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Eine Generation gönnt sich was

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SZ-Landkreisausgaben
Dienstag, 15. März 2011
Bayern Region Seite 37DAH,EBE,ED,FS,FFB,München City,München Nord,München Süd,München West,STA,Wolfrhsn. Seite R17
Noch nie ging es Rentnern in Deutschland finanziell so gut wie heute. Und speziell in Oberbayern wurden mit durchschnittlich 1099 Euro im Monat die
Foto: dapd
höchsten Altersbezüge der gesamten Republik ausgezahlt. Einer der Gründe, warum sich die ältere Generation auch etwas leistet.
Eine Generation gönnt sich was
Dank des demografischen Wandels wächst das Geschäft mit Produkten und Dienstleistungen für ältere Menschen
Von Tobias Brunner
München – Die Türen sind noch keine
zwei Stunden geöffnet, da kündigen sich
erste Spannungen an. „Jetzt muss ich diese Schuhe aber doch einmal anprobieren“, sagt eine ältere Dame zu ihrem gestressten Begleiter und eilt davon. Ein
kurzes Schnauben, dann lenkt der Mann
ein und trottet hinterher. Überall in den
Gängen des Münchner MOC drängen
sich die Menschen zwischen den Ständen
der Messe „Die 66“, wollen sich informieren, fragen, ausprobieren. Und schon zu
Beginn des ersten Tages zeigt sich: Das
Geschäft mit der Generation 50 plus
läuft hervorragend.
Wird der demografische Wandel gemeinhin für den Fachkräftemangel und
andere Sorgen der Wirtschaft verantwortlich gemacht, findet er hier seine positive Perspektive. Noch nie konnte eine
Generation aus einer solchen Vielfalt an
maßgeschneiderten Produkten schöpfen.
Und noch nie ging es etwa den Rentnern
im Durchschnitt so gut wie heute. Im vergangenen Jahr belegte Oberbayern bei
den tatsächlich ausgezahlten Renten mit
1099 Euro bundesweit den ersten Platz.
Für Unternehmen bedeutet das dreierlei:
Die Umsätze steigen, neue Produktfelder
tun sich auf – und damit wächst auch die
Unsicherheit bei den Kunden.
„Der Beratungsbedarf ist da“, bestätigt Albrecht Engel, Landesgeschäftsführer des Sozialverbands VdK Bayern, und
spricht von einem „Mitgliederboom
durch Verunsicherung“. Häufig würden
bei Versammlungen seniorengerechte
Produkte nachgefragt. „Die Anbieter
müssen mehr in Richtung Komfort denken. Auch diese Generation hat ihre Bedürfnisse.“ Das weiß auch Robert Dottl,
Technische Produkte schrecken die Nutzer 50 plus schon lange nicht
mehr ab – nur die Bedienung muss ansprechend sein.
Foto: dpa
stellvertretender Vorstandsvorsitzender
bei der Lohnsteuerhilfe Bayern. „Da Renten seit 2005 versteuert werden müssen,
wächst der Bedarf enorm“ – schließlich
seien etwa 20 Prozent der rund 270 000
Mitglieder im Freistaat Rentner.
„Es muss laut klingeln
und einfach
zu bedienen sein.“
Genauso kennt man beim VdK die Probleme im Alltag. Im Gespräch mit vielen
der rund 580 000 Mitglieder des Sozialverbandes zeigen sie sich Albrecht Engel
immer wieder deutlich: rechtliche Fragen, schwer lesbare Schilder im Supermarkt oder Beipackzettel bei Medika-
menten sowie zu kleine Tastaturen und
Bildschirme bei Mobiltelefonen.
Dabei hat sich bereits eine Reihe von
Herstellern genau diesen Bedürfnissen
angepasst. „Die Anforderungen sind immer gleich. Es soll laut klingeln und einfach zu bedienen sein“, erklärt Marieke
van Dijk vom niederländischen Unternehmen Beafon. Und Claudia Potschigmann vom Anbieter Doro ergänzt: „Seit
etwa anderthalb Jahren steigen die Absätze sehr stark an.“ Die österreichische
Firma Emporia, spezialisiert auf derartige Handys, konnte 2010 weltweit mehr
als 500 000 Stück verkaufen. Sie erhöhte
damit ihren Gesamtumsatz im Vergleich
zum Vorjahr um 20 Millionen auf rund
50 Millionen Euro.
Doch auch bei anderen technischen
Produkten steigt die Nachfrage. So groß
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wie noch nie sei der Bedarf an Lesehilfen, sagt Augenoptikerin Denise Honefeld von Optelec. Die Firma konzentriert
sich auf „Technologien für Blinde und
sehbehinderte Menschen“ und bietet stationäre und mobile Lösungen mit bis zu
75-facher Vergrößerung oder Vorlesefunktion an. Honefeld berichtet aber
auch von der anderen Seite, vom fehlenden Bewusstsein der Menschen. „Was viele nicht wissen: In der Regel übernimmt
die Krankenkasse die vollen Kosten.“
Bei ihrer Gesundheit hat die ältere Generation neben Praktischem wie E-Mobilen oder fahrbaren Gehhilfen im Ernstfall noch einen anderen Aspekt im Blick:
die Prophylaxe. „Die Menschen sind bereit, mehr Geld dafür auszugeben“, sagt
Orthopädie-Schuhtechnikmeister Martin Hübsch vom Münchner Sanitätshaus
Streifeneder. Mit einer aufwendigen
Laufanalyse stimmt er den Schuh auf individuelle Bedürfnisse ab und fertigt ein
spezielles Fußbett – „um die Gelenke zu
schonen“. Darum geht es auch bei Johannes Geiger. Für das gleichnamige Schuhhaus in Haar bewirbt er ein Modell, das
als „das weichste der Welt“ angepriesen
wird. „Die Entwicklung hat vor zehn Jahren begonnen, mittlerweile hat jeder große Hersteller einen solchen Schuh im Angebot“, sagt Geiger und lobt die positiven Effekte für die Gesundheit.
Positiv fällt am Ende des Wochenendes auch die Bilanz der Veranstalter aus.
Fast 41 000 Besucher haben an den drei
Tagen die Messe besucht – eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Schon jetzt ist deshalb für 2012
eine zusätzliche, vierte Halle geplant.
Dann gewiss auch wieder mit neuen
Schuhen
für
begeisterungsfähige
Damen.
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