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Magazin für Unternehmer
9326 Horn Auflage 9x jährlich 11'474
666003 / 666.3 / 76'083 mm2 / Farben: 3
Seite 52
01.06.2006
Fallstudie: Cross Cultural Communication (2/2)
Interkulturelle Kompetenz entwickeln
und sich «verbuschen» lassen
In einem Land in Westafrika: Ein schwüler Freitagabend, mitten in einem interkulturellen Workshop.
Die Teilnehmenden — Expats mit hoher Verantwortung in lokal ansässigen europäischen Firmen, ihe
Ehepartnerinnen und weitere Europäer mit langjährigem Afrikaaufenthalt — diskutieren die unterschiedlichen Arbeitsstile und Lebensauffassungen von Afrikanern und Zentraleuropäern.
Dr Peter Stadler
Prof. Samuel van den Bergh
Abwesenheit von Kultur und Zivilisation —
und stellt damit die lokalen Afrikaner als
kulturlos hin. Zum andern lehnt er ä priori
Der anders geartete Umgang mit der Zeit in
ab, den eigenen Lebens- und Arbeitsstil zu
Afrika — das afrikanisch-flexible Zeit- und
reflektieren und gegebenenfalls zu erweitern.
Terminmanagement, verglichen mit der eu-
Diese harte Einstellung hat Konsequenzen:
ropäischen Pünktlichkeit und vorhersag-
Wer in einem andern Land mit der lokalen
baren Zuverlässigkeit—wird zum zentralen
Bevölkerung zusammenarbeitet, ihre Werte
Thema. Etwas unvermittelt stellt eine
und ihren Lebensstil aber pauschal ablehnt,
Schweizer Teilnehmerin fest, der afrika-
büsst dadurch nicht nur Lebensqualität ein,
nisch-wendige Umgang mit der Zeit bringe
sondern unzweifelhaft auch seine Wirksam-
ja eigentlich auch Vorteile mit sich; wir
keit im Umgang mit ihnen — und stellt da-
Europäer könnten Wertvolles gewinnen,
mit den Geschäftserfolg aufs Spiel.
wenn wir von den lokalen Mitarbeitern
etwas zu lernen versuchten und etwas fle-
xibler würden. Das wird jedoch nicht nur
positiv aufgenommen: Sogleich kontert ein
Unternehmensleiter, der seit mehreren Jah-
ren in Afrika lebt: «Sie wollen doch wohl
nicht verbuscht werden?»
Wer mit Personen aus andern Kulturen
nachhaltig zusammenarbeiten will, muss
seine Partner kennen lernen und setzt alles
dran, mit einer Win-win-Einstellung eine
Vertrauensbeziehung aufzubauen. Respekt,
Interesse am andern und gegenseitiges
Vertrauen sind zentrale Grundlagen für jede
Interesse und Vertrauen
Diese Aussage ist aus doppeltem Grund be-
deutsam: Zum einen nimmt der Unternehmensleiter den Busch als Synonym für die
erfolgreiche Geschäftsbeziehung.
Die Folgerungen
1. Extensive Auslanderfahrung ist kein
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Garant für interkulturelle Kompetenz
te Tipps aus dem Lehrbuch mechanisch zu
Nicht selten sind gerade ausgesprochen
Ausland-erfahrene Mitarbeiter von einr
befolgen, ist daher selten angeraten. Was
starken Abwehr gegen alles, was nicht
ness-Karte lehrbuchgemäss korrekt zu
schweizerisch oder europäisch ist, geprät.
reichen, dann aber die selbst erhaltene
Sie geraten damit unweigerlich in eine
Karte unhöflich-achtlos in die Tasche zu
negative Spirale, denn despektierliche Ei-
stecken? Raffinierte Details zu kennen und
stellungen ziehen negative Erfahrungn
nach sich, was die ablehnenden Einstl-
im selben Moment plumpe Fehler zu ma-
chen, trägt nicht zu gegenseitigem Ver-
lungen wiederum verstärkt. Diese Mitar-
ständnis bei; widersprüchliches Verhalten
beiter setzen nicht selten Personen aus an-
schafft vielmehr Verwirrung. Hinzu kommt,
dern Kulturen offen herab, weil sie selbt
dass die wirklich entscheidenden Missver-
nicht schöpferisch und letztlich Gewinn
ständnisse meist nicht auf Fehler in der Eti-
nützt es beispielsweise, in Japan seine Busi-
bringend mit ihnen umgehen können. Oft
kette gründen, sondern im Unvermögen,
sind jedoch international tätige Mitarbeit&
Vertrauen zu bilden und dazu lnteresse,Ak-
nicht von vornherein negativ eingestellt; dr
zeptanz und Respekt zu kommunizieren.
Umstand aber, dass sie unvorbereitet af
das Fremde treffen und es nicht integrieren
Wichtig ist, echtes Verständnis für die Werte
können, ist ein Nährboden für Zurückwi-
und Kommunikationsstile der Partner zu ent-
sung und schliessliche Ablehnung.
wickeln, und darauf aufbauend wirkungsvolle Verhaltensweise (die Etikette, die « Dos
lnterkulturelle Kompetenz kann entsteheL
and Don'ts») abzuleiten. Erwünschtes Ver-
wenn eine Person interkulturelle Bege9-
halten ist so mit unterliegenden Konzepten
nungen in ihr Selbstkonzept und ihre Wet-
verbunden. Dies kann in einem kurzen, ziel-
sicht integrieren kann. Sie ist in der Lage,
aufbauende Schlussfolgerungen aus Erf4-
gerecht aufgebauten interkulturellen Training
gelernt werden.
rungen zu ziehen und diese in ähnlichn
3. Über andere Kulturen zu lernen, setzt
Situationen wieder einzusetzen. lnterkult-
Selbsterkenntnis voraus
rehe Schulungen können negative Einstllungen zwar nicht ä priori korrigieren; sie
Kulturen werden erst sichtbar, wenn sie ei-
können aber Voraussetzungen schaffen, dass
dem fremd, der Vertrautes erwartet. Wir-
negative Spiralen vermieden und interkulturelle Erfahrungen integriert werden können.
nen Hintergrund haben: Das Fremde ist nur
kungsvoll mit andern umgehen setzt voraus,
sich seiner eigenen Prägungen bewusst zu
sein und jenen der andern Rechnung zu tra-
2. Lediglich Verhaltensregeln zu lernen
(«Dos and Don 'ts») kann zwar hilfreich
sein, bringt aber nicht viel
Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass sich
eine Lebenssituation genau so ergibt wie
im Lehrbuch dargestellt. Das Leben ist vielschichtiger als das Fallbeispiel. Gut gemein-
gen. «Ich bin nicht einverstanden», kann im
schweizerischen Umfeld eine sachliche, ef-
fiziente Aussage sein; sie ist hier im Allgemeinen akzeptiert. In den meisten Kulturen
sind derart direkte Sätze beleidigend. Sich
der Wirkung direkter Aussagen bewusst zu
sein, ist die eine Seite interkultureller Kom-
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petenz; dre andere ist die Fäbigkeft, dieAus-
sage so zu formulieren, dass sie vom Gegenüber als sachlich und effizient wahrge-
nommen wird So sagt man «Können wir
später darauf zurückkommen?» oder «Das
Fragen
Dr. Peter Stadler
ist nteressant.» — und weiss, das kommt
beFm andern als freundlkhe Absage an.
lnhahi'
Peter Stadlcr & PaPFT GmbH
'sstrasse 32, S? 17 Hausen
TeL 056 $4 3330, O9 607 2720
stadler. flner@''ewh
Fazit
lnterkultur&Ie Kompetenz täuft darauf hinaus, fähig zu sein, ein Vertrauensverhält-
nis mit nternationalen Partnern aufzubauen. Man lernt, neue Einstellungen und Ver-
Prof. Samuel van den Beryh
van den Bergh flhiaqi Assoi3tr.
Dtffikonstrasse 2, 8413 Nehe"b
44 86? 5773
info•vdb©bloew'n.ch
haltensweisen in die eqene Weltscht zu inZ}IW Zü'cher Hochschule Wpn(Brthur
tegrieren. Diese Erfahrung ist stets Teil des
bchstelle für Interkulturelle ompet&r
Geschäftserfalgs — und zugl&ch Gewinn an
lns'ut für Sprachern ild ung und Be'u
Lebensqualität. Neues kennen zu ernen, das
Risiko einzugehen, sich «verbuschen» zu
Sekretariat. keh'izhw'n
TeL 052 267 7S 77
w.ihb.zhwin.ch, ww./rw!rr h.ILpl
lassen — dazu laden Beqe9nungen mit Per-
sonen aus andern Kulturen ein.•
Miril.c E. Saucy
r&.identin SPR6
Scweizetische Public Relations
Porträt
LI
Gserlschsft
rel. 044
36
m irei lle.sauq@mes-pr.rh
www.sprp c
Samuel van den Bergh ist Professor für inter-
kufturelles Management und Gründer der
Fachstelle für Interkuiturelle Kompetenz an der
ZHW, Seit
Januar ist er auch Geschättsleiter
der van den Bergh ThiagiAssocFates GnibIl und
mit Dr. Peter Stadler Mitorganisator der internationaFen ICPT-Konferenz, Peter Stadler ist Ex-
perte für interkulturelle Kompetenz.
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