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Depression – was ist das?

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Geschichte
Entwicklung
Ursachen
Diagnose
Depression –
was ist das?
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
1
„Wer nicht an sich selbst gespürt hat, was
Schwermut ist, versteht das nicht, ich
hatte das Gefühl einer schauerlichen Einsamkeit. Zwischen mir und den Menschen und dem Leben der Stadt, der
Plätze, Häuser und Straßen war fortwährend eine breite Kluft. Es geschah ein
Unglück, es standen wichtige Dinge in
den Zeitungen - mich ging es nichts an."
(Hermann Hesse)
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
2
Depressionen sind Gemütskrankheiten,
keine Geisteskrankheiten
Viele Menschen die an Depressionen leiden halten
sich nicht für krank, sondern nur für Versager.
Die immer noch mangelnde gesellschaftliche
Akzeptanz der Erkrankung und die aus der
Depression selbst kommenden Schuldgefühle
sind hierfür verantwortlich.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Depressionen sind gut behandelbar
und oft auch heilbar. Eine ganze
Reihe von modernen Behandlungsmöglichkeiten steht zur Verfügung. –
Nach Abklingen der Depression bleibt
meistens kein Schaden und keine
Veränderung der Persönlichkeit
zurück: Der genesene Patient ist
meistens wieder „der alte“
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Historische Entwicklung des
Krankheitskonzepts
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Hippokrates (460-377 vor Christus) - beschrieb Manien und
Depressionen getrennt.
Aretaeus, ein Arzt aus Capadokien in Asien (2. Jahrhundert) – postulierte die Zusammengehörigkeit von Depression und Manie. Dies geriet lange in Vergessenheit.
Kraepelin (1856-1926) – formulierte das Einheitskonzept
der manisch-depressiven Krankheit.
Im zweiten Teil des 20. Jahrhunderts wurde das Einheitskonzept widerlegt: Depression und Manie galten als zwei
unterschiedliche Krankheiten. Der Begriff der mono- und
bipolaren Verlaufsform wurde geprägt.
Innerhalb der monopolaren Depression wurden unterschieden: Neurotische versus psychotische Depression
oder reaktive versus endogene Depression.
In DSM-IV und ICD 10 wurde die Depression (monopolar)
den affektiven Störungen untergeordnet.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Informationen für die Öffentlichkeitsarbeit
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Depressionen sind häufige Erkrankungen in jedem
Lebensalter.
Sie werden oft nicht diagnostiziert und zu selten behandelt.
Ihre Symptome werden oft falsch interpretiert.
Depressionen reduzieren die Lebensqualität erheblich.
Sie verschlechtern deutlich den Verlauf körperlicher
Krankheiten.
Das „Verstehen“ der Depression allein ist keine Therapie.
Kluge Ratschläge und die Aufforderung "nimm dich
zusammen" verschlechtern eine Depression.
"Luftveränderung“, Urlaub und Festivitäten können eine
schwerere Depression verschlimmern.
Die Ursachen sind komplex. Risikofaktoren sind körperliche
Erkrankungen wie auch soziale Desintegration.
Alle Depressionen sind gut behandelbar.
Depressionen haben ein hohes Rezidivrisiko.
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Jährlich erkranken in Deutschland nach Daten des MaxPlanck-Institutes für Psychiatrie etwa 4,4% der Männer
bzw. 13,5% der Frauen an einer Depression.
Das entspricht 7,8 Mio. Betroffenen (2,8 Mio. Männer und 5
Mio. Frauen).
Ungefähr 1% der Bevölkerung erkranken an einer manischdepressiven (oder bipolaren) Störung, d.h. insgesamt etwa
0,82 Mio. Bundesbürger.
Zu jedem Zeitpunkt leiden 5% aller Jugendlichen und 2-3%
aller Kinder an einer depressiven Störung.
Während der Depression weisen die Betroffenen ein 5- bis
15-fach erhöhtes Suizidrisiko auf; bis zu 60 Prozent der
depressiven Kinder und Jugendlichen geben Suizidgedanken an.
Im Jahr 1993 wurden im Bereich der gesamten gesetzlichen
Krankenversicherung insgesamt ca. 282 000 AU-Fälle registriert.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
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Depressionen werden häufig nicht
erkannt und oft auch nicht behandelt.
(WHO Studie 1996)
Berlin
Mainz
Diagnosehäufigkeit
„Depressive Episode“
In der Primärversorgung
6,1%
11,2%
Bei diesen erfolgt
Verordnung von
Antidepressiva in
11,4%
10,5%
Bei diesen erfolgt
Psychotherapie in
<< 5%
<< 5%
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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häufige psychische Symptome
der Depression
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innere Leere („Gefühl der Gefühllosigkeit“)
von Tag zu Tag gleichbleibend
gedrückte Stimmung, die nicht
auf Lebensumstände reagiert
fehlende Ansprechbarkeit auf
psychosozialen Kontakt
Mangel an Antrieb, Interesse und
Kreativität
Müdigkeit oder Energieverlust
Nachlassen der Aufmerksamkeit
Konzentrationsstörungen
Grübelneigung
innere Unruhe oder
Verlangsamung
Schlaflosigkeit oder vermehrter
Schlaf
Selbstvorwürfe, Gedanken von
Schuld, selbstverschuldetem
Zurückbleiben hinter
Anforderungen und Normen
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Reizbarkeit, Vorwürfe gegen
andere
fehlende Zukunftsperspektive,
Gedanken von Hoffnungslosigkeit
von Überflüssig- und Wertlossein;
allgemeiner Pessimismus,
mangelndes Selbstwertgefühl,
negative Bewertung der eigenen
Person, ihres Wertes für andere
und sich, negative Bewertung der
eigenen Vergangenheit
Gedanken von Nichtgewollt-,
Nichtgeliebt-, Nichtgeschätztsein,
niemandem etwas wert zu sein,
Hilflosigkeit, Gedanken von
Nichtkönnen, Insuffizienz und
Minderwertigkeit
Todes- und Ruhewünsche,
wiederkehrende Gedanken an den
Tod, Suizidideen, -pläne, absichten.
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
9
häufige körperliche Symptome
der Depression
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Appetitverlust
Gewichtsabnahme,
manchmal aber auch
Gewichtszunahme
Verstopfung, bei Angst
auch Durchfall, Harndrang
Verlust an sexuellem
Interesse
Kopf-, Rücken- und
Gliederschmerzen
Schwindel
Übelkeit
Kloßgefühl im Hals
01.06.2005
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Beklemmung in der Brust
Zyklusstörungen
Reduzierte Vitalität
Kraftlosigkeit
rasche Ermüdbarkeit
fehlende Frische
vorgealtertes Aussehen
Verschlimmerung, ggf.
auch Auslösung schwerer
Krankheiten (Diabetes
mell., Herzinfarkt, Bluthochdruck und Tumoren
Auslösung oder Verstärkung von Süchten
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Das körperliche Syndrom einer
Depression im engeren Sinn
Bei einer „somatisierten Depression“ sind wenigstens 4 der
unten genannten Symptome vorhanden:
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Anhedonie = Verlust des Interesses und der Fähigkeit sich
zu freuen.
Verlust der emotionalen Schwingungsfähigkeit (Verlust des
emotionalen Reaktionsvermögens auf normalerweise
erfreuliche Umgebung oder Ereignisse, oft auch Verlust der
Fähigkeit wirklich traurig zu sein)
Früherwachen (>2 Stunden früher als gewöhnlich)
Psychomotorische Verlangsamung oder Agitation (Unruhe)
Erheblicher Appetitverlust
Gewichtsverlust >5% des Körpergewichts in einem Monat
Verlust der Libido
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Suizidalität I
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Suizidalität ist meistens kein Ausdruck von
Freiheit und Wahlmöglichkeit, sondern Ausdruck
einer Einengung der Sichtweise durch objektive
wie subjektive Not.
Suizidalität ist bei allen Menschen möglich.
Suizidalität sollte immer ein Grund sein eine
Stationäre Aufnahme zu erwägen.
Der Verdacht auf Suizidalität ist der späteste
Zeitpunkt einen Facharzt hinzuzuziehen.
Niemand kann für einen anderen ganz die
Verantwortung übernehmen. Man kann letztlich
niemanden davon abhalten, sich das Leben zu
nehmen.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
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Suizidalität II
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Man kann niemand den ganzen Tag beaufsichtigen.
Jede Depression wird besser, sofern man sie überlebt.
Mehr als 80 % der Depressiven denken an Suizid.
Für Menschen unter 40 Jahren ist der Suizid nach
Unfällen die zweithäufigste Todesursache.
Nach Suizidalität muss man fragen (auch wenn es
schwer fällt). Es gibt keine typische Verstimmung die
darauf hinweist. Verzweiflung, Gereiztheit,
Aggressivität kann ebenso vorkommen, wie plötzliche
Bescheidenheit, großzügiges Verschenken,
Abgeklärtheit und Ruhe.
Es gibt oft viele Hinweise aber keine sichere Methode
Suizidalität zeitig zu erkennen und Suizide zu
verhindern.
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Dr. J. Rimpel
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Risiken für Suizidalität
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angekündigte Suizidalität
Einsamkeit, soziale Isolation
Suizide in der Familienanamnese
hohes Alter (besonders bei
Männern)
nach Partnerverlust (Tod oder
Scheidung)
Abusus (Alkohol, Drogen)
Traumatisierung, Arbeitslosigkeit, Schulden
direkt nach einer (psychiatrischen) Klinikentlassung
Beginn einer medikamentösen
antidepressiven Behandlung
besonders mit antriebssteigernden Medikamenten
Suizidversuche in der
Anamnese
01.06.2005
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fehlende Distanzierung von
Suizidideen
Einengung in Wahnsymptome
ausgeprägte Agitiertheit
starke Schuldgefühle
plötzliche scheinbare
Abgeklärtheit und Ruhe
körperliche Erkrankungen,
chronische Schmerzen
nicht nachfühlbare
Schenkungen Ordnen der
Papiere, Testament
bedeutungsvoller Abschied
von Menschen
Presseberichterstattung über
Suizide (bes. eines Idols)
Waffen in der Wohnung
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Fragen, die bei Suizidalität
immer gestellt werden müssen
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Welche Belastungen haben das suizidale Verhalten, Denken oder
die Suizidimpulse ausgelöst?
Über welche Methoden hat der Patient nachgedacht, welche hat er
genutzt, wie gefährlich sind diese?
Wie schnell wurden die Suizidversuche von anderen entdeckt?
Was gab es für Warnhinweise, wie haben Freunde und Verwandte
auf diese Hinweise oder bisherige Suizidversuche reagiert?
War der Suizid einer anderen Person ein Modell zu Nachahmung ?
Was hat der Patient für eine Einstellung oder Ideologie zum
Suizid? Sieht er darin eine Rache, Wiedergeburt, Vereinigung mit
verstorbenen Bezugspersonen...?
Was für gefährliche und gefährdende Situationen gibt es im
gegenwärtigen Leben des Patienten?
Wird der Patient von irgend jemanden gedemütigt, hat er wichtige
Bezugspersonen verloren?
Hat der Patient Zugang zu Waffen, Tabletten, anderen
Versuchungen sich etwas anzutun?
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Fragen die helfen, das
Suizidrisiko einzuschätzen
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Was für Gedanken geht Ihnen durch den Kopf, wenn sie sich so
bedrückt fühlen?
Manche Menschen, die in einer vergleichbaren Verfassung sind,
wie sie jetzt, verlieren die Hoffung dass es weiter geht. Sind Sie
auch hoffnungslos?
Wollen Sie am liebsten Ihre Ruhe haben, nichts mehr sehen und
hören?
Haben Sie je daran gedacht, sich selbst zu verletzen, sich etwas
anzutun?
Wie würden Sie das anstellen? Was für eine Methode würden Sie
wählen? Haben Sie bereits Tabletten gesammelt,....?
Zu wem haben Sie Vertrauen? Sprechen Sie offen über Ihre
Gedanken mit Ihren Angehörigen?
Wer ist zur Zeit zuhause?
Was würde aus Ihrer Familie und Ihren Freunden?
Was hat Sie bisher davon abgehalten sich etwas anzutun?
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
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01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Die ältere Einteilung in endogen
und neurotisch
endogene (psychotische) Depression
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vorzeitiges Erwachen
Morgentief
Selbstanklage
Wahn und Halluzination
Anhedonie (Appetit, Libido)
Unfähigkeit zu weinen
01.06.2005
exogene (neurotische) Depression
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Einschlafstörungen
Abendtief
Fremdanklage
fehlen
nur gering
Symptome: Angst, Zwang
Dr. J. Rimpel
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Diagnose „depressive Episode“
Hauptsymptome
1.
2.
3.
gedrückte Stimmung
Interessen/Freudlosigkeit
Antriebsstörung
2 oder 3 Hauptsymptome
sind vorhanden
Zusätzliche Symptome
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Konzentrationsstörungen
mangelndes
Selbstwertgefühl
Schuldgefühle
Hemmung/Unruhe
Selbstschädigung
Schlafstörung
Appetitminderung/
Appetitsteigerung
2-4 andere Symptome sind
vorhanden
Bei Dauer von mehr als 2 Wochen besteht eine
depressive Episode
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Dr. J. Rimpel
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F32 Depressive Episode
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F32.0 Leichte
depressive
Episode
F32.1
Mittelgradige
depressive
Episode
F32.2 Schwere
depressive
Episode ohne
psychotische
Symptome
F32.3 Schwere
depressive
Episode mit
psychotischen
Symptomen
01.06.2005
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Mindestens zwei oder drei der klassischen Symptome vorhanden. Der Patient ist im allgemeinen
davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die
meisten Aktivitäten fortzusetzen.
Vier oder mehr der klassischen Symptome vorhanden und der Patient hat meist große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.
Mehrere klassische, quälende Symptome. Typischerweise Verlust des Selbstwertgefühls und
Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Suizidgedanken und -handlungen sind häufig und meist
liegen einige somatische Symptome vor.
Wie unter F32.2 beschrieben, aber mit Halluzinationen, Wahnideen, psychomotorischer Hemmung oder Stupor. Alltägliche soziale Aktivitäten
sind unmöglich und es kann Lebensgefahr durch
Suizid und mangelhafte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bestehen. Halluzinationen und
Wahn können, müssen aber nicht, synthym sein.
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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F33 Rezidivierende depressive
Störung
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Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden
(F32.-) charakterisiert ist.
In der Anamnese finden sich dabei keine unabhängigen
Episoden mit gehobener Stimmung und vermehrtem
Antrieb (Manie).
Kurze Episoden von leicht gehobener Stimmung und
Überaktivität (Hypomanie) können allerdings unmittelbar
nach einer depressiven Episode, manchmal durch eine
antidepressive Behandlung mitbedingt, aufgetreten sein.
Die schwereren Formen der rezidivierenden depressiven
Störung (F33.2 und .3) haben viel mit den früheren
Konzepten der manisch-depressiven Krankheit, der
Melancholie, der vitalen Depression und der endogenen
Depression gemeinsam.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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F34.0 Zyklothymia
Hierbei handelt es sich um eine andauernde
Instabilität der Stimmung mit zahlreichen
Perioden von Depression und leicht gehobener
Stimmung (Hypomanie), von denen aber keine
ausreichend schwer und anhaltend genug ist, um
die Kriterien für eine bipolare affektive Störung
(F31.-) oder rezidivierende depressive Störung
(F33.-) zu erfüllen. Diese Störung kommt häufig
bei Verwandten von Patienten mit bipolarer
affektiver Störung vor. Einige Patienten mit
Zyklothymia entwickeln schließlich selbst eine
bipolare affektive Störung.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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F34.1 Dysthymia
Hierbei handelt es sich um eine
chronische, wenigstens mehrere Jahre
andauernde depressive Verstimmung, die
weder schwer noch hinsichtlich einzelner
Episoden anhaltend genug ist, um die
Kriterien einer schweren, mittelgradigen
oder leichten rezidivierenden depressiven
Störung (F33.-) zu erfüllen.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Saisonal abhängige Depression
(SAD)
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Immer wiederkehrender saisonaler Rhythmus (Beginn des
Auftretens der Befindlichkeitsstörung regelmäßig zwischen
Anfang Oktober und Ende November und Abklingen der
Beschwerden regelmäßig zwischen Mitte Februar und Mitte
April)
zusätzlich zur depressiven Verstimmung Symptome wie
erhöhtes Schlafbedürfnis, verbunden mit morgendlicher
Müdigkeit, Verlangen nach Kohlehydraten und Gewichtszunahme
Bei einigen Patienten stehen die körperlichen Beschwerden
im Vordergrund, hier besonders die verminderte Energie
und nicht so sehr die ebenfalls auftretende Verstimmung.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
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HAMILTON DEPRESSION
(HAM-D) RATING SCALE
Die Hamilton Depressions-Skala erfasst den Schweregrad der Depression und bildet über die Zeit den Therapieverlauf ab.
Symptome, die schwieriger zu erfassen sind, werden eingeteilt als:
0 – nicht vorhanden; 1 – leicht oder unsicher; 2 - vorhanden.
Symptome, die detaillierter zu erfassen sind, werden erfasst als:
0 – nicht vorhanden; 1 – leicht; 2 – mäßig; 3 - schwer; 4 – mit
hoher Beeinträchtigung ausgeprägt.
Je höher der Gesamtscore, desto schwerer ist die Depression:
HAM-D-Score = Schweregrad der Depression:
10 - 13 leicht; 14-17 leicht bis mäßig; >17 mäßig bis schwer
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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1
Depressed mood
01234
2
Guilt feelings
01234
3
Suicide
01234
4
Insomnia – early
012
5
Insomnia – middle
012
6
Insomnia – late
012
7
Work and activities
01234
8
Retardation – psychomotor
01234
9
Agitation
01234
10
Anxiety – psychological
01234
11
Anxiety – somatic
01234
12
Somatic symptoms GI
012
13
Somatic symptoms –General
012
14
Sexual dysfunction - menstrual
disturbance
012
15
Hypochondrias
01234
16
Weight loss- by history
012
- by scales
012
Insight
012
17
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
HAM-D
Rating Scale
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Termini zum Verlauf von depressiven
und manisch-depressiven Syndromen
Remission
Kurze Zeitstrecke der vollständigen oder partiellen Besserung der depressiven Symptomatik
eine vollständige Remission über eine längere
Recovery
(Genesung) Zeitstrecke (je nach Kriterium nach 2 bis 6
Monaten)
Relapse
(Rückfall)
ist ein Wiederauftreten von depressiven Symptomen während der Remission, bevor Recovery
erreicht und damit die aktuelle depressive Episode abgeschlossen ist
Recurrence
(Wiedererkrankung)
ist das Auftreten einer neuen depressiven Episode nach Recovery, was voraussetzt, dass die
Diagnosekriterien einer unipolaren Depression
erfüllt sind
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Erkrankungen die mit einer depressiven
Störung einhergehen können
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Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebennieren, der Hypophyse
Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom
Multiple Sklerose
Epilepsien
cerebrovaskuläre Erkrankungen
Demenzen
cerebrale Tumoren
Schädelhirntraumata
Morbus Huntington
Viruserkrankungen (Hepatitis, Mononucleose, Grippe, Encephalitis)
Systemischer Lupus erythematodes
Folsäure-Mangel
perniziöse Anämie (Vitamin B12 Mangel)
Karzinom der Bauchspeicheldrüse, der Lunge
AIDS
Fibromyalgiesyndrom
Chronic Fatigue Syndrom
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
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Medikamente die Depressionen auslösen können
Herzmedikamente
Reserpin
Thiaziddiuretika, Betablocker
(Propranolol, Metoprolol...)
Clonidin (Catapressan)
Digitalis, ACE-Hemmer,
Guanethidin
Hydralazin
Methyldopa
Procainamid
Parkinsonmedikamente
Amantadin
Bromocriptin
Levodopa
Dopaminagonisten
Sedativa
Benzodiazepine, Baclofen ,
Chloralhydrat
Alkohol, Clomethiazol,
Barbiturate
01.06.2005
Antiepileptika
Carbamazepin
Ethosuximid, Clonazepam,
Phenobarbital, Primidon,
Phenytoin, Valproinsäure,
Vigabatrin,
Schmerzmittel/
Entzündungshemmer
Ibuprofen, Indomethazin, Opiate,
Phenybutazon, Gold,....fast alle,
besonders bei übermäßigem
regelmäßigem Gebrauch.
Antibiotika
Ampicillin
Cycloserin
Dapson
Ethambutol
Griseofulvin
Isoniazid (INH)
Metronidazol
Nalidixinsäure
Nitrofurantoin
Penicillin G
Streptomycin
Sulfonamide
Tetrazycline
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
Stimulantien
Kokain, Amphetamine bei
abklingender Wirkung und im
Entzug. Koffein
Methylphenidat (Ritalin)
Hormone
Anabole Steroide (bei Sportlern
zum "Muskelaufbau")
Kortisonpräparate auch lokal auf
der Haut, ACTH,
Die Pille zur Verhütung.
Zytostatika
(fast alle)
Antipsychotika
Fluphenazin, Haloperidol,
Perazin, prinzipiell alle, sind
allerdings oft auch antidepressiv
wirksam, auch verwandte
Substanzen wie Metoclopramid
....
Andere Medikamente
Cimetidin, Ranitidin, Flunarizin,
Statine? Acetazolamid,
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01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
33
Psychologische Modelle der
Depressionsentstehung
‹ Psychoanalytisch:
orale Fixierung,
narzisstische Traumen
‹ Life-event Forschung: gravierende
belastende Lebensereignisse
‹ Kognitiv-verhaltenstherapeutisch:
erlernte Hilflosigkeit (Seligman),
negative kognitive Triade (Beck)
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Biochemische Hypothesen der Depression
Katechcholamin-Hypothese
(Schildkraut, 1965): funktionale
Defizite des Noradrenalin führen zu
Depression
Ursprünglich: Katecholamin-MangelHypothese: bei Depressiven geringere
Menge des Noradrenalin-Stoffwechselproduktes MHPG im Liquor aber auch
in der Peripherie
Neuere Arbeiten: Aktivierter Locus
Coeruleus während der Depression
(=Noradrenalin-Syntheseort)
depressive Symptome verschwinden
(im Tierversuch) bei Applikation von
NA-Agonisten in den Locus Coeruleus
adrenerge-cholinerge
Ungleichgewichtshypothese
(Jankowsky et al., 1972):
Depression: cholinerger Überschuss
Manie: adrenerger Überschuss
Prä- und postsynaptische
Rezeptorveränderungen
Hinweise: verzögerter Wirkeintritt der
Antidepressiva, neue Antidepressiva,
reduzierte GH Freisetzung bei
Depressiven
endogene Depression: postsynaptische
Aminostoffwechselstörung (erniedrigte
Rezeptorsensitivität)
Serotonin-Hypothese
neurotische Depression: präsynaptische
(Coppen, 1967): Mangel an Serotonin Störungen (Defizit bei Bildung der
ist Ursache der Depression.
Neurotransmitter)
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Jedes depressive Syndrom kann mit Antidepressiva behandelt
werden.
Je schwerer das depressive Syndrom, desto eher muss an erster
Stelle eine Pharmakotherapie erfolgen.
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
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Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie
und Psychosomatik
Luckauer Straße 17, 15907 Lübben
Tel.: 03546-29200
Fax: 03546-29409
E-mail: psychiatrischeklinik@lkluebben.de
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
39
Bekannte häufigere Wechselwirkungen von
Johanniskraut
(Britisches Gesundheitsministerium, Herb and drug interactions Mayoclinic,
Mayoclinic, Ergebnisse neurer Studien)
‹Marcumar
‹Digoxin
‹Antikonvulsiva (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin)
‹Theophyllin
‹Alprazolam
‹Selektive Serotonin Reuptake Hemmer (SSRIs) (Citalopram, Fluoxetin,
Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin)
‹Triptane (Sumatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan)
‹Cyclosporin
‹Chemotherapeutika
‹Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir Efavirenz, Nevirapin
‹Theophyllin
‹orale Contrazeptiva
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
40
Zahlen zu einer Kontroverse
Medikament/
Studie
Suizidgedanken,
Suizidversuche
Medikament
Placebo
RisikoVerhältnis
Medikament
Placebo
RisikoVerhältnis
Paroxetin/329
6/93
1/88
5,9
5/93
0/88
-
Paroxetin/377
7/181
4/95
0.9
1/181
4/95
0.9
Paroxetin/701
1/104
1/102
1,0
1/104
1/102
1,0
Fluoxetin/
HCCJ
0/21
1/19
-
0/21
1/19
-
Fluoxetin/
HCJE
3/109
4/110
0,8
0/109
2/110
-
Fluoxetin/
X065
2/48
2/48
1,0
2/48
0/48
-
FDA Daten zu Suizidalität und SSRI bei Kindern und Jugendlichen
01.06.2005
Dr. J. Rimpel
Landesklinik Lübben
41
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Gesundheitswesen
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