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Heute wissen, was morgen ist. - Z_punkt

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AUSGABE 2/2012
ukunftsmanager
was morgen ist.
Heute wissen,
Drehkreuz der Waren
Bayer MaterialScience entwickelt neue Logistikströme
Die Energierebellen
Sechs Szenarien über die
Zukunft der Energie
Alles in Bewegung
Wie sich Mobilität und
Wertschöpfung bedingen
Seite 4
Seite 8
Seite 20
Zukunftsmanager
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Strategie & Kultur
Ausgabe 2/2012
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Serie: Die Zukunft der Wertschöpfung in Deutschland | Teil 1: Mobilität
Studie
Wir leben in einer bewegten Zeit,
Umwälzungen und Brüche scheinen
an der Tagesordnung zu sein. Die Volatilität an den internationalen Kapitalmärkten ist noch lange nicht ausgestanden, die Unruhen in der arabischen Welt dauern an, technologische Umbrüche in Verbindung mit
digital vernetzten und bestens informierten Kunden erzwingen Veränderungen der Geschäftsmodelle. Unsicherheiten gehören mittlerweile
zum Alltag. Wie gelingt es in einem
solchen Umfeld, Wertschöpfung und
Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten? Diese Frage hat sich der Bundesverband der Deutschen Industrie
(BDI) gestellt. Zusammen mit dem
BDI-Arbeitskreis „Wertschöpfungsorientierte Innovationsstrategien“
und Z_punkt The Foresight Company
ist eine Studie entstanden, die
grundlegende Umbrüche in den Fokus nimmt. Sollten die Disruptionen
Wirklichkeit werden, sind tiefgreifende Auswirkungen für die Wertschöpfungsstruktur in Deutschland
zu erwarten. Damit wird zugleich
sichtbar, wo Handlungsbedarf besteht. Konkrete Empfehlungen sind
ebenso Teil der Studie. In einer Serie
des „Zukunftsmanagers“ werden die
Bedarfsfelder Mobilität, Energie und
Klima, Gesundheit und Ernährung,
Kommunikation und Sicherheit im
aktuellen Magazin sowie in den folgenden Ausgaben beleuchtet. Die
Schwerpunkte orientieren sich an
der Hightech-Strategie 2020 der
Bundesregierung und zielen auf die
Kernbranchen der deutschen Industrie ab. Den Auftakt bildet das Thema Mobilität.
Alles in Bewegung
Von Bert Beyers und Klaus Burmeister
Die Welt wird immer dynamischer –
das gilt neben dem Informationsfluss
auch für Personen und Güter.
Mobilität wird in Zukunft zu einem
zentralen Erfolgsfaktor innerhalb
von Abrechnungssystemen, Mobilitätsdienstleister und Nutzer-Communities. Wie
kann man unter diesen Bedingungen Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung erhalten? Der „Zukunftsmanager“ zeigt sechs Entwicklungslinien auf.
der Wertschöpfungskette. Welche
Entwicklungen wahrscheinlich sind
1. Vernetzte Mobilität
und wie sich Unternehmen darauf
Mobilität wandelt sich vom Produkt- zum
Dienstleistungsgeschäft. Diese Entwicklung
sorgt für einen Bruch mit weitreichenden
Folgen für die gesamte Transportbranche.
Klimaschutz und Nachhaltigkeit rücken in
den Fokus, urbane Lebensqualität und Zeiteffizienz gewinnen weiter an Wert, die Wiederentdeckung der Region steht auf der Tagesordnung – nicht zuletzt infolge höherer
Transportkosten. Steigende Preise für fossile
Energieträger schlagen sich auf die gesamte
Transportkette nieder: vom Containerfrachter über das Flugzeug bis hin zu Lkw und
Pkw. Immerhin hängen 95 Prozent der heutigen globalen Mobilitätsleistungen an Öl.
vorbereiten.
Die Benzinpreise steigen, die Mobilität in den
Megacitys wandelt sich, innovative Antriebssysteme sind im Kommen. In der Folge drängen neue Akteure auf den Markt, das Kerngeschäft der Automobilindustrie erodiert. Es
werden Disruptionen Wirklichkeit, die tiefgreifende Auswirkungen auf die Wertschöpfungsstruktur in Deutschland haben: auf traditionelle Automobilhersteller und ihre Zulieferer, auf Energieversorgungsunternehmen, Hard- und Softwarehersteller, Betreiber
Stark schwankende Rohölpreise sind nicht
mehr die Ausnahme, sondern bereits die Regel. Preisspitzen bis über 250 US-Dollar pro
Barrel Öl sind aus Sicht vieler Experten um
2025 durchaus möglich. Fahrzeuge in privater
Hand stehen 23 von 24 Stunden täglich nur
herum, das ist nicht besonders effektiv. Eine
Studie des Fraunhofer-Instituts rechnet damit, dass es in Deutschland 2050 nur noch
250 Autos pro 1.000 Einwohner geben wird.
Dies entspricht knapp der Hälfte der heutigen Fahrzeugdichte.
2. Crossover-Mobilität
In vielen Metropolen der Welt sind Modelle
eines reibungslosen Übergangs von einem
Verkehrsträger zum anderen bereits Realität.
Beeindruckend ist das Beispiel Hongkong.
Wer jemals in der ehemaligen britischen
Kronkolonie gewesen ist, war sicher auch an
Bord der Hafenfähren. Sie verbinden die
Halbinsel Kowloon mit Hong Kong Island, wo
sich das Geschäfts- und Finanzzentrum befindet. Von der Fähre kommend, geht es >
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Strategie & Kultur
Ausgabe 2/2012
direkt zu den Doppeldeckerbussen, zu den
Straßenbahnen, „Ding Ding“ genannt, zu den
U-Bahnen, die in Stoßzeiten alle zwei Minuten fahren, und zu den Fernverkehrszügen.
Rund 95 Prozent der Bewohner Hongkongs
sind im Besitz der multifunktionalen Octopus Card. Damit lassen sich alle öffentlichen
Verkehrsträger nutzen. Mit Hilfe der Smartcard kann man zudem im Supermarkt einkaufen und Parkgebühren zahlen. Sie ist auch
der Türöffner zu Gebäuden von Unternehmen, zu Bibliotheken, Krankenhäusern und
Schulen. Die Octopus Card trägt unmittelbar
dazu bei, dass Branchengrenzen durchlässiger werden: eine weitere, übergreifende Disruption mit erheblichen Auswirkungen auf
die Geschäftsmodelle. Das städtische Verkehrsunternehmen, die Hong Kong Octopus
Ltd., fährt eine klare Strategie: möglichst kurze Fahrzeiten bei geringen Emissionen. Nur
10 Prozent des Personenverkehrs entfallen in
Hongkong auf das Auto. In einer Studie von
Arthur D. Little über urbane Mobilität steht
Hongkong im Ranking auf Platz 1. Luft nach
oben ist trotzdem noch vorhanden, Carsharingangebote und Fahrradverleihstationen
gibt es in der Stadt bisher kaum.
Lösungen wie „Electric
Drive“ von Daimler
widmen sich neuen emissionsfreien Konzepten.
3. Chancen für Anbieter
© Daimler
Zukunftsmanager
Die Entwicklung der heutigen Smartphones
ist noch lange nicht abgeschlossen. Das mobile Internet und die Cloud geben einem zukünftigen Netzwerk aus verschiedenen Verkehrsträgern erst den entscheidenden
Schub. Mit dem Handy kauft der Kunde dann
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unterschiedliche Mobilitätspakete. Die Basisvariante schließt Bahnen, Busse und Mietfahrräder ein. Wer es komfortabler und
schneller möchte, bucht ein Carsharingmodul dazu. Erfolgreiche Konzepte am Markt ermöglichen so eine nahtlose, unkomplizierte
und preisgünstige Tür-zu-Tür-Mobilität, mit
Segway, Fahrrad, Mietauto oder mit der
»Erfolgreiche Konzepte ermöglichen eine nahtlose, unkomplizierte und preisgünstige Tür-zu-Tür-Mobilität.“«
Bahn. Chancen für Anbieter liegen nicht nur
darin, Fahrzeugflotten und Infrastruktur bereitzustellen, sondern zugleich Informationsdienste anzubieten, die die gesamte Reiseplanung und das Umsteigen zwischen den
verschiedenen Verkehrsträgern ermöglichen
– mittels Realtime-Verkehrsinformationen,
Verkehrsleittechnik, Mobilitätskarten, Zugangstechnik oder Ticketing. Der öffentliche
Verkehr entwickelt sich zum Plattformanbieter, traditionelle Automobilhersteller werden
zu Mobilitätsdienstleistern. Die Voraussetzungen dafür sind, den Fokus auf Kunden zu
legen, Kooperationsbereitschaft zu zeigen
und die Finanzierung für neue Infrastrukturen sicherzustellen. Selbstverständlich ist
von alledem aber nichts. Die Organisation eines intermodalen Verkehrssystems ist >
Zukunftsmanager
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Strategie & Kultur
Ausgabe 2/2012
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Anzeige
Bundesverband der Deutschen
Industrie; Z_punkt. The Foresight
Company: Deutschland 2030.
Zukunftsperspektiven der Wertschöpfung.
anspruchsvoll. Einzelne Unternehmen sind
eher damit überfordert, das Schnittstellenmanagement zu organisieren. Wer es schafft,
die Innovationsallianzen zwischen privatem
und öffentlichem Verkehr zu organisieren,
gewinnt. Wer sich nicht bewegt, verliert.
 Im Internet
4. Puffer im Netz
Mehr Informationen
Ist Ihr Standort fit für die Zukunft?
Schade, Wolfgang; Peters, Anja; Doll,
Claus; Klug, Stefan; Köhler, Jonathan; Krail, Michael: VIVER.
Vision für nachhaltigen Verkehr in
Deutschland. Fraunhofer, ISI
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Weert Canzler und
Andreas Knie skizzieren den Einstieg in eine neue Mobilität, die
eine Verknüpfung von
öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln erreicht, und das vollständig
auf Basis erneuerbarer Energien.
Weert Canzler, Andreas Knie
Einfach aufladen. Mit Elektromobilität in
eine saubere Zukunft
128 Seiten. oekom verlag München 2011.
ISBN-13: 978-3-86581-270-4
Branchen, die heute noch weitgehend unverbunden nebeneinander existieren, werden in
Zukunft nicht nur kooperieren, sondern treten in direkte Wechselwirkung. Die Dynamik
lässt Branchengrenzen verschwinden. Ein
Beispiel ist die Integration von Mobilitätsund Energienetzen, eine weitere mögliche
disruptive Entwicklung. Dezentral organisierte Smart Grids sorgen im Stromnetz der Zukunft, das mehr und mehr aus regenerativen
Quellen gespeist wird, für eine bessere Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Da
die Sonne nicht immer scheint und der Wind
nicht gleichmäßig weht, braucht es zudem
Puffersysteme, die die überschüssige Energie
speichern und in Zeiten hoher Nachfrage
wieder abgeben können. An diesem Punkt
kommt die Elektromobilität ins Spiel. Neben
anderen Puffersystemen (Wasser, Druckluft,
Gas) weisen Elektrofahrzeuge erhebliche
Speicherpotentiale auf. Die Bundesregierung
erwartet für Deutschland 2020 eine Million
Elektroautos. Bereits eine Flotte von 400.000
Fahrzeugen am Netz könnte eine Gesamtaufnahmekapazität von bis zu 8 Gigawatt
Peak generieren. Dafür sind vor allem Fahrzeuge im professionellen Flottenbetrieb >
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Zukunftsmanager
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Strategie & Kultur
geeignet. So kommen neue Akteure ins Spiel:
Kommunen, Stadtwerke und Unternehmen,
die sich auf das Management von Fahrzeugflotten spezialisiert haben. Bis es so weit ist,
sind freilich noch erhebliche Anstrengungen
auf den Gebieten der Batterieforschung und
der Steuerungselektronik erforderlich. Hinzu
kommen entsprechende Tarife und radikal
veränderte Geschäftsmodelle, um die Dienstleistung „Strom speichern“ abgelten zu können. Die Verschmelzung von Mobilitäts- und
Energienetzen erfordert somit hohe Investitionen, auf Seiten der Technik ebenso wie bei
der Infrastruktur. Insgesamt wird die Elektromobilität zu komplexen Wertschöpfungsnetzwerken führen. Die relative Marktmacht
der Akteure hängt dabei entscheidend von
ihrem Geschick ab, Allianzen zu schmieden.
5. Low-Cost-Konkurrenz
Die Entwicklung der
Elektromobilität hängt
stoffen wie Lithium ab.
© Siemens-Pressebild
entscheidend von Roh-
In den Schwellenländern wachsen neue
Wettbewerber heran. Bei den Pkw sind es besonders asiatische Hersteller, die mit deutlich
niedrigeren Entwicklungs-, Produktions- und
Vertriebskosten das wachstumsträchtige
Low-Cost-Segment dominieren. Low-CostProduktion ist in Deutschland aber kaum
möglich. Sollte sie vom globalen Wettbewerb
erzwungen werden, wäre dies eine Disruption mit Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
und für die gesamte Gesellschaft. Für deutsche Hersteller gilt es, höhere Qualität zu bieten. Voraussetzung dafür ist es, Forschung
und Entwicklung zu intensivieren. Im
ungünstigsten Fall besteht die Gefahr, dass
Ausgabe 2/2012
sich bei Kunden eine Low-Cost-/High-Quality-Mentalität durchsetzt. Dadurch sinkt die
Bereitschaft, für hochwertige Produkte angemessene Preise zu bezahlen. Das gilt insbesondere für Fahrzeuge mit neuen Antriebskonzepten.
6. Das ganze Paket
Allzu große Euphorie in Sachen Elektromobilität ist nicht angebracht. Selbst in der Automobilindustrie macht sich aktuell eher Skepsis breit: Die Kosten der Elektroautos sind
noch zu hoch. Fahrzeugflotten mit Millionen
Benzinern lassen sich nicht binnen weniger
Jahre umbauen. Deshalb wird um 2025 die
Zahl der Autos mit Verbrennungsmotor (inklusive Hybridfahrzeuge) immer noch 90
Prozent betragen. Erst danach könnte neuen
Antriebskonzepten der Durchbruch gelingen.
Dabei verwandelt sich allerdings die Abhängigkeit von Öl beim Verbrennungsmotor in
eine Abhängigkeit von Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Nickel, die insbesondere für
die Batterie von Elektrofahrzeugen benötigt
werden. Mobilität ist tief verwoben in die gegebenen Bedingungen, angefangen von der
Siedlungsstruktur, über die vorhandene Technik bis hin zu den wirtschaftlichen Strukturen und Geschäftsmodellen. Beim Thema
Transport und Verkehr geht es deshalb immer um das ganze Paket: Mobilität als System. Dieses Gesamtpaket schließt langfristig
den Umbau des fossil gestützten Weltenergiesystems ein. Nicht nur ökologische, auch
soziale Anforderungen, dazu Innovationen
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auf technischem und gesellschaftlichem Gebiet, bringen den Prozess voran. Zug um Zug
wird sich das Thema Nachhaltigkeit auf allen
Märkten durchsetzen. Ohne Nachhaltigkeit
keine Wettbewerbsfähigkeit.
Menschen, Informationen, Güter und Dienstleistungen: Alles ist in Bewegung. Voraussetzung für Wertschöpfung ist ein leistungsfähiger Personen-, Informations- und Güterverkehr. Mobilitätskonzepte auf Basis neuer Geschäftsmodelle werden daher zu einem zentralen Erfolgsfaktor im Wettbewerb um Zukunftsmärkte.
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Klaus Burmeister
ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter
von Z_punkt The Foresight
Company.
burmeister@z-punkt.de
Bert Beyers
ist Journalist und Autor.
mail@bertbeyers.de
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