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Boxen: Nicht nur was für harte Männer

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Redaktion:Ulrike Mast
Manuskript: Meike Naber
Fon: +49 221 9130945
Mobil: 0176/ 20 82 17 85
E-Mail: info@meike-naber.de
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Die Zeiten sind vorbei, als Frauen beim Boxen nur das Nummerngirl spielen durften.
Frauen in Deutschland entdecken den harten Männersport als ideales Fitnesstraining und
steigen in den Boxring. Wie zum interantionalen Frauenboxturnier, bei dem in Wuppertal
vergangenes Wochen-dende 90 deutsche und europäische Meisterinnen aufeinander trafen. In
Ländern wie Polen, Russland, der Türkei oder gar Indien (Alternativ: Weltweit) ist
Frauenboxen inzwischen sehr populärer. In Deutschland jedoch haben es Boxerinnen schwer.
Denn die Athletinnen werden hierzulande kaum unterstützt und die Verantwortlichen haben
kein Interesse daran, den Frauenboxsport in Deutschland zu fördern.
Ein Beitrag von Meike Naber
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Boxschläge (Janina Bonorden und Trainer)
Vor der Umkleidekabine bereitet sich die 21-jährige Janina mit ihrem Trainer auf den
Wettkampf vor. Schon das Aufwärmen der deutschen Meisterin aus Niedersachsen flößt beim
Zuschauen Respekt ein:
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Die hat so einen harten und schnellen Schlag drauf, ich glaube, wenn ich im Ring
stehen würde, ich würde sofort das Handtuch werfen. Die ist nicht nur schnell, die hat
auch Technik.
Keine Meisterschaften, sondern ein ganz normales Boxturnier, das am vergangenen
Wochenende in der Kleinstadt südlich des Ruhrgebiets stattfand. Dennoch sind fast alle
deutschen Box- Meisterinnen angetreten, ebenso Nationalboxerinnen aus Holland und der
Schweiz. Zuschauer sind allerdings kaum da, wie Janinas Trainer feststellt:
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Also wenn, höchstens zehn bis fünfzehn. Nur Trainer, Kämpfer, vereinzelt Familie.
Dennoch veranstaltet der kleine Boxsportclub in Wuppertal das internationale Turnier bereits
zum zweiten Mal. Amateur-Wettkämpfe im Frauenboxsport sind in Deutschland rar, weiss
der Veranstalter. Das Interesse unter den Sportlerinnen ist dafür umso größer, weil deutsche
Amateurboxerinnen selten die Möglichkeit haben, sich national und international zu messen.
27RQ 2OLYLD /XF]DN sprich Luktschak, mehrfache deutsche Meisterin):
Alle Länder sind mehr entwickelt im Frauenboxen als Deutschland. Wenn man sich
die letzte Weltmeisterschaft anschaut, die war in Indien. Alle möglichen Länder waren
da. Die Türkei mit einer ganzen Staffel, Indien war mit seinen Frauen vertreten,
Pakistan. – Nur Deutschland war nicht mit.
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Deshalb entschied sich die mehrfache deutsche Meisterin Olivia Luczak (sprich Luktschak)
jetzt für die polnische Nationalmannschaft zu boxen. In Deutschland tut sich einfach nichts das ist nicht nur ihr Fazit. Die Teilnahme an Europa- oder Weltmeisterschaften müssen die
einzelnen Vereine immer noch aus der eigenen Tasche finanzieren. Das kann teuer werden.
Geld, das die meisten kleinen Vereine nicht haben. Während in Russland oder der Türkei eine
doppelt besetzte Nationalfrauenmannschaft alle 12 Gewichtsklassen abdeckt - monatelange
Box-Trainingslager inklusive - gibt es in Deutschland aus rein finanziellen und
organisatorischen Gründen keine Nationalstaffel bis zum heutigen Tag. Den Grund hierfür
kennen Trainer und Zöglinge nur zu genau:
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Es wird immer gesagt, dass kein Geld da wäre, weil Frauenboxen nicht olympisch ist.
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Der Deutsche Boxverband, die blockieren alles soweit es geht im Frauenboxen, weil
Frauenboxen nicht olympisch ist.
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Es wird viel geredet. Nationalstaffel hin und her. Aber dann gehen wir nicht zur
Europameisterschaft. Vieles wird nicht bezahlt und finanziert. Es ist einfach nicht viel
drin.
Warum nehmen die Frauen diese Mühen auf sich? Warum boxen sie überhaupt? Die meisten
von ihnen sind aus Zufall zum Boxen gekommen, haben aus reinen Fitnessgründen angefangen.
Aber sie alle haben Blut geleckt und sind beim Boxsport geblieben. – Frauenboxen hat einen
besonderen Reiz, sind Kämpferinnen und auch Trainer überzeugt:
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Boxkampf (unterlegen)
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Das ist auch etwas, wo man seine Stärke beweisen muss und Durchhaltevermögen.
Man darf einfach kein Sensibelchen sein.
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Technik ist das A und O. Stärke muss nicht, wenn man schnell ist, braucht man Stärke
nicht.
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Frauen boxen auf jeden Fall klüger. Die denken ein bisschen mehr beim Boxen. Und
ich finde, es sieht auch schöner aus.
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Wenn Frauen boxen, sind die technisch zehnmal besser als Männer. Boxen
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Dieses Mentale, man ist total aufgeregt, man schwitzt. Sobald ich im Ring bin, ist alles
wie Weggeblasen. Man geht da rein, hochkonzentriert, macht sein Ding.
$WPR Boxkampf, Ringrichter, in der blauen Ecke ..Janina Bonorden, Ring frei,
Gong, überblenden)
Dann ist es für Janina soweit. Es ist ihr Kampf. Aber heute hat sie Pech, verliert, ist
am Boden zerstört. Aber auch das gehört zu einer guten Boxerin: wieder aufzustehen
und weiterkämpfen wollen.. Vielleicht holt Janina den nächsten Sieg schon bei den
Europameisterschaften im Oktober 2007. Vorausgesetzt, die deutsche Meisterin kann
ein Ticket nach Dänemark aus eigener Tasche finanzieren.
Rund 130 aktive Amateur-Boxerinnen besitzen in Deutschland inzwischen eine
Startlizenz. Bis vor wenigen Jahren gab es weltweit noch ein generelles Boxverbot für
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Frauen. Erst Mitte der 90er wurde Boxen für Frauen international genehmigt, der
Deutsche Boxverband folgte 1996. Seitdem dürfen Frauen erstmals an Wettkämpfen
teilnehmen. Nicht nur die deutschen Amateur-Meisterinnen hoffen, dass Frauenboxen
spätestens 2012 zu den olympischen Spielen gehört. –Ende-
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