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INTEGRATION IST, WAS DU DRAUS MACHST ! - NextNetz

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INTEGRATION IST,
WAS DU DRAUS MACHST !
Integration in und durch Jugendverbandsarbeit
in der Region Hannover
Eine Arbeitshilfe des Regionsjugendringes Hannover, die im Zuge des
NextNetz Programmes entstanden ist.
Impressum
Herausgeber:
Regionsjugendring Hannover e.V.
Hildesheimer Straße 20
30169 Hannover
Telefon : 0511 854685
Email: Info@rjr-hannover.de
Internet: www.rjr-hannover.de
1. Auflage: 750 Stück
Stand August: 2006
Die vorliegende Arbeitshilfe enthält Beiträge von Thomas Franzen (Dipl. Sozialpädagoge),
Holger Hoppe (Dipl. Sozialpädagoge) und Simone Oertel gen. Bierbach (Dipl. Sozialpädagogin). Die Inhalte dieser Beiträge beruhen auf den Aussagen von 25 qualitativen
Interviews mit Praktikern aus der Region Hannover.
Koordination: Simone Oertel gen. Bierbach, Bildungsreferentin RJR Hannover e.V..
2
Inhalt
Seite
1
Wer schreibt hier?...........................................................................................4
2
Intro....................................................................................................................5
2.1
Nicht nur der Weg ist das Ziel, ... ..............................................................7
2.2
Aus der Praxis für die Praxis .......................................................................8
2.2.1
"Wenn ich reden kann, geht's mir besser."...............................................8
2.2.2
Nicht nur das Fahrrad reparieren ............................................................10
2.2.3
Aufstehen und Weitermachen ...................................................................11
2.2.4
Das Netzwerk ausweiten ............................................................................12
2.2.5
Navigationshilfe im Berufswegelabyrinth...............................................14
2.2.6
Verständigung, die durch den Magen geht ...........................................15
2.2.7
Gemeinsam auf Touren kommen ............................................................16
2.2.8
Spotlights: Noch mehr Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte ....17
2.2.9
Und jetzt kommst DU! .................................................................................19
3.
Wünsche aus der Region an die Region...................................................20
3
1. Wer schreibt hier?
Der Regionsjugendring Hannover e.V., abgekürzt RJR ist ein eingetragener Verein (e.V.) mit 18
Mitgliedsvereinen und –verbänden, sowie 8 angeschlossenen Stadt- und Gemeindejugendringen. Der Regionsjugendring vertritt die Interessen von über 125.000 Kindern und Jugendlichen,
die in Vereinen und Verbänden in der Region Hannover aktiv sind.
Jugendringarbeit ist mehr als politische Interessenvertretung für Kinder, Jugendliche und
Jugendverbände. Wir tragen dazu bei, dass sich die Jugendarbeit vor Ort entfalten kann und
bieten ein breites Netzwerk der Unterstützung für die aktiven Jugendgruppen an. Jedes Jahr
legen wir mit dem so genannten Jahresthema einen Fokus auf eine besondere gesellschaftliche
Bedingung, die Einfluss auf die Jugendverbandsarbeit hat. Der RJR liegt mit der Wahl der
Jahresthemen am Puls der Jugendarbeit. Im Jahr 2006 haben wir das Thema „Integration in
und durch Jugendverbandsarbeit“ gewählt. Ein erstes Ergebnis hiervon hältst Du soeben in den
Händen.
Bei Fragen zum Thema Integration stehen Dir eine Reihe von Ansprechpartnern zur Verfügung. Zum einen bist Du sicherlich nicht alleine vor Ort tätig. Fragû einfach Deine Mitgruppenleiter und auch die „alten Hasen“ stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Neben den
Ansprechpartnern aus Deinem Verein/Verband gibt es auf Regions- und Landesebene
verbandseigene Ansprechpartner. Eine weitere Hilfestellung bietet Dir unser Adressheftchen im
Anhang oder noch ausführlicher der Jugendserver Niedersachsen unter www.jugendserverniedersachsen.de.
Für alle weiteren Fragen und Anregungen kannst Du den RJR gerne kontakten, denn die
Beratung und Begleitung von Jugendgruppenleitern ist eine unserer Aufgaben. Hier für Dich
noch ein paar weitere Informationen über uns:
Passend zur Gründung der Region Hannover hat sich der RJR als Nachfolger des Kreisjugendringes Hannover-Land e.V. am 2. Dezember 2003 gegründet. Der Vorstand im Jahr 2006 setzt
sich zusammen aus dem Vorsitzenden Werner Bürgel (Ev. Jugend), der Stellvertreterin Annette
Holaschke (DLRG-Jugend) sowie dem Stellvertreter Ulrich Benzler (Sportjugend). Alle
Vorstandsmitglieder sind Personen mit einem großen Erfahrungsschatz in der Kinder- und
Jugendarbeit und üben die Tätigkeit ehrenamtlich aus.
In der Geschäftsstelle des RJR Hannover arbeiten Marion Rauch (Verwaltungsmitarbeiterin)
und Simone Oertel gen. Bierbach (Bildungsreferentin). Sie stehen als Ansprechpartnerinnen für
alle inhaltlichen, organisatorischen und finanziellen Fragen zur Verfügung. Der RJR greift
Themen auf, die von den Jugendverbänden und von der Politik an uns herangetragen
werden. Wir stellen Fragen und entwickeln Strategien für ein zukunftsfähiges, funktionierendes und sich weiterentwickelndes Netzwerk der Jugendarbeit. Zu unseren Aktivitäten zählen:
 Jugendarbeit
 Interessenvertretung
 Beratung
 Fachdiskussion
 Bildung
 Materialien
 Ferienbörse
 Internet
 Im Internet gibt es viel zu entdecken:
Klick dich schlau unter www.rjr-hannover.de!
4
2. Intro
Warum diese Arbeitshilfe?
Anlass waren Rückmeldungen von Jugendleitern, die in diesem Praxisfeld Erfahrungen
gesammelt hatten. Der RJR hat hier Handlungsbedarf erkannt und die vorliegende Arbeitshilfe im Rahmen des NextNetz-Programmes herausgegeben. Dabei handelt es sich um ein
Förderprogramm des Landes Niedersachsen, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds
finanziert und vom Landesjugendring koordiniert wird.
Was will diese Arbeitshilfe?
Sie hat den Zweck, Jugendleiter in ihrer praktischen Arbeit mit jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf zu begleiten und zu unterstützen. Sie will aufmerksam machen und
sensibilisieren für die Lebenssituation der Betroffenen. Und sie will Jugendleiter für die Zusammenarbeit ermutigen und aktivieren mit dem Ziel, diese jungen Menschen in die Vereine und
Verbände der Region zu integrieren.
Wer ist mit „Junge Menschen mit besonderem Förderbedarf“ gemeint?
Hierunter fallen junge Menschen (Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre), die
gegenwärtig nur eine geringe formelle Bildung haben. Für die vorliegende Arbeitshilfe wurde
der Schwerpunkt auf junge Migranten und junge Aussiedler gelegt. Unter Migranten versteht
man ausländische Zuwanderer aus aller Welt, von denen über die Hälfte schon seit 10 und
mehr Jahren in Deutschland lebt und (zum Teil auch) arbeitet. Viele junge Migranten sind in
Deutschland geboren.
Unter Aussiedlern versteht man aus Ost- und Südosteuropa übergesiedelte, deutschstämmige
Menschen mit ihren (nicht-deutschen) Ehepartnern und Kindern (mit dem Rechtsanspruch, in
Deutschland aufgenommen zu werden).
Ein kleiner Einblick in die Lebenssituation der betroffenen jungen Menschen
Zugewanderte, übergesiedelte Menschen beziehen sich in ihrem neuen Lebensumfeld zunächst
vornehmlich auf familiäre Anknüpfungspunkte bzw. wenden sich an Landsleute. Diese
Möglichkeit, in der neuen Umgebung zunächst auf Sprache, Kultur und Werte des Herkunftslandes zurückgreifen zu können, bietet eine vorläufige Sicherheit, einen vorläufigen Rückhalt
auf dem Weg in die neue Heimat.
Intensivere Berührungspunkte und damit - im besten Sinne - ernsthaftere Auseinandersetzungen mit den Bedingungen in Deutschland ergeben sich danach z. B. in der unmittelbaren
Nachbarschaft, im Stadtteil, in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Schule, am Arbeitsplatz
und im Umgang mit Behörden.
Junge Migranten und Aussiedler stehen immer wieder vor der Situation, sich mit den Werten,
die sie aus ihrem Herkunftsland kennen und mit den Werten in Deutschland auseinandersetzen und Entscheidungen treffen zu müssen: was stimmt für mich, woran soll ich mich orientieren, was ist richtig?
Viele von ihnen verfügen nur über mäßige oder unzureichende Kenntnisse der deutschen
Sprache; das betrifft z.B. bei den Aussiedlern insbesondere die unter 17jährigen. Das Beherrschen der Sprache ist der Schlüssel für erfolgreiche Schulabschlüsse und berufliche Qualifikation, allerdings haben ein Drittel der 20-29jährigen Migranten keinen Berufsabschluß.
Sie haben also einen besonderen Förderbedarf und sind in dieser Gruppe im Verhältnis zu den
Deutschen besonders stark vertreten.
5
In der offiziellen Politik ist nur sehr zögerlich wahrgenommen worden, dass 1.) Deutschland
Einwanderungsland ist und 2.) in Deutschland ein klarer Zusammenhang besteht zwischen
sozialer sowie ethnischer Herkunft und der Möglichkeit, am Bildungssystem teilzunehmen.
Weitere wichtige Merkmale sind Geschlecht, Region sowie Einkommen und Bildungsgrad der
Eltern.
Integration: Was heißt das? Wie kann das gehen?
Integration bedeutet direkt wörtlich übersetzt „Herstellung einer Einheit“; gemeint ist damit,
dass sich viele verschiedene Einzelpersonen und/oder Gruppen innerhalb einer Gesellschaft
oder innerhalb eines Staates mit gemeinsamen kulturellen Werten und sozialen Normen
verbinden.
Was genau darunter zu verstehen ist, darüber gibt es in Deutschland keine einheitliche
Meinung.
Auch wenn das so ist, lässt sich feststellen, dass Integration schon seit Jahrzehnten praktiziert
wird. Neben den Wohlfahrtsverbänden, den Gewerkschaften, Migrantenverbänden und initiativen engagieren sich Menschen konkret vor Ort, z.B. in ihrer Nachbarschaft, in ihren
Stadtteilen, im Kindergarten, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein, in der Jugendarbeit und in vielen anderen Bereichen.
Von entscheidender Bedeutung ist die innere Haltung (Einstellung) der Beteiligten. Wenn es
auf beiden Seiten keine Angst davor gibt, die eigene Identität zu verlieren, und die kulturelle
Vielfalt des anderen als Bereicherung geschätzt werden kann, dann sind das sehr gute
Voraussetzungen für eine gelingende Integration. Dies gilt für den persönlichen wie für den
politischen Bereich.
Integration ist ein dynamischer Prozess, in dem sich beide Seiten mit der Bereitschaft und dem
Willen zum Gelingen aufeinander zu bewegen. So unterschiedlich die Menschen auf beiden
Seiten sind, so unterschiedlich sind auch die Möglichkeiten, auf dem Weg mit dem Ziel
Integration voranzukommen: mit Sport, Musik, Theater, Kunst, Festen und anderen gemeinsamen Veranstaltungen sind hier nur einige genannt. Weitere Beispiele findest Du in dieser
Arbeitshilfe; ebenso Anregungen dazu, was Du tun kannst. Integration verläuft dann am
erfolgreichsten, wenn die Interessen, Bedürfnisse und Ressourcen beider Seiten berücksichtigt
werden, beide die Herausforderungen aktiv anpacken oder gemeinsamen Interessen nachgehen. Der Leitsatz dazu lautet: Das Verbindende suchen - nicht das Trennende.
Integration als gesellschaftspolitische Herausforderung - die Jugendverbände in der Region
Hannover haben sich mit ihrer Arbeit dieser Aufgabe längst gestellt und leisten auf diesem
Gebiet bereits Wertvolles. Im aktuellen 12. Kinder- und Jugendbericht wird u.a. sinngemäß
bestätigt, dass die Bildungs- und Freizeitangebote der Jugendverbände und -vereine die
sozialen und personalen Kompetenzen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund
fördern.
Dabei sind diese Angebote sind so unterschiedlich wie die Organisationen, die sie vorhalten. Es
gibt nicht den „einen“ Weg, eine einzig richtige Methode - gerade die Vielfalt der Menschen
und Möglichkeiten trägt zum Gelingen bei.1
1
Quellenangaben:
BMFSFJ: 12. Kinder- und Jugendbericht, 3 / 2006
dtv Brockhaus, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1999
Hardenberg Aktuell: Jahrbücher 2005 und 2006, Meyers Lexikonverlag, 2004 und 2005
Kober, Ulrich und Uhl, Katrin: Integration als Herausforderung für die Bürgergesellschaft, Verlag Bertelsmann
Stiftung, 2002
6
2.1
Nicht nur der Weg ist das Ziel, ...
... doch ohne Weg kommt man nicht zum Ziel. Wir beschreiben an dieser Stelle kurz unseren
Weg, der im September 2005 nach dem Startschuss des Gesamtprojektes NextNetz begann.
Weil wir den Begriff „Jugendliche mit besonderem Förderbedarf“ zu umfangreich fanden, um
ihn von allen Seiten angemessen untersuchen zu können, haben wir eine Einschränkung
vorgenommen: Wir haben uns besonders die Situation von jungen Migranten und Aussiedlern
angesehen. Weil aber Jugendliche mit einem Migrationshintergrund nicht automatisch
Jugendliche mit besonderem Förderbedarf sind, haben wir noch einmal genauer nachgesehen,
wie es denn mit den Jugendlichen ist, die nur über eine geringe formelle Bildung verfügen, die
nur einen schlechten oder gar keinen Schulabschluss haben.
Wie sah nun der Weg dieser Arbeitshilfe für ehrenamtliche Jugendleiter aus? Um über „handfeste“ Grundlagen für unsere Aussagen verfügen zu können, haben wir haupt- und ehrenamtliche Jugendleiter gesucht, die bereits praktische Erfahrungen in der Arbeit mit jungen
Menschen mit besonderem Förderbedarf haben. Wir haben sie gefunden: Haupt- und
ehrenamtliche Leiter, in deren Verbandsarbeit Jugendliche mit besonderem Förderbedarf
entweder gezielt angesprochen werden oder einfach so auftauchen und mitmachen, weil es
auch für sie ein „cooles“ Angebot ist.
Von Februar bis Juni 2006 haben wir insgesamt 25 Interviews durchgeführt. An diesen fünf
Fragen haben wir uns dabei orientiert:
 An welcher Stelle hast Du Berührungspunkte zur Zielgruppe und wie ist es dazu gekommen?
 Wie sieht Deine alltägliche / konkrete Arbeit mit der Zielgruppe aus?
 Was klappt gut, und was sind die Stolpersteine?
 Was wünscht Du Dir an Unterstützung und von wem?
 Wie bist Du mit dem Projekt zufrieden? Wie gerne bleibst Du dabei?
Ein Beispiel eines gelingenden Integrationsprojektes konnten wir von der Planung bis in die
Reflexionsphase begleiten.
Wir haben sicherlich nicht alle Verbände, Vereine und Jugendleiter gefunden, die in der Region
Hannover Jugendarbeit auch für „schwierige Jugendliche“ machen, doch wir können aus
einem guten Querschnitt der Angebote berichten und die dort gemachten Erfahrungen Dir
und anderen Jugendleitern zur Verfügung stellen. Wir bitten alle um Nachsicht, die wir nicht
befragen konnten und freuen uns auf Rückmeldungen oder Ergänzungen zu unseren Erkenntnissen.
Nun haben wir lange genug erklärt, wie wir zu unseren Ergebnissen gekommen sind. Jetzt
wollen wir sie Dir nicht länger vorenthalten. Nach einer kleinen Einführung und unseren
Anleitungen zum Verständnis im folgenden Kapitel „Aus der Praxis für die Praxis“ findest Du
die zentralen Aussagen aus den Interviews und einige Beispiele. Also keine Angst: Du musst
nicht 25 Interviews lesen, wir haben das Wichtigste für Dich zusammen gefasst.
Bei Interesse vermitteln wir über das RJR Büro gerne Kontakt zu den interviewten
Praktikern.
An der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Interviews sowie an der Erarbeitung
dieses Heftes haben mitgearbeitet: Simone Oertel gen. Bierbach, die Bildungsreferentin des
RJR, sowie Cristiane Bockelmann, Holger Hoppe und Thomas Franzen als Honorarkräfte. Und
nun ein Dank an die mehr als 30 Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen aus der Jugendarbeit,
die uns ganz viel von ihrer Arbeit erzählt und damit das „Futter“ für diese Arbeitshilfe geliefert
haben. Ohne Euch hätten wir dieses Ziel nicht erreicht. Danke!
7
2.2
Aus der Praxis für die Praxis
Wenn wir im Folgenden Beispiele aus der Praxis vorstellen und beschreiben, so bedeutet das
auf gar keinen Fall, dass Du diese „1 : 1“ übernehmen musst oder sollst. Gemeint und beabsichtigt ist, dass Du als Praktiker - ausgehend von den dargestellten Beispielen - selbst checkst und
beurteilst, was davon für Dich passt, was Du übernehmen und in Deiner Tätigkeit ausprobieren möchtest.
Wichtig ist dabei, dass Du nicht im Alleingang vorpreschst, sondern Dich mit Deinen Leuten im
Verein absprichst und offen machst, wie Du auf das Thema gekommen bist und was Du Dir
vorstellst: was willst Du wie umsetzen und vor allem welche Fragen oder Unklarheiten hast
Du? Wenn Du gemeinsam mit anderen etwas anpackst, macht das mehr Spaß und auch mehr
Sinn. Denn dann hast Du Leute um Dich, mit denen Du Dich austauschen kannst.
Erkundige Dich doch mal, ob es in Deiner Umgebung Leute gibt, die das Thema Integration
und die Frage „Was kann ich tun?“ ebenfalls bewegt. Vermutlich findest Du Menschen, die
damit schon Erfahrungen gesammelt haben und Du hast es bisher nur nicht gewusst. Isû ja
auch nicht weiter schlimm, denn jetzt weißt Du es ja!
Und auch wenn diese Erfahrungen möglicherweise nicht nur positiv waren, Projekte vielleicht
sogar gescheitert sind oder viele „Stolpersteine“ auf dem Weg lagen. Lass Dich mit Deinem
Interesse und Deinem Elan nicht entmutigen und von Deinem Vorhaben abbringen! Bedenken
sind dazu da, bedacht zu werden, beispielsweise um Fehler oder Unbedachtheiten aus der
Vergangenheit künftig zu vermeiden. Auf gar keinen Fall sind Bedenken und Ängste dazu da,
Dich von Deinen Ideen und Plänen abzuhalten, stehen zu bleiben und gar nichts zu tun.
Bei den Beispielen aus der Praxis ist auch nicht „immer alles glatt gelaufen“. Es gab Schwierigkeiten, Hindernisse, Überraschungen, Veränderungen - wie überall. Und trotzdem - oder
gerade deshalb - sind die Beteiligten „am Ball geblieben“, „haben das Ding durchgezogen“
und tun es immer noch.
Integration ist ein Prozess und ein Weg. Ein Prozess braucht seine Zeit, und jeder noch so lange
Weg - das hast Du vielleicht schon einmal gehört - beginnt mit dem ersten Schritt. Integration
beginnt im Kleinen, vor Deiner Haustür, in der Schule, Ausbildung, in Deinem Verein, in
Deinem Verband. Es hat viel mit Dir selbst zu tun, mit Deinen Erfahrungen und mit Deiner
Persönlichkeit. Und natürlich mit Deiner Haltung und Deiner Einstellung, die Du bisher zu
diesem Thema eingenommen hast. Zum Punkt Haltung und Einstellung findest Du Hinweise
in der Einleitung.
2.2.1 "Wenn ich reden kann, geht's mir besser."
Dieser Satz stammt von Mädchen und jungen Frauen, die die Angebote eines Schülerinnenberatungsladens nutzen. Der Laden liegt in unmittelbarer Nähe zu einer berufsbildenden Schule,
an der viele der Ratsuchenden ihre Schulabschlüsse nachholen - Abschlüsse, die sie im Regelsystem nicht erlangen konnten.
Den Beratungsladen gibt es bereits seit 20 Jahren, er hat also einen relativ hohen Bekanntheitsgrad. Träger ist ein Jugendverband, der eng mit der Schule - und darüber hinaus punktuell auch mit anderen Einrichtungen - zusammenarbeitet (Kooperation). In dem Laden
arbeiten z.Z. 8 Honorarkräfte unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Berufsfeldern als
Beraterinnen. Die Angebote richten sich ausschließlich an Mädchen und junge Frauen und sind
kostenlos.
8
Die Öffnungszeiten des Ladens sind den Zeiten des Schulbetriebes angepasst. Das Angebot ist
niederschwellig, d.h. die Ratsuchenden können "einfach so, ohne besonderen Grund, ohne
Vorbedingungen" in den Laden kommen. Sie müssen erstmal nix mitbringen außer sich selbst,
und sie sollten sich trauen, "einen Schritt über die niedrige Schwelle zu machen". In Begleitung
einer Freundin oder Bekannten, die vielleicht den Laden und die Leute dort schon kennt, fällt
das oft leichter.
Die Mädchen und jungen Frauen können mit allen möglichen Fragen kommen und sich
beraten lassen bzw. austauschen (Alltagsberatung und Jugendberatung). Natürlich spielen die
Themen Schule, Berufsaussichten und alles, was damit an persönlicher Lebensplanung
zusammenhängt, eine wichtige Rolle. Neben den ganz normalen Fragen und Problemen, die
in der Pubertät und im Leben junger Erwachsener auftauchen, kommt für junge Migranten
und Aussiedler häufig ein weiterer Punkt dazu: sie müssen in zwei Welten, in zwei Kulturen
klarkommen. Was wird von der Familie verlangt, welche Anforderungen und Werte gibt es in
Deutschland, wie geht das zusammen und wie sieht eine richtige Entscheidung für mich aus?
Die Auseinandersetzung z.B. über Traditionen, Rollenerwartungen, Eigenständigkeit kann
zumindest zeitweise eine erhebliche Belastung bedeuten, und zwar insbesondere dann, wenn
die Ansichten und Werte weit auseinander liegen und die Betroffenen "irgendwo dazwischen
hängen".
Sie werden ermutigt und unterstützt, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Die Entscheidung darüber, wie der eigene Weg aussieht, treffen die Ratsuchenden. Eine gute und
intensive Beratungsarbeit funktioniert am besten auf einer gewachsenen und gefestigten
Vertrauensebene. Das klappt hier gut und ist gerade dann wichtig, wenn ganz persönliche,
intime oder bedrohliche, Angst machende Themen zur Sprache kommen. Und das geht nur,
wenn die Ratsuchenden sich verstanden, angenommen und sicher fühlen und sind.
Du kannst Dir sicher vorstellen oder kennst es selbst, dass die Beteiligten Zeit brauchen, um
vom ersten Kontakt zu einem Vertrauensverhältnis zu gelangen, in dem ganz offen geredet
werden kann. Ein Vorteil im Schülerinnenberatungsladen ist es, dass die Beraterinnen eine
weite Altersspanne abdecken und für viele verschiedene Themen und Fragen zur Verfügung
stehen. Oft sind sie auch Vorbilder für die Ratsuchenden.
Sowohl bei den persönlichen als auch bei den berufsbezogenen Fragen wird großer Wert
darauf gelegt, dass die ins Auge gefassten Schritte im Beratungsprozess sich an erreichbaren
Zielen orientieren und somit eine realistische Perspektive geschaffen wird. Natürlich gibt es
auch Schwierigkeiten. So wünschen sich die Beraterinnen z.B. mehr Anerkennung ihrer Arbeit
und weitere Kolleginnen mit "Herz, Mut und offenen Augen", um noch besser zu speziellen
Fragen beraten zu können. Und immer wieder geht es um die Sicherung der Finanzierung der
Arbeit. Doch dieses Problem wird eher als Herausforderung erlebt. „Kämpfen lohnt sich!" - Mit
dieser Haltung sind die Mitarbeiterinnen - auch die Hauptamtlichen - bisher gut gefahren.
Alle Mitarbeiterinnen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Ratsuchenden eine gute
Chance erhalten, sich in ihren mitunter komplizierten Lebensbezügen besser zu orientieren,
zurechtzufinden und zu behaupten. Die Mädchen und jungen Frauen werden gestützt und
entlastet.
9
2.2.2 Nicht nur das Fahrrad reparieren
Ein eingetragener Verein hat für eine Kommune die Durchführung von Offener Jugendarbeit
übernommen. Die Stadt stellt das Gebäude und eine Personalkostenfinanzierung zur Verfügung, der Verein ist in seinen Entscheidungen und seiner Arbeit im Jugendzentrum jedoch
eigenständig und selbstverantwortlich. Gemeinsam mit der Stadt betreibt er eine Fahrradwerkstatt, deren Finanzierung sich beide Partner teilen.
Der Verein trägt seinen Finanzierungsanteil für das Projekt Fahrradwerkstatt hauptsächlich
aus Spenden- und Stiftungsgeldern, die er gezielt hierfür einwirbt. Die Mitarbeiter, die die
Fahrradwerkstatt betreuen, bekommen ein Honorar für ihre Arbeit während der normalen
Öffnungszeiten. Weil diese Zeiten nicht ausreichen, um alle tatsächlich anfallenden Arbeiten zu
erledigen, kommen etliche Stunden zusammen, die zusätzlich ohne Bezahlung geleistet
werden. Die Fahrradwerkstatt ist dank des Engagements des Vereins materiell gut ausgestattet. Doch sie ist nur einmal die Woche für vier Stunden geöffnet und es gibt nur zwei Betreuer
für dieses Angebot. Dabei wollen während der Öffnungszeiten bis zu 8 Kinder und Jugendliche
möglichst gleichzeitig an ihrem Rad arbeiten.
Die Fahrradwerkstatt existiert nunmehr im neunten Jahr und ist inzwischen zur festen Institution geworden. Diese Kontinuität ist wichtig für den Erfolg eines besonderen Angebotes.
Zunächst dauerte es eine ganze Weile, bis sich herumgesprochen hatte, was an dieser Fahrradwerkstatt so gut ist. Dass man dort z.B. eine kostenlose Hilfestellung bekommt, wenn im
Frühjahr klar wird, dass das Fahrrad vor dem Winter ziemlich defekt in den Keller gekommen
ist und nun erst einmal für die Saison „fit“ gemacht werden muss. Dass dort jemand ist, der
einen erst einmal machen lässt, „der mich meine eigenen Erfahrungen mit der Fahrradreparatur machen lässt, und der mir zur Seite steht, wenn ich nicht mehr weiterkomme. Der mir auch
erklärt, wie Dinge funktionieren und mir zeigt, wieûs geht, wenn ich es mir selber noch nicht
zutraue. Einer, der mir Vertrauen entgegenbringt, der mir nicht vorhält, was ich nicht kann.
Der sich dafür interessiert, was bei mir so los ist und dem ich nach ein paar Werkstattterminen
auch bereit bin, etwas von mir zu erzählen, z.B., dass ich nicht gerade so gut bin in der Schule.“
Von Mund zu Mund geht die Werbung für die Fahrradwerkstatt - wer schon mal da war,
erzählt anderen davon. Über eine Tageszeitung, die von Zeit zu Zeit über die aktuellen
Angebote des Vereins berichtet, wird „die Öffentlichkeit“ informiert. Und Vorstandsmitglieder
besuchen die Schulen, stellen sich dort den Kindern und Jugendlichen vor und laden zu den
Angeboten ein – also auch zur Fahrradwerkstatt. Gut, dass die Schulen – vor allem die Schule
für Lernhilfe und die Sprachheilschule - kooperationsbereit sind. Wenn die Fahrradprüfung
ansteht, dann kommen schon mal ganze Schulklassen zur Vorbereitung in die Werkstatt.
Kinder und Jugendliche können hier selber ausprobieren, wieûs geht. Sie helfen sich selbst und
bekommen Anleitung, wenn sie sie brauchen. Sie erleben einen Ort der Akzeptanz und haben
Erfolgserlebnisse. Hier lassen sich motorische Fertigkeiten im Umgang mit Metall erlernen und
entwickeln. Hier lässt sich sogar überprüfen, ob der Weg zum Zweiradmechaniker eine
berufliche Perspektive für die Zukunft ist. Die häufigste Teilnehmergruppe sind Kinder und
Jugendliche mit zurzeit geringer Bildung. Und etwa 40 % derjenigen, die die Fahrradwerkstatt
in Anspruch nehmen, haben einen Migrationshintergrund.
Jugendliche in der Fahrradwerkstatt entwickeln ein gewisses Vertrauen zu den Betreuern, weil
sie diese als verlässlich erleben. Als Folge daraus erfahren Betreuer sowohl beiläufig im
Gespräch bei der Arbeit als auch auf konkrete Nachfrage etwas über das häusliche Umfeld
der Jugendlichen und über die Dinge, die die Jugendlichen gerade bewegen. Doch diese
erzählen nicht alles, trotz Vertrauensverhältnis. Sie wählen sehr wohl aus, was sie wem
erzählen – je nachdem, was sie damit erreichen wollen. Manchmal brauchen sie jemanden,
der ihnen einfach nur zuhört. In Einzelfällen gibt es größeren Hilfebedarf, der in diesem
Rahmen nicht mehr befriedigt werden kann - dann vermitteln die Betreuer einen Kontakt
zum Jugendamt.
10
Manchmal begleiten Eltern ihre Kinder in die Fahrradwerkstatt. Meistens zeigen sie sich dann
begeistert davon, was ihre Kinder hier lernen und Sinnvolles machen können. Die Betreuer
bekommen jedenfalls einiges Lob von den Eltern. Zu Gesprächen mit Eltern über das häusliche
Umfeld und ihre Beurteilung der Situation des Kindes kommt es dennoch eher selten. Der
Verein wünscht sich zwar eine intensivere Elternarbeit, doch die ist mit der bisherigen „Personalstärke“ nicht leistbar - und auch der eine hauptamtliche Mitarbeiter im Jugendzentrum
gerät hier ganz schnell an seine Kapazitätsgrenzen.
In diesem Projekt werden gute Jugendarbeit und gute Sozialarbeit geleistet. Doch trotz dieser
Erkenntnis und des langjährigen Bestehens der Fahrradwerkstatt sowie des erarbeiteten guten
Rufes ist die Zukunft immer wieder unsicher. Kann der Verein seinen Anteil weiter tragen? Die
ehrenamtlichen Verantwortlichen des Vereins arbeiten auf vielen Baustellen, um die Finanzierung der Jugendarbeit und der Fahrradwerkstatt auch für die Zukunft zu sichern.
In den bisherigen neun Jahren sind immer wieder neue Ideen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Jugendarbeit in der Fahrradwerkstatt entstanden. Einige der daraus resultierenden Wünsche sind noch offen - wie z.B. der, dass es neben den männlichen Betreuern eine
Mitarbeiterin geben müsste, die sich gezielt in der Betreuung der Mädchen engagiert. Die
Praxis in diesem Projekt hat bestätigt, dass Mädchen ganz anders an eine Fahrradreparatur
herangehen als Jungen. Um ihnen eine ihren Bedürfnissen gemäße Lern- und Arbeitsatmosphäre zu ermöglichen, müssten sie in geeigneter Weise und am besten von einer weiblichen
Fachkraft begleitet werden. So wie in diesem Fall gibt es in der Jugendarbeit immer wieder
Hürden, die gemeistert werden wollen. Doch es lohnt sich, diese Aufgabe anzugehen!
2.2.3 Aufstehen und Weitermachen
Nicht jeder Sportverein versteht sich voll und ganz als Integrationsverein. Sicherlich gehen alle
Sportvereine intuitiv und/oder konzeptionell davon aus, dass die Beteiligung am Sport in
ihrem Verein Teilhabe an der Gesellschaft bedeutet und gemeinschaftsstiftend wirkt. Bei all
dem steht der Sport, die körperliche Betätigung, der Beitrag zur Gesundheit und auch das
Messen der eigenen Leistung an der Leistung der anderen im Vordergrund - der gesellschaftliche Aspekt ist eher der „geheime Lehrplan“.
Doch es gibt Vereine, die nehmen diesem Lehrplan bewusst das Geheime und nennen sich z.B.
Sport- und Sozialverein. Einer dieser Vereine ist auch in der Region Hannover beheimatet und
versteht sich explizit als Integrationsverein. Er arbeitet mit Kindern ab 5 Jahren, die zum
großen Teil aus benachteiligten Familien kommen, die Merkmale der Hyperaktivität zeigen,
die besonderen Förderbedarf haben. Natürlich ist der Verein auch offen für Kinder und
Jugendliche, auf die diese Merkmale nicht zutreffen – und diese nehmen das Angebot
genauso wahr. Allen Mitarbeitern des Vereins ist dabei klar: Integration funktioniert nur in
ganz kleinen Schritten. Aus diesem Blickwinkel gesehen lassen sich schon ziemlich viele kleine
Erfolgserlebnisse feststellen. Das motiviert Trainer und Teilnehmer gleichermaßen zum
Dabeibleiben und Weitermachen.
In einem Kooperationsprojekt mit der Kommune öffnet der Verein seine Türen auch gezielt für
türkische Kinder, unter denen sich verhältnismäßig viele so genannte Unsportliche finden. Und
zeitweise kommt auch eine recht große Gruppe von Aussiedlern zu den Angeboten des
Vereins. Für die Übungsleiter und Organisatoren der Arbeit ist im Bezug auf alle Kinder und
Jugendlichen entscheidend, dass sie sich für die jeweiligen Probleme und deren Wechselwirkung mit der jeweiligen Lebenssituation interessieren und versuchen, sie zu verstehen.
In der Alltagsarbeit geht es um Grenzen: um das Setzen von Grenzen, das Erfahren von
Grenzen, um das Reiben an Grenzen. Das geschieht zunächst im „Spielen und Raufen“, erst
11
danach kommt der eigentliche Sport, in diesem Fall ist das Judo. Dort soll das Ganze hinführen, nur die Länge des Weges bestimmen die Kinder und Jugendlichen weitgehend selbst. Der
Trainer ist dabei die zentrale Figur, die den Überblick behält und für das richtige Maß
zwischen beiläufigem Einüben und gezieltem Training sorgt. Er ist Dreh- und Angelpunkt der
Arbeit, unterstützt von weiteren Helfern. Er muss Nähe und Distanz ausbalancieren und kann
dadurch auch für die Akzeptanz der Arbeit bei den Eltern sorgen.
Eine Trainingseinheit sieht ungefähr so aus: 1. „Spielen und Raufen“ den Kindern die Möglichkeit geben, ihren Bewegungsdrang auszuleben, auch wenn das zunächst noch nichts mit Judo
zu tun hat; 2. Aufgreifen der Bewegungen der Teilnehmer und Überleitung zu Übungen, die
zum Judo hinführen; 3. „klassische“ Judoübungen ggf. nur wenige, je nachdem, wie es sich aus
der jeweils aktuellen Situation in einer Übungsstunde ergibt. Es bedarf dabei einer entsprechenden Persönlichkeit und Qualifikation des Trainers, die Entwicklung der Übungsstunde so
im Blick und im Griff zu haben, dass er jederzeit adäquat agieren und reagieren kann. In dem
hier beschriebenen Beispiel gelingt es ihm, den Kindern und Jugendlichen die Entwicklung
eines Körpergefühls zu ermöglichen – sowohl zu sich selbst also auch zu anderen. Positive
Körpererfahrung steht also im Vordergrund. Darüber hinaus ermöglicht das Training den
Teilnehmern persönliche Erfolge innerhalb der eigenen Grenzerfahrungen zu erkennen – und
daraus ein „Aufstehen und Weitermachen“ zu entwickeln. Das funktioniert übrigens in einer
gemischten Gruppe leichter als in einer Gruppe, in der sich ausschließlich Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf finden.
Eine besondere Erfahrung bereichert das Know-how dieses Vereins: ein Integrationsprojekt für
moslemische Mädchen über ein Sportangebot. Die wichtigste Aufgabe war dabei, Bewegung
und die Erfahrung von Berührungen und Selbstbehauptung zu ermöglichen. Das hat eine
ganze Zeit lang gut geklappt, teilweise haben fast alle jungen Frauen und Mädchen mehrerer
Familien daran teilgenommen. Allerdings war die Bindung der Teilnehmerinnen zum Verein
nicht sehr stark - vor allem, weil die Eltern dies nicht ausreichend gefördert haben. Leider
musste das Projekt aufgrund fehlender Finanzen aufgegeben werden.
Der Kontakt zu den Eltern ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer solchen Arbeit. Dafür
sind in der Regel größere zeitliche Kapazitäten erforderlich, als sie den ehrenamtlichen
Mitarbeitern neben Trainingsbetrieb und Vereinsorganisation zur Verfügung stehen. Um
Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf zu einer kontinuierlichen Teilnahme an
den Angeboten der Jugend- und Sportarbeit zu bewegen, ist ein vergleichsweise enger
Elternkontakt von besonderer Bedeutung. Letzteres gilt übrigens erst recht und auch allgemein, wenn Eltern vom Verein mehr „klassische Sportarbeit“ wünschen - und bei ihnen
zunächst ein Verständnis erreicht werden muss, dass dieses besondere Konzept auch einen
ganz eigenen und besonderen Erfolg verspricht.
2.2.4 Das Netzwerk ausweiten
Pfingsten 2006 war Premiere. Rund 50 Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund haben drei spannende und zugleich sportliche Tage in einem Zeltlager verbracht.
Spannend, weil viele Teilnehmer zum ersten Mal ohne Eltern die Pfingsttage verlebten und
dann gleich noch in einem Zeltlager. Sportlich ging es die gesamten Tage über zu. Und das ist
auch nicht verwunderlich, denn ein wichtiger Bestandteil des Integrationscamps waren
Bewegung und Sport in ihren unterschiedlichen Formen, so dass jeder Teilnehmer ausreichend
Angebotsauswahl hatte. Neben den Klassikern wie Fußball und Volleyball standen auch
Schnupperstunden in Judo oder Selbstbehauptungskurse auf dem Programm. Am Abend
konnten die Jugendlichen attraktive Angebote wie beispielsweise Kino oder Disko wahrnehmen. Hinter dem Programm steckt ein Netzwerk von engagierten Personen. Hauptberufliche
Mitarbeiter des Sozialamtes, des Jugendamtes und freier Träger der Jugendhilfe sowie ehren12
amtlich Aktive aus dem örtlichen Jugendring und ehrenamtliche Trainer aus regionalen
Sportvereinen haben bei der Durchführung des Programms mitgewirkt.
Die Akteure hatten als Zielgruppe insbesondere junge Spätaussiedler im Blick, da diese bislang
unzureichend von den Angeboten der Jugend(sozial)arbeit erreicht wurden. Die Aktiven aus
den Jugendvereinen haben festgestellt, dass die Gruppe der Spätaussiedler in den Vereinen
kaum vertreten ist, vermutlich weil eine Vereins- und Verbandsstruktur in den Herkunftsländern der Spätaussiedler im Freizeitsektor kaum vorhanden ist. Sport wird hier oft mit Leistung
und Pflicht verbunden und weniger mit Spaß und Freiwilligkeit. Das Integrationscamp setzte
an dieser Stelle an und wollte neugierig machen auf Vereinsarbeit und Interesse wecken an
sportlichen Aktionen außerhalb der Schule.
Die Planungen des Camps verliefen erfolgreich und zügig. Innerhalb weniger Monate war ein
geeigneter Platz gefunden. Die Verpflegung wurde organisiert und ausreichend Betreuer
waren schnell zur Stelle. Das Wichtigste, nämlich Kinder und Jugendliche für die Teilnahme zu
begeistern, erschien zunächst als Stolperstein. An dieser Stelle war das umfangreiche Netzwerk
von Unterstützern aktiv. Schule, Mitarbeiter der Jugendpflege und des Sozialamtes haben mit
Hilfe eines Flyers die Werbetrommel gerührt. Schnell stellte sich heraus, dass der erfolgreichste
Weg die persönliche Ansprache möglicher Kinder war. Lehrer wurden als Mittler gewonnen
und die Mitarbeiter des Jugendtreffs und anderer offener Treffpunkte haben daraufhin
persönliche Einladungen ausgesprochen.
Andere Stolpersteine wurden bereits durch eine umsichtige Planung ausgeräumt. Es gab für
Mädchen, die nicht im Camp übernachten wollten, einen Fahrdienst, so dass die Mädchen das
volle Tagesprogramm genießen konnten. Im Camp war ein pädagogisches Team anwesend,
dessen Mitglieder jeweils Bezüge zur Zielgruppe hatten.
Die wichtigsten Ziele des Vorbereitungsteams, nämlich Begegnungen und Kommunikation
zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen Herkunftsländern zu ermöglichen und so einen
Weg der Integration zu ebnen, haben die Initiatoren erreicht. Die jugendlichen Besucher
haben das Camp mit neuen positiven Erfahrungen verlassen. Die Trainer der örtlichen Vereine
hatten in der Pfingstzeit die Möglichkeit, junge Menschen mit Migrationshintergrund kennen
zu lernen und dadurch eigene Hemmschwellen, Ängste und evtl. Vorurteile bei den anderen
Übungsleitern und Verantwortlichen in den Vereinen abzubauen. Einige haben bereits erste
Ideen zur gezielten Integration mit in die Vereinsarbeit genommen.
Damit nicht nur die Jugendlichen und Veranstalter Campluft schnuppern konnten, gab es zum
Abschluss ein Familienfest. Auf dem Programm standen ein Spiel ohne Grenzen und ein
Fußballturnier. Die Jugendlichen führten den Eltern in kurzen Darbietungen die neu erworbenen Kenntnisse aus den Sportworkshops vor.
Die Resonanz war ausgesprochen positiv, so dass das Camp in Zukunft wieder angeboten
werden soll. Für die Stimmung im Camp war es hilfreich, dass einige Betreuer mit einer kleinen
Gruppe, die sich untereinander bereits kannte, gemeinsam angereist waren. Da die Leiter
diese Teilnehmer bereits aus anderen Zusammenhängen kannten, waren sie gut in der Lage,
bei Konflikten individuell zu vermitteln.
Die Finanzierung wurde zum Teil über private Spenden ermöglicht. Die Spender wurden
durch die Initiatorin des Projektes persönlich angesprochen und über den erfolgreichen Verlauf
des Camps unterrichtet.
Abschließend stellten die Campleiter zufrieden fest, dass der Ansatz, Verantwortung und
Arbeit auf vielen Schultern zu verteilen, entscheidend zum Gelingen der Veranstaltung
beigetragen hatte. Diese erfolgreiche Idee soll beim nächsten Mal wieder zum tragen kommen, wenn die Veranstalter noch mehr Vereine zum mitmachen gewinnen wollen, um so das
Netzwerk auszuweiten.
13
2.2.5 Navigationshilfe im Berufswegelabyrinth
Die Förderung der beruflichen Integration, also der Integration von jungen Menschen in den
Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, ist im Allgemeinen kein explizit formuliertes Ziel der Jugendverbandsarbeit. Diese widmet sich in erster Linie der Persönlichkeitsentwicklung junger
Menschen und der Förderung der sozialen Integration. Kinder und Jugendliche „stark“ zu
machen für einen „aufrechten“ Gang in unsere Gesellschaft kann andererseits genauso dazu
beitragen, dass sich ihre Chancen – und dabei insbesondere die der Kinder und Jugendlichen
mit besonderem Förderbedarf – am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erhöhen.
Sicherlich nicht nur deswegen gibt es einzelne Jugendverbandsangebote, die sich direkt mit der
beruflichen Perspektive junger Menschen befassen. Man muss nur ein klein wenig länger
suchen, um Jugendarbeit zu finden, mit der ihr Träger gezielt auf diese Wirkung, auf die
berufliche Integration, hinarbeitet. Wir wissen von einem christlichen Jugendverband in der
Region Hannover, der berufsorientierende Schülerseminare anbietet und damit Jugendliche
mit besonderem Förderbedarf erreicht.
Eine hauptamtliche Kraft mit halber Stelle koordiniert dort die Arbeit und hält den Kontakt
zu bisher etwa 30 Schulen, die den Wert eines solchen Angebotes erkannt haben.
Durchgeführt werden die Seminare von zumeist studentischen Honorarkräften, die neben
pädagogischen Kenntnissen über Erfahrung in der Jugendverbandsarbeit verfügen. Diese
Mitarbeiter werden zusätzlich für die Seminararbeit geschult. Die Kurse werden von mindestens zwei Kräften nach den Wünschen der Klassen und Lehrer vorbereitet und durchgeführt.
Dabei können die Seminarleiter auf eine Methodenmappe zurückgreifen, die auf den
Erfahrungen einer bereits jahrelangen Seminararbeit basiert und stetig fortgeschrieben wird.
Folgende Bausteine aus der Methodenmappe, die je nach Anforderung ausgewählt und
untereinander kombiniert werden können, stehen dem Team zur Verfügung: Bewerbungstraining, Berufsorientierung/Berufsfindung, Praktikumsvor- und nachbereitung, Schlüsselqualifikationen, „Parcours der Fähigkeiten“, Kommunikationstraining, Umgang mit Geld und
Verschuldung, Teamtraining, Zukunftsgestaltung. Besonders stark wird der Baustein Bewerbungstraining nachgefragt. Bei Bedarf kann auch ein ausführlicher Einstellungstest durchgeführt werden. In den Seminaren wird Wert gelegt auf den Wechsel von Einzelarbeit, Arbeit im
Plenum und in Kleingruppen, kreativen Elementen, praktischen Übungen und spielerischen
Methoden. Als Mittler werden aktuelle Medien eingesetzt.
Es handelt sich bei den ein- bzw. zweitägigen Kursen zwar um Schulveranstaltungen, die
jedoch nicht in der Schule durchgeführt werden. In zwei niedersächsischen Städten stehen in
Pfarr- und Gemeindezentren Seminarräume und eine Turnhalle zur Verfügung. In den
Seminarpausen können die Teilnehmer dort auch Freizeitangebote wie Billard, Kicker u.a.
nutzen. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Schüler an dem „anderen Ort“ eher auf das Thema
und eine persönliche Beteiligung einlassen.
Das Ziel der Seminarangebote ist, dass die jugendlichen Teilnehmer ein realistisches Selbstbild
entwickeln als Basis für eine wirklichkeitsnahe Berufswahl. Berufliche Alternativen werden auf
dem Hintergrund eigener Fähigkeiten, Möglichkeiten und Lebensabsichten erarbeitet. Durch
praxisnahe Inhalte wird die Bewerbungskompetenz der Teilnehmer erhöht. Gemeinsam
machen die Schüler neue Erfahrungen und verarbeiten diese mithilfe angemessener Methoden. Die Seminare unterstützen die Motivation zur Eigeninitiative. Die Schüler entwickeln
Handlungskompetenz für die eigene berufliche Perspektive - und in der Regel jeweils eine
persönliche Bewerbungsstrategie.
Manche Teilnehmer kommen mit einem hohen Aggressionspotential in die Seminare. Dann
sind für die Mitarbeiter erst einmal Aggressionsabbau und Motivationsarbeit angesagt. Die
Seminarleiter beherrschen die „hohe Kunst des Anti-Aggressions-Trainings“ und führen auch
die Seminare mit einem schwierigen Beginn zu einem guten Verlauf. Sie verzichten dabei auf
Druck, setzen auf Einsicht und nutzen den ihnen zur Verfügung stehenden Methodenkoffer.
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Eher beiläufig bringt das Team die Teilnehmer auch mit den Angeboten des Jugendverbandes
in Berührung. Das geschieht in erster Linie durch das Kennenlernen des o.a. anderen Ortes und
durch Einladungen zu weiteren Veranstaltungen des Verbandes – ein positiver Effekt dieser
Kooperation von Jugendarbeit und Schule.
Durch die Zusammenarbeit der regionalen mit der Landesebene des Verbandes eröffnet sich
die Chance, auf Jugendbildungsmittel des Landes Niedersachsen zurückgreifen zu können.
Zusammen mit Eigenmitteln des Verbandes und den Beiträgen der an den Seminaren
teilnehmenden Schüler lässt sich ein solches Angebot grundsätzlich aufrecht erhalten, auch
wenn es immer wieder mal vor einer unsicheren finanziellen Perspektive steht.
2.2.6 Verständigung, die durch den Magen geht
Einmal in der Woche gibt es im Offenen Jugendhaus eines christlichen Jugendverbandes eine
warme Mahlzeit für Kinder aus armen und/oder kinderreichen Familien – und für Kinder aus
Familien mit zwei berufstätigen Eltern, die kein warmes Mittagessen auf den Tisch bringen
können, weil sie arbeiten. Wenn in Spitzenzeiten 20 Kinder und Jugendliche zum gemeinsamen Kochen und Essen ins Haus komme, wird es doch recht eng in der Küche des alten
Küsterhauses. Dass alle gerne kommen, liegt nicht allein daran, dass man hier kostenlos satt
werden kann. Die meisten Kinder machen einen Entwicklungsprozess durch und stellen fest,
dass es Spaß macht, den Essensplan gemeinsam aufzustellen und dann selber zu kochen. Und
sie erleben, dass es gut tut, von der eigenhändig zubereiteten Mahlzeit satt zu werden. Die
Vorbereitungen fürs Kochen und vor allem das Abwaschen und Aufräumen hinterher sind
dann gar keine so große Hürde mehr und können als dazu gehörend erkannt werden.
Über das gemeinsame Essen und die gemeinsame Zubereitung lässt sich sehr gut ein Austausch
über Sitten und Gebräuche aus den verschiedenen Herkunftsländern der Familien herstellen.
Besondere Regeln der Tradition und der Religion werden von den Kindern selber erklärt und
beachtet, z.B. die moslemische Fastenzeit Ramadan und das Verbot, Schweinefleisch zu essen.
Dabei ist es an- und aufregend, landestypische Gerichte aus anderen Gegenden dieser Welt
kennen zu lernen und zu schmecken. Gut, über Geschmack lässt sich vielleicht streiten – über
den Wert des „Blickes über den eigenen Tellerrand“ sicherlich nicht. Hier entsteht und wächst
Verständnis für das bisher Fremde, Menschen unterschiedlicher kultureller Herkünfte interessieren sich füreinander. Und das aus dem kulturellen Austausch gewachsene Verständnis wird
weiter gereicht und trägt an anderer Stelle neue Früchte.
Dass die Mahlzeiten für die Gäste kostenlos angeboten werden können, ist den Lebensmittelund Geldspenden eines im Ort vertretenen Sozialverbandes zu verdanken. Hier zeigt sich, dass
das Engagement und die Einbindung des Jugendhauses in das Netzwerk der Organisationen
im Ort keine Einbahnstraße ist, dass der Wert der gesamten dort geleisteten Arbeit anerkannt
und honoriert wird. Es bleibt der Wunsch des Teams, dass auch die Kommunalpolitik diese
Anerkennung nicht nur in Gesprächen zum Ausdruck bringt, sondern auch dadurch, dass sie
das Haus für die Zukunft (dauerhaft) finanziell absichert.
Apropos Team: Sowohl die offene als auch die gemeindebezogene Kinder- und Jugendarbeit
im Haus wird von ehrenamtlichen Jugendleitern mitgestaltet und mitgetragen. Aufgrund der
Tageszeit des Angebots obliegt die Organisation und Begleitung des Mittagstisches jedoch
alleine der einzigen hauptamtlichen Mitarbeiterin, einer Diakonin/Sozialpädagogin. Die
meisten Mittagsgäste kommen direkt aus der Haupt- und Realschule im Ort. Dort wird
allerdings zurzeit ein eigenes Mittagstischangebot aufgebaut. Es bleibt abzuwarten, ob hier
eine Konkurrenzsituation oder eine sinnvolle Ergänzung entsteht. Im Jugendhaus zumindest
gilt die Feststellung, dass Bedarf an einer Ausweitung des Angebotes eines pädagogischen und
kostenlosen Mittagstisches besteht.
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2.2.7 Gemeinsam auf Touren kommen
Sie dauern in der Regel zwei, drei Tage oder ein bis drei Wochen und finden oft an verlängerten Wochenenden oder in den Schulferien statt. Sie heißen Pfingstzeltlager, Ferienfreizeit,
Jugendcamp, Sommerfreizeit, Ferienzeltlager, Integrationscamp oder einfach Zeltlager. Circa
ein Drittel aller Befragten hat in diesem Bereich mehr oder weniger umfangreiche Erfahrungen mit jungen Migranten und Aussiedlern gemacht. Dazu kommen noch eine Internationale
Begegnung (Integrationsprojekt) sowie ein internationaler Jugendaustausch. Kein anderer
Bereich wurde so häufig genannt wie Fahrten und Lager. Deshalb und weil die Ansätze und
Erfahrungen hier so vielfältig wie unterschiedlich sind, haben wir beschlossen, auf dieses
Praxisgebiet näher einzugehen.
Freizeiten und Zeltlager finden fast immer außerhalb des eigenen Wohnortes statt. Eine Reise,
eine Fahrt ist nötig, um dorthin zu gelangen. Die Beteiligten sind gemeinsam unterwegs, lassen
ihr Zuhause hinter sich und gewinnen Abstand - vielleicht auch Ruhe vor dem, was zu Hause
los ist.
Viele kennen die neue Umgebung und die meisten der anderen Teilnehmer nicht. Begriffe wie
Unbekanntes, Abenteuer, Urlaub spielen eine Rolle. In der Luft liegen Spannung, Freude,
Überschwänglichkeit, Aufregung, Spaß, Durcheinander, Neugier - vielleicht auch ein bisschen
Angst. Manche Teilnehmer präsentieren sich, fragen sich: wer ist so drauf wie ich? Wer könnte
zu mir passen? Wer sieht anders aus, benimmt sich anders?
Man gewinnt Distanz zu alltäglichen Abläufe und Verpflichtungen. Das gibt Raum für neue
Erfahrungen. Und vielleicht gibtûs zwischendurch auch mal die Möglichkeit abzuschalten, sich
zurück zu ziehen. Das Ganze findet außerhalb elterlicher Kontrolle statt. Oft gelten andere,
vielleicht ganz neue Regeln; schon auf der Fahrt und am Zielort erst recht. Gerade die
Rahmenbedingungen bieten gute Gelegenheiten, den Teilnehmern den Sinn von Regeln - und
damit auch Werte - aufzuzeigen und sich über Grenzen auseinander zu setzen. Dabei geht es
grundsätzlich immer um den respektvollen Umgang aller Beteiligten miteinander. Begegnest
Du Deinen Teilnehmern mit Wertschätzung und Vertrauen, lässt ihnen Anerkennung zuteil
werden, so darfst Du davon ausgehen, dass sie sich Dir gegenüber ebenso verhalten. Damit
hast Du die Grundlage für gute Kontakte und Beziehungen geschaffen.
Freizeiten und Zeltlager sind in der Regel preiswerter als kommerzielle Angebote. Das
bedeutet, auch Teilnehmer aus weniger begüterten Verhältnissen können mitmachen. Für
manche Fahrt kann auch noch ein Zuschuss beantragt werden.
Manche Vereine und Verbände achten bewusst auf die „gesunde“ Mischung ihrer Teilnehmergruppen, z.B. auf Alter, Geschlecht, Herkunft oder bestimmte Interessen. Um das zu erreichen
kooperieren sie mit Schulen, Jugendzentren und anderen Einrichtungen und sprechen mögliche Teilnehmer (und deren Eltern) direkt an. Die Verantwortlichen haben konkrete Vorstellungen, wen und was sie erreichen wollen, und wissen, wo ihre Schwerpunkte und Ziele liegen.
Dabei muss nicht gleich die direkte Aufnahme in den Verein, in den Verband angestrebt
werden. Vielmehr geht es um ein Heranführen in kleinen Schritten: es werden Angebote
gemacht und Möglichkeiten aufgezeigt. Andere Verbände und Vereine praktizieren eine eher
offene Anmeldung; schauen, wer mitfährt und richten dementsprechend – und manchmal
auch erst vor Ort - ihr Programm an den Interessen der Teilnehmer aus. Die Bandbreite ist
groß. Eins gilt jedoch grundsätzlich: für das Gelingen einer Veranstaltung spielt Dein guter,
persönlicher Bezug zu den Teilnehmern eine bedeutende Rolle. Doch so unterschiedlich
Rahmen und Regeln auch sein mögen, Fahrten und Lager bieten immer wieder die Möglichkeit, dass Teilnehmer in ihren vorhandenen Interessen bestätigt werden. Und gleichzeitig
gelingt es aufmerksamen und engagierten Jugendleitern, mit verschiedensten Angeboten neue
Interessen zu wecken.
Kinder- und Jugendarbeit hat viel mit Bewegung zu tun. Wenn Du das aufgreifst, können
Teilnehmer z. B. über verschiedene Sportarten ihre Fähigkeiten und Stärken entdecken und
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ausdrücken. Gleichzeitig lernen sie dabei geradezu spielerisch Sozialverhalten. Mit seiner
Vielfalt bietet der Sport immer wieder Möglichkeiten und Ansätze für eine gelingende
Integration. Dabei geht es längst nicht nur um Wettkampf und Konkurrenz. Im Vordergrund
steht das Miteinander.
Auch das Entdecken, Aufgreifen und Fördern von musischen und kreativen Talenten führt
vielfach zu Verständnis füreinander, Anerkennung untereinander und Verbindung zueinander.
Ebenso eignen sich dazu natürlich die klassischen Inhalte von Fahrt und Lager wie Wanderungen, Lagerfeuer, Ausflüge, Workshops, Selbstverpflegung, bunte Abende und vieles andere
mehr. Ein Jugendverband veranstaltet auf seinen Freizeiten z. B. so genannte Nationentage.
Dabei präsentieren Teilnehmer unterschiedlicher Herkunft Besonderes und Typisches ihrer
Nationalität.
Auf einen wichtigen Aspekt wollen wir noch hinweisen: auf den Umgang mit Eltern. Leute mit
langjähriger Praxis benennen insbesondere zwei Verhaltensweisen von Eltern junger Migranten
und Aussiedler. Zum einen verhalten sich manche Eltern gleichgültig bis desinteressiert, wenn
ihr Kind erstmal für eine Maßnahme angemeldet ist. Zum anderen wird die Arbeit mit den
Eltern als schwierig und problematisch beschrieben, wenn diese ihre Kinder im Verband, im
Verein wenig oder gar nicht unterstützen. Manchmal werden Kinder wieder rausgeholt bzw.
abgemeldet, obwohl sie durchaus gerne dort sind. Einige Praktiker sehen die Integrationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in starker Abhängigkeit vom Integrationswillen der
Eltern.
Wir spekulieren an dieser Stelle nicht über mögliche Gründe für das Verhalten der Eltern. Es
geht vielmehr darum, wie Du die Akzeptanz, vielleicht sogar das Vertrauen der Eltern
gewinnen kannst. Was nützt Dir, wenn Du Eltern davon überzeugen willst, dass es gut und
richtig ist, dass Ihre Kinder die Angebote Deines Vereins, Deines Verbandes wahrnehmen? Es ist
sicherlich hilfreich, wenn Du etwas über die familiären Hintergründe, etwas über Sitten und
Gebräuche weißt, weil das zu einem besseren Verständnis führen kann. Genauso wichtig ist es,
dass Du über Deine Arbeit informierst und Einblicke ermöglichst. Wenn Du Eltern zur Mithilfe
bei einer bestimmten Aktion bewegen kannst, hast Du schon ganz viel erreicht !
Mehr zum Thema „Elternarbeit - Zwischen Einbindung und Abgrenzung“ findest Du im
„Juleica Handbuch für Jugendleiterinnen und Jugendleiter“.
2.2.8 Spotlights: Noch mehr Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte
Nachdem wir einige Beispiele von Integrationsarbeit ausführlich dargestellt haben, beschreiben wir im Folgenden eine Auswahl weiterer Ansätze, wie Integration versucht wird und
gelingen kann.
Verschiedene Mitarbeiter und Jugendleiter aus Jugendzentren und Treffs haben den Bereich
Offene Tür (OT) genannt. Über diesen niederschwelligen Ansatz werden immer wieder junge
Migranten und Aussiedler erreicht: „Gucken, wer kommt“, und „Nutzer sind die, die da sind.“
Das bedeutet situationsbedingtes Arbeiten. Mit Angeboten, die den jungen Menschen nicht
„aufgedrückt“ werden, sondern die sie neugierig machen, die bedürfnisentsprechend ausgerichtet sind und die sie bei ihren Interessen abholen. So wird ein Einblick in Jugendarbeit
ermöglicht. Über persönliche Kontakte können Jugendliche nach und nach eingebunden
werden. Natürlich gelingt das nicht immer. Kontinuität ist schwierig, gerade in dieser Altersstufe. Es ist es angebracht, wenn die Erwartungen zunächst niedrig angesetzt werden. Kleinigkeiten sollten als Fortschritt und kleine Schritte als Erfolge gewertet werden.
17
Ein Jugendzentrum in der Region bietet neben den klassischen Angeboten eine schier unendliche Fülle von Möglichkeiten an. Auf dem Freigelände haben junge Aussiedler einen Bauwagen errichtet > geschlechtsspezifischer Ansatz. Es werden Hütten gebaut, ein
Abenteuerspielplatz wird angelegt > mit den eigenen Händen etwas Sichtbares schaffen.
In einem umgebauten Gebäude entsteht eine Kletterhalle > Alternative zu den klassischen
Sportangeboten, Jugendarbeit hat viel mit Bewegung zu tun. Für die musisch-kreativen
Talente stehen Musikräume zur Verfügung > ein Instrument spielen lernen, sich als DJ ausprobieren, mit der Band üben. Und Tiere haben die auch - Pferde und einen Hund. Da hatûs
schon manch „harter Junge“ mit der Angst zu tun bekommen ...; wer hätte das gedacht?
Bei so vielen Angeboten und Gruppen kann es passieren, dass die eine Gruppe sich mehr
Raum nimmt als eine andere. Das gehört zum Alltag. Für einen Jugendleiter ist es ratsam,
Entwicklungen zuzulassen und im Auge zu behalten und darauf zu achten, dass auch die
anderen Gruppen wieder zum Zug kommen.
In der Jugendarbeit ist immer wieder Flexibilität gefragt. Ein Jugendzentrum hatte das
Angebot „Mädchenraum“ installiert. Das wurde allerdings nicht wie erhofft angenommen.
Daraufhin boten die Mitarbeiter stattdessen einen „Mädchentag“ an > geschlechtsspezifischer
Ansatz. Und das klappte! Ein gutes Beispiel für Ausprobieren-Verwerfen-Ändern. Flexibilität
kann auch bedeuten, besondere Veranstaltungen außerhalb normaler Öffnungszeiten
anzubieten und damit vielen die Teilnahme zu ermöglichen > Turniere, Filmvorführungen, ...
Manche Mitarbeiter gehen bewusst in die Stadtteile hinein, um so diejenigen, die sie betreuen,
mit denen sie arbeiten, auch außerhalb des Vereins, des Treffs kennen zu lernen. Auf sie
zugehen, ehrliches Interesse bekunden, da präsent sein, wo Kinder und Jugendliche sich
aufhalten – das schafft weitergehende Bezüge und manchmal auch mehr Vertrauen >
aufsuchender Ansatz. Wer seinen Stadtteil und die Menschen dort kennt, der kann auch ganz
anders um Verständnis für die Situation von jungen Migranten und Aussiedlern werben.
Mit einer Kombination aus Sport, Kunst und Theater hat ein Kinderzirkus aus der Region sein
Projekt in den Stadtteil hineingebracht, in dem viele Kinder und Jugendliche mit besonderem
Förderbedarf leben. Durchgeführt wird das Projekt von Ehrenamtlichen und einer Honorarkraft. Es gibt regelmäßige Treffen, bei denen Interessierte willkommen sind.
Ansätze des Projektes sind: neugierig machen, zum Mitmachen animieren und einladen,
Freiräume für eigene Erfahrungen ermöglichen. Auf diese Weise können Fähigkeiten und
Talente entdeckt und gefördert werden. Wichtig dabei: das, was die Kinder und Jugendlichen
gelernt und geprobt haben, führen sie anschließend öffentlich auf. Sie machen die Erfahrung,
dass sie Stärken haben, dass sie etwas durchhalten können > Erfolge organisieren.
Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter eines Sportvereins, der dort für die Kinder- und Jugendarbeit
zuständig ist, berichtet, sie hätten keine Probleme mit der persönlichen Integration von
Aussiedlern. Und am Geld sollûs auch nicht liegen: Bei Bedarf hilft der Verein durch die
Bereitstellung von Sportbekleidung oder bietet einen günstigeren Beitrag an. Mit einem
derartigen Handeln wird eine Haltung gelebt: „Uns ist wichtig, dass DU dabei sein kannst und
mitmachst!“
Für sämtliche Ansätze in der Integrationsarbeit existieren Regeln. Es gibt Grenzen, die nicht
überschritten werden dürfen. ALLE Beteiligten haben das Recht auf körperliche und seelische
Unversehrtheit. Respektvoller Umgang miteinander ist unverzichtbar. Ein erster Schritt muss
also immer sein, sich auf diese Plattform zu verständigen. Als Jugendleiter solltest Du darauf
achten, dass die gemeinsam aufgestellten Regeln eingehalten werden, und im Zweifelsfall für
diejenigen eintreten, die diese Regeln beachten.
Verschiedene Praktiker haben unabhängig voneinander eine Idee, einen Handlungsansatz
genannt, den wir hier kurz unter dem Begriff „Patenschaften“ anreißen. Das kann bedeuten:
so genannte Lotsen begleiten in die Vereine, sie nehmen Kinder und Jugendliche mit in die
Gemeinde > über persönliche Kontakte „in das Leben in Deutschland hinein begleiten“.
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Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, die wir bisher nur noch nicht kennen. Eines ist jedoch
mit Sicherheit sinnvoll: den Aspekt der Integrationsarbeit, künftig in Juleica Fortbildungen und
in anderen Seminaren zu berücksichtigen.
2.2.9 Und jetzt kommst DU!
Wir gehen davon aus, dass Du entweder schon einmal mit jungen Migranten und/oder
Aussiedlern in Kontakt gekommen bist oder kommen wirst. Niemand erwartet, dass Du dann
als „Berater“ in Erscheinung trittst. Es geht vielmehr um Dich als Gesprächspartner und darum
welche Möglichkeiten Du siehst, in Deinem Umfeld ein integrationsfreundliches Klima zu
schaffen. Orientiere Dich also an den Gegebenheiten vor Ort.
Aus den Erfahrungsberichten der Praktiker haben wir viele Tipps erhalten, die sich für die
Begegnungen mit jungen Migranten und Aussiedlern als hilfreich erwiesen haben bzw.
erweisen können. Wir haben diese Tipps noch um einige Hinweise und Aspekte ergänzt.
 Dein Interesse muss echt („authentisch“) sein.
 Der „Gastgeber“ und das bist Du, sollte den ersten Schritt machen und den Gegenüber
willkommen heißen.
 Normale Kontaktaufnahme: junge Migranten und Aussiedler haben zwar einen anderen Hintergrund, eine andere Herkunft als Du und sind dennoch keine „Exoten vom
anderen Stern“; sie sind Kinder und insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene
auf der Suche nach Identität wie ihre deutschen Altersgenossen und vielleicht auch Du.
 Positiv anknüpfen: es ist für beide Seiten vorteilhafter, wenn (Erst-) Kontakte und Begegnungen mit angenehmen Umständen und Anlässen verbunden sind.
 Problemüberfrachtung vermeiden: auch wenn der Erstkontakt über „problematische
Fragestellungen“ zustande gekommen ist, unbedingt darauf achten, dass das nicht
zum bestimmenden Merkmal für Eure Begegnungen wird und Spaß, Unbeschwertheit
und Entlastung mit hineinnehmen.
 Integration ist nicht zwangsläufig mit „Problem“ gleichzusetzen !
 Im Gespräch beachten (Ausschnitt):






zuhören;
nachfragen, wenn Du etwas nicht verstanden hast;
mitteilen, was Du weißt bzw. was Dir dazu einfällt; was Du in ähnlichen / vergleichbaren Situationen gemacht hast oder meinst, dass Du es tätest;
dabei glaubwürdig bleiben; nimm keine Position ein, die Du nicht wirklich vertrittst, und wahre Deine Grenzen; dadurch bleibst Du authentisch und im besten Sinne berechenbar; - weiter vermitteln an Profis, die sich mit bestimmten
Fragestellungen besser auskennen;
Dir selber Rat holen und Entlastung verschaffen, wenn Du merkst, etwas überfordert Dich oder jemand nimmt Dich zu sehr in Beschlag;
Gespräche eventuell zu zweit machen.
INTEGRATION IST, WAS DU DRAUS MACHST !
19
3.
Wünsche aus der Region an die Region
Im Rahmen der Interviews haben wir die aktiven Jugendleiter nach Stolpersteinen in der
Arbeit gefragt. Wir hatten die Erwartung, an dieser Stelle Details zu möglichen Hindernissen
bei der Durchführung der Projekte zu erfahren. Die Interviewpartner berichteten von Erfahrungen, die sich auf das eigene Projekt bezogen. Darüber hinaus wurden weitere Unterstützungswünsche an Politik und Verwaltung geäußert.
In der Region Hannover gibt es neben den 21 Städten und Gemeinden die Verwaltung der
Region Hannover. Diese Verwaltung übernimmt in einigen Bereichen zentrale Aufgaben. Und
hier liegt der erste Stolperstein: Die Region Hannover ist nicht in allen Bereichen und nicht
immer für alle Städte zuständig.
Das kann einen Ehrenamtlichen in der Praxis ganz schön Nerven kosten.
Das deutlichste Beispiel hierfür ist die Förderung von Fahrten und Lagern. Der ehemalige
Landkreis Hannover hat für jedes Kind, dass Teilnehmer einer förderungswürdigen Freizeit
war, einen gleich hohen Zuschuss geleistet. In der Region ist das nicht mehr so. Für Kinder aus
sechs Städten, nämlich die mit eigenem Jugendamt, werden keine Zuschüsse gezahlt. Die
Jugendverbände können die Preise der Fahrten nicht kalkulieren. Es sei denn, die Vereine
nehmen für Kinder und Jugendliche aus Städten mit eigenem Jugendamt einen erhöhten
Teilnahmebeitrag. Die zum Teil erheblichen Defizite vieler Freizeitmaßnahmen, die in dieser
Förderpraxis begründet liegen, werden die Vereine in Zukunft zu diesem Schritt zwingen.
Die Ehrenamtlichen fordern von der Politik eine einheitliche Förderung für alle teilnehmenden
Kinder und Jugendlichen aus der gesamten Region, die über eine Verwaltungsstelle abgerechnet wird. Und auch eine Kürzung des Förderbetrages, wie in der Vergangenheit immer wieder
geschehen, darf es nicht noch einmal geben!
Ehrenamtliche Arbeit steht und fällt mit den Freiwilligen. Die Gewinnung von jungen ehrenamtlichen Gruppenleitern als „Nachwuchs“ ist für die Absicherung einer zukunftsfähigen
Kinder- und Jugendarbeit unumgänglich. Die jungen Leute, deren Interesse an einer Tätigkeit
geweckt werden konnte, absolvieren in der Regel einen Juleica Kurs, für den sie neben der
investierten Zeit - mindestens 50 Stunden – in der Regel auch die Kursgebühren selber tragen.
Die Gesamtheit der Städte und Gemeinden in der Region muss zur Absicherung der Zukunft
der ehrenamtlichen Arbeit junger Menschen beitragen, indem die Kursgebühren auf Antrag
erstattet werden – von einer zentralen Stelle und unabhängig vom Wohnort der Jugendleiter
in der Region.
Viele Aktive fordern mehr Netzwerkunterstützung. Sie versprechen sich dadurch eine bessere
Unterstützung und größere Anerkennung ihrer Arbeit, aber auch Synergieeffekte. Eine
Austauschrunde für Ehrenamtliche ist ein konkreter Vorschlag aus einem Projekt.
Bestehende Gesetze und Vorschriften sind bei der Integrationsarbeit vor Ort nicht immer
hilfreich. Auf Grund erlebter Erfahrungen wünschen sich Jugendleiter, dass Kinder und Jugendliche mit einem Duldungsstatus bessere Möglichkeiten haben, mit dem Jugendverein beispielsweise zu einem Wettkampf ins Ausland zu fahren. Eine Ausnahme ist scheinbar schwer zu
erkämpfen und eine Finanzierung der Reisekosten oft ein unlösbares Problem. Damit Kinder
und Jugendliche mit Migrationshintergrund teilhaben und teilnehmen können, bitten Jugendleiter die zuständigen Behördenmitarbeiter die ihnen gegebenen vorhandenen Spielräume
auszunutzen.
Der Wunsch nach einer verstärkten und zum Teil offensiveren jugendpolitischen Arbeit wurde
laut. Politik kann durch Projektgelder Jugendverbände und andere Initiativen animieren, sich
dem Thema mit neuen Methoden zu nähern. Hierbei sollte der Fokus nicht nur auf die
Jugendlichen gerichtet sein. In mehreren Interviews wurde betont, wir wichtig die „Mitbetreuung“ der Eltern und der Familie für eine erfolgreiche Integration ist.
20
Die Vertreter der Jugendverbände nehmen nicht nur die Politik in Verantwortung. Von
weiteren Verantwortlichen wie z.B. einem Kirchenvorstand wird ein geschärfterer Blick
gefordert. Ein wenig mehr Mut und manchmal mehr Toleranz sollten die Nachbarn der
Projekte mitbringen.
Oft sind Angebote an junge Migranten mit dem Ziel der langfristigen Integration in den
Jugendverein konzipiert. Gerade bei dem Übergang in die kontinuierliche Verbandsarbeit
finden sich Stolpersteine. Im Bereich Sport beispielsweise können oder wollen Eltern nicht den
Vereinsbeitrag leisten, oder sie können keine Gelder für die Sportbekleidung aufwenden. Hier
wünschen sich mehrere Interviewpartner eine Fördermöglichkeit durch die Region Hannover.
Der Wunsch nach Unterstützung und Anerkennung der geleisteten Arbeit wurde in vielerlei
Hinsicht geäußert. Das hat manchmal etwas mit Geld zu tun, allerdings nicht immer. Häufig
lebt ein Projekt vom Engagement Einzelner oder Weniger. Diese Personen wünschen sich mehr
Unterstützung, damit ihre guten Ideen weiter Früchte tragen.
In der Region Hannover gibt es gute Ideen und funktionierende Projekte!
Die Initiatoren der Arbeitshilfe haben einige bemerkenswerte Aktionen für mehr
Integration gefunden.
Integration ist, was Du draus machst ... dieser Satz gilt auch für die Verantwortlichen in der Region Hannover!
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