close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

2.) Was versteht Watzlawick unter der Black-Box und welche

EinbettenHerunterladen
Watzlawick: Kommunikation ohne auf Sprache einzugehen
Austin: Erfinder Sprechakttheorie
Searle: Weiterentwicklung
Habermas: - „Theorie des kommunikativen Handelns“
- Vollendung durch Theorie der universalen Geltungsansprüche
2.) Was versteht Watzlawick unter der Black-Box und welche Theorie ergibt sich für ihn
daraus?
Der Kommunizierende ist als Black-Box zu betrachten, da man nicht in Ihn Einblick erhält,
wenn er kommuniziert.
Das behavioristische Black-Box-Modell
Kommunikation wird auf das Verhalten reduziert. Man beobachtet das Verhalten in Form
einer Eingabe-Ausgabe-Relation.
In die Black-Box (den Kommunizierenden) kann man von Außen nicht hineinschauen.
Deshalb richten sich die Untersuchungen nur auf das direkt zu beobachtende Verhalten.
Motivation, Bewusstsein, Erfahrung und Bedeutung für das pädagogische Verständnis von
Identitäts-Entwürfen sehr wichtig.
Als behavioristisch werden alle Forschungsprogramme zusammengefasst, die sich mit ReizReaktion-Verbindungen beschäftigen, d. h. experimentelle Methoden anwenden, die auf
Beobachtung beruhen.
Warum kann diese Orientierung von Watzlawick für das Verständnis von Identitätsentwürfen
von Heranwachsenden als problematisch angesehen werden?
Watzlawik geht vom Therapeuten und nicht vom Patienten aus.
Die Form der Beeinflussung erfolgt einseitig, technologisch und instrumentell. So lautet auch
ein Untertitel eines seiner Bücher: „Zur Technik der therapeutischen Kommunikation.“
Wegen der Einseitigkeit der Theorie, kann Watzlawicks Konzept nicht als Ganzes in die
pädagogsiche Theorie übernommen werden.
Erläutern Sie die verschiedenen Axiome und definieren Sie den Begriff „Kalkül“!
Watzlawick, Beavin und Jackson führen die fünf Axiome im Sinne eines pragmatischen
Kalküls ein.
Ein Kalkül ist ein System von Regeln, das in konkreten und gelingenden
Kommunikationsprozessen stets beachtet wird, ohne dass diese Regeln den
Kommunizierenden bewusst sein müssen. Sie können auch intuitiv oder unbewusst befolgt
werden.
Pragmatische Axiome = Regeln der Kommunikation
↓
Konkrete und erfolgreiche Kommunikationsprozesse
1. Axiom:
Da jedes Verhalten laut Watzlawick Mitteilungscharakter hat, ist jedes Verhalten
Kommunikation. Daraus leitet sich das erste Axiom ab:
Man kann nicht nicht kommunizieren!
2. Kommunikation enthält neben Sachinformationen auch Informationen über die
soziale Beziehung der Kommunikationspartner. Daraus folgt:
Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei der
Beziehungsaspekt den Inhaltsaspekt bestimmen
Pragmatische Axiome sind Regeln der Kommunikation, die das Verhalten der Teilnehmer
an Kommunikationsprozessen bestimmen.
In „gesunden“ Kommunikationsprozessen werden diese Regeln intuitiv richtig angewandt.
Pathologische / krankhafte Kommunikationsprozesse zeichnen sich dadurch aus, dass diese
Regeln gebrochen und nicht flexibel genug angewandt werden.
Die wesentliche Funktion der Axiome besteht für den Psychotherapeuten Watzlawick darin,
ein Instrumentarium zu entwickeln, das es ihm erlaubt, pathologische Krankheitsbilder von
gesunden zu unterscheiden.
Die Ebenen des Inhalts- und Beziehungsaspekt der Kommunikation
Die Vorstellung von zwei Ebenen, die übereinander liegen, legt den Gedanken nahe, dass
bei einem hierarchisch angeordneten Verhältnis von zwei Ebenen die eine Ebene die andere
Ebene bestimmt.
Zum 2. Axiom: Metakommunikation
Kommunikationsprozesse nach W. sind zeichenproduzierende Prozesse. Was meint er
damit?
Drei Grundbegriffe der Semiotik und ihre Verwendung bei Watzlawick
Syntatik – „Informationsübertragung“
Semantik – „Symboldeutung“
Pragmatik – „praktische Verhaltensbeeinflussung“
Kommunikationsprozesse nach Watzlawick sind Zeichen produzierende Prozesse, die
menschliches Verhalten beeinflussen, auf menschliches Verhalten einwirken und es zu
verändern trachten.
Wie beschreibt W. das Problem des Verhältnisses von Beziehungs- und Inhaltsaspekt?
Der Inhalts- und der Beziehungsaspekt der Kommunikation:
Kommunikationsprozesse sind zum einen Informations-prozesse und zum anderen können
sie das Verhalten der Adressaten von Kommunikationsprozessen verändern.
Watzlawick nennt den ersten Gesichtspunkt den Inhaltsaspekt der Kommunikation
(content aspect),und den zweiten Gesichtspunkt den Beziehungsaspekt der
Kommunikation (relationship apect).
Die soziale Beziehungsdimension sagt aus, wie der Sprecher seine Beziehung zu dem
anderen sieht und interpretiert.
Watzlawick hat die sprachliche Darstellung von Beziehungsproblemen tendenziell wie im
realen Leben vernachlässigt:
Wenn Kommunikationsprobleme im Alltag beobachtet werden, werden diese
Beziehungsprobleme oft nicht thematisiert und es wird sich hinter vorgeblichen
Inhaltsproblemen versteckt.
Häufig setzen wir geistig-mimische Mittel und die Möglichkeit der Körpersprache ein, um
Beziehungen sichtbar werden zu lassen.
Eine Theorie der sprachlichen Formen jedoch, die verwendet werden, um soziale
Beziehungen aufzubauen legt Watzlawick nicht vor.
Welches Problem taucht dabei auf?
Problem des Verhältnisses von Beziehungs- und Inhaltsaspekt:
Um sich diesem schwierigen Problem zu nähern, verwenden Watzlawick, Beavin und
Jackson eine Analogie und vergleichen das Verhältnis zwischen dem Beziehungsaspekt und
dem Inhaltsaspekt mit inhaltlichen Daten und dem Gebrauch von Daten durch einen
Computer:
Der Inhaltsaspekt vermittelt die Daten, der Beziehungsaspekt weist an, wie diese Daten
aufzufassen sind.
Was versteht man unter dem Begriff der Metakommunikation?
Definition von Metakommunikation:
Ist Kommunikation über Kommunikation, sie wendet sich reflexiv, also metakommunikativ auf
den Kommunikationsprozess zurück. So sind auch Beziehungsdefinitionen das Ergebnis von
metakommunikativen Prozessen.
•
•
•
•
•
•
•
•
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Watzlawick nicht einfach unterstellt, dass
seine Axiome gültig sind.
Watzlawick stellt die These auf, dass die Beziehungsdimension die inhaltlichen
Daten, die über Kommunikationsprozesse weitergegeben werden „klassifiziert“. Dies
bedeutet, die inhaltlichen Daten werden in Klassen oder in Kontexte eingeordnet und
insofern „bestimmt“.
Wenn die untere Ebene der Datenübermittlung als Kommunikationsprozess
betrachtet wirt, dann muss die obere Ebene, die festlegt, wie die Daten sozial verortet
werden, als eine metakommunikative Ebene bezeichnet werden.
Metakommunikation ist nämlich Kommunikation über Kommunikation und wendet
sich reflexiv, eben metakommunikativ, auf den Kommunikationsprozess zurück.
Beziehungsdefinitionen sind nach Watzlawick insofern das Ergebnis von
metakommunikativen Prozessen.
Watzlawick sagt deutlich, dass inhaltliche Informationen nur sinnvoll werden, wenn
man sich vorstellt, dass sie in räumliche und soziale Kontexte eingebettet werden.
Morris und Watzlawick unterstellen dass Zeichen nur verwendet und verstanden
werden können, wenn sie in Kontexten aller Art und vor allem in sozialen Kontexten
verortet werden.
Richtig ist, dass Watzlawick nicht untersucht, wie die verbale Sprache die
menschliche Beziehungsdimension darstellt.
Gehen Sie auf die Rolle der Sprache und des sozialen Umfeldes ein!
•
•
•
•
Sehr zentral werden von Watzlawick die nonverbalen Anteile der Sprache und damit
der Kommunikation behandelt.
Die Pragmatische Dimension der Kommunikation macht sichtbar, wie Inhalte, in
soziale und räumliche Kontexte eingebettet werden und auf diesem Weg sozial und
erzieherisch bedeutsam werden, wie Dewey in allen seinen Schriften zeigt.
Die behavioristische Interpretation von Pragmatik der Kommunikation zeigt, wie
Zeichen das praktische Verhalten von Zeichennutzern beeinflussen.
Metakommunikation, also eine Kommunikation über inhaltliche Kommunikation ist
nötig, um soziale Beziehungen aufzubauen.
Welche Kritik erreichte Watzlawick?
1. Vorwurf an Watzlawick: Es gibt neutrale Informationen, die nicht weiter qualifiziert sind:
Antwort/Rechtfertigung:
Inhaltliche Informationen sind nur sinnvoll, wenn sie in räumliche und soziale
Kontexteeingebettet vorgestellt werden.
2. Vorwurf an Watzlawick: Vernachlässigung der sprachlichen Gesamtsituation:
Richtig ist daran, dass er nicht untersucht wie Sprache menschliche Beziehungsdimension
darstellt.
Aber: Es wird der nonverbale Anteil der Sprache/Kommunikation behandelt.
Gehen Sie auf die Leistungen der behavioristischen Theorie ein und schildern Sie die
Weiterentwicklung!
Leistungen der behaviorististischen Interpretation:
- Sie zeigt, wie Zeichen das praktische Verhalten von Zeichennutzern beeinflussen.
- Wegen der Einbettung in räumliche und soziale Kontexte ist eine
Metakommunikation über Kommunikation nötig.
Weiterentwicklung des Behaviorismus:
Was bedeutet die semantische und syntaktische Kommunikation für
Heranwachsende?
Der Pragmatismus macht deutlich, dass Sachaussagen in reale gesellschaftliche und
soziale Situationen eingebettet sein müssen, wenn sie gesellschaftlich bedeutsam werden
sollen.
Die soziale Bedeutsamkeit von Inhalten setzt reflexive Prozesse voraus, also
metakommunikative Prozesse.
3.) Vergleichen Sie Watzlawicks mit Searles Ansichten!
Watzlawick schreibt:
- Beobachter zwischenmenschlicher Beziehungen = in selben Lage, wie jemand, der einem Schachspiel zusieht
ohne die Regeln und den Sinn zu kennen und ohne mit den Spielern zu reden
- Nach längerer Beobachtung kann er Regeln formulieren
Searle greift dies auf und schreibt ergänzend:
„Wir sind in der Lage dessen, der Schachspielen gelernt hat, ohne sich je die
Regeln bewusst gemacht zu haben.“
Watzlawick= positivistisch, behavioristisch
- Verlass allein auf Beobachtung von externen Standpunkt
- Minimale Befragung und Ausschluss Introspektion
Searle= Sprechakttheoretiker
- Nicht behavioristische Sprechakttheorie; lassen auch hermeneutische und phänomenologische Methoden zu
- Intuitiven Erkenntnisse des Sprechers (in Muttersprache) im Vordergrund
- Geht von intuitiven Wissen der Sprecher um die Regeln der Sprache aus
- Ziel: Regelhaftigkeiten entdecken, die Aufbau von Sprechakten bestimmen
Watzlawicks Ansicht nach, kann man Kommunikation durch Beobachten erklären und
verstehen. Searle sieht dies anders, er geht davon aus, dass wir die Kommunikationsregeln
implizit bereits wissen und wir lernen können, damit umzugehen. (vgl. Schachspielen)
Der Beobachter, dem die Regeln nicht bekannt sind, ist nach Beobachtung einer Reihe von
Partien in der Lage, die Regeln mit weitgehender Genauigkeit zu formulieren – dies ist ihm
ohne Befragung möglich!
- Searle setzt großes Vertrauen in die intuitiven Erkenntnisse des Sprechers, soweit er seine
Muttersprache spricht
- A./S. gehen von einem intuitiven Wissen der Sprecher um die Regeln der Sprache aus und
verfolgen das Ziel, Regelhaftigkeiten zu entdecken, die den Aufbau von Sprechakten
bestimmen
- Im Gegensatz zu Watzlawick  behavioristisch; A./S. lassen in ihrer Sprechakttheorie nur
hermeneutische und phänomenologische Methoden zu
Erläutern Sie das Zustandekommen möglicher Regeln des Sprachgebrauchs und deren
Funktion!
Mögliche Regeln des Sprachgebrauchs und deren Funktion:
- Sprechakte eingeteilt in verschiedene Klassen von Sprechhandlungen; Zugehörigkeit einer
konkreten Sprechhandlung zu einer bestimmten Klasse könnte sicher dargelegt werden
- Regelwerk wäre vorteilhaft bei Bewältigung alltäglicher und wissenschaftlicher Probleme
- Erst Universalpragmatik Habermas‘ gelingt es universal gültige Regeln der kommunikativen
Handlungen zu formulieren
Nennen Sie die Stadien der Sprechakttheorie von Austin und deren Weiterentwicklung nach
Searle.
Erstes Stadium:
Sprechen als Handeln, welches in soziale Situationen eingebettet ist
Konstatierende Aussagen  berichten und beschreiben mit Hilfe von sprachlichen Lauten
Sachverhalte in der Welt
Performative Aussagen  gehen mit einer sozialen Handlung einher
Zweites Stadium
Durch Einsicht über den praktischen und sozialen Handlungszusammenhang werden die
beiden ersten Begriffe abgelöst
Konstatierend  lokutive Akte
Performativ  illokutive Akte
= aus ihnen entsteht eine Sprechhandlung (durch lokutiven Part wird illokutive Akte
aufgebaut, ein sozialer Kontext entsteht)
Weiterentwicklung nach Searle
 illokutiven Sprechhandlungen liegt illokutive Kraft zugrunde
 illokutive Kraft drückt Aufforderungscharakter der Sprechakte aus, welche ganz von der
„sozialen Rolle“ zueinander beeinflusst werden
 sie wird entweder explizit oder implizit ausgedrückt
 illokutive Komponenten geben die soziale Verbindlichkeit einer lokutiven Aussage vor
 nach Searle sind die lokutiven Komponenten von Sprechhandlungen „propositional“
 lokutive Aussagen können nach ihm als wahr oder falsch gelten
 illokutive Aussagen hingegen als gelungen oder misslungen
Gehen Sie auf die illokutive Kraft ein!
- illokutiven Sprechhandlungen liege (nach Austin, Searle, Wunderlich, Habermas) ein „kommunikativer
Einfluss“/illokutive Kraft zugrunde („illocutionary force“)
Bsp.:
Vater und Tochter sitzen in einem Raum, jeder ist mit etwas beschäftigt bis Vater Tochter auffordert, das Fenster
zu schließen.
Mögliche Aufforderung sind im Kapitel zu finden.
- traditionelle Linguistik versucht mittels syntaktischer Analyse der illokutiven Kraft auf die Spur zu kommen
Fragesätze: z.B. „Machst du mal das Fenster zu?“
Aussagesätze: z.B. „Ich denke du solltest mal das Fenster zu machen.“
Ausrufesätze: z.B. „ Es zieht!“
- traditioneller Linguistik gelingt damit nicht, jene illokutive Kraft auszudrücken
- Aufforderungen sind Sprechakte (eingebettet in soziale Situation) und keine bloßen theoretischen Sachverhalte
- in Praxis lässt sich illokutive Kraft leicht nachweisen:
- Vater erwartet, dass sein Satz von Tochter als Aufforderung verstanden wird und sie dieser nachkommt
- wirkt auf Tochter, wird von ihr verstanden und akzeptiert (sie schließt das Fenster)
- in diesem Fall ist illokutive Kraft = Aufforderungscharakter der Sprechakte des Vaters
- reine syntaktische (Syntax= Lehre des Satzes) oder semantische (Semantik= Lehre der Bedeutung der Zeichen)
Analyse reicht nicht um ganzheitlichen Charakter zu enthüllen
- erst mit pragmatischer Ebene (sozialer Kontext; Beziehungsebene) möglich
Inhalt des sozialen Kontextes:
- eingenommene Rollen der beteiligten Personen, Interaktionsformen innerhalb des Systems
- Rollen- und Sprachhandeln = bestimmt durch Normen- und Wertesystem beides bestimmt das soziale Feld 5
Bettina Kietzmann
- Austin/Searle entwickelten Kategorien und analysierten Typen von Sprechakten, die aus lokutiven und
illokutiven Aspekt bestehen
- Kernstück der Sprechakttheorie= Frage nach illokutiven Dimension
- Illokutive Kraft = abhängig vom Wertesystem des jeweiligen sozialen Feldes
- daher 2 Möglichkeiten:
1. illokutive Kraft wird direkt (explizit) im illokutiven Aspekt des Sprechaktes ausformuliert (durch illokutive Verben)
2. indirekter (impliziter) Bezug auf illokutive Kraft des sozialen Feldes (sprachlich nicht zwingend notwendig)
2. ist der Fall, wenn Rollen und Gesetze im System (z.B. Familie) klar verteilt sind. In dem Falle muss nicht
explizit die Rollenstruktur zur Sprache kommen.
Illokutive Aspekte einer Äußerung bestimmen soziale Verbindlichkeit eines lokutiven Aspekts.
Bsp.: Wenn ein Lehrer Schüler um etwas bittet, werden diese die Bitte richtig als Aufforderung interpretieren.
Austin:
Explizite Sprechakt= illokutiv + lokutiv
Searl:
Sieht das ebenfalls so, ergänzt aber:
Lokutive Aspekt heißt bei ihm propositionaler Bestandteil
nach Austin/Searle/Wunderlich und Habermas liegt den illokutiven Sprechhandlungen ein
kommunikativer Einfluss – illokutive Kraft zugrunde.
Zur Verdeutlichung der „illokutiven Kraft“ ein Beispiel von Wunderlich:
Der Vater fordert Monika (Tochter) auf, das Fenster zu schließen. „Hier sind nun
verschiedene Möglichkeiten der Beantwortung in Form von z.B. Fragesätzen,
Aussagesätzen oder Ausrufesätzen denkbar“ – S 30
In der Praxis lässt sich die „illokutive Kraft“ nun leicht dahingehend nachweisen, dass
Monikas Vater „erwartet“, dass Monika seine Äußerung als Aufforderung versteht und der
Aufforderung nachkommt; sie wirkt auf Monika ein, wird von ihr verstanden und was noch
wichtiger ist, sie wird von ihr akzeptiert!  und Monika steht auf und schließt das Fenster
- damit ist die illokutive Kraft in diesem Fall der Aufforderungscharakter der Sprechakte, die
vom Vater geäußert werden
 für die pragmatische Dimension spielt hier der „soziale Kontext“ eine Rolle, in der die
Position des Vaters gegenüber seiner Tochter verankert ist; dazu gehören auch die die
Rollen und Positionen der handelnden Personen, ebenso wie die Interaktionsformen, die
sich im Alltag dieser Familie eingeschliffen haben und zur Routine geworden sind.
- das Rollen- und das Sprachhandeln wird durch das Normen- und Wertesystem bestimmt
und ist konstitutiv für das soziale Umfeld
A./S. haben nun Kategorien entwickelt und die „typische Standardform von Sprechakten“
analysiert, die aus einem lokutiven und einem illokutiven Bestandteil besteht
 Kernstück der Sprechakttheorie ist die Frage nach der illokutiven Dimension von
Sprechakten
- da die „illokutive Kraft“ von Sprechhandlungen von dem sozialen Normenhorizont des
jeweiligen Praxisfeldes abhängig ist, geht die Sprechakttheorie von zwei unterscheidenden
Möglichkeiten aus
- Entweder die „illokutive Kraft“ wird im illokutiven Bestandteil des Sprechaktes explizit
ausformuliert und mit Hilfe von performativen bzw. illokutiven Verben sprachlich differenziert
dargestellt
- oder die Sprechakte nehmen implizit und indirekt Bezug auf die „illokutive Kraft“ des
sozialen Praxisfeldes und weisen mehr oder weniger verdeckt auf die „illokutive Kraft“ jener
Dimension hin; hier ist es gar möglich, dass die illokutiven Komponenten von Sprechakten
sprachlich überhaupt nicht in Erscheinung treten.
- Ursache: Die Beteiligten wissen im Regelfall, welche Rollen und welche sozialen Positionen
die Gesprächspartner innehaben und welche Rechte und Pflichten mit diesen
Rollen/Positionen verbunden sind, daher ist es oft nicht nötig, explizit die Rollenstruktur eines
Gesprächs anzusprechen
 Illokutive Komponenten von Sprechakten sind Äußerungen, welche die soziale
Verbindlichkeit einer lokutiven Aussage (bemerkender/auffordernder Sachverhalt)
bestimmen
- ist der Grad an sozialer Verbindlichkeit von der sozialen Situation abzulesen, muss er nicht
sprachlich artikuliert werden und ist dennoch als spürbare soziale Realität präsent;
Beispiel: Schüler wissen z.B. das Herr X in der Schule Y ein Lehrer ist, der mit bestimmten
Befugnissen ausgestattet ist; sie interpretieren eine „höfliche Bitte“ richtig und angemessen,
wenn sie davon ausgehen, dass es sich eigentlich um eine unmissverständliche
Aufforderung handelt, der man nicht ausweichen kann
- nach Austin setzt sich der „explizite“ Sprechakt aus dem illokutiven und dem lokutiven
Bestandteil zusammen; Searle übernimmt diese Terminologie jedoch mit einer Ausnahme:
 Searle nennt die lokutive Komponente der Sprechhandlung „propositionaler“
Bestandteil
Unterscheiden Sie konstative von den performativen Sprechakten! (erstes Stadium)
1. Lösungsansatz:
Traditionelle Linguistik- geschriebene Sprache (Struktur und Bedeutung)
Pragmatische Linguistik
- gesprochene Sprache (Sprechakttheorie)
- Sprechen als Handlung, eigebettet in soziale Situationen
- nicht Wörter, sondern Sprechakte als kleinste Einheiten sprachlicher Kommunikation (Sprechakt= Grundeinheit + soziale
Situation, die ihn verstehbar macht)
früher Austin:
- Unterschied zwischen performativen und konstatierenden Sprechakten (Äußerungen)
- Konstatierend= lange bekannt, keine Handlung
- Performativ= von Austin entdeckt, „to perform an act“ (eine Handlung vollziehen); performative Äußerung geht einher mit
sozialer Handlung
Beispiel:
Äußerung: „Mein Onkel ist gestern gestorben.“
- vorerst keine soziale Handlung erkennbar (also konstatierende Äußerung)
über Lautzeichen vermitteltes sachliches Ereignis
- konstatierende Äußerungen = Teile bloßer Zeichenprozesse, die Inhaltsaspekt ausdrücken
Äußerung: „mein Onkel ist gestern gestorben und deshalb konnte ich nicht kommen.“
- 2 konstatierende Äußerungen, die sozialen Aspekt einer Entschuldigung ansprechen performativ
- Gegenüber interpretiert Äußerung als sozialen Akt der Entschuldigung für ein Versäumnis (= Teil eines sozialen
Handlungszusammenhangs; beide sind beteiligt)
2. Lösungsansatz:
Die Sprechakttheorie las pragmatische Linguistik rückt die gesprochene Sprache in den
Mittelpunkt und interpretiert „das Sprechen als ein Handeln, das in soziale Situationen
eingebettet“ ist
- für A./S. sind die „Sprechakte“ (nicht die Wörter!) die grundlegenden/kleinsten Einheiten der
sprachlichen Kommunikation
- der konkrete Sprechakt wird als Grundeinheit der sprachlichen Kommunikation betrachtet,
der ohne situativen Kontext, in dem gesprochen wird, nicht verständlich ist.
- Konstatierende (bemerkende) Aussagen berichten und beschreiben mit Hilfe von
sprachlichen Lauten Sachverhalte in der Welt (können NICHT als Handlungen
bezeichnet werden)
- performative (handlungsvollziehende) Äußerungen/Aussagen gehen zugleich
einher mit einer sozialen Handlung
Beispiel:
Konstatierende Aussage – „Mein Onkel ist gestern gestorben“ (sagt ein Sprecher zu
seinem Freund, der neben ihm im Wagen sitzt); es scheint keine soziale Handlung zwischen
den beiden vorzuliegen
 Konstatierende Aussagen sind Teile bloßer Zeichenprozesse, die nur
Inhaltsdimensionen/Inhaltsaspekte zum Ausdruck bringen
Performative Aussage – „Mein Onkel ist gestern gestorben und deshalb konnte ich nicht
kommen.“ ; nun zwei konstatierende Äußerungen, die implizit die soziale Dimension einer
Entschuldigung ansprechen
- der Freund des Sprechers kennt den sprachlichen und sozialen Kontext  Interpretation
dann als sozialen Akt der Entschuldigung für ein Versäumnis = sozialer
Handlungszusammenhang, an dem beide beteiligt sind.
- Austin ging hier von einer strikten Trennung aus, wobei noch anzumerken ist, dass
performativ einhergeht mit einer sozialen Handlung (ist also über sozialen
Handlungszusammenhängen angesiedelt)
Unterscheiden Sie die zwei Möglichkeiten der „illokutiven Kraft“ von Sprechhandlungen!
Nach welchen Kriterien (nach Austin) kann man lokutive Äußerungen von illokutiven
Handlungen zweifelsfrei unterscheiden? (2.Stadium)
Erster Lösungsansatz:
Spätwerk Austins 1962 “How to do things with words“
„Zur Theorie der Sprechakte“
- weg von idealistischen Tradition (konstatierende Äußerungen=bloße theoretische Zeichenprozesse ÜBER
sozialen Handlungen)
- Neue Begriffe: ersetzt konstatierende und performative Äußerungen mit lokutiven und illokutiven Akten+
perlokutive Akte
- Grund: sämtliche Äußerungen sind Sprechakte,- handlungen
performativ Illokutiv
konstatierend lokutiv
- frühere konstatierende Akte durch illokutive Akte in soziale Handlungen eingebettet lokutiv!
- eigentlich sind lokutiv und illokutiv nicht getrennt zu betrachten: eher als Aspekte einer konkreten
Sprechhandlung
Semiotik geht davon aus:
- dass Kommunikationsprozesse= Zeichenprozesse = Interaktionsprozesse
Pragmatische Linguistik (Sprechakttheorie):
- Kommunikationsprozesse laufen innerhalb sozialer Beziehungen ab
- illokutiver Aspekt sorgt dafür, dass Beziehungen auf- bzw. abgebaut werden
- Kommunikationsprozesse= Interaktionsprozesse/ Sprechhandlungen
Zweiter Lösungsansatz:
1962 Buch von Austin mit dem Titel „Wie man mit Worten Dinge tut“; hier neue Begriffe
„lokutive“ und „illokutive“ Akte, welche konstativ und performativ ersetzen
- Notwendigkeit der neuen Termini durch Einsicht über den praktischen und sozialen
Handlungszusammenhang beider
(konstatierend)  „lokutive Akte“ und (performativ)  „illokutive Akte“
- Austin geht nun davon aus, dass illokative Akte „in“ ein soziales Gefüge eingebettet sind,
der sich aus dem Gefüge ergebende Akt – die Handlung – ist dann lokativ
insgesamt ergeben sie "eine" konkrete Sprechhandlung
(illokutiv = die Eigenschaft des Teils des Sprechaktes, der beschreibt, welche Absicht der
Sprecher mit seiner Äußerung verfolgt)
- deshalb dürfen illokutive Handlungen und die ihnen zugeordneten lokutiven Akte nicht als
getrennte Handlungen interpretiert werden, sie müssen nun als „Aspekte“ jeweils einer
konkreten Sprechhandlung begriffen werden
- in der Sprechakttheorie geht man davon aus, dass Kommunikationsprozesse, die in
sozialen Situationen ablaufen, dass deren illokutiver Anteil dafür sorgt, dass soziale
Beziehungen auf- bzw. abgebaut werden  damit sind sie Interaktionsprozesse bzw.
Sprechhandlungen
Schildern Sie den Zusammenhang von der Beziehungs- und der Inhaltsdimension!
Explizit differenzierte Sprechakte in der deutschen Sprache als folgende Standardform:
Beziehungsdimension
Ich … illokutives Verb … dich,
nach Austin und Searle
Inhaltsdimension
dass …
nach Austin
illokutive Komponente
(performativ)
lokutive Komponente
(konstativ)
nach Searle
propositionale Komponente
Implizite Form eines Sprechaktes: „Michaela, vergiss nicht, die Fische zu füttern.“
Entsprechende Explizite Standardform übersetzt nach Austin:
- Ich, „dein Vater“, fordere dich, „meine Tochter“, auf, - illokutive Komponente
Entsprechende Explizite Standardform übersetzt nach Searle:
- dass du die Fische fütterst. – propositionale Komponente
- Austin suchte nun nach Kriterien, die helfen, performative/illokutive von
konstatierenden/lokutiven Äußerungen zweifelsfrei zu unterscheiden;
 danach sind konstatierende/lokutive Äußerungen wahr oder falsch
 die performativen/illokutiven Äußerungen können jedoch niemals wahr oder falsch sein,
sondern haben eine eigene Funktion; diese kann dann beurteilt werden, als geglückt
(gelingt) oder missglückt (misslingt)
 lokutive Äußerungen sind wahr oder falsch
 illokutive Handlungen gelingen oder misslingen
- der Sprechakt des Vaters gelingt, wenn Monika die Äußerung des Vaters versteht, die
angebotene und bestehende Beziehung akzeptiert und die Aufforderung dann auch ausführt
- wird diese Aufforderung von ihr nicht angenommen, dann misslingt dieser Sprechakt und
bricht zusammen
Klassifizieren Sie zudem die illokutiven Akte nach Searle!
- Habermas entwickelt diese weiter
- Searle unterscheidet illokutive Akte in 5 Teilaspekte einer Sprechhandlung:
1. Assertive:
- assertive Äußerungen, lassen sich in wahr und falsch beurteilen
- z.B. Behauptungen, Explikationen, Klassifikation, Diagnosen, Beschreibungen
2. Direktive:
- illokutive Absicht = Sprecher versucht mit illokutiven Aspekt etwas zu tun
- z.B. Anordnung, Befehle, Bitten, Weisungen, Gebete, Anträge, Ratschläge
3. Kommissive:
- illokutive Absicht= Hinlenkung auf zukünftigen Verlauf
- z.B. Versprechen, Drohung, Wetten, Verträge, Garantien
4. Expressive:
- illokutive Absicht= psychische Einstellung zum Sachaspekt direkt ausdrücken
(propositionaler Inhalt)
- z.B. Danksagung, Beileid, Klagen, Willkommensheißungen
5. Deklarative:
- illokutive Handlungen erfordern Institutionen wie Kirche, Gesetz, Staat, Schule, Privat
z.B. exkommunizieren, erklären, Trauung, abdanken, Kündigung, Entlassung
Habermas bezieht sich in Universalpragmatik auf Kriterien der Sprechakte von Searle.
Relevanz für pädagogische Kommunikationsprozesse:
1.malig gelungen, sprachliche Mittel einzukreisen; diese Mittel machen unsere Beziehungen
aus und bauen sie auf
Warum ist diese „Theorie der Sprechakte“ für „pädagogische Kommunikationsprozesse“ so
relevant?
 für pädagogische Kommunikationsprozesse ist die Theorie der Sprechakte dahin gehend
relevant, dass es hier erstmals gelungen ist, sprachliche Mittel einzukreisen und zu
identifizieren, mit deren Hilfe wir soziale Beziehungen aufbauen
4.) Habermas
5.) Dewey
Was versteht man unter dem Begriff Okkupation? Wie nutzte Dewey diese Kenntnis und
welches Ziel verfolgte er?
Okkupation = „fundamentale Tätigkeiten im Leben“
- Okkupationen sind Tätigkeiten, die konkrete Erfahrungen erzeugen
- praktische Arbeit, theoretische Reflexion und sprachliche Kommunikation sind
Äußerungsformen des menschlichen Lebens
- damit sich vielfältige Qualitäten des menschlichen Lebens
(produktiv/emotional/sozial/sprachlich/ethisch/kognitiv) entwickeln können, muss das
physische Fundament des Menschen gesichert werden
D. so die pragmatischste Übersetzung, versteht unter Okkupation eine Art von Aktivität, die
das Kind ausführt und die eine Form von Arbeit reproduziert, die im Leben der Gesellschaft
(meint außerhalb von Schule) ihren Ort hat.
Kochen, nähen und Holzarbeiten sind berufliche Tätigkeiten (Okkupationen), die
Erwachsene außerhalb der Laborschule in gesellschaftlichen Berufsfeldern ausüben,
- diese werden in der Laborschule reproduziert, sie spiegeln das Kriterium der
Fundamentalität wieder, und dienen daher als sinnvolle, nicht entfremdete u. überschaubare
Tätigkeiten der Laborschule als Vorbild
- die schulischen Okkupationen werden dabei von allem ökonomischen Stress befreit; es ist
nicht der ökonomische Wert der Produkte, sondern die Entwicklung von sozialer Kompetenz
und Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge das Ziel
- die genannten berufl. Tätigkeiten verlieren ihre Ausbildungsfunktion und dienen als
allgemeine Menschenbildung; so kann das Ziel der Allgemeinbildung auf Basis
fundamentaler Tätigkeiten erreicht werden
 von den primären Feldern aus werden die sekundären Felder erschlossen – es sollen
keine Berufe (Bäcker, Schlosser) sondern praktisch-theoretisch gebildete Menschen
ausgebildet werden;
- diese sollen in Prozessen forschenden Lernens soziale Kompetenz erlernt haben; sie
sollen das Lernen des Lernens gelernt haben, das sich ein Leben lang als nützliches Lernen
erweisen wird
Welche Grundbedürfnisse müssen erfüllt sein, so dass Bildung überhaupt funktionieren kann
bzw. sich ein Mensch darauf einlassen kann?
nach Dewey braucht der menschl. Organismus die Erfüllung von zunächst 3 fundamentalen
Bedürfnissen (primär)
1. Nahrung (food)
2. Kleidung (clothing)
3. eine Wohnung (housing)
Wie war seine Laborschule aufgebaut und welchen Zweck verfolgte das Konzept?
Das Konzept der Laborschule macht deutlich, wie die Produktionsprozesse der Schulkinder
an ihre fundamentalen Bedürfnisse an- und nicht abgekoppelt werden!
Deweys Laborschule ist für die Eltern in Felder der primären und sekundären Erfahrung
aufgebaut und verdeutlicht das Konzept, das eben diese (Felder der Erfahrung) in dem
Schulgebäude praktische Gestalt angenommen haben. (Vorstellung als 2-stöckiges Haus)
 In einer älteren Villa in Chicago sind im Erdgeschoss die Räume der praktischen
Tätigkeiten, die jene fundamentalen Bedürfnisse der Menschen befriedigen
- Kitchen for food
- Speisezimmer (dining room)
- Raum für textile Gestaltung zur Kleidungsherstellung (clothing)
- Schulwerkstatt (shop) für das Interesse am Hausbau (housing) Holz- und
Metallwerkstatt
- Und mittig/zentral die Library-Bibliothek
(Dominanz der Holzarbeit gegenüber anderen Arbeitsformen ergibt sich aus dem Kontext
jenes Zeitraumes, in dem Holzhäuser bevorzugt gebaut worden)
 Im Obergeschoss (Felder sekundärer Erfahrung) befinden sich:
- Physical/chemicalLaboratories
- Biological Laboratory
- Art (Kunst)
- Musicroom
- Museum
D. will die praktisch und sozial ausgerichtete Erziehung mit theoretischem Unterricht
verbinden; Erfahrungsfundierung und Wissenschaftsorientierung sollen zusammengeführt
werden; D. braucht dafür ein praktisches Fundament primärer Erfahrung, das mit reflexiver,
theoretischer Erfahrung sekundär angereichert und „gesättigt“ werden kann.
 die im Erdgeschoss ablaufenden praktischen und sozialen Produktionsprozesse nennt D.
„occupations“; sie bauen das Fundament primärer Erfahrung auf (Positiv gefärbt durch die
Settler-Siedler)
Zweck:
D. geht es um eine allgemeine Menschenbildung als Zielvorstellung, die berufl. Fähig- und
Fertigkeiten so in sich aufgenommen hat, dass Berufsbildung und Allgemeinbildung nicht ein
Gegensatz und ein Widerspruch, sondern Synthese darstellen
 die regulative Idee der Demokratie wird als Vision durch kommunikatives Schulleben
verwirklicht; diese regulative Idee fungiert als fernes Richtziel, das in der Lebenswelt nur
teilweise erreicht werden kann
 Ursache nach D. íst hierfür die interessengeleitete, körperlich-organische Befindlichkeit
des Menschen
- die primären Bedürfnisse /Interessen bilden eine Art von Widerlager gegenüber der
regulativen Idee der Gemeinschaft
- eine völlige Auflösung des Individuums ins Gemeinschaftsleben wird niemals möglich sein;
die Einzelinteressen des Menschen, die eine Folge seiner Bedürfnisnatur (inkl. der 3
Bedürfnisarten)sind, werden sich immer wieder durchsetzen
 der relative Gegensatz zwischen den zunächst körperlichen Einzelinteressen und der
sozialen Umwelt des Einzelwesens bleibt erhalten und muss auch ausgehalten werden
 D. strebt dennoch immer wieder danach, dass das Individuum als solches studiert wird,
und das zugleich in Prozessen des erziehenden Unterrichts die soziale Seite der Erziehung
mit der individuellen Seite „koordiniert“ wird
 das Kind muss daher fähig sein, sein eigenes Selbst zum Ausdruck zu bringen, aber auf
solche Weise, dass soziale Ziele verwirklicht werden
- in der Laborschule finden nur solche Handlungen, Inhalte, Operationen und Methoden
Raum, die den Anspruch des Kommunikativen zumindest ein Stück weit erfüllen.
- die außerschulische Gesellschaft wird auf fundamentale Weise in der Laborschule
kommunikativ repräsentiert/reproduziert:
1. durch industriebezogene Werkstatt (shop) m. Holz, Metall, Werkzeug u. kleineren für
Kinder ungefährlichen Maschinen
2. durch textile Produktionsprozesse und Materialkunde
3. durch Nahrungsmittelzubereitung in der Schulküche, die einen forschenden und
lernenden Zugang zur Lebensmittelchemie ermöglicht
4. schließen sich an die Schulküche zwei Speisezimmer an, in denen die Produkte der
Küche das Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme befriedigen
 die zentral angelegte Schulbücherei (library) vertritt die Tradition sekundärer Erfahrung,
sie stellt eine Ansammlung intellektueller Ressourcen bereit, die der praktischen Arbeit
theoretische Bedeutung und allgemeinbildenden Wert verleiht
- die library demonstriert und präsentiert den Theoriezusammenhang praktischer
Okkupationen; sie soll zum Aufstieg von der primären zur sekundären Erfahrung (über
Kommunikations- und Reflexionsprozesse) der Klassengruppe helfen
Welche Wissensformen unterscheidet Dewey?
 der Aufstieg von primären zu sekundären Erfahrungen macht unterschiedliche Formen
wissender Erfahrung notwendig
Dewey unterscheidet:
- Handlungswissen
- Informationswissen
- das wissenschaftliche/rationalisierte Wissen
Welcher Zusammenhang besteht zwischen primärer und sekundärer Erfahrung im Hinblick
auf die Selbstverwirklichung des Einzelnen? Gehen Sie dabei auf Deweys Leitvorstellungen
ein? (Spiel) Zusammenhang von primärer und sekundärer Erfahrung
- primäre Erfahrung wird erst durch Reflexion bedeutsam; das reflektierende Denken
unterscheidet und erkennt Zusammenhänge (auch soziale)
- das Erkennen von Zusammenhängen macht die Einheit von primärer und sekundärer
Erfahrung edukativ (erziehend)
- Unterricht wird zum erziehenden/edukativen Unterricht durch die Entdeckung kognitiver
Zusammenhänge im Kontext primärer Erfahrung
D. Erklärung des Übergangs (p.-s.) mithilfe des Ausdrucksgedankens:
„das heranwachsende Schulkind kommt in seinen materiellen und geistigen Werken zum
„Ausdruck“ (ex-pression); indem es „äußere“ Produkte herstellt, bringt es zugleich sich selbst
hervor und erzeugt, was es zum Menschen macht“
Prozess der Selbstverwirklichung
-in Prozessen der praktischen Arbeit bringt sich das Schulkind selbst hervor, für D. ist es der
„Motor“ seiner Identitätsfindung; die Produkte seiner praktischen Tätigkeit sind „Ausdruck“
seines sich entwickelnden Könnens; die praktischen Produktionsprozesse wirken auf das
Selbst des S.-Kindes zurück und lassen Fähigkeiten und Fertigkeiten entstehen.
Bsp.: während das Kind eine Tischplatte herstellt, entwickeln sich seine handwerklichen
Fähigkeiten und Fertigkeiten
 Durchhaltevermögen, genaues und sauberes Arbeiten, Verlässlichkeit u.
Verantwortungsbereitschaft sind Erziehungsziele, die durch okkupationale Arbeit realisiert
werden können.
- die Lehrer der Grundschulklassen an der Laborschule haben stets versucht, okkupationale
Arbeitsprozesse spielerisch zu gestalten; Elemente von Arbeit, die als belastend empfunden
werden, können niemals vollständig ausgeschaltet werden; S.-Kinder müssen auch lernen,
streckenweise Arbeit als Plage zu ertragen.
 D. Leitvorstellung: Vereinigung der Prinzipien des lustbetonten freien Spiels mit der auf
Zwecke hin ausgerichteten, sinnvollen Arbeit im Modell des „Ausdrucks“
(Ausdruck-expression, vereinigt die Ideen, in der das Selbst/Ich-Identität sichtbar wird und
auf diese Weise frei ist *Prinzip des Spiels* sowie dem vollständigen Einsatz aller
körperlichen Energien *Prinzip der Arbeit*)
- D. sagt, das Selbst oder die Ich-Identität der S.-Kinder manifestiert sich in ihren
Handlungsplänen; ein Reflexionsprozess ermöglicht ihnen dann, sich in den
Handlungsplänen wieder zu entdecken/ zu erkennen  dieser Prozess der kooperativen
Identitätsbildung darf aber nicht nur als geistige Selbstwerdung verkürzt interpretiert werden!
 Nach D. kommt es darauf an, das die Ergebnisse kognitiver Prozesse so gestaltet
werden, das sie wirkliche Handlungspläne und damit in konkreten Situationen realisierbar
sind
 dadurch wird ein Stück sekundäre Erfahrung in primäre Erfahrung verwandelt!
Der kognitive Prozess wird zum dynamischen Prozess, bei dem die praktische
Selbstverwirklichung eine soziale Situation voraussetzt:
-
-
für den Lehrer ist das hergestellte Produkt, in das theoretisches Wissen
und praktisches Können eingeflossen ist, das aufgeschlagene Buch der
Persönlichkeit jenes Kindes
anders formuliert: theoretische u. praktische Dimensionen des Produktes
sind sichtbarer Ausdruck der Ich-Identität des Kindes
Welche Gefahr besteht bei Nichtbeachtung der beiden Erfahrungsformen?
- Ein Beispiel für den Zusammenhang zwischen außerschulischer gesellschaftlicher Arbeit
und den schulische Okkupationen:
„Handwerker aus der näheren Umgebung bereiten Materialien für die Schulwerkstätten vor
und sorgen für handhabbare Größen, die den körperlichen Möglichkeiten der Schulkinder
angepasst sind. Die Schulkinder berechnen nun die tatsächlichen Arbeitslöhne, die den
Handwerkern ausgezahlt werden.“
- Werden die Beziehungen zwischen den Feldern (primär und sekundäre Erfahrungen) nicht
nicht beachtet/weiterentwickelt, besteht die Gefahr der Trennung von praktischem und
theoretischem Unterricht
- Hier besteht dann die Gefahr, das sich beide Formen selbst genügen/existieren; aktivistisch
orientierter Unterricht könnte neben einem wissenschaftlich orientierten theoretischen
Unterricht durchgeführt werden = Fehlentwicklung
Was kennzeichnet die direkten und die indirekten Modi?
Gemäß dem Organisationsplan der Laborschule, unterscheidet D. die „praktisch
konstruktive“ und die „theoretische“ Arbeit; diese entsprechen zwei Arten von „Expression“ –
(Ausdruckshandlungen)
- sie entsprechen den direkten Modi der Exp. Und der indirekten Modi der Exp.
Wichtig: - die direkten und die abgeleiteten (indirekten) Modi der Exp. treten immer in
einheitlichem Zusammenhang auf und stellen sich „zugleich“ dar!
 in einem hergestellten Produkt z.B. einem Holzkästchen, kommen die praktischen
und theoretischen Tätigkeiten der Schulkinder „gleichermaßen“ zum Ausdruck
- direkte Modi = praktische Handlungsprozesse und ihr Produkt, in denen der
praktisch Handelnde unmittelbar und direkt zum Ausdruck kommt (praktische Fertigund Fähigkeiten werden gleichsam sichtbar)
- indirekte Modi = abgeleitete Modi der Exp (theoretische Tätigkeiten); hier kommt der
Handelnde nur vermittelt zum Ausdruck; kognitive, reflexive und kommunikative
Prozesse gehören nicht zum Fundament der primären praktischen Handlungen,
sondern hängen als Funktion von der praktischen Handlung ab
Was versteht man unter dem Pragmatismus? Gehen Sie auf den Dreiklang von PraxisTheorie-Praxis ein!
Im Kontext des Pragmatismus wird deutlich, dass die Praxis als Primat vor der Theorie
kommt; Gang/Reihenfolge der Argumentation im Pragmatismus:
1. Praxis und deren praktische Handlungen
2. von der Praxis zur Theorie als abgeleiteter Modus
3. Frage von der Bedeutung der Theorie für die Praxis
= Dreiklang von PRAXIS – THEORIE - PRAXIS
Wissenschaftliche Fragestellungen sind im Kontext des Pragmatismus aus der Praxis heraus
zu entwickeln!
D.: Der wesentliche Gesichtspunkt in der Psychologie der Okkupationen ist darin zu sehen,
dass die Okkupationen eine Balance halten zwischen den intellektuellen und den praktischen
Phasen der Erfahrung. (daher darf keine Seite verkürzt werden!)
- Öffentlichkeit bezeichnete D. Interaktionspädagogik als „learning by doing“, er hielt jedoch
wenig davon; diese Formel würde gegen das pädagogische Prinzip, erziehender Unterricht
darf keine Seite bevorzugen“ verstossen
 erziehender Unterricht verbindet nämlich die eher theorieorientierte Kommunikation mit
der praxisorientierten Interaktion zu einem einheitlichen Gefüge = kommunikative
Interaktionspädagogik
Hinsichtlich der letzten Frage spielen die abgeleiteten Modi eine Rolle! Gehen Sie darauf ein!
in Verbindung mit den abgeleiteten Modi der Exp., führen die direkten Modi:
1. zu den Naturwissenschaften (sciene), hier dem Studium des Materials
(Wissen) für Prozesse, die zur Produktherstellung mithilfe von Material und
ebenfalls solches Material (Wissen) das zur Überwachung (controlled) der
Prozesse zur Produktherstellung benötigt wird
2. zum Studium der Kultur (culture), den Geisteswissenschaften
 für eben jene natur- und geisteswissenschaftlich orientierte Fragen und Probleme steht im
Erdgeschoss die Schulbibliothek zur Verfügung; im oberen Teil der Schule geht diese in ein
Museum über; diese stellt neben der geschichtlichen Entwicklung der Menschengattung und
anderer Formen, die des tierischen und pflanzlichen Lebens praktisch und theoretisch sowie
natur- und geisteswissenschaftlich dar (jedoch nie ganz in der Zielplanung realisiert –
fehlende Finanzen!)
Wie ist es nun aber möglich, das der Heranwachsende bei all dem, ganz bei sich sein kann?:
D.:  durch „zwecksetzende“ Aktivität!; er deutet auf den Mittel-Zweck-Zusammenhang und
betrachtet Handlungspläne als Zwecke, die als Handlungsziele über die Mittel von praktischtheoretischen Tätigkeiten realisiert werden  durch Handlungspläne, die das Kind als Zweck
selbst setzt, ist es in den Tätigkeiten/Prozessen seiner Arbeit und in den Produkten seiner
Tätigkeit ganz bei sich selbst; die Prozesse seiner Tätigkeit setzt er als Mittel ein, um seine
Zwecke zu verwirklichen.
 Weil die Ich-Identität (der innerste Kern) primäre Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung etc.
sowie der Erhalt und die Weiterentwicklung des Lebens sind/hat, verwirklicht, befriedigt und
erfüllt es seine primären Bedürfnisse über seine Tätigkeiten
 indem er diese praktisch-theoretischen Handlungen ausführt, verwirklicht er sich selbst
und entwickelt seine Ich-Identität in Prozessen praktischer Tätigkeit
Definieren Sie den Begriff Sensualismus? Gehen Sie dabei reflexiv auf Deweys
Interaktionspädagogik und auf Lockes Kritik ein!
Sensualismus_ Ableitung aller Erkenntnisse aus Sinneseindrücken
- die kommunikative Interaktionspädagogik von D. kann auch als kommunikative
Arbeitspädagogik bezeichnet werden; manuelle Formen der Arbeit / der Okkupationen,
werden in den Mittelpunkt gerückt
- dabei dürfen diese manuellen Arbeitsprozesse (mit den Händen durchgeführt), nicht von
den didaktisch überformten Methoden der Wissenschaften abgekoppelt werden, den es
reicht nicht aus, wenn Schulkinder einen bloß äußerlichen Kontakt mit realen Dingen und
materiellen Gegenständen aufnehmen
- nach D. lernen wir nicht „von den Dingen“ allein, sondern „durch den Gebrauch der Dinge“
- Deweys und C.S. Peirce pragmatische Bedeutungstheorie weisen darauf hin: Was ein
Stuhl z.B. ist und welche Bedeutung ein Stuhl hat, lernt man am besten durch seinen
Gebrauch und durch seine Verwendung
- Man braucht den Stuhl in einer bestimmten realen Situation; man setzt sich darauf und
denkt dann darüber nach, welche Funktion der Stuhl in alltäglichen Kontexten erfüllt
- Locke`s Kritik an Deweys Unterrichtspraxis und Unterrichtstheorien folgen einem
sensualistischen Ansatz:
- danach werden den Schülern reale Gegenstände und Bilder der Gegenstände
vorgestellt, welche die Sinne der Schüler affizieren (erregen, reizen)
- aus den sinnlichen Vorstellungen der Schüler entwickelt der Lehrer im
Unterrichtsgespräch einen Begriff der Sache, der die Bedeutung eines Gegenstandes oder
eines sachlichen Zusammenhangs bestimmt
- die sinnlich wahrgenommenen inneren Vorstellungen und Bilder, die sich auf der
Netzhaut abbilden, werden in eine kognitive Struktur verwandelt, die der Schüler zu
verstehen lernt
 Fälschlicherweise glauben wir, das ein Gegenstand, ein Stein, eine Orange ö.a. gewisse
Eindrücke – Farben, Formen, Größen, Härten etc. – erzeugt, deren Summe die
charakteristische Bedeutung eines jeden Gegenstandes darstellt
 In Wirklichkeit ist es jedoch der charakteristische Gebrauch, der von den Dingen gemacht
wird, der die „Bedeutung“ bestimmt, mit der ein Gegenstand identifiziert wird
 Der Gebrauch der Dinge führt zu ihrer Bedeutung 
- Bedeutung und Sinn erhalten Dinge erst durch den Gebrauch, der von ihnen gemacht wird;
der praktische Umgang/das praktische Handeln enthüllt ihre pragmatische Bedeutung, die
sie für uns haben
- der sprachliche Ausdruck, „dieser Stuhl“ verweist auf den realen Gegenstand, den Stuhl;
die Bedeutung, die dieser Stuhl für uns hat, wird durch die praktische Handlung des Sitzens
offenkundig
- die Bedeutung von Sachen und Menschen wird aus praktischen Handlungen entwickelt; die
Bedeutung ist dabei, eine mit Emotionen besetzte kognitive und kommunikative Struktur, weil
die nachfolgende praktische Handlung des Sitzens eine Bedeutung sichtbar macht, die allen
in der deutschen Sprache verwurzelten gemeinsam ist
- man erkennt einen Sachzusammenhang erst dann wirklich, wenn man weiß, was man mit
ihm anfangen kann
- der Verwendungssinn eines Dinges wird deutlich, wenn man es in praktische Handlungen
verwickelt und wenn primäre und sekundäre Erfahrungen entstehen
„ein Kind weis, was eine Tasse ist, wenn es weis, wozu die Tasse da ist und welchen Zweck
eine Tasse erfüllt“
- wenn das Schulkind den Zweckgedanken eines Dinges praktisch werden lassen kann, wird
es dieses Ding erkennen
„die Bedeutung, die eine Orange hat, kennt man nicht ausreichend, wenn man weiß, wie sie
aussieht“
- eine Apfelsine ist eben mehr - (nach Dewey) – als eine Ansammlung von sinnlich
wahrnehmbaren Eindrücken, wie der Sensualismus meint behaupten zu können, den ein
Schulkind weiß erst, welche Bedeutung eine Apfelsine hat, wenn es sie geschält und
gegessen hat
- was ein Haus taugt, weiß eine Familie erst, wenn sie als ein sozialer Zusammenhang eine
Zeitlang in ihm gewohnt hat; eine Besichtigung würde nur einen verzerrten, einen vorläufigen
Eindruck erwecken
- jene reale und soziale Bedeutung, die Worte, Begriffe, Vorstellungen, Aussagen und
Handlungen haben, muss nach J. Dewey pragmatisch interpretiert werden;
- pragmatisch interpretiert, heißt dabei, dass wir den zu interpretierenden Sätzen, Worten
etc. einen Kontext des Handelns zufügen, der primär als sozialer Kontext betrachtet werden
muss
 diese soziale und reale Situation, die als ein pragmatischer Kontext unterstellt wird,
verlangt, dass wir von den Worten auf das gemeinte situierte Ding schließen und nach der
pragmatischen Handlung in einem spezifischen situativen und sozialen Kontext fragen
 wenn wir dies tun, so erschließt sich die pragmatische Bedeutung des
sprachlichen Ausdrucks
-
-
Dewey bestreitet nicht, dass die sinnlichen Eindrücke relevant sind, sie
decken auch einen Teilaspekt von Deweys pragmatischem
Bildungsverständnis ab; aber die sinnlichen Vorstellungen dürfen nicht von
den praktischen und sozialen Handlungen getrennt und für sich betrachtet
werden
Die sinnlichen Eindrücke sind in der Evolution (Darwin und Nachfolger)
immer schon beschrieben und analysiert worden, sie sind fast immer als
eine Funktion der praktischen und sozialen Handlungen betrachtet
worden, und diese Funktion erfüllen sie heute noch!
Document
Kategorie
Kunst und Fotos
Seitenansichten
7
Dateigröße
831 KB
Tags
1/--Seiten
melden