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13920_tft2_Tit_K
2800202006
15:51 Uhr
Seite 1
Ausgabe 2 / 2006
März / April
Was heißt eigentlich …?
Begriffe rund um den Arbeitsschutz / Büroräume: Flächen optimal nutzen /
Kennzeichnungspflicht: Was muss wie gekennzeichnet sein? / Was passiert
nach einem Arbeitsunfall? / Fahrsimulatoren – Verkehrssicherheitsarbeit
im Betrieb / Wellpappeherstellung: es geht auch ohne Unfälle
Sicherheit und Gesundheitsschutz rund um Text, Bild, Druck und Papierverarbeitung
tag für tag
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0200302006
19:52 Uhr
Seite 2
22 || tag
tagfür
fürtag
tag 02
02//06
05 || BG
BG berichtet
berichtet
Inhalt
tag für tag 2 / 2006
Mitteilungsblatt der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung für Prävention,
Rehabilitation und Entschädigung bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten
4
8
12
14
18
20
22
24
26
28
BG berichtet
2 Inhalt
3 Editorial/Impressum
4 Aktuelles
6 Geprüfte Maschinen
7 Termine zur Aus- und Weiterbildung
8 Unfälle
10 Was heißt eigentlich …? Begriffe rund
um den Arbeitsschutz
12
Was passiert nach einem Arbeitsunfall?
Gesundheit und Sicherheit
14 Büroräume: Flächen optimal nutzen
18 Rollenrotationstiefdruck: Explosionsschutz
an Falzapparat und Überbau?
20
Kennzeichnungspflicht: Was muss
wie gekennzeichnet sein?
Aus der Praxis
22 Arbeitsschutz als Führungsaufgabe
24 Fahrsimulatoren – Verkehrssicherheitsarbeit
im Betrieb
26
Prozessoptimierung im Bogenoffsetdruck:
bessere Druckqualität und bessere Luft durch
staubarme Druckbestäubungspuder
28
Wellpappeherstellung: es geht auch ohne Unfälle
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2800202006
15:54 Uhr
Seite 3
BG berichtet | tag für tag 02 / 06 | 3
Editorial
Abgestimmtes Miteinander entlastet Betriebe
Die Konferenz der
Arbeits- und Sozialminister der Bundesländer (ASMK) hat in ihrer 82. Hauptkonferenz am
17. und 18. November 2005 einen Beschluss zur »Deregulierung des Arbeitsschutzrechts«
gefasst, der eine wegweisende Bedeutung für eine Neujustierung des deutschen Arbeitsschutzsystems hat.
Das deutsche Arbeitsschutzsystem wird von zwei Institutionen getragen: den Ländern
und den Berufsgenossenschaften. Beide haben ihre besonderen Kompetenzen und ergänzen sich dabei. Näheres dazu finden Sie in unserem Beitrag auf der Seite 10. Dieser
Dualismus wurde in letzter Zeit diskutiert. Kritisch gesehen wird vor allem, wenn einzelne
Betriebe doppelt besichtigt werden.
Nach dem Beschluss der ASMK sollen Kooperationsvereinbarungen mit verbindlichen
Absprachen und einer geeigneten Arbeitsteilung die Zusammenarbeit zwischen den gewerblichen Berufsgenossenschaften und den Ländern optimieren. Dadurch soll das hohe
Arbeitsschutzniveau in den Betrieben erhalten, aber Kosten und Aufwand für die Betriebe
verringert werden.
Zur Optimierung sind eine abgestimmte Arbeitsschutzstrategie mit Arbeits- und
Aktionsprogrammen sowie ein System zum Austausch von Informationen und Daten vorgesehen.
Michael Boettcher
Direktor der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung
Impressum Verantwortlich für den Inhalt: Michael
Boettcher, Direktor der Berufsgenossenschaft / Schriftleitung Arbeitssicherheit: Albrecht H. Glöckle, Leiter
des Bereichs Prävention / Redaktion: Holger Pelz / Gestaltung: Heine/Lenz/Zizka, Frankfurt am Main / Titelfoto:
Frey, Egling / Lithografie: City Repro, Mainz / Druck: Brühl-
sche Universitätsdruckerei GmbH & Co. KG, Giessen /
Der Bezugspreis für das Mitteilungsblatt ist durch den
Mitgliedsbeitrag abgegolten. Nachdruck nur nach Vereinbarung mit der Berufsgenossenschaft und mit der
Quellenangabe: »tag für tag – Zeitschrift der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung« erlaubt. /
Erscheinungsweise: zweimonatlich / Verlag: Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung, 65173
Wiesbaden, Telefon: 0611-131·0, Telefax: 0611-131·100,
Internet: www.bgdp.de
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0200302006
19:52 Uhr
Seite 4
4 | tag für tag 02 / 06 | BG berichtet
Aktuelles
Schwerpunktaktion
»Betriebsanweisungen
Offsetdruck« Die neue Gefahr-
Musterbetriebsanweisung für den
Umgang mit einem
Walzenwaschmittel
stoffverordnung fordert, dass die
Gefährdungsbeurteilung, die alle
Betriebe durchführen müssen, beim
Umgang mit Gefahrstoffen immer
schriftlich dokumentiert wird. Dabei
spielt die Zahl der Beschäftigten
keine Rolle.
Das betrifft fast alle Offsetdruckereien. Denn typische Arbeitsstoffe
wie Isopropanol, Walzen- und Gummituchwaschmittel gelten als Gefahrstoffe.
Die Berufsgenossenschaft Druck
und Papierverarbeitung besucht im
Rahmen einer Schwerpunktaktion
bis Ende 2006 Offsetdruckereien mit
wenigen Beschäftigten, um diese
Betriebe über die Dokumentationspflicht zu informieren und bei der
Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung zu unterstützen.
Die schriftliche Dokumentation
einer Gefährdungsbeurteilung kann
beim Umgang mit Gefahrstoffen z.B.
auch die Betriebsanweisung sein.
Diese enthält u. a. Hinweise zu den
Gefahren für Mensch und Umwelt
und entsprechende Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln. Grundlage ist das jeweilige Sicherheitsdatenblatt. Dieses enthält einen
Großteil der Informationen für die
Betriebsanweisung.
Die Technischen Aufsichtsbeamten werden mit den Offsetdruckereien Termine vereinbaren. In dem
Beratungsgespräch werden den
Arbeitstoffen Musterbetriebsanweisungen zugeordnet und die
speziellen betrieblichen Randbedingungen für den Einsatz der Stoffe
besprochen. Auf diese Weise wird
beispielhaft mindestens eine Betriebsanweisung gemeinsam erarbeitet.
Zur Vereinfachung stehen
Vordrucke und Musterbetriebsanweisungen für typische Gefahrstoffe zur Verfügung, die auch im
Internet abgerufen werden können
(www.bgdp.de/pages/service/downloads.htm). Die Musterbetriebsanweisungen müssen durch Textergänzungen an die Anforderungen
der jeweiligen Druckerei angepasst
werden.
[ Kh ]
Neues Fachseminar »Luftbefeuchtung und Hygiene«
Im Rahmen dieses neu gestalteten
Fachseminars werden verschiedene
Luftbefeuchtungssysteme vorgestellt
und unter den Aspekten »Planung,
Installation und Wartung« besprochen. Dabei geht es auch um die
gesundheitlichen Aspekte, die beim
Betrieb dieser Systeme zu beachten
sind.
Externe Referenten aus der Industrie berichten aus der Praxis
über die Technik der Luftbefeuchtung und Wasseraufbereitung.
Das Seminar beinhaltet die
Hygieneschulung Kat. B nach VDI
6022, die nach den Kriterien der
VDI-Gesellschaft Technische
Gebäudeausrüstung durchgeführt
wird. Am Ende des Seminars wird
eine freiwillige Prüfung angeboten.
Wer diese Prüfung erfolgreich abschließt, darf Hygienekontrollen an
Raumlufttechnischen Anlagen im
Betrieb durchführen.
Durch den zweitägigen Seminaraufbau gibt es genügend Möglichkeiten, auf die speziellen Anforderungen und Probleme unserer Branche
einzugehen und diese zu diskutieren.
Termine: siehe Seite 7, Anmeldung
und Kontakt: Telefon: 0611-131·213,
Fax: 0611-131·167 oder per E-Mail:
AW@bgdp.de
[ Gw ]
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2800202006
15:55 Uhr
Seite 5
BG berichtet | tag für tag 02 / 06 | 5
Ein Modell mit Zukunft:
Berufsgenossenschaften
Mainz/Wiesbaden stellen
sich im rheinland-pfälzischen
Landtag vor »Die Berufsgenossenschaften sind da, sie wirken aber
außerhalb unserer Wahrnehmung«,
bemerkte der Vizepräsident des
rheinland-pfälzischen Landtags
Gerd Itzek in seiner Eröffnungsrede
zum parlamentarischen Abend der
Mainz/Wiesbadener Berufsgenossenschaften im Mainzer Landtag.
Eine Feststellung, die von einigen
der rund 80 Gäste geteilt wurde.
Die sechs BGen, nämlich BG Metall
Süd, Fleischerei-BG, PapiermacherBG, Lederindustrie-BG, Zucker-BG
sowie BG Druck und Papierverarbeitung, sahen sich bestätigt, ihre
Arbeit im Rahmen eines parlamentarischen Abends im Mainzer
Deutschhaus, dem Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags, vorzustellen.
In Anwesenheit von Ministerpräsident Kurt Beck sowie Staatssekretär Dr. Richard Auernheimer
konnten die Parlamentarier eine
spannende Podiumsdiskussion zum
Thema: »Berufsgenossenschaften –
ein Modell mit Zukunft« verfolgen.
Gerhard Herbst, rheinland-pfälzischer Landesbezirksvorsitzender
und Hauptvorstandsmitglied der
Gewerkschaft Nahrung-GenussGaststätten, und Dr. Josef Anselm
Wiedmann, Geschäftsführer der
Buchmann Karton GmbH in Annweiler, belegten eindrucksvoll, wie
hoch die Arbeit der Berufsgenossenschaften von Arbeitnehmern
und Arbeitgebern eingeschätzt wird.
In den Diskussionsbeiträgen
wurde immer wieder deutlich, dass
es für das Prinzip der Branchengliederung in der gesetzlichen Unfallversicherung keine wirkliche Alternative gibt. Dr. Albert Platz, Hauptgeschäftsführer der BG Metall Süd,
erläuterte, dass Beitragsstabilität,
rückläufige Unfall- und Erkrankungszahlen sowie eine schnelle Rehabilitation von Verunglückten zur
Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland beitragen.
Ein anschließender Sicherheitsparcours vermittelte praktische
Einblicke in die Präventionsarbeit.
Dabei interessierten sich die Abgeordneten besonders für eine LiveVorführung des Cuela-Systems des
BGIA. Mit diesem System werden
die Belastungen des Gelenk- und
Muskelapparats, die bei bestimmten
Arbeitsabläufen auftreten, erforscht.
Bis in den späten Abend nutzten
zahlreiche Abgeordnete die Gelegenheit zum Meinungsaustausch
mit den Vertretern der Berufsgenossenschaften. Dabei zogen die Landespolitiker eine positive Bilanz des
parlamentarischen Abends und lobten insbesondere die gut aufbereiteten Informationen. Ihr Fazit: Es lohnt
sich, mehr über die Arbeit der Berufsgenossenschaften zu erfahren.
[ Sp ]
Uwe Petersen,
Vorstandsvorsitzender und
Michael Boettcher,
Hauptgeschäftsführer, BG Druck
und Papierverarbeitung, Landtagsvizepräsident
Gerd Itzeg,
Ministerpräsident
Kurt Beck, Landtagsvizepräsident
Jürgen Creutzmann sowie
Dr. Albert Platz,
BG Metall-Süd
(von rechts).
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2800202006
15:55 Uhr
Seite 6
6 | tag für tag 02 / 06 | BG berichtet
Geprüfte Maschinen
Prüf- und Zertifizierungsstelle Druck und Papierverarbeitung
Für folgende Maschinen wurden von November 2005 bis Dezember 2005 die Zertifikate für das GS-Zeichen ausgestellt:
Unternehmen
Maschinenart
Maschinentyp
Prüfnr.
Bograma AG
Bochsler Grafische Maschinen
Automatische Schneidund Stanzmaschine
BS Multi 450, BS Multi 750
DP 05094
Heidelberger Druckmaschinen AG
Plattenbelichter
Suprasetter
DP 05095
Baldwin Germany GmbH
Bahnfangvorrichtung
WebCatcher S18 / S18i
DP 05096
Müller Martini
Buchbinde-Systeme AG
Transportband / Notauslage
3520
DP 05097
Beijing Beiren
FujiPrinting Machinery Co., Ltd.
Endlosformulardruckmaschine
BF 4250 B
DP 05098
Wohlenberg
Schneidesysteme GmbH
Dreischneider
trim-tec 60i
DP 05099
Die aktuelle Liste aller geprüfter Maschinen finden Sie im Internet über http://www.bgdp.de/Maschinenliste
Seminar »Elektrische Ausrüstung und Steuerung von
Druck- und Papierverarbeitungsmaschinen« Die Prüfund Zertifizierungsstelle der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung veranstaltet am 13. und
14. Juni 2006 ein weiteres Seminar
zum Thema »Elektrische Ausrüstung
und Steuerung von Druck- und
Papierverarbeitungsmaschinen«.
Das Seminar richtet sich an
Elektro- und Maschinenkonstrukteure, Maschinenausrüster sowie
Mitarbeiter von Planungsabteilungen.
Gegenstand des Seminars sind
die speziellen Anforderungen an die
elektrische Ausrüstung und Steuerung von Druck- und Papierverarbeitungsmaschinen. Dabei werden insbesondere die Normen EN 60204-1
»Elektrische Ausrüstung von
Maschinen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen« und EN 954-1 »Sicherheit von Maschinen – sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen,
Teil 1: Allgemeine Gestaltungsgrundsätze« und die Revision der
EN954-1 (ISO EN 13849-1) berücksichtigt. Zusätzlich wird auf die
gesetzlichen Anforderungen, die
sich aus dem neuen EMV-Gesetz
ergeben, hingewiesen.
Im Seminar wird insbesondere
auf die Revision der EN 954-1 eingegangen. An ausgewählten Beispielen soll die praktische Umsetzung
der revidierten Norm dargestellt und
der theoretische Teil der Norm vermittelt werden.
Interessenten können sich per
Fax unter 0611-131·155 oder per
E-Mail an fadp@bgdp.de an uns
wenden.
[ Bc ]
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2800202006
15:55 Uhr
Seite 7
BG berichtet | tag für tag 02 / 06 | 7
Aus- und Weiterbildung
Termine
Die Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung führt zu folgenden Terminen Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen durch:
Lehrgänge für Fachkräfte
für Arbeitssicherheit
65817 Eppstein 1. Präsenz
65817 Eppstein 2. Präsenz
65817 Eppstein 3. Präsenz
65817 Eppstein 4. Präsenz
08 / 05 / 06 – 12 / 05 / 06
29 / 05 / 06 – 02 / 06 / 06
26 / 06 / 06 – 07 / 07 / 06
27 / 03 / 06 – 31 / 03 / 06
14 / 08 / 06 – 18 / 08 / 06
18 / 09 / 06 – 22 / 09 / 06
09 / 10 / 06 – 20 / 10 / 06
10 / 07 / 06 – 14 / 07 / 06
13 / 11 / 06 – 17 / 11 / 06
20 / 11 / 06 – 24 / 11 / 06
27 / 11 / 06 – 08 / 12 / 06
30 / 10 / 06 – 03 / 11 / 06
11 / 12 / 06 – 15 / 12 / 06
Seminare für Meister
und andere Vorgesetzte
Seminare für Betriebsräte
Lehrgänge für
Brandschutz-Beauftragte
65817 Eppstein Grundsem.
65817 Eppstein Aufbauseminar
15 / 05 / 06 – 19 / 05 / 06
03 / 05 / 06 – 05 / 05 / 06
18 / 12 / 06 – 22 / 12 / 06
25 / 10 / 06 – 27 / 10 / 06
65817 Eppstein Grundsem.
65817 Eppstein Aufbausem.
16831 Linow Grundsem.
16831 Linow Aufbausem.
15 / 03 / 06 – 17 / 03 / 06
13 / 09 / 06 – 15 / 09 / 06
08 / 05 / 06 – 10 / 05 / 06
18 / 09 / 06 – 20 / 09 / 06
65817 Eppstein Teil 1
65817 Eppstein Teil 2
65817 Eppstein Weiterbildung
24 / 04 / 06 – 28 / 04 / 06
20 / 03 / 06 – 24 / 03 / 06
07 / 06 / 06 – 09 / 06 / 06
07 / 08 / 06 – 11 / 08 / 06
Lehrgänge für
Gabelstaplerfahrer
08547 Jößnitz Ausbildung
Seminare für Ausbilder
von Staplerfahrern
08547 Jößnitz Ausbildung
08547 Jößnitz Weiterbildung
08 / 05 / 06 – 12 / 05 / 06
19 / 04 / 06 – 21 / 04 / 06
14 / 08 / 06 – 18 / 08 / 06
01 / 11 / 06 – 03 / 11 / 06
24 / 04 / 06 – 28 / 04 / 06
12 / 06 / 06 – 16 / 06 / 06
28 / 08 / 06 – 01 / 09 / 06
18 / 12 / 06 – 22 / 12 / 06
04 / 12 / 06 – 08 / 12 / 06
18 / 12 / 06 – 22 / 12 / 06
Fachseminare
Diese Seminare sind gedacht
für alle Mitarbeiter unserer
Mitgliedsbetriebe, soweit sie
entsprechend eingesetzt und
mit dem Fachgebiet betraut
sind.
Führung und Persönlichkeit
Die Seminare sind für Führungskräfte unserer Mitgliedsbetriebe
gedacht, die ihre rhetorischen
Fähigkeiten und ihr methodisches
Geschick in Führungssituationen
in der Praxis weiter verbessern
wollen.
08547 Jößnitz
18 / 12 / 06 – 19 / 12 / 06
»Alkohol in der Arbeitswelt«
65817 Eppstein
59387 Ascheberg
26 / 04 / 06 – 28 / 04 / 06
04 / 10 / 06 – 06 / 10 / 06
»Arbeitsstoffe«
57250 Netphen
13 / 06 / 06 – 14 / 06 / 06
»Betriebssicherheitsverordnung«
12557 Berlin
51643 Gummersbach
25 / 04 / 06 – 26 / 04 / 06
24 / 10 / 06 – 25 / 10 / 06
»Bogenoffset«
01109 Dresden
03 / 07 / 06 – 07 / 07 / 06
»Elektrische Ausrüstung und Steuerung«
65817 Eppstein
08 / 05 / 06 – 09 / 05 / 06
»Transport gefährlicher Güter«
65817 Eppstein
28 / 11 / 06 – 29 / 11 / 06
»Lärm«
16831 Linow
89075 Ulm
27 / 11 / 06 – 28 / 11 / 06
16 / 05 / 06 – 17 / 05 / 06
»Psychische Fehlbeanspruchungen«
63872 Heimbuchental
28 / 06 / 06 – 30 / 06 / 06
»Sachkundiger der Ladungssicherung – Ausbildung«
31319 Sehnde
90475 Nürnberg
08 / 05 / 06 – 10 / 05 / 06
06 / 11 / 06 – 08 / 11 / 06
»Sachkundiger der Ladungssicherung – Weiterbildung«
42555 Velbert
26 / 04 / 06 – 27 / 04 / 06
»Siebdruck«
65817 Eppstein
11 / 09 / 06 – 12 / 09 / 06
»Tiefdruck«
97084 Würzburg
29 / 11 / 06 – 30 / 11 / 06
»Wellpappenverarbeitung«
81929 München
28 / 03 / 06 – 29 / 03 / 06
»Zeitungsdruck«
65817 Eppstein
86154 Augsburg
10 / 05 / 06 – 11 / 05 / 06
18 / 10 / 06 – 19 / 10 / 06
»Luftbefeuchtung und Hygiene«
55128 Mainz
19 / 06 / 06 – 20 / 06 / 06
»Mit Rhetorik zum Erfolg im Arbeitsschutz«
97337 Dettelbach
29640 Schneverdingen
03 / 04 / 06 – 04 / 04 / 06
10 / 10 / 06 – 11 / 10 / 06
»Unterweisung und Gesprächsführung
mit Einzelpersonen«
46045 Oberhausen
12 / 09 / 06 – 13 / 09 / 06
»Moderierte Unterweisung von Teams«
51674 Wiehl
06110 Halle
21029 Hamburg
15 / 05 / 06 – 16 / 05 / 06
18 / 09 / 06 – 19 / 09 / 06
04 / 12 / 06 – 05 / 12 / 06
»Seminare für Führungskräfte«
Die Informationsseminare zur Fortbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind im Informationsblatt Nr. 625, die
Termine für Lehrgänge für Sicherheitsbeauftragte im Informationsblatt Nr. 607 zusammengestellt, die wir Ihnen gerne
zusenden. Die laufend aktualisierte Terminliste finden Sie im Internet (www.bgdp.de/Seminartermine). Detaillierte
Angaben zum gesamten Aus- und Weiterbildungsangebot können Sie anfordern: Fax 0611-131·167. Informieren Sie uns
bitte, wenn Sie an weiteren Themen interessiert sind. Termine für regionale Seminare für Unternehmer von Klein- und Mittelbetrieben zum alternativen Betreuungsmodell sowie zu den BG-Fahrsicherheitstrainings werden auf Anfrage mitgeteilt.
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2800202006
15:56 Uhr
Seite 8
8 | tag für tag 02 / 06 | BG berichtet
Unfälle
Fußverletzung an Scherenhubtisch Ein Mitarbeiter in einem Papier
Rutschunfall an einer Wellpappenanlage Eine einseitige Well-
verarbeitenden Betrieb stapelte Papier
von einem Scherenhubtisch ab. Nachdem
der Palettenstapel abgearbeitet war,
senkte der Maschinenführer den Scherenhubtisch. Dabei wurde der Fuß eines
Kollegen von der Schere gequetscht.
Beim Absenken des Scherenhubtisches
war dem Maschinenführer die Sicht auf
den Fuß des Kollegen versperrt.
Mit der vorhandenen rundum laufenden
Schaltleiste ist der Scherenhubtisch ausreichend gesichert, wenn er ausschließlich im Tippbetrieb bedient wird. Um derartige Unfälle künftig zu vermeiden, hat
der Betrieb zusätzlich eine seitliche Verkleidung nachgerüstet.
Dadurch kann verhindert werden, dass
ein Fuß versehentlich unter die Schere
gelangen kann. [ Be ]
pappenanlage (Baujahr 1992) musste
wegen eines Papierstaus gestoppt werden. Um den Papierstau zu beheben, fuhr
ein Mitarbeiter das Wellpappenaggregat
auseinander und startete die Maschine
in der reduzierten Grundgeschwindigkeit.
Danach ging er vom Bedienpult zu dem
etwa 3 Meter entfernten Wellpappenaggregat. Dabei rutschte er auf dem verunreinigten Gitterrost vor den sich bewegendenWalzen aus.
Um den Sturz abzufangen griff er reflexartig mit der linken Hand auf die etwa
200°C heißen Walzen und wurde von der
Einzugstelle zwischen Riffelwalze und
Presswalze erfasst (Abstand zwischen
Riffelwalze und Presswalze ca. 50 mm).
Ein Kollege hörte sein Schreien und
stoppte das Wellpappenaggregat. Die
linke Hand des Mitarbeiters wurde bei
dem Unfall stark gequetscht.
Die Einzugstelle zwischen Riffelwalze
und Presswalze ist nur zugänglich, wenn
das Wellpappenaggregat auseinander
gefahren ist. Infolge des Sturzes auf dem
verunreinigten Gitterrost erreichte der
Mitarbeiter diese Einzugstelle.
Da eine mechanische Schutzeinrichtung vor der Einzugstelle nicht angebracht
werden kann und ein Tippbetrieb des Wellpappenaggregats aus technischen Gründen nicht möglich ist, wurden folgende
Maßnahmen ergriffen:
Der Gitterrost auf dem Fußboden wird
sauber gehalten (Reinigung in kürzeren
Intervallen) und darf nur im sauberen
Zustand für diese Arbeiten betreten
werden.
Im Gefahrbereich wurde eine Not-AusLeine installiert.
Bei der Unterweisung werden die Mitarbeiter über die Restgefahren informiert.
[ Gh ]
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0200302006
19:53 Uhr
Seite 9
BG berichtet | tag für tag 02 / 06 | 9
Daumenverlust an einer Wellpappenstanze Ein Mitarbeiter wollte
an einer so genannten Schlitzstanze vermutlich die Position der Messer kontrollieren. Um einen besseren Einblick in den
Arbeitsbereich zu haben, öffnete er die
mit dem Antrieb der Maschine verriegelte
Schutzhaube über den Messern. Um die
Maschine trotz verriegelten Antriebs starten zu können, betätigte er den Positionsschalter von Hand. Dieser Positionsschalter war so installiert, dass die Schutzfunktion durch einfaches Hineindrücken des
Positionsschalters überbrückt werden
konnte. Zur Kontrolle der Messerposition
legte der Mitarbeiter mit der rechten Hand
einen Bogen ein, drückte mit der linken
Hand den Positionsschalter und startete
die Maschine anschließend mit dem Fußschalter. Dabei übersah er jedoch, dass
der Daumen seiner linken Hand unter dem
ganz links stehenden Messer lag. Beim
Start der Maschine wurde der Daumen abgetrennt. Der Versuch, den abgetrennten
Daumen im Krankenhaus wieder anzunähen, schlug leider fehl.
Positionsschalter, die einfach zu manipulieren sind, stellen ein erhebliches Risiko dar. Auch bei älteren Maschinen sollte
geprüft werden, ob Positionsschalter eingesetzt werden können, die ein einfaches
Manipulieren weitgehend ausschließen.
[ Gb ]
Fingerquetschung an einem
Transportband An der Übergabestelle von einer Faltschachtelklebermaschine zu einem zugehörigen Packautomaten stauten sich die fertigen Schachteln. Eine Mitarbeiterin versuchte, die
Schachteln am Ende des Transportbandes
abzunehmen. Dabei geriet sie aus Versehen mit einem Finger unter das Transportband. Der Finger wurde von der laufenden
Umlenkrolle erfasst und eingezogen.
Glücklicherweise stand der Maschineneinrichter gerade am Not-Aus-Schalter
und konnte die Maschine stoppen.
Umlenkrollen von Transportbändern
bilden gefährliche Einzugstellen und müssen gesichert werden. Dazu eigenen sich
Abdeckungen oder Füllstücke. Auch nach
Umbauten oder Veränderungen an der
Materialzufuhr oder -abfuhr muss darauf
geachtet werden, dass die Einzugstellen
an den Umlenkrollen noch gesichert sind.
[ Hr ]
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0300302006
13:00 Uhr
Seite 10
10 | tag für tag 02 / 06 | BG berichtet
Was heißt eigentlich …? In der Diskussion über die
Berufsgenossenschaft tauchen häufig Begriffe auf, die als bekannt vorausgesetzt werden. Dies führt immer wieder zu
Verwirrungen, Missverständnissen und Nachfragen. In diesem
ersten Beitrag wollen wir zunächst einige Begriffe aus dem
Bereich »Prävention« klären. »Was heißt eigentlich …?« wird in
den nächsten Ausgaben der »tag für tag« fortgesetzt.
Prävention Dass Vorbeugen besser als Heilen ist,
gilt auch für das sichere Gestalten des Arbeitsplatzes.
Es gibt eine Reihe von Institutionen, die die Aufgaben
der Prävention wahrnehmen. Dazu gehören insbesondere die Berufsgenossenschaften und staatliche Institutionen, die je nach Bundesland unterschiedlich genannt
werden und in unterschiedlichen Ministerien angesiedelt
sind.
Prävention bietet große Potenziale für den einzelnen
und ist eine Chance für die Gemeinschaft, die Kosten
in den Griff zu bekommen. Diese Potenziale können nur
durch systematisch verbesserte Kooperation, nicht
zuletzt mit den Unternehmen und Beschäftigten selbst,
erschlossen werden.
Dualismus Mit »Dualismus« wird häufig das duale
Arbeitsschutzsystem in Deutschland bezeichnet. Die
staatlichen Institutionen (Arbeitsschutzverwaltungen
der Bundesländer) und die Berufsgenossenschaften
wirken beide mit unterschiedlichen Grundlagen und
Befugnissen für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit:
Die Arbeitsschutzverwaltungen der Länder überwachen die Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen
und sonstigen staatlichen Rechtsvorschriften.
Die Berufsgenossenschaften kommen anstelle der
Unternehmer für die Folgen von Arbeitsunfällen und
Berufskrankheiten auf. Damit übernehmen sie die
Haftung für Behandlungs- und Rehabilitationskosten
von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Da es
ethisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, Unfälle und Erkrankungen zu verhindern, statt sie zu entschädigen,
haben die Berufsgenossenschaften auch die Aufgabe,
für eine wirkungsvolle Prävention zu sorgen.
Staatliche Arbeitsschutzverwaltung und Berufsgenossenschaften haben bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Diese Zusammenarbeit wird in Zukunft
optimiert und gestrafft (siehe Editorial).
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0200302006
19:53 Uhr
Seite 11
BG berichtet | tag für tag 02 / 06 | 11
Prävention
(vorbeugende Maßnahmen)
Aus einer Hand
Rehabilitation
(medizinische Versorgung, berufliche
und soziale Wiedereingliederung)
Entschädigung
(finanzielle Leistungen)
Die Aufgaben
der Berufsgenossenschaften
Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften e.V. (HVBG) Der Hauptverband erledigt
Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und
Gesundheit bei der Arbeit e. V. (Basi) Die Basi ist
Gemeinschaftsaufgaben der Berufsgenossenschaften.
Dazu unterhält er auch eine Reihe von spezialisierten
Forschungseinrichtungen, die die Präventionsarbeit der
Berufsgenossenschaften unterstützen:
Das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitsschutz (BGIA) ist ein Forschungs- und Prüfinstitut
und befasst sich u. a. mit physikalischen Einwirkungen
am Arbeitsplatz, z. B. Lärm oder Vibrationen, oder
entwickelt z.B. Messverfahren, um ergonomische Belastungen aufzuzeigen.
Das Berufsgenossenschaftliche Forschungsinstitut
für Arbeitsmedizin (BGFA) berät z. B. Berufsgenossenschaften und Arbeitsmediziner bei Fragestellungen zu den Themen Arbeitsmedizin, Allergologie/
Immunologie, Toxikologie und molekulare Medizin.
Das Berufsgenossenschaftliche Institut Arbeit und
Gesundheit (BGAG) bearbeitet vor allem »weiche
Faktoren« wie Arbeitsorganisation, Wirtschaft, Arbeitsmedizin, Psychologie und Sozialwissenschaften,
Erziehungswissenschaft.
als »Netzwerkorganisation« zu verstehen und hat zurzeit
73 Mitgliedsorganisationen (Bund und Länder, Sozialpartner, Gesetzliche Unfallversicherung, Gesetzliche
Krankenversicherung, Hochschuleinrichtungen, Institutionen und Fachverbände).
Die Basi organisiert alle zwei Jahre den Internationalen Kongress für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
(A+A) mit Treffpunkt »Sicherheit und Gesundheit« und
das »A+A-Forum« als zentrale Gemeinschaftsveranstaltung. [ Bb ]
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2800202006
15:57 Uhr
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12 | tag für tag 02 / 06 | BG berichtet
Was passiert nach einem Arbeitsunfall? Die Zahl
der Arbeitsunfälle geht seit vielen Jahren kontinuierlich zurück.
Diese erfreuliche Entwicklung gilt auch für schwere Unfälle an
Maschinen. Trotzdem ist jeder dieser Unfälle ein Unfall zuviel.
Wie hilft die Berufsgenossenschaft (BG) dem Betroffenen?
Was passiert, wenn die BG von einem Arbeitsunfall erfährt?
Unfallanzeige und Durchgangsarzt Die BG erfährt
von einem Arbeitsunfall in den meisten Fällen über die
Unfallanzeige des Unternehmers oder den Bericht des
Durchgangsarztes. Dem Durchgangsarzt muss der Verletzte unmittelbar nach einem Arbeitsunfall vorgestellt
werden. Er ist ein besonders qualifizierter Unfallchirurg,
der von den Berufsgenossenschaften zugelassen worden
ist. Er beschreibt die Schwere der Verletzung und entscheidet über die weitere Heilbehandlung. Sein Bericht
ist wichtiges Entscheidungskriterium für das weitere
Vorgehen der BG.
Leichte Unfälle – einfache Bearbeitung Bei leichteren Unfällen genügt häufig die medizinische Erstversorgung durch den Arzt und ggf. eine Nachuntersuchung.
Dies gilt z. B. für viele Schnittwunden und Prellungen.
Die BG zahlt auch hier – wie bei jedem Arbeitsunfall –
sämtliche Kosten für die Behandlung.
Schwerere Unfälle – persönliche Betreuung
durch einen Sachbearbeiter Alle Unfälle, die mehr
als eine medizinische Erstversorgung erfordern, werden
von einem Unfallsachbearbeiter unserer BG persönlich
bearbeitet. Im Vordergrund steht dabei die umfassende
medizinische Versorgung mit dem Ziel, den Verletzten
möglichst schnell und gut wieder in den Beruf zu integrieren. Der Unfallsachbearbeiter steuert die ambulante
und stationäre Behandlung und veranlasst ggf., dass der
Verletzte in eine für die Behandlung schwerer Arbeitsunfälle geeignete Klinik verlegt wird. Dafür stehen z. B.
die besonders qualifizierten berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken zur Verfügung. Der Unfallsachbearbeiter kümmert sich bei Bedarf auch um die Versorgung
mit Hilfsmitteln, wie Brillen oder Gehhilfen. Er überwacht ebenfalls ständig die Fortschritte der Behandlung.
Damit die Rehabilitation nahtlos an die medizinische
Behandlung anschließen kann, werden ggf. schon frühzeitig Plätze in Reha-Einrichtungen reserviert.
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BG berichtet | tag für tag 02 / 06 | 13
Berufshelfer – schon im Krankenhaus präsent
Unfalluntersuchung Vor allem schwerere Unfälle
Schwerverletzte werden vom Berufshelfer unserer BG
bereits frühzeitig im Krankenhaus persönlich besucht.
Der Berufshelfer ist ein besonders erfahrener Rehabilitationsexperte. Er bespricht während der stationären
Behandlung und später zu Hause oder beim Arbeitgeber
mit dem Verletzten u.a., wie es nach seiner Genesung
weitergeht: z. B. wie die BG seinen Lebensunterhalt finanziell absichert und seine Rückkehr an den Arbeitsplatz und in sein soziales Umfeld unterstützt.
werden vom Technischen Aufsichtsdienst der BG untersucht. Im Rahmen der Unfalluntersuchung bespricht der
Technische Aufsichtsbeamte mit dem Unternehmer
Maßnahmen, um vergleichbare Unfälle künftig zu vermeiden. Aus den Ergebnissen aller Unfalluntersuchungen
werden generelle Maßnahmen abgeleitet. Häufen sich
z. B. an baugleichen Maschinen Unfälle, werden mit dem
Maschinenhersteller technische Verbesserungen besprochen, um die Sicherheit an der Maschine zu erhöhen.
Finanzielle Absicherung Während der Verletzte arbeitsunfähig ist und keine Lohnfortzahlung erhält, zahlt
die BG Verletztengeld. Es entspricht bei Beschäftigten
meist dem regelmäßigen Nettogehalt vor dem Arbeitsunfall und wird über die Krankenkasse ausgezahlt.
Bleibt eine deutliche Minderung der Erwerbsfähigkeit
zurück, erhält der Verletzte eine Rente.
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14 | tag für tag 02 / 06 | Gesundheit und Sicherheit
Büroräume: Flächen optimal nutzen Büroräume gibt
es in jedem Unternehmen. Dort, wo früher vorwiegend verwaltende und organisatorische Aufgaben bearbeitet wurden,
müssen heute vielfach komplexere, kreative Arbeiten erledigt
werden. Die Bildschirmarbeitsplätze, die nicht mehr wegzudenken sind, sind zunehmend Drehscheibe einer komplexen
Kommunikation per Telefon, Fax und E-Mail. Und weil die Kommunikation schneller wurde, erwarten viele, dass die Arbeit
insgesamt schneller erledigt wird. Der Büroraum muss mehr
denn je an die Arbeitsabläufe optimal angepasst sein.
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19:53 Uhr
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Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 02 / 06 | 15
> 16
> 1,28 m
2
Die Benutzerfläche
ist nötig, um die
natürlichen Bewegungsabläufe
des Menschen zu
ermöglichen und
Raum für wechselnde Körperhaltungen zu bieten.
Bei sitzenden Tätigkeiten sollte die
Tiefe der Benutzerfläche mindestens
1000 mm betragen.
00 m
m
> 800 mm
Die Arbeitsfläche
bezeichnet die
Tischflächengröße
an einem persönlichen Arbeitsplatz.
Die Gesamtarbeitsfläche sollte mindestens 1,28 m2
betragen, die Tiefe
des Tisches 800 mm
oder mehr.
> 800
mm
> 800 m
m
> 0,64 m
2
Bei einer Tischkombination
aus mehreren
Elementen sind
diese Größen
entsprechend
beizubehalten.
Bei stehenden Tätigkeiten ist für die
Benutzerfläche eine
Mindesttiefe von
800 mm vorzusehen.
> 1000
Werden Büros neu eingerichtet, berät in der Regel der
Büroeinrichter bei der Anordnung und Gestaltung der
Arbeitsplätze. Probleme ergeben sich häufig dann,
wenn sich die Arbeitsaufgaben ändern, in einem Büro
zusätzliche Arbeitsplätze untergebracht werden müssen
oder mit vorhandenem Mobiliar neue Büroräume bezogen
werden.
Dabei lohnt es sich, die Nutzung der vorhandenen
Flächen zu planen und ergonomische Anforderungen zu
berücksichtigen. Denn: in gut gestalteten Büroräumen
geht die Arbeit leichter von der Hand.
Verteilung der Flächen Um die vorhanden Bürofläche
zu planen, bietet es sich an, folgende Flächen zu unterscheiden (vgl. Abbildung):
Arbeitsfläche
Benutzerfläche
Stellfläche
Möbelfunktionsfläche
Verkehrswegefläche, z.B. auch vor Fenstern
mm
m
> 800 m
Arbeitsflächen sind Oberflächen von Tischen oder Arbeitsplatten, auf denen Arbeitsmittel, abhängig von
Arbeitsaufgabe und Arbeitsablauf, flexibel angeordnet
werden können.
Stellflächen entsprechen den Projektionsflächen der
Arbeitsmittel (Schreibtische, Schränke), unabhängig
davon, ob diese auf dem Boden stehen oder nicht.
Möbelfunktionsflächen müssen ausreichend groß
vorhanden sein, um Schranktüren, Auszüge oder Schubläden ohne Probleme vollständig öffnen zu können.
Möbelfunktionsflächen dürfen sich grundsätzlich nicht
überlagern, ausgenommen am persönlichen Arbeitsplatz
und bei Eckaufstellung. Es dürfen jedoch keine Quetsch-,
Scher- und Stoßstellen entstehen.
Benutzerflächen sind notwendig, um die natürlichen
Bewegungsabläufe des Menschen zu ermöglichen und
für wechselnde Körperhaltungen (Sitzen und Stehen)
angemessen Platz zu bieten.
>>
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16 | tag für tag 02 / 06 | Gesundheit und Sicherheit
Die Stellfläche
entspricht der
Projektionsfläche
der Arbeitsmittel
(Schreibtische,
Schränke), unabhängig davon,
ob diese auf dem
Boden stehen
oder nicht.
Flächenüberlagerungen, z. B. bei
Benutzerflächen
von zwei aneinander
angrenzenden
Arbeitsplätzen,
sind grundsätzlich
zu vermeiden.
Anforderungen ermitteln Einige ergonomische Kriterien ergeben sich schon aus arbeitswissenschaftlichen
Erkenntnissen und Vorschlägen, z.B. der Arbeitsstättenverordnung. Es liegt also nahe, dort festgelegte Maßnahmen und Vorgaben z.B. zu Mindestabständen zu berücksichtigen. So sind für Schreibtischabmessungen oder
Verkehrswege Mindestwerte festgelegt. Auch die Mitarbeiter sollten einbezogen werden.
Sie kennen aus der täglichen Praxis die Schwachpunkte und haben häufig Anregungen und Verbesserungsvorschläge, z.B. zur Beseitigung von Störeinflüssen durch ungünstigen Einfall des Tageslichts, durch
Zugluft oder durch Geräuschbelästigung.
Es müssen ausreichend große
Möbelfunktionsflächen vorhanden
sein, um Schranktüren oder Schubladen ohne Probleme vollständig
öffnen zu können.
Zulässig ist
dagegen die Überlagerung der
Benutzerfläche
mit einer Möbelfunktionsfläche.
Arbeitsaufgaben und Arbeitsabläufe betrachten
Sinnvoll ist es auch, die Aufgaben und Abläufe zu analysieren. Dabei sind u.a. folgende Fragstellungen zu berücksichtigen:
Was sind die genauen Aufgaben? Haben sich Veränderungen ergeben?
Wie werden die Aufgaben auf die einzelnen
Mitarbeiter verteilt?
Wie sind die Arbeitsabläufe?
Wer muss mit wem zusammenarbeiten?
Wer hat direkten Kontakt zum Kunden?
Was ist die geeignete Büroform, z.B. Einzelbüro oder
Gruppenbüro?
Welche Arbeitsmittel werden benötigt und wer
braucht Zugriff auf diese Arbeitsmittel?
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Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 02 / 06 | 17
Arbeitsflächen
Benutzerflächen
Möbelfunktionsflächen
Verkehrswegeflächen
Bedienwegeflächen
Mögliche Flächenverteilung in einem
Einzelbüro.
Rahmenbedingungen berücksichtigen Bei der
Aufteilung der Flächen müssen neben den Mindestabmessungen und Sicherheitsabständen auch räumliche
Gegebenheiten berücksichtigt werden.
Wichtig sind die Beleuchtungsverhältnisse, insbesondere der Lichteinfall durch die Fenster, der zu störenden Blendungen und Reflexionen führen kann. Die Lage
der Fenster entscheidet darüber, wie z.B. ein Bildschirmarbeitsplatz ausgerichtet werden muss.
Bei Räumen mit Klimaanlage muss auch die Lage der
Luftauslässe beachtet werden, um Beschwerden durch
Zugluft zu vermeiden. Bei der Planung der Verkehrswege
ist zu beachten, dass herumliegende Kabel keine Stolperstellen bilden dürfen. Unabhängig davon muss der
Fußboden rutschhemmend ausgeführt sein.
Störende Geräusche lassen sich verringern, wenn
Geräte wie Drucker und Kopierer in separate Räume ausgelagert werden können.
Beispiel: Einzelbüro Die Planung in dem abgebildeten Büro berücksichtigt die Anordnung des Bildschirms
parallel zum Fenster (zur Vermeidung von Blendungen
und Reflexionen).
Die Überlagerung von Verkehrswegefläche und
Benutzerfläche vor den Flügeltürenschränken und die
Überlagerung der Benutzerfläche mit der Möbelfunktionsfläche (Auszug am Schreibtisch) am persönlichen
Arbeitsplatz ist in diesem Einpersonenbüro unkritisch,
da der Arbeitsablauf nicht behindert wird und keine
Quetsch-, Scher- und Stoßstellen entstehen.
Weitere Informationen
DIN 4543-1 »Büroarbeitsplätze – Flächen für die
Aufstellung und Benutzung von Büromöbeln«
Broschüre »Büroraumplanung – Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros« (BGI 5050)
[ Di ]
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18 | tag für tag 02 / 06 | Gesundheit und Sicherheit
Rollenrotationstiefdruck: Explosionsschutz an
Falzapparat und Überbau? An jedem Falzapparat
entsteht Papierstaub. Die möglichen Brand- und Explosionsgefahren, die von Papierstaub ausgehen können, sind kaum
bekannt oder werden häufig unterschätzt. Wie groß sind diese
Gefahren und wie kann man sie verringern? Muss in jedem
Fall ein Explosionsschutzdokument erstellt werden?
[1]
[3]
[2]
[4]
[5]
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Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 02 / 06 | 19
Wie entsteht der Papierstaub im Falzapparat?
Die bedruckte Papierbahn läuft nach einer Längstrennung im Überbau in den Falzapparat. Dort wird sie mehrfach geschnitten und gefalzt. Dabei entsteht Staub, der
sich im Falzapparat und im Überbau des Falzapparates
absetzen kann. Auch technische Einrichtungen wie Absaugkanäle, Rohrleitungen und Schallschutzkabinen
sind davon betroffen.
Wieso kann der Papierstaub gefährlich sein?
Der im Falzapparat entstehende Papierstaub ist in der
Regel brennbar. Eine Brandgefahr besteht erst dann,
wenn Staub in ausreichender Menge vorhanden ist –
z. B. mehr als 1 mm dicke Schichten großflächig auf dem
Fußboden verteilt – und eine wirksame Zündquelle existiert. Wirksame Zündquellen sind häufig anzutreffen:
etwa elektrische Funken, stark erhitzte Oberflächen,
oder offene Flammen. Das Brandrisiko wird durch vorhandene Schmierfette und Öle erhöht. Wird der abgelagerte Papierstaub aufgewirbelt, dann kann eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen. In Untersuchungen
der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung
wurden Explosionsgefahren schon dann festgestellt,
wenn bei Aufwirbelung eine Konzentration von ca. 100 g
Papierstaub in einem Kubikmeter Luft überschritten
wurde.
In der Gefährdungsbeurteilung müssen Brand- und
Explosionsrisiken im Überbau und im Falzapparat betrachtet werden. Dies unterstreicht auch die neue Gefahrstoffverordnung. Kann dabei zumindest beim Aufwirbeln von abgelagertem Papierstaub ein Überschreiten
der unteren Explosionsgrenze nicht ausgeschlossen
werden, sind Explosionsschutzmaßnahmen zu ergreifen.
Da Zündquellen, z. B. ein heiß laufendes Lager, praktisch
kaum völlig auszuschließen sind, muss der entstehende
Staub mit fest installierten Absaugvorrichtungen oder
Staubsaugern entfernt werden. Die am besten geeignete
Gegenmaßnahme ist das wirksame Absaugen an den
Entstehungsstellen in Kombination mit regelmäßigem
Reinigen.
Stationäre Absaugung an der Maschine Fest installierte Absaugvorrichtungen müssen den Staub dort
entfernen, wo er entsteht. Im Überbau an den Kreismessern sind die Absaugvorrichtungen in unmittelbarer
Papierbahnnähe fest installiert und können den Staub
fast vollständig erfassen und absaugen. Das Prinzip
beruht darauf, dass Druckluft durch die Entstaubungsköpfe der Absauganlage gegen die Laufrichtung der
Papierbahn geblasen wird und so den Staub abrakelt.
Durch Unterdruck an der Rückseite des Entstaubungskopfes wird der abgerakelte Staub weggesaugt. Da der
Staub aber nicht komplett erfasst und abgesaugt werden
kann, verteilt die Luft den Staub in der Umgebung.
Der Staub lagert sich dann im Umfeld ab, großflächige
Staubschichten entstehen.
Regelmäßiges Reinigen ist unverzichtbar
Selbst mit stationären Staubabsaugungen sind Staubablagerungen nicht ganz vermeidbar. Deshalb muss der
abgelagerte Staub regelmäßig mit mobilen Staubsaugern entfernt werden. Die verwendeten Staubsauger
müssen explosionsgeschützt ausgeführt sein (B1 Staubsauger). Für die Reinigung empfiehlt es sich, jede Stillstandszeit der Maschine konsequent zu nutzen. Das in
der betrieblichen Praxis häufig zu beobachtende Abblasen des abgelagerten Papierstaubes mittels Pressluft
kann zu einer explosionsfähigen Atmosphäre führen und
sollte daher vermieden werden. Außerdem wird durch
das Abblasen der Staub nicht entfernt, sondern nur noch
großflächiger verteilt. Das Entfernen des Staubes kann
dadurch nicht ersetzt, sondern lediglich hinausgeschoben werden. Allerdings muss dann ein größerer Bereich
abgesaugt werden, so dass der Gesamtreinigungsaufwand kaum kleiner wird. Die Reinigungsmaßnahmen
müssen in einer Betriebsanweisung festgelegt und die
Mitarbeiter entsprechend unterwiesen werden. Es empfiehlt sich, an der Maschine eine Liste mit regelmäßigen
Reinigungsterminen bzw. -intervallen und den jeweils
dafür Verantwortlichen zu führen.
Zoneneinteilung und Explosionsschutzdokument?
Werden die erforderlichen Entstaubungsmaßnahmen
durch mangelnde Technik und/oder Organisation nicht
in dem notwendigen Umfang durchgeführt, muss der Bereich Überbau bzw. Falzapparat als Zone 22 eingestuft
werden. Als Konsequenz müssen dann alle als potenzielle Zündquelle in diesem Bereich in Frage kommenden Betriebsmittel mindestens die Gerätekategorie
»3 D« aufweisen. Die Zonenausdehnung, die Zündquellenanalyse und eingeleitete Maßnahmen sind dann in
einem Explosionsschutzdokument schriftlich zu hinterlegen. Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass durch
regelmäßiges Reinigen das Entstehen einer explosionsfähigen Atmosphäre sicher vermieden werden kann,
muss kein Explosionsschutzdokument erstellt werden,
sofern keine sonstigen Bereiche mit Explosionsgefahren,
z. B. durch leicht entzündliche brennbare Flüssigkeiten,
existieren, in denen Zonen festgelegt werden müssen.
Weitere Informationen
BG-Infoblatt »Staubexplosionsschutz – Grundlagen«
(Best.-Nr. 535) und BG-Infoblatt »Industriestaubsauger«
(Best.-Nr. 412)
[ So ]
[ 1 ] Der Staub
wird an der Entstehungsstelle
abgesaugt.
[ 2 ] Staub lagert
sich großflächig ab
– trotz Absaugung
an den Maschinen.
[ 3 – 4 ] Staub wird
in einer Entstaubungsanlage gesammelt und zur Entsorgung vorbereitet.
[ 5 ] Regelmäßiges
Reinigen verhindert
größere Staubablagerungen.
Fotos: Frey, Egling
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20 | tag für tag 02 / 06 | Gesundheit und Sicherheit
i
Kennzeichnungspflicht: Was muss wie gekennzeichnet sein? Sicherheitszeichen gibt es in jedem Betrieb.
Ist die Kennzeichnung aber auch korrekt und vollständig? Oder
verliert der Beschäftigte in einer unüberschaubaren Flut von
Piktogrammen den Überblick? Die wichtigsten Kennzeichen
für Druckereien und Papier verarbeitende Betriebe sind im
Folgenden zusammengefasst.
Wenn es darum geht, Gefahren zu verringern, haben
technische Maßnahmen immer Vorrang. Nach diesem
Grundsatz wurden in den meisten Betrieben viele Unfallgefahren entschärft oder vollkommen beseitigt.
Reicht das nicht aus, müssen entweder organisatorische Lösungen gesucht oder zusätzlich persönliche
Schutzausrüstung getragen werden. Um auf Restgefahren
und richtige Verhaltensregeln hinzuweisen, wurden die
Sicherheitskennzeichen standardisiert.
Nicht vergessen Auf allen Gebinden, in denen ein
Arbeitsstoff aufbewahrt wird, muss zumindest dessen
Name angegeben sein. Ist der Arbeitsstoff ein Gefahr-
stoff, muss das Gebinde entsprechend der Gefahrstoffverordnung vollständig gekennzeichnet werden (Gefahrensymbole, R- und S-Sätze).
Bei Palettenregalen muss die Fach- und Feldlast
angegeben werden.
Weitere Informationen Eine vollständige Zusammenstellung von Warn-, Verbots- und Gebotszeichen enthält
die Unfallverhütungsvorschrift »Sicherheits- und
Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz«
(BGV A8).
Die Gefahrensymbole sind z. B. in der Broschüre
»Gefahrstoffe 2006« zusammengestellt.
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0300302006
12:58 Uhr
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Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 02 / 06 | 21
Rettungszeichen
Notausgang
Notdusche
z.B. Erste-HilfeMaterial
Augenspüleinrichtung
Sammelstelle
Fluchtwege
Krankentrage
Gehörschutz
benutzen
Handschutz
benutzen
Warnung vor
explosionsfähiger
Atmosphäre
Stolpergefahren
Warnung vor
optischer
Strahlung
Warnung vor gefährlicher elektrischer Spannung
Warnung vor
Einzugsgefahr
Rauchen verboten
Feuer, offenes
Zutritt für UnbeLicht und Rauchen fugte verboten
verboten
Gebotszeichen
Warnzeichen
Verbotszeichen
Gefahrensymbole, auf
Betriebsanweisungen,
Gefahrstoffgebinden
Xi
F+
N
reizend
hochentzündlich
umweltgefährlich
Feuerlöscher
Mittel und Geräte
zur Brandbekämpfung
Übereinstimmung mit
Maschinenrichtlinie
Brandschutzzeichen
E
explosionsgefährlich
D
ätzend
z. B. niedrige
Durchgänge
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16:03 Uhr
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22 | tag für tag 02 / 06 | Aus der Praxis
Arbeitsschutz als Führungsaufgabe Auch mit modernster Technik ist ein Betrieb nur mit qualifizierten und
leistungsfähigen Mitarbeitern erfolgreich. Sicheres und gesundes Arbeiten trägt maßgeblich dazu bei, dass die Mitarbeiter
auch leistungsfähig bleiben. So sieht es auch Stefan Peter,
Geschäftsführer bei Schneidersöhne Kuvert in Ettlingen. Seine
150 Mitarbeiter fertigen täglich 8 Millionen Briefumschläge und
Versandtaschen. Für ihn ist Arbeitsschutz selbstverständlich.
Arbeitsschutz organisieren Basis für einen Betrieb
dieser Größe ist die Unterstützung und Beratung durch
die Fachkraft für Arbeitssicherheit, die Sicherheitsbeauftragten und den Betriebsarzt. Dazu gehören u. a.
auch die Organisation der ersten Hilfe, die Gefährdungsbeurteilung oder die regelmäßige Prüfung von Anlagen,
Maschinen und Sicherheitseinrichtungen.
Sicherheit erhöhen Probleme im Arbeitsschutz werden möglichst zeitnah angepackt. So hat eine Lärmmessung der Berufsgenossenschaft ergeben, dass ein Produktionsbereich sehr laut war. Daraufhin wurden Schallabsorber unter der Decke montiert. Das Resultat: Der
Schallpegel verringerte sich um 2 bis 3 dB(A). Das bedeutet etwa eine Halbierung der Lärmbelastung.
Arbeitsschutz verbessern Zur Förderung des Gesundheitsschutzes wurde in Zusammenarbeit mit dem
Gesamtbetriebsrat vor Jahren eine Betriebsvereinbarung geschlossen.
In der Anfangsphase wurden Gespräche mit den Mitarbeitern geführt. Diese sollten die Mitarbeiter sensibilisieren und Probleme offen legen. Dabei stellte sich
z. B. heraus, dass im Bürobereich mehrere Mitarbeiter
über Rückenprobleme klagten. Zur Verbesserung der
Situation wird seit einiger Zeit eine so genannte Energiemassage angeboten. Alle zwei Wochen können die Mitarbeiter im Sanitätsraum die Energiemassage in Anspruch nehmen – der Betrieb übernimmt die Kosten.
.
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19:43 Uhr
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Aus der Praxis | tag für tag 02 / 06 | 23
[ 1 ] Geschäftsführer Stefan Peter
(links), hier im
Gespräch mit dem
Fertigungsbereichsleiter Hans Buck.
(Werksfoto)
[1]
[3]
[2]
Mitarbeiter in die Verantwortung nehmen Die
Kunden stellen hohe Qualitätsansprüche an die Produkte.
Zulässige Toleranzen sind in einem Qualitäts-Handbuch
festgelegt. Jeder Mitarbeiter in der Produktion hat ein
Exemplar dieses Qualitäts-Handbuches und wird in Qualitäts-Gesprächen in die Kundenbeziehung direkt eingebunden. »Für die Qualität der eigenen Arbeit ist jeder
Mitarbeiter selbst verantwortlich und muss z. B. bei Kundenreklamationen persönlich beim Kunden Rede und
Antwort stehen«, berichtet Rabea Haustein, die Stefan
Peter tatkräftig unterstützt. Es ist geplant, den Arbeitsund Gesundheitsschutz in das Qualitäts-Handbuch zu
integrieren. Dazu gehört dann beispielsweise auch die
Pflicht, Sicherheitsschuhe zu tragen.
Vertrauen der Mitarbeiter erhalten Bei Schneidersöhne Kuvert in Ettlingen wird im Drei-Schicht-Betrieb
mit flexiblen Arbeitszeiten produziert. Es zählt nur das
Ergebnis. Eine zentrale Zeiterfassung gibt es nicht mehr.
Für die Mitarbeiter der Verwaltung gilt eine Vertrauensarbeitszeit, d.h. es gibt keinerlei Vorgaben über die Anwesenheit im Büro. Wann die Arbeit erledigt wird, entscheidet der Mitarbeiter in gewissem Umfang selbst.
[4]
Als Richtlinie dienen dabei die eigenen Absprachen mit
dem Kunden. In der Produktion erfassen die Mitarbeiter
ihre Arbeitszeit selbst. Diese Erfassung ist Grundlage
der Lohnabrechnung. Grundsätzlich kann auch ein Mitarbeiter in der Produktion seine Arbeitszeit je nach betrieblichen Belangen flexibel gestalten. Die Personalabteilung wird über die geänderten Arbeitszeiten informiert.
Gemeinschaft fördern – zufriedene Mitarbeiter
Gemeinsam Sport treiben fördert auch den Teamgeist
am Arbeitsplatz. Deshalb wurde beispielsweise zur
gemeinsamen Teilnahme am Stadtlauf aufgerufen. Dies
trägt auch dazu bei, dass man sich im Betrieb »zu Hause« fühlt. Die Anforderung an die Qualität, die Eigenverantwortung und die Freiheiten bei der Arbeitseinteilung
sind für die Mitarbeiter eine Herausforderung. Die überwiegende Zahl der Mitarbeiter nimmt diese Herausforderung an und fühlt sich offensichtlich wohl dabei. Indiz
dafür ist die geringe Fluktuation der Mitarbeiter. Die
meisten sind seit vielen Jahren bei Schneidersöhne in
Ettlingen beschäftigt.
[ 2 ] Schallabsorber unter der
Decke vermindern
den Lärm.
[ 3 ] Sicherheitsschuhe und Gehörschutz werden konsequent getragen.
[ 4 ] Eine Energiemassage hilft,
Rückenprobleme
zu lindern.
Fotos: Frey, Egling
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2800202006
16:03 Uhr
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24 | tag für tag 02 / 06 | Aus der Praxis
Fahrsimulatoren – Verkehrssicherheitsarbeit im
Betrieb Sicherheit im Straßenverkehr ist für viele Betriebe
ein wichtiges Thema. Auf dem Weg von und zur Arbeit ereigneten sich im Jahr 2004 insgesamt 2.437 Verkehrsunfälle. Besonders betroffen von den Gefahren im Straßenverkehr sind Mitarbeiter, die im Auftrag der Firma mit dem Auto unterwegs sind.
Fahrsimulatoren bieten sich dazu an, sich der Gefahren gewahr
zu werden und über das eigene Fahrverhalten nachzudenken.
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2800202006
16:04 Uhr
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Aus der Praxis | tag für tag 02 / 06 | 25
Gefahren »sicher« erleben Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und die gewerblichen Berufsgenossenschaften haben eine neue Fahrsimulatorgeneration entwickelt. Vier mobile Simulatoren stehen für den bundesweiten Einsatz zur Verfügung. Spezielle Schulungsprogramme wurden entwickelt und Moderatoren ausgebildet.
Der Simulator zeigt Unfallrisiken und hilft dabei, bestimmte Situationen im Straßenverkehr besser einzuschätzen und das jeweilige Verhalten anzupassen. Das
eigene Erleben im Fahrsimulator kann das Verhalten im
Straßenverkehr nachhaltig beeinflussen. Wer z.B. im
Simulator zu schnelles Fahren und daraus resultierende
Folgen auf eisglatter Fahrbahn erlebt hat, passt die
Geschwindigkeit den Witterungsverhältnissen eher an.
Der Simulator im praktischen Einsatz Dass der
Simulator auch eine Attraktion ist, hat die Gesundheitswoche bei SIG Combibloc in Linnich gezeigt. Neben
Themen wie Gesundheits-Check-Up, Hautanalyse und
Rauchmeldern war auch ein neuer Fahrsimulator im
Einsatz. Alle Mitarbeiter hatten die Möglichkeit, kritische Verkehrssituationen hautnah zu erleben. Den Teilnehmern wurde einiges geboten: vom Missachten der
Vorfahrt nach einer Ablenkung durchs Handy bis zum
Auffahrunfall auf der Autobahn. Dr. Malik Tesch, Sicherheitsingenieur bei SIG Combibloc, zieht Bilanz: »Der
Andrang auf den Fahrsimulator war groß. Wir hatten
täglich 60 Teilnehmer. Und einige der Kollegen sind nachdenklich aus dem Simulator ausgestiegen.«
Alltagsgefahren im Straßenverkehr erfahrbar
Weitere Informationen
In realitätsnahen Fahrsituationen muss der Fahrer typische Gefahrensituationen im Alltagsverkehr in einem
PKW meistern: Auf einer virtuellen Fahrstrecke von
135 km Gesamtlänge kann ein PKW im Ortsverkehr, auf
der Landstraße oder auf der Autobahn »bewegt« werden.
Neben Tag- und Nachtfahrten können auch spezielle
Witterungsverhältnisse simuliert werden: Herbstfahrten
mit Laub und Regen, Schnee und Glatteis im Winter,
starker Seitenwind oder Aquaplaning. Auch das Fahren
unter Alkoholeinfluss mit dem »Tunnelblick« oder das
Ablenken durchs Handy können erlebt werden.
Deutscher Verkehrssicherheitsrat, Bonn, Telefon
0228-40001·0 oder E-Mail an info@dvr.de
[ 1 ] Der DVRModerator betreut
den Simulator
während des Einsatzes und sorgt
für einen zügigen,
reibungslosen
Ablauf.
[ 2 ] Fahren auf
der Landstraße,
nüchtern …
[ 3 ] … und unter
»Alkoholeinfluss«
[ 4 ] Vorteil des
Simulators: Alle
steigen unverletzt
aus, auch nach
einem »Unfall«.
[2]
Wo und wie kann der Simulator eingesetzt werden? Ein Fahrsimulator kann bei Seminaren oder auf
betrieblichen Veranstaltungen wie Arbeitssicherheitstagen oder »Tagen der offenen Tür« eingesetzt werden.
Er wird während des Einsatzes von geschulten DVRModeratoren betreut. Der DVR-Moderator kümmert sich
nicht nur um die Technik, er kann auch gezielt Fahrsituationen einstellen und das Fahrverhalten kommentieren
und diskutieren. Um den 1.400 kg schweren mobilen
Simulator nutzen zu können, werden eine Standfläche
von 5 x 6 Metern und zwei Steckdosen mit 230 V, abgesichert mit 16 A, benötigt. Zum Auf- und Abbauen werden
darüber hinaus zwei Helfer gebraucht.
[3]
[4]
[1]
Fotos: Frey, Egling
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16:04 Uhr
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26 | tag für tag 02 / 06 | Aus der Praxis
Prozessoptimierung im Bogenoffsetdruck: bessere
Druckqualität und bessere Luft durch staubarme
Druckbestäubungspuder Zur DRUPA 2004 wurde auf
Initiative der Berufsgenossenschaft die »Freiwillige Branchenvereinbarung für staubarme Druckbestäubungspuder« unterzeichnet. Darüber haben wir in Ausgabe 2/2004 dieser Zeitschrift
berichtet. Durch die Auswahl eines Puders nach den Kriterien
der Branchenvereinbarung konnte eine deutliche Verbesserung
von Produktqualität und Gesundheitsschutz erreicht werden.
Das zeigt das Beispiel des Unternehmens Clausen & Bosse
in Leck.
Angabe von
Medianwert und
Kornanteil unter
10 µm auf der Verpackung: Bezug
auf die Freiwillige
Branchenvereinbarung für staubarme Druckbestäubungspuder.
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16:04 Uhr
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Aus der Praxis | tag für tag 02 / 06 | 27
Qualitätsprobleme beim Kaschieren Clausen &
Bosse fertigt als Gesamthersteller von Büchern und
Taschenbüchern auch die Umschläge der HardcoverBücher selbst. Besonders hochwertig aufgemachte Buchumschläge werden nach dem Druck mit einer Folie kaschiert. Dabei kam es immer wieder zu Schwierigkeiten
mit der aufkaschierten Folie, die durch die auf dem Bogen
liegenden Puderkörner beschädigt wurde; an manchen
Stellen kam es auch zu Lufteinschlüssen mit anschließender Blasenbildung.
Dabei zeigte sich, dass die Puder, welche der Branchenvereinbarung entsprachen, bei geringeren Einsatzmengen
bessere Ergebnisse in der Weiterverarbeitung erzielten.
Beim Kaschieren der Druckbögen traten keine Probleme
mehr auf. Der Staubgehalt in der Luft am Arbeitsplatz
war deutlich geringer. Begründet liegt dies in der Beschaffenheit der Puder nach Branchenvereinbarung.
Durch die gleichmäßige Kornverteilung sind große Anteile der vorhandenen Pudermenge tragfähig, und sehr
große Körner, die eine Kaschierung durchbohren könnten,
Klassifizierung von Druckbestäubungspuder
Bei dem hier eingesetzten »mittleren« Puder liegt der Medianwert (MW) als Mittelwert der Korngrößenverteilung zwischen
20 µm und 40 µm mit einer Toleranz von 10%. Mindestens 80 (-5)
Vol% der Gesamtpartikel eines Puders müssen innerhalb des
Korngrößenbereichs »0,5 x Medianwert« bis »1,5 x Medianwert«
liegen.
Der Volumenanteil für Korngrößen kleiner 10 µm ist auf 7,5
Vol% mit einer Toleranz von +0,5 Vol% begrenzt. Gesundheitsgefährdende Substanzen oder sonstige Stoffe mit nicht akzeptablen Risiken für die Gesundheit dürfen in Druckbestäubungspudern nicht enthalten sein. Für »feine« und »grobe« Puder
gelten analoge Festlegungen.
Weitere Informationen: Infoblatt 534 »Branchenvereinbarung
für staubarme Druckbestäubungspuder – Liste entsprechender
Produkte« und Broschüre 238 »Freiwillige Branchenvereinbarung
für staubarme Druckbestäubungspuder«
Vol %
80%
0,5 x MW
Medianwert (MW)
1,5 x MW
Korngröße (µm)
Feiner Puder oder gleichmäßige Kornverteilung?
Zunächst wurde die Lösung im Einsatz immer feinerer
Pudersorten gesucht. Die Überlegung: wenn die Körner
kleiner sind, dann sind auch die Höhenunterschiede
zwischen Bogenoberfläche und Puderkorn geringer und
die Beschädigungen und Lufteinschlüsse nehmen ab.
Was keiner erwartet hatte: die Probleme verschärften
sich. Zusätzlich hatte man mit einer immer stärkeren
Verstaubung der Maschinen und des Drucksaales zu
kämpfen und verbrauchte immer größere Mengen des
Puders. Ein Fachseminar zum Bogenoffsetdruck bei
der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung
lenkte die Diskussion in eine andere Richtung: Liegt
die Ursache der Schwierigkeiten beim Kaschieren in
einzelnen großen Partikeln, die in herkömmlichen, insbesondere feinen Druckbestäubungspudern oftmals
vorhanden sind?
Praxistest des neuen Puders Druckereileiter Günter
Pecher wollte nichts dem Zufall überlassen. Schließlich
bedeutet die Umstellung auf ein neues Druckhilfsmittel
ein gewisses Risiko. In Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft wurden mehrere Puder im Praxistest
eingesetzt. Die Qualität der Druckerzeugnisse und insbesondere die Kaschierung wurden von den Druckern
beurteilt. Begleitend führte die Berufsgenossenschaft
Messungen der Staubkonzentration in der Luft durch.
sind nicht enthalten. Gleichzeitig ist der Anteil an feinen
Puderkörnern unterhalb der Korngröße von 10 µm (also
0,01 mm) sehr gering. Dadurch wird entsprechend weniger
Staub in die Luft abgegeben.
Der Drucksaal ist sauberer geworden. Günter
Pecher war überzeugt. Seit Juli 2005 wird konsequent
ein staubarmer Puder nach Branchenvereinbarung eingesetzt und geringer dosiert. Dadurch erwartet er 30%
Einsparung; in den ersten drei bis vier Monaten wurden
200 kg des neuen Puders verbraucht. Der Jahresverbrauch wird also etwa bei 800 kg liegen. Drucker Behne
Brodersen freut sich über die geringere Verstaubung
des Drucksaales. »Die Reinigungsintervalle der Maschinen sind länger geworden; wir haben auch eine spürbar
bessere Luft zum Atmen.« Mit den Druckern steht und
fällt ohnehin der Erfolg des Projektes. Das weiß auch
Günter Pecher: »Die Drucker müssen entscheiden, wie
viel Puder eingesetzt wird. Zu wenig Puder kann eine
ganze Auflage ruinieren, wenn die Bögen ablegen. Wer
da vorsichtig ist, nimmt lieber mehr Puder. Unsere Drucker haben aber den Vorteil des neuen Puders erkannt
und dosieren nicht zu hoch.« Der Erfolg gibt ihm recht:
bei Behne Brodersen steht die Puderdosierung nun auf
5%. »Früher ging unter 20% gar nichts«, sagt er. Dennoch muss er sich bei jedem Auftrag neu entscheiden.
[ Bs ]
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Wellpappeherstellung: es geht auch ohne Unfälle
Die Herstellung von Wellpappe zählt zu den gefährlichsten
Tätigkeiten unserer Branche: seit vielen Jahren liegt die Wellpappenindustrie im Vergleich mit anderen Gewerbszweigen
in der Unfallstatistik weit vorne. Es geht aber auch anders.
Das beweist zum Beispiel das Unternehmen Smurfit Kappa
Wellpappe Hanau. Der Betrieb hat bis jetzt fast 1.000 Tage
unfallfrei produziert und dadurch 20.000 Euro Beitrag gespart.
Arbeitssicherheit: Anliegen der Geschäftsführung
Wie bei allen größeren Betrieben mit geringen Unfallzahlen ist die Grundvoraussetzung die innere Überzeugung der Entscheidungsträger. Als Martin Pflug im Mai
2003 die Betriebsleitung bei Kappa in Hanau übernahm,
hatten sich im laufenden Kalenderjahr bereits zehn
Arbeitsunfälle ereignet. Sein erklärtes Ziel war es, die
Unfallzahlen deutlich zu senken. Als ausgebildete Fachkraft für Arbeitssicherheit bringt er dazu einiges an
Hintergrundwissen mit. »Wichtig ist, dass alle Vorgesetzten geschult sind und jeder einzelne die Sicherheit
am Arbeitsplatz ernst nimmt. Nur so können auch die
Mitarbeiter langfristig überzeugt werden«, so Martin
Pflug. »Wenn man sich nur auf das beschränkt, was man
zwingend tun muss, kriegt man die Unfallzahlen nicht
runter.«
Arbeitssicherheit funktioniert nur mit den
Mitarbeitern Die Vorgesetzten zu schulen, ist nur
die »halbe Miete«, denn bei vielen Unfällen spielt das
sicherheitsgerechte Verhalten der Mitarbeiter eine
z. T. ausschlaggebende Rolle.
Daher ist es auch wichtig, die Mitarbeiter mit einzubeziehen und ihnen zu signalisieren, dass ihre Hinweise
und Anregungen erwünscht sind, ernst genommen
werden und auch zu spürbaren Verbesserungen für alle
führen. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass die
Mitarbeiter bestimmte Pflichten übernehmen und Vorgaben einhalten.
>>
[ 1 ] Das Ergebnis
jedes Sicherheitsaudits wird schriftlich festgehalten.
[ 2 ] Über die
Projektliste wird
die Bearbeitung
der Maßnahmen
gesteuert.
Monatlicher Betriebsrundgang: Kontrolle ist gut
Jeden Monat treffen sich die Führungskräfte, also Betriebsleiter, technischer Leiter und Abteilungsleiter, mit
dem Betriebsrat und den Fachleuten für Arbeitssicherheit zu einem gemeinsamen Rundgang. An jedem dritten Rundgang ist auch der Betriebsarzt beteiligt. Dabei
wird alles festgehalten, was das sichere und gesunde
Arbeiten beeinträchtigt.
[1]
[2]
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12:59 Uhr
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Mitarbeiter informieren und überzeugen Ein erster
[ 1] Kurt Händler
(rechts) bei einem
Sicherheisaudit.
[ 2 ] Der Bereich,
in dem Transferwagen eingesetzt
sind, ist nach den
»Gestaltungsregeln
für den Einsatz von
Transferwagen in
der Wellpappenindustrie« BGI 854
gesichert.
[ 3 ] Ende Februar
2006 arbeitete
der Betrieb seit
950 Tagen unfallfrei.
Schritt war, das Tragen von Sicherheitsschuhen und
Gehörschutz konsequent umzusetzen. Dabei können die
Mitarbeiter selbst auswählen, welche Produkte sie verwenden wollen.
Allen Mitarbeitern wurden z. B. auch Otoplastiken
angeboten. »Wenn es sein muss, werden bei uns auch
orthopädische Sicherheitsschuhe gezahlt, denn ein
Unfall kommt uns teurer. Wichtig ist auch für uns im Betriebsrat, dass alle mitmachen«, berichtet Kurt Händler,
Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsratsvorsitzender. Es musste auch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden, z. T. in Einzelgesprächen mit
den Mitarbeitern.
Zur Motivation und Information wurde am 26. April
2004 ein Aktionstag für Arbeitssicherheit durchgeführt.
Themenschwerpunkte waren persönliche Schutzaus-
rüstung, eine Brandschutzübung und ein Stolperparcours. »Eine vergleichbare Veranstaltung ist für 2006
vorgesehen«, kündigt Martin Pflug an.
Regelmäßige Sicherheitsaudits Zur neuen Form
der Kommunikation gehören auch die Sicherheitsaudits.
Dabei bespricht ein Vorgesetzter mit einem ausgewählten Mitarbeiter einer vorgegebenen Abteilung, welche
Dinge aus Sicht des Mitarbeiters sicherheitsrelevant
sind und was dem Vorgesetzten an der Arbeitsweise
des Mitarbeiters und an dessen persönlichem Arbeitsplatz aufgefallen ist. Das Ergebnis jedes Sicherheitsaudits wird schriftlich festgehalten. Jeder Vorgesetzte
muss nach einem vorgegebenen Zyklus alle Abteilungen
durchlaufen. Am Anfang wurden diese Sicherheitsaudits
monatlich durchgeführt, für 2006 ist ein ZweimonatsRhythmus geplant.
[1]
[2]
[3]
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2800202006
16:06 Uhr
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Monatliche Teamgespräche Eine zentrale Säule
Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft
ist für Martin Pflug das monatliche Teamgespräch des
Vorgesetzten mit seinen Mitarbeitern, an dem auch die
Fachkraft für Arbeitssicherheit teilnimmt. In einer guten
Stunde werden alle wichtigen Themen besprochen.
Erster Tagesordnungspunkt ist dabei immer die Arbeitssicherheit. Dabei werden neben Besonderheiten aus
den Sicherheitsaudits auch Unfälle aus anderen Wellpappebetrieben diskutiert. Die Teamgespräche ergänzen
die Arbeitschutzausschusssitzungen, die einmal im
Quartal stattfinden.
Für Martin Pflug ist die Branchengliederung unverzichtbar: »Wir arbeiten eng mit der Berufsgenossenschaft
zusammen und profitieren z. B. von den Seminaren, die
genau auf unseren Bedarf zugeschnitten sind. Das gleiche gilt auch für die intensive Beratung durch Dr. Ebert,
unseren Technischen Aufsichtsbeamten. Einen großen
Vorteil sehen wir dabei in der Branchengliederung der
Berufsgenossenschaften. Sie ermöglicht, dass die Mitarbeiter unserer BG unsere Technik und unsere Arbeitsabläufe sehr gut kennen.«
Maßnahmen umsetzen In der Projektliste wird fest-
Messbare Erfolge Ein beeindruckendes Ergebnis
gehalten, welche Maßnahmen getroffen werden müssen
und wer dafür verantwortlich ist. In dieser Projektliste
fließen die Ergebnisse der Betriebsrundgänge, Sicherheitsaudits und Teamgespräche zusammen. Der Verantwortliche muss melden, wenn ein Punkt erledigt ist.
Beim nächsten Betriebsrundgang wird geprüft, wie die
Maßnahme umgesetzt wurde und ob sie den gewünschten Erfolg hat.
ist ohne Zweifel die Tatsache, dass sich über einen Zeitraum von bisher fast 1.000 Tagen kein Unfall ereignete.
Dadurch konnte auch der Krankenstand auf unter 3% gesenkt werden. Martin Pflug zieht Bilanz: »Der Rückgang
der unfallbedingten Arbeitsausfälle hat unserem Betrieb mindestens 100.000 Euro Kosten gespart. Hinzu
kommt noch, dass unser Beitrag für die gesetzliche Unfallversicherung um über 20.000 Euro gesunken ist.«
[ 4 ] Sicherheitstechnik, wo’s sein
muss: Lichtschranken überwachen
einen Gefahrenbereich.
[ 5 ] Martin Pflug
(links) im Gespräch
mit einem Mitarbeiter.
[ 6 ] Kunststoffkettenförderer sind
nicht nur sicher
begehbar, sie
schonen auch das
Material.
[4]
[5]
[6]
Fotos: Frey, Egling
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0200302006
18:06 Uhr
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Mit
Warnweste:
Mit Warnwesten werden Sie besser erkannt. Nach einem Unfall oder einer Panne kann das
lebensrettend sein. In Firmenfahrzeugen müssen – neben Warndreieck und Verbandskasten –
immer Warnwesten an Bord sein!
mehr
Sicherheit.
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