibel in
gerechter Sprache)
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus
dem langen Psalm 104. Es scheint, als
könne, der da spricht, nicht genug bekommen vom Staunen und Loben. Der
Psalmist sagt uns nicht, wie genau
GEHEIMNIS HINTER ALLEN UND
ALLEM die Welt gemacht hat. Da wird
einfach in aller Ausführlichkeit beschrieben, wie vielfältig wunderbar das alles ist,
wie wenig ich selbst gemacht und wie viel
Grund ich zum Danken habe.
Danken und Staunen
Und wie soll der Dank aussehen? So:
Singen will ich DER EINEN mit meinem
Leben, für meine Gottheit musizieren mit
meinem Dasein! Möge ihr gefallen, was ich
ersinne – ich will mich freuen über DIE
EINE! Verschwinden sollen Verbrechen von
der Erde, Gewalttätige sollen nicht mehr
sein. Segne DIE EINE, du meine Lebenskraft! Hallelujah. (Ps 104, 33–35)
Wie schön wäre es, könnten sich
Kreationisten, Evolutionistinnen, Darwinisten, Atheisten, Nihilistinnen, Feministinnen, Sozialisten und alle anderen
aufs tätige Staunen einigen. Wir wissen
doch wirklich nicht, WER oder WAS
täglich dafür sorgt, dass wir aufwachen,
«Und dieses Unermessliche, das uns täglich
nährt, können wir
unsererseits pflegen
und nähren.»
kochen, essen, schlafen, den Boden bebauen, einander Freude machen, Kinder
gebären, Häuser bauen, Banknoten
drucken, Finanzprodukte, Computer
und den Teilchenbeschleuniger erfinden
können. Wir wissen es nicht. Aber, dass
ETWAS uns am Leben hält, das spüren
wir jeden Morgen neu, solange wir in der
Welt sind. Und dieses Unermessliche, das
uns täglich nährt, können wir unsererseits pflegen und nähren. Mehr ist nicht
nötig. Möge GOTT gefallen, was wir ersinnen ... (Ps 104, 34a)
INA PREATORIUS, WATTWIL
2
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
Editorial
Liebe Leserin,
lieber Leser
«Wer oberflächlich die Natur betrachtet,
Im grenzenlosen All sich leicht verliert,
Doch wer auf ihre Wunder tiefer achtet,
Wird stets zu Gott, dem Herrn der Welt,
geführt.» – So formulierte der 1809 in
Niederuzwil geborene Naturforscher
Oswald Heer sein Lebensmotto.
Die Naturforschung war damals noch
offen für tiefere Zusammenhänge der
Natur, doch mehr und mehr entschied
man sich, in der Wissenschaft bloss die
sichtbare Welt zu beschreiben und nicht
über hintergründige Kräfte zu spekulieren. Die ganzheitliche, durch religiöse
Tradition geprägte Natursicht wurde
abgelöst durch exaktes Beobachten der
äusseren Naturvorgänge.
Der ebenfalls 1809 geborene Charles
Darwin steht für diesen Übergang. Er
publizierte vor 150 Jahren «The origin
of species». Das an ein breites Publikum gerichtete Buch erklärt auf natürliche Weise die Vielfalt der Arten:
Zufällig entstehen neue Varianten einer
Art (Variation) und von diesen überleben
die besser angepassten (Selektion).
Darwins Theorie gilt bis heute, nur dass
die Variation nun auf Veränderungen im
Erbgut (Mutation) zurückgeführt wird.
Mit Darwins Evolutionstheorie hat sich
das Programm der Aufklärung auch in
der Biologie durchgesetzt. Nach Immanuel Kant soll die wissenschaftliche Vernunft der sichtbaren Mechanik der Natur
folgen. Was nicht messbar ist, muss die
praktische Vernunft ergänzen – angeregt
durch Philosophie und Religion.
Doch diese Auffächerung und erneute
Zusammensetzung der Vernunft bereitet Schwierigkeiten. Denn die Religion
mit ihren mythischen Bildern lässt sich
nur schwer mit der modernen Sicht der
Natur verbinden, ausser man reduziert
Gott auf eine abstrakte Idee. Dagegen
wehren sich die Frommen aller Religionen – und provozieren mit ihrem Fundamentalismus. Denn Evolutionstheorie
ohne die Tiefe der Religion ist ideologieanfällig. Der Mensch ergänzt dann
beliebig Sinn und Ziel der Schöpfung.
Ich meine, dass wir erst am Anfang
sind, neu auf die Wunder der Natur zu
achten, damit Naturwissenschaft und
Glaube sich sinnvoll ergänzen. AS
Thema
Die Evolution der Schöpfung
Oswald Heer und Charles Darwin
Im selben Jahr 1809 wie Darwin ist am 31. August in Niederuzwil der spätere
Naturforscher Oswald Heer geboren. Im Unterschied zu Charles Darwin hat er
klärung für die natürliche Entstehung der Arten geliefert. Ein
Schöpfergott hatte in dieser Erklärung keinen Platz mehr.
die Evolution der Schöpfung auf das Wirken der göttlichen Ideen zurückgeführt.
Oswald Heer, ein Zeitgenosse Darwins
Im 19. Jahrhundert entdeckte und erforschte man neue Erdschichten, welche unbekannte Knochen und Fossilien hervorbrachten. Auch die Pfahlbauer waren damals als die ersten Bewohner der Schweiz identifiziert worden.Von den Dinosauriern
wusste man vorher noch nichts; und die ersten Mammutknochen hielt man für Reliquien des heiligen Christophorus, der ein
Riese gewesen sein soll. Selbst das Skelett des in Öhningen am
Bodensee entdeckten Riesensalamanders Andrias Scheuchzeri
wurde zuerst noch für Knochenteile vom Bein eines in der Sintflut ertrunkenen Urmenschen oder für einen Fisch gehalten.
Vom Ursprung der Arten
Skelett Riesensalamander Andrias Scheuchzeri
Nachdem die ersten Forscher ihre Funde durch ihre Bibelkenntnisse erklärt hatten, suchten die nachfolgenden Geologen aus
den sichtbaren Objekten der Schöpfung herauszufinden, wie
sich die Welt bis zur Jetztzeit entwickelt und verändert habe. Dazu untersuchte man alle greifbaren Schichten, welche sich von
der gegenwärtigen Erdoberfläche unterscheiden und von
früheren Zeitaltern erzählen. Bald fand man heraus, dass es vor
der uns bekannten Welt noch ganz andere, weit zurückliegende
Zeitalter gegeben hatte. Daher müsse auch die Erde sehr viel älter
sein als die bisher angenommenen 6000 Jahre, welche man sich
aus der Schöpfungswoche und dem Hinweis, für Gott sei ein Tag
wie tausend Jahre, theologisch errechnet hatte. Der Schotte
Charles Lyell (1797–1875) eröffnete mit dieser Einsicht das Rennen um die Frage nach dem Ursprung der Welt und der auf ihr
lebenden Arten. Zunächst glaubte man mit Georges Cuvier
(1769–1832),dass nach jedem Zeitalter,etwa nach der Eiszeit,die
alte Naturwelt untergegangen wäre und wieder eine vollkommen neue Schöpfung entstanden wäre. Charles Darwin stellte
mit seinem vor 150 Jahren erschienenen Hauptwerk vom «Ursprung der Arten» die Theorie auf, dass alle Formen des Lebens,
inklusive diejenige des Menschen,direkt miteinander verbunden
seien und von einem gemeinsamen Ursprung her kämen. Diese
Erkenntnis hatten andere vor ihm, doch Darwin hat mit den beiden Stichworten «Zufall» und «Selektion» als erster eine Er-
Linné hat 1758 als erster den Menschen mit dem Affen in die
Familie der Primaten eingereiht. Noch bevor Darwin 1871
sein Buch «Die Abstammung des Menschen» veröffentlicht
hat, präsentierte T. H. Huxley diese Zeichnung.
Aus einer alten Glarner Pfarrersfamilie stammend, nahm sich
auch der am 31.August 1809 im alten Pfarrhaus von Niederuzwil
geborene Oswald Heer dieser bis heute noch nicht befriedigend
gelösten Thematik vom Ursprung und den Umwandlungen des
Lebens an. Seine Liebe galt früh den Pflanzen und Insekten, welche er sowohl als Kind wie auch als Theologiestudent an der Universität Halle eifrig sammelte und einordnete. Ein Kommilitone
meinte dazu, dass Heers Studentenbude eher wie Fausts
Hexenküche aussähe als wie die Wohnstätte eines frommen
Pfarrers. Heer bestand zwar die Theologieprüfung in St.Gallen,
ging dann aber nach Zürich, wo er an der frisch gegründeten
Universität Professor für Biologie und Insektenkunde wurde.
Nach den lebenden Pflanzen und Tieren wurde die Erforschung der fossilen Pflanzen zu Oswald Heers eigentlicher Spezialität. So entdeckte er,dass die Fossilien aus dem hohen Norden
von Island bis zum Pol denjenigen Typen glichen, welche sich
noch heute in Japan oder Nordamerika vorfinden.GanzeVegetationen waren also strahlenförmig gewandert und hatten einen
gemeinsamen Ursprung, den Heer zuerst mit der Existenz eines
verbindenden Kontinents, des untergegangenen Atlantis, deutete. Erstaunlich ist auch, dass die Pflanzen oberhalb der Schneegrenze in den Alpen überall dieselben seien, während es in den
Tälern verschiedener Länder unterschiedliche Arten zu finden
gibt. Auf den Bergeshöhen und Gipfeln haben sich offenbar die
Reste einer älteren Vegetation erhalten, welche die letzte Eiszeit
überstanden hatten. Solche pflanzengeografischen Feststellungen ermöglichten Heer Rückschlüsse auf das Klima früherer
Zeitalter. So muss es zur Zeit des Miozän in den Ländern vor dem
Nordpol viel wärmer gewesen sein, da die dort gefundenen Fossilien mit den tropischen Pflanzen unserer Zeit verwandt sind.
Tatsächlich hatte es in einem einst tropischen Europa bis in den
hohen Norden hinauf Wälder gegeben und an den Ufern des
Sees bei Lausanne sonnten sich Krokodile.
Oswald Heer, der nach seiner Kindheit im Untertoggenburg
mit seinem Vater, dem Pfarrer und Reformpädagogen Jakob
Heer, und der bald darauf früh verstorbenen Mutter zuerst nach
Glarus und dann ins Sernftal nach Matt gekommen war, verlebte eine Jugendzeit mit den Alpen vor seinen Augen. In Niederuzwil beleuchteten die Sonnenstrahlen jeden Tag den Säntis, im
Kleintal von Glarus waren es dann nur noch wenige Schritte bis
in die Berge. Ihm wuchs die alpine Natur so sehr ans Herz, dass er
beschloss, Gott auf diesem Wege Ehre zu bereiten. Seine Entscheidung, anstatt Pfarrer Naturforscher zu werden, war keine
Abkehr von der Religion, sondern eine Vertiefung in dieselbe.
Denn er war nach einem alten Spruch Francis Bacons der Überzeugung, dass das Studium der Natur nicht von Gott wegführen
müsse. Je tiefer man in die Geheimnisse der Natur eindringe und
je genauer man deren wundersame Rätsel erforsche, umso näher
werde man zu Gott geführt.
Planender Zweck statt Zufall
Dieser Glaube zeigt uns den fundamentalen Unterschied zu seinem berühmten Zeitgenossen, dem englischen Pfarrerssohn
Charles Darwin (1809–1882). Dieser wurde gegen Ende seines
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
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Zitate von Oswald Heer (1809–1883)
«Unser Gemüt wird wunderbar ergriffen,
wenn im Frühling die Natur zu neuem Leben erwacht und die Pflanzenwelt in ihrem
Blütenschmuck aufs Neue aus den Tiefen
der Erde emporsteigt. Eine ganze Welt von
Pflanzen aber, welche in der Erde Schoss
verborgen, vermag die Frühlingssonne
Bild: Ramona Scherrer, Verlag Bär
Lebens zum Agnostiker und seine Lehre hat den Zufall an die
Stelle Gottes gesetzt. Bei Heer ist wie noch bei Aristoteles ein geheimer, auf Harmonie programmierter Zweck in der Evolution
der Schöpfung enthalten. Alles entwickelt sich nach einem Plan
zielgerichtet und stufenweise von den niederen Formen zu den
höheren. Selbst die Anhänger der Evolution postulieren, dass die
Natur mit ihrer Auslese immer nur die nützlichen Formen wähle; damit strebe sie eine ständige Verbesserung bisheriger Lebewesen an. Pflanzen und Tiere bedingen sich gegenseitig und bilden ein Gleichgewicht. Niedere und höhere Formen, sehr alte
und relativ neue Arten, stehen in einem Zusammenspiel. Das
lässt auf eine Harmonie der Schöpfung schliessen, weshalb es
nach Heers Überzeugung vernünftiger sei, statt an den blinden
Zufall an einen planenden Zwecksetzer zu glauben, der das Programm aller Entwicklungen vorgegeben hat.
nicht aufzuwecken; sie bleibt in Todesschlummer gebannt, bis der Zauberstab
der Wissenschaft sie berührt und nun auch für sie Frühling anbricht, an welchem sie aus dem dunkeln Felsengrabe aufsteigen
und aufs Neue ins Reich des Lebens eintreten kann.
Die tief in der Erde verborgenen Pflanzenschätze bringen uns mit
einer längst vergangenen Welt in unmittelbare Beziehung, ver-
Zusammenspiel der Weltzeiten
Auf dem Hintergrund vergangener Zeitalter und den in ihrem
Verlauf auftauchenden neuen Gattungen – Fische, Amphibien,
Reptilien,Vögel und Menschen – erscheint die jetzige Schöpfung
als die vollkommenste.Wenn man alle Zeitalter im Überblick betrachte, ergebe sich ein harmonisches Ganzes. Zu dieser Vollkommenheit gehöre als eine späte Erscheinung in der Abfolge
der Entwicklung aus dem Wasser zu den Reptilien am Land und
den auf diese folgenden Säugetieren auch der Mensch.Als Christ
unterscheidet Heer zwischen dem vergänglichen, dem biologischen Menschen, und dem zu Höherem bestimmten Geistwesen, dem Abbild Gottes. Ihm war nämlich klar, dass auch unsere
Schöpfung irgendwann wieder in eine historische Schicht versinkend untergehen würde. Selbst das Lebewesen Mensch gehöre dereinst der Vergangenheit an, während dann aus der Natur
längst wieder ganz neue Lebensformen hervorgegangen wären.
Die Zukunft des Geistwesens Mensch liegt ja nicht in derWelt der
chemischen Stoffe, Gesteinsformationen, Pflanzen und Tiere;
seine zum Glauben berufene Existenz transzendiert die materielle Welt und sucht die Ewigkeit. Das Zusammenspiel der Weltzeiten und ihrer Lebewesen führe auf eine Harmonie,die nur mit einem Schöpfer denkbar sei. Der Zufall oder der Nutzen, den Darwins Jünger als Regelprinzip an dessen Stelle setzen, erkläre das
Rätsel der Veränderungen in der Natur nur bedingt.
Um Material für seine Forschungen zu finden, unternahm
Heer viele Bergbesteigungen, oft zusammen mit Studenten:
«Auf unseren Bergeshöhen werden wir ergriffen von der Grossartigkeit und dem Reichtum unserer Schöpfung; wie klein und
unbedeutend kommen wir uns da vor, dieser wundervollen Natur gegenüber!» RAPHAEL A. BAER, NIEDERUZWIL
Morgenrot der jetzigen Schöpfung anbrach.
Die Sonne der Wissenschaft wird auch diesen Nebel allmählich
zerreissen. Dann wird es möglich sein, die grossen Schöpfungsgedanken Gottes, welche in der Natur sich offenbaren, in ihrem
Zusammenhang zu erkennen!» (Widmung im ersten Band der
«Tertiärflora der Schweiz» von 1858)
«Jedermann würde den für einfältig halten, der behaupten wollte, dass die Noten einer Symphonie aus zufällig auf das Papier
gekommenen Punkten entstanden seien, und mir will scheinen,
dass diejenigen nicht weniger unverständig urteilen, welche die
unendlich viel wundervollere Harmonie der Schöpfung als ein
Spiel des Zufalls betrachten. Erst der Glaube an einen allmächtigen und allweisen Schöpfer lässt uns die Geschichte unseres
Landes, seine Pflanzen und Tierwelt im rechten Lichte betrachten.» (Aus «Urwelt der Schweiz», 1865)
«Mir will es aber scheinen, dass diejenigen nicht weniger unverständig urteilen, welche die unendlich viel wundervollere
Harmonie der Schöpfung als ein Spiel des Zufalls betrachten.
Je tiefer wir daher eindringen in der Erkenntnis der Natur, desto
inniger wird auch unsere Überzeugung, dass nur der Glaube an
einen allmächtigen und allweisen Schöpfer, der Himmel und Erde nach ewig vorbedachtem Plane erschaffen hat, die Rätsel der
Natur, wie die des menschlichen Lebens zu lösen vermöge. Es ist
daher nicht allein des Menschen Herz, das uns Gott verkündet,
sondern auch die Natur, und erst wenn wir von diesem Standpunkte aus die wunderbare Geschichte unseres Landes und seiner Pflanzen- und Tierwelt betrachten, wird sie uns im rechten
Lichte erscheinen und uns den höchsten Genuss gewähren.»
(Schlusswort «Urwelt der Schweiz», 1865)
Foto: as
Raphael Baer hat im Verlag Bär Texte und ein Porträt von Oswald Heer
neu herausgegeben.
setzen uns mitten in dieselbe und zaubern uns den Pflanzenteppich vor Augen, der unsere Erde bekleidet hat, längst bevor das
Affen zeigen dem Menschen Darwins «Abstammung des Menschen» und einen Spiegel: Ornament im Naturhistorischen Museum Wien.
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
Thema
Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube zusammenzubringen, fällt vielen schwer. Wie gehen damit Personen um,
einem solchen Ansatz heraus hat man
früher eine verheerende Rassenlehre und
den Kolonialismus, später aber auch den
Wirtschaftsdarwinismus und die ungezügelte freie Marktwirtschaft gerechtfertigt. Das sind unlautere Vermischungen,
die einem Missbrauch der Evolutionslehre gleichkommen.
die beruflich mit der Natur zu tun haben? Der Kirchenbote
erkundigte sich bei einem Biologielehrer und einem Arzt.
Mein Menschsein deuten
Über Darwin
hinaus …
Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube heute
Johannes Läubli, Dicken
Johannes Läubli unterrichtet an der Kantonsschule am Burggraben St.Gallen seit
38 Jahren Biologie, er wohnt im Neckertal.
Man muss die Evolutionstheorie nüchtern sehen und darf sie nicht überstrapazieren, indem man in ihr ein verborgen
wirksames Ziel zu sehen meint. Die Evolutionstheorie hilft uns, die Faktenfülle
«Die Evolutionstheorie hilft
uns, die Faktenfülle der Natur
zu ordnen.»
der Natur zu ordnen – mehr will ich
nicht in sie hineininterpretieren. Sogar
die Rede von der Höherentwicklung ist
problematisch und wenig wissenschaftlich. Wer sagt uns, was höher ist? Die
Evolutionstheorie beschreibt einen sich
ereignenden Prozess, in dem sich jedes
Lebewesen in seiner Umwelt entfaltet,
sich in seiner jeweiligen Umwelt bestmöglich zurechtfindet und fortpflanzt.
Mein eigenes Menschsein würde ich niemals allein mit der Evolutionstheorie zu
verstehen suchen. Dazu wende ich mich
an die Humanwissenschaften und an
das Erbe der Religionen, letztlich an
meinen Glauben. Hier wird auf einer
andern Ebene über unser Menschsein
gesprochen. Anstelle des «Überlebens
des Stärkeren» erfahre ich auch von
Rücksicht, Liebe und Vergebung. Ich bin
dezidiert der Meinung, dass wir die beiden Ebenen, auf denen wir uns dem Leben nähern, nicht vermischen sollten,
auch wenn ich durchaus neben dem Verständnis der Entwicklungsprozesse auch
ins Staunen über die Schönheit der Formen und die Ästhetik der Zusammenhänge gerate. Darüber hinaus bin ich
auch kritisch gegenüber Anthroposophie oder Intelligent Design, wo man
Gott in der Natur auf die Schliche kommen will. Zu gross erscheint mir die Gefahr der Anmassung: Eine umfassende
Welterklärung sperrt Gott in einen
menschlichen Gedankenkäfig.
Schliesslich ist aber doch noch festzuhalten, dass erst aufgrund der Erkenntnisse der Evolution auch das Verständnis
dafür gewachsen ist, dass auch der
Mensch in einem dynamischen Beziehungsnetz mit den andern Lebewesen
steht. Dank seiner Erkenntnisfähigkeit ist
er befähigt und verpflichtet, sein eigenes
Überleben zu verantworten. NOTIERT AS
Evolution nicht vergöttern
Die Evolutionstheorie spricht nicht über
das ganze Sein der belebten Natur, sondern nur von der Entwicklung der Arten
entlang der Zeitachse. Wie und warum
die Arten in so erstaunlicher Weise zugenommen haben – und auch wieder ausgestorben sind –,ist inVielem noch ungeklärt. Wer aus der Evolutionstheorie heraus das Ganze des Lebens zu erklären
versucht, macht aus ihr mitunter eine Ersatzreligion, sei es, dass man ethische,
ästhetische oder theologische Gedanken
in sie hineinträgt oder die Natur zu einem
Mysterium, zu einer Gottheit macht. Aus
Markus Fopp, St.Gallen
Markus Fopp, St.Gallen, war bis 2008 Arzt
im Kantonsspital St.Gallen.
Charles Darwin war vom Artenreichtum
schon als junger Käfersammler und erst
recht bei seinen Streifzügen durch paradiesische Tropenwälder überwältigt. Bei
seinem Forschen nach Gesetzmässigkei-
ten, welche ihm diese Vielfalt erklären
würden, hat er entdeckt, nach welchen
Gesetzen sich die Entstehung dieser
Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich
widerspruchsfrei erklären lässt. Inzwischen haben sich seine Vorstellungen in
der immer grösser werdenden Disziplin
der Evolutionswissenschaften weiter
entwickelt und seine Erklärung der Artenvielfalt wird heute nicht mehr als
Theorie, sondern als Realität betrachtet.
Aus welch anderer Welt stammt doch
der biblische Schöpfungsbericht! Auch
hier finden wir zwar die Beschreibung
eines sich in einer definierten Zeitspanne
ereignenden Prozesses. Doch ist das Wesen dieses Prozesses ein völlig anderes:
Für mich ist diese wundervolle Erzählung, die aus uralter mündlicher Tradition in der Zeit der Entstehung der Bibel in
der uns geläufigen Art aufgezeichnet
wurde, kein Bericht zum «Wie» sondern
zum «Woher» der materiellen Welt, die
«Aus welch anderer
Welt stammt doch
der biblische
Schöpfungsbericht!»
uns umgibt. Es wird hier vom Prozess
Schöpfung gesprochen und damit in
erster Linie etwas über das Wesen des
Schöpfers ausgesagt: Schöpfung als Werden aus dem Nichts, der Bericht ein Lobgesang an den für uns so Unbegreiflichen.
Zwei Ebenen der Deutung
Der Konflikt in der Auseinandersetzung
zwischen den wissenschaftlichen Erklärungen Darwins zum Ablauf des
Evolutionsprozesses und dem biblischen
Schöpfungsbericht ist aus meiner Sicht
ein scheinbarer. Weshalb soll ich nicht
annehmen können, dass beide in ihrer
Art genauso wahr sind, wenn auch ein
Werner Heisenberg oder ein Gregory Bateson dies können? Der eine Bericht befasst sich mit dem «Wie», der andere mit
dem «Woher» der Schöpfung. Bereits bei
Augustinus lösen sich die genannten
Konfrontationen auf wie ein Nebel an
einem schönen Herbstmorgen.Vielleicht
sollten wir im Schulunterricht vermehrt
lernen, dass es verschiedene Ebenen des
menschlichen Begreifens gibt. Es ist uns
durchaus zuzumuten, dass wir das Ergebnis einer genialen wissenschaftlichen
Arbeit von einem Lobgesang Gottes in
seinem Wesen voneinander unterscheiden können. MARKUS FOPP
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
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Wenn Mutter
Erde seufzt
Theaterprojekt von Pierre Massaux
Der in Speicher AR lebende Musiker und Regisseur Pierre Massaux ist bekannt für seine eigenwilligen, aber stets geistvollen Theater. Im Frühjahr war in mehreren Kirchen das ganze Johannesevangelium als Einmanntheater zu sehen. Jetzt
fragt er in einem Theaterprojekt mit Menschen in
schwierigen Situationen nach einer Landwirtschaft,
welche dem Menschen und der Erde entspricht.
Ausgangspunkt des Theaterprojekts ist
ein Buch des heute über 70-jährigen Algeriers Pierre Rabhi. Das Buch, das noch
nicht ins Deutsche übersetzt worden ist,
trägt den Titel: «Parole de terre – une
initiation africaine». Es trägt biografi-
«Sie alle verbindet die
Frage, wie die Menschheit
auf das Stöhnen der Erde,
antworten kann.»
sche Züge. Pierre Rabhi lässt darin verschiedene Personen auftreten, welche
seine eigenen Erfahrungen mit traditioneller und maschineller Landwirtschaft
thematisieren. Im Zentrum steht die
Erde, die eine Stimme erhält.
Maschine und Handarbeit
Pierre Rabhi kam in den 60er-Jahren als
Fremdarbeiter nach Frankreich, wo er
vorerst in der Industrie beim Autobauer
Renault gearbeitet hat. Er vermisste aber
die Nähe zur Erde und suchte Arbeit in
der Landwirtschaft.Doch die Begegnung
mit der industriellen Landwirtschaft in
Frankreich löste bei Rabhi einen Schock
aus und führte zu einer radikalen Umkehr. Ohne Strom und Maschinen suchte er in der Ardèche in Frankreich, in einem heruntergekommenen Bauerngut,
nach Alternativen in Pflanzenbau und
Tierhaltung. Auch besuchte er andere
biologische Höfe, arbeitete da und dort,
und begann seine Erfahrungen in Ländern Zentralafrikas umzusetzen. Pierre
Rabhis Projekte fanden Anklang in der
Presse. Mehr und mehr hielt er auch Vorträge, schrieb Artikel und diskutierte seine Ideen mit interessierten Kreisen.
Aktuelle Umsetzung
Pierre Massaux hat das Buch «Parole de
terre», zu dem der bekannte Geiger
Yehudi Menuhin das Vorwort geschrieben hat, mit Begeisterung gelesen. Bald
sah er die Möglichkeit einer theatralischen Umsetzung vor sich. Die auftretenden Menschen aus verschiedenen
Kontinenten, Kulturen und Religionen
verbindet die Frage, wie die Menschheit
auf das Stöhnen der Erde, auf ihre Verletzungen, antworten kann. Die Erde ist am
Sterben – was machen die Menschen
jetzt? So die Ausgangsfrage, welche dem
Stück zugrunde liegt. Wenn wir in der
Produktion von Nahrungsmitteln nicht
zurückfinden zum Respekt vor der Erde,
dann bringen alle politischen und wirtschaftlichen Aktionen nichts. Dass Pierre
Massaux nun diese Fragen im Rahmen
eines Theaterprojekts mit Menschen aus
verschiedenen Kulturen thematisieren
kann, erfreut ihn besonders. Die jungen
Laienschauspieler, die selber aus schwierigen Lebenssituationen kommen, hätten ein tiefes Verständnis für das spannungsvolle Situationsdrama, in dem es
um das Überleben der Erde geht.
Ein Hund, der Bäume frisst
Pierre Rabhi hat in Afrika Ideen einer
künftigen Landwirtschaft angestosssen.
6
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
Die meisten Figuren konnte Pierre Massaux dem Buch entnehmen. Da ist der alte Afrikaner Tyemoro, der die Weisheit
der traditionellen Landwirtschaft Afrikas verkörpert. Er weiss noch, wie es
früher möglich war, die eigenen Bedürfnisse zu decken. Und er beobachtet, wie
diese Landwirtschaft durch veränderte
Märkte und neue Methoden zusammengebrochen ist und die jungen Leute in
die Stadt zogen oder zu emigrieren versucht haben. Die industrialisierte Landwirtschaft sieht er mit seinen Augen. Er
Pierre Massaux
Fotos: as
Fokus
Pierre Massaux aus
Teufen AR, der Regisseur von «Stimme der
Erde», ist 1954 in Antwerpen, Belgien, geboren. Nach dem Klavierstudium im belgischen
Mons machte er eine Ausbildung in der
eurythmischen Kunst in Lausanne. Es
folgten zahlreiche Solo-Aufführungen
in Städten Europas sowie namhaften
Theatern in Süd- und Mittelamerika.
Heute ist er als freischaffender Regisseur tätig. Im Teilpensum unterrichtet
er Klavier an der Musikschule Herisau.
Mit seinem neusten soziokulturellen Projekt «Présent» will Pierre Massaux junge
Menschen zwischen 16 und 21 in Schwierigkeiten (nicht bestandene Aufnahmeprüfung, Time-out, keine Lehrstelle …),
aber auch Asylsuchende und Menschen
mit IV-Rente zu kreativen Aktivitäten verhelfen. Er will sie mit Kultur und Kunst in
Beziehung bringen. Durch die sozialen
Interaktionen wird auch die eigene Persönlichkeit entwickelt.
spricht vom «metallischen Esel» und
meint einen Lastwagen, oder vom
«Hund, der Bäume frisst» und spricht so
von der Motorsäge.Dann ist da Ousséini,
der in Europa die biologische Landwirtschaft kennengelernt hat, aber in seiner Heimat mit diesem Konzept der
Weissen auf Widerstand stösst. Niemand
will ihm Land abtreten, damit er seine
Einsichten beweisen kann. Im Kleinen
beginnt er etwas Neues, das Hoffnung
weckt und Lösungen andeutet. Endlich
bekommt er von allen Anerkennung und
Dankbarkeit.
Pierre Rabhi hat das, was er in seinem
Buch skizziert, nicht ausgedacht, sondern in vielen Teilen selber erfahren.
Pierre Massaux ist vor allem von Rabhis
Durchhaltewillen beeindruckt, gegen
alle Widerstände etwas zu realisieren: «Er
ist kein Theoretiker,sondern jemand,der
durch Praxis weise geworden ist und
auch im Erfolg bescheiden und einfach
blieb.» AS
«Stimme der Erde» – Bühnenfassung
von «Parole de terre» von Pierre Rabhi
Premiere: 9. September, 20.15 Uhr, im Keller der
Rose, Gallusstrasse 18, St.Gallen
Vorstellungen: 10. /11./12./14./15./16./19. Sept.
jeweils 20.15 Uhr; So. 13. / 20. Sept. um 17.30 Uhr
Eintritt: Fr. 25.– , Fr. 15.–; Ticketreservation:
071 230 04 04, Buchhandlung zur Rose, Gallusstrasse 18, St.Gallen, buchzurrose@bluewin.ch
Fokus
Das Bekennen
neu lernen
Reformierte Schweiz sucht gemeinsamen Nenner
Die Mitgliedskirchen des Schweizerischen Evangelischen
Kirchenbundes (SEK) wollen sich theologisch verbindlicher
profilieren. Mit einem reformierten Bekenntnis. Darum
lancieren sie jetzt eine Vernehmlassung in allen
Kirchgemeinden, auch in der St.Galler Kantonalkirche.
Das Vorhaben könnte noch für Gesprächsstoff sorgen. Denn seit der Mitte
des 19. Jahrhunderts gelten Schweizer
Reformierte als bekenntnisfrei. Dies im
Gegensatz zu den anderen 78 Millionen
Reformierten auf der Welt und den 2,1
Milliarden Christen weiterer Konfessionen. Die Entbindung von der Pflicht auf
ein bestimmtes Bekenntnis wollte seinerzeit eine Kirchenspaltung vermeiden.
Dies ist damals zwar gelungen. Doch
was Befürworter seitdem als Errungenschaft religiöser Freiheit hochhalten, gilt
Kritikern als faktische Bekenntnislosigkeit. Zumal in Zeiten, da nur noch schwer
erkennbar sei, wofür die Reformierten
theologisch stünden, sagen sie. Die Abge-
«Wir stehen zur Bekenntnisfreiheit.» Dölf Weder, Kirchenratspräsident SG
ordnetenversammlung der SEK hat denn
auch jüngst einstimmig eine Motion gutgeheissen, eineVernehmlassung zu dieser
Frage in den Kirchgemeinden zu starten.
«Glaube und Christsein werden privatisiert, während die Reformierten als unlesbar wahrgenommen werden», bedauert
der interkantonale Vorstoss. Das Bekenntnis zu Jesus Christus sei zwar unbestritten,
doch bleibe ungewiss, was das heute konkret bedeute. Daher strebe man einen Referenztext an: «Nach innen für das Gespräch über den Glauben, nach aussen für
das Profil der reformierten Schweiz».
So soll eine traditionsfähige Sammlung von 20 Bekenntnistexten herausgegeben werden, die aus der Zeit der Bibel
bis in die Moderne reicht. Zudem soll ein
Text entstehen, der für die gottesdienstliche Praxis geeignet ist, ferner ein Katechismus, der als Langform des liturgischen Bekenntnisses zu entwickeln wäre.
Kritik erwünscht
Das entsprechende Werkbuch einer Initiativgruppe ist unter der Federführung
von Matthias Krieg, Leiter der Zürcher
Erwachsenenbildung, entstanden. Es
geht am 1. September in eine zehnmona-
Merianbibel zu Genesis 1, Basel 1630: Bekenntnis zur Schöpfung aus dem Wort Gottes.
tige Vernehmlassung. Für Susanne GrafBrawand, Mitglied der Initiativgruppe,
ist klar, dass sich die Diskussion lohnen
wird. «Der Prozess dient der Klärung dessen, was wir glauben und worauf wir uns
als Christen beziehen», sagt die ehemalige Synodalrätin aus Bern. Sie appelliert
an Kirchenvorstände, Präsidien und
Pfarrpersonen, das Thema breit zu diskutieren. Natürlich sei auch Kritik zu erwarten, zeigt sich Graf-Brawand realistisch, doch das sei der Sinn. «Kommentare und Antworten auf den Fragenkatalog
des Werkbuches sind willkommen.»
Thomas Wipf, Präsident des SEK-Rates, pflichtet bei: «Es ist gut reformiert,
darüber zu sprechen, was christlicher
Glauben aktuell bedeutet.» Darum werbe
er für einen breiten Diskurs. «Ein Bekenntnis und der Bezug auf Referenztexte
helfen uns, Glauben in heutiger Sprache
zu benennen.» Er betont auch den ökumenischen Aspekt. «Wenn sich der Reformierte Weltbund im Juni 2010 als ‹Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen› neu
verfasst, bekommt die Frage eines gemeinsamen Bekenntnisses besondere
Tragweite.» In der Antwort auf die Motion machte Wipf denn auch deutlich, dass
sich der Rat dem Vorstoss anschliesst.
Bekennen gehöre zum Proprium der Kirche. Es diene der Wahrnehmbarkeit der
Kirche, der Berechenbarkeit ihrer Aussagen und der Lesbarkeit des Glaubens.
Ja, aber ...
Etwas zurückhaltender gibt man sich in
St.Gallen. Zwar finde man es richtig,
neu zu fragen, wie sich der Glauben aktuell sagen lasse, erklärt Kirchenratspräsident Dölf Weder. «Das Konzept, wichtige Texte zusammenzufassen und neu
zu formulieren, überzeugt uns», hält er
fest. «Nicht mitgetragen, zumindest zur
Zeit, werden aber gewisse Aspekte, welche die Tendenz zu einem neuen nor-
mierenden Bekenntnis vermuten lassen
könnten.» Namentlich bezieht man sich
dabei auf den Begriff eines Referenztextes. «Ein liturgiefähiges Credo und ein
diskursfähiges Bekenntnis vom Typ
Katechismus sind zu begrüssen, solange
sie nicht allgemeinverbindliche normative Kraft erhalten sollen», differenziert
Weder. Und fügt an: «Wir stehen zur Bekenntnisfreiheit.» Kritisiert wird auch
die Aussage, dass das Gespräch über den
Glauben heute kaum noch stattfinde.
«Das mag an einzelnen Orten so sein»,
findet Weder, doch als allgemeine Aussage weise man das zurück.
Sprachfähig bleiben
Auch Ruedi Reich, Zürcher Kirchenratspräsident, der die interkantonale Initiative massgeblich angestossen hat, wirbt für
den Diskurs. «Es geht beim Bekenntnis
nicht darum, juristisch etwas festzuklopfen, aber es stellt sich die Frage, ob die reformierte Kirche imstande ist, zu sagen,
was Glaube, Liebe und Hoffnung heute
konkret bedeuten.»
Am schönsten wäre es, wenn neben
den altkirchlichen Symbolen ein neuer
Text entstehe, hofft Reich. Ängste vor
Zwängen will er gar nicht erst aufkommen lassen.«Wir stehen in einem jahrtausendealten Bekenntniszusammenhang.»
Dem Anspruch zu aktueller Sprach- und
Gemeinschaftsfähigkeit bleibe reformierte Identität darum auch heute verpflichtet. REINHOLD MEIER; AZMOOS
Vernehmlassung in St.Gallen
Informationen zur Vernehmlassung und zum
Werkbuch finden sich auf der Homepage
www.ref-credo.ch. Am 16. September findet in
St.Gallen eine Veranstaltung dazu statt. Mit dem
Autor Matthias Krieg werden Grundzüge des
Buches und die Frage eines Bekenntnisses
diskutiert. Beginn ist um 19 Uhr im Haus zur
Perle, Oberer Graben 31, St.Gallen.
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
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Aus den Gemeinden
Panorama: Gemeinden
Von Dornbirn nach Diepoldsau
«Prioritäten setzen»
25 Kirchgemeinden des Kirchenbezirks Toggenburg ein. Anlass war eine
bewusst zu werden, um davon ausgehend
das eigene Profil zu entwickeln und zu
schärfen. Ein morgendlicher Austausch
in zufällig zusammengesetzten Gruppen
zeigte, wie unterschiedlich die Bestandesaufnahmen in den einzelnen Gemeinden
ausfallen: Je nach Grösse, Personal und
Entwicklung differieren Wünsche, Ängste sowie auch die räumlichen, personellern und finanziellen Ressourcen enorm.
von Emanuel Memminger vorläufig einen neuen Wirkensort gefunden hat. Sie hat ihre Dissertation zum
Kirchenbezirkstagung zum Thema
«Prioritäten setzen».
Kräfte bündeln und loslassen
Basler Humanisten Simon Grynaeus abgebrochen,
Kirchenbezirkstagungen sind zwar in der
Kirchenverfassung vorgesehen – zur «Behandlung übergemeindlicher Aufgaben».
Doch durch die veränderten Strukturen
und das verstärkte Angebot der Kantonalkirche in verschiedenen Bereichen haben
sie schon lange an Bedeutung eingebüsst.
Seit Jahren werden sie nur noch im
Kirchenbezirk Toggenburg durchgeführt,
einmal pro Legislaturperiode vorbereitet
und einberufen durch die Kommission
der Vorsynode. Hier haben sie sich als
Plattformen für Austausch und Impulse
etabliert.
der evangelischen Gemeinde im
österreichischen Dornbirn ist
Pfarrerin Andrea Hofacker nach
Diepoldsau gekommen, wo sie
als Vertretung für die Pfarrstelle
um in der Citykirche von Barmen (D) mehr mit Menschen arbeiten zu können. Hier liegt ihre Leidenschaft. 2007 kam sie nach Dornbirn. Der Weg über
den Rhein war nicht weit. Sie hat sich im JuliKirchenboten der Gemeinde Diepoldsau-WidnauKriessern vorgestellt. GS/AS
Von Kuba nach Uznach
Seit August 2009 arbeitet Lisset
Schmitt-Martinez während einem
Jahr als Vikarin (Pfarrpraktikantin) in der Gemeinde Uznach und
Umgebung. Sie stammt aus Kuba,
wo sie Theologie studiert hat.
Lisset Schmitt-Martinez ist
verheiratet mit Pfarrer Cyril Schmitt, der nach
seinem Aufenthalt in Kuba seine erste Pfarrstelle in Rapperswil-Jona angetreten hat. Damit
Lisset Schmitt-Martinez auch in der Schweiz
als Pfarrerin arbeiten kann, muss sie hier ihr
Praktikum absolvieren. Pfarrer Martin Jud wird
sie in ihren praktischen Aufgaben begleiten. Schon
bald wird Lisset Schmitt selbstständig Aufgaben
übernehmen in den Bereichen Gottesdienste,
Religionsunterricht und Seelsorge. G S / A S
«dankstell am see» zum Thema
Schul- und Lehranfang: 6. September
Nach der Sommerpause meldet sich die «dankstell
am see» am Sonntag, 6. September, um 18 Uhr in
der Aula des Oberstufenzentrums Goldach zurück.
Passend zu Schul- und Lehrbeginn lautet das
Thema dieses regionalen Jugendgottesdienstes,
der von sieben Gemeinden mitgetragen wird, «neu
starten». Neustarts stellen für viele eine grosse
Herausforderung dar. Die Angst vor dem Ungewissen kann die Freude und die Neugierde auf das
Neue trüben. Da Neuanfänge aber oft unausweichlich sind, muss man sich ihnen stellen. Wie
das trotz aller Unsicherheiten gelingen kann, darauf wird Yvonne Menzi, Pfarrerin der evang.-ref.
Kirchgemeinde Goldach, in der Predigt eingehen.
Vor der Herausforderung eines Neustarts steht
auch die eigene dankstell-Band, die am 6. September zum ersten Mal auftreten wird. Zusammen mit ihr freut sich das ganze Mitarbeiterteam
der «dankstell am see» auf viele Jugendliche und
junge Erwachsene aus der Region, die diesen
Eventgottesdienst besuchen werden.
Infos: www.dankstell-am-see.ch R N
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
Im Kirchgemeindehaus Rapperswil
fanden sich kürzlich über 80 Kirchenvorsteherschaftsmitglieder, Synodale
und kirchliche Angestellte aus rund
Kirchenlandschaft im Toggenburg
Es war eine gute Fügung, dass das durch
die Vorsynode gesetzte Tagungsthema
«Prioritäten setzen» hervorragend zum
Arbeitsfeld der auf Beginn 2009 neu geschaffenen Arbeitsstelle für Gemeindeentwicklung und Mitarbeiterförderung
passte: Paul Baumann übernahm in seiner neuen Funktion als erster Stelleninhaber auf gewohnt kompetente und ansprechende Weise die inhaltliche Leitung der
Kirchenbezirkstagung. In zwei Impulsreferaten verdeutlichte er, wie vielfältig Prioritäten gesetzt und umgesetzt werden
können und wie produktiv es für jede
Kirchgemeinde sein kann, sich ihrer eigenen Stärken, Schwächen und Bedürfnisse
Dies beeinflusst natürlich die Prioritätenliste. Gerade im Kirchenbezirk Toggenburg mit seinen vielen Kleinstgemeinden
im Thur- und Neckertal, mittleren Gemeinden in Fürstenland und mittlerem
Toggenburg sowie den beiden «Grossen»
Rapperswil-Jona und Wil gaben diese
Unterschiede den Teilnehmenden Gesprächsstoff und zu denken. Zugleich
zeigten Beispiele aus diversen Gemeinden, wie produktiv zielgerichtete Prozesse
werden können, wenn sie sorgfältig und
mit langfristigem Denken angeschoben
werden. Gefahren bestehen insbesondere
dort, wo an den Bedürfnissen der Gemeindemitglieder vorbeigeplant wird
oder zu schnell und einseitig einfach neue
Angebote aus dem Boden gestampft werden. Mit der Prioritätensetzung sind alle
Kirchenvorsteherschaften und Kirchgemeinden gefordert, so ein Fazit der Tagung, weil sowohl Kräftebündelung als
auch Loslassen zum Thema werden. Zudem machte das angeregte Gesprächsklima deutlich, dass auf einem solchen
Weg nicht nur professionelle Begleitung
sinnvoll ist, sondern auch ein Blick über
den eigenen Kirchturm hinaus – der Austausch mit kirchlich engagierten Personen mit ähnlichen oder auch inspirierend
anderen Perspektiven und Ideen. PHILIPP
KAMM, PRÄSIDENT VORSYNODE TOGGENBURG
Bild: as
Über verschiedene Stationen in
Deutschland und schliesslich aus
Blick von Oberhelfenschwil Richtung Süden auf Bütschwil: rechts der Dorfkern mit der
katholischen Kirche, links am Dorfrand Richtung Dietfurt die evang. Kirche von 1908. –
Das Toggenburg mit seinen kleinen und grossen Orten hat eine vielseitige Kirchengeschichte
mit alten Gemeinden aus der Zeit der Reformation und vielen neuen Diasporagemeinden.
Panorama Kanton
Respect Camp auf
dem Klosterplatz
Im Rahmen der interreligiösen
Dialog- und Aktionswoche Mitte
September findet auf dem Klosterareal in St.Gallen zum ersten Mal ein
«Respect Camp» statt. In Zelten können Jugendliche kleine Workshops
zum Thema Respekt besuchen.
Tagtäglich liest man in den Zeitungen
von Kriegen und Ausgrenzung in fremden Ländern.Aber auch hier bei uns gibt
es Gewalt und Ausgrenzung gegen
Fremde und Andersgläubige – auf dem
Pausenplatz, am Bahnhof, bei einem
Fussballmatch. Oft hat es mit mangelndem Wissen und fehlender Toleranz zu
tun und es könnte mit Zivilcourage einiges bewirkt werden im eigenen Umfeld.
Genau hier setzt das Respect Camp an.
Sechs Trainingspoints
Neuer Co-Leiter RPI
Der neue Co-Leiter des Religionspädagogischen Instituts (RPI) der
Evangelisch-reformierten Kirche
des Kantons St.Gallen heisst Holger Brenneisen. Der Kirchenrat
hat kürzlich den 48-jährigen
Pfarrer und Religionslehrer zum
Nachfolger von Ursula Müller, der bisherigen
Stelleninhaberin, gewählt. Ursula Müller erreicht
im Oktober das Pensionsalter, leitet das Institut
aber noch interimistisch bis zum Stellenantritt
von Holger Brenneisen im Februar 2010. Brenneisen ist Religionslehrer an der Kantonsschule
am Burggraben in St.Gallen. Parallel zu seiner
Anstellung am RPI wird er weiterhin an der Kanti
«Wie viel Vertrautes
brauchst du? – Wie viel
Fremdes erträgst du?»
unterrichten. Neben seiner theologischen Ausbildung absolvierte der in St.Gallen wohnhafte Familienvater einen Lehrgang zum Gestaltpädagogen.
Das RPI kennt er bereits: Seit vergangenem Jahr
unterrichtet er am Institut das Fach «Religion in
Geschichte und Gegenwart». Das RPI bildet evan-
ungefähr 90 Minuten. Schulklassen,
Jugendverbände sowie Konfirmandenund Firmgruppen sind die primären Zielgruppen. Wichtig ist, dass die Gruppen
das Thema auch vor- und nachbereiten.
Ein Programm- und Notizheft erklärt die
Stationen und kann auch zur Nachbereitung weiterverwendet werden. Organisiert wird Respect Camp von den Jugendarbeitsstellen der Landeskirchen. L B
gelische Religionslehrkräfte der Unter-, Mittelund Oberstufe aus und bietet eine breite Palette
von Kursen und Weiterbildungen. K I D / AC K
Von Wiederaufbau bis Integration
Der Event dauert vom 17. bis 19. September.
Vorbereitungstreffen für Lehrkräfte, Pfarrpersonen und Gruppenleitende finden am 25. August oder am 2. September jeweils von 16–18
Uhr an der Webergasse 15 (DAJU) in St.Gallen
statt. Weitere Infos und Anmeldungen bei:
DAJU, Fachstelle kirchliche Jugendarbeit
Bistum St.Gallen, Tel. 071 223 87 71,
b.mueggler@daju.ch, www.daju.ch
Fotomontage: pd
Im Rahmen der interreligiösen Dialogund Aktionswoche (www.ida-sg.ch) findet dieses Jahr zum ersten Mal das Respect Camp statt. Auf dem Klosterareal
in St.Gallen entsteht eine kleine Zeltstadt. Die darin eingerichteten und betreuten Ateliers sollen vor allem Jugendliche ansprechen und eine Plattform für
Diskussionen über Respekt, Toleranz
und Gewaltlosigkeit bieten. In sechs
Trainingspoints setzen sie sich interaktiv
mit Themen wie Kommunikation, Frustabbau und Frieden stiften auseinander. Das Respect Camp soll ein Ort
konstruktiver Auseinandersetzung sein.
Aus dem Kirchenrat
Daneben gibt es auch ein Chill-out-Zelt,
wo man sich ganz einfach erholen kann.
Das Thema Respekt und Toleranz ist
aktueller denn je: Jugendgewalt ist momentan überall in den Schlagzeilen, und
bald wird in der Schweiz über die Minarett-Initiative abgestimmt. Der Event
ermöglicht Jugendlichen, sich mit dem
interkulturellen und interreligiösen
Zusammenleben auseinanderzusetzen.
«Wie viel Vertrautes brauchst du? – Wie
viel Fremdes erträgst du?» Dies sind Fragen, auf die junge Menschen eine Antwort finden sollen.
Der Besuch des Respect Camps findet
vor allem gruppenweise statt und dauert
Während der interreligiösen Dialog- und Aktionswoche vor dem Bettag werden sich auf
dem Klosterplatz in St.Gallen Jugendliche mit interreligiösen Fragen auseinandersetzen.
Die Kantonalkirche unterstützt regelmässig Projekte der Entwicklungszusammenarbeit. Kürzlich
hat der Kirchenrat Beiträge im Umfang von rund
150 000 Franken gesprochen.Das Spektrum der
Projekte ist weit. So unterstützt die St.Galler
Kirche z.B. mit 15 000 Franken den Wiederaufbau
einer Schule in Pakistan. Das Heks erstellt mit
örtlichen Baufachleuten ein Schulgebäude einer
Mädchenschule in Deerkot in Kashmir. Beim
schweren Erdbeben im Jahre 2005 sind in
Pakistan 5000 Schulen zerstört worden.
5000 Franken gehen nach Kolumbien, wo sich
die gemeinnützige Stiftung «Vivamos Mejor» für
Familien einsetzt, welche ihren Lebensunterhalt
mit dem Einsammeln von Abfällen bestreiten. Ein
Ziel des Projektes ist es, dass die Kinder dieser
Familien eingeschult werden, respektive nicht aus
dem öffentlichen Schulsystem fallen.
Der «Christliche Friedensdienst» begleitet von
Gewalt betroffene Frauen im Raum Zenica in
Bosnien-Herzegowina. Durch berufliche Aus- und
Fortbildung werden die Frauen in ihrer ökonomischen Selbstständigkeit gefördert. In psychopädagogischen Kursen werden sie auf dem Weg der
Heilung unterstützt. Die St.Galler Kirche stellt für
dieses Projekt 10 000 Franken zur Verfügung.
Pro Jahr engagiert sich die Evang.-reformierte
Kirche des Kantons St.Gallen mit rund 750000
Franken in der Entwicklungszusammenarbeit.
Zwei Drittel stellt die Kantonalkirche den drei
grossen Werken der evangelischen Kirche Heks,
Mission 21 und Brot für alle zur Verfügung. Ein
Drittel wird – jeweils in zwei Tranchen – verschiedenen Projekten zugewiesen. K I D / AC K
Kirchenbote
Kanton
St.Gallen
9/2009
Kirchenbote
Kanton
St.Gallen
6-7/2002
9
Panorama: Welt
Panorama: Schweiz
SchöpfungsZeit 2009:
Das Drama «Servet
in Genf» in St.Gallen
Der 1. September gilt bei den orthodoxen Kirchen als
der Tag der Schöpfung, und der 4. Oktober ist der
Gedenktag des Franz von Assisi und Welttiertag.
Seit 1993 erarbeitet die ökumenische Arbeitsstelle
für Kirche und Umwelt (oeku) Materialien zum
Feiern der SchöpfungsZeit in den Kirchgemeinden.
Jedes Jahr wählt die oeku ein aktuelles Thema für
die SchöpfungsZeit und gibt dazu Texte und Handlungsimpulse für Gottesdienste und den kirchlichen
Unterricht heraus. Ökologischer Umgang mit Ressourcen und mit der Zeit, Konsum und Energie – dies
sind einige der Themen der letzten Jahre.
«Das Tier – Geschöpf wie wir»
Das Thema der SchöpfungsZeit 2009 heisst «Das
Tier – Geschöpf wie wir». Dass wir Menschen Gewalt
an der Schöpfung ausüben, ist beim heutigen Umgang mit Tieren offensichtlich, man denke nur an
Schlachthöfe, Tierversuche, Zerstörung von Lebensräumen, Jagd und Fischerei als Freizeitvergnügen.
Versöhnung mit der Schöpfung bedeutet für die oeku,
die Gewalt gegenüber Tieren zu vermindern und die
Lebensrechte der Tiere besser zu achten.
Die Einführung einer «SchöpfungsZeit» wurde an
den Europäischen Ökumenischen Synoden in Basel
1989 und in Graz 1997 gefordert, nirgends aber so
deutlich wie an der 3. Europäischen Ökumenischen
Versammlung von Sibiu 2007.
Rund 600 Kirchgemeinden, kirchliche Organisationen und Einzelpersonen sind Mitglieder des Vereins
«oeku Kirche und Umwelt», der 1986 gegründet
wurde. Heute ist die oeku von der Schweizer
Bischofskonferenz (SBK) und dem Schweizerischen
Evangelischen Kirchenbund (SEK) als Beratungsorgan für ökologische Fragen anerkannt. Der ökumenische Verein wird von einem ehrenamtlichen
Vorstand geführt und verfügt über eine eigene
Arbeitsstelle in Bern. www.oeku.ch PD
Am 1. Oktober, 20.15 Uhr, ist in der
Kirche St.Laurenzen in St.Gallen das
Drama «Servet in Genf» vom Schweizer Dichter Albert J. Welti zu sehen.
Das 1931 in Bern uraufgeführte Werk
wird durch die Wiener Gruppe «teatro
caprile» neu inszeniert.
1536–38 und 1541 bis zu seinem Tod
1564 war Calvin der theologische Vordenker des Stadtstaates Genf. Alteingesessene Bürger haben den katholischen
Bischof vertrieben, doch den strengen
Sittenregeln des Reformators, eines zugewanderten Franzosen noch dazu,
wollen sie sich auch nicht unterwerfen.
Als der Arzt und Antitrinitarier Michael
Servet auf der Flucht vor der katholischen Inquisition Genf aufsucht, möchten ihn die umstürzlerischen Genfer für
ihre Sache gewinnen. Erfolglos. Das
Ende von Servet auf dem Scheiterhaufen und die Rolle Calvins bei der Verurteilung sind heute befremdlich.
10
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
Unter der Regie von Andreas Kosek gelingt es dem Wiener teatro caprile, das
Ringen der beiden Geister, des gebrechlichen Fanatikers Calvin mit dem sturen,
an das Gute im Menschen glaubenden
Gegenspieler Servet, packend zu vermitteln. Servet erscheint in der Aufführung
als ein aller irdischen Macht abgeneigter
Schwärmer, weshalb der Sturz Calvins
scheitern muss. Calvin, dargestellt als
strenger Technokrat, der den Schwachen
beisteht und die Tugendlosen verfolgt, ist
auch ein gebrechlicher Mensch, der, von
Einsamkeit geplagt, sich bloss eine
freundliche Seele als Freund und Begleiter wünscht.
Calvin – ein Gefangener seiner selbst
In seinem Stück «Servet in Genf» zeichnet der Schweizer Dramatiker Albert J.
Welti einen Calvin, der, gefangen in seinen Prinzipien, ein einsamer Mann ist.
Im Reformator müssen dunkle und helle
Kräfte gewirkt haben.Von einem Mythos
60 Jahre Caux
Seit mehr als 60 Jahren dient der ehemalige CauxPalace am Genfersee als internationales Konferenzzentrum der «Caux-Initiativen der Veränderung».
Die Stiftung hat es sich zum Ziel gemacht, die
Begegnung von Menschen und Gruppen jeglicher
Gesinnung und aller Rassen zu ermöglichen.
Die Bewegung, die bis 2001 unter dem Namen «Moralische Aufrüstung» (MRA) arbeitete, entstand aus
einer Oxforder Studentenbewegung der 20er-Jahre.
Ende des Zweiten Weltkriegs unterstützte die MRA
den Versöhnungsprozess zwischen den Kriegsparteien. Das neue Programm «Learning to be a Peacemaker» wird in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen aus der Schweiz, England und
Schweden durchgeführt. Für das Konferenzzentrum
in Caux – ursprünglich eine christliche Gründung –
ist es ein Novum, eine grosse muslimische Gruppe
zu beherbergen. www.caux.ch KIPA
Schicksalhafte Begegnung
Beitrag zum Calvinsjahr 2009
Foto: pd
Der Monat September gilt als «SchöpfungsZeit».
Viele Kirchen feiern dann Erntedankgottesdienste.
der Unverletzlichkeit umgeben, aber ohne Freunde, vollbringt er sein Werk in
der Rhonestadt. Michel Servet sucht den
Dialog und die Auseinandersetzung mit
dem Reformator. Doch dieser ist gefangen in seiner Dogmatik. Trotzdem
möchte er Servet retten vor den Gesetzen, die er wie ein Netz über die Stadt
Genf geworfen hat. Nur der Trotz Servets, nicht zu weichen und wie die Motte
zum Licht zu fliegen, macht die Verhaftung des Ketzers durch Calvins angeberischen Schreiber möglich. Servets letzte
Worte an den von religiöser Inbrunst getriebenen Calvin: «In unseres Vaters
Hause sind viele Wohnungen – wir werden einstens doch wohl Nachbarn sein.»
Das Drama wird in den Raum der
Kirche integriert: Servet im Gespräch mit
Calvin in der Wiener Zwinglikirche.
Das Stück wurde in der Wiener Zwinglikirche in diesem Sommer neu aufgeführt. Das zahlreich erschienene Publikum bekundete dem Ensemble mit seinem Applaus grosse Anerkennung für
die gelungene Inszenierung.
Das Drama wurde im Calvin-Jahr
2009 noch in mehreren reformierten
Kirchen in Österreich und Deutschland
aufgeführt und kommt im Herbst auch
in die Schweiz, so nach Genf am 4. September, nach Zürich am 5. September
und am 1. Oktober nach St.Gallen.
Die Aufführung «Servet in Genf» ist
ein Theater im sakralen Raum. Das bedeutet, dass ohne Bühne und ohne Bühnenbild mit den Möglichkeiten und der
Atmosphäre des jeweiligen Kirchenraums gearbeitet wird. PW/DS/AS
«Servet in Genf», aufgeführt durch teatro caprile (Wien) in St.Gallen: 1. Oktober, 20.15 Uhr, Kirche St. Laurenzen,
Eintritt frei, Kollekte
Bettagsmandat 2009
Abstimmung vom 29. November
Gott der Gesellschaft
HEKS lehnt Initiative
«Gegen den Bau von Minaretten» ab
Das diesjährige Bettagsmandat des
Kirchenrats der Evangelisch-refor-
HEKS, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen
Schweiz, lehnt die Initiative «Gegen den Bau
mierten Kirche des Kantons St.Gallen
hat Kirchenrätin Margrith Eggenberger
von Minaretten» ab. Die Initiative, über die das
Schweizer Stimmvolk am 29. November abzu-
aus Grabs verfasst.
stimmen hat, diskriminiert die in der Schweiz lebenden Muslime. HEKS setzt sich mit zahlreichen
Jeweils am dritten Sonntag im September
feiert das Schweizervolk seinen staatlichen
Dank-, Buss- und Bettag. Da stellt sich
heute die Frage: «Welchen Sinn macht es
in einer inzwischen multireligiös geprägten Gesellschaft, einen gemeinsamen Bettag zu feiern?»
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
feiern wir diesen Feiertag in gegenseitiger
Achtung und mit Respekt gegenüber den
verschiedenen Religionsgemeinschaften
und Weltanschauungen in unserem Land.
Uns Christinnen und Christen scheint es
auch in einer multikulturell gewordenen
Gesellschaft sinnvoll, dass ein Volk aufgerufen wird, gemeinsam einen Dank-,
Buss- und Bettag zu feiern. Ein solcher Tag
bietet Gelegenheit, über den Sinn des
Lebens und seine Verankerung in Gott
nachzudenken. Unsere Bundesverfassung
beginnt mit den Worten «Im Namen Gottes des Allmächtigen». Verschiedene Parlamentarier haben in Bern einen Bundeshausbeter beauftragt, sie durch die Sessionen zu begleiten. Verantwortliche in
Staat und Glaubensgemeinschaften zeigen
so, dass sie miteinander verbunden sind.
Am Eidg.Dank-,Buss- und Bettag sind
wir aufgerufen, über Gott und über unser
Leben nachzudenken und uns zu erinnern, wofür wir Grund zum Danken haben. In der Bibel wusste beispielsweise König Salomo um die Kraft und den Segen
des Gebetes. Er pilgerte nach Gibeon, um
dort während drei Tagen Gott zu opfern
und Zwiesprache mit ihm zu halten,nachzulesen im 1. Buch der Könige, Kapitel 3.
Projekten in der Schweiz für die Integration von
Migrantinnen und Migranten und für den gegenseitigen Respekt zwischen den Religionen ein.
Mit dieser Abstimmungsvorlage wird nach Ansicht
von HEKS eine Stellvertreterdiskussion geführt, bei
Populäres Bild zum Bundesvertrag von
1815, auf den die Formulierung «Im Namen Gottes des Allmächtigen» zurückgeht.
der es um den Umgang mit dem Islam in unserer
Gesellschaft geht. Die Initiative gegen den Bau von
Minaretten pauschalisiert und polarisiert auf negative Weise und zementiert Vorurteile und Stereotypen gegenüber dem Islam. Dies führt zu einem
negativen Image dieser Religion und verstärkt die
Gefahr, dass Muslime in der Schweiz aufgrund ihrer
stoss sein, im Vertrauen auf Gottes Güte
einen Neubeginn zu wagen. Wer sich einlässt auf das Beten, wird viele gute Erfahrungen machen.
Religionszugehörigkeit diskriminiert werden. Dies
erschwert und behindert ihre Integration. Tatsache
Busstag
ist, dass die grosse Mehrheit der Muslime in der
Schweiz gut integriert leben und sie die hier herr-
Busse ist ein Begriff, der heute nicht mehr
immer verstanden wird. Die Bibel meint
damit eine Sinnesänderung. Sinnesänderung hat Veränderung zur Folge, Veränderung hin auf etwas Neues, Frohes, Erfüllendes. In christlichem Verständnis bedeutet das Hinwendung zur Freude an
Gott und zur Geborgenheit in Gott. Busse
tun ist die Aufforderung, unsere Zukunft
mit Gott zu gestalten.
Hinwendung zu Gott hat aber auch
die Hinwendung zum Mitmenschen zur
Folge, zu den Menschen, die Gott uns
anvertraut. Hinwendung zum Nächsten
bedeutet, ihn wahrzunehmen, seine Bedürftigkeit zu spüren und wenn nötig ein
Stück Weg mit ihm zu gehen. Hinwendung zu Gott und zum Mitmenschen
geschieht auch, wenn wir miteinander
Abendmahl feiern.
schenden Grundwerte und Gesetze respektieren.
«Integration ist etwas Gegenseitiges»
HEKS ist der Meinung, dass Ängste in der Bevölkerung gegenüber dem Islam wahr- und ernstgenommen und entsprechend diskutiert werden müssen.
Doch die Initiative gegen den Bau von Minaretten ist
der falsche Weg dazu, es müssen Vorurteile und
Feindbilder gegenüber dem Islam abgebaut werden. Menschen lassen sich nicht auf Herkunft oder
Religionszugehörigkeit reduzieren. Integration ist
etwas Gegenseitiges, deshalb sind alle Mitglieder
der Gesellschaft in gleichem Masse gefordert, sich
respektvoll zu begegnen sowie gegenseitige Vorurteile abzubauen. In zahlreichen Projekten leistet
HEKS konkrete Beiträge zur Verständigung zwischen Kulturen, Religionen und Nationalitäten.
Vielseitige Arbeit des Hilfswerks
Bettag
Danktag
Unsere Vorfahren waren sich darin einig,
dass das Gebet die Keimzelle einer Neuorientierung des Lebens und einer neuen
Erfahrung mit Gott ist.
Nun ist Beten religiös,fü̈r uns Christen
auch biblisch, und deshalb in manchen
Augen altmodisch – und dennoch topaktuell. Auch heute noch pflegen viele Menschen das Gebet. Biblische Geschichten
zeigen uns, wie Menschen Erfahrungen
mit Gott machten und durch Gebete getröstet und gestärkt wurden.
Der Bettag will uns ermuntern, im Beten treu zu bleiben. Wo wir den Zugang
zum Gebet verloren haben, kann er An-
Gott will bei uns und mit uns sein. Er
lässt uns seine reichen Gaben zukommen.
Ist das nicht Grund zum Danken? Danken für die Zuwendung Gottes zu jedem
Einzelnen und zu uns als Volk. Danken
für so viel Gutes, das wir erleben. Danken
aber auch für die Kraft und die Liebe, die
Gott uns schenkt, damit wir schwere Zeiten durchstehen und schwierige Wege gehen können. Gott nimmt sich unser und
unserer ganzen Gesellschaft an, daran
wollen wir uns heute, an diesem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag,
erinnern und dafür danken.
HEKS, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen
Schweiz, leistet humanitäre Hilfe, bekämpft die
Ursachen der Armut und ermöglicht Menschen den
Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen wie Wasser, Nahrung und Bildung. HEKS wehrt sich gegen
Ausbeutung und hilft Unterdrückten, sich zu organisieren und ihre Rechte einzufordern. Das Ziel ist ein
selbstbestimmtes Leben in Würde für alle Menschen,
unabhängig davon, welcher Volksgruppe oder Religion sie angehören. HEKS arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen in über 45 Ländern der Welt. Sie
kümmern sich um Benachteiligte in ihrem Land
unabhängig von deren Kultur, Religion oder Konfession. In der Schweiz setzt sich HEKS anwaltschaftlich für Flüchtlinge ein und ist in Beratungs- und
Integrationsprojekten für MigrantInnen und sozial
benachteiligte SchweizerInnen aktiv. COM
IM NAMEN DES KIRCHENRATS
Spendenkonto: PC 80-1115-1
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
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Palette
Meditation mit Engelsbotschaften
15. September, 19 Uhr
Spiritualität
Sitzen in der Stille
Jeden Di, 12 – 13.15 Uhr
Einführung ins Ritual: 12 Uhr
Veranstalter: Forum SOSOS
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Stille am Freitagmittag
Jeden Freitag, 12.15 – 13.15 Uhr
Ort: Ökumenische Kirche Halden
Tanz ins Licht
4. September, 20 – 22 Uhr
Tanz mit Brigitte Montalvo
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Innere Einkehr. Inspiration für den
Lebensweg. Persönliche
Engelbotschaften für alle Teilnehmenden. Mit Ulrike Brülisauer
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Heilmeditation
16. September, 14.30 Uhr
Mit Hedda Schurig, Homöopathin
und spirituelle Heilerin
Wanderung von der Schwägalp
zur Chammhalde, kurze Impulse
und gemeinsame Meditationszeiten, individuelle Meditation/Alleinsein an selbst gewähltem Ort
unter freiem Himmel oder unter
Dach, Abschluss mit einer Abendmahlsfeier, gemeinsames Frühstück
Leitung: Markus Grieder, Pfarrer in Urnäsch, Elisabeth Tröndle, Programmleiterin SOSOS
Veranstalter: www.sosos.org
Offenes Kreistanzen
8. und 22. September, 20 – 22 Uhr
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Kirche tanzt – spiritueller
5-Rhythmen-Tanz
10. September, 19.30 – 21.30 Uhr
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Kontemplation – via integralis
Einführungs- und Intensivkurs
Lassalle-Kontemplationsschule
Einüben eines persönlichen spirituellen Weges; mit Werner Frei,
Pfarrer und Kontemplationslehrer
Infoabend: 9. September, 20 Uhr
Ort: Haus zur Perle, Oberer Graben 31,
9000 St.Gallen
Einstiegstag: 31. Oktober
9 Mittwochabende von November 09 bis
März 10, jeweils 18 bis 20.30 Uhr
Ort: Kirchgemeindehaus St. Leonhard,
St.Gallen; Veranstalter: Werner Frei,
052 343 41 30 oder werner_f@bluewin.ch
Schnupper- und Infoabend
Enneagramm
10. September, 18 bis 20 Uhr
Infoabend zum Enneagramm-Einführungskurs Okt. 09 bis März 10
Ort: Perle, Oberer Graben 31, St.Gallen
Veranstalter: Enneagramm-Team
St.Gallen-Appenzell
Infos: Luz Dalila Brunner, Tel. 071 330 05 50
Handy: 079 873 92 45
luzdalilabrunner@gmail.com
12
50 Jahre ferment
Heil-Oase
21. September, 17 – 19 Uhr
Für Gesunde und Kranke. Eingebettet in eine einfache Liturgie helfen HeilerInnen durch Handauflegen, Gespräch … Meditationskreis
und spirituelle Mitte. Kollekte
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Religions- und kulturgeschichtliche
Führungen mit Walter Frei, siehe auch:
www.stgaller-geschichten.org
Sümpfe und Bäche, Brunnen und
Bäder im alten St.Gallen
3. September, 18.15 Uhr
Treff bei der Talstation der Mühleckbahn.
90 Minuten Stadtwanderung.
Treff beim Vadian-Denkmal am Marktplatz. 90 Minuten Stadtwanderung.
Die mystischen Lehren
Meister Ekkehards
17. September, 19.30 Uhr
Vortrag von Swami Yogeshwarananda, Indien. Eintritt Fr. 20.–/15.–
Führungen
Das Engagement unserer
Vorfahren für den Frieden
21. September, 18.15 Uhr
Infos: Tel. 071 333 30 28, Kollekte
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Eine Nacht im Alpstein
auf der Chammhalde
4. Sept., 19.30 bis 5. Sept., 8 Uhr
16. Sept.: Waldrand-AkustikLoop, Karin Fuster, Thomas Sonderegger: Gesang, Akkordeon, Gitarre, Bass, Perkussion und Loops
23. Sept.: Florian Scheiber, Konzertdirektor, Sinfonieorchester
St.Gallen; Moderation: Gertrud
Hermann
Gesundheit und Krankheit in
früheren Zeiten
24. September, 18 Uhr
Sept.: Di, Mi, Fr, je 14 bis 17 Uhr
Jubiläumsausstellung der Fotozeitschrift ferment
Treff beim Vadian-Denkmal am Marktplatz. 90 Minuten Stadtwanderung.
5. September, 18 bis 1 Uhr
Aktionen: 18–22 Uhr Stempeldrucken mit Otto Heigold. Kulinarisches «Fermentiertes»:
knuspriges Brot, Alpkäse, Bier,
Most, Wein. siehe:
www.museumsnachtsg.ch
Eine Welt
IDA-Woche
(siehe Tipp des Monats)
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Tage der Stille – Kontemplation
via integralis
27. Sept., 18 Uhr, bis 1.Okt., 13 Uhr
20. Nov., 18 Uhr, bis 23. Nov., 13 Uhr
Flucht aus Tibet – 50 Jahre Exil
21. September, 19.30 bis 22 Uhr
Abheben und Überfliegen
18. September, 20 Uhr
Die Kontemplation der via integralis verbindet den Weg der christlichen Mystik mit der Schweigemeditation des Zen und ist ein intensiver Weg der tiefen Selbstbegegnung
und des Erwachens zur Einheit mit
Gott und einem Leben in Mitgefühl.
Elemente der Tage: Schweigen, Sitzen, Vorträge, Gottesdienst und
Möglichkeit zu Einzelgesprächen.
www.ibk-kuenstlerbegegnung.org
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Begegnung mit Menschen, die die
Flucht erlebt haben; Interviews
mit dem tibetischen Mönch Sagyal Dewatsang und Frau Lhamo
Ba-Serkhang; Podium (Leitung:
Angela Tsering); Film: «Leaving
Fear Behind – Die Angst überwinden»; Musik und Tanz aus Tibet
mit Thong Kar Goudpou
Leitung und Auskunft: Margrit und Charlie
Wenk-Schlegel, Kontemplationslehrerin/
Theologe, St.Gallen, Tel. 071 288 65 88
Ort: Bildungshaus Fernblick, 9053 Teufen
Zeitgenössische Tanztendenzen
um den Bodensee. Der Ball – ein
Tanzfest für Jung und Alt. Eintritt
frei, Anmeldung erforderlich.
Türöffnung 19.45 Uhr.
StimmmixNo.5,dasdufte
Programm
19. September, 20 Uhr
Rock-Pop-Songs für mehrstimmigen Chor und Band. Es singt der
Chor stimmmix unter der Leitung
von Lukas Bolt. Kollekte
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Klang der Stille – Heilfastenwoche
27. Sept., 18 Uhr, bis 3. Okt., 14 Uhr
Mit Elisabeth Tröndle, Esther
Salzgeber und Theo Janhsen
Ort: Haus zum Weg, Hemberg
Veranstalter: www.sosos.org
Der Gottesglaube zwischen
Atheismus und Mystik
8. November, 11 bis 17 Uhr
Wartenseesonntag
mit Prof. Dr. Hubertus Halbfas
Ort: Schloss Wartensee, Rorschacherberg, Veranstalter: www.sosos.org
Kunst
mittwoch mittag kultur
2. Sept.: Hang, Xang & Alphorn;
Bruno Bieri, Bern
9. Sept.: Dr. Konrad Hummler, Ge-
schäftsführer Bank Wegelin & Co
Moderation: Virgino Robinio
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
Bilqis und Salomon
20. September, 18 Uhr
Musik. Tanz. Theater. Schweizerisch-ägyptische Koproduktion.
Musiker der ägyptischen Gruppe
«Al Tanbura» aus Port Said und
die Schweizer Tänzerin Brigitte
Schildknecht erzählen die legendäre Begegnung zwischen der
Königin von Saba und König Salomon. Eintritt Fr. 30.–/25.–
Leitung: Angela Tsering; Elisabeth
Tröndle, SOSOS
Veranstalter: www.sosos.org
Ort: Festsaal St. Katharinen St.Gallen
Gottesdienste
Eglise française
Eglise Saint-Mangen à Saint-Gall:
cultes chaque dimanche à 9 h 30.
Cultes mensuels à Rapperswil, Rorschach et Uzwil.
Renseignements auprès du pasteur
Marc Bridel, tél. 071 278 43 89.
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Kapelle Schwägalp: 9.45 Uhr
6. Sept.: Pfr. Carl Haegler, Rehetobel
13. Sept: Pfr. Markus Grieder, Urnäsch
20. Sept.: Eidgen. Bettag, ökum. GD
27. Sept.: Pfr. Andreas Alder, Hundwil
4. Okt.: Pfr. Hans Jörg Jehle
Rhythmen & Tanzen – Erntedank
26. September, 19.30 Uhr
Encuentro en español
Domingo, 13.9.09, a partir de las 5 pm,
Konzert mit Baba Bimbam & Luca
Carangelo (Santur & Tabla, live)
20.30 Uhr zwei Tanzwellen mit
Krishanti und Zelebration zu Erntedank mit Fee Be, 22 – 24 Uhr DJ
Tim & Struppi «fruchtige Scheiben». Eintritt Fr. 25.–
EZJ (Evangelisches Kirchenzentrum Jona)
Zwinglistrasse 30, 8645 Jona.
Invitamos a todos los hispanohablantes
y amantes del idioma español a participar
cada segundo domingo del mes en un
culto en español. Responsable es la
pastora Lisset Schmitt-Martinez,
Tel. 055 534 45 24,
lissetmartinez80@yahoo.es
Ort: Offene Kirche St.Gallen, Böcklinstr. 2
Junge
Erwachsene
Stadtgebet für junge Leute
10. und 24. September, 19.15 Uhr
Ein ökumenisches Team aus jungen Menschen lädt zum gemeinsamen Gebet, zu einer halben
Stunde der Besinnung ein.
Ort: Chorraum der Kathedrale St.Gallen
Elektor mit DJ Pa-Tee und DJ Pbeat
5. September, 19 Uhr bis 1 Uhr
Anlässlich der Museumsnacht
Ort: St. Laurenzen St.Gallen
fadegrad
6. Sept. 17 Uhr ab Gossau Bhf.
streetchurch zh – Gottesdienst
mal anders
Kontakt: Esther Furrer, Tel. 071 577 09 43
www.evanggossau.ch/fadegrad
Ökum. Taizé-Gebet Toggenburg
6. September, 20 Uhr
Ort: Evang-ref. Kirche Nesslau
Calvin-Ausflug
19. September, ab 8 Uhr
Auf den Spuren Calvins in Genf
Auskunft: Tel. 071 227 05 63
info@junge-erwachsene.ch
Gottesdienst mit populärer Musik
27. September, 9.30 Uhr
Die Orgel macht mal Pause, das
E-Piano (Andi Korsch) spielt seine Stärken aus, mit Pfr. Jakob
Bösch.
Ort: Evang. Kirche Balgach
Kirchen an der OBA
4. bis 6. September
Am Stand der Kirchen an der Ostschweizer Bildungs-Ausstellung
OBA erhalten Sie umfassende Informationen zu den kirchlichen Berufen und Weiterbildungsangeboten. Diesjährige Attraktion: Wettbewerb mit Getränkebons für die Blue
Cocktail Bar.
Ort: Halle für Weiter- und Erwachsenenbildung, bis zum 6. September geöffnet.
(Die OBA dauert vom 4. bis 8.9.09)
Calvins Bedeutung für die
Kirchenmusik
17. September, 20 Uhr
Mit Pfarrer Hans-Peter Schreich
Ort: Gossau, Kirche Haldenbüel
Theologie
Neuer evang. Theologiekurs
Nach den Herbstferien, d.h. am
Wochenende vom 24./25. Oktober 2009, beginnt ein neuer dreijähriger Theologiekurs.
Die Ringparabel
und das Projekt Weltethos
23. September, 19 Uhr, Waaghaus St.Gallen
Referent ist Dr. Alois
Riklin, em. Rektor
und Prof. für Politikwissenschaften
der Universität
St.Gallen. Er wird
anhand von Kurzfilmen in die Ringparabel aus Lessings Drama
«Nathan der Weise» einführen, zeichnet die Überlieferung dieser Parabel nach und deutet deren
Sinn für das Zusammenleben der abrahamitischen
Religionen (Christentum, Islam, Judentum) im
Rahmen des Projekts Weltethos von Hans Küng,
das einen minimalen Grundkonsens globaler ethischer Werte, Massstäbe und Haltungen anstrebt.
Organisation: AkEB
Weitere Infos: www.theologiekurs.ch
Islam als Herausforderung für
die Schweiz
25. Oktober, 10.15 bis 17 Uhr
Tagung im Vorfeld der Abstimmung über die Minarett-Initiative,
mit Arnold Hottinger u.a.
Ort: Pädagogische Hochschule Mariaberg, Rorschach
Veranstalter: www.sosos.org
Gemeinsam stark!
20./21. November
Ein Wochenende für Paare in der
Landwirtschaft; mit Dani Schmid
Holz, AkEB; Josef Manser, Christl.
Bauernbund; Silvia Hohl und Marc
Vuilleumier, Landwirtschaftl. Beratung SG/Appenzell
Ort: Haus Gutenberg, Balzers
Veranstalter: AkEB
Beratung
Wort zum Tag: Tel. 071 222 33 33
Täglich eine Kurzbotschaft
Telefon 147 – Help-o-fon
Nottelefon für Kinder und Jugendliche
Weiterbildung
Tipps des Monats
Der Kurs ist so angelegt, dass ein
Einstieg zu Beginn jedes Kursjahres möglich ist.
Die Wochenenden finden in diversen Bildungshäusern statt, die
Dienstagabende im Haus zur
Perle, Oberer Graben 31,
9000 St.Gallen. Die Hauptleitung
des Theologiekurses hat Pfrn.
Andrea Anker.
Die Dargebotene Hand
Telefonseelsorge, Telefon 143, www.143.ch
Evangelisch-reformierte Paarund Familienberatung St.Gallen
Oberer Graben 31, St.Gallen
Pfarrer Walter Feurer, Psychotherapeut
SPV/ASP, Tel. 071 220 88 00
Heidi Paulsen, Dipl. Psych./Psychotherapeutin SBAP, Tel. 071 220 88 02
Evangelische Frauenhilfe
Beratungsstelle für Frauen
Tellstr. 4, 9000 St.Gallen
Tel. 071 220 81 80, Fax 071 220 81 84
Adressänderungen
an die Kirchgemeinde
Impressum
Herausgegeben im
Auftrag der Synode
der Evangelischreformierten Kirche
des Kantons St.Gallen
Redaktionskommission
Pfrn. Christina Nutt,
Präsidentin
Alfred Ritz, Kassier
Pfrn. Andrea Anker
Pfr. Daniel Klingenberg
Pfr. Martin Böhringer
Hans Paul Candrian
Anna Zogg
René Mohn
Katharina Marquart
Redaktion
Pfarrer Andreas
Schwendener (as)
Rehweidstrasse 2
9010 St.Gallen
Tel. 071 244 34 64
www.kirchenbote-sg.ch
kirchenbote.sg@ref.ch
Lokalredaktion
Reto Neurauter (nr),
Grabs, Tel. 081 771 65 16
Katharina Meier (meka),
Lütisburg Station
Tel. 071 980 06 01
Claudia Schmid (cis),
St.Gallen
Tel. 071 223 58 60
Bürgschaften und Darlehen
Für Familien und Alleinerziehende,
Landwirte und Selbstständige. Gesuche
sind zu richten an: Evang. Bürgschaftsund Darlehensgenossenschaft
des Kantons St.Gallen, Postfach 24,
9004 St.Gallen, Tel. 071 226 91 91,
E-Mail:info@bonfida.ch
Blaues Kreuz SG-Appenzell
Fachstelle für Alkoholprobleme
Oberer Graben 12, 9000 St.Gallen
Brigitte Knaus, Vitus Hug,
Gabriele Heiz, Tel. 071 278 16 79
info.sg@blaueskreuz.ch
Gespräche nach Vereinbarung
Nächste Nummer
Thema: Seelsorge
Erscheint am 2. Okt.
Redaktionsschluss:
14. Sept. 2009
Druck
Rheintaler Druckerei
und Verlag AG
9442 Berneck
Altpapieranteil: mind.
50%, Auflage: 71 000
Veranstalter: Christ.-jüd. Arbeitsgemeinschaft St.Gallen
IDA-Woche (Interreligiöse Dialogund Aktionswoche)
14.–20. September, im ganzen Kanton
17.–19. September, Respect Camp auf dem
Klosterplatz in St.Gallen (siehe Seite 9)
19. Sept., 17.30–19.30 Uhr, auf dem Klosterplatz in St.Gallen: Interreligiöse Feier «Ich höre
Dein Gebet». Begrüssung durch Stadt- und Regierungsrat und Vertretungen der Religionsgemeinschaften. Ab 19.20 Uhr: Einladung der islamischen
Gemeinden zu Teilnahme am Gebet und Fastenbrechen sowie gemeinsamem Essen im Pfalzkeller.
Siehe auch: www.ida-sg.ch
Gespräch mit Adolfo Pérez Esquivel
28. September, 19.30 Uhr, Katharinensaal
St.Gallen: Der Friedensnobelpreisträger Adolfo
Pérez Esquivel spricht und diskutiert mit den Besuchern über die aktuelle Friedensarbeit, die gewaltfreie Globalisierungskritik und die Arbeit des
SERPAJ (Servicio Paz y Justicia) in Lateinamerika.
Veranstalter: SUFO, Forum für Friedenserziehung.
Auskunft: Arbeitsstelle Kirche im Dialog, Pfr. Jens Mayer,
Tel. 071 227 05 50, mayer@ref-sg.ch
Veranstalter
Veranstaltungsübersicht auf: www.ref-sg.ch
AkEB Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung, Oberer
Graben 31, 9000 St.Gallen, T 071 227 05 30, F 071 227 05 39,
www.lebengestalten.ch, E-Mail: akeb@ref-sg.ch
Forum Solidarität und Spiritualität Ostschweiz
(ehemals Verein Wartensee) Programmleitung: Elisabeth
Tröndle, Rösslistrasse 5, 9056 Gais, Tel. 071 790 03 71,
www.sosos.org, elisabeth.troendle@sosos.org
Netzwerk Junge Erwachsene
Volontärin: Csilla Valentyik, Tel. 071 227 05 63,
valentyik@ref-sg.ch; www.junge-erwachsene.ch
Offene Kirche St.Gallen Tel. 071 278 49 69, www.okl.ch
Sonneblick Walzenhausen 9428 Walzenhausen,
Tel. 071 886 72 72, sonneblick@walzenhausen.ch
Arbeitsstellen Jugendfragen und Diakonie
Gestaltungskonzept
TGG Hafen Senn Stieger
Marlise Schiltknecht, Oberer Graben 31, 9000 St.Gallen,
Tel. 071 227 05 60, E-Mail: ajd@ref-sg.ch
Abonnementspreis
11 Ausgaben: Fr. 12.–
Schloss Wartensee 9404 Rorschacherberg,
Tel. 071 858 73 73, www.wartensee.ch; schloss@wartensee.ch
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
13
Link
Radio
DRS1
Zwischenhalt Sa, 18.30 – 19 Uhr
Glocken um 18.50 Uhr aus:
5.09. ev.-ref. Bichelsee TG
12.09. röm.-kath. Lyss BE
19.09. ev.-ref. Niederlenz AG
26.09. röm.-kath. Schlatt AI
Die Glocken der Heimat werden seit
Kurzem auch auf DRS Musikwelle ausgestrahlt, und zwar Samstag, 17.30 Uhr.
Ein Wort aus der Bibel
jeden Sonntag, 6.42 Uhr und 8.50 Uhr
(DRS2 7.05 Uhr, Musikwelle 8.30 Uhr)
Texte zum Sonntag
jeden Sonntag, 9.30 Uhr
DRS2
Religionsthemen im Kontext
vorwiegend am Donnerstag,
9 und 18.30 Uhr (Zweitausstrahlung)
Blickpunkt Religion
jeden Sonntag, 8.10 – 8.30 Uhr
Predigten, Gottesdienste
So, 9.30 Uhr: röm.-kath. Predigt
So, 9.45 Uhr: evang.-ref. Predigt
6.9. Peter Henrici, Weihbischof,
Edlibach; Pfr. Ruedi Heinzer, Spiez
13.9. Direktübertragung des Got-
tesdienstes aus der Wallfahrtskirche Maria Dreibrunnen bei Wil SG
20.9. Pfr. Hanspeter Betschart, Olten; Ralph Kunz, Theologe, Zürich
27.9. Direktübertragung des Gottesdienstes aus ref. Richterswil
Perspektiven
jeweils So, 8.30 Uhr und Do, 15.00 Uhr
6.9. Für Flüchtlinge und gegen
Antisemitismus?
Das Engagement der Schweizer
Kirchen im und nach dem
2. Weltkrieg
Vor 70 Jahren überfielen die
Deutschen Polen. Der 2. Weltkrieg hatte begonnen. Die
Schweizer Kirchen interpretierten ihn als eine Art Naturkatastrophe oder auch als Strafe
Gottes. Einig waren sie sich, dass
die Neutralität des Landes unbedingt zu verteidigen sei. Heftig
diskutiert wurde hingegen die
Frage, inwieweit sich die Kirchen und die Pfarrer direkt in
die Politik einmischen dürften.
Doch nicht allein Reden, sondern Handeln war gefragt: Viele
Kirchenmitglieder und Seelsorger engagierten sich, indem sie
Flüchtlinge in Auffanglager besuchten und diese materiell unterstützten. Ein Rückblick mit
zwei Historikerinnen, zwei Zeitzeugen und akustischen Eindrücken von damals.
14
13.9. Die kleinste Schweizer
Landeskirche
Trotz ihrer nur rund 13500 Mitglieder gehört die christkatholische
Kirche neben der grossen römischkatholischen und der reformierten
Schwester zu den öffentlich-rechtlich anerkannten Landeskirchen in
der Schweiz. Zu diesen beiden
Schwestern steht sie in einem besonderen, aber eigenständigen Verhältnis und versteht sich darüber hinaus
dem ökumenischen Anliegen verpflichtet. Im Juni hatte die Nationalsynode der christkatholischen Kirche der Schweiz ihren neuen Bischof, Pfarrer Harald Rein, gewählt,
der am 12. September in sein Amt
eingesetzt wird. Ein Porträt gibt Einblick in die Besonderheiten dieser
eher wenig bekannten, aber durchaus selbstbewussten Konfessionsgemeinschaft.
20.9. Die Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom (siehe www.drs2.ch)
27.9. Liebe Lollo! – Karl Barths
und Charlotte von Kirschbaums
unmögliche Geschichte
Karl Barth war bereits 39, Professor,
verheiratet und Vater von fünf Kindern, als er die 26-jährige Krankenschwester Charlotte von Kirschbaum kennen- und lieben lernte.
«Lollo» wird seine Partnerin in Liebe und Arbeit, entwickelt so auch
ihr eigenes denkerisches Profil, was
aber lange vom Schatten oder besser
Pfeifenqualm Barths verdeckt
bleibt. Der gerade veröffentlichte
Briefwechsel der beiden dokumentiert diese nicht unproblematische
Beziehung, die offen neben der Ehe
gelebt wurde. In «Perspektiven»
werden einige Briefe vorgestellt.
Radio FM1
«Gott und d’Welt»
Sonntagmorgen, 9–10 Uhr
Wiederholung: Dienstag, 20–21 Uhr
Auf FM-Melodie: Sonntag, 12–13 Uhr
Radio Zürisee
«Über Gott und d’Wält»
jeden Sonntag, 8.25 Uhr
TV
SF1
Wort zum Sonntag: Sa, 19.55 Uhr
Sternstunden: 10 Uhr: Religion
11 Uhr: Philosophie, 12 Uhr: Kunst
SF2
«Fenster zum Sonntag»
Samstag, 17.30 und Sonntag, 11.30 Uhr
auf sf info regelmässig: Sa u. So, 18.05 Uhr
Tele Ostschweiz (TVO)
«Gedanken zur Zeit»
Sa, 18.55 Uhr, bis So, 7.55 Uhr,
stündlich wiederholt
Kirchenbote Kanton St.Gallen 9/2009
Bücher
Urknall, Evolution, Schöpfung
Das anvertraute Wort – Ein
Versuch, auf biblische Stimmen
zu hören
Unter diesem Titel hat Eduard Haller (St.Gallen, Senior unter anderen
der st.gallischen Pfarrerschaft) eine
Schrift verfasst für aufmerksame
Leser, die dem christlichen Glauben
nahestehen und biblischem Wort
gegenüber offen sind. Das Büchlein
zeigt die aktuelle Bedeutung der
Heiligen Schrift für das persönliche
wie kirchliche Leben, und dies in
mehrfacher Hinsicht:
Einmal, weil die «Bibellinie» strikt
durchgehalten ist im Hören auf eine Vielzahl biblischer Stimmen (Altes wie Neues Testament). Zum andern, weil die Bezogenheit alt- wie
neutestamentlicher Aussagen, also
ihrer Verbundenheit im Zeugnis,
deutlich wird. Die Betrachtungen
zeigen die Ergriffenheit durch biblisches Wort etwa im ersten Hauptteil
«Im Kirchenjahr». Im zweiten
Hauptteil «Biblische Lichter unterwegs» sowie im dritten Hauptteil
«Sammlung und Scheidung im
Wort Gottes» sind Kurzmeditationen zu verschiedenen existenziellen Themen blumenstraussähnlich
vereint. Auch im abschliessenden
vierten Teil «Der Vollendung entgegen» ist wiederum der Grundtenor
des Ganzen hörbar: «Bei dir, o Gott,
ist die Quelle des Lebens, und in
deinem Licht sehen wir das Licht.»
(Psalm 36, 10)
«Das anvertraute Wort» ist Gotteswort als Menschenwort. Als solches
liegt es immer wieder quer in jeweils gesellschaftlicher wie kirchlicher Landschaft. Es sammelt und
scheidet zugleich, es reinigt und
rettet, es ist «Krisis» (Krise), Umschlag vom Krankmachenden zum
Heilenden. Als Gottes Lebenswort
ist es «in der Welt des Todes die Krisis des Todes, in der Welt des Geredes die Krisis des Geredes, in der
Welt der relativen religiösen Meinungen die Krisis des Verfügbaren,
in der Welt der austauschbaren Religionen die Krisis der Religionen,
und so ist es unsere Rettung» (Seite
63). Christlicher Glaube lebt aus
dem Ergriffensein durch das Offenbarungswort: ein Wagnis, ein
Weg, ein Suchen, ein Finden. PETER
EGGENBERGER, BAD RAGAZ (PE.)
Eduard Haller: Das anvertraute Wort –
Ein Versuch, auf biblische Stimmen zu hören.
Das Büchlein ist im
Buchhandel erhältlich:
mabase-verlag Nürnberg, 115 Seiten,
Fr. 22.50
Das Buch behandelt in geschichtlicher, wissenschaftlicher und philosophischer Weise die Grundfragen,
warum es eine Welt gibt und wie
Naturwissenschaft und Glaube
verbunden werden können.
Tonke Dennebaum: Urknall, Evolution,
Schöpfung; Echter 2008, Fr. 25.–
Tipp
des Monats
Schöpfung und Urknall –
Klärendes für das Gespräch
zwischen Glaube und
Naturwissenschaft
Religiöse wie nicht religiöse Zeitgenossen setzen den biblischen
Schöpfungsglauben mit einer Aussage über die Entstehung der Welt
gleich. Die Naturwissenschaft hat
eine Welt entworfen, die nicht geschaffen, sondern aus sich selbst geworden ist. An dem Reizwort Evolution hat sich zwischen religiösem
und naturwissenschaftlichem Weltverständnis eine Front aufgebaut,
an der verbissen gekämpft wird.
Helmut Fischer erklärt, in welcher
Hinsicht die biblischen Schöpfungsgeschichten und die Naturwissenschaften von Weltwirklichkeit sprechen, und zeigt die Schnittpunkte und Grenzen dieser Aussagen. Die nüchterne Information
über das Selbstverständnis, das den
jeweiligen Aussagen zugrunde liegt,
erweist die Konfrontation als überholt und macht die Basis für einen
offenen und fruchtbaren Dialog
sichtbar. Ein theologisch fundierter,
gut verständlicher Text für alle, die
sich auf eine zuverlässige Übersicht
stützen wollen.
Helmut Fischer: Schöpfung und Urknall –
Klärendes für das Gespräch zwischen
Glaube und Naturwissenschaft; Fr. 18.–
Verlag: Theologischer Verlag 2009
Foto: Katharina Meier
Interview
«Was willst Du?»
Herr Ammann, Sie stellten 1981 auf eine natürliche
Kalbfleischproduktion um, seit 1994 trägt Ihr Hof
das Knospe-Label.
Nach 1981 ging es den Tieren viel besser. Wir fanden Absatzkanäle fürs Fleisch, ich reduzierte die
Zahl der Kälber und steigerte trotzdem die Wertschöpfung. Die Auseinandersetzung mit dem Label
war die logische Folge unseres Tuns und Denkens.
«Die Tiere sind meine Partner», sagt der Ganterschwiler Landwirt Werner Ammann.
Monatsporträt
Kritisches Denken
Er organisiert gern, mag Sprachen
und hätte Geheimagent oder Journalist statt Bauer werden können. Als
jüngster Sohn übernahm der Ganterschwiler Werner Ammann trotzdem
den Hof seiner Eltern. Doch für ihn
war klar: «Ich werde nie so bauern,
wie es die Mehrheit tut.»
Rund um die Uhr die Arbeit mit der
Familie erledigen, 730 Mal im Jahr melken, 365 Tage auf dem Hof sein, nein,
diesem Bild der heilen Welt konnte und
wollte Werner Ammann nie entsprechen. «Ich habe immer noch etwas anderes gesucht.» Damit dies möglich
war, half ihm zuerst sein Vater auf dem
Hof, später die zehn Lehrlinge. Seit Jahren nun ist auf der «Auhalde» ein Mitarbeiter fest angestellt. «Dies erlaubte
und erlaubt mir, mich anderem zu widmen», sagt der 58-Jährige. Werner Ammann engagierte sich in der Landjugend, der Politik, in schweizerischen
Vereinen, schuf sich einen Namen in
der Bioszene, nutzte als einer der Ersten
die Liberalisierung im Milchmarkt, trat
als Unternehmer auf, nachdem er sich
Absatzkanäle erschloss, Wissen aneignete und umsetzte. Heute ist er gegen
eine flächendeckende Blauzungenkrankheits-Impfung aktiv.
Weisses oder rotes Fleisch?
«Die kritische Haltung gegenüber der
traditionellen Landwirtschaftsbetriebsführung steckte nicht von Anfang an in
mir», erklärt der Toggenburger. In den
70er-Jahren seien die damals neusten
Erkenntnisse der intensiven Produkti-
on voll genutzt worden. Auf dem Hof
tummelten sich Zuchtschweine, gedüngt wurde zur Genüge, Medizinalfutter gehörte ebenso ins Lager wie Penicillin, Herbizide und Insektizide. Die
Kälber wurden mit Milchpulver ernährt, auf dass sie weisses Fleisch produzierten, die Kühe auf hohe Leistung
getrimmt, damit sie mehr Milch gaben.
«Nicht zuletzt durch die Heirat mit In-
«Dem Bild der heilen
Welt entsprach ich nie.»
ge, die als Lehrerin tätig ist, floss eine
kritischere Haltung gegenüber dieser
Art Bewirtschaftung in mein Denken»,
so Ammann. Und als er zweimal erlebte, dass seine Kälber antriebslos und
ohne Appetit im Stall standen, es sich
herausstellte, dass sie zu wenig Eisen
hatten, er den Tiere hätte Eisen spritzen
müssen, besann sich Ammann, sagte
sich: «Spinnen wir?» und schuf Kontakt
zu Leuten, die der intensiven Landwirtschaft skeptisch gegenüberstanden.
Über die Ideen gelacht
1981 begannen Ammanns bewusst rotes
Kalbfleisch zu produzieren, auch wenn
die Umgebung anfänglich über die neuen Ideen lachte. Absatzkanäle wurden
gesucht, gefunden und erschlossen. Die
Kundschaft kam auf den Hof, packte das
Fleisch ab, trank mit der Familie einen
Kaffee. Der Tierbestand wurde reduziert, ohne grosse Einbussen zu erleiden.
Schliesslich durchdrang die Idee des
natürlichen Bauerns alle Betriebszweige:
1994 erhielt der 22 Hektaren grosse Hof
mit 24 Kühen und 30 Mutterschweinen
das Knospe-Label.
KATHARINA MEIER
Was waren die Konsequenzen?
Man muss sich bewusst werden, was die Natur,
die Umwelt von sich aus ist. Wir lernten, mit den
Bedingungen unserer Umgebung auszukommen,
ohne chemische und synthetische Dünge- oder
Arzneimittel. Und: Wir kamen weg vom Maximierungsdenken. Dies ist der Kern der Philosophie.
Was bedeutet Ihnen die Natur, das Tier?
Sie sind unsere Existenzgrundlagen. Die Erde und
alles, was wir haben, sind entstanden, damit wir
leben können. Sie gilt es zu nutzen, aber nicht zu
verbrauchen und auszurauben. Mit ihnen, insbesondere den Tieren, wird eine Partnerschaft, eine
Arbeitsgemeinschaft aufgebaut, in der nicht nur
gesagt wird: «Du musst!», sondern vor allem
auch: «Was willst Du?»
Deshalb dieser vehemente Kampf gegen die landesweite Blauzungenkrankheits-Impfung?
Die Krankheit gibt es, unbestritten. Doch in den
Ländern, wo sie vorkommt, hat sich die Population
daran gewöhnt. Bei uns konzentrieren wir uns zu
fest auf die Krankheit. Angst ist die treibende Kraft,
ohne zu wissen, welche Folgen in diesem Fall die
Impfung hat. Wer die Leistungserwartung an die
Herde nicht auf die Spitze treibt, kommt mit der
Krankheit eher zurecht als jener mit den Hochtourenkühen, der den Organismus als Maschine sieht.
Sie plädieren für eine natürliche Selektion?
Manchmal ist es vernünftig, sicher bei den Tieren,
wenn das Stärkere überlebt, das Schwache selektioniert wird. Dies macht die Population stark.
Der Veterinär ist also kaum auf Ihrem Hof?
Wenn, dann der Veterinär mit homöopathischer Ausbildung. Vor sieben Jahren behandelte ich letztmals
eine Kuh antibiotisch. Mittlerweile habe ich selbst
eine grosse Homöopathieapotheke. Stirbt trotzdem
ausnahmsweise ein Tier, muss ich es akzeptieren
und schnell verdrängend nach vorne schauen.
Kommen Stier und Eber auf dem Hof zum Einsatz?
Wir haben einen Eber. Bei den Kühen stützen wir
uns auf den Natursprung und die künstliche Befruchtung. Dabei ist das Erbgut ja nicht verändert,
nur die Samenübertragung ist nicht natürlich. Hingegen kommt kein Samen von Stieren aus einem
Embryotransfer zum Einsatz. I N T E R V I E W : M E K A
Kirchenbote Kanton St. Gallen 9/2009
15
Foto: Stefan Rohner
6. August 2009: Ein warmer, sonniger Tag – die Gelegenheit, im Bibelgarten bei der Kirche in Gossau das Foto für die letzte Seite der
Darwinnummer zu realisieren. Pastoralassistent Alois Schaller, der die Neugestaltung des alten Friedhofs südlich der Andreaskirche in
einen Garten mit biblischen Pflanzen betreut, findet Zeit, ebenso Stephan Rohner, der Fotograf. Zum Foto: Alois Schaller erklärt zwei
Besucherinnen die in der Bibel erwähnten Disteln, im Vordergrund die Artischocke. Vorbild für die grosszügige Anlage war auch der
Klosterplan von St.Gallen aus dem Jahr 819, die älteste architektonische Skizze Europas. Der Bibelgarten mit Apéroplatz, Sitzgelegenheiten, Schautafeln und in Stein gehauenen Bibelversen lädt ein, über das Verhältnis von Gott, Mensch und Natur nachzudenken.
Kirchenbote
Gemeindenachrichten im Mittelbund
9/2009 | 58. Jahrgang
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Seele and Geist
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