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Gegenseitiges Besaugen - was kann man - LAZBW Aulendorf

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BILDUNGS- UND WISSENSZENTRUM AULENDORF
- Viehhaltung, Grünlandwirtschaft, Wild, Fischerei Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft LVVG
Briefadresse: Postfach 1252 • 88322 Aulendorf• Hausadresse: Atzenberger Weg 99 • 88326 Aulendorf • Telefax (07525) 942-333 • Vermittlung (07525) 942-300
Gegenseitiges Besaugen bei Kälbern
In der Aufzucht von Milchviehkälbern wird eine schnelle Entwöhnung der Kälber von der
Milch angestrebt. Auf individuelle Unterschiede beim Geburtsgewicht und bei der Pansenentwicklung wird dabei häufig wenig Rücksicht genommen. Besonders kritisch ist das Absetzen von der Milch, ohne dass sichergestellt ist, dass die Kälber in der Lage sind, ihren Energiebedarf vollständig über festes Futter zu decken. Dies kann zu verminderten Gewichtszunahmen führen. Zudem gibt es Hinweise, dass physiologische Entwicklungsdefizite im Zusammenhang mit oralen Verhaltensstörungen, insbesondere mit dem gegenseitigen Besaugen, stehen.
Gegenseitiges Besaugen kann bei Kälbern meist in der Gruppenhaltung auftreten. Es verbreitet sich durch Nachahmung weiter. Später können daraus im Milchviehbereich Euterreizungen, Infektionen und ein Verschluss der Milchzisterne - herrührend aus Zitzenverletzungen im Kälberstadium - entstehen. Im nachfolgenden Bericht werden neuere Untersuchungen zur Verminderung der Besaugerproblematik dargestellt.
Möglichkeiten zur Reduzierung des gegenseitigen Besaugens bei Kälbern
Fütterung
Ein Kalb saugt normalerweise 6 - 8-mal pro Tag für ca. 10 min an der Mutter. Wird das Tier
generell nur 2 mal täglich für ca. 3 min. aus dem Eimer getränkt, so wird sein Saugbedürfnis
nur zu etwa 10 % befriedigt. Bei der Automatenaufzucht gilt dies im Prinzip genauso. Das
Saugbedürfnis entsteht aus dem Bedarf nach Futter (durch Hunger). Wenn das Kalb satt ist,
lässt der Saugtrieb mit zeitlicher Verzögerung nach. Erfahrungsgemäß ist hierfür eine Tränkemenge von 1,5 bis 2 Liter Tränke pro Mahlzeit erforderlich. Bei zu geringen Tränkemengen
wird das Hungergefühl verstärkt, weil der Blutzuckerspiegel weiter absinkt (Unterzuckerung).
Die Problematik des Besaugens wird so letztendlich verstärkt.
a) Glucosezusatz
In einer Studie an der FH Nürtingen konnte belegt werden, dass ein Glucosezusatz zur Tränke zu einer Reduzierung des gegenseitigen Besaugens beitragen kann. Durch die Zugabe
von 2 g/Liter Tränke soll eine beim Tränken durch Saugen auftretende Unterzuckerung im
Blut, die zum Weitersaugen führt, verhindert werden. Die Glucose kann mit der Tränke über
den Tränkeeimer oder über den Wirkstoffdosierer des Tränkeautomaten verabreicht werden.
Mittlerweile sind auch Milchaustauscher mit Glucosezusatz am Markt.
b) Tierindividuelles Abtränken
Zur Klärung der Frage, ob durch eine den tierindividuellen Bedürfnissen angepasste Ernährung (Kombination aus Tränke und Fütterung) dem gegenseitigen Besaugen entgegengewirkt werden kann, wurde im Jahr 2004 am Institut für Nutztierwissenschaften, Physiologie
und Tierhaltung an der ETH Zürich eine Studie zum Einfluss einer individuell angepassten
Abtränkmethode auf das gegenseitige Besaugen und die Gewichtsentwicklung von Aufzuchtkälbern durchgeführt. Ziel der Untersuchung war es, den Einfluss einer an die individuelle Entwicklung angepassten Entwöhnung auf die Gewichtsentwicklung und das Auftreten
von gegenseitigem Besaugen bei Aufzuchtkälbern zu überprüfen. Dazu wurden 27 Milchviehkälber in zwei zu vergleichende Gruppen aufgeteilt. 14 Kälber (Versuchsgruppe, im fol-2-
-2-
genden V-Tiere genannt), bei denen die Milchmenge ausschließlich bei ansteigendem Kraftfutterverzehr individuell reduziert wurde, wurden mit 13 Kälbern (Kontrollgruppe, im folgenden K-Tiere genannt), die mit einem praxisüblichen Fütterungsplan abgetränkt wurden, verglichen. Alle Kälber wurden zusammen in einer 36,5 m2 großen Bucht mit Tiefstreu ohne
Auslauf gehalten, pro Kalb entsprach dies im Minimum 1,3 m2 . Heu und Wasser stand den
Kälbern ad libitum zur Verfügung. Die Kälber wurden über einen Tränkeautomaten und einen
Kraftfutterautomaten gefüttert.
Die beiden Gruppen unterschieden sich demzufolge nur in Bezug auf die Abtränkmethode.
Die Fütterung während des Versuches wurde in drei Abschnitte (Phase 1 bis Phase 3) gegliedert. In der ersten Phase standen allen Kälbern 6 l Milch pro Tag zur Verfügung. In der
zweiten Phase wurde die Milchmenge pro Kalb kontinuierlich von 6 auf 1 l pro Tag reduziert.
Während der dritten Phase stand den Tieren keine Milch mehr zur Verfügung. Die Definition
der Phasen ist unabhängig von den in der jeweiligen Phase erhaltenen Kraftfuttermengen.
Die Milchmengen für die Kontrolltiere folgten einer praxisüblichen Fütterungskurve für Kälber
ab einem Alter von mindestens drei Wochen bis zum Absetzen mit knapp 12 Wochen (Tab.
1).
Tabelle 1:
Phase
1
Fütterungsplan der praxisüblich abgetränkten Kälber (Kontrollgruppe ; MAT 100 g/l)
[Quelle: Roth, 2004]
Alter
Wochen
Dauer in
Tagen
Milchkurve
Menge in l/Tier und
Tag
Dauer in
Tagen
7
Kraftfutterkurve
Menge in g/Tier und
Tag
300 - 500
mind.
3-8
max. 35
6
2
8 - 11,5
14
6-3
28
14
500 - 1000
1000 - 1700
3
11,5 - 14
10
17
3-1
0
10
17
1700 - 2000
2000
Die Kälber konnten ihre Milch saugend am Tränkeautomat aufnehmen und erhielten mehrere
Mahlzeiten pro Tag. Beim Betreten des Tränkestandes schloss ein Schwenkmechanismus
das Kalb gegen hinten ein, was ein ungestörtes Saugen am Sauger auch noch nach Beendigung der Milchaufnahme ermöglichte. Das Verdrängen der Kälber am Kraftfutterstand konnte
durch das Anbringen von Seitenblenden weitgehend verhindert werden.
Abbildung 1: selbstverschließbarer Tränkestand (links) und Kraftfutterstand (rechts) [Quelle: Roth,
2004]
-3-
-3-
In der Versuchsgruppe (individuell abgetränkte Tiere) wurde für jedes einzelne Tier täglich
eine individuelle Milchkurve berechnet. Die täglichen Milchmengen basierten auf der durchschnittlich verzehrten Kraftfuttermenge der letzten vier Tage. Die verzehrte Kraftfuttermenge
konnte dabei die voreingestellte Maximalmenge an Kraftfutter nicht überschreiten. Die
Milchmengen wurden bei sinkendem Kraftfutterverzehr nicht mehr erhöht. Um den Anfang
und das Ende des Abtränkens zu definieren, wurden zwei Schwellenwerte festgelegt. Sobald
die Tiere einen ersten Schwellenwert von 700g aufgenommenem Kraftfutter pro Tag über
vier Tage erreicht hatten, wurde die 6 l-Milchphase (Phase 1) beendet und die Abtränkphase
(Phase 2) begann. Ein zweiter Schwellenwert von 2000g Kraftfutter definierte den Endwert
der zweiten Phase. Nach Überschreiten dieser Kraftfuttermenge erhielten die Tiere keine
Milch mehr (Phase 3). Das Zusammenspiel von Milchkurve und Kraftfutterkurve ist schematisch in Abbildung 2 dargestellt. Die Dauer von Phase 1 und Phase 2 sind individuell durch
die Kraftfutteraufnahme jedes Kalbes bestimmt.
Abbildung 2 : Schematische Darstellung der Fütterungskurve der individuell abgetränkten Kälber
[Quelle: Roth, 2004]
Das gegenseitige Besaugen wurde sowohl in Abhängigkeit als auch in Unabhängigkeit von
der Milchaufnahme erfasst. Dazu wurde festgehalten, wann und wie lange jedes Kalb sich im
Tränkestand befand, und ob der Besuch mit Milchaufnahme verbunden war. Wurde für ein
Kalb Milch ausdosiert, konnte dies anhand einer mit dem Tränkestand verbundenen Signallampe erkannt werden. In Anlehnung an Weber (1998) galt ein Besaugakt als abhängig von
der Milchaufnahme, falls zu Beginn des Besaugens die letzte Milchaufnahme weniger als 15
Minuten zurücklag. Lag die letzte Milchaufnahme mehr als 15 Minuten zurück, so wurde der
Besaugakt als unabhängig von der Milchaufnahme taxiert. Es wurde der Beginn und das Ende eines Besaugaktes erfasst und zusätzlich zwischen verschiedenen Körperpartien bzw. der
Stalleinrichtung als Saugobjekt unterschieden.
Die Entwicklung von Milch- und Kraftfutterverbrauch sowie der täglichen Zunahmen sind in
Tabelle 2 dargestellt. Die durchschnittliche Dauer von Phase 1 unterschied sich bei Versuchs- und Kontrollgruppe nicht; es ergaben sich aber in beiden Kälbergruppen große individuelle Unterschiede (K 12-35 d, V 16-37 d). Die Variation der Kontrolltiere in Phase 1 ergab
sich aufgrund des unterschiedlichen Einstallungsalters der Tiere. Bei den Versuchstieren basierte die Variation auf der Abtränkmethode bzw. dem unterschiedlichen Zeitpunkt, an dem
die Kälber mehr als 700g Kraftfutter aufnahmen. Phase 2 dauerte für die Versuchstiere im
Durchschnitt 9 Tage länger als für die Kontrolltiere, bei denen Phase 2 auf 24 Tage festgelegt war. Die Bandbreite betrug bei den Versuchskälbern 21 - 42 Tage. Der Verlauf von Phase 2 war für die Versuchskälber individuell sehr verschieden. Einige Kälber steigerten ihre
Kraftfutteraufnahme sehr schnell, so dass ihre Milchkurve entsprechend rasch absank, wäh-4-
-4-
rend andere Kälber auf unterschiedlichen Niveaus über einige Zeit verharrten, bis sie abgesetzt werden konnten. Zudem wiesen die V-Kälber über den Versuchszeitraum hinweg höhere Gewichtszunahmen (durchschnittliche tägliche Zunahmen von 952 g vor und 1103 g
nach dem Absetzen) als die K-Kälber (durchschnittliche tägliche Zunahmen von 895 g vor
und 874 g nach dem Absetzen) auf und stagnierten im Gegensatz zu den K-Kälbern nach
dem Absetzen nicht in ihrer Gewichtsentwicklung. Im Hinblick auf den doch deutlich höheren
Milch- und Kraftfutteraufwand in der Versuchsgruppe ist die Wirtschaftlichkeit kritisch zu betrachten.
Tabelle 2 :
Phase
Pro Phase durchschnittlich verzehrte Milch- und Kraftfuttermenge mit
Gewichtsentwicklung (V= Versuchsgruppe ; K= Kontrollgruppe)
[Quelle: Roth, 2004, ergänzt durch den Autor]
Milch (in l)
1
2
3
Gesamt
V (n=14)
139,1
112,1
0
251,2
Kraftfutter (in kg)
K (n=13)
143,5
80,8
0
224,3
V (n=14)
7,8
50,6
32,6
91,0
tägliche Zunahmen
(g/Tag)
V (n=14)
K (n=13)
610
572
952
895
1103
874
K (n=13)
9,6
24,6
27,4
61,6
Besaugende Tiere
(prozentualer Anteil an der Gruppe)
Die Anteile von Kälbern der Kontroll- (K) und Versuchsgruppe (V), die gegenseitiges Besaugen zeigten, sind in Abbildung 3 dargestellt. Bei der Kontrollgruppe blieben die Anteile in
Phase1 und Phase 2 unverändert und sanken in Phase 3 leicht. Die Anteile der Versuchsgruppe waren in Phase 1 höher, in Phase 2 und Phase 3 niedriger als in der Kontrollgruppe,
aber trotzdem noch bei über 35 % der Versuchstiere. Über alle Phasen gesehen, richteten
sich über 98% der Saugakte gegen Skrotum, Präputium oder Euterregion. Besaugen des
Kopfes oder anderer Körperteile kam nur sehr selten vor. Das Besaugen der Stalleinrichtung
war nie zu beobachten.
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
K
V
P1
P2
P3
Abbildung 3 : Prozentuale Anteile der besaugenden Tiere [Quelle: Roth, 2004]
Problematisch in der Kälberaufzucht ist insbesondere das unabhängige Besaugen, da dieses, wenn es beim Kalb einmal auftritt, weder durch Futter noch über die Haltung beeinflusst
werden kann. Durch den Einfluss der Abtränkmethode reduzierte sich die Anzahl Kälber, die
unabhängig besaugten, im Verlauf des Versuchs ebenso wie auch die Dauer des unabhängigen Besaugens, wobei der deutlichere Abfall bei den Kälbern der Versuchsgruppe zu sehen war (Abb. 4). Die Ergebnisse zeigen, dass Kälber mit einer individuellen Abtränkmethode
über den Versuchsverlauf das unabhängige Besaugen reduzierten (von anfangs 13 Tieren
-5-
-5-
Anzahl Tiere
besaugten nach dem Absetzen nur noch 5 Tiere), während diese Entwicklung bei den praxisüblich abgetränkten Kälbern kaum stattfand (8 von anfänglich 10 besaugenden Tieren besaugten auch noch nach dem Absetzen).
14
12
10
8
6
4
2
0
K
V
P1
P2
P3
Abbildung 4: Anzahl Kälber, die pro Phase unabhängig besaugten [Quelle: Roth, 2004]
Mit zunehmender Häufigkeit im Tränkestand ohne Anrecht stieg die Wahrscheinlichkeit für
das unabhängige Besaugen an. Keinen Einfluss auf das unabhängige Besaugen hatten die
Gewichtszunahmen, die Heufressdauer und die Wiederkauhäufigkeit.
c) Verlängerung der Verweildauer am Tränkeautomat
Praktikerberichten zufolge konnten gute Erfahrungen damit gemacht werden, zum Abtränken
am Tränkeautomaten innerhalb der Abtränkephase von 10 Tagen nur die MAT-Menge linear
von 100-125g auf 5g pro Liter Tränke zurückzufahren, ohne jedoch die Tränketagesmenge
unter 3 Litern pro Kalb zu reduzieren. Die Kälber verbleiben noch ca. 4 Wochen am Tränkeautomaten und erhalten dort „eingefärbtes“, warmes Wasser. Zusätzlich kann Wasser, wie
bereits bisher, am Tränkebecken aufgenommen werden.
Haltung
Inwieweit durch eine artgerechte Haltung (genügend Fläche, strukturierte Stalleinteilung,
Auslauf, Beschäftigungsmöglichkeiten für Kälber) das gegenseitige Besaugen bei Kälbern
vermindert werden kann, wurde im Rahmen einer Studie vom Institut für Betriebstechnik und
Bauforschung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) , Braunschweig- Völkenrode in einem zweijährigen Praxisversuch (2003-2005) an insgesamt 144 weiblichen Kälbern der Rasse Holstein untersucht. Die Kontrollkälber wurden in einem Einraumlaufstall
(Zweiflächenbucht: Liegebereich 2m2 , Fressbereich 1m2 , verschließbarer Tränkeautomat,
Heuraufe, Kraftfutterstand, Wassertränke) gehalten, wohingegen die Versuchskälber in einem optimierten Stall, der zusätzlich über einen großzügig strukturierten Auslauf zwischen
Fress- und Liegebereich und einen nach der Tränke nachgelagerten Beschäftigungsbereich
mit Blindnuckel verfügte, gehalten wurden (Abbildungen 5 bis 7).
-6-
Abbildung 5 :
Grundriss
[Quelle : Georg und Ude, 2005]
Versuchsgruppenhaltung (2 Gruppen)
10
10
6
1.84
3.41
6
4.03
10
3.43
6
1.81
10
10
5.64
10
5.38
Tor
12
Gepflasterte Fläche
5.30
10
2.70
1.27
Tränke
14/14
Grasfläche
10
Putzmaschine
Putzmaschine
10 0.91
10 14 2.12
14
Grasfläche
8.18
Auslauf mit Rindenmulch
Auslauf mit Rindenmulch
7.17
10
6
1.11
10
6
2.70
2.80
2.70
Kraftfutter
6 6
6 0.65 0.76
2.61
14 10
10
10
6
5.41
Kraftfutter
Tränke
12/12
2.00
2.00
1.27
6
6
1.17
Nachtränke- Tränke- Nachtränkestände bereich
bereich
10
1.27
Liegefläche
Tränke
Tränke
Liegefläche
10
10
Tränkeautomat
3.02
10
2.84
10
Pc- und
Videoraum
2.96
6
5.30
5.50
2.70
Schiebetor
10
Gang
Tor
1.11
10
Tor
Rundholz als Streuschwelle
8.28
10
2.73
3.31
3.49
10
21.81
10
6,10
10
3,87
10
6,18
10
6,79
10
4,59
10
6,45
10
M= 1 : 200
Bestandszeichnung Kälberstall August 2004
Institut Betriebstechnik und Bauforsc hung
-7KA
Kraftfutterautomat und
Eingang in den Tränkestand
Abbildungen 6 und 7 : optimierte Gruppenhaltung (Außenansicht)
[Quelle : Georg und Ude, 2005]
Bei der optimierten Haltungsvariante konnte der - vom Liegebereich räumlich getrennte Fressbereich ausschließlich über einen strukturierten Auslauf erreicht werden. Der Tränkestand war mit einer seitlichen Tür ausgestattet, die nach einem erfolgreichen Tränkebesuch
in einen separaten kleinen Nachtränkebereich führte. Dieser war mit einem Nuckeleimer mit
drei geschlossenen Blindnuckeln und einem mit Heu befüllten Netz ausgestattet. Der
Nachtränkebereich konnte über eine manuelle Rückklappe verlassen werden.
An alle Kälber wurde mit Tränkeautomaten gemäß EU-Ökoverordnung Frischmilch über 12
Wochen vertränkt. Die Tränkemenge betrug am Anfang 7 l und reduzierte sich nahezu kontinuierlich auf 2,5 l pro Kalb und Tag.
Tabelle 3 : Ergebnisse in den Altersgruppen [Quelle Georg und Ude, 2005]
Aufzuchttage
21 - 51 Tage
Kontroll
gruppe
(n = 72)
Anteil besaugende Kälber in
%
Dauer eines
Besaugvorganges in sec.
Anzahl der Besaugvorgänge
(bezogen auf
100 Kälber)
Versuchs
gruppe
(n = 72)
52 - 75 Tage
76 - 84 Tage
Kontroll Versuchs Kontroll Versuchs
gruppe gruppe
gruppe gruppe
(n = 72) (n = 72) (n = 72) (n = 72)
59
17
65
12
74
12
80
63
80
60
122
40
82
16
138
9
203
11
Das gegenseitige Besaugen nahm in der Kontrollgruppe zu und in der Versuchsgruppe ab.
Dabei war die Dauer einzelner Besaugvorgänge bis zum Alter von 75 Tagen in der Kontrollgruppe geringfügig höher als in der Versuchsgruppe, bei der Altersgruppe 76-84 Tage hingegen deutlich höher. Die Anzahl der einzelnen Besaugvorgänge steigt in der Kontrollgruppe
mit zunehmendem Alter deutlich an, bei der Versuchsgruppe bleibt sie relativ konstant auf
niedrigem Niveau. Zurückzuführen ist dies auch auf den Nachtränkebereich in der optimierten Gruppe, der mit zunehmendem Alter an Attraktivität gewinnt. So steigt hier die Verweildauer von 2 auf 7 min, gleichzeitig steigt die Dauer des Nuckelns am Blindnuckel von 1,5 auf
-8-
-8-
4 min. an. Auch die Nutzung des Heunetzes nimmt zu. Insgesamt wirkt sich eine abwechslungsreiche Haltung im Außenklima mit viel Licht, Platz und Einstreu positiv auf die Entwicklung der Kälber aus und verringert die Problematik des Besaugens.
Fazit :
Bislang gibt es noch kein Patentrezept zur Lösung des Besaugerproblems, dazu sind die Zusammenhänge zu komplex. Allerdings bieten die vorliegenden Ergebnisse durchaus Ansatzpunkte in der Fütterung durch den Zusatz von Glucose oder einem tierindividuell angepassten Tränke- und Fütterungsplan. Auch durch eine optimierte Stalleinteilung kann das gegenseitige Besaugen deutlich reduziert werden. Eine Zusammenstellung der bereits bekannten
Maßnahmen zur Reduzierung des Besaugens ist in Übersicht 1 zu finden.
Übersicht 1 : Weitere Maßnahmen zur Reduzierung des Besaugens
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die Kälber möglichst früh, eine ausreichende Körperentwicklung vorausgesetzt (bei
850g Tageszunahme, ca. 95 - 100 kg LG und einer Mindestaufnahme von 1 kg Kraftfutter) abtränken
kleinere, leichtere Kälber so lange mit Milch tränken, bis ausreichend Kraftfutter aufgenommen oder entsprechendes LG erreicht wird
die Tränkemenge einer Mahlzeit am Tränkeautomat zwischen 1,5 und 2 Liter einstellen
die Kälber in den ersten 14 Tagen in Einzelhaltung (ab dem 8. Lebenstag mit Tränkwasserangebot !) unterbringen
danach die Kälber in überschaubaren Gruppen (max. 20 Tiere, unter Einhaltung des
Mindestplatzbedarfes nach Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO) halten
die Gruppen aus möglichst gleichaltrigen Tieren zusammenstellen
die Gruppenhaltung im Rein- Raus- Prinzip betreiben
bei Gruppenhaltung die Tiere am Trog solange fixieren, bis das Saugbedürfnis abgeklungen ist (mind. 15 min)
die Öffnungen der Gumminuckel möglichst klein halten, damit die Tiere länger saugen
müssen, d.h. regelmäßiges und rechtzeitiges Auswechseln verschlissener Nuckel
Saloontüren am Eingang des Tränkestandes, die das im Stand befindliche Tier vor
dem Besaugen durch wartende Tiere schützen, anbringen
In der späteren Aufzucht stellt das Einziehen eines Nasenringes bei saugenden Rindern die letzte Möglichkeit dar.
LITERATURVERZEICHNIS
Egle, B. ; Meier, K. ; Richter, T. ; VON Borell, E. : Gegenseitiges Besaugen von Kälbern unter
dem Einfluss von Glucosezufütterung. In: Aktuelle Arbeiten zur artgemäßen Tierhaltung
1998. KTBL Darmstadt, 1999 (KTBL-Schrift 382), S. 137-145
Georg H. und Ude G., 2005 : Einfluss von Tränkestandgestaltung und angereicherter Haltungsumgebung auf das gegenseitige Besaugen von Kälbern in Gruppenhaltung. 7. Tagung
Bau, Technik und Umwelt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung in Braunschweig vom 1.
bis 3. März 2005. KTBL- Schrift s. 133 - 138. Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft
Braunschweig - Völkenrode, Institut für Betriebstechnik und Bauforschung
-9-
-9-
Roth B., 2004 : Kann eine individuell angepasste Abtränkmethode das gegenseitige Besaugen von Aufzuchtkälbern beeinflussen ? ETH Zürich, Biologie, Fachrichtung A1, Fach : Ethologie, Betreuung durch Dr. Nina Keil, Dr. Markus Stauffacher, FAT Tänikon
Weber R., 1998 : Versschließbare Tränkestand für Kälber - deutlich weniger Besaugen von
Artgenossen. FAT-Bericht Nr. 527, FAT Tänikon
Aulendorf, 16.11.2005
Rückfragen an: Otto Reiß, Tel. 07525 / 942-318 oder 07961 / 564-682, E-Mail:
otto.reiss@lvvg.bwl.de
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