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"Spannender als alles, was wir bisher ausprobiert haben"

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UNI-LEBEN
MOOC-WETTBEWERB
"Spannender als alles, was wir bisher
ausprobiert haben"
Interaktive Vorlesungen im Netz werden immer populärer.
Drei Professoren erzählen, was die Online-Kurse ausmacht und
welche Möglichkeiten sie eröffnen.
VON Carmen
Pförtner | 24. Juni 2013 - 18:37 Uhr
© veynern / photocase.com
Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und die Internetplattform Iversity haben
die besten Konzepte für Massive Open Online Courses (Moocs) ausgezeichnet. Der Preis:
25.000 Euro für die Umsetzung des Konzepts. Unter den zehn Gewinnern sind sieben
deutsche Hochschulen.
Drei Gewinner erzählen von ihren Erfahrungen mit den Online-Kursen.
ZEIT ONLINE: Herr Spannagel, wie sind Sie dazu gekommen, einen Mooc zu
produzieren?
Christian Spannagel: Wir haben bereits Erfahrungen mit dem Flipped-Classroom Konzept gemacht. Aber der Einsatz von Online-Werkzeugen und Multimedia-Materialien
war bei uns immer auf die Präsenzlehre zugeschnitten.
ZEIT ONLINE: Was ist das Besondere bei einem Mooc?
Spannagel: Dass die Mooc-Studenten danach nicht in meiner Veranstaltung sitzen.
Es ist schwierig, die Kommunikation und Interaktion einer Vorlesung in eine OnlineUmgebung zu übertragen. Insbesondere in der Mathematik, wo man sich über geometrische
Konstruktionen austauscht und zusammen Beweise erarbeitet. Die größte Schwierigkeit ist
aber, die Studenten bei Laune zu halten.
ZEIT ONLINE: Wie schafft man das?
Spannagel: Ihre Neugierde wecken. Zum Beispiel ein Problem anhand einer
Alltagssituation darstellen. Und die Aktivität der Studenten forcieren: Sie brauchen
Aufgaben, mit denen sie sich Mathematik selbstständig erarbeiten können. Das geht nicht
nur online, sondern beispielsweise auch mit einem einfachen Blatt Papier, das sie falten und
mit dem sie experimentieren können.
Prof. Dr. Christian Spannagel ist Professor für Mathematik mit Schwerpunkt Informatik
und Implementierung neuer Medien an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg
ZEIT ONLINE: Um was geht es in Ihrem Mooc?
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Corves: Grob gesagt geht es um die Frage: Wie kann ich die Welt verändern? Viele
Studenten haben Ideen, wie eine bessere Welt aussehen würde. Aber sie wissen nicht,
wie sie von ihrer Idee zu einem konkreten Projektkonzept kommen. Das zeigt unser
Changemaker -Mooc.
ZEIT ONLINE: Was versprechen Sie sich von Ihrem Mooc?
Corves: Alle Studierende sollten die Möglichkeiten haben, eigene Changeprojekte zu
planen und selber umzusetzen. Der Changemaker -Mooc ist der Schlüssel dazu. Wir
hoffen, dass viele Studierende mit uns Ideen entwickeln, die die Welt verändern. Und wir
hoffen, dass Dozenten an ganz vielen Hochschulen den Mooc nutzen werden, um für ihre
Studierenden eigene Lehrangebote aufzubauen.
ZEIT ONLINE: Richtet sich Ihr Mooc nur an Studenten?
Corves: Unsere erste Zielgruppe sind Studenten, egal welches Fach oder für welchen
Abschluss sie studieren. Darüber hinaus ist der Mooc für alle Menschen interessant, die
sich gesellschaftlich engagieren wollen. Diese Menschen bezeichnen wir als Changemaker
.
Prof. Dr. Christoph Corves, Professor für Geographie und Medien an der Uni Kiel und
Leiter der Kieler School of Sustainability
ZEIT ONLINE: Herr Schlauderer, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Mooc zu
produzieren?
Ralf Schlauderer: Ein Mooc ist nur die Fortsetzung unserer Arbeit der vergangenen
Jahre. Unseren Studiengang Agrarmanagement haben wir exportiert, er wird international
angeboten. Wir haben 25 Partnerhochschulen in 13 Ländern. In der Vergangenheit
haben wir die Vorlesung einfach aufgezeichnet, das war spröde. Dann haben wir mit
Videokonferenzen experimentiert, auch das war spröde.
ZEIT ONLINE: Und nun hoffen Sie auf Moocs?
Schlauderer: Wie gut sie funktionieren werden, können wir erst in fünf oder sechs Jahren
beurteilen. Aber Moocs sind spannender als alles, was wir bisher ausprobiert haben. Die
große Herausforderung sehe ich allerdings darin, die Partnerunis nicht zu enttäuschen.
ZEIT ONLINE: Wie meinen Sie das?
Schlauderer: Das Angebot muss zuverlässig sein, auf den Servern bereitgestellt und
aufrecht erhalten werden. In Russland, Kasachstan oder Kirgistan sind die Server oft nicht
so gut wie bei uns, da ist der Kurs unter Umständen nicht dauerhaft erreichbar.
ZEIT ONLINE: Haben Sie auch inhaltliche Bedenken?
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Schlauderer: Wichtig ist, dass die Inhalte zu den Studenten passen. Die Menschen in
Osteuropa haben wenig Basiswissen über Agrarökonomie. Ein Professor, der vor mir an der
HSWT lehrte, hat ein Fachbuch ins Ukrainische übersetzen lassen, weil die Literatur dort
einfach nicht vorhanden ist.
ZEIT ONLINE: Wen wollen Sie mit dem Mooc erreichen?
Schlauderer: Wir wollen mit dem Kurs drei Gruppen erreichen: Die Hochschulen mit
den Studenten und Dozenten, unsere Alumni und vor allem aber auch die Menschen in
Osteuropa, die ein Agrarunternehmen führen.
Prof. Dr. Ralf Schlauderer, Leiter des Master-Studiengangs Agrarmanagement an der
Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf
COPYRIGHT:
ZEIT ONLINE
ADRESSE: http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2013-06/mooc-wettbewerb-iversity-gewinner
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Bildung
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