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Er wünschte, er wäre immer korrekt, politisch, sexuell und was

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Weiter-Weg Von Mathias Begalke
Die Menschen, die meinten, ihn gut zu kennen, hätten Geld darauf gewettet, dass er auf die / zugegeben / phantastische Frage, wer oder was er gern
sein würde, geantwortet hätte: entweder eine Rickenbacker-Gitarre oder eine alles heilende Umarmung. Etwas Wohltuendes eben. Aber das sagte er
nicht.
Überlegungen, pathetisch und weltverbessernd zu antworten, ein apothekenpflichtiges Allzweckmittel gegen
Dummheit, Scheiß-Sonnenbrand und Coverbands, verwarf er. Er wünschte sich manchmal die Kraft einer explodierenden
Granate, die Ignoranz, Intoleranz, Rücksichtslosigkeit wegsprengt, und die eines Lakens aus erstem Schnee, das eine
dunkle Landschaft erhellt, und die eines Trottels, der seine Energie aus Sehnsucht und Angst schöpft und dem
unbedingten Wunsch, in den Himmel zu kommen. Er wünschte sich das Durchhaltevermögen einer Black Box aus
dem Cockpit einer in der Mitte zerbrochenen Passagiermaschine. Er stellte sich vor, naiv wie John Lennons Imagine
zu sein. Nur wegen der Melodie, die jeder mitsingen kann.
Er wünschte, er wäre immer korrekt, politisch, sexuell und was seinen Musikgeschmack
betrifft, und gelassen, charmant, weltoffen, voller Mut. Er wollte kein Klassenbuchholer,
kein Wasserträger, kein Wadenbeißer sein, er wollte anders sein. Außergewöhnlich,
kreativ, supersonic.
Er dachte weiter nach, was er antworten sollte, ohne dass etwas Arrogantes aus ihm herauskommt. Und dann sagte
er, dass er einer sein wollte, der jeden Morgen aufsteht, einen Schritt nach dem anderen macht und atmet. Der den
Preis zahlt für all das, was er tut. Der manchmal wartet und meistens weitergeht. Schritt für Schritt. Das ergibt eine
Strecke. Ergibt ein Leben. Ergibt Sinn.
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Seele and Geist
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